Jakobus 2,1-7: "Parteilichkeit in der Gemeinde: Verachte nicht den Armen!"
Jakobus 2,1-2,727.10.2013
Serie•Teil 5 / 11Jakobus
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Einordnung und Ausgangspunkt
Wir stecken im Jakobusbrief. Wir stecken nicht fest, sondern wir machen immer weiter. Heute sind wir, und das sage und schreibe, bei Kapitel zwei angekommen. Das mag man kaum glauben, weil das Ding fünf Kapitel hat. Aber wir sind schon bei Kapitel zwei angekommen, und es geht immer noch um dasselbe Thema, nämlich um die Frage: Was ist eigentlich echter Glaube? Was macht echten Glauben aus?
Wir hatten letztes Mal drei Aspekte betrachtet. Echter Glaube hat sich irgendwie im Griff, also dieses Stichwort: die Zunge zügeln. Echter Glaube ist menschenzentriert, Stichwort: Waisen und Witwen in ihrer Drangsal besuchen. Und echter Glaube ist heiligend, das heißt: sich von der Welt unbefleckt zu erhalten.
Ich wollte noch einmal auf diese Predigt eingehen. Ich glaube, dass solche Predigten ein Riesenproblem haben. Ich will das mal so schildern.
Ich glaube an einen Eheabend. Ich glaube, dass es gut ist, wenn man einmal in der Woche einen Eheabend macht. Es muss nicht unbedingt immer ein Abend sein, aber dass man eine gute Zeit hat, die man als Ehepaar miteinander verbringt. Bei uns ist das meistens, wir sind nicht sonderlich kreativ, setzt sich das irgendwie aus Baguette, Käse und Rotwein zusammen. Ein bisschen Musik dazu, und dann ist gut. Dann freuen wir uns schon.
Aber manchmal leisten wir uns etwas Besonderes. Ich habe an den meisten Sonntagen im Jahr vormittags und nachmittags irgendwo etwas zu tun. Aber da gibt es dann so kleine Nuggets, so zwei, drei, vier Sonntage vielleicht über das Jahr verteilt, an denen ich mal tatsächlich sage: Nein, jetzt hätte ich eigentlich vormittags frei. Und das war vor Kurzem so. Da haben wir diese Lücke genutzt und sind brunchen gegangen.
Also erst ein bisschen Sport gemacht und dann in einem schönen Hotel richtig edel gebruncht, wild gebruncht. Da hat sich jemand so richtig Mühe gegeben. Sehr fein, sehr lecker. Und du sitzt da und schlägst dir einfach den Bauch voll. Als wir dann irgendwie zweieinhalb Stunden später wieder weitergezogen sind, um noch ein älteres Ehepaar für den Gottesdienst abzuholen, ey, wir waren pappsatt.
Wie geistliche Nahrung verarbeitet wird
Und ich glaube, genau das ist das Problem bei Jakobus. Man hört sich so eine Predigt an, eins, zwei, drei, ja, und irgendwie ist man pappsatt. Man kann irgendwie nicht mehr. Man fühlt sich so, wie ich mich fühlte, als ich vor dem Nachtischbuffet stand.
Das ging von links nach rechts und sah ungefähr so aus: erst Eisbar, dann Crêpebar, Kuchenbar, Tiramisu-Bar, Quarkbällchen. Und du denkst dir: Boah, ich bin eigentlich schon ... Und du quälst dir dann vielleicht noch ein Stück Tiramisu rein, weil du sagst: Irgendwas muss ich ja davon mitnehmen.
Ich glaube, das ist die Jakobuserfahrung. Man hört sich so eine Predigt an, und eigentlich ist es ein Stück zu viel. Du schaffst dann einfach nicht mehr. Also, wenn ich mir nach der Nachtischbar überlege, dass dahinter ja eigentlich noch die Käsebar kommt, die dann den Magen schließen soll, da war schon nichts mehr zu schließen, weil das kam schon oben wieder raus.
Also, das ist Jakobus. Es ist ein unglaublich praktischer Brief, aber du schaust dir zwei Verse an und hast den Eindruck: Oh, das reicht fürs nächste halbe Jahr, wenn ich das umsetze. Und dann kommst du die Woche drauf wieder hierher, und dann sagt der Fischer von vorne: Wir machen weiter. Und du denkst dir: Super, ich bin eigentlich noch gar nicht so richtig hinterhergekommen.
Weil das zu viel ist, möchte ich euch heute am Anfang einen Input geben. Ich möchte mit euch kurz darüber nachdenken, wie man eigentlich ein solches Buch verdaut, beziehungsweise wie man überhaupt Predigten verdaut, die einen ansprechen.
Wir werden, das wird euch klar sein, weil wir es auch gepredigt haben, im Jakobusbrief, wo auch sonst, nicht dadurch verändert, dass wir Dinge hören, sondern dass wir sie tun. Wir müssen uns also die Frage beantworten: Wie schaffen wir es, dass wir das, was wir am Sonntag hören, irgendwie behalten, dass wir das verinnerlichen und dass das dann im Verlauf der kommenden Monate, es erzählt mir ja keiner, dass du das nächste Woche umgesetzt hast, also im Verlauf der kommenden Monate, wie setze ich das um in konkretes Verhalten?
Ganz wichtig: Das passiert nicht von alleine. Das muss man sich wirklich verinnerlichen. Aber wir leben in einer Zeit, die ich persönlich nur als irre empfinde, und sie nimmt uns vor allem eines: Zeit, um mal in Ruhe nachzudenken.
Vielleicht kann man das als Rentner, ich weiß es nicht, ob es dann besser wird. Aber ich habe so den Eindruck: Ich stehe morgens auf, und früher war es einfach. Da hat man Briefe gekriegt, dann wurde es ein bisschen komplizierter, da kamen die E-Mails dazu, und heute kriege ich SMS, WhatsApp, Facebook noch obendrauf. Allein nur um zu schauen, wer mir überhaupt überall über die verschiedenen Kanäle geschrieben hat, schnell mal geschaut, was in dieser verrückten Welt sonst noch unterwegs ist.
Also, mir geht es so: Ich empfinde das relativ voll.
Nachsinnen als Schlüssel zur Veränderung
Und dabei liegt genau in diesem Punkt das Reflektieren. Genau da liegt tatsächlich der Schlüssel für Veränderung.
Wenn wir uns anschauen, was die Bibel eigentlich über diesen Prozess der Veränderung sagt, also darüber, wie aus mir ein anderer wird, dann sagt sie zum einen: Die Kraft dafür kommt aus dem Heiligen Geist. Sie sagt auch, dass die Ideen dafür aus der Bibel kommen. Aber die Umsetzung muss irgendwie in mir stattfinden.
Ich möchte euch einen Bibelvers zeigen, der mir unglaublich geholfen hat, diesem Problem persönlich zu begegnen. Ich brauche euch nicht einmal zu sagen, wo er steht. Ihr würdet ihn wahrscheinlich fast alle sofort finden, weil es einer der bekanntesten Verse überhaupt in der Bibel ist.
Da heißt es: „Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht.“
Was mir irgendwann klar geworden ist: Wenn ich Veränderung will, wenn ich vom Hörer zum Täter kommen will, wenn ich von der Theorie zur Praxis will, wenn ich von Wissen zu Charakter will, dann braucht es bei diesem Sprung immer als Bindeglied das Nachsinnen.
Ich habe mir selbst die Frage gestellt: Wie kriege ich das eigentlich hin? Ich empfinde mein geistliches Leben so: Ich lese die Bibel, ich unterhalte mich mit tollen Christen, ich höre ab und zu mal eine Predigt, ich lese mal ein gutes Buch. Und immer wieder passiert es beim Hören, dass der Geist Gottes mich anpingt, also dass ich den Eindruck habe: Dieser Bibelvers, jenes Prinzip, diese Aussage – boah, die ist total gut. Da müsste ich jetzt länger darüber nachdenken. Da müsste ich jetzt irgendwie mal innehalten und schauen, dass mir das nicht wieder verloren geht.
Eine persönliche Methode für geistliches Behalten
Und ich habe mir dann irgendwann einmal für mich selbst die Frage gestellt: Ich möchte ja nicht einer sein – ihr kennt das Seemannsgleichnis, das Gleichnis vom Sämann –, bei dem das Wort Gottes ausgestreut wird. Das erste Feld ist ja oft das, worüber man immer hinwegliest, weil man meint, das habe mit einem selbst nichts zu tun. Man fragt sich immer, ob man vielleicht das dritte oder das vierte Feld ist. Aber das erste Feld, auf dem der Teufel kommt und das ausgestreute Wort wieder wegnimmt, wird dabei schnell übersehen.
Ich habe mir die Frage gestellt: Wie kriege ich das hin, dass das in meinem Leben nicht passiert? Gerade bei Predigten wie letzte Woche, mit drei guten Inputs, dachte ich mir: Eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht wird es nächstes Mal ein bisschen weniger. Wie schaffe ich es, dass ich am Ende nicht dastehe als einer, der vom Teufel beklaut wird? Der Geist Gottes pingt mich womöglich dreimal an, aber ein halbes Jahr später, wenn mich jemand fragt, was ich jetzt praktisch daraus gemacht habe, ist eigentlich nicht viel passiert. Es ist wenig Veränderung passiert.
Deswegen dachte ich mir: Ich möchte ein kluger Christ sein, einer, der nachdenkt. Kann man eine Methode finden, für mich persönlich, damit ich, wenn das passiert und der Geist Gottes mich anpingt, das nicht mehr vergesse und dann anfange, darüber nachzudenken? Ich habe so eine Methode für mich gefunden, und die wollte ich euch vorstellen. Das ist eine Methode, die manche von euch schon kennen, die mich auf meinem Weg ein Stück begleitet haben. Aber so ist das Leben halt.
Ich lerne Bibelverse auswendig. Das ist jetzt nicht sonderlich cool, das gebe ich zu. Das klingt ein bisschen wie Vokabeln von früher. Aber was ich mache, ist Folgendes: Wenn ich ein Buch lese und darin bringt jemand einen guten Gedanken, dann schaue ich nach, wo er diesen Gedanken in der Bibel aufhängt.
Vor kurzem habe ich zum Beispiel – das ist jetzt hier drin so ein Vers, den ich gerade auswendig lerne – ein Buch über Erweckung gelesen. Darin meinte der Autor: Erweckung, na ja, in der Bibel steht doch, wenn ich so ein bisschen down bin und mich nach Erweckung sehne, dann soll ich mich mit Kirchengeschichte beschäftigen. Da dachte ich: Wo hast du denn diesen Gedanken her? Dann zitierte er Psalm 143,5: „Ich gedenke der Tage der Vorzeit, überlege all dein Tun, ich sinne nach über das Werk deiner Hände.“
Ich las den Vers und dachte mir: Das mache ich nicht. Ich denke nicht nach über Kirchengeschichte. Wir haben zwar ein paar Bücher zu Hause stehen, aber ich bin froh, wenn ich nicht so viel darüber nachdenken muss. Denn die haben sich größtenteils gegenseitig die Köpfe eingeschlagen und solche Sachen gemacht und sich eigentlich nur gestritten.
Praktische Umsetzung im Alltag
Gibt es, und dann kommt so ein Vers. Was mache ich jetzt?
Der Gedanke ist ja cool: Du möchtest ermutigt werden, und du findest Ermutigung in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Wie merke ich mir diesen einen Gedanken? Also, es waren vielleicht hundertfünfzig Seiten, und das war der eine Gedanke, der mich interessiert hat. Das war das eine Mal, wo der Geist Gottes Ping gemacht hat.
Und das Erste, was ich tue: Ich schreibe das vorne in mein Buch rein, damit ich das nicht vergesse. Und wenn ich dann fertig bin mit dem Buch, schlage ich vorne auf und schaue, welche Verse mich angesprochen haben.
Ich lerne unglaublich schlecht auswendig. Also komm mir nicht mit: Ich kann das nicht. Ich erzähl dir mal, wie es bei mir ist. Dann werden dir die Tränen kommen, und du wirst sagen: Oh, dann kann ich doch. Ich lerne so schlecht auswendig. Wenn ich den Vers, sagen wir, in den nächsten zehn Wochen drin habe, wäre das schnell. Wenn es in den nächsten zwanzig Wochen ist, bin ich glücklich und zufrieden.
Und das Schöne an den Dingen hier ist: Das mache ich, wenn ich eine gute Predigt höre. Reduzieren auf einen Vers, den ich auswendig lerne. Letztes Mal waren es drei Punkte, drei Verse, beziehungsweise waren es überhaupt nur zwei Verse. Insofern lerne gleich die zwei Verse auswendig. Aber lerne sie auswendig. Nimm sie dir mit rein ins Leben, hab das immer dabei.
Wenn ich Auto fahre, das hat meine Frau am Anfang immer ein bisschen kirre gemacht, dann stehen die da so an der Seite, und ich lerne in Ruhe meine Bibelverse. Wenn ich im Fitnessstudio auf dem Crosstrainer bin, stehen die vor mir, und Stöpselchen rein, und dann schön drüber nachdenken, schön durchdeklinieren. Wenn ich morgens Tee koche und Zeit habe, babs, dran, schnell noch mal meine Bibelverse durchgehen.
Ich kann euch das einfach nur raten, weil das, was du durchdenkst, das, was du, die Bibel würde sagen, im Herzen hast, das, was hier oben wirklich abrufbar drin ist und klar, wenn du bei 50 angekommen bist, musst du dann wiederholen, das ist ja logisch, wie bei Vokabelkärtchen, aber das, was da drin ist, das hier ist der Kraftstoff für meine persönliche Veränderung in 2014. Weil es sind die Dinge, an die Gott mich erinnert hat, die Gott mir beigebracht hat.
Hier ist ein Vers über Erweckung, weil mich das Thema an sich gerade interessiert. Hier noch mal ein Thema zum Thema Habzucht und so. Und könnte ich durchgehen, hier ist eines zum Thema Evangelisation. Das ist noch von der Outdoor-Bibelschule im Sommer. Okay, ja, also ihr merkt, das ist schon wieder ein Vierteljahr her. Aber ich kann den halt noch nicht. Ich brauche halt einfach ... Aber das macht nichts, weil die ganze Zeit denke ich mir: Damals in der einen Predigt von Henry, der Vers hat mich total motiviert, den lerne ich jetzt.
Und weil er noch da ist und weil ich so dusselig langsam auswendig lerne, prägt er sich so langsam ein. Weiß ich, ob er mal bei Physiotherapie so geknetet wird? Die machen gar nicht viel. Die müssen gar nicht so immer wieder. Und so ist das auch. Das prägt sich langsam, aber sicher in mein Denken und Verhalten ein.
Ein neuer Schwerpunkt: Unparteilichkeit
Und jetzt weiß ich: Es gibt zwei Arten von Menschen unter uns. Die einen sagen: Gibt es das auch in elektronischer Form, richtig? Da heißt die App Remember Me, kann man sich merken, Remember Me, eine App, um so etwas zu machen.
Und dann gibt es Leute, die sagen: Ich würde ja grundsätzlich schon, wenn ich so schicke Kärtchen hätte, mit so einem schicken bunten Ding hier oben, ja, mit so einer Fotoklammer, dann würde ich ja auch machen. Ja, und wenn das jetzt gerade durch deinen Kopf geht, dann habe ich eine gute Nachricht für dich: Nadja, steh auf! Ja, genau, Nadja hat für alle, die wollen, Kärtchen und Klammern.
Wenn du sagst: Ich mache das, und ich möchte, was weiß ich, heute von der heutigen Predigt, die man in einem Vers zusammenfassen kann, ich möchte das nie wieder vergessen, weil das Thema mich fasziniert, weil es Jakobus wichtig ist, weil es superpraktisch ist für Gemeinde, dann lass dir von Nadja eine Fotoklammer mit Kärtchen geben. Schreib dir den Bibelvers auf, fang an, ihn zu lernen, und nächste Woche wieder und übernächste Woche wieder. Du machst deine stille Zeit, und wenn du merkst, da spricht mich der Heilige Geist an, den lernst du auch auswendig. Und du hörst nicht auf, wenn du jung bist bei tausend, wenn du älter bist bei zweihundert. Wollen wir das so machen, damit wir eine faire Chance haben, aber so von der Größenordnung? Okay, gut.
Das nur am Anfang, weil ich den Eindruck habe, Jakobus überfordert leicht. Also zurück zu Jakobus. Wir haben ein neues Thema, und das heißt Parteilichkeit oder: Dich mag ich und dich mag ich nicht. Das ist unser Thema heute.
Jakobus 2,1: Meine Brüder, meine Geschwister, ja, es sind immer die Frauen mitgemeint, habt den Glauben an Jesus Christus. Bei mir steht drin: den Glauben Jesu Christi. Das geht nicht. Man kann nicht den Glauben Jesu haben, das war ja Jesuglaube. Von daher: Das ist hier der Glaube an Jesus Christus, unseren Herrn der Herrlichkeit, ohne Ansehen der Person.
Lasst mich noch einen technischen Hinweis geben. Wenn hier steht: unseren Herrn der Herrlichkeit, ich weiß nicht, wie es euch geht, diese Formulierungen sind so ein bisschen sperrig. Man liest sie und hat so ein Magengefühl: Irgendwas glaubt man zu verstehen, aber so richtig versteht man es nicht. Wenn ihr so einen Begriff habt, wo der Herrlichkeit, wenn ihr euch erinnert, das war mal zweiter Fall, Genitiv, Wessen? Der Herrlichkeit. Wenn ihr einen abstrakten Begriff wie Macht, der Macht, Stärke, der Stärke, Herrlichkeit, der Herrlichkeit so hinten dran gebappt seht, gerade hier in der Elberfelder, das ist eine ihrer Schwächen, dann erlaubt euch im Kopf Folgendes: Nehmt das, was da hinten dran gebappt ist, Herrlichkeit, Stärke, Macht, und zieht es einfach vor, indem ihr aus Herrlichkeit herrlich macht.
Also, der Herr der Herrlichkeit ist eigentlich nichts anderes als der herrliche Herr, der tolle Herr, der uns begeistert. Also, dass ihr das mal gehört habt. Das kann man immer dann machen.
Der Maßstab des Glaubens und Gottes Wesen
So, meine Brüder, habt den Glauben an Jesus Christus. Der Glaube an Jesus Christus hat, denke ich, damit zu tun, dass wir Jesus vertrauen und ihm nachfolgen. In der Bibel ist Glaube nie nur eine intellektuelle Übung.
Wenn ich hier in die Gemeinde gehe und jemand mir sagt: „Woran glaubt ihr?“, dann bekomme ich vielleicht ein Credo vorgesetzt, lese es durch und sage: „Okay, da bin ich auch dafür.“ Aber das ist nicht Glaube. Es mag irgendwo wichtig sein, dass man das Richtige glaubt. Doch einfach nur eine Wahrheit zu akzeptieren, ist nicht das, was Petrus, Quatsch, was Jakobus hier meint.
Der Glaube muss an Jesus Christus in dem Sinne gerichtet sein, dass er ein Ja wird zur Begegnung mit dem König. Das ist Glaube. Ich meine ein Ja zur Begegnung mit einer Person, in diesem Fall mit Jesus als dem König, der mich aus meinem alten Leben herausnimmt und sagt: Ich stelle dich jetzt in ein ganz neues Leben hinein.
Und dieses neue Leben, das Reich Gottes, ist davon geprägt, dass Jesus der Herr ist, dass er der herrliche Herr ist. Wenn du sagst: „Ich bin Christ“, dann ist Jesus für dich dieser herrliche Herr. Jemand, den du auf der einen Seite bewunderst und bei dem du sagst: „Boah, Hammer!“ Und auf der anderen Seite ist er herrlich und zugleich Herr, der dir wirklich sagen darf, wo es langgeht, und dem du dann auch gehorchst. Jemand, den du gleichzeitig schätzt und fürchtest. Jemanden, den du gleichzeitig anbetest und imitierst. Das steckt in diesem Begriff drin, und genau damit ist Glaube verbunden.
Wenn du so einen Glauben hast, wenn du sagst: „Ja, das ist bei mir so. Ich folge Jesus nach, ich bin begeistert von ihm und ich möchte von ihm lernen, ich möchte wissen, wie er tickt und was er mir zu sagen hat“, dann geht das nur, wenn man einen solchen Glauben an Jesus Christus hat, wenn er ohne Ansehen der Person ist.
Warum? Nun ja, Gott sagt: Seid heilig, denn ich bin heilig. Heilig, ohne Sünde, rein. Seid heilig, denn ich bin heilig. Der Grund dafür, warum wir so sein sollen, liegt darin, dass Gott so ist. Wenn Gott heilig ist, dann sollen wir heilig sein. Wenn Gott unparteiisch ist, wenn er jemand ist, der sagt: Ich mache da keinen Unterschied zwischen Menschen, dann sollen wir genau so sein.
Und wenn ich sage: „Ich glaube an Jesus, er ist mein herrlicher Herr, ich möchte ihm nachfolgen“, und es findet sich Parteilichkeit in meinem Leben, so nach dem Motto: Dich mag ich, und dich mag ich nicht, dann stimmt etwas nicht. Denn an dieser Stelle spiegeln wir Gott nicht richtig wider.
Gottes Unparteilichkeit in der Schrift
Lasst uns drei Stellen dazu lesen, damit ihr das irgendwo einmal in der Bibel gesehen habt.
5. Mose 10,17
Da heißt es: „Denn der Herr, euer Gott, er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große und mächtige und furchtbare Gott, der niemand bevorzugt und kein Bestechungsgeschenk annimmt.“
Ich mag das ja. Du kannst Gott nicht bestechen, du kannst dir bei ihm nichts kaufen. Wie auch? Gott gehört ja ohnehin schon alles. Ich finde es ein lustiges Denken, dass jemand überhaupt meinen könnte, so etwas ginge bei ihm.
Apostelgeschichte 10
Dort ist der Apostel Petrus bei dem Heiden Cornelius zu Hause und predigt das Evangelium. Und Petrus muss etwas ganz Wichtiges lernen. Er kommt nämlich aus einer Kultur, die ganz grundsätzlich glaubt: die jüdische Kultur, wir sind die Guten und alle anderen sind blöd.
So, jetzt muss ihm Gott aber klar machen, dass das Leben nicht so einfach ist. Es ist nicht schwarz-weiß, also wir gut, du böse.
Apostelgeschichte 10,34
Petrus aber tat den Mund auf und sprach: „In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht.“
Also, deine Herkunft ist hier gemeint. Ob du Jude oder Heide bist, spielt vor Gott keine Rolle. Sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm.
Gott ist wirklich unparteiisch.
Und der letzte Vers aus 1. Petrus 1,17:
„Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk richtet, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht.“
Also, das hat auch eine Seite. Nicht, dass wir jetzt anfangen und denken: Ah ja, früher waren es die Israeliten, die waren gut, und alle anderen waren böse. Jetzt sind es die Christen, die sind gut, und alle anderen sind böse.
Vorsicht. Dieses Prinzip zieht sich durch. Gott bleibt unparteiisch.
Und wir können jetzt nicht denken, Gott macht bei uns eine Ausnahme, wo er andere richtet. Er ist eigentlich eher andersherum. Wenn wir Kinder Gottes sind, dann liegen wir ihm mehr am Herzen. Dann möchte er, dann schaut er bei uns eher ein Stück genauer hin. Er ist ein bisschen mehr daran interessiert, dass wir geistlich vorankommen.
Parteilichkeit in der Gemeinde
Was sage ich? Ich sage, dass Gott ein unparteiischer Gott ist.
Wenn wir in die Bibel hineinschauen, merken wir: Dort, wo Gott Menschen für den Dienst erwählt, ist er zum Teil sehr, sehr wählerisch. Der Apostel Paulus schreibt das: Ich bin vor meiner Geburt schon erwählt worden. Da hat Gott also gesagt: Den will ich haben. Da geht es um den Dienst. Gott erwählt zum Dienst, Gott begabt, wie er will. Das macht er einfach. In diesem Sinne ist er parteiisch, ohne parteiisch zu sein, weil es nicht um Errettung geht, sondern um Begabung. Es geht darum, welche Rolle ich hier auf der Erde spielen kann.
Und da ist es tatsächlich so: Ich finde mich wieder und denke mir, okay, ich bin jetzt ich. Habe ich mir nicht ausgesucht, aber es ist halt so. Der eine kann das, der andere kann das. Da müssen wir uns darauf verlassen, dass Gott, weil er wählerisch ist, weil er sich überlegt hat, wie er sich das gedacht hat, keinen Fehler macht.
Aber wenn es um das Thema Rettung geht, dann können wir das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob ihr euch ein bisschen in Theologie auskennt. Es gibt eine Strömung, die sehr stark darauf beharrt zu sagen, Gott hat vor Grundlegung der Welt schon genau entschieden, wer jetzt zu den Guten gehört und wer zu den Schlechten, wer quasi oben und wer unten landet. Ich habe damit ein großes Problem, weil ich glaube, dass Gott ein unparteiischer Gott ist. Und das wäre für mich zum Beispiel so eine Parteilichkeit, die fast an Willkür grenzt.
Und ich will jetzt niemanden heruntermachen, der sagt: Oh, ich habe das immer geglaubt. Darum geht es mir gar nicht. Es geht mir darum, dass ich mir, wenn ich in diese Richtung denke, klar machen muss: Gott sagt von sich, ich bin unparteiisch. Ich stehe erst einmal vor den Menschen wie einer, der nicht schon sagt: Du bist mir lieb und du bist mir nicht lieb. Sondern seine Unparteilichkeit führt dazu, dass er uns jetzt auferlegen kann, wenn wir in der Gemeinde zusammen sind, auch mit jedem gleich umzugehen.
Schaut euch das an: Jakobus 2,2-4, ein Beispiel. Denn das ist die Begründung dafür, warum wir nicht hier reinkommen dürfen und sagen dürfen: Den mag ich, und den mag ich nicht. Denn wenn in eure Synagoge ein Mann kommt mit goldenem Ring, in prächtigem Kleid – wir würden heute wahrscheinlich eher von Armani und solchen Sachen sprechen, aber ihr wisst, was da gemeint ist –, es kommt aber auch ein Armer in unsauberen Kleidern herein, vielleicht in Sachen, die er gestern schon beim Einsatz anhatte, ihr seht aber den, der das prächtige Kleid trägt, und sprecht: Setze du dich bequem hierher. Und ihr sprecht zu dem Armen: Stehe du dort oder setze dich unten an meinen Fußschemel. Habt ihr nicht unter euch selbst einen Unterschied gemacht und seid Richter mit bösen Gedanken geworden?
Die Gemeinde und ihre inneren Grenzen
Das, was viele beim Lesen verwirrt, ist das Wort Synagoge. Man denkt bei Synagoge an eine jüdische Versammlungsstätte, aber bitte Vorsicht: Der Begriff Synagoge, und hier steht ja „eure Synagoge“, bezieht sich auf die Christen. Der Begriff bedeutet erst einmal nur „zusammenkommen“. Und der Begriff Synagoge wird bis ins zweite Jahrhundert hinein von Christen gebraucht, um ihre Gottesdienstzusammenkünfte zu beschreiben.
Also: Wir haben es heute sehr stark mit einem fest jüdischen Begriff zu tun, aber in der damaligen Zeit war das einfach noch nicht so. Der Gottesdienst wurde eher als Synagoge bezeichnet, also als das Zusammenkommen. Und das, was wir heute kennen als Gemeinde oder Kirche, ist von Ekklesia abgeleitet. Das Wort gibt es ja auch in Jakobus 5,14: „Ist jemand krank unter euch, er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich.“
Dieser Begriff bedeutet weniger Gottesdienst oder Zusammenkommen. Er meint eher den Korpus, den Leib Christi, dass wir ein Team sind. Das steckt eher in diesem Begriff drin.
So, es gibt also eine Gemeinde, und in dieser Gemeinde gibt es irgendwie einen reichen Christen und einen armen. Und jetzt machen die, wie heißt das da unter euch, einen Unterschied, schreibt er in Vers 4. Beide kommen rein, und bei dem einen sagt man: „Boah, komm doch nach vorne, hier ist ein ganz schöner Platz, da kann man gut sehen, da kann man gut hören, setz dich doch hier hin.“ Und dann kommt der andere rein und man sagt: „Naja, wenn du willst, kannst du da hinten stehen bleiben oder vielleicht setzt du dich da auf den Boden, wo man dich nicht so sieht.“ Aber du weißt schon, es gibt die, die sitzen halt hier vorne, und dann gibt es die anderen.
Also: Du darfst schon rein, das ist jetzt nicht so der Punkt. Aber du musst schon wissen, wer du bist. Du musst schon wissen, wo du hingehörst. Also entweder am Boden oder du stehst hinten, aber hier vorne sitzen, das geht nicht. Zwei Christen, die in die Gemeinde reinkommen.
Das Thema Parteilichkeit wird, wenn man es in der Bibel studiert, oft an korrupten Richtern aufgezogen. Haben wir ja schon in diesem einen Vers, wo Gott sagt: Ich bin nicht wie so ein korrupter Richter, dem man einfach ein Bestechungsgeschenk gibt, und dann kriegt man, was man will. Wenn wir hier in Vers 4 lesen: „Dann seid ihr Richter mit bösen Gedanken geworden“, dann gilt: Wenn wir in der Gemeinde so einen Unterschied machen und parteilich handeln, dann verhalten wir uns wie Richter mit so einem falschen Motiv.
Der denkt sich einfach: Na ja, schauen wir mal, was ich rauskriege aus dem Verfahren. Grundsätzlich bin ich käuflich, und ich bin bereit, meine reichen Leute, meine reichen Klienten, zu bevorzugen. Ganz grundsätzlich. Und wenn wir das tun, wenn wir uns so verhalten, so eine Trennung machen, dass wir die Armen ausgrenzen und die Reichen bevorzugen, dann verhalten wir uns genau so. Und das geht nicht.
Ich werde am Ende noch mal die Frage stellen, und deswegen bleibt mal bei mir, auch wenn ihr sagt, das machen wir ja gar nicht. Also ist es ein bisschen das Problem, dass man sagt: arm und reich. Ich werde euch am Ende, und wenn es euch langweilig wird, könnt ihr schon anfangen, darüber nachzudenken, die Frage stellen: Wo ist denn bei uns in der Gemeinde die Gefahr, dass wir parteilich sind?
Ja, die hier vorne sitzen, sehen tatsächlich nicht anders aus als die hinten, gebe ich zu. Das Beispiel greift nicht direkt. Aber es kann ja sein, dass diese falschen Motive trotzdem in uns drinstecken.
Gottes Blick auf die Armen
Kurz noch zum Text Jakobus 2,5: Hört, meine geliebten Brüder! Und was jetzt kommt, ist: Wenn ihr euch so verhaltet, wie die Welt sich verhält, Achtung, das stimmt doch auch logisch nicht.
Hat nicht Gott die vor der Welt Armen auserwählt, reich im Glauben und Erben des Reiches zu sein, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber habt den Armen verachtet.
Dieses vor der Welt Armen, das sind die Habenichtse. Hat nicht Gott die Habenichtse? Irgendwie spielen die in seinem Plan nicht eine besondere Rolle. Und es stimmt: Gott hat tatsächlich ein Herz für Loser. Das muss man mal ganz deutlich sagen. Gott hat ein Herz für Loser.
Wenn du im Himmel ankommst, dann wirst du mit deinem guten Schulabschluss die Ausnahme sein. Hier in Deutschland kriegt man das nicht mit. Wir sind etwas verquere Christen, halt mit viel zu viel Abitur und so. Ja, das ist ein bisschen schräg. Aber wenn du im Himmel ankommst und du suchst die Abiturienten, das wird eine kleine Gruppe sein. Mach dir da mal nichts vor. Da wird es nicht viele von geben.
Warum? Weil Gott auf diese Welt schaut, und Gott weiß: Der Arme ist üblicherweise der Depp. Ist auch heute noch so, ja. Wenn du aus einer armen Familie kommst, dann sieht man das oft schon an deiner Kleidung. Wenn es um schulische Sachen geht, bekommst du einfach weniger Förderung. Kann ich euch versichern, das ist so. Du hast oft auch schlechtere Ernährung. Habt ihr euch an den kleinen Jungen gestern erinnert, der mit seiner Chipstüte rumgerannt ist? Absolut typisch, ja.
Es gibt Eltern, die geben ihren Kindern eine Tüte Chips mit in die Schule. Ja, super. Ist auch genau das, was du brauchst, wenn du in der Schule bist, zum Wachsen und zum Denken und so. Ja, super Idee, ganz, ganz toll, ja. Du hast meist die blöderen Freunde, du hast vielleicht sogar einen alkoholkranken Vater, der dich regelmäßig schlägt. Das heißt, die Armen sind auch in unserer Gesellschaft schlicht und ergreifend die Deppen.
Gottes Wahl und menschliche Vorurteile
Und jetzt kommt Gott und sagt: Mir ist das egal. Mir ist egal, woher du kommst. Ich will dich. Ich will dich. Das ist das, was hinter diesem Wörtchen auserwählt steht. Ich will dich.
Klar, in dieser Gesellschaft wirst du nie etwas hermachen. Du wirst vielleicht mal im Hartz-IV-Fernsehen auftauchen, aber sonst, ja, du wirst nie der sein, von dem man sagt: Boah, der kommt direkt von der Leinwand runter. Das wird nie passieren. Aber ich will dich. Für mich brauchst du mir nichts zu beweisen, sagt Gott.
Mir ist egal, ob du eine besondere Schulbildung hast. Mir ist egal, ob du ein super Allgemeinwissen hast. Mir ist egal, ob du logisch denken kannst. Mir ist egal, ob du viel Geld hast. Mir ist egal, wie du aussiehst. Mir ist egal, ob du Vitamin B in die höheren Kreise hast. Mir ist egal, ob du tausend Facebook-Freunde hast. Mir ist egal, ob du mit den Statussymbolen, die gerade in sind, herumwedeln kannst. Mir ist egal, ob du ein fettes Bankkonto hast. Es ist mir alles egal.
Weißt du was? Ich will eine einzige Sache von dir. Und das ist das, was mir jeder geben kann. Wie heißt es hier? Die ihn lieben. Ende von Vers 5.
Ich will deine Liebe. Vielleicht hast du Schwierigkeiten, dich selbst zu lieben, und vielleicht gibt es in dieser Welt nicht viele Leute, die dir sagen, dass sie dich lieb haben. Aber ich möchte deine Liebe. Und ich möchte, weil wir gerade dabei sind, deinen Glauben. Wenn du dir selbst nicht trauen kannst, vertraue mir. Glaub an meine Liebe und lass dich auf eine Beziehung zu mir ein. Das ist alles, was ich will. Das reicht mir.
Wahnsinn, oder? Stell dir ein Bewerbungsgespräch vor, in dem jemand vorne sitzt und sagt: Mir ist egal, was sie können. Mir ist egal, wie sie aussehen. Mir ist egal, was sie gemacht haben. Mir ist sogar egal, ob sie auf den Job passen. Ich will sie. Sie müssen nur wollen. Das ist das Einzige, worum es geht.
In Sprüche 17,5 heißt es: Wer den Armen verspottet, verhöhnt den, der ihn gemacht hat. Gott sieht den Armen, und Gott identifiziert sich mit dem Armen. Und Gott sagt: Der Arme ist mir. Der ist meiner. Der gehört zu mir. Zu dem stehe ich, auch wenn sonst keiner zu ihm steht.
Konsequenzen für die Gemeinde
Also, wenn du sagst, die Armen sind irgendwie von Bildung und Aufstiegschancen, von Ämtern, Einfluss, oft genug auch von Gesundheit, Ernährung, Recht und von Wertschätzung ausgeschlossen, dann sage ich: Ja, das stimmt. Wir sind oft draußen.
Und jetzt kommt Gott und sagt: Weißt du was? Stimm auf, ich brauche jemanden zum Spielen. Jetzt kommt Gott und sagt: Weißt du was? Ich nehme dich mit rein. Ich will dich.
Das ist das, was Gott tut, und das ist das, was Jakobus beschreibt. Wir lassen den hinten stehen und am Boden sitzen, und Gott steht hier vorne mit offenen Augen und sagt: Komm, ich will dich. Da passt doch irgendetwas nicht. Da muss doch irgendjemand einen Fehler im System haben. Und Gott hat ihn nicht, sondern wir haben ihn in unserem Denken.
Und vielleicht ist es sogar so, dass der Arme weniger zu verlieren hat, während der Reiche immer noch denkt: Ich schaffe das alleine, ich brauche Gott nicht. Wir leben in so einer Gesellschaft, die sagt: Wir brauchen Gott nicht mehr. Wir sind so industriell gut aufgestellt, so abgesichert, so klug, und wir stellen in der Welt noch etwas dar. Boah, schaut doch mal. Da schaut der Arme sich an und sagt: Sorry, ich weiß schon, dass ich es nicht alleine bringe. Ich habe auch nicht so viel wie die anderen. Und das, was ich habe, na ja, das ist eh second hand, also da hängt mein Herz eh nicht so dran.
Wie war das noch mal? „Ich muss reich im Glauben sein, ja, das fällt mir leicht, weil da gibt es nichts anderes.“ Der Arme kommt mit wenig Glauben und viel Sparbuch aus. Der Reiche ist dazu berufen, der Arme, der Reiche kommt mit wenig Sparbuch und nein, nochmal: Der Reiche kommt mit viel Sparbuch und wenig Glauben aus. Der Arme hat nicht viel Sparbuch, das heißt, er ist tatsächlich, wie der Text es sagt, berufen, reich im Glauben zu sein, denn es geht gar nicht anders.
Du lernst Leute kennen, die weniger haben, und ich verspreche dir: Du wirst, wenn sie mit Jesus leben, Leute erleben, die reich im Glauben sind. Weil sie einfach sagen: Ich muss jetzt die Erfahrung machen. Ich muss mich darauf verlassen. Ich bete für alles. Ich habe nichts. Das sind die Typen, die Gott eigentlich sucht. Leute, die Gott lieben, reich im Glauben sind, das Reich Gottes erben, wenn es in Macht und Herrlichkeit anbricht.
So, und solche Leute, die darf Gemeinde einfach nicht verachten. Das ist das, was Jakobus sagt.
Weitere Formen von Bevorzugung
Und es ist ja noch ein bisschen verrückter, die Leute, die man da bevorzugt. Da heißt es dann in Vers 6, zweiter Teil: „Unterdrücken euch nicht die Reichen und ziehen nicht sie euch vor die Gerichte?“
Also, wenn man sich jetzt mal anschaut, wieso die populären, die einflussreichen mit Gemeinde umgehen: Fördern die denn Gemeinde, oder versuchen die nicht eher, Gemeinde kaputt zu machen? Ist unsere einflussreiche Medienlandschaft wirklich davon geprägt, dass man versucht, evangelikales Gedankengut so darzustellen, wie es wirklich ist, und Menschen Mut zu machen, sich mit dem Glauben zu beschäftigen, Mut zu machen, darüber nachzudenken, ob es Gott gibt? Quatsch!
Es ist genau das, was die Reichen nicht tun. Und es geht noch weiter: „Unterdrücken euch nicht die Reichen und ziehen nicht sie euch vor die Gerichte, lästern nicht sie den guten Namen, der über euch angerufen wird?“ Ist es nicht so, dass das die Leute sind, die viel haben, die schnell damit sind, dass sie den Namen, den Charakter Jesu schlecht machen?
Und jetzt nehmt ihr die, die eigentlich so einen Hintergrund haben, die froh sein dürfen, dass sie als Reiche überhaupt zur Gemeinde dazugekommen sind. Jetzt nehmt ihr die und macht genau da weiter, wo die Gesellschaft aufhört. Die einen setzt ihr nach vorne und die anderen nach hinten. Checkt ihr nicht, wie Gott tickt?
Gott ist unparteiisch. Er nimmt beide in die Gemeinde auf, und er möchte, dass wir dieses unparteiische Element als Gemeinde pflegen.
Wo sich Parteilichkeit heute zeigt
So, Frage: Wie sieht Parteilichkeit heute aus? Ihr dürft mitspielen.
Es ist nicht arm und reich, weil wir alle reich sind. Ja, doch, im weltweiten Standard sind wir das alle.
Sympathisch und unsympathisch habe ich auch. Also, ich habe ein paar Sachen aufgeschrieben. Es war erstaunlich, wie viel einem auffällt, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt.
Genau, also sympathisch und unsympathisch: Es gibt meine Buddys, mit denen unterhalte ich mich, und dann gibt es die anderen.
Okay, gut. Sehr guter Punkt, sehr guter Punkt. Weiter, was haben wir noch?
Glaubenserfolg habe ich nicht hier drauf, aber gefällt mir gut. Es gibt die geistlichen Strahlemänner, und dann gibt es so die geduldeten Underdogs. Die dürfen schon zum Gottesdienst kommen, und man freut sich auch, wenn sie mal ein Gebet sprechen. Aber irgendwo so 1. Korinther 12, wie man sich das eigentlich vorstellt, dass die, die weniger öffentlich auftreten, mit größerer Ehre umgeben werden, damit es gerade keine Spaltung im Leib Christi gibt?
Können wir noch was lernen? Weiter, was haben wir noch?
Richtig, ich habe hier stehen: die Problembeladenen und die immer Fröhlichen. Oder die, die mir Kraft kosten, und die, die mir Kraft geben. Wo ich weiß: Wenn ich jetzt das Gespräch anfange, will ich mir das wirklich antun? Jetzt schon wieder das zu hören?
Manchmal ist es nur Zuhören. Aber dann muss man doch manchmal ... Man hat ja noch andere Leute hier, mit denen man sich unterhalten könnte, oder?
Wo könnte noch so eine Parteilichkeit in unserem Herzen sein? Laut? Ehrlichkeit? Zu? Okay, wenn es dir einfällt, nehmen wir es mit rein. Aber ich brauche noch einen Gegenpol dazu.
Lüge. Aufrichtigkeit.
Sie sind noch nicht ganz gegriffen, aber es ist nicht dramatisch. Ist es das? Leute, die man für vertrauenswürdig hält, und solche, wo man sagt: Wir hatten das ja mit der Zunge, wo man sagt, ein bisschen fernhalten von, so ein bisschen kritisch, wenn man sich mit denen unterhält. Und dann die, meinst du das?
Okay, gut, ja. Also das nennt man EGRs, wenn ihr den Begriff nicht kennt. EGR steht für Extra Grace Required. Das sind Leute, wenn du mit ihnen umgehst, brauchst du ganz viel Gnade. Das sind die problembeladenen Typen.
Konkrete Beispiele aus dem Gemeindeleben
Okay, ich mache es kurz.
Wir könnten uns eine Spaltung denken: alt und jung, oder? Ich glaube, dass das unsere Gesellschaft widerspiegelt und dass man deshalb in Gemeinden Probleme hat, Alt und Jung zusammenzubringen. Ich merke das auch. Wir haben das auch so ein bisschen, dass es nicht ganz so einfach ist, das zusammenzukriegen.
Es entzündet sich meistens an der Frage, welche Musik wir spielen. Aber das Problem liegt ganz woanders. Das Problem liegt in den Herzen.
Ich glaube, es gibt noch eine andere Spaltung, auch das spiegelt unsere Gesellschaft wider. Es gibt die Gutaussehenden, und dann gibt es die weniger Hübschen. Oder, um es vielleicht ein bisschen weniger aufs Äußere zu beziehen: Es gibt die etwas charismatischeren Typen und die langweiligeren Typen. Man hat dann doch einen Hang zu der einen Gruppe hin, und eigentlich ist das nicht in Ordnung.
Dann hatten wir schon die Buddies, dann hatten wir die Problembeladenen. Ich glaube, es gibt auch so etwas wie: Es gibt die Gruppe derer, die mit der Zeit gehen, die sich mit Technik ein bisschen auskennen, die wissen, was in der Unterhaltungsindustrie läuft. Und dann gibt es die konservativ Zurückgebliebenen, will ich mal sagen, die heute noch so ein Handy haben wie du, so ein Nokia-Ding, wo man sagt: Oh, lass mal damit googeln. Das sagt man natürlich nur zum Spaß, weil das natürlich so nicht geht.
Jetzt will ich nicht sagen, dass sie da hingehört, aber grundsätzlich ist dieses Zusammenstellen von Gruppen, die dann sagen: Boah, komm, wir machen gerade mal was, ja, mir schon so eine Grenze zu sein.
Noch zwei Dinge, die ich sehe: Einmal, dass wir überlegen, wer mir vorteilhaft ist, wer mir Vorteile bringt, wenn ich mich mit ihm arrangiere, und wer mir eigentlich nur die Zeit stiehlt. Das ist eine Weiterentwicklung dieses sozialen Netzwerkgedankens. Wenn ich den kenne, dann weiß ich, der kennt sich mit PCs aus, dann kann ich den mal einladen, vielleicht kann der mir dann etwas installieren. Und wenn ich den kenne, dann weiß ich, da kann ich dann das und das haben. Vielleicht brauche ich einen Babysitter, vielleicht macht der das mal. Dass man eigentlich im Kopf so eine ganz komische „Was bringt mir Gemeinde?“-Sicht hat.
Und natürlich, was wir auch haben: Wir machen es nur nicht so, dass wir sagen, der eine soll hinten und der andere vorne sitzen. Aber wenn jemand in die Gemeinde kommt und sagt: Ich bin CEO von einer großen Firma, dann ertappe ich mich immer wieder dabei und denke mir: Wenn ich dich halte, sind meine Finanzen für die Gemeinde gesichert. Das ist ein blöder Gedanke, weil ich ihn nicht habe, wenn jemand reinkommt und sagt: Ich bin seit vier Jahren auf Hartz IV und weiß eigentlich nicht, wie ich da rauskommen soll.
Also auch da: Wir sind nicht dagegen gefeit, dass wir jemandem in der Gemeinde begegnen und ihn in eine von zwei Schubladen packen.
Praktische Antwort und Abschluss
Antwort: Was können wir dagegen tun? Wir können Jakobus ernst nehmen. Wir können Gott glauben, dass er unparteiisch ist. Und wir können anfangen, uns jedem in der Gemeinde zuzuwenden, egal ob er jung oder alt, gutaussehend oder vielleicht ein bisschen langweiliger ist. Ob ich ihn mag oder ob ich ihn nicht mag, ob er immer derjenige ist, der Probleme hat, oder immer fröhlich ist, ob er mir einen Vorteil bringt oder nicht, ob er Geld hat oder nicht: Wir könnten uns einfach jedem zuwenden.
Ich möchte uns eine Herausforderung stellen, und das ist eine ganz simple Sache. Man nennt das die Drei-Minuten-Regel. Die Drei-Minuten-Regel besagt Folgendes: Wenn dieser Gottesdienst vorbei ist, schaust du dich um und schaust, wen du nicht kennst. Ja, Familie May wird heute von den wenigsten wahrscheinlich so gut gekannt wie von mir. Ich werde mich nicht mit euch unterhalten, ja, aber viele andere haben noch nie mit euch gesprochen.
Also: Schnapp dir die ersten drei Minuten nach dem Gottesdienst und rede doch mal mit jemandem, den du nicht gut kennst, um zu sagen: Den lerne ich jetzt mal kennen. Stell dir eine Gemeinde vor, die das verinnerlicht hätte. Das machst du zehn Tage oder zehn Sonntage in Folge, und du bist es gewohnt, mit Leuten zu reden, die du noch nicht so gut kennst. Und dieses: „Ich gehe gleich mal zu meinen Freunden“ oder „Wir gehen gleich mal als Raucher eine rauchen“ – das ist auch mal so eine Sache. Warte mal noch drei Minuten und schau mal, ob da noch jemand anders ist. Investier das gerade mal und lern jemanden kennen, den du noch nicht so gut kennst.
Und glaub mir, dass das eine Bereicherung für dein Leben ist. Und glaub mir, dass du, wenn du das tust, Gottes Herz ganz nahe bist. Denn das ist es, was Gott sich für uns wünscht: dass wir zusammenwachsen und sich nicht so Grüppchen unter uns bilden.
Dafür bete ich jetzt noch. Dann ist der Gottesdienst vorbei. Oder haben wir noch ein Lied? Gut, ich bete noch zum Abschluss dieses Gottesdienstes.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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