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Glauben: Echter Glaube produziert echtes Leben

Matthäus 4,18-22
Matthäus 4,18-4,2216.07.2001
Serie•Teil 9 / 37Matthäus-Evangelium
Was bedeutet echter Glaube und wie zeigt er sich in unserem Leben? Dieser Gedanke geht der Frage nach, ob Glaube allein ausreicht oder ob es mehr braucht. Es wird zwischen echtem, rettendem Glauben und bloßem Behaupten unterschieden – letzterer bringt keinen Wandel. Nachfolge ist der Schlüssel: Gehorsam, Zeit mit Jesus verbringen und bereit sein, ihn über alles zu stellen. Doch ist man bereit, alles dafür aufzugeben? Die Predigt ermutigt, die eigene Beziehung zu Jesus zu hinterfragen und herauszufinden, was es bedeutet, ein „Menschenfischer“ zu sein. Wirst du bereit sein, in die Nachfolge einzutreten?

Einleitung und Rückblick auf das bisherige Thema

Wenn ihr mich hier vorne stehen seht, dann wisst ihr: Es geht bei Matthäus weiter. Das ist nie eine besondere Überraschung. Wir befinden uns im Moment in Kapitel 4, Matthäus 4, ab Vers 18.
Wenn ihr euch zurückerinnert an das, worum es das letzte Mal ging, dann habe ich versucht, euch eine Sache mitzugeben. Ich habe versucht, euch zu zeigen, wie es war, als Jesus das erste Mal in Judäa wegging, nach Galiläa, und in Galiläa Licht aufgehen ließ. Natürlich nicht in dem Sinn, dass er dort als Glühlampenvertreter von einem Ort zum nächsten gezogen wäre, sondern in dem Sinn, dass er geistliches Licht gebracht hat.
Und dieses geistliche Licht brachte er mit den Worten: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen. Das war sein Predigtinhalt. Es ging ihm darum zu sagen: Kehrt doch um, lauft doch nicht weiter in euer Verderben, nutzt doch die Chance, die in dem Moment da ist, wo ich vor euch stehe.
Wir hatten dazu eine Folie betrachtet, eine Folie, die uns ein Stück weit vor Augen gemalt hat, was Gott eigentlich von den Menschen wollte. Ich habe diese Folie die Bekehrung genannt. Es ist nämlich eine Prozessbeschreibung. Die Folie will illustrieren, was im Leben eines Menschen passieren kann, und sie will beschreiben, was Gott sich wünscht, dass im Leben eines Menschen passiert: nämlich eine Umkehr.
Diese Umkehr wird, wie man auf der Folie hier oben sieht, von dem alten Leben her kommend häufig initiiert durch Gespräche mit anderen Menschen. Dadurch, dass man anfängt, in der Bibel zu lesen, vielleicht Predigten hört, vielleicht irgendeinen Anstoß bekommt, wo man sagt: Ja, ich merke, da ist mehr dahinter als nur Menschenwort. Da muss irgendwie noch etwas Übernatürliches dabei sein.
Und Menschen fangen an, in ihrem Leben Sünden zu erkennen. Sünden sind Dinge, die einfach falsch sind, wo Gott sagt: Es ist nicht recht, dass du das so tust. Es ist nicht recht, dass du andere Menschen verletzt. Es ist nicht recht, dass du so lebst.
Und plötzlich, ganz allmählich, bei dem einen vielleicht schlagartig in einem Moment, bei dem anderen in einem Prozess, versteht ein Mensch das Evangelium, die frohe Botschaft. Er versteht: Ich stehe mit meiner Schuld alleine vor Gott. Und es gibt keinen Weg, diese Schuld loszuwerden, außer durch das Angebot, das Gott mir macht, dass ein anderer für meine Sünde bezahlt. Aber ich muss dieses Angebot annehmen.
Und ob ein Mensch dieses Angebot annimmt oder ablehnt, davon hängt dann sein ewiges Schicksal ab. Wir waren beim letzten Mal sehr an diesem Punkt hängen geblieben, zu sagen: Es geht um Buße. Tut Buße, sagt Jesus.
Und das Wort Buße ist in unseren Breitengraden vielleicht arg belegt mit Bußwerken im Sinne von: Na ja, jetzt fang mal an, kräftig viel zu spenden, und verbring mal viel Zeit im Gebet, oder tu mal möglichst viele gute Werke, und dann ist schon alles gut. Und das habe ich versucht zu betonen: Das meint die Bibel nicht, wenn sie von Buße spricht.
Sie meint nichts Äußerliches. Sie meint etwas, was im Inneren stattfindet, im Herzen stattfindet. Es ist eine Umkehr zu Gott, eine Rückbesinnung auf Gott, eine Veränderung meines Denkens, eine Veränderung im innersten Kern meiner Persönlichkeit, wo ich sage: Ich will nicht mehr so weiterleben wie bisher, jetzt soll es mit Gott gehen.
Das ist Buße oder das deutsche Wort Umkehr.

Die Frage nach dem Glauben und der Unterschied zwischen echt und behauptet

Ich habe das einmal in einem Volkshochschulkurs dargestellt, und dann kam doch glatt Kritik aus dem Publikum. Also habe ich den Leuten gesagt: Was muss ein Mensch tun, um errettet zu werden? Er hat gesagt: Du musst glauben, du musst Gott vertrauen, du musst einfach aufhören, selber dein Ding zu tun, dir den Himmel irgendwie zu erarbeiten und durch gute Werke irgendetwas dazu beizutragen, dass du dann reinkommst. Du musst Gott vertrauen. Du musst das Geschenk, das Gott dir gibt, annehmen.
Und dann sagt doch einer von diesen Volkshochschulteilnehmern, und ich kann ihn super gut verstehen, ich mag ihn auch sehr gerne, Jürgen: Das ist zu leicht. Also wenn es nur darum geht, Gott zu vertrauen, Gott zu glauben, dann ist das viel zu leicht. Denn dann könnte ich doch Folgendes machen: Ich könnte doch sagen, okay, ich glaube Gott, und danach lebe ich so weiter wie bisher. Ich habe ja mein Ticket in den Himmel. Und dann kann ich doch eigentlich, ohne groß etwas zu ändern, danach weitermachen wie bisher. Das kann es doch nicht sein.
Und viele Menschen, denen man das Evangelium erklärt und sagt, es geht darum, Gott zu vertrauen, haben genau diesen Gedanken im Hinterkopf. Sie sagen: Es ist doch viel zu einfach, zu sagen, ich glaube Gott. Na ja gut, wenn es nur darum geht, das mache ich auch noch, kein Problem. Wenn das der Weg in den Himmel ist, super, das ist echt einfach. Aber sie sind unbefriedigt damit, weil sie sagen: Das ist zu einfach.
Heute Morgen wollen wir den Text in Matthäus 4 weiterlesen, und ich möchte euch auf diese Frage mit dem Glauben eine Antwort geben. Diese Antwort wird etwa folgendermaßen lauten: Ich werde einmal sagen: Doch, Glauben allein reicht. Davon gehe ich nicht weg. Glauben ist das, was ein Mensch braucht, um in den Himmel zu kommen. Aber, und jetzt werdet ihr sagen, na, das ist ja auch ein Trick, ich werde euch zeigen, zumindest ein Stück weit, dass Glaube nicht gleich Glaube ist.
Also die Bibel unterscheidet mindestens zwei Arten von Glauben. Da ist einmal der echte Glaube, der Glaube, den Jesus meint, wenn er davon spricht, dass der Mensch glauben soll. Und dann gibt es natürlich so etwas wie, ich nenne das persönlich behaupteten Glauben. Da stellt sich einer hin und sagt: Ich glaube auch. Und du denkst dir: Oh, das ist mir noch nie in deinem Leben aufgefallen, dass du glauben könntest.
Das ist behaupteter Glaube, ein Glaube, der sich nur auf der Ebene der Worte abspielt, aber im Leben dahinter findet sich nichts. Und heute wollen wir mal sehen: Was unterscheidet diese beiden Arten von Glauben, die es geben kann? Also den echten, den rettenden Glauben, den Jesus im Leben eines Menschen provozieren möchte, auf den er es abgesehen hat, von dem Glauben, der, ich muss fast sagen, eingebildet ist, der nicht mehr ist als eine bloße Behauptung und deshalb auch ein Stückchen nicht mehr ist als eigentlich eine Lüge, denn hinter der Behauptung steckt nichts.
Und deswegen wollen wir lesen: Matthäus 4,18-22. Ich habe heute keine Folien mitgebracht und möchte einfach darum bitten, dass ihr wieder eure Bibeln mitbringt.
 Matthäus 4,18-22:
Als er, und das ist in dem Fall Jesus, am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen; denn sie waren Fischer. Und er spricht zu ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sie aber verließen sogleich die Netze und folgten ihm nach.
Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze ausbesserten; und er rief sie. Sie aber verließen sogleich das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.

Die ersten Jünger und die Wirkung echten Glaubens

Die Aufforderung in Vers 17 war: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen.
Für die Männer, denen wir hier begegnen, also Simon, der unter dem anderen Namen besser bekannt ist, Petrus, also Simon Petrus, dann sein Bruder Andreas und dann das andere Pärchen Jakobus und Johannes, gilt: Diese Männer begegnen hier in dem Text Jesus nicht zum ersten Mal. Ich weiß nicht, wie es euch ging, als ihr das zum ersten Mal gelesen habt und dachtet: Das ist ja ein komisches Leben hier. Die sitzen da bei der Arbeit, da kommt einer, sagt: Komm, folge mir nach! Und die lassen einfach alles stehen und liegen und laufen ihm hinterher. Verantwortungslose Burschen, diese Apostel. So ist es nicht.
Matthäus berichtet uns einfach nicht alles aus dem Leben der Apostel. Sowohl Petrus als auch Andreas, Jakobus und Johannes kennen Jesus bereits. Wenn ihr das lesen wollt, dann lest Johannes 1. Da findet ihr sie als Jünger eines ganz anderen, nämlich als Jünger von Johannes dem Täufer. Und in dieser Szene, in der Jesus getauft wird, da waren sie auch dabei, nur eben als Jünger von Johannes dem Täufer. Johannes der Täufer sagt: Der ist es. Und dann ist Andreas einer der Ersten, die Jesus nachfolgen. Und als er merkt: Bah, Jesus ist der Messias, dann behält er das nicht für sich und geht zuerst zu wem? Zu seinem Bruder und sagt: Hey Simon, komm mal mit, ich glaube, das ist der Messias. Und dann plötzlich sind es schon zwei, Andreas und Simon. Sie kennen den Messias schon. Und in dem Sinn: Tut Buße, denn das Reich ist nahegekommen. Das war in ihrem Leben schon Realität geworden.
Und das, worum es mir heute Morgen geht, ist, euch ein paar Auffälligkeiten in diesem Text zu zeigen. Und ich finde, das sind zwei Sachen, die mir sofort ins Auge springen, wenn ich den Text lese. Wir sind Menschen, die Gott schon geglaubt haben. Und jetzt kommt einfach der nächste Schritt. Der nächste Schritt heißt einmal, dass Jesus ihnen einen Auftrag gibt. Und der Auftrag lautet: Kommt mir nach! Und das Zweite, was mir auffällt, ist: Sie gehorchen.
Es ist eine Sache zu sagen: Ey, komm mal her. Ich weiß nicht, ob ihr mal einen Hund gehabt habt. Wenn der Hund schlecht erzogen ist, kann man auch mal schreien: Komm her! Der macht gar nichts. Oder wenn ihr spazieren geht und ihr trefft jemanden mit so einem schlecht erzogenen Hund: Ja, komm mal her, du Viech! Der macht alles Mögliche, rennt quer über den Fahrradweg und so, nur er kommt nicht. Also: Eine Sache ist es, zu sagen: Komm mal her. Eine ganz andere Sache ist es, zu gehorchen und das zu tun, was diese Männer hier tun. Denn sie gehorchen sofort.
In Vers 20 heißt es: Sie aber verließen sogleich die Netze und folgten ihm nach. Beziehungsweise in Vers 22: Sie aber verließen sogleich das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.
Worum es mir heute Morgen in allererster Linie geht, ist, euch die Auswirkungen echten Glaubens im Leben von Menschen zu zeigen. Echter Glaube produziert echtes Leben. Und dieses geistliche Leben, das in einem Christen da sein sollte, das ist das, was eigentlich den Unterschied macht.
Wenn ein Mensch zu Gott umkehrt, das heißt, die ganze Last seiner Sünde bei Gott ablegt und sagt: Hier, Vater im Himmel, ich möchte es nicht länger tragen, ich möchte das Angebot der Vergebung annehmen. Und wenn jemand den Herrn Jesus als Retter und Herrn in seinem Leben aufnimmt, dann wird er, die Bibel nennt es so, von Neuem geboren. Äußerlich merkt man das oft nicht sofort. Und das ist das, was manche verwirrt: Er ist ja noch der Alte. Also die Pickel sind alle noch an der gleichen Stelle, und wenn du vorher mit Isa ein bisschen Schwierigkeiten hattest, die Schwierigkeiten sind auch nach der Bekehrung noch da. Aber innerlich ist etwas ganz Neues passiert.
Und das Neue möchte ich mit einem Blumentopf vergleichen. Stellt euch mal einen Blumentopf vor. Jetzt im Frühjahr hat mancher von euch vielleicht Tomaten gezogen. Also: Du hast einen Blumentopf, und das bist du. Du stellst dir vor, du seist ein Blumentopf. Und in dem Blumentopf ist einfach nur der Topf mit Erde, nichts weiter sonst. Das ist der Mensch. Und jetzt kommt Gott bei der Bekehrung, nimmt seinen Samen und steckt ihn in den Blumentopf hinein und sagt: Du kriegst etwas von meinem neuen Leben ab. Das nennt die Bibel ewiges Leben.
Am Anfang denkst du dir: Das ist ein Blumentopf, noch nicht viel da. Aber du stellst ihn raus auf den Balkon. Ab und zu kriegst du auch mal einen Tropfen Wasser. Und plötzlich siehst du: Es ist mehr als ein Blumentopf. Da kommt was rausgewachsen, da ist echtes Leben drin in diesem Blumentopf. Das sah lange Zeit nach Blumentopf aus, aber es wurde immer mehr, und es wird immer mehr. Jetzt übertrage ich das mal auf uns: immer mehr geistliches Leben. Man könnte das gar nicht erklären, wie das geht. Du weißt auch gar nicht, wie das funktioniert. Du kannst es einem nicht begreiflich machen, wie geistliches Leben funktioniert. Aber da wächst was, und da wächst was, und plötzlich bringt es Frucht. Plötzlich ist da ein Blumentopf, und aus dem einen Blumentopf werden quasi zwei Blumentöpfe, weil da kommt was raus, da kommt Samen raus, der sich weiter fortpflanzt.
Und den Gedanken, den ich euch gerade skizziert habe, den möchte ich euch auch in der Bibel zeigen. Der kommt nämlich aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 3. Für die, die sich in der Bibel noch nicht so gut auskennen: Das ist hinten in der Bibel, 1. Johannes 3,9. Jetzt werdet ihr da nicht vom Blumentopf lesen, aber ihr werdet verstehen, warum ich an den Vers denke und warum ich den gerne mit einem Blumentopf illustriere.
 1. Johannes 3,9: Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.
Was bedeutet das? Das bedeutet, dass, wenn ein Mensch aus Gott geboren ist, Gott seine Natur, sein geistliches Leben, in ihn hineinpflanzt. Das ist sein Same. Und jetzt fängt das an zu leben. Und wenn da wirklich Leben da ist, dann beginnt mehr im Leben eines Menschen als nur: Na ja, Sonntagnachmittag habe ich keine Zeit, da bin ich im Gottesdienst. Nein, es muss mehr sein. Es ist eine totale Veränderung meines Wesens.
Und unter anderem, und das ist das, worauf Johannes hier Bezug nimmt, fällt es mir schwer zu sündigen. Ich werde Sünde hassen. Ich mag sie nicht mehr. Ich habe plötzlich ein schlechtes Gewissen an Stellen, wo ich früher dachte: Das hat mich überhaupt nicht tangiert. Früher konnte ich das machen, und das war völlig easy. Und jetzt laufe ich da rein und denke: Oh nee, das kannst du eigentlich nicht tun.
Er kann nicht sündigen meint: Er kann nicht in einer Sünde drinbleiben und darin leben. Das kann nicht mehr Teil seiner Natur sein. Alles in ihm wehrt sich dagegen. Das ist nicht mehr er. Und da, wo es passiert, laufen Christen mit einem Schuldgefühl herum und wollen möglichst schnell Sünde bekennen und sie wieder loswerden.

Merkmale des neuen Lebens und die Prüfung des Glaubens

Und ich dachte mir, ich bringe euch eine Folie mit. Eine Folie aus meinem Volkshochschulkurs zum Thema Römerbrief, wo ich mal die zweite Folie bitte, Till, wo ich einfach mal ein paar Kriterien zusammengestellt habe für meine Volkshochschulleute, woran sich denn echter Glaube zeigt.
Wir können nicht alles machen, aber damit ihr mal eine Idee habt: Worin unterscheidet sich echter Glaube von bloß behauptetem Glauben oder rettender Glaube von einem Glauben, der am Ende nur dazu führt, dass Gott sagen muss: Hey, du hast geglaubt, ich habe dich nie gekannt?
Und hier sind ein paar Kriterien. Ihr habt sie auf euren Notizen auch stehen, und ich will sie ganz kurz durchgehen, dahinter immer mit Bibelversen, dass ihr sie zu Hause, wenn ihr wollt, nachschlagen könnt.
Rettender Glaube hat, wie gesagt, weil er eine Auswirkung auf mein ganzes Leben hat, weil er mich von innen her verändert, verschiedene Auswirkungen. Zum Beispiel Liebe zu Gott und seinem Wort. Wenn jemand wirklich von neuem geboren ist, dann muss da etwas da sein, wenn ich sage: Hey, mich interessiert das, was Gott mir zu sagen hat. Und wenn da null Interesse ist, dann würde ich leider sagen, ist vielleicht das mit dem Glauben noch nicht ganz echt.
Zweiter Punkt: Abkehr von Sünde, oder ich habe es ein bisschen krasser ausgedrückt: Hass auf Sünde. Wenn du einfach tralala, wie man lebt, ist eigentlich egal, und das ist natürlich nicht ganz richtig, aber wen stört denn das schon? Wenn das deine Haltung ist, muss ich dir sagen, du bist vielleicht angesprochen vom christlichen Glauben und von der Ethik des christlichen Glaubens, aber du bist wahrscheinlich nicht bekehrt. Da mag noch etwas fehlen.
Jemand, der wirklich verstanden hat, dass Gott Mensch wurde und für ihn gestorben ist aufgrund der Sünde, wird einen Hass und eine Abneigung gegen jede Art von Sünde kultivieren. Das wird einfach natürlich zu ihm gehören.
Nächster Punkt: aufrichtige Demut. Weiß ja, wie viel er zu sagen muss. Wenn wir uns noch selbst gefallen, wenn wir noch diejenigen sind, die uns immer in den Vordergrund spielen wollen, vielleicht haben wir dann ein paar wesentliche Dinge des Glaubens überhaupt nicht verstanden. Denkt einfach zu Hause darüber nach.
Die Sehnsucht danach, Gott zu verherrlichen. Ist es in deinem Leben so, dass du dir sagst: Klar, ich weiß, warum ich lebe, Jürgen, gar keine Frage. Ich lebe hier, um Gott zu verherrlichen, dass Menschen an meinem Leben Gott erkennen können und dass mein Leben dazu beiträgt, dass Gott Dank bekommt, dass Gott etwas davon hat, nicht das Ich, ich, ich, sondern das Gott. Auch das ein Ausdruck echten Glaubens im Leben eines Menschen.
Ein bisschen höher die Folie, bitte!
Dann habe ich euch etwas von einem Mann zitiert, der schon ein paar Jahrhunderte tot ist: Jonathan Edwards, 18. Jahrhundert, Erweckungsprediger, um genau zu sein im ersten Drittel, in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Er sagt auf Deutsch: Heuchler beten wenig. Aber ich denke, das stimmt. Wenn jemand wirklich in sich geistliches Leben trägt und sagt: Ich habe eine Beziehung, ich habe eine lebendige Verbindung mit Gott, aber reden tue ich mit ihm eigentlich nie, dann sage ich: Da stimmt das nicht.
Stell dir vor, du sagst: Ey, ich bin total begeistert von der Frau, und mir fallen fast die Ohren ab, wenn ich sie sehe, aber reden tue ich mit ihr nie. Du hast ja echt eine Form von Begeisterung. Aber genauso müssen wir es übersetzen, dass Gott der Mittelpunkt in meinem Leben ist. Da rede ich mit ihm. Da stimmt das nicht, da stimmt einfach etwas nicht.
Oder selbstlose Liebe für Gläubige, sich aufzuopfern. Wenn das in deinem Leben nicht da ist, würde ich einfach fragen: Wofür lebst du? Bist du wirklich verändert? Ist da wirklich etwas Neues gewachsen in dir, oder machst du dir und anderen vielleicht einfach etwas vor?
Es ist ja gut, wenn du jetzt sagst: Also das und das und das habe ich eigentlich gar nicht. Dann denk einfach nach: Ist wirklich echter Glaube, dieses neue Leben in dir da?
Dann weltfremder Lebensstil. Das meint einfach bloß, dass man nicht mehr alles mitmacht, was gerade trendy ist. Weil alle sich irgendetwas antun, wo Gott sagt, das soll man nicht tun, musst du es nicht auch tun. Wir sind ein Stückchen weltfremd. Es tut mir leid, wir sind schon weltfremd dadurch, dass wir uns sonntagnachmittags hier treffen. Komm doch mal hierher und geh mal an der Buga vorbei und schau mal, was die anderen Leute machen. Also, es ist ein Stückchen weltfremd. Und das darf sich auch ein bisschen zeigen.
Geistliches Wachstum meint, wenn du einfach zurückblickst auf die letzten 10, 15, 20 Jahre deines Lebens: Ist da irgendetwas passiert? Ist da irgendetwas gewachsen? Stell dir mal vor, das geht mir die Häuslebauer an: Du hast da so einen Birnbaum gepflanzt, so ein Ding 50 groß, zwei Birnen pro Jahr. Du lässt das einfach zehn Jahre da stehen, und nach zehn Jahren siehst du: immer noch 50 groß, zwei Birnen pro Jahr. Dann sagt man: Irgendetwas ist faul an dem Ding, oder? Und genauso ist es bei Gläubigen auch. Wenn du sagst, zehn Jahre dabei, bringt genauso geistlich tief schürfende Aussagen wie vor zehn Jahren. Wow!
Gehorsam gegen Gottes Wort, ein letzter Punkt. Und da muss sich jeder selber ein bisschen prüfen: Will ich das eigentlich? Was passiert, wenn ich in der Stille Gottes Wort begegne, an einer Stelle, wo er mich empfindlich trifft, wo ich Dinge lese und mitbekomme, die ich gar nicht hören möchte? Was mache ich dann? Lese ich schnell weiter und denke mir: Oh, das war eine schlimme stille Zeit heute Morgen? Oder treibt es mich nicht auf die Knie, und ich denke: Vater im Himmel, wir müssen hier über eine Sache reden, wo ich nicht weiß, vielleicht wirklich nicht weiß, wie ich sie ändern soll?
Denn es kann Dinge im Leben geben, die so tief sitzen, so tief in unsere Gewohnheiten eingegraben sind, dass wir sie nicht von heute auf morgen ändern können. Wo unser ganzes Gefühlsleben daran hängt. Wo wir allein beim Nachdenken, wir müssten etwas ändern, innerlich anfangen zu zittern und sagen: Nein, niemals. Die Bibel sagt trotzdem das andere.
Was machen wir dann?
Das waren ein paar Beispiele jetzt nur aus dem Volkshochschulkurs, Beispiele dafür, wie man echten Glauben im Leben ein Stückchen mitkriegen kann. Es mag sein, dass manche jetzt hier sitzen und sagen: Ich habe noch fünf Punkte mehr. Auch gut. Aber man kann all diese Punkte zusammenfassen unter einem Überbegriff. Und dieser Überbegriff heißt Nachfolge.
Erinnert euch an die erste Folie, die ich euch gezeigt habe, und Till legt sie uns bitte noch mal auf. Da war es nämlich mit dem Thema Buße und Umkehr noch nicht vorbei. Da ging es weiter. Seht ihr, die Umkehr heißt nur: Jetzt fahre ich in die andere Richtung. Die Frage ist immer noch: Was heißt das? Jesus ist jetzt Herr in meinem Leben. Ja, was bedeutet das?
Und das, was es bedeutet, merken wir in unserem Text. Wenn Jesus Herr ist, dann kommt er zu den Aposteln und sagt: Aufi, los geht’s, mir nach. Und die sagen: Okay, du bist hier der Boss. Wenn du sagst, dir nach, oder wenn du kommst und sagst, kommt mir nach, dann folgen sie. Und dann treten sie ein in etwas, was hier unten mit dem Begriff Nachfolge einfach dargestellt ist.
Für die Jünger war Nachfolge ganz einfach, nicht wahr? Na ja, Jesus sagt: Kommt, und sie kamen. Und wenn Jesus oben in Kapernaum rausgelaufen ist, sind sie hinterhergelaufen. Wenn Jesus gesagt hat: Jetzt machen wir eine Pause, dann war Pause angesagt. Und wenn Jesus gesagt hat: Geht mal vorne weg in das Dorf und holt was zu essen, dann sind sie in das Dorf gegangen und haben etwas zu essen geholt. Das war Nachfolge, ganz praktisch.
Sie waren die Schüler, und Jesus war der Lehrer. Oder um die biblischen Begriffe zu verwenden: Sie waren die Jünger, und Jesus war der Rabbi. Jesus nachzufolgen bedeutete für die Jünger, hinter ihm herzulaufen, das zu tun, was er sagte, und von ihm zu lernen.
Und das Spannende, das wirklich Spannende ist, dass Jesus ihnen sogar ihr Ausbildungsziel zeigt. Also ein Stück weit ist es wie bei einer Ausbildung: Du nimmst jemanden mit rein und sagst: Weißt du, ich bring dir jetzt bei, wie man ein guter Automechaniker wird. Und du schaust erst mal einfach nur zu, und dann machst du so kleine Dinge selber, und am Ende bist du Automechaniker.
Und Jesus sagt, ich mache euch nicht zu Automechanikern, sondern er formuliert: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Nachfolge als kostspielige Entscheidung

Was das heisst? Gleich vorher noch ein anderer Gedanke, nämlich, dass Nachfolge etwas kostet. Und wir haben hier, die meisten hier im Raum sagen: Ja, ich bin Christ, ja, ich bin einer, der Jesus nachfolgen will. Und deswegen denke ich, dass die meisten auch sich den Text, den ich jetzt kurz anreissen werde, schon überlegt haben.
Nachfolge kostet. Es kostet mich ziemlich viel, und man sollte sich das gut vorher überlegen, ob man das wirklich will. Nirgendwo im Neuen Testament wird das für mich plausibler als in dem Text aus Lukas 14,26-27. Und 33.
Bevor ich den Text lese, möchte ich euch erklären, dass das Wort „hassen“ in diesem Zusammenhang nicht wirklich „hassen“ heisst, also mit einem Baseballschläger auf jemanden losgehen und das Schienbein zertrümmern oder sonst irgendetwas, sondern dass „hassen“ in der Bibel sehr oft verwendet wird, um auszudrücken, jemanden weniger lieben als einen anderen. Nicht gar nicht lieben, sondern weniger lieben als einen anderen.
 Lukas 14,26: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht oder liebt nicht weniger seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
Und wenn ihr „Jünger“ hört, denkt ihr an Schüler sein. Jesus sagt: Ich möchte hier eine Voraussetzung einführen für jeden, der mir nachfolgt, für jeden, der von mir lernen will. Ich möchte in deinem Leben die Nummer eins sein.
Und noch etwas, Vers 27: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.
Und in unserer Gesellschaft, wenn man hört „sein Kreuz tragen“, dann denkt man so an das Päckelchen an Schwierigkeiten, die man halt aufgeladen bekommt. Ich glaube, dass das hier nicht gemeint ist. Und ich will euch das folgendermassen illustrieren:
Als Jesus sein Kreuz getragen hat, wurde er abgeführt zu einer Hinrichtung. Kreuz meinte nicht das gesamte Kreuz, sondern nur oben den Querbalken. Auch das war mit ungefähr einem Zentner Gewicht ausreichend. Und dieser Querbalken wurde von den Verurteilten zur Hinrichtungsstätte geführt, und die aufrechtstehenden Stämme waren schon da.
So, jetzt möchte ich euch fragen: Ihr wohnt in Jerusalem, im ersten Jahrhundert nach Christus, römische Besatzungszeit. Draussen wird es laut, ihr rennt zum Fenster, und ihr schaut runter. Und unten, links und rechts von der Strasse, die lärmende Menschenmenge, mitten drin ein, zwei, drei Leute, die ihr Kreuz tragen. Ja, was bedeutet das? Dass sie ein paar Schwierigkeiten haben, die schon wieder vorbeigehen werden, irgendwie? Nein, das waren Leute, die zum Tode verurteilt waren.
Und du schaust runter und sagst: Er trägt sein Kreuz. Und du weisst, er ist tot. Ja, er läuft noch auf zwei Beinen, stimmt. Aber eigentlich ist er tot. Denn er ist auf dem Weg zu seiner Hinrichtung, und obwohl er noch läuft, kannst du ihn betrachten wie einen, der schon nicht mehr lebt.
Und das ist das, was Jesus uns, denke ich, sagen möchte. Du möchtest mir nachfolgen? Schön, kannst du machen. Aber ich möchte nicht nur die Nummer eins in deinem Leben sein, ich möchte gern dein Leben haben.
Und es gibt für mich keinen radikaleren Anspruch an mein Christsein als diesen Vers: Ich möchte dein Leben haben, und damit auch jeder es versteht, Vers 33: So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein.
Du möchtest an irgendetwas festhalten, irgendeine Sache soll dir wichtiger sein in deinem Leben als Jesus? Tut mir leid. Dann wird Jesus dir mit tränenden Augen sagen: Es tut mir leid, es geht dann nicht.
Was ist dir wichtiger? Deine Kinder, deine Hobbys, dein Hund, dein Urlaub, deine Freundin, dein Auto, egal was es ist. Kleinigkeiten, grosse Sachen, Dinge, die andere Leute verstehen können, Sachen, wo andere sagen: Du kannst an sowas hängen. Das ist total egal.
Wenn es eine Sache gibt, egal was es ist, die dir wichtiger ist als Jesus, dann wirst du hier unten in diesem Bereich der Nachfolge nicht eintreten können.

Praktische Formen der Nachfolge und der Auftrag zur Weitergabe

Bleibt die Frage an uns: Wollen wir das? Für einen Andreas und einen Petrus war das keine Frage, sie aber verließen sogleich die Netze und folgten ihm nach. Für einen Johannes und einen Jakobus war das gar keine Frage, sie aber verließen sogleich das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.
Und sie bringen damit etwas zum Ausdruck, ja, sie bringen damit zum Ausdruck, dass Jesus in unserem Leben die Nummer eins ist. Und wir wollen jetzt Zeit mit ihm verbringen, ihm zuhören, tun, was er sagt, und von ihm lernen. Ich denke, dasselbe sollten wir auch tun, denn das sind die praktischen Seiten der Nachfolge. Ihr findet sie auch wieder auf eurem Blatt.
Einmal Zeit mit Jesus verbringen: sich regelmäßig eine Zeit zurücklegen, in der man mit ihm allein ist. Wir brauchen das. Manchmal wird das ausfallen, aber wir sollten daran arbeiten, dass es häufig so ist. Regelmäßige Zeit mit Jesus zu verbringen, ihm zuzuhören, das bedeutet so viel wie in der Bibel lesen, über das Gelesene nachdenken, natürlich auch die Bibel studieren. Dann das, was wir verstanden haben, umsetzen, tun, was er sagt, gehorsam sein, nicht locker lassen, auch an den Stellen, wo ich nicht alles gleich in aller Tiefe verstehe.
Und dann von ihm lernen. Von ihm lernen heißt, dass wir unsere Denkweisen verändern lassen, neue Prioritäten bekommen, dass unsere Ziele andere werden. Dass man, wenn man uns vor zehn Jahren gekannt hat, mit unseren Ideen oder, sagen wir, in meinem Fall vor fünfzehn Jahren, dann hätte jemand gesagt: Na ja, Jürgen will ein großer Wissenschaftler werden. Und wenn du ihm heute sagst: Aber Jürgen ist kein großer Wissenschaftler geworden und möchte es auch nicht mehr werden, dann wird er sagen: Oh, woher kommt das denn? Warum will denn Jürgen kein großer Wissenschaftler mehr werden?
Versteht ihr, da war früher etwas in eine Richtung, und heute geht es tatsächlich in eine andere Richtung. Und das ist Umkehr, das ist, wenn etwas neu wird. Und das Schöne, das wirklich Schöne, wenn ich das tue, wenn ich in der Nachfolge lebe, also wenn ich sage: Jesus ist die Nummer eins, und ich verbringe Zeit mit ihm, ich möchte von ihm lernen, dann macht Jesus aus mir das, was er gesagt hat, nämlich Menschenfischer.
Von Anfang an hatte Jesus die Bewegung, die wir heute Christenheit nennen, nicht als einen, wie soll ich sagen, nein, umgekehrt: Er hatte sie als einen Selbstläufer konzipiert. Also, Jesus hätte es ja so machen können: Er beruft die ersten zwölf, okay, und dann die nächsten zwölf, und dann noch einmal zwölf, und dann wieder zwölf, und dann noch einmal zwölf, und dann noch einmal zwölf, und dann noch einmal zwölf. Dann zieht er an einen anderen Ort und beruft wieder zwölf, und noch einmal zwölf, und dann wieder zwölf. Und irgendwann wächst das Christentum, weil Jesus immer gesagt hat: Komm, komm, komm, komm, komm, kommt. Und das ging dann zweitausend Jahre so weiter, und das war dann Christenheit.
Hätte ja so sein können. Niemand kann Jesus vorschreiben, wie er Menschen in die Nachfolge beruft. Aber Jesus hat es anders gemacht. Er hat gesagt: Ich möchte nicht alle in die Nachfolge berufen, ich möchte es so machen: Ich berufe zwölf, und die zwölf mache ich zu Menschenfischern. Das heißt, die gehen in alle Welt, die bekommen den Missionsbefehl, und die erzählen allen Menschen, die auf der Welt leben, die ihnen so vor die verbale Schrotflinte geraten, das Evangelium: „Predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.“ Sie erzählen ihnen das Evangelium, und dann werden Menschen reagieren und das Evangelium annehmen. Und die gehen wieder hin und verkündigen anderen Menschen das Evangelium, und die, die sich daraufhin bekehren, werden wieder hingehen. So wird das immer breiter und immer länger werden.
So stelle ich mir Christsein oder Christenheit vor. Das war die Idee, die Jesus hatte. Und wenn ich das so formuliere, dann kommt mir ganz schnell ein gefährlicher Gedanke: Also, ich bin verantwortlich dafür, dass Menschen sich bekehren. Ein Stück weit stimmt das ja. Gott gibt uns das Evangelium, damit wir es anderen Menschen weitergeben. Aber Vorsicht! Ich habe das gestern schon einmal in einem anderen Zusammenhang gefragt: Kennt ihr den Unterschied zwischen einem Menschenfresser und einem Menschenfischer?
Also, ein Menschenfresser ist so etwas Ähnliches wie ein Scalpjäger. Das ist einer, der Menschen für sich fängt, um selber davon einen Vorteil zu haben, oder der Menschen für seine Gruppierung fängt. Und wenn ich das mitkriegen würde unter uns, dann würde ich sehr ungehalten werden, das finde ich nämlich falsch. Wir sind keine Menschenfresser, dass wir Menschen für uns fangen, damit wir ein besonderes Prestige haben, auf unserem geistigen Gewehrkolben wieder so eine Kerbe machen können: einer mehr. Das ist falsch.
Sondern Menschenfischer sind solche, die ein Herz haben für Menschen und die hinausgehen, um Menschen das Evangelium zu bringen, damit Menschen nicht zu uns kommen, nicht sich an uns hängen, sondern dass sie zu Jesus kommen und dass sie sich an Jesus hängen.
 2. Korinther 5,20 heißt es dazu: „So sind wir nun Gesandte oder Botschafter an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott.“ Das ist das, was wir tun können. Wir können die Menschen ansprechen und sagen: Lasst euch doch versöhnen mit Gott. Aber wir können nicht hingehen und sagen: Kommt zu uns, macht alles so, wie wir das machen. Das wäre falsch. Lasst euch versöhnen mit Gott, das ist unsere Botschaft.
Und diese Botschaft darf natürlich mit einer gewissen Dringlichkeit kommen. Eine Dringlichkeit, die daraus resultiert, dass Menschen, wenn sie sich nicht bekehren, tatsächlich in alle Ewigkeit verloren gehen werden. Und ich wünsche mir auch diese Dringlichkeit.
Jesus hat einen Mund, nämlich deinen. Und Jesus hat Hände, aber sie gehören dir. Und er hat Füße, und du stehst darauf. Und heute noch möchte Jesus Menschen in die Nachfolge berufen, sie ausbilden und als Menschenfischer gebrauchen. Ist das nicht irgendwie schön?
Das Evangelium selbst als Botschaft hat weder etwas von seiner Echtheit verloren, es ist genauso echt wie vor zweitausend Jahren und genauso dringlich wie vor zweitausend Jahren. Die Frage ist: Bin ich bereit, mit dieser Botschaft in die Welt hinauszugehen?

Warnendes Schlussbild und abschließende Zuspitzung

Und abschließend möchte ich eine meiner Lieblingsgeschichten vorlesen, eine Geschichte, die Sie vielleicht kennen: die Geschichte von dem Seenotrettungsdienst. Und vielleicht finden Sie sich darin wieder.
An einer sehr gefährlichen Küste, an der es häufig zu Schiffsunglücken kam, wurde eine kleine, eher armselige Seenotrettungsstation errichtet. Das Gebäude selbst war kaum mehr als eine Hütte, und es gab nur ein einziges Boot. Aber die wenigen Seeleute, die dort arbeiteten, waren wirklich hingegeben. Sie nutzten jede freie Minute, um Ausschau nach verunglückten Schiffen zu halten. Und wirklich selbstlos, ohne an sich zu denken, fuhren sie bei Tag und Nacht hinaus und suchten bis zur Erschöpfung jeden, der in Not war. Durch ihren aufopferungsvollen Dienst konnten viele Menschen gerettet werden.
Man kann sich vorstellen: Nach einer Weile war diese Seenotrettungsstation in der ganzen Gegend bekannt. Ein Teil derer, die gerettet worden waren, aber auch Menschen, die einfach in der Gegend wohnten, wollten sich nun an der Arbeit beteiligen. Sie gaben ihre Zeit, sie gaben ihr Geld. Neue Boote konnten gekauft werden, neue Besatzungen wurden ausgebildet, und die Station selbst wurde ein Stückchen größer.
Ein Teil der Mitglieder war inzwischen aber mit der alten Hütte nicht mehr so richtig zufrieden. Sie waren der Ansicht, dass Menschen, die man aus dem Meer rettet, irgendwie eine größere, schönere Unterkunft bräuchten, um dort gepflegt zu werden. Und so wurden die Liegen in der Hütte ausgetauscht gegen schöne Krankenhausbetten, das Gebäude wurde ordentlich vergrößert und bekam ganz neues Mobiliar.
Und es dauerte gar nicht lange, da war diese ehemalige Hütte, unsere Station, ein ganz beliebter Treffpunkt für die Mitglieder, um sich auszutauschen und über die Arbeit zu diskutieren. Neue Umbauarbeiten kamen hinzu. Allmählich sah die ganze Station mehr nach einem Clubraum aus als nach einer Seenotrettungsstation.
Und es passierte noch etwas Zweites: Die Mitglieder waren immer weniger bereit, selbst auf Rettungsfahrt zu gehen. Kein Problem, man warb einfach professionelle Crews an, die nun in ihrem Auftrag den Rettungsdienst erledigten. Ein Rettungsboot fand sich natürlich immer noch auf dem Briefpapier des Vereins, und in dem großen Clubraum stand auch noch so eine verkleinerte Nachbildung des ersten Rettungsboots, mit dem alles angefangen hatte.
Eines Tages kenterte ein besonders großes Schiff vor der Küste, und die Crews lieferten viele, viele Bootsladungen voller kalter, nasser, halb ertrunkener Menschen ab. Die Menschen waren schmutzig, voller Flecken, zum Teil auch krank, und der schöne neue Clubraum wurde furchtbar dreckig. Das Gebäudekomitee des Vereins beschloss daraufhin unverzüglich den Bau eines Duschraums außerhalb, damit man die schiffbrüchigen Personen vor dem Betreten des Vereinsgebäudes vernünftig säubern konnte.
In der nächsten Mitgliederversammlung trat ein Riss in der Mitgliedschaft zutage. Die meisten Mitglieder wollten den Seenotrettungsdienst nun komplett einstellen. Sie meinten, er sei unpassend und irgendwie eine Behinderung für das normale Vereinsleben. Es gab jedoch eine kleine Gruppe Andersdenkender. Diese kleine Gruppe meinte, dass doch eigentlich der Seenotrettungsdienst die eigentliche Absicht des Vereins gewesen sei und dass man dieses wichtigste Ziel nicht einfach aus den Augen verlieren dürfe.
Aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Man sagte ihnen, wenn sie unbedingt Leben retten wollten, könnten sie doch eine eigene Station weiter unten an der Küste aufmachen. Und so geschah es. Es entstand eine neue, kleine, armselige Seenotrettungsstation.
Die Jahre vergingen, und die neue Station sah sich plötzlich denselben Problemen gegenüber wie die alte. Auch sie verwandelte sich in einen Club, der das erste Ziel, nämlich Leben zu retten, immer mehr aus dem Blickfeld verlor. Und wieder waren es einige wenige Mitglieder, die das eigentliche Ziel vor Augen behielten und mit einer neuen Arbeit weiter unten an der Küste anfingen.
Und wenn Sie heute diesen Küstenstreifen besuchen, dann finden Sie am Strand aufgereiht eine ganze Reihe ganz exklusiver Clubs, in denen Sie gut Abend essen können. Auch die Anzahl der Schiffsunglücke in der Gegend ist nicht wirklich weniger geworden. Aber die meisten Verunglückten ertrinken, weil es einfach zu wenig Rettungskräfte gibt.
Die Geschichte ist die Geschichte der Kirche, vielleicht die Geschichte der Gemeinde, und vielleicht wird das auch einmal unsere Geschichte sein. Insofern sollten wir jetzt nicht zu sehr darüber schmunzeln. Was kann uns davor bewahren, dass wir als Gemeinde irgendwann ein Club werden, der sich um sich selbst dreht, der eigentlich keinen großen Kontakt haben möchte mit den wirklichen Problemen des Lebens, der das eigentliche Ziel unserer Existenz aus den Augen verliert?
Und ich denke, es gibt nur diesen einen Ansatz: dass echter Glaube da ist und echter Glaube in einer Nachfolge gelebt wird. Am Anfang habe ich gesagt: Wo ist der Unterschied zwischen echtem und behauptetem Glauben? Der größte Unterschied besteht darin, dass behaupteter Glaube mich nichts kostet, echter Glaube kostet mich alles. Und die Frage ist: Sind wir dazu bereit?

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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