Serie•Teil 4 / 7So hat alles begonnen
Generierte Mitschrift
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Einleitung und biblische Lesung
1. Mose 2,8-9; 1. Mose 3,1-13
Ich lese aus diesem ersten Buch der Bibel aus dem zweiten Kapitel die Verse 8 und 9 und dann nahtlos übergehend zu Kapitel 3 die Verse 1 bis 13.
Gott legte im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er liess aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume, und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte.
In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: ein Baum, dessen Früchte unvergängliches Leben schenken, und ein Baum, dessen Früchte Wissen geben.
Die Schlange war das klügste von allen Tieren des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Sie fragte die Frau: Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen?
„Natürlich dürfen wir sie essen“, erwiderte die Frau. „Nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben.“
„Nein, nein“, sagte die Schlange. „Ihr werdet bestimmt nicht sterben. Aber Gott weiss: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen, und ihr werdet alles wissen, genau wie Gott. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.“
Die Frau sah sich den Baum an. Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen war eine Augenweide, und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte. Sie nahm von den Früchten und ass. Dann gab sie auch ihrem Mann davon, und er ass ebenso.
Da gingen den beiden die Augen auf, und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Ländenschurze.
Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie, wie Gott, der Herr, durch den Garten ging. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen. Aber Gott rief nach dem Menschen: Wo bist du?
Der Mensch antwortete: Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt.
Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?, fragte Gott. Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?
Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, die gab mir davon, da habe ich gegessen.
Gott der Herr sagte zur Frau: Was hast du getan?
Sie antwortete: Die Schlange ist schuld. Die Schlange hat mich zum Essen verführt.
Was wir hier in dieser einfachen Erzählung gehört haben, was sich abgespielt hat, von Adam und Eva, ist von grösserer Dramatik. Unsere ganze Welt wurde durch dieses Ereignis verändert, und das Ausmass ist gigantisch grösser als ein Tsunami. Ein Tsunami ist ein Klacks dagegen. Alles Elend, jedes Verbrechen, jeder Mord, jede Vergewaltigung, jede Krankheit, jede Seuche, Hungersnöte, einfach alles, was unser Leben zerstört, nahm hier, genau hier, seinen Anfang.
Deshalb wollen wir ein bisschen genauer anschauen, was da geschah.
Die ursprüngliche Ordnung im Garten
Wie wir bereits feststellen konnten, hatte Gott alles hervorragend geschaffen. Er betrachtete seine Schöpfung und konnte sagen: Alles ist sehr gut gemacht.
Adam und Eva lebten also in der besten Welt, die man sich vorstellen kann. Sorglos konnten sie eine verantwortungsvolle Aufgabe erfüllen. Das Paradies war zwar kein Schlaraffenland, in dem einem das Essen in den Mund hineinwächst. Gott gab ihnen jedoch eine sinnvolle Beschäftigung. Das heißt: Er segnete die Menschen und sagte zu ihnen, dass sie sich über die Erde ausbreiten und sie in Besitz nehmen sollten. Er setzte sie über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere und vertraute sie ihrer Fürsorge an.
Der Mensch hatte also seinen Verwaltungsauftrag. Es hieß nicht: Setz dich hin, iss die Früchte und mach den ganzen Tag nichts. Das entspricht nicht unserem menschlichen Wesen.
In dieser ausgezeichneten Welt lebten sie mit größerer Selbstverständlichkeit in der Gemeinschaft mit Gott. Der Übergang von der unsichtbaren zur sichtbaren Welt war fließender, als er heute ist. Denn Gott besuchte Adam und Eva ab und zu im Garten Eden.
Dazu lebten sie in einer einzigartigen Umgebung, in einem Ferienparadies. Schöner und reizvoller, als wir uns das heute vorstellen können. Wir sagen ja bis heute, wenn wir eine Gegend beschreiben möchten, die unbeschreiblich ist: Es war paradiesisch. Das hat sich in unserem Sprachgebrauch niedergeschlagen.
Dieses Paradies konnten die beiden wirklich genießen. Gott ließ viele verschiedene Bäume in diesem Garten wachsen. Allerlei Bäume, verlockend anzusehen, jeder Baum für sich eine Augenweide. Und die Früchte mussten herrlich schmecken. Keine faulen Früchte, nichts Verdorbenes, alles war perfekt. Es war eben das Paradies.
Es gab keine besseren Voraussetzungen für ein glückliches Leben als damals. Adam und Eva hatten es rundum gut. Sie lebten in Gemeinschaft und Harmonie mit Gott, ihrem Schöpfer. Sie lebten in einem paradiesischen Garten und hatten eine sinnvolle Aufgabe. Ein Idyll par excellence.
Und sagt mir ja nicht, was ich ja immer wieder höre, dass das Leben langweilig wäre, wenn es nicht so kompliziert wäre und so von Sünde geprägt wäre. Das ist völliger Blödsinn. Oder wollt ihr in der Herrlichkeit so leben, mit diesem Chaos, das wir auf der Welt haben? Das wird bestimmt nicht langweilig sein, in der Herrlichkeit nicht. Und es war auch im Paradies nicht langweilig. Das Glück war den beiden sicher.
Die eine Grenze und ihre Bedeutung
Eine einzige kleine Einschränkung mussten die beiden beachten. In der Mitte des Gartens standen zwei Bäume: der Baum des Lebens, den wir in einer späteren Predigt noch genauer betrachten werden, und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Von diesem einen Baum durften sie nicht essen.
Zu Adam sagte Gott: Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, nur nicht von dem Baum der Erkenntnis. Sonst musst du sterben. Das war also die einzige Bedingung, die Gott an sie richtete. Eine ganz einfache Regelung: Von allen prächtigen Bäumen, die hier im Garten waren, und das waren viele, durften sie so viele Früchte essen, wie sie wollten. Einzig von diesem Baum nicht. Das ist doch wirklich eine einfache Regelung, einfacher geht es ja gar nicht.
Viele fragen, warum Gott diesen Baum überhaupt pflanzte und diese Regel überhaupt aufstellte. Er hätte das nicht gemacht, hätten wir das Chaos nicht heute. Hat jemand eine Idee, warum das so wichtig war, dass dieser Baum mit dieser Regel verbunden im Paradies stehen musste?
Freier Wille, ja, vielleicht noch etwas Genaueres. Ja, also eine Entscheidung, Marionette, ja, Gott zu vertrauen, ja, es ist alles in diese Richtung. Dieser Baum musste da stehen, weil wir Ebenbilder Gottes sind. Wenn wir eine echte Partnerschaft zu Gott haben möchten, dann kann das nur auf Freiwilligkeit beruhen. Das war der einzige Punkt, an dem der Mensch sich entscheiden konnte, ob er in der Abhängigkeit, in der Gemeinschaft mit Gott leben möchte oder nicht. Wenn dieser Baum nicht da stünde, dann wären wir einfach Marionetten. Wir wären keine Ebenbilder Gottes.
Übrigens: Der freie Wille, es geht in diese Richtung, ist auch ein hoch theologisches Thema. Aber dieser Baum musste dort stehen. Mit dieser kleinen Regel hätten die beiden und wir ein gutes, ungetrübtes, glückliches Leben führen können. Es war alles, wirklich alles, perfekt.
Der Ursprung des Bösen und die Strategie der Verführung
In das ungetrübte Glück mischte sich der Widersacher Gottes ein. Er wollte die beiden überlisten. Er wollte die Menschen aus der Gemeinschaft mit Gott lösen, damit er über sie Macht ausüben konnte.
Aber vielleicht fragt man sich verständlicherweise: Woher kam dieser Widersacher Gottes überhaupt? Wenn Gott die unsichtbare und die sichtbare Welt schuf, musste er dann nicht auch Satan, oder wie er auch genannt wird, Luzifer, geschaffen haben? Wenn also alles gut war, woher kommt dann dieser böse Satan?
Es stimmt: Gott hat Luzifer geschaffen. Nein, alles hat Gott geschaffen. Doch er erschuf Luzifer als ein gutes Wesen, so wie er auch den Menschen als ein gutes Wesen erschuf. Doch Luzifer lehnte sich gegen Gott auf. Vermutlich war er der Anführer einer Engelschar, die sich gegen Gott auflehnte, und in der Bibel gibt es einige Stellen, die darauf hinweisen. Petrus schreibt zum Beispiel, dass Gott auch die Engel, die sich gegen ihn vergangen hatten, nicht verschont, sondern sie in den tiefsten Abgrund geworfen hat.
Luzifer wollte ebenso sein wie Gott. Und so löste er sich von Gott und übte seine Macht unabhängig von Gott aus.
Das Böse wurde von Gott nicht geschaffen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Ich weiß, es gibt Theologen, die sagen, das Böse sei auch von Gott erschaffen. Ich bin jedoch zutiefst überzeugt: Das Böse ist nicht von Gott geschaffen worden.
Wenn ich einen Architekten habe, der ein Haus baut, und ein anderer legt eine Bombe hinein, sodass das Haus zusammenfällt, dann hat doch nicht der Architekt etwas Schlechtes gebaut. Vielmehr hat jemand anderes es in die Luft gesprengt. Wir können doch Gott nicht die Verantwortung in die Schuhe schieben, dass er das Böse geschaffen hätte.
Das Böse wurde nicht geschaffen, das Böse ist geworden. Es entstand durch die Auflehnung gegen Gott. Denn Gott schuf keine Marionetten, sondern eigenständige Wesen. Offenbar hatten sogar die Wesen in der unsichtbaren Welt, die Engelwesen, eine Eigenständigkeit.
Das zeigt etwas von der Größe Gottes: dass er keine Marionetten schuf, sondern Partner. Sogar in der unsichtbaren Welt. Dass er mit Freiwilligen zusammenleben möchte. Und stellt euch doch einmal vor: Ihr müsst einmal im Neuen Testament lesen, was dort steht. Es heißt immer: Bringt Gott was für Gaben? Ja, ich wollte zwar etwas anderes hören, aber es ist nicht schlecht. Was für Gaben? Freiwillige Gaben.
Das ist auch das Konzept, das sich Gott vorstellt. Er möchte mit dem Menschen und mit allen Wesen in einer Partnerschaft leben. Partnerschaft und Liebe gehen eigentlich nur freiwillig.
So wurde also das Böse nicht geschaffen, denn alles, was Gott schuf, war sehr gut. Das Böse entstand durch die Auflehnung gegen Gott.
Zweifel, Begehren und der erste Ungehorsam
Satan bediente sich nun einer Schlange, um mit Eva zu sprechen. Sie stand offenbar vor diesem Baum und bewunderte oder bestaunte ihn irgendwie. Dann fragte er sie: Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft die Früchte von diesen Bäumen im Garten nicht essen? Also von diesem Baum im Garten, Entschuldigung, ich habe mit meinem Computer ein Problem gehabt diese Woche, das hat mich etwas zurückgeworfen. Jetzt hat sich da ein Fehler eingeschlichen, tut mir leid.
Diplomatisch stellt Satan eine scheinbar unverfängliche Frage. Man darf doch mal fragen, oder? Er kannte zwar die Regel sehr gut, die Gott den beiden gegeben hatte, aber er wollte sie nicht akzeptieren. Er stellte einfach diese Frage: Hat Gott das wirklich gesagt, Eva? Er will in den Gedanken Evas Zweifel wecken. Es ist übrigens die Frage, die bis heute am Anfang jeder Sünde steht. Hat Gott wirklich gesagt? Meint er das wirklich so? Nein, so kann das Gott nicht gemeint haben. Diese Frage, hat Gott das wirklich so gesagt, meint Gott das wirklich, steht, wenn man das ganz zurückdenkt, schlussendlich immer auch bei uns Christen am Anfang einer Sünde. Erst wenn ich anzweifeln kann, dass Gott das vielleicht nicht so gemeint hat, habe ich mir den Weg freigeschaufelt, um ohne schlechtes Gewissen zu sündigen. Dann habe ich ja eine Begründung, warum ich das tun kann, was ich nicht tun sollte.
Nun, Eva bestätigte, Gott hätte das schon so gesagt, doch sie verschärfte die ganze Sache noch ein bisschen. Gott hat gesagt, es nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben. Hat dir das Gott wirklich gesagt? Das ist interessant. Sie hätten also diese Früchte von morgens bis abends berühren können, sie hätten neben ihnen schlafen können, alles hätten sie machen können, nur nicht essen, das war es eigentlich. Sie hat die Regeln noch verschärft. Das wäre ein Thema für sich, wo man zeigen kann, wie schnell wir zur Gesetzlichkeit neigen. Das will ich jetzt aber heute nicht machen.
Ja, er hatte gesagt, sie solle nicht davon essen, aber berühren konnten sie sie. Der Widersacher Gottes musste erkannt haben, dass Eva mit dieser Regel nicht viel anfangen konnte. Sie schien davon nicht sehr überzeugt zu sein, und deshalb wagt die Schlange nun einen wirklich frontalen Angriff. Nein, nein, sagt sie, ihr werdet bestimmt nicht sterben. Ein frontaler Angriff gegen das, was Gott gesagt hat, das ist Humbug. Eva, überleg doch mal: Wie soll man wegen einer Frucht sterben, und dann sehen sie noch so schön aus? Kannst du dir vorstellen, dass eine Frucht von so einem schönen Baum zum Tode führen kann? Nein, Eva, das musst du doch einsehen, wie lächerlich so etwas ist.
So schlimm kann das nicht sein. Hinter dieser Regel, und das sage ich dir, Eva, steckt nämlich ein Geheimnis. Das möchte Gott vor euch verbergen, aber ich kenne es, und ich sage dir das Geheimnis: Gott weiß, sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen. Ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können, dann werdet ihr eben wie Gott sein.
Mit anderen Worten: Es ist so, Eva, Gott möchte euch das Beste vorenthalten. Das Beste, was es gibt, will er euch nicht geben. Deshalb hat er euch diese Regel auferlegt, deshalb, weil er es nicht gut, sondern schlecht mit euch meint. Es gäbe nämlich, würdet ihr euch nicht an diese Regel halten, ein besseres Leben, ein noch größeres Glück als das, was ihr bis jetzt schon habt. Eine verlockende Aussicht auf ein noch besseres Leben. Mit einer Frucht dieses Baumes hast du den Sechser im Lotto. Nur eine Frucht bist du entfernt vom Menschen, der geschaffen ist, zu einem Gott zu werden. Nur eine Frucht. Nur eine Frucht.
Diese Einflüsterung kennen wir doch zu gut. Der Gedanke: Ich habe eigentlich mehr verdient. Warum soll ich mich herumquälen, wenn ich es auf einfachem Weg zu mehr Glück finden kann? Es kann doch nicht schlimm sein, wenn ich mal Gottes Ordnung für einen Moment vergesse. Wir haben ja immer noch die Vergebung im Hinterkopf. Wir können ja immer noch ankriechen, wenn es dann schief gelaufen ist. Aber man kann es ja mal probieren.
Schließlich verstoßen wir nur deshalb gegen Gottes Regeln, weil wir uns gerne der Illusion hingeben, wir würden dadurch etwas gewinnen. Unser Leben würde dadurch interessanter, schöner und glücklicher werden. Das ist doch der Grund. Wir sündigen doch nicht, weil wir das schlecht finden. Wir sündigen doch, weil wir denken, weil wir uns der Illusion hingeben, wenn wir das tun, schaut für mich etwas Gutes heraus. Wenn es nur ein schönes Gefühl ist oder was auch immer. Aber ich esse ja nicht etwas, was ich jetzt nicht esse. Ich weiß jetzt auch nicht. Etwas, was ich nicht gern habe. Also ich esse nicht Gras, das verführt mich nicht, das lockt mich nicht, da sehe ich keinen Gewinn dahinter. Das sollen die Kühe machen. Ich will etwas Feineres.
Und wir kennen diese Einflüsterungen. Immer wenn wir das tun, steht die Illusion im Hintergrund, dass ich etwas an meinem Leben verbessere. Unser religiöses Leben müssen wir dann gar nicht aufgeben. Wir können ja immer noch ein bisschen beten, Bibel lesen und Gottesdienste besuchen. So können wir sogar unser schlechtes Gewissen ein bisschen herunterhalten, weil wir ja immer noch religiös sind.
Samuel sagte einmal zu Saul, der gegen Gottes Anweisungen handelte und dabei sogar tiefreligiöse Handlungen ausübte, Folgendes: Was meinst du? Was gefällt dem Herrn besser, Brandopfer oder Mahlopfer oder Gehorsam gegenüber seinem Befehl? Lass dir gesagt sein: Wenn du dem Herrn gehorchst, ist das besser als ein Opfer. Also ist Gehorsam besser als ein religiöses Leben. Oder andersherum gesagt: Religiöses Leben, das nicht auf Gott hört, ist gar kein echtes religiöses Leben, das ist eine Farce. Also ist es besser als ein Opfer. Und wenn du ihm richtig zuhörst, ist das besser als das Fett von Widdern. Gegen Gott ist ebenso schlimm wie Zauberei, Auflehnung gegen ihn so schlimm wie Götzendienst.
Eva aß von dieser Frucht, aber nicht, weil sie sehen wollte, wie sie schmeckt, sondern sie wollte wie Gott werden, das war die Idee. Und dann gab sie auch ihrem Mann, der offensichtlich bei ihr stand und nichts zu der ganzen Geschichte sagte, und er aß einfach.
Schuldverschiebung, Scham und die Folgen des Falls
Was hätte Eva in dieser Situation besser machen können? Gar nicht von der Frucht essen, das wäre eine Möglichkeit gewesen. Das hätte sie ja gewusst.
Und wenn sie nun doch ein wenig dazu verleitet worden wäre, von dieser Frucht zu essen, was hätte sie dann tun können? Mit Adam sprechen. Richtig, sie hätte Adam darauf ansprechen können: Wie ist das genau? Was hat Gott gesagt? Und sie hätte sogar noch weitergehen können. Sie hätte auch mit Gott sprechen können, wenn er einmal im Garten kommt, und sagen: Gott, da war so eine Schlange. Die hat mir etwas über den Baum gesagt, nämlich dass du uns etwas vorenthalten willst. Was sollen wir davon halten? Was meinst du? Hast du wirklich ein Geheimnis, das du vor uns verbergen willst? Oder was haben wir darunter zu verstehen, wenn wir sterben müssten?
Sie hätte mit Gott sprechen können. Sie war in enger Gemeinschaft mit Gott verbunden. Sie hätte ganz einfach mit Gott darüber reden können.
Es ist hilfreich, wenn wir bei Fragen, die in unserem Leben oft nicht so einfach zu beantworten sind, uns Zeit nehmen, Gott zu fragen. Wir sehen das in der Bibel immer wieder: Sie haben etwas getan, aber vorher Gott nicht gefragt. Und ich bin überzeugt: Wenn wir Gott von ganzem Herzen fragen, wird er uns eine Antwort geben. Ob sie uns gefällt, ist ein anderes Thema. Aber wenn wir wirklich wissen wollen, was Gott meint, ob wir dies oder jenes tun sollen, wird er uns eine Antwort geben.
Eva tat das leider nicht. Und kaum hatten sie diese Frucht gegessen, wartete kein besseres Leben auf sie. Im Gegenteil: Sie erwachten in einem verpfuschten Leben. Das ist die Dramatik. Alles war verpfuscht, alles war kaputt.
Da gingen den beiden die Augen auf, und sie merkten, dass sie nackt waren. Sie merkten, dass sie nackt waren. Sie fühlten sich schutzlos. Das ist ein Ausdruck der Leere, die wir bis heute empfinden, vor allem dann, wenn wir uns versündigen.
In den Sprüchen finden wir dafür eine bildliche Beschreibung: Die fremde Frau lockt dich mit honigsüßen Worten. Glatt wie Öl fließen sie von ihren Lippen. Diese Worte sind richtig ölig, also wie ein feines, schmeckendes Öl. Das ist das Bild der Verführung. Doch am Ende ist sie bitter wie Galle und tödlich wie ein beidseitig geschliffenes Schwert.
Das zeigt schön, wie etwas für uns verlockend sein kann. Wir versprechen uns viel davon, dass alles schöner wird, und plötzlich kehrt sich alles um. Plötzlich stehen wir in einem verpfuschten Leben wie Adam und Eva. So geht es allen, die vor Gott davonlaufen.
Nackt waren die beiden übrigens schon vorher. Doch störte sie das nicht. Es war vorher einfach normal. Aber an diesem Tag verloren sie ihre Unschuld.
Viele Menschen möchten wieder ins Paradies zurück, vor allem an dieser Stelle, und behaupten, es sei natürlich, wenn wir nackt herumlaufen. Da gibt es die verrücktesten Ideen. Ein Reiseveranstalter organisiert zum Beispiel FKK-Reisen. Da ist man schon im Flugzeug nackt. Das ist nicht normal. Es ist bestimmt auch unangenehm, weil es im Flugzeug kühl ist und man dann nichts anhat. Aber so etwas ist wirklich nicht mehr normal. Da müssen wir nachher trotzdem alle Wolldecken haben, sonst sind sie erkältet.
Das wäre vor dem Sündenfall normal gewesen, aber nicht heute. Das Schamgefühl, das heute dermaßen verletzt wird, ist eigentlich ein Schutz für uns. Wir wollen ja nicht behaupten, jedenfalls bei den Frauen weiß ich es nicht, aber die Männer, die meisten Männer, wenn sie einigermaßen wie Männer denken, schauen eine nackte Frau nicht einfach an, als wäre sie angekleidet. Das ist tatsächlich ein Unterschied, ob eine Frau etwas anhat oder nicht.
Es ist ein Schutz für uns, den wir heute unbedingt benötigen. Es ist normal, wenn wir in der Öffentlichkeit angezogen sind, und es ist normal, wenn wir uns nicht hemmungslos nackt zeigen. Das müssen wir auch unseren jungen und alten Leuten wieder sagen, dass das normal ist. Wir sind nicht hinter dem Mond, sondern es gehört sich so.
Das hat mit der Sünde zu tun. Wir haben die Unschuld verloren.
Gottes Fragen und die menschliche Ausflucht
Vor dem Sündenfall wäre das möglich gewesen. Nun kam Gott zu Besuch in den Garten Eden. Er musste Adam suchen. Natürlich wusste er schon, wo Adam war. Aber er wusste auch, dass Adam sich versteckte. Und so fragte Gott ihn, wo er sei, wo er sich befinde. Dann sagte Adam: Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt.
Kein besseres Leben: Angst, Scham, sich verstecken müssen. Nun wollte Gott wissen, wer ihm gesagt hatte, dass er nackt sei, ob er etwa von diesem Baum gegessen hätte, von dem er eigentlich nicht essen sollte. Und Adam meinte: Die Frau, die du mir gegeben hast, diese Eva, Fleisch von meinem Fleisch, die gab mir davon zu essen. Ich sage dir das in aller Deutlichkeit: Da habe ich gegessen. Wie konnte ich anders?
Mit anderen Worten: Gott, ich will es zwar nicht so direkt sagen, aber eigentlich ist es dein Problem. Hast du mir das Problem geschaffen? Du hast mir diese Frau gegeben, und die hat mir die Frucht gegeben. Mir wäre das nicht passiert.
Nun fragte Gott Eva, warum sie das getan hätte, und sie antwortete: Die Schlange ist schuld. Sie hat mich zum Essen verführt. Ja, und wer hat die Schlange gemacht? Gott hat sie gemacht. Gott, du hast uns nur Probleme gemacht mit dieser Schlange. Und dann noch so eine Frau, und jetzt sitzen wir im grössten Chaos drin.
Das ist die perfekte Schuldverschiebung, die uns bis heute äusserst vertraut ist. Da sind wir ja so perfekte Helden, die Schuld bei dem anderen zu finden. Und das hat auch hier begonnen. Schuld ist immer der andere. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann nur, weil der andere mich dazu veranlasst hat.
Müsst ihr euch mal selber beobachten, wie ihr mit solchen Dingen umgeht. Es ist frappant, wie schnell die Schuld verschoben wird, die Verantwortlichkeit. Wenn ich unfreundlich war, dann war ich nicht einfach unfreundlich. Ich war nur unfreundlich, weil mich der andere dermassen provoziert hat. Dann muss ich ja sauer werden. Wäre er mich nicht provoziert, wäre ich freundlich geblieben. Kein Problem, ich bin sonst ein freundlicher Mensch. Aber mich muss ja niemand provozieren. Sonst lernt er meine andere Seite kennen, aber dann ist er selber schuld.
Doch es ist doch so, dass Eva von dieser Frucht ass, nicht die Schlange. Der Teufel konnte nur Eva falsche Versprechungen machen. Er vermischte Wahrheit mit Lüge, wie wir das auch später noch genau betrachten werden. Aber nicht heute, sondern in einer anderen Predigt. Das Gemisch von Wahrheit und Lüge ist das Verführerische. Bei dieser Verführung hat der Satan viel Richtiges gesagt, aber er hat eine giftige Mischung dazu getan. Das Gemisch von Wahrheit und Lüge ist eigentlich die Katastrophe, und das ist das Handwerk des Widersachers Gottes. Das beherrscht er gewaltig.
Der Teufel lügt uns an, ohne im Geringsten in Verlegenheit zu geraten. Das ist ja das Verbrannte. Ist euch auch schon aufgefallen, je cooler die Leute lügen, desto glaubhafter ist es, weil man gar nicht annimmt, dass jemand so unverfroren sein kann. Und der Teufel ist die Unverfrorenheit in Person. Kein Lügendetektor könnte ihn entlarven. Der kann lügen, ohne irgendeine Erregung. Der kann einem so ins Gesicht lügen, dass man ihm das glaubt. Der hat keine Hemmung und kein Schamgefühl.
Jesus sagt über ihn: Der Teufel war von Anfang an ein Mörder und stand nie auf dem Boden der Wahrheit. Weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, redet er so, wie es seinem ureigensten Wesen entspricht. Denn er ist ein Lügner, ja, er ist der Vater der Lüge. Er kann unverfroren lügen, und das ist das Fatale.
Deshalb haben auch Leute, die unverfroren lügen, heute zum Teil so viel Erfolg, weil wir irgendwie immer noch so denken, das kann doch nicht sein, dass ein Mensch so gravierend lügt und nicht rot wird dabei, dass ihm das nicht peinlich ist. Was denkt ihr, was heute geschieht mit Menschenhandel? Was all diesen Frauen versprochen wird, die über unseren ganzen Erdball verfrachtet werden: Ihnen wird ganz cool und kalt versprochen, dass sie eine gute Arbeit bekommen und ihre Familie unterhalten können. Und dann werden sie abserviert. Und dann plötzlich, wenn sie in ihrer Gewalt sind, kehrt alles um. Und die Leute haben keine Hemmungen, keinen Skrupel, so zu handeln. Zuerst freundlich und nachher die Menschen kaputt machen. Das ist satanisch. Und das beherrscht der Teufel perfekt.
Und trotzdem kann man nicht einfach dem Teufel die Schuld in die Schuhe schieben. Denn die Frucht gegessen und so gegen die Regel verstossen hat ja Eva. Der Teufel hätte von dieser Frucht essen können, das hätte nichts geändert. Aber Eva hat gegessen.
Jakobus beschreibt in seinem Brief deutlich, was der Grund unserer Sünde ist, und ich finde, das müssen wir als Christen wirklich uns hinter die Ohren schreiben. Wir machen ja die Schuldverschiebung auch. Wenn wir keinen Menschen mehr haben, dann haben wir noch den Teufel. Fehlleitung. Jakobus sieht das anders. Es ist die eigene Begehrlichkeit, die den Menschen ködert und einfängt. Ich bin es. Ich bin es.
Es ist also nicht der Teufel. Er weiss nur, wie er uns ködern kann. Er kann uns aber nur deshalb ködern, weil wir immer mehr möchten als wir haben, weil wir uns nicht genügen lassen mit dem, was wir haben. Und genau das führt uns ins Verderben, wie wir alle wissen. Es ist unsere Begehrlichkeit. Es ist unsere Verantwortung. Wenn jemand ihr nachgibt, wird die Begehrlichkeit gleichsam schwanger.
Ich finde es wunderbar, wie er das da ausdrückt. Schwanger, also man geht schwanger mit etwas. Und so mit etwas, von dem man weiss, dass es nicht so in Ordnung ist, geht man dann schwanger, und dann wächst das immer. Irgendwie bekommt man so eine gute Beziehung zu dem. Und irgendwo sagt man dann: Ja, das stimmt jetzt langsam für mich. Und dann gebiert sie die Sünde. Wenn die Sünde ausgewachsen ist, bringt sie den Tod hervor.
Eva hatte nachgegeben, leider. Es war nicht die Frucht, die sie reizte. Es gab genügend Alternativen. Nein, es war die Aussicht, wie Gott zu werden. Dann kann man nur sagen: Willkommen im verpfuschten Leben. Eine schlimme Sache, die damals geschah.
Deshalb ist unsere Welt so kompliziert, und deshalb geschieht so viel unsagbares Elend, so viele schreckliche Verbrechen wie Menschenhandel, Kriege, Abtreibung, Mord. Durch den Ungehorsam von Eva und Adam ist es so geworden. Paulus schreibt nach Rom: Durch einen einzigen Menschen, Adam, hielt die Sünde in der Welt Einzug. Und durch die Sünde der Tod. Und auf diese Weise ist der Tod zu allen Menschen gekommen, denn alle haben gesündigt.
Wir können also nicht nur einfach auf Adam und Eva zeigen. Wir selber hätten vermutlich nicht anders gehandelt.
Hoffnung und Gebet zum Schluss
Das Erfreuliche ist, dass Gott für dieses Problem eine Lösung geschaffen hatte. Es gibt eine echte Hoffnung auf ein besseres Leben, und ich hoffe, die meisten von uns kennen und haben dieses bessere Leben.
So schreibt Paulus:
Wenn es durch die Verfehlung eines Einzigen dazu kam, dass der Tod seine Herrschaft ausübte, wird das wiederum durch einen Einzigen weit mehr als aufgewogen, durch Jesus Christus. Werden jetzt die, die Gottes Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit in so reichem Maße empfangen, in Kraft des neuen Lebens herrschen.
Was Gott bereithält, das werden wir auch in dieser Reihe dann noch genauer ansehen, bei dem Thema das erste Evangelium.
Ich bete mit uns.
Vater, ich möchte dir danken für dieses Beispiel. Es ist nicht nur ein Beispiel, sondern es ist ein dramatisches Geschehen, dass du dich dann trotzdem über uns erbarmt hast. Du hast uns als Wesen geschaffen, die frei sind, die Ebenbilder sind. Und Herr, wir stehen einfach immer wieder in der Gefahr, dass wir uns versündigen, dass wir uns irgendwie von Einflüssen leiten lassen, als gäbe es noch etwas Besseres. Selbst wenn wir eine Regel übertreten, die eigentlich ganz einfach wäre, einfach weil wir mehr wollen. Und wie viele sind schon in einem verpfuschten Leben gelandet.
So hilf uns, dass wir von dem auch lernen, nicht einfach auf Adam und Eva herunterzusehen, sondern dass wir selber lernen, daraus achtsam zu sein und diesen Lügen und Illusionen nicht Glauben zu schenken.
Danke dir, Herr! Amen.

