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Glaube, der Jesus gefällt

Johannes 4,43-5405.11.2023
SerieTeil 10 / 17Jesus - Gott als Mensch
Nicht jeder Glaube trägt. Jesus sucht keinen Fanclub für Wunder, sondern Vertrauen auf sein Wort – auch dann, wenn du noch nichts siehst.

Einleitung: Die Frage nach dem rettenden Glauben

Hauptsache, man hat irgendeinen Glauben. Hast du so etwas schon einmal gehört? Ich habe das schon oft gehört.
Ich erinnere mich an eine Situation, in der mir das besonders eindrücklich wurde. Das ist schon lange her. Vor knapp zwanzig Jahren war ich damals noch für die Firma Siemens in Dubai tätig. Ich hatte dort einen Partner in der Stadtverwaltung, mit dem ich regelmäßig in Verhandlungen war: Taufik.
Taufik kam aus Nordafrika und war überzeugter Muslim. Ich stand ihm oft als überzeugter Christ gegenüber, und wir redeten über den Glauben. Immer wieder beklagten wir gemeinsam, dass unser Glaube von vielen so falsch verstanden wird. Er erlebte in Dubai, dass es dort viele Menschen gab, die nominell Muslime waren, aber gar nicht wirklich gläubig waren. Ich sagte ihm, und das wusste er auch, dass es in der westlichen Welt nicht anders ist: Viele nennen sich Christen, aber nur wenige haben wirklich einen lebendigen Glauben.
Eines Abends, als wir am Ende des Arbeitstages darüber redeten, kam ein Kollege von mir vorbei. Er hörte, wie wir sprachen, und meinte, uns ermutigen zu können. Er sagte: Hauptsache, man glaubt halt richtig. Er meinte damit einfach, man müsse so einen intensiven Glauben haben wie Taufik und ich.
Taufik und ich schauten einander an, dann schauten wir ihn an und sagten: Nein, nein, nein. Es ist schon entscheidend, was man glaubt. Nicht jeder Glaube rettet.
Das hat meinen Kollegen sehr verwirrt. Er dachte, intensiver Glaube sei gut genug. Aber Taufik und ich waren uns einig: Nur wahrer Glaube, nur der richtige Glaube rettet.
Aber was genau ist eigentlich dieser richtige Glaube, der uns allein retten kann? Wir reden als evangelische Christen oft davon, dass Rettung aus Glauben allein geschieht. Aber es ist natürlich nicht irgendein Glaube, der uns allein rettet, sondern der richtige Glaube.
Um diesen richtigen Glauben geht es im heutigen Predigttext. Wir werden in unserem heutigen Predigttext tatsächlich einen falschen Glauben sehen, den viele haben. Und wir werden den wahren Glauben sehen, der allein zur Rettung führt.
Unser Predigttext für heute, in Fortsetzung unserer Predigtreihe durch die ersten Kapitel des Johannesevangeliums, sind die letzten zwölf Verse von Johannes 4. In Johannes 4 war Jesus auf dem Weg von Judäa. Er war in Jerusalem gewesen, hatte dort ein großes Fest gefeiert und war nun auf dem Weg zurück in seine Heimatregion nach Galiläa. Das begann in Kapitel 4, Vers 2, wo wir schon gesehen hatten, dass es da heißt: Obwohl Jesus, Vers 3, Judäa verließ und wieder nach Galiläa ging, musste er durch Samarien reisen. Dort war er eine kurze Zeit in Samarien, und jetzt kommt er nach Galiläa. Und da beginnt unser heutiger Predigttext ab Kapitel 4, Vers 43.
Ich lese uns unseren heutigen Predigttext:
Aber nach zwei Tagen ging er, Jesus, von dort weiter nach Galiläa. Denn er selbst, Jesus, bezeugte, dass ein Prophet daheim nichts gilt. Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, die alles gesehen hatten, was er in Jerusalem und auf dem Fest getan hatte; denn sie waren auch zum Fest gekommen. Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs, dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen, um seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. Da forschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war, und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Mann, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.
Ich möchte mit uns beten:
Himmlischer Vater, wir wollen dich bitten, dass dieses Wort, dass dieser Text für uns ganz lebendig wird. Ja, wir wollen dich bitten, dass du uns hilfst zu erkennen, was falsch war an dem Glauben der Galiläer, und hilf uns zu erkennen, was wahr und gut und richtig war im Glauben des Vaters. Ja, hilf uns, dass wir uns durch dein Wort so zurüsten lassen, dass wir den Glauben haben, der dir gefällt. Stärke unseren Glauben, den Glauben, durch den wir gerettet werden. Herr, tu das zu deiner Ehre und zu unserem Besten. Deshalb bitten wir durch Jesus Christus, den, an den wir glauben. Amen.

Der erste Blick: Ein Glaube, der Jesus verfehlt

Wir wollen zuerst also sehen, dass Jesus jetzt hier zurückkommt nach Galiläa und dort einen Glauben vorfindet, der ihm nicht gefällt.
Ja, Jesus war ja gerade in Samaria gewesen, ihr erinnert euch. Letzte Woche während der Gemeindefreizeit hatten wir eine andere Predigt, aber die beiden Wochen davor hatten wir in zwei Abschnitten gesehen, wie Jesus von Judäa nach Samarien gekommen war und dort das Gespräch mit einer Frau hatte, mit einer Samariterin am sogenannten Jakobsbrunnen.
Diese Frau hatte Jesus direkt in ein Gespräch verwickelt, und wir hatten gesehen: Jesus hatte offensichtlich etwas mit ihr vor. Er forderte sie quasi heraus, dass er allein ihr etwas geben kann, was sie wirklich braucht, nämlich lebendiges Wasser. Damit meinte er den Geist, den nur er geben kann. Und er betonte, dass diese Frau bisher in der tiefen Sehnsucht ihres Herzens an einem falschen Ort nach Erfüllung gesucht hatte.
Jesus hatte deutlich gemacht: Die Erfüllung findest du nicht bei einem Mann, findest du nicht in der Ehe oder in unehelichen Beziehungen. Die Erfüllung, die du wirklich suchst, die findest du nur darin, dass du durch meinen Geist erfüllt mich anbetest in Wahrheit und im Geist. Dafür sind wir gemacht worden. Wir sind von Gott geschaffen worden, um uns an ihm zu erfreuen und für ihn zu leben, ein Leben der Anbetung.
Und dann hatten wir gesehen, dass diese Frau anfing, Dinge zu verstehen, anfing, auf Jesus zu vertrauen und in ihr Dorf, in ihre Kleinstadt zurückging. Dort brachte sie dann ganz viele Menschen mit sich und sagte: Kommt und schaut, ob er nicht der verheißene Messias ist. Und dann hatte Jesus dort diesen Menschen das Evangelium verkündigt, und innerhalb von zwei Tagen war in dieser Stadt so eine Erweckung gekommen.
Unser Predigtext setzt genau da ein. Aber nach zwei Tagen, also nach zwei Tagen von Erweckungspredigten, nach zwei Tagen dessen, wonach sich alle sehnen, einer großen Erweckung, die ausbricht, Menschen hören ihn und glauben ihm und kommen zum Glauben und werden gerettet, nach zwei solchen Tagen heißt es: ging er von dort weiter nach Galiläa. Denn er selber, Jesus, bezeugte, dass ein Prophet daheim nichts gilt.
Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf.
Wenn man diese Verse mal langsam liest, dann merkt man: Das ist total schräg. Das ist eigentlich alles schräg an diesen beiden Versen. Du bist an einem Ort totaler Erweckung, dem Ort, wo du von Gott gebraucht wirst, wie man sich das nur wünschen kann, und dann geht er weg von dort, denn er geht jetzt dahin, wo er nichts gilt. Jesus, was machst du hier?
Und nur nachdem er dann gerade gesagt hat, er bezeugt es ja, dass er, er ist der Prophet, daheim nichts gilt – daheim, das ist Galiläa, denn da ist er aufgewachsen, Nazaret ist die Stadt, wo er war. Manche meinen, er wäre aus Judäa weggegangen und da hätte er nichts gegolten. Nein, nein, Galiläa ist der Ort, wo er nichts gilt. Jesus gebraucht nämlich dasselbe Zitat zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal, und dann ganz eindeutig im Hinblick auf Nazaret in Galiläa.
Also Jesus geht an den Ort, von dem er sagt, da gilt er nichts. Warum auch immer. Und dann heißt es: Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf.
Okay, also erst macht Jesus das echt seltsam. Er verlässt den Ort, wo er beliebt ist, wo er ankommt, wo er etwas bewegt, um an einen Ort zu gehen, wo er nichts gilt, wie er selber sagt. Und dann wird uns direkt im nächsten Satz gesagt: Und die nahmen ihn auf. Das klingt ja eigentlich so, als ob er da doch etwas galt.
Alles seltsam. Ich hoffe, ihr merkt das. Es ist manchmal hilfreich, mal so ein bisschen innezuhalten und zu merken: Der Text will uns, glaube ich, gerade durch diese komischen Aussagen etwas vor Augen führen. Das ist so ein Abschnitt, wo man langsam liest und noch mal liest. Warte, habe ich das jetzt gerade richtig gelesen? Stand da denn? Obwohl hätte besser gepasst: Und die Galiläer nahmen ihn nicht auf. Das hätte besser gepasst. Was ist hier los?
Nun, wir haben schon bedacht, dass Jesus immer wieder an Orte ging, von denen man dachte, da sollte er eigentlich nicht hingehen, so wie nach Samarien, weil er genau wusste, dass Gott mit ihm etwas vorhatte. Nichts in seinem Leben war Zufall. Jesus geht dahin, obwohl er dort nichts gilt, weil Gott ihn dort in irgendeiner Weise gebrauchen will.
Aber der Grund der freundlichen Aufnahme war jetzt nicht, dass die Menschen ihn doch sehr wertschätzen, diesen Propheten, dass sie ihn lieben und hören wollten, was der Prophet nur zu sagen hatte. Das wird deutlich, wenn wir weiterlesen. Warum sie ihn aufnahmen, hatte nämlich zu tun mit dem, was er zuvor getan hatte, sowohl in Jerusalem wie auch auf dem Fest. Und damit ist wohl die Hochzeit in Kana gemeint. Darauf bezieht die textliche Erinnerung auch gleich, dass da deutlich wird: Da hat er aus Wasser Wein gemacht.
Das heißt, die Menschen hatten Jesus erlebt. Sie hatten erlebt, dass er Wunder tun konnte. Für sie war Jesus interessant, weil er Zeichen und Wunder tat. Sie wollten nicht seine Worte hören, sie wollten seine Taten sehen. Deswegen nahmen sie ihn auf. Als Prophet galt er dort noch lange nichts. Er galt dort nur etwas als der Mann, der Zeichen und Wunder tat.
Und genau das spricht Jesus dann ja auch an. Nachdem dieser Mann aus dem Dienst des Königs Jesus gebeten hatte, mit ihm nach Kapernaum umzukommen, um seinen kranken Sohn zu heilen, hatte Jesus ja dann die Menschen allgemein angesprochen. Das haben wir gesehen: Er sagt dann nicht du, sondern er sagt dann ihr. Vers 48: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.
Hier sehen wir ein Urteil. Jesus kommt also an diesen Ort, weil er da irgendwie hingehen muss. Aber er gilt dort nichts, und er betont das, denn dieser Glaube glaubt nicht wirklich an ihn als einen Propheten, der etwas zu sagen hat. Wenn sie nicht sehen, was er tut, hat er für sie keine Bedeutung.
Okay, ich gebe zu, das war jetzt ein bisschen komplizierter Anfang einer Predigt. Aber wir können ja am Sonntagmorgen, und gleich so am Anfang sind wir ja noch frisch, können wir uns sicherlich für einen Moment da hineindenken. Das ist ein Glaube, der Gott nicht gefällt.
Was Jesus hier beklagt, ist ein Glaube, der gewisse Bedingungen hat, ein Glaube, der nicht auf den Propheten hört, nicht seine Worte einfach annimmt und ihnen vertraut. Nein, es ist ein Glaube, der mit falschen Motiven kommt. Sie wollen sehen, was er zu tun vermag.
Interessant ist, dass gerade die Menschen, die ihn am besten kennen, ihn eben nicht einfach so annehmen, ihm nicht einfach so vertrauen und sagen: Wir brauchen keine Wunder, sprich, wir wollen hören, was du zu sagen hast.
Nun, jetzt könnten wir aus einer gewissen Distanz das betrachten und überlegen, wer denn einen solchen falschen Glauben hat, wer denn diese Menschen in unserer Zeit heute sein können. Vielleicht fallen uns da Leute ein, Menschen, die eigentlich einiges von Jesus wissen, aber ihn total verkennen.
Ich möchte uns Mut machen, das nicht zu tun, sondern diese Herausforderung mal ganz persönlich an uns heranzulassen, damit wir schauen können, wie es mit unserem Glauben aussieht. Schließlich sind wir ja die, die Jesus besonders gut kennen, oder? Also in gewisser Weise ist Jesus bei uns zu Hause oder wir bei ihm. Er ist einer der Unseren. Jesus gehört zu uns.
Also möchte ich uns herausfordern: Lasst uns mal bedenken, wie wir eigentlich zu Jesus stehen. In besonderer Weise möchte ich die herausfordern, die Jesus von klein auf kennen, vor allem hier die Teens unter uns. Nehmt das mal an, denkt mal für einen Moment darüber nach: Ich bin mir sicher, ihr alle kennt Jesus, denn ihr habt von klein auf von Jesus gehört, wahrscheinlich zu Hause und sicher auch hier in der Gemeinde, in Kinderbibeln und Bibelgeschichten von Jesus.
Aber, ihr Lieben, ganz ehrlich: Die meisten Kinderbibelgeschichten sind nicht sonderlich hilfreich, denn die meisten Kinderbibelgeschichten liefern ein verzerrtes Jesusbild. Da lesen wir immer nur von dem lieben Jesus, der uns so lieb hat und uns helfen will, der uns Gutes geben will, und wir lesen ganz viel über seine Wunder. Oder? Könnte man nicken, wenn es stimmt.
Viele Wundergeschichten, viele spektakuläre Dinge, die Jesus tut. Und dann werdet ihr älter, ihr seid schon etwas älter, deswegen seid ihr hier mit im Gottesdienst, und ihr müsst feststellen: Jesus, wie ich ihn erlebe, der Jesus ist nicht so wie der, der mir in meiner Kinderbibel vorgestellt wurde. Ich sehe nicht, dass er mir immer hilft. Ich erlebe Leid. Nicht jedes Gebet wird beantwortet. Und Wunder, ganz ehrlich, erlebe ich eigentlich auch nicht.
Und dann stellen wir fest: Jesus liefert nicht das, was uns versprochen wurde. Wir dürfen uns gar nicht wundern, dass viele Kinder, wenn sie größer werden, sich von Jesus abwenden, obwohl sie ihn von klein auf kannten, weil Jesus in ihrer Erfahrung einfach nicht der ist, von dem sie immer gehört haben.
Und viele andere bleiben dabei und werden groß und älter, so wie vielleicht manche Ältere hier unter uns. Und wir sagen: Ja, wir halten schon noch an Jesus fest, aber wir haben gelernt, unsere Erwartungen einfach ein bisschen zurückzuschrauben. Wir haben keine großen Erwartungen mehr an Jesus, weil wir natürlich erlebt haben, dass es nicht so einfach ist, dass Jesus eben doch einfach oft nicht das tut, was wir uns erhofft haben.
Und er möchte deutlich sagen: Egal ob du dreizehn oder dreißig oder dreiundsiebzig oder was auch immer du bist, das Problem ist einfach, dass wir oft falsche Vorstellungen von Jesus haben. Ein falsches Jesusbild und meistens auch falsche Vorstellungen von uns selbst und davon, was wir wirklich brauchen.
Seht ihr, das war das Problem der Menschen in Galiläa. Sie hatten eine gewisse Erwartung an Jesus, sie hatten eine gewisse Vorstellung. Sie hatten erlebt, dass Jesus Zeichen und Wunder getan hatte, sie fanden das klasse, sie feierten Jesus, Jesus hatte etwas zu bieten, diesen Jesus wollten sie. Aber dann erlebten sie, dass Jesus eben nicht mehr ihren Erwartungen entsprach, und Jesus verlor ganz schnell an Popularität.
Nicht alles, was sie von Jesus wollten, war das, was sie meinten, von Jesus zu wissen: Zeichen und Wunder. Und dabei verkannten sie, wer Jesus wirklich ist. Sie verkannten, dass Jesus so viel mehr ist als nur ein Wundertäter. Sie verkannten, dass Jesus gekommen war, um so viel mehr zu geben als nur ein paar Wunder oder um ein paar Wünsche zu erfüllen.
Seht ihr, ein Glaube einfach nur daran, dass Jesus lieb ist und Wunder tun kann, ein solcher Glaube gefällt Jesus letztendlich nicht. Jesus will, dass wir auf ihn hören, dass wir ihn wirklich kennenlernen und dass wir uns ihm wirklich anvertrauen.
Jesus beschreibt sie in Vers 44 selbst ganz bewusst als einen Propheten, das heißt als einen Mann, der gekommen ist, um göttliche Wahrheit in das Leben von uns hineinzusprechen. Die Propheten im Alten Testament haben vieles gesagt, erst einmal um dem Menschen zu helfen, sich selbst zu erkennen und dann ihre Situation vor Gott zu erkennen. Und so kommt Jesus. Er kommt, um eine Botschaft weiterzugeben.
In Vers 42, am Ende des Predigttextes der letzten Predigt aus dem Johannes-Evangelium, hatten wir gesehen, dass Jesus beschrieben wird als der Weltheiland. Und auch das ist wichtig und wahr: Jesus ist gekommen als Retter der Welt.
Und so möchte ich dich heute Vormittag fragen: Kennst du Jesus so? Verstehst du, wozu der ewige Sohn Gottes zu uns Menschen hier auf Erden, hier in diese Welt gekommen ist? Ich möchte uns wirklich ermutigen, nicht vorschnell einfach so unser Jesusbild zementiert zu haben, sondern Jesus die Chance zu geben, als ein Prophet in unser Leben zu sprechen und uns neue Horizonte zu eröffnen.
Ich möchte dich ganz konkret fragen: Wenn du die Bibel liest, und auch das wäre eine Frage nicht nur für die Teens unter uns, aber auch für die Teens unter euch: Kommt ihr manchmal an Stellen, wo ihr staunt über das, was Jesus dann sagt? Kommen wir manchmal an Stellen, wo wir sagen: Warum macht Jesus denn jetzt das?
Das sind ganz hervorragende Stellen, weil diese Stellen uns helfen können, unser Jesusbild zu verändern, es biblischer werden zu lassen, so dass wir nicht mehr staunen müssen, sondern sagen können: Ja, das ist der Jesus der Schrift!
Ganz ehrlich, wenn wir die Bibel sorgfältig lesen und uns wirklich darauf einlassen, Jesus immer besser und immer mehr kennenzulernen, dann werden wir verstehen, dass er wirklich noch viel besser ist, als wir uns das vorstellen konnten. Aber wir werden dann eben auch einige Dinge erkennen, die uns im ersten Moment erst einmal vielleicht etwas schwer vorkommen.
Wir werden sehen, dass Jesus eben nicht einfach irgendwie so ein Kuschelbär ist, der einen so ein bisschen tröstet, wenn es einem nicht so gut geht, oder ein Weihnachtsmann, der einem gibt, was man gerne hätte. Nein, wir werden, wenn wir die Evangelien sorgfältig lesen, erkennen, dass Jesus eine über allem anderen angeordnete Liebe hat, eine Liebe zu seinem himmlischen Vater.
Wir werden sehen, wie Jesus Heiligkeit liebt und Sünde hasst. Wir werden erkennen, dass Jesus, weil er das Heilige liebt und die Sünde hasst, eines Tages diese Welt richten wird, um all dem Bösen ein Ende zu machen.
Aber wir werden auch sehen, dass Jesus nicht nur seinen Vater liebt, sondern auch uns Menschen, und dass er genau deshalb überhaupt in diese Welt gekommen ist. Weil er uns sieht, wie wir wirklich sind, als Menschen, die ein grundsätzliches Problem mit Gott dem Vater haben, weil wir eben nicht heilig, sondern sündig sind, weil wir immer wieder Dinge tun, die gegen das sind, was Gott uns sagt.
Und Jesus ist gekommen, um uns aus dieser Not zu befreien. Er hat so viel mehr für uns als einfach ein paar Wunder. Er kommt als der Retter, den wir existenziell brauchen, er kommt als der, der uns aus dieser Welt mit allem Leid befreien kann hinein in eine Herrlichkeit, in eine Ewigkeit, die so viel besser ist als alles, was wir in unseren lächerlich kleinen Gebeten manchmal erbitten.
Ich hoffe, ihr erkennt das. Jesus kam zu uns Menschen, weil wir ohne ihn verloren wären. Deswegen wollte er, dass die Menschen nicht einfach nur über seine Wunder staunen. Jesus suchte nicht einfach einen Fanclub. Er wollte, dass wir auf ihn hören, und sein erster Ruf ist ein so wichtiger Ruf, denn er ruft den Menschen zu: Kehrt um von euren falschen Wegen, vertraut euch mir an, denn ich bin gekommen, um Sünder zu retten.
Ja, nur wenn wir das tun, wenn wir uns Jesus so anvertrauen, dann hat er uns wirklich etwas zu bieten. Dieses auf Jesus Vertrauen, wirklich sich an ihn im Glauben hängen, das ist der wahre Glaube, der zur Rettung führt.
Ich hoffe, du kennst Jesus so. Jeder andere Glaube gefällt Jesus nicht. Jesus sagt an anderer Stelle selbst, dass nicht alle, die zu ihm sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen werden. Es gibt einen Glauben an Jesus, der ihm nicht gefällt und der nicht zur Rettung führt. Deswegen ist es entscheidend, dass wir den wahren Glauben haben, den richtigen Glauben haben.

Ein zweiter Blick: Der Glaube eines Vaters in Not

Nun, dieser Text, den wir heute betrachten, zeigt uns nicht nur den falschen Glauben der Galiläer, einen Glauben, der Jesus nicht gefällt und den er hier anklagt. Nein, wir lesen hier auch von einem Mann, der einen Glauben hat, der zur Rettung führt. Das ist der zweite Punkt in dieser Predigt.
Diesen Glauben finden wir in einem einflussreichen Vater, der in großer Not zu Jesus kommt. Dieser Vater wird uns in Vers 46, in der zweiten Hälfte von Vers 46, schon kurz vorgestellt. Da heißt es: Und es war ein Mann im Dienst des Königs, dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und er ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen, denn er war todkrank.
In diesem Moment hatten wir eben schon gesehen, hat Jesus erst einmal die Menschenmassen angesprochen, die einfach nur ein weiteres Wunder sehen wollten. Die waren einfach nur da, um die nächste Episode der Jesus-der-große-Wundertäter-Show zu schauen. Und dafür war Jesus nicht gekommen. Das ist die Menschenmenge, die Jesus ermahnt: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.
Aber dann, nach dieser Ermahnung an die Galiläer ab Vers 48, treten diese anderen Menschen in den Hintergrund, und wir sehen nur noch Jesus und diesen Vater. Deswegen möchte ich uns diese Verse, also ab Vers 49, die Verse 49 bis 54, noch einmal lesen. Da heißt es: Der Mann sprach zu ihm, das ist jetzt das zweite Mal, nachdem Jesus die erste Bitte quasi mit diesem allgemeinen Wort erst einmal nicht beantwortet hatte, der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war, und sie antworteten ihm: Gestern um die siebte Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.
Ja, dieser Vater, der Jesus dort anspricht, war nicht irgendwer. Die Lutherübersetzung macht das nicht so ganz deutlich, da ist es einfach ein Mann irgendwie im Dienst des Königs. Tatsächlich machen andere Übersetzungen es deutlicher, was dort wirklich im Griechischen steht: Es war ein hochrangiger königlicher Beamter. Einer, der schon in seinem Titel mit dem Königtum verbunden war. Wahrscheinlich diente er dem König Herodes Antipas, der zu der Zeit in Galiläa herrschte und uns bekannt ist, weil er später im Prozess gegen Jesus mit dabei war.
Es war also ein bedeutender, einflussreicher Mann, und der hatte sich jetzt in großer Not auf den Weg gemacht hin zu Jesus. Sein Sohn war todkrank. Seine dramatische Situation: ein sterbendes Kind. Und er hatte sicherlich schon manches andere probiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass er die Ärzte vom Königshof gerufen hatte. Niemand konnte helfen, es wurde immer schlimmer. Und jetzt, in seiner großen Not, hört er von Jesus, und er setzt seine Hoffnung auf Jesus.
Jetzt müssen wir uns mal vorstellen, dass sein Vater in einer solchen Situation nicht an der Seite seines sterbenden Jungen bleibt, sondern einen Weg geht von gut dreißig Kilometern. Da könnte er nicht schnell mal mit dem Auto fahren, die ist ja wahrscheinlich gelaufen. Dreißig Kilometer weg von seinem sterbenden Sohn, von dem er nicht weiß, ob er ihn noch einmal lebend sehen wird. Was für eine Hoffnung muss man haben, und wie verzweifelt muss man sein, dass man diesen Weg geht und zu Jesus geht.
Und deswegen lässt er sich eben auch nicht abwimmeln. Nachdem Jesus den Menschen sagt, die weiterhin Wunder sehen wollen, da hätte er jetzt auch sagen können: Okay, dann eben nicht. Er bleibt dran. Er hört, was Jesus sagt, aber er bittet ihn einfach weiter: Herr, komm, bitte, komm, ehe mein Kind stirbt. Alles andere ist mir gerade völlig egal. Komm!
Und dann hören wir Jesu Worte: Geh hin, dein Sohn lebt. Versetz dich mal für einen Moment in die Rolle des Vaters. Was hättest du gesagt, was hättest du gemacht, wenn Jesus, du kommst zu ihm und sagst: Mein Sohn stirbt, und zuerst sagt er: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Und dann sagst du: Bitte komm mit, und er sagt: Geh nach Hause, alles gut. Jesus, kapierst du es denn nicht? Mein Sohn stirbt. Komm, komm mit! Wäre das nicht deine Reaktion gewesen? Das wäre meine Reaktion gewesen. Jesus, einfach sagen: Geh nach Hause, das kannst du doch nicht machen. Du bist meine letzte Hoffnung, bitte komm mit, oder?
Ich finde das absolut erstaunlich, was dieser Mann hier tut. Der Mensch glaubte dem Wort. Er glaubte dem Wort, das Jesus ihm sagt. Und er geht hin. Dieser Vater hört einfach nur einen kurzen Satz von Jesus: Geh hin, dein Sohn lebt. Und er setzt seine ganze Hoffnung auf dieses Wort und geht nach Hause. Ist das nicht ein erstaunlicher Glaube?
Später würde Jesus nach seiner Auferstehung zum Jünger Thomas sagen: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben. Amen!
Frau, wie ist das bei uns? Wie ist das bei uns? Glauben wir einfach dem, was Gott sagt? Glaubst du einfach, was Gott dir sagt?
Nun, tatsächlich ist das der Glaube, der zur Rettung führt. Die Grundlage der Rettung, die wir alle brauchen und die noch viel größer ist als die Heilung eines Menschen, basiert darauf, dass wir dem Wort vertrauen. Diese Heilung ist ein Bild für eine Rettung, aber die Heilung eines Kranken ist letztendlich nur ein Schatten von dem, was wir brauchen. Denn klar ist: Dieser Sohn, den Jesus jetzt heilt, der wird irgendwann älter werden und sterben. In gewisser Weise ist das, was Jesus hier tut, eine lebensverlängernde Maßnahme. Aber eines Tages wird er dann, wie wir alle, vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Und als sündige Menschen, und sorry, dass ich das so sage an einem schönen Sonntagmorgen, das sind wir alle, sündige Menschen, können vor dem heiligen Gott nicht bestehen. Wir werden die gerechte Strafe für jeden bösen Gedanken, für jedes böse Wort, für jede böse Tat empfangen. Der Sünde Sold ist der Tod, der ewige Tod, das ewige Leiden im Gericht Gottes.
Aber Jesus sagt uns, dass er als Prophet gekommen ist mit einer frohen Botschaft. Und er ruft uns und sagt: Vertraut euch mir an. Und er ist gekommen als der Retter der Welt, als der Heiland der Welt. Er ist gekommen, um sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Deswegen geht Jesus von dort weiter und geht letztendlich den Weg bis ans Kreuz, um dort die gerechte Strafe für Sünder, die gerechte Strafe für unsere Schuld auf sich zu nehmen und zu bezahlen durch seinen Tod am Kreuz, so dass nun jeder, der sich ihm anvertraut, ewiges Leben findet. Rettung von aller Schuld, Annahme bei Gott, eine ewige Herrlichkeit.
Reicht dir das? Reicht dir das, dass Gott dir das einfach sagt durch sein Wort? Siehst du, das ist wahrer Glaube. Wahrer Glaube sagt nicht: Zeig mir mal, was du drauf hast. Wahrer Glaube sagt: Ich höre und ich vertraue dir. Das ist das, was der Vater hier tut. Dazu ist Jesus gekommen. Wir haben das in Kapitel 3 schon gehört: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern ewiges Leben haben.
Mir ist klar, so zu glauben ist nicht einfach. Aber nur so zu glauben führt zur Rettung. Und ich möchte dir Mut machen, wenn du diesen Glauben noch nicht hast, kleine Schritte zu gehen. Denn dieser Glaube wird in uns erst anfangen, wirklich zu wachsen, wenn wir ihm Raum geben. Es braucht manchmal diesen ersten Schritt, damit wir sehen können, ob so ein Glaube wirklich tragfähig ist.
Wir haben das beim Vater gesehen. Dadurch, dass er nach Hause geht, darf er jetzt erleben, dass der Sohn geheilt ist. Und so sollten auch wir Schritte gehen. Ich vergleiche manchmal den Weg zum Glauben hin mit einem Weg am Anfang des Winters auf einem gefrorenen See. Vielleicht hilft dir das Bild. Der erste Schritt, wenn jemand sagt: Der See ist zugefroren, du kannst darauf laufen. In der Mitte steht Jesus und ruft, und hier ist Herrlichkeit, was auch immer er zu bieten hat. Er ruft dich, und du stehst am Rande des Sees und du hast keine Ahnung, ob das Eis dich trägt. Was machst du?
Machst so einen kleinen Schritt drauf, so einen kleinen Schritt, und gibst mal ein bisschen Gewicht auf den Fuß, um zu sehen, ob es trägt. Es knirscht und knackt, und du gehst erst mal ein bisschen zurück. Aber du probierst es wieder, und du merkst: Nein, es hält, es hält. Und dann gehst du den nächsten Schritt. Es knirscht und knackt, aber du merkst, es trägt. Und so kannst du langsam weitergehen und machst Schritte. Und nur dadurch, dass du diese Schritte des Glaubens gehst, kannst du erleben, dass es wirklich tragfähig ist.
So ist das mit dem christlichen Glauben. Höre auf sein Wort und fang an, auf das Wort nicht nur zu hören, sondern ihm zu folgen, zu tun, was es dir sagt, und du wirst erleben: Das, was der Herr dir sagt, das ist zuverlässig und wahr. Und so wirst du zur Rettung kommen.
Wenn du Fragen dazu hast, dann möchte ich einfach die Einladung noch einmal wiederholen. Am Dienstag um neunzehn Uhr fangen wir hier in der Gemeinde unten im Raum, im Foyer oder hinterm Foyer, den christlichen Deckenkurs an. Da wollen wir diesen Fragen nachgehen. Geh diesen Fragen nach. Geh diesen ersten Schritt aufs Eis und erlebe, dass es tragfähig ist.
Der Vater glaubt, und er darf erleben, dass das, was Jesus gesagt hat, zuverlässig und wahr ist. Er geht den Weg nach Hause, und auf dem Heimweg kommt ihm einer seiner Knechte entgegen und berichtet ihm, dass sein Kind lebt, dass es wieder gesund geworden ist. Und der Vater sagt nicht: Oh, noch mal Glück gehabt. Der Vater sagt: Wann, wann ging es ihm besser? Seht ihr, der Vater ahnt sofort: Das war Jesus. Und der Knecht bestätigt: Es war genau die Stunde, zu der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt.
Und so ist der Vater voller Freude. Und es wird nicht weiter beschrieben, was geschieht, es heißt einfach nur: Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist der wahre Glaube, der zur Rettung führt. Das ist der Glaube, der uns hier vor Augen gemalt wird, und das ist der Glaube, dem wir nacheifern dürfen.

Fünf Merkmale eines Glaubens, der trägt

Und so möchte ich am Ende dieser Predigt einfach fünf Aspekte dieses wahren Glaubens mit uns bedenken, fünf Aspekte wahren Glaubens, die wir aus diesem Bericht lernen können.
Der erste Aspekt: Vielleicht lohnt es sich mitzuschreiben, wenn du einen Stift dabei hast. Wahrer Glaube geht mit jeder Not zu Jesus. Wahrer Glaube geht mit jeder Not zu Jesus. Der Vater erkannte die große Not seines sterbenden Sohnes, und er geht damit zu Jesus. Ich hoffe, du erkennst deine größte Not, die Last deiner Sünde. Und gehst damit zu Jesus! Das ist der Anfang von wahrem Glauben.
Und ich hoffe, dass wir, die wir diesen Schritt zu Jesus gegangen sind, die wir darauf vertrauen, dass Jesus uns durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung die Gewissheit gibt, dass unsere Schuld bezahlt ist und wir bei ihm ewiges Leben finden, dass wir anerkennen: Dieser Jesus, der sich so selbstlos, so aufopferungsvoll um unsere größte Not gekümmert hat, wird uns sicherlich auch alles andere geben, was wir wirklich brauchen für dieses Leben und für die Ewigkeit. Deswegen: Geh mit jeder Not zu Jesus. Wahrer Glaube geht mit jeder Not zu Jesus.
Das Nächste, was wir sehen: Wahrer Glaube gibt nicht auf, sondern klammert sich an Jesus. Der Vater fragt nicht nur einmal. Selbst nach dieser Zurechtweisung von Jesus an die Galiläer gibt er nicht auf. Er klammert sich an Jesus und bittet weiter, bis Jesus ihm zusagt, dass sein Sohn lebt. Und er darf erleben: Jesus hilft, aber nicht beim ersten Mal.
Ich denke, wir alle wissen auch, dass Gott manche Gebete nicht so schnell und nicht so beantwortet, wie wir das wollen. Nun, wahrer Glaube gibt nicht auf. Nicht so ein irgendwie Glaube an Jesus, der sagt: Ich habe schon drei Dinge probiert, jetzt bete ich mal, mal schauen, ob das funktioniert, und dann probiere ich noch ein paar andere Dinge. Wahrer Glaube sagt: Wohin sonst sollen wir gehen? Wir bleiben bei dir. Wir bitten weiter dich. Du allein kannst helfen. Wahrer Glaube hält aus, er klammert sich an Jesus.
Ich hoffe, dass uns dieser Text eine Ermutigung ist, dranzubleiben an Jesus, nicht aufzuhören, ihn zu bitten. Die Bibel fordert uns mehrfach dazu auf, weiterzubitten, inständig, beharrlich weiterzubeten. Ja, manchmal bekommen wir nicht das, was wir wollen, aber der Herr, der liebende Vater, gibt uns immer das, was wir wirklich brauchen. Deswegen: Klammer dich an Jesus.
Drittens: Wahrer Glaube vertraut auf Gottes Wort und handelt danach. Das haben wir hier gesehen, wie der Vater dem Wort vertraut und dann entsprechend einfach nach Hause geht. Und er lebt. Gottes Wort ist wirklich vertrauenswürdig.
Ich glaube, wir alle kämpfen an diesem Punkt. Mein Glaube ist oft schwach, deswegen gehe ich immer mal wieder andere Wege und vertraue letztendlich nicht Gottes Wort. Und ich sage: Ja, ich weiß, das stimmt wahrscheinlich schon, aber irgendwie scheint mir das besser. Und dann gehe ich diesen Weg und mache das.
Mein Gebet ist: Herr, schenk mir mehr Glauben, schenk mir mehr Glauben, hilf mir zu wachsen in diesem Glauben. Ich möchte mehr an dich vertrauen, so dass ich konsequent tue, was du sagst, weil ich darauf vertraue, dass du es unendlich gut mit mir meinst. Das tut wahrer Glaube. Er erlebt, dass Jesus allein Worte des ewigen Lebens hat. Wir wollen sein Wort hören, denn sein Wort ist die Wahrheit, und wir wollen danach leben. Wahrer Glaube tut das. Möge dieser Glaube in uns weiter wachsen.
Viertens: Wahrer Glaube erkennt dankbar Gottes Hilfe an. Ja, der Vater geht nach Hause, hört, dass sein Sohn lebt. Und da sagen die einfach: Okay, wir machen ein Fest, super, hat ja doch geklappt, dann war er vielleicht gar nicht so krank.
Und ich habe mich gefragt: Bin ich so? Wie oft bete ich am Morgen für Dinge und denke am Abend, der Tag ist ganz gut gelaufen, haben wir wieder gut gemacht. Okay, ihr kennt das nicht, keiner lacht, okay, nur ich. Oder vielleicht doch nicht.
Wie schnell sind wir dabei, Dinge im Gebet zu Gott zu bringen und nachher gar nicht mehr zu merken, dass Gott Gebete beantwortet, ständig, ständig. Und seht ihr, was wir damit verpassen, ist: Wenn wir nicht zurückschauen und erkennen, wie Gott uns geholfen hat, dann verkennen wir, wie gut und treu unser Gott ist. Aber wenn wir ab und zu mal innehalten und einfach zurückschauen und sagen: Herr, heute früh habe ich für folgende acht Dinge gebetet, für diesen Tag, und du hast geantwortet, dann stärkt das mein Vertrauen, das stärkt mein Vertrauen, meinen Glauben auf Gott. So kann Glaube wachsen. Gib ihm Raum. Wahrer Glaube erkennt dankbar Gottes Hilfe an.
Und schließlich: Dieser wahre Glaube breitet sich aus. Wir sehen, dass hier der Vater glaubt, aber es bleibt nicht dabei. Es heißt dann: Er glaubt mit seinem ganzen Haus.
Nun, wir wissen nicht genau, wie die Sache gelaufen ist, aber ich könnte mir gut vorstellen, der Vater sagt zu seiner Frau und zu seinem Hausstand: Leute, kümmert euch um den Sohn, ich gehe. Ich habe gehört, dieser Jesus ist irgendwo in Galiläa gekommen, ich suche den mal, ich gehe da mal hin, vielleicht kann der helfen.
Und ich kann mir vorstellen, wie die Frau sagt: Sag mal, hast du eine Macke? Bleib hier! Dein Sohn, wir brauchen dich jetzt. Ich brauche deinen Trost, ich brauche deine Hilfe. Du kannst doch jetzt deinen Sohn nicht einfach im Stich lassen. Und andere in seinem Haus vielleicht auch, vielleicht die Bediensteten noch, sagen: Was machst du? Und der Vater geht: Nein, ich muss zu Jesus. Ihr versteht nicht, Jesus kann helfen. Und er setzt sein Vertrauen auf Jesus. Und er kommt zurück.
Und bis dahin heißt es immer nur: Der Vater glaubt. Und er kommt zurück. Und das Haus glaubt sicherlich nicht einfach so. Es ist sicherlich so, dass der Vater sagt: Ihr freut euch, dass der Sohn lebt, und ich kann euch sagen, warum. Die haben vielleicht noch gesagt: Der ist jetzt da irgendwo unterwegs, Sohn, mein Papa kommt irgendwann, der hat ein bisschen durchgedreht, aber schön, dass es dir wieder gut geht.
Und der Papa kommt zurück: Ihr versteht nicht, was hier wirklich geschehen ist. Ich habe Jesus gefunden, und ich habe ihn gebeten, ich habe ihn noch mal gebeten, und er hat gesagt: Dein Sohn lebt. Und genau in dem Moment, wo er das gesagt hat, ging es ihm besser, das haben die Bediensteten selber gesagt, das war Jesus. Und dieser Glaube breitet sich aus, und das ganze Haus fängt an zu glauben.
Seht ihr, das wünsche ich uns auch: einen wahren, tiefen Glauben, der nicht schweigen kann von dem, was wir erlebt haben. Wahrer Glaube breitet sich aus. Mein Gebet für diesen Morgen und für uns hier und heute ist, dass das Zeugnis des Vaters, dass das Werk von Jesus Christus dazu führt, dass sich der Glaube auch hier weiter ausbreitet. Dass wir wachsen in diesem wahren Glauben, der allein rettet.

Schlussgebet und Bitte um erneuerte Gewissheit

Ich bete mit uns, himmlischer Vater. Das ist unser Gebet, dass dein heiliges Wort sich in unserem Leben ganz praktisch immer wieder neu als zuverlässig erweist. Denn es ist zuverlässig, denn du bist zuverlässig und treu, und dein Wort ist die Wahrheit.
Herr, vergib uns, dass unser Glaube oft schwach ist und dass wir oft auf die falschen Dinge setzen. Herr, vergib uns, dass wir uns so oft mit einem Jesusbild zufriedengeben, das nicht wirklich biblisch ist, sondern nur ein Zerrbild.
Herr, wir wollen dich mehr erkennen. Wir wollen dich mehr und mehr erkennen in deiner ganzen Herrlichkeit, in deiner ganzen Güte und Treue. So dass wir unseren Glauben und unsere ganze Hoffnung auf dich setzen und für dich leben.
Herr, und dann hilf uns, Beobachter deiner wirksamen Gnade zu sein, so dass wir Zeugnis geben können von dir, dem Herrn, der allein rettet durch Glauben. Amen.