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Wachstum ist kein Solo (1/4)

Warum wir Wachstum falsch verstehen.
SerieTeil 1 / 3Wachstum ist kein Solo

Einführung und Leitgedanke des Vortrags

Weil gerade ganz viel los ist, gibt es einen Vortrag mit dem Titel: „Wachstum ist kein Solo. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch, dein geistlicher Impuls für den Tag.“
Mein Name ist Jürgen Fischer, und in meinem Vortrag geht es um Gott, der uns durch Gemeinde verändert.
Teil eins: Warum wir Wachstum falsch verstehen.
Wachstum ist kein Solo. Das ist der Titel des Vortrags.
Wir schauen uns auf der nächsten Folie einmal die vier Punkte an, die ich euch vorstellen möchte. Das ist zum einen der Punkt, warum wir Wachstum manchmal falsch verstehen. Dann kommt der Punkt, wie geistliches Wachstum wirklich geschieht. Danach wollen wir uns die Werkzeuge anschauen, die Gott verwendet, um uns zu verändern. Und schließlich gehen wir noch ganz kurz auf erste Schritte ein.
Wir werden diesen letzten Punkt mit den Schritten heute Abend noch vertiefen. Das ist das, was wir heute Morgen miteinander machen wollen.

Warum geistliches Wachstum oft missverstanden wird

Ich fange mal damit an, dass wir in einer Kultur leben, in der man das Thema geistliches Wachstum oft falsch versteht. Wir verstehen es nämlich so, wie diese Welt es versteht. Und wir kommen aus einer Welt, in der wir es gewohnt sind, verschiedene Götzen zu haben.
Götzen sind im Alten Testament oder auch im Neuen Testament ja Statuen. So etwas haben wir nicht. Aber es gibt andere Dinge. Es gibt quasi Denkmuster, die in uns drinstecken. Und wenn wir uns bekehren, dann müssen wir diese alten Denkmuster loswerden.
Moderne Götzen sind zum Beispiel der Hyperindividualismus. Dieses: Ich muss ganz besonders sein, ich muss es aber auch alleine schaffen, und ich muss mich selber so weit optimieren, wie es irgendwie nur geht. Das ist ein Götze. Du bekehrst dich, und du musst diesen Götzen irgendwie loswerden, weil der in deinem Inneren steckt. Er hilft dir aber nicht, wenn es ums geistliche Wachstum geht.
Ein anderer Götze, den wir loswerden müssen, ist diese Idee der Selbstdarstellung. Dieses: Ich muss von mir nach außen immer die beste Seite darstellen. Das geht so weit, dass, wenn ich ein Bild im Internet hochlade, es natürlich immer nur das beste Bild ist. Am besten noch mit einem Filter drüber und heute, modern, am besten noch mit KI überarbeitet, damit jeder von mir immer nur die absolute Sonnenseite sieht. Das ist auch ein Götze.

Persönliche Verantwortung und geistliche Übung

Und jetzt bekehren wir uns. Und das Verrückte ist: Dieses Denken, das Tag für Tag auf uns einprasselt, hemmt uns jetzt. Denn wir denken über geistliches Wachstum nach. Wir denken darüber nach, dass wir als Christen auch irgendwie Jesus ähnlicher werden wollen. Aber wir denken oft individualistisch, sehr stark leistungsorientiert und sehr nach innen gerichtet. Und jetzt kommt das Neue Testament und sagt: Lass das. Denn Wachstum im Neuen Testament hat ganz viel damit zu tun, dass wir uns eingliedern lassen in den Leib Christi.
Ich will das noch einmal sagen: Viele Christen denken, na ja, ich wachse dadurch, dass ich persönlich viel in der Bibel lese, konsequent bete, weniger sündige und mich immer stärker diszipliniere. Und jetzt komme ich und sage: Vorsicht, Vorsicht. Weil das nicht falsch ist. Okay, also ich will jetzt nicht sagen: Lies weniger in der Bibel, bete weniger, diszipliniere dich weniger, sündige mehr. Das will ich nicht sagen. Hier schauen wir uns mal Römer 12 an. Es gibt diese Seite der persönlichen Verantwortung, die wollen wir nicht durchstreichen. Wir wollen nur eine zweite Seite, die gleich wichtig ist, danebenstellen.
 Römer 12: Da heißt es in Vers 1 und Vers 2: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Dein Leib und damit dein Leben ist ein Opfer für Gott. Und wie kommen wir da hin? Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes oder des Denkens. Es fängt im Kopf an. Und dann geht das weiter durch mein Leben. Und diese Veränderung soll uns befähigen, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist, das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Also es gibt diese persönliche Aufforderung, geistlich reif zu werden, das Leben als Opfer hinzulegen und zu sagen: Das gehört jetzt Jesus. Und ich möchte ein neues Denken gewinnen. Ich möchte in der Lage sein zu verstehen, wie Gott tickt und wie diese Welt tickt. Und 1. Timotheus, Kapitel 4, die Verse 7 und 8, bringen das auch zum Ausdruck.
 1. Timotheus 4,7 heißt es: Die unheiligen und altweiberhaften Fabeln aber weise ab, übe dich aber zur Gottseligkeit! Hab einen Trainingsplan, wenn es um Gottseligkeit, um Frömmigkeit, um die Aspekte geht, die dein geistliches Leben ausmachen. Übe dich aber zur Gottseligkeit. Und dann heißt es hier: Denn die leibliche Übung ist zu wenigem nütze. Also mach Sport. Aber es ist weniger. Die Gottseligkeit aber, da geht es um diese Dinge wie Beten, gute Werke tun, sich mit der Bibel auseinandersetzen. Die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nütze, weil sie die Verheißung des Lebens hat, das jetzige und das zukünftige.
Also es gibt diese Aufforderung: Häng dich rein. Das Problem ist nur: Weil wir aus so einer Vergangenheit kommen, wo jeder ein Stück sein Leben für sich lebt, hört man schnell an der Stelle auf. Und es ist fast ein bisschen suspekt, jetzt eine zweite Seite daneben zu stellen, die aber im Neuen Testament stark betont wird.

Gemeinde als Ort gegenseitiger Verantwortung

Und diese Seite merken wir uns. Ich bringe euch mal eine Stelle aus dem Hebräerbrief, Hebräer 10. Da geht es um den Gottesdienstbesuch. Eigentlich etwas, wo du sagst: Na ja, ich gehe halt in den Gottesdienst. Mal schauen, warum gehe ich eigentlich so in den Gottesdienst?
 Hebräer 10, und jetzt müsst ihr mal achten, was Paulus hier schreibt über die Frage, warum wir in den Gottesdienst gehen oder warum wir genau genommen den Gottesdienst auch nicht versäumen sollen, warum das ein wichtiger Punkt ist, dass man sich trifft. Hebräer 10,24. Da heißt es: Und lasst uns aufeinander Acht haben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht.
Also, das ist ein ganz spannender Gedanke. Warum sollen wir zum Gottesdienst kommen? Wir kommen zum Gottesdienst, weil wir da auf Leute treffen, für die wir verantwortlich sind. Hier heißt es: Lasst uns aufeinander Acht haben. Und dieses Wort, das hier steht, ist mehr als nur: Lass uns mal für drei Minuten mit dem Kaffee in der Hand beieinander stehen und kurz checken, wie Bayern gespielt hat. Aufeinander Acht haben, das ist ein Wort, das hat damit zu tun, dass man etwas durchdringend betrachtet. Es geht darum, dass hier geistliche Aufmerksamkeit füreinander formuliert wird.
Wir treffen uns, um nicht nur uns selber zu beobachten und uns selber zu beglücken, indem wir Lieder singen, indem wir uns eine Predigt anhören und dann nach Hause gehen und denken, das war ein ganz erbaulicher Vormittag. Sondern wir treffen uns primär, um einander zu betrachten, zu schauen: Wie geht es dem anderen?
Die eine Frage, mit der wir uns vor dem Gottesdienst beschäftigen sollten, wäre also: Wie kann ich das machen, ich mit meinem Leben? Wie kann ich mich investieren in das Leben von anderen? Wie kann ich andere am Sonntagvormittag, und wenn wir uns in der Bibelstunde treffen und im Hauskreis treffen oder in irgendeiner Dienstgruppe treffen, wie kann ich mit meinen Erfahrungen, mit meinem Leben, mit meinen Worten andere anreizen zur Liebe? Das ist die Frage.
Und ihr merkt, das ist so ein zweiter Punkt. Das eine ist Heiligung als etwas, was ich aus mir selber heraus irgendwie schaffen muss. Das andere ist: Ich habe einen Auftrag in der Gemeinde, die Schwester und den Bruder wahrzunehmen. Und das ist ein Auftrag, der geht fast noch ein bisschen vor allem anderen.
Also, wenn ich zum Gottesdienst gehe, dann ist das so mein erster Gedanke: Was kann ich mitbringen, um anderen in ihrem geistlichen Leben gut zu tun? Wie kann ich ihnen ein gutes Vorbild sein? Wie kann ich sie ermutigen? Wie kann ich ihnen eine Hilfe sein? Es ist dieser zweite Gedanke, diese Idee, dass wir ein Leib sind, ein Leib. 1. Korinther 12 steht das, wo jeder eine bestimmte Funktion hat.

Der Leib Christi und die Gaben der Einzelnen

Ich will das noch einmal lesen: 1. Korinther 12,13, weil das ein so wichtiger Vers ist. 1. Korinther 12,13, da heißt es: Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden.
In einem Geist, weil wir alle denselben Geist bekommen haben, nämlich den Heiligen Geist bei der Bekehrung, gehören wir jetzt zu einem Leib. Und dieser Leib Christi drückt sich ganz praktisch dadurch aus, dass es eine Gruppe von Leuten gibt, die sich an einem Ort treffen. Das ist für mich quasi der Teil des Leibes, in den ich mich eingliedern soll.
Und in diesem Leib habe ich eine wichtige Funktion. Ich bin verantwortlich dafür, dass ich diesen Leib mitforme. Also gibt es in diesem Leib niemanden, der sagen kann: Ich werde nicht gebraucht.
In 1. Petrus 4,10 wird das noch einmal ganz klar formuliert. Da heißt es in 1. Petrus 4,10: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat. Schön, oder? Wie jeder also du sitzt hier und du wirst mit deiner Gabe gebraucht, wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Wir kommen zusammen mit dem Blick auf den Nächsten. Gemeinde ist ein Ort, wo wir einander formen. Wo jeder gebraucht wird, weil jeder eine Gnadengabe hat. Und jetzt geht es darum, dass ich bereit bin, als ein guter Verwalter mit der Gnadengabe, die ich empfangen habe, anderen zu dienen, mit der Gnadengabe.

Heiligung als gemeinschaftlicher Prozess

Warum sage ich das? Ich sage das, damit wir verstehen, dass Heiligung kein Privatprojekt ist. Heiligung findet da statt, wo Gott andere Menschen im Leib Christi, in der Gemeinde, benutzt, um mich zu prägen, um auf mich zu schauen und mir den Input und die Hilfen zu geben, die ich ganz persönlich brauche.
Was heißt das jetzt für jüngere Christen, für die, die am Anfang stehen, für die, die einfach noch nicht so weit sind? Es bedeutet für sie, dass mit diesem Gedanken ganz, ganz viel Entlastung verbunden ist. Wachstum ist nicht das, was ich irgendwie durch strenge Disziplin in meinem Leben ganz alleine für mich schaffen muss, und irgendwann komme ich dann heraus und sage: Tschakka, hier bin ich, ja, ich habe es geschafft. Sondern Wachstum ist etwas, das in der Gemeinde stattfindet, wo andere helfen sollen und helfen wollen. Also statt: Ich muss alleine geistlich stark genug werden. Falsch.
Gott hat mich in eine Gemeinschaft hineingestellt, wo ich getragen, korrigiert und gefördert werde. Das ist erst einmal dieser erste Punkt. Man kann Wachstum falsch verstehen. Man kann denken, Wachstum sei etwas, da muss ich mich jetzt alleine mit beschäftigen, und wenn ich es mal geschafft habe, dann kann ich vorne Zeugnis geben, und bis dahin muss ich es halt alleine machen. Falsch.
In dem Moment, wo du merkst: Ich habe hier ein Problem, und das kann etwas sein, womit du schon lange unterwegs bist, oder es kann auch sein, dass du in deiner geistlichen Entwicklung einfach an einem Punkt angekommen bist, wo du denkst: Boah, ich hätte nie gedacht, dass ich wieder so weit weg vom Herrn kommen kann. In diesem Moment, wo du merkst: Ich möchte hier noch weiterkommen, in diesem Moment hast du, wenn du dich umschaust, eine Gemeinschaft, deren Aufgabe es ist, an deine Seite zu treten und zu sagen: Wir sind für dich da, mit unseren Gaben.
Das kann sein mit unserem Gebet. Das kann sein mit unserer Erfahrung. Das kann sein mit der Bibelkenntnis, die wir haben. Das kann noch mehr sein, vielleicht ganz praktisch: Wir sind für dich da.
Das ist der erste Punkt: Lasst uns Wachstum bitte nicht als Privatprojekt verstehen.

Schlussgedanken und persönliche Anwendung

Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, welche Aspekte des Vortrags für dich herausfordernd waren. Gibt es Dinge oder Einstellungen, die du ändern musst?
Das war’s für heute. Überlege dir bitte, an welcher Stelle du in den kommenden Monaten ganz konkret geistlich wachsen willst.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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