Event•Teil 3 / 7E21 Regionalkonferenz Süd 2018
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein freundlicher Einstieg mit einem Augenzwinkern
Vielen Dank, Matthias, für das warme Willkommen, und danke an FEG München Mitte, dass ihr die Konferenz hier bei euch in euren Räumen organisiert. Danke auch an die Küche für dieses bayerische Essen.
Wenn ich etwas an Ratschlägen für meine Gemeinde in Bezug auf die Küche, die Konferenzküche, mitnehme, werde ich nicht Leberkäse vorschlagen. Ich werde sagen, wir sollten dann doch auch mal auf der nächsten E21-Konferenz so ein typisches Hamburger Essen machen, so Labskaus. Nur dann besteht die Gefahr, dass ihr alle nicht wiederkommt, denn die meisten Hamburger mögen noch nicht einmal Labskaus. Aber ich mag Labskaus. Also ein Geheimtipp.
Der Missionsbefehl in Matthäus 28, den wir heute gehört haben, ist der Basisausgangstext für das Generalthema dieser Tage. Und mein Thema heute Abend lautet: Kein Rückzug, der Ruf hin zu den Menschen.
Wenn Jesus sagt: So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, dann schließt das natürlich mit ein, dass wir uns nicht barrikadieren sollen, nicht verschanzen, nicht zurückziehen, sondern dass wir hingehen sollen. Anhand von Apostelgeschichte 9 möchte ich mit uns heute Abend beleuchten, wie dieses Hingehen aussehen kann.
Apostelgeschichte 9, von Vers 20 bis 31. Das ist kurz nach der Bekehrung des Saulus. Lukas berichtet es in den Versen zuvor, und wir lesen dann in Kapitel 9 ab Vers 19:
Und Saulus war etliche Tage bei den Jüngern in Damaskus. Und sogleich verkündigte er in den Synagogen Christus, dass dieser der Sohn Gottes ist. Aber alle, die ihn hörten, staunten und sprachen: Ist das nicht der, welcher in Jerusalem die verfolgte, die diesen Namen anrufen? Und der dazu hierher gekommen war, um sie gebunden zu den obersten Priestern zu führen? Saulus aber wurde noch mehr gestärkt und beunruhigte die Juden, die in Damaskus wohnten, indem er bewies, dass dieser der Christus ist.
Als aber viele Tage vergangen waren, beschlossen die Juden miteinander, ihn umzubringen. Doch ihr Anschlag wurde dem Saulus bekannt, und sie bewachten die Tore Tag und Nacht, um ihn umzubringen. Dann nahmen ihn die Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb über die Mauer hinab.
Als nun Saulus nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen. Aber sie fürchteten ihn alle, weil sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei. Barnabas aber nahm ihn auf, führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen und dass dieser zu ihm geredet habe und wie er in Damaskus freimütig in dem Namen Jesu verkündigt habe. Und er ging in Jerusalem mit ihnen aus und ein und verkündigte freimütig im Namen des Herrn Jesus. Er redete und stritt auch mit den Hellenisten; sie aber machten sich daran, ihn umzubringen. Als das aber die Brüder erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn nach Tarsus.
So hatten nun die Gemeinden Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samaria und wurden auferbaut und wandelten in der Furcht des Herrn und wuchsen durch den Beistand des Heiligen Geistes. Amen!
Gottes Veränderung im Leben des Saulus
Am Leben des Apostels Paulus können wir ganz klar sehen, dass Gott absolut in der Lage ist, Menschen zu verändern. Er war, wie wir wissen, ein brutaler Christenverfolger. Lukas berichtet, dass er die Gemeinde verwüstete. Er drang überall in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und brachte sie ins Gefängnis. Er schnaubte Wut gegen die Jünger des Herrn. Das heißt, er atmete, so wie du selbstverständlich CO2 ausatmest, Hass gegen die Christen aus. Er schnaubte Mord und Drohung.
Aber dann kam Gott in sein Leben. Von einem Augenblick auf den anderen wurde das Leben dieses Mannes verändert. Er war auf dem Weg nach Damaskus und wollte wieder Gefangene machen, um sie nach Jerusalem zu führen. Plötzlich erschien dieses helle Licht. Paulus ging zu Boden, Saulus ging zu Boden, und eine Stimme war zu hören, die klar sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Und weiter: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
Das war der Moment, in dem Saulus realisierte: Dieser Christus lebt, und er zeigt sich mir in diesem Moment. Und so wurde er von einem Feind zu einem Freund Gottes. Er wurde zu einem Jünger Jesu. Sein Leben wurde neu, es veränderte sich radikal. Gott hatte den Hebel umgelegt, seine ganze Gesinnung veränderte sich. Er verkörperte genau das, was er später im 2. Korintherbrief so ausdrückt: Darum, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.
Mit anderen Worten sagt er: Schaut mich an, ich bin das lebendige Beispiel dafür, dass durch Jesus Christus das Leben vollkommen neu wird. Er hat es erlebt. Es war keine bedeutungslose Theorie, keine staubige Theologie, sondern es war sichtbar für die Menschen um ihn herum.
Und wenn wir dann sein Leben weiter verfolgen und Lukas es uns in der Apostelgeschichte berichtet, dass aus diesem einst größten Feind Gottes der große Völkerapostel Paulus wurde, dann, glaube ich, ist das ein gutes Vorbild für uns. Besonders dann, wenn wir uns fragen, was es heißt, Jünger in dieser Welt zu sein, was es heißt, den Missionsbefehl Jesu auszuführen, und ganz spezifisch auf diesen Abend bezogen: Was heißt es, zu den Menschen hinzugehen? Ich denke, das können wir anhand dieses gelesenen Textes gut erarbeiten.
Der erste Weg führt in die Gemeinschaft der Glaubenden
Als Erstes sehen wir, dass der Ruf hin zu den Menschen zunächst in die Gemeinde führt. Jetzt sagst du: Wie kommst du darauf? Gib mir ein paar Minuten, dann hoffe ich, dass es uns klar wird.
Wir lesen in Vers 19: Und Saulus war etliche Tage bei den Jüngern in Damaskus. Das heißt, sein erster Gang, so wie Lukas es in der Reihenfolge hier berichtet, war in die Gemeinde. Wir wissen, dass Saulus zwischenzeitlich dann auch noch in Arabien war, aber hier führt sein erster Gang nach seiner Bekehrung in die Gemeinde. Er suchte andere Christen auf. Er wollte und konnte nicht allein bleiben.
Das war nicht nur in Damaskus so, sondern das war auch in Jerusalem so, wo er dann hinfloh. Als er dort ankam, lesen wir in Vers 26: Als nun Saulus nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen. Bevor er seine großen Missionsreisen unternahm, war er stets mit den Jüngern und Gläubigen in Gemeinschaft. Die Gemeinde in Antiochia hat ihn zu den Menschen ausgesandt. Aber bevor er ausgesandt wurde, war er in die Gemeinde hineingekommen.
Und tatsächlich gibt und gab es in der neutestamentlichen Gemeinde so etwas wie eine formale Zugehörigkeit. Man konnte erkennen und feststellen, ob jemand dazugehört oder ob er es nicht tut. Manchmal werden wir gefragt, zumindest in Hamburg: Warum nehmt ihr das mit der Mitgliedschaft so genau? Wir nehmen es mit der Mitgliedschaft so genau, weil wir im Neuen Testament lesen, wie verbindliche Gemeindezugehörigkeit aussieht, und weil wir daran feststellen können, wer dazugehört und wer nicht dazugehört.
Schon in Apostelgeschichte 5,13 haben wir darauf Hinweise, denn dort lesen wir: Und als sie alle einmütig beisammen waren in der Halle Salomos. Vers 13: Von den übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen. Das heißt, es war offensichtlich klar, wer sich den Christen angeschlossen hatte und wer nicht. Im nächsten Vers lesen wir: Doch das Volk schätzte sie hoch, und immer mehr wurden hinzugetan, die an den Herrn glaubten. Also wurden sie zu einer definierten Gruppe hinzugetan.
Das heißt, für Paulus, damals Saulus, war es nach seiner Bekehrung keine Frage. Noch bevor er den großen Missionsbefehl hin zu den Menschen ausführte, ging er zunächst in die Gemeinde. Es war ganz klar für ihn, dass er eine neue Familie hat, dass er Brüder und Schwestern hat. Denn Ananias, der zu ihm kam, nachdem er erblindet war nach dieser Begegnung mit Jesus, sagte zu ihm: Bruder Saul. Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt. Das heißt: Du bist Teil einer Familie.
Er war nun ein Jünger Christi geworden, hatte Jesus als Herrn und Retter angenommen, und nun war sein Platz in der Gemeinde, die doch die Familie Gottes ist. Und das tat er in Damaskus und auch in Jerusalem.
Was sagt uns das? Zuerst einmal, dass Christen in eine Gemeinde gehören. Jüngerschaft, und bevor wir zu Jüngern machen, müssen wir ja erst selbst Jünger sein, wird in der Gemeinde gelebt. Wir können nicht als isolierte Satelliten im Weltall herumfliegen und meinen, wir wachsen in der Heiligung. Wenn du ganz allein in der Wüste bist, dann hast du keinen, mit dem du dich reiben kannst, der dich korrigiert, der dich ermutigt, der dich zurechtweist.
Ein wiedergeborener Christ tritt einer Gemeinde bei. Das war der erste Weg des großen Völkerapostels. Er suchte die Gläubigen, wo immer er hinkam, und hat nichts aus eigenem Antrieb isoliert von der Gemeinde getan. Es ist ungesund und gefährlich, als ein Jünger, als ein Schaf Jesu ohne Hirte und Herde zu sein. Einsame Schafe gehen orientierungslos in die Irre oder werden von Wölfen mit falscher Lehre gerissen.
Wir brauchen einander, auch wenn es manchmal unangenehm ist. Aber wir brauchen einander. Wir brauchen einander zur Erbauung, zur Korrektur, zur Ermutigung. Wir brauchen einander, um Hilfe zu leisten, Hilfe zu geben und auch um Hilfe zu empfangen.
Daher sollte es auch für Christen heute selbstverständlich sein, eine biblische, gesunde Gemeinde aufzusuchen, denn Jüngerschaft wird zuallererst in der Gemeinde gelebt. Und aus dieser Gemeinschaft der Gläubigen heraus können wir dann zu den Menschen gehen und den Befehl Jesu umsetzen. Der Ruf hin zu den Menschen führt also zuallererst einmal in die Gemeinde.
Wie Gemeindezugehörigkeit praktisch sichtbar wird
Zweitens: Der Ruf hin zu den Menschen wird in der Gemeinde gelebt.
Das war für Saulus ja nun nicht einfach, in Jerusalem Fuß zu fassen. Und ich finde es stark, wie die Bibel das hier so offen berichtet. Seid ihr über Vers 26 gestolpert? Das ist eigentlich ein trauriger Satz, eigentlich keine Werbung für das Christentum. Dort heißt es, als Paulus in Jerusalem ankam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen. Er wollte es, er hat es versucht, aber sie fürchteten ihn alle, weil sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei.
Er wollte zu ihnen, aber sie hatten Angst. Er wollte in die Gemeinschaft hinein, aber sie befürchteten, dass er vielleicht ein falsches Spiel spielte. Er kam mit einem vollen Herzen an. Wir müssen uns das vorstellen: Er ist jung bekehrt in Damaskus, verkündigt das Evangelium, da sind schon ein paar Jünger, er muss fliehen, geht nach Jerusalem und will sich der Gemeinde anschließen. Und sie sagen: Nein, wir wollen dich hier nicht.
Natürlich müssen wir fair sein mit den Christen in Jerusalem. Ich hätte wahrscheinlich mindestens genauso reagiert: Du, was willst du hier? Viele kannten ihn vielleicht auch aus persönlichen Erlebnissen in ihren Familien. Vielleicht haben einige sogar gelitten aufgrund des wütenden Paulus, Saulus. Er war der Erzfeind der Gemeinde. Viele waren direkt oder auch indirekt betroffen von seinen Verfolgungen. Insofern ist es schon verständlich, dass man vorsichtig ist. Aber diese Vorsicht muss dann an einem bestimmten Punkt durch den Geist der Liebe Jesu gemildert werden.
Und wo taucht diese Gesinnung Jesu jetzt auf? Vers 27, da leuchtet plötzlich etwas auf. Barnabas aber nahm ihn auf. Dieser Mann sticht hervor, der ist irgendwie anders. Er sticht aus der Gruppe der Jünger hervor, und er ist insofern ein Vorbild, wie auch wir, wenn wir zu Jüngern machen sollen, jungen Christen nachgehen dürfen.
Barnabas, übersetzt Sohn des Trostes, war ein Levit von Zypern. Er verkaufte einen Acker, wie Lukas in Apostelgeschichte 4 berichtet, und gab den Erlös der Gemeinde. Ein sehr aufopferungsvoller Unterstützer der Gemeinde. Später reiste er mit Paulus auf die erste Missionsreise. Und hier nun sehen wir gleich zu Beginn, wie dieser Barnabas auf Paulus zugeht, wie er beobachtet, wie dieser Mann sich der Gemeinde anzuschließen versucht und alle anderen den Riegel vorschieben. Aber er geht den Schritt auf diesen Mann zu. Er verbrachte Zeit mit ihm.
Barnabas aber nahm ihn auf. Das geht nur mit Zeit. Er hörte ihm zu, er unterhielt sich mit ihm, er prüfte ihn, er checkte ihn, und dann führte er ihn zu den Aposteln.
Ich glaube, was wir hier lernen dürfen, ist, dass der Ruf hin zu den Menschen nicht zwangsläufig im fernen Afrika oder Asien erfolgt. Das ist gut, wenn Menschen einen Ruf für ferne Länder haben, wunderbar. Aber dieser Ruf beginnt genau hier in unserem Land, vor allen Dingen in unseren Gemeinden. Dort, wo wir leben, Menschen zu Jüngern machen, sie zu unterweisen und zu lehren, Zeit mit ihnen zu verbringen und mit ihnen die Bibel zu studieren, beginnt in der Gemeinde.
Ich weiß nicht, wie es in eurer Gemeinde ist, wenn Gäste kommen. Es ist ja nicht leicht, das muss man ja mal sagen. Das ging ja nicht nur Saulus so, das ist ja heute wahrscheinlich auch nicht so einfach. Ich komme in eine Gemeinde, ich kenne die Leute da ja gar nicht. Ich weiß ja gar nicht, wie sie reagieren. Deswegen sind wir dankbar für unser Buchcenter, weil das ist immer so ein Punkt: Wenn du mal jemanden, einen Erstbesucher, finden willst, dann geh in den Buchladen, weil da verstecken sie sich dann. Da haben sie was in der Hand, verstehst du? Dann kann man so tun, als wenn man was zu tun hat, und blättert in einem Buch. Viele erste Gespräche fanden bei uns im Buchladen statt.
Es ist nicht leicht, in eine Gemeinde zu gehen. Es fällt Menschen nicht leicht, besonders dann, wenn es eine Gruppe ist, die sich schon vorher kennt und untereinander kennt. Und wenn wir dann auch bedenken, dass diese Leute auch noch ... Als Besucher muss ich den Eindruck haben, dass die Leute, die ich jetzt hier in der Gemeinde treffe, noch viel mehr von dem wissen, worüber es hier gerade geht, und ich weiß eigentlich gar nichts von diesen Sachen. Dann fühle ich mich eventuell noch mehr an den Rand gedrängt.
Aber doch sollte der Ort der Gemeinde der Ort sein, an dem es am einfachsten ist, Anschluss zu finden, oder? Eigentlich sollte es so sein. Wenn eine Gemeinde eine Gemeinschaft ist, die neue Menschen von Herzen willkommen heißt, dann doch hoffentlich in der Gemeinde. Sie sollte von allen Gruppen die freundlichste, die aufnahmebereiteste sein.
Vielleicht bist du ja auch heute Morgen, heute Abend hier und bist hier so mehr oder weniger reingerutscht. Evangelium 21 ist auch so ein Klüngel für sich, sagst du dir. Du kommst am Sonntagmorgen in einen Gottesdienst, wo immer wir sind. Und natürlich ist es so, dass nach dem Gottesdienst nicht alle mit einem Erstbesucher sprechen. Nicht alle werden auf dich zukommen und mit dir reden, wenn du ein Erstbesucher bist, ganz klar.
Wenn aber alle Menschen, die hier versammelt sind, meinen, dass all die anderen auf den Erstbesucher zugehen, dann wird niemand mit dem Erstbesucher reden, weil alle denken: Der andere macht’s. Der Ruf hin zu den Menschen beginnt in der Gemeinde.
Ich weiß nicht, wie viele Menschen bei uns in der Arche Sonntag für Sonntag reinkommen, Erstbesucher mitgebracht, reingeguckt, irgendwie haben sie etwas gehört. Wie traurig ist es, wenn solche Menschen unsere Räume verlassen und keiner hat sie angesprochen. Wir brauchen nicht über Afrika und Asien zu reden, wenn wir nicht den Missionsbefehl gleich in unseren eigenen vier Wänden umsetzen. Denn es gibt einen Barnabas unter uns, sonst wird keiner angesprochen.
Natürlich denkst du vielleicht auch, dass der eine oder andere klar in deiner Gemeinde, wenn du jetzt deine Leute so durchscannst, sagst du: Ja, wir haben einen Barnabas, das ist der Pastor, das ist unser Barnabas. Wozu bezahlen wir ihn? Das ist sein Job, er soll die Leute begrüßen. Er soll die Hände schütteln am Ausgang.
Die Willkommenswärme einer Gemeinde ist keine Wärme, die nur von vorne kommt. Es ist eine Wärme, die von der Seite, von hinten, von überall herkommt. Besucher spüren, ob es warm oder kalt ist in der Gemeinde. Man mag den freundlichsten Pastor der Welt haben, und dennoch kann ein Besucher sagen: Hier fühle ich mich nicht wohl. Warum? Weil keine Barnabasse da sind.
Deswegen kommt es auf jeden Einzelnen von uns an. Die Summe der Freundlichkeiten macht die Wärme aus.
Was tat Barnabas? Er nahm ihn auf, er führte ihn zu den Aposteln. Er ging zu Saulus und sagte: „Hey, hallo, ich bin Barnabas, wie heißt denn du? Lass uns miteinander reden, komm mit, ich lade dich ein zum schottischen Restaurant hier, ein paar Straßen weiter einen Kaffee oder einen Tee.“
Barnabas hat mit Sicherheit seinen persönlichen Zeitplan umdisponiert und hat sich jetzt auf diesen Mann eingelassen, um zu hören, wer er ist, um ihm mit Liebe zu begegnen. Überlegen wir mal, mit wem er es da zu tun hatte. Zu dem Zeitpunkt ahnte noch keiner, was das für ein Kandidat ist, was für einen Einfluss er weltweit bis heute haben würde. Preis Gott für Barnabas.
Was heißt das für uns? Jeder Christ sollte Ausschau halten nach Besuchern, nach Christen, die noch jung im Glauben sind. Wir müssen und dürfen auch nicht den Wert unterschätzen, den eine zwischenmenschliche Begegnung hat, wie wichtig ein freundliches und warmes Wort ist für Menschen, die unsicher sind, neu sind.
Es ist auch wichtig, dass wir uns einander vorstellen. Wie ist dein Name? Ich heiße Fritz. Fritz, wo kommst du her? Aus Wandsbek. Oh, Moment, Wandsbek? Da drüben ist jemand, der auch in Wandsbek wohnt. Darf ich Ihnen den mal vorstellen? Und schon hast du zwei aus Wandsbek. Ich weiß nicht, wie heißt es bei euch. Nicht Wandsbek. Das ist nur ein Ortsteil von Hamburg. Großhadern.
Vers 27: Barnabas aber nahm ihn auf, führte ihn zu den Aposteln, und als Ergebnis dieses Barnabasdienstes wurden unzählige Menschen durch diesen Saulus, den wir später als Paulus kennen, gerettet und gesegnet.
Die Botschaft, die nach außen getragen wird
Also, der Ruf hin zu den Menschen führt erstens in die Gemeinde, zweitens wird er in der Gemeinde gelebt, und drittens hat der Ruf hin zu den Menschen auch eine klare Botschaft.
Jetzt kommen wir zu Paulus, Vers 28. Aus dieser Gemeinschaft heraus, aus dieser Gemeindezugehörigkeit heraus und aus dieser Wärme heraus, die Barnabas ihm entgegenbrachte, sehen wir, dass Paulus jetzt auch verkündigte. Vers 28: Und er, Saulus, ging in Jerusalem mit ihnen aus und ein. Er hatte jetzt Gemeinschaft mit ihnen, und was tat er? Er verkündigte freimütig im Namen des Herrn Jesus Christus.
Das heißt, Paulus geht jetzt zu den Menschen nach draußen. Er hat Freiheit, seine Gabe auszuleben. Und währenddessen wurde ein weiterer Plan geschmiedet, mit der Absicht, ihn zu töten. Vers 29, 30. Aber aus dieser Gemeinschaft heraus geht Paulus jetzt und verkündigt Jesus Christus. Und das ist natürlich ein anderer Aspekt. Das eine ist, wir machen zu Jüngern innerhalb der Gemeinde, wir gehen zu den Menschen hin innerhalb der Gemeinde. Aber das ist natürlich nicht der Raum, worauf es begrenzt bleibt, sondern wir gehen über die Mauern unserer Gemeinde hinaus. Und das führt uns Paulus hier vor.
In Vers 20 diese Verkündigung, die Paulus dann vornimmt und die er an allen anderen Stellen vornimmt, hat verschiedene Merkmale. Und hier in unserem Text folgende: Eine Verkündigung, die Christus im Zentrum hat. Vers 20: Und sogleich, das war noch in Damaskus, verkündigte er auch schon dort in den Synagogen, was denn? Christus, dass dieser der Sohn Gottes ist. Vers 22: Saulus aber wurde noch mehr gestärkt und beunruhigte die Juden, die in Damaskus wohnten, indem er bewies, dass dieser der Christus ist.
Wir sehen also, dass der Inhalt seiner Rede Christus ist. Und in Jerusalem geht er auch hinaus und verkündigt den Herrn. Er verkündigt den Sohn Gottes, der zu den Menschen ruft und eine Botschaft hat.
Leider wird in den Tagen, in denen wir leben, häufig gemeint, dass Evangelisation und die Ausführung des Missionsbefehls schon damit erledigt sei, wenn wir gute Werke tun, die Gesellschaft positiv beeinflussen, Suppenküchen eröffnen und was auch immer. Das ist in sich gut, wunderbar. Aber wenn Christus nicht gepredigt wird, wenn Jesus nicht verkündigt wird, dann haben wir nicht evangelisiert.
Paulus tat es. Er verkündigte den Sohn Gottes. Er sprach davon, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde, der für uns ein vollkommenes Leben führte, wozu wir nicht in der Lage sind. Der den Zorn Gottes auf sich nahm, am Kreuz von Golgatha stellvertretend für deine Sünden bezahlt hat, so dass du nicht mehr angeklagt vor Gott stehen musst, sondern durch den Glauben an Christus Vergebung deiner Schuld erfährst. Das ist die Botschaft, die der Apostel überall verkündigte. Der Auftrag hin zu den Menschen hat eine Botschaft, nämlich Jesus Christus.
Ein weiteres Merkmal seiner Verkündigung war, dass er auch argumentierte. Vers 22: Er bewies, dass dieser der Christus ist. Vers 29: Er redete und stritt auch mit den Hellenisten. Er war also auch in der Lage, das Evangelium und seinen Glauben zu verteidigen. Und ein drittes Merkmal: Sein Zeugnis war beständig. Er ging. Vers 20, Vers 22, Vers 29 allein in diesem kurzen Abschnitt.
Was bedeutet das für dich und mich? Natürlich ist nicht jeder Christ zum Prediger berufen, aber jeder Christ sollte bereit sein, von seinem Glauben Zeugnis abzulegen, anderen zu erzählen, wer Jesus ist, was er für Sünder getan hat, und auch falsche Vorstellungen, die in den Köpfen der Menschen vorherrschen, zu entkräften, was Jesus Christus angeht.
Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung.
Der Weg des Zeugnisses kostet etwas
Der Ruf hin zu den Menschen führt erstens in die Gemeinde, zweitens wird er in der Gemeinde gelebt, drittens hat er eine klare Botschaft, und viertens bedeutet der Ruf hin zu den Menschen auch Opfer.
Es ist bewegend zu lesen, wie dieser Saulus, der der oberste Verfolger der Christen war, nun selbst ein Verfolgter wird. Die, die einst seine Freunde waren und Partner in der Sache, sind nun hinter ihm her. Der, der anderen einst furchtbares Leid zufügte, leidet nun selbst.
Vers 23 in Damaskus: Als aber viele Tage vergangen waren, beschlossen die Juden miteinander, ihn umzubringen. Er musste fliehen. Wann musste er fliehen? Vers 25: Da nahmen ihn die Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb über die Mauer hinab. Er floh in der Nacht.
Wie? Hat die Flucht stattgefunden? Vers 24: Doch ihr Anschlag wurde dem Saulus bekannt, und sie bewachten die Tore Tag und Nacht, um ihn umzubringen. Da nahmen ihn die Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb über die Mauer hinab.
Der Ruf hin zu den Menschen, der Missionsbefehl Jesu, kostet Saulus hier sehr viel. Da war eine Stadtmauer. Häufig waren in den Stadtmauern Häuser integriert. Teile der Häuser wurden so zur Stadtmauer. Das Schlafzimmerfenster konnte zum Beispiel in der Stadtmauer gelegen haben. Wenn du dann aus dem Fenster geschaut hast, dann hast du aus der Stadt geschaut.
Paulus wurde durch eines dieser Häuser geführt, in der Nacht, und um die Wachen am Tor zu umgehen, in einem Korb an der Mauer in die Freiheit entlassen. Er wurde auf dem niedrigen Weg in der Nacht in einem Korb in den Dienst entlassen, in den Missionsdienst. Der mächtige Apostel Paulus, sitzend in einem Korb, bangend um sein Leben, mit einem Auftrag hin zu den Menschen.
Dieses Erlebnis hat bei ihm Spuren hinterlassen. Viele Jahre später gibt er den Korinthern eine Liste seiner Leiden, und er schließt diese Leidensliste mit diesem Ereignis ab. 2. Korinther 11: In Damaskus, schreibt er, bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener, weil er mich verhaften wollte, und ich wurde durch ein Fenster in einem Korb an der Mauer hinabgelassen und entkam seinen Händen.
Paulus erinnert sich, dass der Dienst hin zu den Menschen Opfer bedeutet. Er erinnert sich an den unattraktiven Beginn seiner Mission in Jerusalem. Seine Reise dorthin von Damaskus begann im Schutz der Dunkelheit, der Nacht. Der mächtige Apostel Paulus, der von Gott auf dramatische Weise in der ganzen damaligen Welt gebraucht wurde, wurde nicht in den Medien gefeiert, wurde nicht durch die Stadttore jubelnd in den Dienst entsandt und auch nicht mit großartiger Begeisterung erwartet, sondern er fuhr, als niemand hinschaute, einer Stadtmauer entlang, sitzend in einem alten Korb.
So verklärte Ideen von Missionen und: „Ah, ich werde Missionar, preis dem Herrn.“ Ich freue mich über jeden, der ein inneres Drängen verspürt, genauso wie es verklärte Ideen vom Pastorendienst gibt. Einige möchten in den Dienst für Gott gehen, und das ist gut. Viele sagen zugleich: Ja, ich möchte Gott dienen, auch missionarisch dienen, mich ganz und gar in seinen Dienst stellen, aber bitte nicht durch ein Schlafzimmerfenster hindurch. Bitte bereite mir ein adäquates Umfeld. Viele wollen nicht in einem Korb herabgelassen werden.
Wenn wir aber nicht bereit sind, für den Dienst in einen Korb zu gehen, wenn niemand schaut, dann befürchte ich, sind wir überhaupt nicht für den Dienst geeignet. Es geschah in der Nacht, es geschah in einem Korb.
Was hatte der Herr zu Ananias gesagt, als er den Auftrag empfing, zu Saulus zu gehen? Denn hat er gesagt, ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. Und Saulus erlebte das.
Was lernen wir daraus? Der Ruf hin zu den Menschen kann auch viel kosten. Wir werden morgen noch hören, was das für manche bedeutet: innerhalb ihrer Familie zu leiden, auf dem Arbeitsplatz auch ausgegrenzt zu sein, in der Schule, an der Universität.
Paulus schreibt dem Timotheus: Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden. Petrus schreibt in 1. Petrus 4: Geliebte, lasst euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes.
Oberflächlich betrachtet sieht es so aus, als wäre die Mission kaum begonnen und schon gescheitert. Denn nicht nur in Damaskus, sondern auch in Jerusalem drohte man, ihn umzubringen. Man warf ihn aus den Synagogen, und er musste schließlich auch Jerusalem verlassen. Er verschwindet dann hier in Richtung Caesarea und Tarsus. Einige Jahre lang wird er dann in der Apostelgeschichte nicht mehr auftreten, erst in Kapitel 11 wieder.
Aber Vers 31: So hatten nun die Gemeinden Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samaria und wurden auferbaut und wandelten in der Furcht des Herrn und wuchsen durch den Beistand des Heiligen Geistes.
Die Gemeinde Jesu wächst unaufhaltsam. Sie wächst, wenn wir Dienste in Körben an den Stadtmauern beginnen. Es beginnt mit Diensten, die ohne großes Aufsehen in der Dunkelheit der Nacht geboren werden. Die Gemeinde wächst, wenn Gott seinen Geist in die Herzen der Menschen legt und sie Barnabas-Dienste übernehmen.
Mission heißt: hin zu den Menschen mit Gottes Kraft und in seiner Hilfe. Amen.
Schlussgebet
Vater im Himmel, wir danken dir für Paulus, für sein Leben, für das, was du in ihm gewirkt hast, und wie du ihn verändert hast. Und wie er uns auch zum Vorbild wird.
Ich bete für uns alle, die wir hier versammelt sind und die wir auch verschiedene Gemeinden repräsentieren. Herr, hilf uns, dass wir diesen Auftrag hin zu den Menschen ausführen, in deiner Kraft und mit deiner Hilfe. Herr, dass wir bereit sind, uns selbst zu erniedrigen, Opfer zu bringen und auch die anderen zu sehen, Barnabas-Dienste zu übernehmen. Hilf uns dabei.
Danke für deine Gnade. Amen.

