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Der Parallelismus, die Metapher und du

09.11.2014
Weisheit fällt dir nicht zu. Du musst lernen, die Sprüche wie ein Rätsel zu lesen: zwei Zeilen, ein Gedanke – und Bilder, die deinen Alltag treffen.

Einleitung und erste Orientierung

Ja, wir haben es fast geschafft. Ich habe einen Predigtitel gewählt, der euch von Anfang an zeigt, worum es geht: Der Parallelismus, die Metapher und du.
Vergebt mir diesen Vortrag, wenn ihr am Ende keine Anwendung findet. Das kann passieren.
Das Buch der Sprüche ist tatsächlich so etwas wie altisraelitische Gebrauchsliteratur. Das ist ein Buch, das nicht einfach nur gelesen werden möchte, sondern etwas in dir auslösen will. Und ich habe mich gefragt: Womit kann ich das illustrieren?
Ich habe ein Buch zu Hause, das genauso funktioniert wie das Buch der Sprüche. Das ist eher etwas für Männer, nämlich Webers Grillbibel. Ich weiß nicht, ob ihr da schon mal reingeschaut habt, aber das ist ein Kochbuch für Männer, die sich einen Grill hinstellen.
Der Clou ist: Da sind ganz, ganz viele Rezepte und ganz viele tolle Bilder drin. Aber die Weber Grillbibel ist nicht dazu da, dass du sagst: Super, ich lege sie mir aufs Klo und schaue mir immer die schönen Bilder an. Es reicht mir völlig, wenn ich ganz grundsätzlich weiß, wie man ein Rib-Eye-Steak zubereitet oder wie man ein Bierdosenhähnchen über Hickory-Rauch grillt.
Nein, das stimmt nicht. Wenn du dieses Buch kaufst, dann willst du das selber machen. Du liest, um zu grillen. Und genau so funktioniert das Buch der Sprüche. Du liest, um Weisheit zu finden. Alles andere ist nur blöd. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: einfach nur blöd.
Deshalb frage ich mich, ob das funktioniert, wenn ich mich bei so einem Buch in die Sprache der Rezepte einarbeiten muss. Ich weiß nicht, ob ihr das jemals gemacht habt. Da muss man ablöschen, abschwitzen, anschwitzen, blanchieren, gratinieren, reduzieren, schröpfen, tranchieren. Es gibt bei Wikipedia ein ganzes Lexikon, ein Fachwörterbuch nur für Küchenbegriffe. Das ist irre.
Und es ist ja auch logisch: Wenn ich so ein Rezept verstehen möchte, dann muss ich die Rezeptsprache verstehen. Und wenn es so ist, dass wir Weisheit finden, wenn wir das Buch der Sprüche lesen, dann müssen wir die Sprache der Sprüche sprechen. Wenn wir die Weisheit darin entdecken wollen, wenn also im übertragenen Sinn dein Sprüche-Bierhähnchen etwas werden soll, dann musst du die Rezeptsprache der Sprüche können.
Und die möchte ich dir heute ein bisschen näherbringen. Also geht es mir um wertvolle Infos rund um das Lesen und Verstehen von Sprüchen. Deshalb also ein bisschen Parallelismus, Metapher, es wird heute ein bisschen Deutschunterricht.
Tut mir leid, aber manchmal geht es nicht anders. Manchmal muss man bei einer Bibelschule da einfach durch. Und ihr kommt hier nicht raus.

Was die Sprüche mit dir machen wollen

Also, was wollen die Sprüche?
Die Sprüche wollen bei dir etwas auslösen. Sie wollen einen Prozess des Nachdenkens anstoßen. Sie wollen dich bei der Hand nehmen und sagen: Komm, lass uns gemeinsam durch dein Leben gehen. Ich möchte dir zeigen, wie du leben kannst.
Jeder Spruch möchte dich nicht einfach nur unterhalten, so nach dem Motto: „Das ist aber lustig, wie ein goldener Ring im Rüssel einer Sau, so ist eine Frau, die keinen Anstand hat.“ Das ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Es passiert manchmal, dass man ein bisschen lacht und sagt: Das war lustig. Aber die Sprüche wollen viel mehr als nur unterhalten. Sie wollen dir eine Knobelaufgabe stellen. Das hattest du im ersten Vortrag so schön vorgelesen: Sprüche 1,5-6. Ich lese euch das noch einmal vor. Da heißt es:
Der Weise höre und mehre die Kenntnis, und der Verständige erwerbe weisen Rat, um zu verstehen Spruch und Bildrede, Worte von Weisen und ihre Rätsel.
Sprüche muss man ganz am Anfang einmal verstanden haben. Sprüche sind Rätsel. Das sind sie mal mehr, mal weniger, aber von der Idee her wollen sie Rätsel sein. Sie laden dich ein. Sie fordern dich heraus, dass du dich mit deinem Verstand, aber auch mit deinem Gefühl auf sie einlässt und über sie nachdenkst. Dass du dich in die Situation hineinfühlst, in die sie hineingesprochen sind. Dass du, wenn du so einen Spruch durchdenkst, an eigene Erfahrungen zurückdenkst, wo dir Ähnliches schon einmal begegnet ist. Dass du nicht einfach nur über den Vers hinweghuschst, sondern stehen bleibst. Dass du bei einem einzelnen Vers stehen bleibst, mehr als nur einen kurzen Blick hineinwirfst, sondern dass seine Gedanken für den Moment von diesem Vers gefangen werden.
Insofern sind die Schreiber der Sprüche so etwas wie Werbestrategen. Das sind ja Leute, die machen einen Satz, und sie wollen, dass dieser Satz dich für einen Moment packt. Du gehst also durch die Straßen, schaust ein bisschen links und rechts, und das ist Werbung. Gute Werbung. Bild, Vers und so ähnlich funktionieren die Sprüche. Sie wollen dich bannen, wollen dich packen, wollen sagen: Stopp, halt mal inne, nimm dir jetzt mal Zeit, über mich nachzudenken.
Und deswegen werfen dir die, die die Sprüche im Alten Testament geschrieben haben, ein Rätsel hin, eine Knobelaufgabe hin, etwas, was man vielleicht nicht gleich herauskriegt. Die eine Botschaft, die wirklich wichtige Botschaft, die du bitte aus diesem Jahr mitnimmst, und wir haben noch zwei weitere Jahre Sprüche vor uns: Man muss noch nicht alles über die Sprüche gelernt haben. Aber die eine Botschaft, von der ich weiß, dass alle OBS-Mitarbeiter sich wünschen, dass ihr sie morgen noch wisst, ist die: Wenn du jung bist, lerne Weisheit. Beschäftige dich mit dem Buch der Sprüche, vor allem dann, wenn deine Eltern dir dieses Buch noch nicht Vers für Vers beigebracht haben. Das habe nicht einmal ich mit meinen Kindern gemacht, also wird es wahrscheinlich so sein, dass dir das auch nicht vergönnt wurde.
Das heißt aber: Damit du das tun kannst, musst du die Sprache der Weisheitsliteratur lernen. Und das heißt, wir müssen uns mit so etwas Herrlichem beschäftigen wie mit hebräischer Poesie.

Die Sprache der hebräischen Dichtung

Frage: Was macht hebräische Poesie eigentlich aus?
Gute Nachricht: Das weiß keiner. Ich habe die letzten Wochen eine Doktorarbeit zu dem Thema gelesen, weil mich das sehr interessiert hat. Das Fazit ist: Das kann keiner so genau sagen.
Aber zwei Dinge fallen immer wieder auf, die man einfach mal festhalten kann. Hebräische Poesie hat zwei Aspekte, die immer wieder vorkommen.
Hebräische Poesie ist dicht. Im Hebräischen ist Dichtung dicht. Dicht im Sinne von: Viele Gedanken werden mit wenigen Worten zum Ausdruck gebracht, mit so wenigen Worten wie möglich, sodass gerade noch der Zielgedanke rüberkommt.
Jetzt wisst ihr auch, warum die Übersetzung von Sprüchen so schwierig ist und warum man, wenn man Bibelübersetzungen nebeneinanderlegt, bei den Sprüchen oft größere Unterschiede hat. Manchmal fragt man sich: Ist das derselbe Vers? Ja, das ist einfach das Problem. Wenn man versucht, so wenig Worte wie möglich zu verwenden, dann wird natürlich auch der Übersetzungsspielraum ein bisschen breiter.
Also: Dichtung ist dicht.
Das Zweite, was hebräische Poesie auszeichnet, nennt man Parallelismus. Das Wort müsst ihr mal gehört haben: Parallelismus.
Und bevor ich euch erkläre, was ein Parallelismus ist, zeige ich euch, wie deutsche Dichtung formuliert. Da gibt es ein schönes Beispiel. Nehmen wir mal Johann Wolfgang von Goethe, den Erlkönig. Ich lese euch einfach mal vor, was ich hier habe. Es ist nicht das ganze Gedicht, da fehlt etwas:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst du, Vater, den Erlkönig nicht,
den Erlkönig mit Kron und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!
Dem Vater grauset, er reitet geschwind,
er hält den armen, ächzend, das Kind,
er reicht den Hof mit Mühe und Not.
In seinen Armen das Kind war tot.
Das ist deutsche Poesie. So funktioniert deutsche Poesie, ja. Wir favorisieren den Endreim, nennt man das. Wind, Kind, Arm, warm, Gesicht, nicht, Schweif, Streif und so weiter, bis dann hinten raus halt Not, tot. Das ist deutsche Poesie. Und wenn du sowas siehst, dann denkst du dir: Hach, ein Gedicht. Da wärst du auch sonst nicht draufgekommen.
Im Hebräischen gibt es diesen Endreim nicht. Die machen da etwas ganz anderes. Sie haben aber trotzdem Poesie. Es gibt also Poesie, ohne dass man am Ende diese Dinge immer reimen lässt.
Und das, was die Hebräer anstelle unseres Endreims haben, das nennt man Parallelismus.

Wie zwei Zeilen zusammenarbeiten

Ein Parallelismus besteht in seiner reinen Form aus einem Vers. Hier ist zum Beispiel Sprüche 16,18 ein Vers mit zwei Zeilen: Zeile A: Vor dem Verderben kommt Stolz. Zeile B: Vor dem Untergang ein hochmütiger Geist. Und jede Zeile besteht, das ist hier mit Grün und Rot markiert, aus zwei Phrasen.
Vor dem Verderben gehört irgendwie zu Zeile B, und vor dem Untergang kommt Stolz gehört irgendwie zu Zeile B, ein hochmütiger Geist. Bitte nehmt das mit: Hebräische Poesie packt gerne in einem Parallelismus zwei Zeilen zusammen. Und irgendwie ist es hier in diesem Vers so, dass Zeile A von Zeile B unterstrichen wird. Zeile B wiederholt eigentlich das, was in Zeile A steht. Das ist simpel.
Jetzt kann man natürlich einen Schritt weitergehen. Natürlich muss Zeile B nicht immer nur plump wiederholen, was Zeile A gesagt hat, sondern kann einen Kontrast aufbauen, zum Beispiel, oder den Gedanken von Zeile A weiterführen, zuspitzen, verdeutlichen, sogar relativieren. Ich habe euch hier einen zweiten Vers mitgebracht: Sprüche 16,14. Und da merkt ihr, dass in der zweiten Zeile nicht einfach noch einmal das Gleiche gesagt wird wie in der ersten Zeile, sondern es wird erklärt, was sich aus der ersten Zeile heraus ergibt, wenn man das logisch weiterdenkt, wenn man die Frage auflöst: Was mache ich denn jetzt?
Da heißt es in Zeile A: Der Grimm des Königs gleicht Todesboten. B: Aber ein weiser Mann versöhnt ihn. Es geht, wie ihr merkt, nicht um einen Endreim, sondern es geht um einen Gedankenreim. Hier wird ein Gedanke formuliert und ein Gedanke entwickelt, und Gedanken werden zueinander gestellt.
Was für euch jetzt wichtig ist, das ist vor allem wichtig, wenn ihr euch das Nacharbeitsheft gekauft habt. Sprüche 10 bis 16: Da habt ihr fast immer nur so Einzelfersen stehen. Und ihr müsst, wenn ihr anfangt, über diese Sprüche nachzudenken, quasi das Rätsel lösen. Ihr müsst verstehen, dass die beiden Zeilen, die euch da im Text begegnen, zusammengehören. Sie bilden, und zwar egal, wie einsichtig das für euch auf den ersten Blick ist – da kann man schon mal in Zweifel kommen, ob die zusammengehören –, aber sie bilden aus der Sicht dessen, der es aufgeschrieben hat, eine Einheit. Sie erklären sich irgendwie gegenseitig, wobei die Pointe, auch das müsst ihr wissen, immer am Ende kommt. Also am Ende ist immer so: Aha. Da könnt ihr mal besonders ein bisschen hinschauen, das ist immer wichtig.
Natürlich hat nicht jede deutsche Übersetzung die Reihenfolge richtig wiedergegeben. Das ist die Frage aller Fragen: Wie passt Zeile A zu Zeile B? Das Rätsel bei einem Spruch besteht darin, wenn man das Rätsel löst, die Lösung des Rätsels besteht darin, das Nacheinander der beiden Zeilen zu entschlüsseln und herauszufinden, wie sie zueinander passen. Wie ist die Dynamik zwischen den beiden Zeilen? Welche Botschaft möchte uns aus diesem Doppelpack vermittelt werden? Und natürlich auch: Was mache ich dann, wenn ich diese Botschaft habe?
Aber bitte nehmt das mit: Parallelismus, die zwei Zeilen gehören zusammen, und irgendwie müsst ihr schauen: Wie kriege ich das hin? Was habe ich da eigentlich? Und das Ganze mit Dichtung ist dicht, so wenig Worte wie möglich. Ihr könnt jetzt nicht erwarten, dass da überall Fußnoten dran sind und lange Erklärungen. So wenig wie möglich.
Jetzt merkt ihr, warum das ein Rätsel ist, weil man manchmal davor steht und sagt: Was will derjenige eigentlich? Und ihr werdet merken, wenn man anfängt, über so einen Spruch nachzudenken, dann ist es tatsächlich so, dass man neue Fragen stellt. Da stellt man sich plötzlich die Frage: Wie passt denn der Spruch, den ich jetzt hier lese, zu einem ganz anderen Spruch, den ich schon mal gelesen habe? Oder man stellt sich manchmal die Frage: Wo sind eigentlich die Grenzen bei diesem Prinzip? Ich lerne ein Prinzip kennen, aber ich denke mir, das gilt doch nicht universal. Wo ist denn da eine Grenze? Das heißt, ich muss die Frage beantworten: In welche Situation ist das denn bitte hineingesprochen?
Auch das ist wichtig. Oder du denkst vielleicht: Na ja, ich erlebe in meinem Alltag eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was der da sagt. Auch da möchte ich dich bitten, weiterzudenken. Der Clou ist immer: Denk nach. Und du musst, das habe ich gestern auch schon gesagt in der Austauschrunde, du musst beim Denken nie Angst haben, dass du irgendwann in so einen Bereich hineinkommst und wenn du den einmal betrittst, dann verlierst du deinen Glauben. Den gibt es nicht, diesen Bereich, zumindest habe ich ihn nicht gefunden. Ich habe immer weiter gedacht, und es hat mir gefallen zu denken. Und es ist das genaue Gegenteil, wenn Leute sagen: Christ sein, das heißt, seinen Verstand an der Garderobe abgeben und dann in den Gottesdienstraum gehen. Das ist das genaue Gegenteil.
Ich habe wirklich erst angefangen zu denken, als ich Christ wurde, und ich genieße es. Und ich möchte euch Mut machen, weiterzudenken, Zeit mit den Sprüchen zu verbringen. Es ist eigentlich sogar so: Erst wenn du nachdenkst, und da kann das Auswendiglernen von Bibelfersen eine Methode sein, die dir einfach weiterhilft, weil du nämlich durch das regelmäßige Wiederholen einen Zeitpunkt im Leben schaffst, wo der Vers wieder präsent ist. Erst wenn du das lernst, wenn du eine Kultur des Nachdenkens über Gottes Wort entwickelst, dann setzt du Gottes Kraft in deinem Leben frei.
Ich möchte das noch einmal sagen: Erst wenn du eine Kultur des Nachdenkens über Gottes Wort entwickelst, dann setzt du Gottes Kraft in deinem Leben frei. Und wenn du sagst: Ich wünsche mir Veränderung in meinem Leben, ich wünsche mir Erfolg, ich wünsche mir geistliches Wachstum, ich wünsche mir eine Beziehung, die gelingt, ich wünsche mir Klugheit, ich wünsche mir intelligente Anbetung, ich wünsche mir vielleicht sogar Bekehrungen, möchte jemand sein, der in dieser Welt einen Unterschied macht, dann beginnt es damit, dass du in deinem Leben eine Kultur schaffst des Nachdenkens über Gottes Wort. Das ist nicht hip, das ist mir klar, aber das funktioniert. Sprüche sagen das.
 Psalm 1, die Verse 1 bis 3: Da heißt es, glücklich der Mann, und das gilt natürlich auch für die Frauen, glücklich die Person, die nicht folgt dem Rat der Gottlosen, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Das ist diese Kultur. Jetzt ist mir schon klar, dass du nicht Tag und Nacht über die Bibel nachdenken kannst. Ja, irgendwann wird geschlafen und irgendwann wird was anderes gemacht, aber die Idee ist doch klar: Schaffe dir einen Raum im Leben, wo du regelmäßig auf eine intelligente Weise über die Fragen der Bibel nachdenkst, die dich jetzt betreffen. Und Amen zu dem, was Thomas gestern gesagt hat: Das sind nicht Endzeitmodelle. Wir stehen wo ganz anders, wir stehen bei viel elementareren Fragen.
Also: Glücklich der Mensch, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht verwelkt. Alles, was er tut, gelingt ihm. Und deswegen dieser Vortrag, wo ich dir den Parallelismus nahebringe. Wo ich dir sagen möchte: Das ist ein Rätsel, auf das man sich einlassen muss, wo du eine Zeile hast, noch eine Zeile hast und dann überlegen darfst: Wie passen die zusammen?
Und jetzt denkst du: Ja, aber was ist, wenn ich das nicht gleich rauskriege? Na super, super, ja gut. Also die Verse, wo du davor stehst und sagst: Ja, wunderbar! Rätsel, die man gleich rauskriegt, sind einfach langweilig. Entschuldigung, diese Einstiegsfragen bei Wer wird Millionär, wo du sagst: Wofür kriegt der 50 Euro? Das ist doch albern. Und so geht es dann auch in der Bibel. Wenn du sagst, dann wird es spannend, dann musst du weiter, dann musst du sagen: Jetzt nehmen wir uns ein bisschen Zeit, jetzt denke ich mal nach, was habe ich denn schon für Informationen, was weiß ich denn schon ringsherum? Was irritiert mich eigentlich an dem, was ich hier lese? Wie kann ich vielleicht mal überlegen, wie die beiden Sachen doch zusammenpassen könnten? Wer könnte mir da eine hilfreiche Information geben? Wen könnte ich mal fragen?
Denk nach, hab Spaß! Mach das! Ich kann dir das nur wärmstens ans Herz legen. Und zugegebenermaßen, irgendwann wird es passieren, dass es Verse gibt, die sind dir einfach zu schwer. Du kaust auf dem Vers rum und er fühlt sich an wie so eine Ballaststofftablette und kommt einfach nicht weiter, er schmeckt auch nicht. Wenn das so ist, ganz einfacher Tipp: Zieh weiter, lass ihn stehen. Es gibt Hunderte von Versen, die sind für dich. Da kaut man ein bisschen drauf herum, und dann fangen die an zu schmecken, und man versteht sie, da hat man den Gewinn davon und kann sofort etwas anwenden, umsetzen. Es gibt Hunderte davon.
Und es gibt ja auch noch Leute, die schon einen Tick älter sind. Also du möchtest ja nicht nur mit 25 schon alles verstehen, oder? Sondern hieß doch in den Sprüchen, es ist für die Jungen, für die Jugendlichen, für die Einfältigen, für die Teenager, aber es ist ja auch was für die Waisen. Also vielleicht musst du in zehn Jahren noch einmal bei dem Vers vorbeikommen und sagen: Ah, da bist du wieder. Okay, Freund. Schauen wir mal, du und ich, wir sind noch nicht fertig.
Ich weiß noch, das ist ein anderes Thema, aber ich weiß noch, wo ich als junger Christ in Rehe in einem Freizeitheim im oberen Doppelstockbett oben lag, meine Bibel gelesen habe, an der Stelle bei 5. Mose 30 vorbeikam und ich habe mir eine Frage gestellt. Es war für mich völlig unlogisch, was da stand. Und ich dachte mir: Hä? Und dann, 15 Jahre später, kam ich wieder mal bei diesem Text vorbei, und ich war einfach 15 Jahre weiter, 15 Jahre fitter, 15 Jahre kampferprobter, und dann musste er sich geschlagen geben. Das ist herrlich, wenn du eine Frage hast und plötzlich machst du es und denkst dir: Ist das einfach. Das ist dann wirklich so, dass du sagst: Warum hat das so lange gedauert? Das bist du, ja, das ist, du brauchst Zeit zu wachsen.
Und deswegen: Fang langsam an! So ein Vers wie: Vor dem Verderben kommt Stolz und vor dem Untergang ein hochmütiger Geist, der erschließt sich relativ simpel. Andere dann, der mit dem Todesboten und so, da muss man schon ein bisschen mehr überlegen. Hat das heute noch mit mir was zu sagen, ja? Wer steht da vor meiner Tür, ist das die Mafia oder ist das Angela Merkel oder wer ist hier gemeint, wie kann ich das übertragen? Das ist schon ein Tick schwieriger. Von daher fang vielleicht mit Sprüche 16,18 an und mach Sprüche 16,14 irgendwann später. Das nehmt ihr mit: Zwei Zeilen, und das Rätsel besteht darin, die zwei Zeilen zu einer Idee zusammenzuschließen und aus den Zeilen heraus, wenn es irgendwie geht, die Informationen zu ziehen, um dann zu wissen, worum es dabei geht. Packt das als Rätsel an. Gut, Punkt eins.

Metaphern, Bilder und übertragene Sprache

Ich habe noch einen Begriff für euch. Und der heißt Metapher beziehungsweise Metonymie.
Der Begriff Metapher kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Übertragung. Eine Metapher überträgt also die Bedeutung eines Wortes auf ein anderes. Ich habe hier ein Beispiel mitgebracht. Wenn ich sage: Wüstenschiff, dann weiß jeder, dass es in der Wüste keine Schiffe gibt. Also, ich hoffe, dass ihr das wisst. Es gehört so zur Grundbildung dazu: Wüste, Sand, nicht Wasser. Trotzdem gibt es das Wort Wüstenschiff, und es ist ein Synonym für das Wort Kamel. Ich kann also das Wort Wüstenschiff als Metapher für Kamel verwenden. Man macht das, weil eine Metapher als Ausdruck bildlicher, verständlicher und lebhafter ist als das Original.
Achtung: Eine Metapher ist kein Vergleich. Ein Vergleich lebt davon, dass man sagt: wie das, so das. Beispiel aus den Sprüchen: Wie der Essig den Zähnen und wie der Rauch den Augen, so ist der Faule denen, die ihn senden. Also Essig und Zähne: Ihr müsst davon ausgehen, in der Antike hatten nicht alle so gute Zähne wie ihr. Habt nur ein oder zwei, die so ein klein bisschen nicht ganz in Ordnung sind, und dann gurgelt mal mit Essig, haha, tolle Idee. Oder setzt euch mal an ein Lagerfeuer, wo so richtig Qualm ist, wo so einer, der es also wirklich nicht checkt, noch mal so eine Handvoll feuchten Reisig draufpackt, und du stehst da und dir laufen die Augen runter. Du merkst: Der Vergleichspunkt an der Stelle ist genau so, wie an der Stelle das einfach unangenehm weh tut. Wieso? So ist der Faule denen, die ihn senden. Hier wird ein Vergleich vorgenommen. Der Faule ist genauso unangenehm, lästig und tut genauso weh wie Rauch in den Augen oder Essig auf den Zähnen, wenn die nicht in Ordnung sind. Das ist ein Vergleich.
Aber eine Metapher ist kein Vergleich. Bei einer Metapher ist es anders. Das Kamel ist nicht wie ein Wüstenschiff, denn es gibt ja gar keine Wüstenschiffe, sondern das Wüstenschiff steht als Wort für Kamel. Habt ihr das so weit? Ich weiß, wir sind wie im Deutschunterricht, aber seid ihr noch da? Also: Metapher, bildlich etwas übertragen.
Wenn jetzt das Wort, das im übertragenen Sinn benutzt wird, in einem inneren Zusammenhang steht zu dem Begriff, den es beschreibt, also wenn es eine Verbindung gibt zwischen den beiden Begriffen, dann spricht man von einer Metonymie. Und weil ihr das jetzt nicht verstanden habt, zumindest gehe ich mal davon aus, Beispiele:
Nehmen wir mal das Ohr. Ich kann den Begriff Ohr bildhaft verwenden, dann steht Ohr nicht für Ohr, okay? Also dann steht Ohr im Text, und du denkst: Hier passt gar nichts mehr, weil das ist gar nicht Ohr. Stimmt. Metonymie bedeutet, dass das Ohr bildhaft verwendet wird für etwas anderes, mit dem es aber in einem inneren Zusammenhang steht, nämlich: Ohr kann stehen, ich habe euch das hier hingeschrieben, zum Beispiel Ohr für den Menschen, der hört. Ohr kann für Hörer stehen. Oder, ich weiß nicht, lest euch den Spruch durch: Sprüche 15,31. Ein Ohr, das auf die Zurechtweisung zum Leben hört, wohnt inmitten der Weisen. Jetzt ist klar, dass kein Ohr inmitten der Weisen wohnt. Oder hast du dir das schon mal vorgestellt? Da sitzen die so am Lagerfeuer, die Waisen, und dazwischen sitzt ein Ohr. Man gewöhnt sich. Es ist jetzt nicht superkompliziert, aber hier seid ihr einer Metonymie begegnet. Das Ohr steht für den Hörer, und natürlich gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen dem Ohr und dem Hörer, es ist ja sein Ohr. Und deswegen ist es eine Metapher, die aber eigentlich eine Metonymie ist. Okay, vergesst die Begriffe, kapiert das Prinzip. Wo immer euch das Ohr begegnet, kann es nämlich stehen für die Person oder für die Funktion.
Der nächste Spruch zeigt euch das ganz schön. Da heißt es in Sprüche 23,12: „Bring her zur Zucht dein Herz und deine Ohren zu den Worten der Erkenntnis.“ Jetzt geht es nicht darum, dass ihr eure Ohren abschneidet, sie mir hier nach vorne bringt und sagt: Hier sind die Worte der Erkenntnis, hier hast du mein Ohr. Sondern es geht darum, dass ihr das Hören richtet auf das, was ich sage. Also das Ohr steht einmal für den, der hört, oder für die Funktion des Hörens.
Und jetzt merkt ihr: Das ist gar nicht so fremd. Das machen nicht nur die Hebräer. Oder hast du das schon mal gehört, dass jemand zu dir sagt: Ich bin ganz Ohr? Und wir wissen sofort: Das heißt ja nicht, dass ich mich jetzt hier verwandle, sondern das heißt: Ich bin jetzt mal ganz für dich, ich höre jetzt mal ganz genau zu. Das heißt, ich bin ganz Ohr heißt: Ich höre dir richtig zu. Und wenn eure Eltern euch mal sagen: Jetzt spitzt die Ohren, dann geht es nicht darum, dass sie euch ein Messer in die Hand drücken und ihr dann anfangt, das hier mal so ein bisschen zu spitzen, um dann so ein bisschen elfiger auszusehen, sondern dass ihr zuhört. Also auch wir verwenden in unserer Sprache Metaphern, und das ist eben in der Antike genauso. Ich muss euch ein paar zeigen, damit ihr die gängigen drauf habt.
Da gibt es zum Beispiel die Metapher beziehungsweise die Metonymie der Hand. Die Hand der Fleißigen wird herrschen, aber der Lässige wird fronpflichtig sein. Hand, bildlich gebraucht, steht entweder für die Person, die arbeitet, das wäre jetzt hier also natürlich wird nicht die Hand des Fleißigen herrschen, sondern die Person. Oder Hand kann stehen für die Arbeitsleistung, die jemand erbringt. Sprüche 10,4: Wer mit lässiger Hand schafft, wird arm, aber die Hand des Fleißigen macht reich. Das ist die Arbeitsleistung, also die Person oder die Funktion der Hand, die Arbeitsleistung. Beide können das bedeuten. Und natürlich kann Hand immer noch Hand sein, logisch. Also Hand kann Hand sein oder bildhaft stehen für den, der etwas schafft beziehungsweise für seine Arbeit selbst. Und weil uns das so ein Stück nicht präsent ist, möchte ich euch da einfach mit hineinnehmen. Dann habt ihr mehr Spaß, wenn ihr die Sprüche lest.
Das Gleiche gilt auch für Sprechorgane: Lippen, Zunge, Mund. Die können wiederum stehen für die Person, die redet. Sprüche 27,2: Es rühme dich ein anderer und nicht dein eigener Mund, ein Fremder und nicht deine Lippen. Ja, also gemeint ist: Du selber sollst dich nicht rühmen, nicht nur deine Lippen. Du selber. Und wenn du jetzt denkst, aber ich kann mir ja auch ein Poster von mir malen oder einen fetten Facebook-Account, wo ich so mit meinem Sixpack dastehe, dann ist das damit gemeint. Irgendwie steht da: Gib nicht an, du als Person sei kein Angeber. Pack das da mit rein, das ist die ganze Person, und denk nicht mehr in den Sprüchenstand, aber ich darf nur nichts Tolles über mich sagen.
Genauso kann Lippen stehen für das, was gesagt wird. Sprüche 10,13: Auf den Lippen der Verständigen wird Weisheit gefunden, aber der Stock gebührt dem Rücken des Unverständigen. Also auf den Lippen der Verständigen: Das, was gesagt wird, das kann weise sein.
Letztes Beispiel dazu, und das vielleicht Wichtigste, weil es am weitesten weg ist von dem, wie wir es gebrauchen: das Herz. Ich habe ein paar mehr Sprüche hingeschrieben. Wenn wir Herz haben, ach mein Herz, ja mein Herz, Schmerzherz und so, es ist immer so emolastig, ja, so. Und diese Emolastigkeit des Herzens, das kennt nun mal das Alte Testament fast nicht. Also ja, es gibt mal fünf Ausnahmesprüche, wo das Herz echt für Emotionen steht. Die wird es geben, ja. Aber meistenteils geht es um etwas anderes. Und das müsst ihr einfach mit hineinnehmen, sonst werdet ihr bei den Sprüchen davor stehen.
 Sprüche 12,20: Betrug ist im Herzen derer, die Böses schmieden, bei denen aber, die zum Frieden verhelfen, ist Freude. Jetzt merkst du schon: Das Herz ist der Ort geistiger Schätze und Geheimnisse. Betrug ist im Herzen, da kann irgendwas drin sein. Und ihr merkt: Herz steht für Verstand, steht für Denken, steht für das, was ich will, manchmal auch für das Zentrum des Menschen. Ein neues Herz ist übrigens ein neues Denken. Wenn im Alten Testament uns für den neuen Bund ein neues Herz verheißt wird, dann wird uns verheißt, dass wir ein neues Wollen haben. In uns steckt der Wunsch, Gott zu gefallen. Es kommt nicht aus dir, es hat Gott dir geschenkt.
 Sprüche 14,33: Die Weisheit ruht im Herzen des Verständigen. Ah, die Weisheit, ja, Weisheit ruht im Herzen des Verständigen. Das bedeutet: Er hat sie verinnerlicht. Sie ist an seinem Denken präsent, muss da nicht lange graben, dann hast du da was. Er kann sie sogar an Narren weitergeben, hör dir das an: Die Weisheit ruht im Herzen des Verständigen, und inmitten von Narren offenbart sie sich. Also was in meinem Herzen ist, das prägt mein Denken, das kann ich anderen weitergeben. Deswegen: Wenn ihr Kinder bekommen wollt, lernt Weisheit, damit ihr euren Kindern das weitergeben könnt.
 Sprüche 16,23: Das Herz der Weisen lehrt den Mund und vermehrt auf seinen Lippen die Lehre. Das Herz steht nicht nur, sehen wir, für mein Denken und mein Wissen, meine Klugheit. Es steht hier für das Zentrum der Person.
 Sprüche 14,13: Auch beim Lachen hat das Herz Kummer, und das Ende der Fröhlichkeit ist Traurigkeit. Das Herz hat Kummer, merkst du das? Es ist nicht das Herz, was Kummer hat, sondern ich habe Kummer. Ich habe Kummer, wenn ich durch diese Welt gehe, sogar beim Lachen. Immer wenn ich fröhlich bin, bin ich ein bisschen traurig, weil ich irgendwie mitkriege, dass dieses Leben hier doch kein Ponyhof ist.

Wie Bilder aus der Welt der Sprüche zu uns sprechen

So, und jetzt müsst ihr euch mit diesen Metaphern beschäftigen. Und ich möchte, dass ihr hier rausgeht und mindestens das System versteht.
Das System heißt: Ein Begriff kann für etwas anderes stehen. Zum Beispiel hier, was wir durchgemacht haben: Wer bestimmt denn, wie man überträgt? Ist da einfach alles erlaubt? Ich habe einfach Lust drauf, ja? Und ich kann dann, was weiß ich, sagen: Daniel ist wie ein Mikrophon! Und alle sagen: Ja, und? Nein, die Übertragung selber, das, was erlaubt ist, wird durch die Gesellschaft, in der du lebst, definiert. Du kannst aus den erlaubten Metaphern Werte und Normen einer Gesellschaft ableiten.
Deshalb: Wenn du ins Alte Testament reinschaust, dann war das eine Agrargesellschaft. Da hat niemand Werkzeugmaschinen hergestellt und nach China exportiert. Ihr ganzes Denken ist so um Dinge wie Schafe, Weinernte oder Traubenernte, ja. Ob es regnet oder halt nicht regnet, das sind so die Themen, die interessant sind. Was schon hinter der Grenze passiert ist, hat nicht mehr wirklich interessiert. Und abends schnell noch mal online die Nachrichten checken, was irgendwo anders auf der Welt gerade mit Ebola und Co. passiert, das ist völlig weg.
Dass man deshalb in diese Gesellschaft hineinschauend, so ein, sagen wir mal, meteorologisches Phänomen wie Wind, das eine ganz tolle Bedeutung hat, ja, Wind, da kann es zum Beispiel heißen in den Sprüchen: Nordwind gebiert Regen. Gebären, das ist Personifizierung, ja. So von dem guten Kind raus, würde ja keiner von uns auf den Gedanken kommen, diese Metapher zu verwenden, ja klar. Wir sind ja auch keine Agrargesellschaft. In einer Agrargesellschaft ist es logisch, dass du so ein Phänomen wie Wind und Regen personifizierst. Das hat auch jeder verstanden. Wahrscheinlich gab es auch zehn Begriffe für Wind. Ich weiß nicht, wie viele Begriffe Eskimos für Schnee haben, aber es waren viele.
So, das heißt: Eine Gesellschaft, in der du lebst, definiert, welche Metaphern erlaubt sind und verstanden werden und welche nicht.
Ein letztes Beispiel: Wir haben jetzt die ganze Zeit gelesen: Neige dein Ohr, habt ihr das noch? Ja, also: Mein Sohn, neige dein Ohr! Ist euch mal aufgefallen, dass wir an der Stelle mit einer Kultur zu tun haben, wo Lernen mit Belehrung zu tun hat, während wir in einer Kultur leben, wo Lernen wesentlich mit Lesen zu tun hat? Also jeder, der erst mal im Studium ankommt, weiß, dass die Vorlesungen das am wenigsten Interessante zum Lernen sind. Dass, wenn es wirklich ans Lernen geht, man dir irgendwelche Bücher empfiehlt, die du durcharbeitest. Du liest Hunderte von Seiten, um dir den Stoff anzueignen.
Also dieses Neige dein Ohr, ja schön und gut, aber wir würden heute eher übersetzen mit: Mach die Augen auf, Freund, schau, was da steht. Weil unsere Kultur, wenn es ums Lernen geht, naja, da ist es nicht das Hören, das ist das Lesen. Wenn ich wissen will, ich habe mir vor kurzem so ein Rudergerät gekauft, jetzt wollte ich wissen, wie funktioniert ein Rudergerät. Also jetzt nicht so kompliziert, aber ich dachte, ich wollte einmal, ja, was macht man? Tja, YouTube, Rudergerät. Und ich fand jemanden aus Berlin, der sich in einem sowieso Fitnessstudio da ransetzt und darauf musste achten. Fünf Minuten zuschauen und fertig. So lernen wir, oder? Nichts von wegen Neige dein Ohr. Ich schaue einfach mir das an und fertig.
Versucht diesen Sprung hinzukriegen. Das ist nämlich genau das Problem, das wir jetzt haben. Das ist die Schwierigkeit, wo ihr am Anfang eurer sehr intimen Begegnung mit den Sprüchen steht. Diese Bezüge, die im Alten Testament aus einer x-tausend Jahre alten Agrargesellschaft herauskommen, zu nehmen und zu übertragen auf eure Lebenswirklichkeit. Und da werden Dinge passieren, da wirst du sagen: Oh, das hätte ich nicht gedacht.
Du wirst feststellen, dass das Auge bildhaft steht für das Prüfen einer Sache. Du wirst merken, dass das Leben beschrieben wird als ein Weg oder eine Reise, dass man auf krummen Wegen nicht gehen darf, dass man auch von diesem Weg nicht abkommen darf. Du wirst feststellen, dass oben gut ist. Und unten ist schlecht. Und deswegen sind so Begriffe wie Straucheln, fallen, stürzen negativ belegt, das ist so etwas wie sündigen.
Du wirst feststellen, dass der Glaube eines Menschen beschrieben wird als ein Gefäß, als ein Zufluchtsort oder eine Quelle, und dass Worte zum Beispiel beschrieben werden als kostbare Substanzen, als Speise, als Arznei, als Quellen.
Und ich möchte dir Mut machen: Wenn ich hier vorne stehe, möchte ich dir sagen, trau dir das zu, dich in die Bildwelt der Antike hineinzuarbeiten. Ich weiß selber, das ist herausfordernd, klar, logisch. Aber auf der anderen Seite weiß ich, es ist nicht unmöglich. Und ich möchte dich am Ende dieser Hotelbibelschule einfach bitten, es wenigstens zu probieren.
Versteht ihr, das ist eine ganz andere Sprache. Das ist so, wie wenn ich gerne so Ehevorträge mache oder für Eheseminare eingeladen werde und dann das Hohelied nehme. Dann möchte ich den Leuten beibringen, dass sie ihrer Frau einen Liebesbrief schreiben. Und dann zeige ich ihnen, mit welch wunderbaren Worten Salomo das in Hohelied 1 macht, wenn er zu ihr sagt: Du bist wie eine Stute am Prachtwagen des Pharao.
Und dann lachen immer alle, weil natürlich, ja, wenn du zu deiner Freundin sagst: Schatz, never ever. Aber natürlich kann ich sagen, dass ich dich nicht verstanden habe. Auch wenn ich meiner Frau noch nie gesagt habe: Du meine Stute, ist es trotzdem nicht verkehrt zu verstehen, was Salomo hier macht. Dass er ein Bild aus seiner Zeit entlehnt für Kraft, für Rasse, für Schönheit, für Lebendigkeit. Dieses Bild seiner Freundin, seiner Frau zuspricht und sagt: So bist du für mich.
Und das müssen wir lernen, diesen Sprung verstehen, was da steht, auch wenn es uns im ersten Moment fremd vorkommt, und dann übertragen und sagen: Okay, in der heutigen Zeit bedeutet das jetzt das.
Und ich glaube daran, dass ihr alle klug genug seid, um die Sprüche zu meistern. Daran wird es nicht liegen, es ist genug Grips da.

Zeit, Reife und der Gewinn des Dranbleibens

Es werden zwei Dinge sein, die dich davon abhalten können, in den nächsten zwölf Monaten, euch durch das Nacharbeitsheft zu arbeiten und wirklich Gewinn zu haben.
Wo ist Fabi? Draußen? Okay, ich sehe ihn jetzt nicht. Fabian ist Praktikant, und Fabi musste das Nacharbeitsheft in vier Tagen durcharbeiten. Von daher seid dankbar.
Aber was er mir danach gesagt hat, und das war sicherlich ein bisschen heftig: Er meinte, es war eine gute Erfahrung. Und ich glaube ihm das.
Die Sprüche sind extrem wertvoll. Nicht jeder ist gleich wertvoll, nicht jeder spricht direkt in dein Leben hinein. Aber wenn du nur von diesen ungefähr zweihundert Versen, die im Nacharbeitsheft sind, nur die zwanzig, von mir aus nur die zehn Verse findest, wo du sagst: Da hat Gott mich voll erwischt, und die zehn Verse, die lerne ich auswendig in der Übersetzung, die mir am nächsten ist, und die ziehe ich in mein Leben ein und wende sie an – wow, dann hast du in einem Jahr so unendlich viel gelernt, das kannst du dir überhaupt nicht vorstellen.
Also zwei Dinge können dich davon abhalten, das nicht zu tun. Das eine ist: Vielleicht bist du ein Narr, ein Dummkopf. Vielleicht sitzt du hier und sagst: Boah, bloß gut, dass das jetzt rum ist. Ich brauche überhaupt keine Weisheit, ich bin schon viel zu schlau für dieses Leben. Wenn das in deinem Herzen ist, bitte ich dich darum, nächstes Jahr nicht wiederzukommen. Wir haben eine Überhangliste. Mach Urlaub und lass deinen Platz für jemanden, der lernen will.
Ganz ehrlich: Die Sprüche sind eindeutig. Wenn du ein Narr bist, hast du, verzeiht mir dieses Wort, verkackt. Ich weiß nicht, wie ich dir dann helfen soll.
Zweiter Punkt: Was könnte dich noch abhalten? Und ich hoffe, dass hier kein Narr sitzt. Und ich hoffe, dass, wenn hier einer sitzt, er jetzt erschrocken ist und sagt: Ich will aber gar keiner sein, hilf mir. Das ist meine Hoffnung.
Zweiter Punkt: Finde den Schatz. Die Suche nach Weisheit, das hatten wir gestern, die Suche nach Weisheit ist eine Schatzsuche. Und wenn du Schatzsucher sein willst, dann brauchst du Hingabe. Du brauchst einen Plan, du brauchst die richtigen Mittel. Und es braucht vor allem eine Sache, und diese eine Sache, an der du nicht vorbeikommst, ist Zeit.
Du brauchst Zeit, um einen Spruch zu verstehen. Du brauchst Zeit, um ihn anzuwenden. Du brauchst Zeit, um ihn, wenn er wichtig ist, auswendig zu lernen. Und weil in unserer Gesellschaft eine Metapher gilt, diese Metapher heißt: Zeit ist Geld, möchte ich mit folgenden Worten schließen:
Die Zeit, die du in die Sprüche steckst, ist eine gute Investition. Sie wird sich auszahlen. Du wirst eine reiche Dividende davon bekommen. Du kannst sie einmal ausgeben, also verschwende sie nicht.
Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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