Einstieg in die Beobachtungen über Christen
Das ist etwas, was dir als Nichtchrist besonders auffällt und dich einfach fragen lässt: Was passiert hier eigentlich? Du wirst feststellen, dass dies eine sehr häufige Suchanfrage ist, die so oft gestellt wird, dass Google sie dir sogar schon vorschlägt.
Ich kann mich in meinem ganzen Leben ehrlich gesagt nicht daran erinnern, dass ich in einem nichtchristlichen Kontext jemals gefragt wurde, mit wem ich verwandt bin, wie mein Stammbaum aussieht, wer meine Vorfahren waren oder wo meine Familie herkommt.
Muss ich denn, wenn ich jetzt auch Christ bin, ein Instrument spielen können? Nein, aber es gibt immer ein gemeinsames Signal, zum Beispiel wenn man anfängt zu essen – oder eben auch nicht.
Wenn du große Familien findest, scheint das nach meiner Beobachtung häufiger unter Christen der Fall zu sein als unter Nichtchristen.
Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge: Wir tauchen tiefer in die Bibel ein. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.
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Für mich als jungen Mann damals war das Christentum etwas ganz Neues und Ungewöhnliches. Ich bin als Atheist unter Atheisten aufgewachsen, das heißt: Bis ich im jugendlichen Alter war, hatte ich keine zwei Kirchen von innen gesehen und noch nie mit einem bekennenden Christen ein Wort gewechselt.
Deshalb fallen mir Dinge, die für viele Christen völlig selbstverständlich sind, bis heute recht stark auf. Ich weiß von mehreren hier, dass sie diese Beiträge hören und sehen, um einen frischen Blick auf ihren eigenen Glauben zu bekommen – und das ist total okay.
Vor kurzem war es so, dass mein künftiger Schwiegervater, der aus einer traditionsreichen christlichen Familie stammt, und ich uns darüber unterhalten haben. Ich habe ihm ein paar Dinge mitgeteilt, die mir damals über Christen aufgefallen sind. Wir mussten sehr darüber lachen, und so ist die Idee für diesen Beitrag entstanden.
Dass all das hier eine überspitzte Schwarz-Weiß-Betrachtung ist, die von Gemeinde zu Gemeinde völlig anders aussehen kann und nur meine subjektive Meinung darstellt, das wissen wir alle. Wir sind erwachsen genug, dass ich das nicht bei jedem zweiten Satz dazusagen muss, oder?
Musikalische Prägung vieler Christen
Einige Dinge haben mich wirklich überrascht. Zum Beispiel auf Platz zehn: Viele Christen sind musikalisch. Zu meinem Hintergrund: Ich kann tatsächlich – und das ist jetzt ein bisschen peinlich, aber es gibt gute Gründe dafür – keine Noten lesen. Ich habe nie in einem Orchester gespielt, nie in einem Chor gesungen und auch kein Instrument gelernt. Deshalb bin ich wirklich absolut und vollkommen unmusikalisch und kenne mich damit überhaupt nicht aus.
Der Kontrast war deshalb natürlich sehr stark. Als ich mich damals mit den ersten Christen unterhalten habe, bei den ersten Gottesdiensten war und auch bei anderen Veranstaltungen der Gemeinde, habe ich relativ schnell – zu meinem großen Erstaunen – festgestellt, dass Musik im Leben vieler Christen eine sehr große Rolle spielt.
Für jemanden wie mich, der damit wirklich gar nichts zu tun hat, war das zunächst ziemlich merkwürdig. Musik spielte eine wichtige Rolle in den Gottesdiensten, sowohl in der Landeskirche als auch in den Freikirchen, die ich später besucht habe. Viele Leute begannen, Worshipmusik zu hören. Wenn wir uns auf Freizeiten oder ähnlichen Veranstaltungen trafen, fingen manche an, Instrumente zu spielen. Christen sangen mehrstimmig zusammen – das war für mich neu.
Eine Zeit lang habe ich mich wirklich gefragt, ob ich vielleicht komisch bin. Vielleicht bin ich das auch, aber der erste Punkt war jedenfalls: Ich fragte mich ernsthaft, ob ich, wenn ich Christ bin, auch ein Instrument spielen muss oder singen können muss. Manche begannen mit Begriffen wie Sopran und Alt, wenn sie mehrstimmig sangen. Ich wusste überhaupt nicht, was das bedeutet. Das hat mich total verunsichert.
Diese Begriffe findet man auch nicht im Bibelindex oder so. Ich habe mich wirklich gefragt: Muss man als Christ ein Instrument spielen? Ich hatte zu der Zeit den kleinen Katechismus von Martin Luther durchgelesen, aber dort stand nichts darüber. Ich wusste es einfach nicht.
Politische Grundorientierung bei Christen
Nummer neun
Viele Christen sind politisch grundorientiert. Was bedeutet das?
Ich zum Beispiel bin so aufgewachsen, dass Politik oder so etwas eigentlich überhaupt keine Rolle gespielt hat. Wer der Bundeskanzler oder später die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland war, das hätte ich dir sagen können, aber da hat es eigentlich aufgehört.
Später, in der Schule, kam dann so etwas wie: Wie ist das Parlament aufgebaut? Und solche Themen wurden zum Abi hin behandelt. Aber vom persönlichen Lebenshintergrund her haben Politik, Nachrichten oder Zeitunglesen für mich eigentlich überhaupt keine Rolle gespielt, wirklich gar nicht.
Wir haben später festgestellt, dass für viele Christen ein politisches Grundrauschen da ist, auch ein politisches Grundwissen. Ich habe beobachtet, dass viele Christen zunächst eine Art Grundorientierung haben, natürlich verbunden mit eigenen Meinungen – das ist ja völlig legitim – darüber, was die Eurokrise ist, wie man die Eurokrise lösen könnte, später natürlich 2015 und so, was die Flüchtlingskrise ist, wo sie herkommt und wie ihre Einstellung dazu war. Ebenso den Klimawandel: Was ist der Klimawandel, wo kommt er her, haben sie sich damit beschäftigt, und was sind ihre Positionen zu den Lösungsvorschlägen? Und natürlich jetzt aktuell die Gesundheitssituation.
Das habe ich damals einerseits bei mir selbst, aber andererseits auch bei den allermeisten meiner nichtchristlichen Bekannten nicht als so selbstverständlich wahrgenommen. Ich würde nicht sagen, dass die meisten Menschen, mit denen ich umgeben war, krass ungebildet waren – das glaube ich nicht. Ich denke nur, es ist wirklich ein Unterschied, ob man diese Grundorientierung hat, sich grundsätzlich erstmal dafür interessiert, offen ist für solche Sachen, das überhaupt wahrnimmt und sich damit auseinandersetzt – oder nicht.
Meine persönliche Beobachtung ist, dass das bei Christen im Durchschnitt, in der Summe, in der Masse mehr war als bei den meisten Nichtchristen, mit denen ich bisher in meinem Leben zu tun hatte. Wie gesagt, das ist natürlich rein subjektiv.
Hochproblematisch ist das aus meiner Sicht aber, sobald von Kanzeln, vom Predigtpult politisiert wird. Ich persönlich denke – und das ist nur meine Meinung – es würde manchen Pfarrern ganz gut tun, ein halbes Jahr lang mal Medien zu fasten, wie ich das schon häufiger gemacht habe: keine Nachrichten lesen, keine Nachrichtenportale, keine Zeitung, keine Tagesschau, gar nichts. Stattdessen mal mehr ihre Bibel zu lesen.
Denn es gibt ja einen Grund dafür, dass solche Inhalte, wenn manche Prediger von der Kanzel herunter politisieren, überhaupt anknüpfungsfähig bei ihrer Gemeinde sind. Das liegt unter anderem daran, dass die Gemeinde an sich schon mal grundsätzlich eine politische Affinität hat, sich überhaupt mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Sonst macht das ja keinen Sinn – das ist ja, als ob ein Blinder von Farben erzählen würde.
Kreative Wertschätzung und Basteltraditionen
Beobachtung Nummer acht
Viele Christen schätzen selbst Gebasteltes sehr. Das zeigt sich bei DIY-Projekten, etwa wenn zu Weihnachten ein Adventsstern gebastelt wird oder aus Holz verschiedene Dinge geschnitzt werden. Auch Origami wird häufig gefertigt.
Das fällt mir besonders bei unseren Hochzeitsvorbereitungen auf. Viele unserer christlichen Freunde kommen und sagen: „Wir möchten hier etwas basteln“ oder sie wollen bei der Gestaltung von Einladungskarten mithelfen. Ähnlich nehme ich das auch in Gemeinden wahr. Es gibt eine Wertschätzung dafür, Dinge mit den eigenen Händen in einem kreativen Prozess selbst herzustellen.
Das kann zum Beispiel bei Einladungskarten für große Worship-Gottesdienste vor Corona der Fall sein oder einfach beim Basteln in Kinder- und Jugendstunden. Nach meiner Beobachtung hört diese Freude am Basteln bei vielen Christen im Kinder- und Jugendalter nicht auf, sondern zieht sich durch das ganze Erwachsenenleben. Beispiele dafür sind Aktionen wie „Weihnachten im Schuhkarton“ und ähnliche Geschichten.
Als Nichtchrist kennt man solche Traditionen meist nicht. Sicherlich ist das auch eine Frage des Persönlichkeitstyps. Dennoch fällt mir sehr stark auf, wie selbstverständlich dieses Basteln in vielen Gemeinden und bei vielen Christen ist.
In wenigen Sekunden geht es weiter.
Ich möchte allen danken, die schon die Glocke unter diesem Video gedrückt haben. So werden mehr Internetnutzern christliche Inhalte angezeigt. Das ist anonym in zwei Sekunden erledigt und hilft auch diesem Kanal. Vielen Dank!
Medienkonsum und Bücher bei Christen
Beobachtung Nummer sieben: Fernsehen.
Kennst du den Spruch: „Vertraue niemandem, dessen Fernseher größer ist als sein Bücherschrank“? Ich finde das natürlich lustig. Hier geht es aber nicht um eine Bewertung, sondern um eine rein beschreibende Beobachtung.
Meine Beobachtung war damals, dass die meisten Christen, mit denen ich zu tun hatte, tatsächlich deutlich weniger fernsehen als die meisten Nichtchristen, mit denen ich zu tun habe. Das heißt, Fernsehen spielt im Alltag dieser Christen keine große Rolle. Es dominiert nicht den Alltag und ist auch kein wichtiger Block im Wochenablauf. Es ist nicht etwas, das man aus Langeweile tut oder das einen hohen Stellenwert im Wochenablauf hat.
Vielmehr ist meine Beobachtung, dass die meisten Christen, die ich erlebt habe, überdurchschnittlich viel lesen. In den meisten christlichen Wohnungen, in denen ich bisher war, habe ich deutlich mehr Bücher vorgefunden – einfach nur Bücher oder auch Zeitschriften – als in den meisten nichtchristlichen Wohnungen, in denen ich war. Das ist tatsächlich etwas, das mir sehr aufgefallen ist.
Kritik an mangelnder Bibelkenntnis
Beobachtung Nummer sechs: Bibelkenntnis
Jetzt folgt eine Kritik. Die Beobachtung, die ich gemacht habe, als ich damals anfing, mich mit Christen zu unterhalten und mich mit dem Christentum auseinanderzusetzen, hat mich damals noch mehr verstört als heute. Trotzdem fällt mir dieses Phänomen bis heute negativ auf.
Viele Christen kennen ihre eigene Bibel tatsächlich nicht. Das heißt: Die meisten Christen haben ihre Bibel nicht einmal zweimal im Leben von Einband zu Einband durchgelesen. Das war für mich als Nichtchrist damals völlig unverständlich. In der Regel ist es so, dass die Mehrheit der Christen, mit denen ich bis dahin zu tun hatte, die Bibel nur sehr subjektiv kannte.
Bei ihnen war es so, dass sie meist die gleichen 50, 60 oder 70 Verse kannten, entweder durch Losungen, Predigten oder durch die Lieblingsverse des Predigers. Auch bestimmte Geschichten, die in der Familie immer wieder erzählt werden, sind bekannt. Doch häufig fehlt das biblische Gesamtbild.
Viele Christen hatten damals das Gefühl, die Bibel irgendwie zu kennen – sei es durch Losungen oder durch die immer gleichen fünf Geschichten aus dem Kindergottesdienst. Deshalb hatten sie oft kein Bedürfnis, tiefer in das Wort Gottes einzusteigen, sich darin festzuhalten, sich darin festzugraben oder sich richtig einzubuddeln. Sie gingen nicht auf Schatzsuche, weil sie glaubten, die Bibel schon zu kennen.
Entschuldige, falls das jetzt super überheblich klingt – das tut mir wirklich leid. Meine Beobachtung ist die folgende: Als jemand, der seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit steht und Bibelprogramme sowie Ähnliches zum Download anbietet, habe ich Feedback von Menschen bekommen, die zwar bestimmte Vorerfahrungen mit der Bibel hatten, aber zum ersten Mal die Bibel wirklich von Einband zu Einband durchgearbeitet haben.
Diese Rückmeldungen waren durchweg zu 100 Prozent positiv. Dabei gab es viele Überraschungen für die Teilnehmer. Das war für mich als Nichtchrist damals wirklich unverständlich. Ich dachte: „Hey Leute, ihr habt ein Buch, das euch erzählt, was vom Anfang des Universums bis zum Ende passiert. Es sagt euch sogar die Zukunft voraus, erklärt, wie das Jenseits aussieht, wie man in den Himmel kommen kann, was Gott ist, wie Gott ist, wie wir Menschen sind, was mit dieser Welt kaputt ist und was die Lösung davon ist – und ihr lest es nicht?“
Das fand ich echt komisch.
Ehrenamtliches Engagement bei Christen
Beobachtung Nummer fünf: Ehrenamt
Es ist so, dass sich auch viele Nichtchristen ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel in Sportsvereinen oder Musikgruppen.
Doch wie selbstverständlich dieses Engagement nach meiner subjektiven Beobachtung für viele Christen ist, scheint auf einem etwas anderen Level zu liegen. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile.
Natürlich klingt es erst einmal toll, ehrenamtlich etwas zu tun. Gerade als Student ist das für den Lebenslauf sicherlich vorteilhaft. Das steht außer Frage.
Der Nachteil ist jedoch, dass man leicht in ein Helfersyndrom geraten kann. Außerdem besteht die Gefahr einer Art Gesetzlichkeit: Man denkt, wenn man bestimmte Dinge nicht tut, ist man kein guter Christ.
Auch die Erwartungshaltung anderer spielt eine Rolle. Damit muss man lernen umzugehen.
Ein weiterer Punkt ist schlicht und einfach das Thema Zeitmanagement.
Ich plane demnächst ein eigenes Video dazu, wie viel Zeitaufwand es die meisten Leute hier in der Community tatsächlich kostet, jede Woche Christ zu sein.
Das ist eine spannende Berechnung, die ich bereits vorbereitet habe.
Das würde mich sehr interessieren. Drückt gern die Glocke unter diesem Video, dann wird das Ganze auch angezeigt.
Unterschiedliche Zeiteinteilung im christlichen Leben
Daran knüpft Beobachtung Nummer vier: die Zeiteinteilung. Wir wollen jetzt nicht unbedingt die Debatte darüber eröffnen, ob man als Christ den Sabbat halten muss oder nicht. Das ist eine ganz spannende Diskussion, die wir später in Ruhe führen werden.
Fakt ist aber: Viele Christen gestalten einen Tag in der Woche – für manche den Samstag, für viele den Sonntag – anders als Nichtchristen. Für mich als Atheist war das damals noch so, dass alle Tage irgendwie gleich waren. Das heißt, abgesehen von Arbeit und ähnlichen Verpflichtungen war es völlig irrelevant, ob es Montag oder Sonntag war. Jeder Tag war gleich gut oder schlecht, um die Aufgaben zu erledigen, die man tun musste: Arbeitsaufgaben, Haushaltsaufgaben, soziale Verpflichtungen oder auch nicht – das war absolut identisch.
Der einzige Unterschied war vielleicht, welche Läden am Sonntag oder an einem Montag geöffnet hatten. Ansonsten gab es überhaupt keinen Unterschied. Auch Karfreitag war einfach irgendein Feiertag, Himmelfahrt war halt Männertag. Das war anders.
Die Beobachtung, die mich am Anfang richtig fasziniert hat, ist, dass für Christen der Kalender eine ganz andere Bedeutung hat. Es gibt etwas wie ein Kirchenjahr, eine bestimmte Vorstellung davon, wie man sich die Zeit vorstellt, wie ein Jahr und bestimmte Rhythmen aufeinander folgen. Das hat auch einen geistlichen Wert. Christen legen Wert auf bestimmte Jahreszeiten, wie zum Beispiel die Passionszeit. Das hat mich total fasziniert.
Auch welchen Wert sie auf bestimmte Tage legen, ist bemerkenswert. Der Begriff Ostern bedeutet für Christen etwas völlig anderes, als er für mich damals als Nichtchrist bedeutete. Ich musste plötzlich all die Bedeutungen und Vokabeln mit einem neuen Inhalt füllen – das war absolut faszinierend.
Oder wie manche Christen dann anfangen, Wert auf bestimmte Tageszeiten zu legen. Zum Beispiel viele hier aus der Community, von denen ich das weiß, weil ihr es mir persönlich gesagt oder geschrieben habt: Für euch haben Morgende eine ganz andere Bedeutung als zum Beispiel Mittage. Viele nutzen ihre Morgende für stille Zeit oder um sich besonders auf eine andere Form der Gottesbegegnung einzustellen.
Das war für mich völlig faszinierend, weil ich als Atheist mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht habe, ob etwas um sechs Uhr morgens, sechs Uhr abends oder um zwölf Uhr mittags stattfindet. Das war alles komplett identisch.
Bevor wir jetzt zu den Top drei kommen: Du siehst schon, auch wenn es starke Gemeinsamkeiten gibt, hängt es natürlich immer von der Ausprägung ab, an welche Christen aus welcher Glaubensrichtung du gerätst und wie diese Glaubensrichtung und Konfession „tickt“.
Dafür kannst du dir gern kostenlos den schnellen, praktischen Überblick mitnehmen: Was glauben die großen Gruppen von Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eigentlich? Was denken viele Gläubige dort über die Bibel? Wie gehen sie mit ihrer eigenen Bibel um? Was denken und fühlen sie über Jesus? Wie sieht ihr Glaube im Alltag aus und woran erkennt man das? Was denken sie darüber, anderen von ihrem Glauben zu erzählen? Und vor allem: Was sind die echten Gefahren bei der jeweiligen Glaubensrichtung?
Von der evangelischen Landeskirche über die römisch-katholische Kirche bis hin zu den Freikirchen – das ist sogar der längste Teil. Und warum das so ist, erfährst du, wenn du einfach auf den Link unter diesem Video klickst.
Äußeres Erscheinungsbild in christlichen Gemeinden
Drittstärkste Beobachtung
Das ist etwas, das bei dir völlig anders sein kann, und ich wäre wirklich neugierig zu erfahren, wie du das wahrnimmst. Wenn du möchtest, kannst du gerne einen Kommentar dazu schreiben. Es geht um das Thema Äußeres, ja, genau das Thema Äußeres.
Ich erkläre das ganz kurz und hoffe, es klingt nicht zu kontrovers, denn ich meine es wirklich nicht so. Es kommt natürlich vor, dass in all den Gemeinden, in denen ich im Laufe der letzten Jahre war, auch Leute mit ungekämmten Haaren sind, Männer mit einem ungewöhnlich aussehenden Bart und Ähnlichem. Nach meiner Beobachtung – und das ist vollkommen subjektiv – ist das jedoch eher die Ausnahme.
Meine Beobachtung ist vielmehr, dass Frauen, die christliche Gottesdienste besuchen, tendenziell weniger Make-up tragen. Natürlich hängt das stark von der Gemeinde ab. Ganz klar, wir hatten gerade das Beispiel, dass nichtchristliche Frauen in der Summe und Masse, die nicht in Gottesdienste gehen, anders aussehen würden.
Meine subjektive Beobachtung ist außerdem, dass Männer, die christliche Gottesdienste besuchen, tendenziell gepflegter aussehen – sowohl äußerlich als auch in der Kleidung – als ich es häufig im nichtchristlichen Umfeld erlebt habe.
Nochmal: Denkt jetzt nicht, ich wäre in einem sonderbaren nichtchristlichen Umfeld gewesen. Das glaube ich nicht. Es ist einfach eine Beobachtung, die mir wirklich auffällt. Es kann natürlich daran liegen, dass es ein Gottesdienst ist und man sich dort vielleicht besonders schick macht. Aber tendenziell ist dieses Grundniveau gepflegter Erscheinung etwas, das mir in den ersten Wochen und Monaten sehr aufgefallen ist.
Damals habe ich auch einige Gespräche geführt und gefragt, ob es in der Bibel Vorschriften dazu gibt, wie man seinen Bart tragen soll oder wie man mit dem Thema Äußeres umgehen kann. Das ist mir stark aufgefallen.
Der besondere Stellenwert von Essen
Punkt zwei: Der Stellenwert vom Essen.
Weißt du, das ist schwer, greifbar zu machen. Ich habe wirklich überlegt, wie ich das hier erklären kann. Der Stellenwert vom Essen ist für viele Christen meiner subjektiven Beobachtung nach ein anderer als für viele Nichtchristen.
Das fängt schon damit an, dass viele Christen – ich würde mal sagen die meisten – tatsächlich vor dem Essen beten. Das ist etwas, womit ich mich selber lange Zeit wirklich schwergetan habe. Aber inzwischen ist es etwas ganz Alltägliches, das ich aus Überzeugung gar nicht missen möchte: Man betet vor dem Essen.
Es fängt auch damit an, dass viele Christen – und das hängt ja häufig mit dem Beten vor dem Essen zusammen – gemeinsam anfangen zu essen. Das ist etwas, was mir zum Beispiel in meinem säkularen Umfeld, in dem ich ja auch einen ganz normalen Tagesjob habe, sehr stark auffällt. Ich arbeite in einer nichtchristlichen Branche.
Vor Corona gab es dort Tagungen, Treffen, Meetings und so weiter. Wenn man sich zum Mittagessen getroffen hat, ist mir sehr stark aufgefallen, dass bei den allermeisten Menschen, mit denen ich zu tun habe und die keine Christen sind, jeder einfach anfängt zu essen, wie er will. Das heißt, es gibt mit Ausnahme natürlich kein gemeinsames Signal nach dem Motto: „Jetzt kann man sich etwas vom Tisch nehmen“ oder „Jetzt fangen alle an zu essen“. Nein, jeder fängt einfach an, wie er lustig ist, in verschiedenen Abstufungen.
Nach meiner Beobachtung ist das bei Christen fast nie der Fall. Dort gibt es immer ein gemeinsames Signal, wann man anfängt zu essen – oder eben auch nicht.
Außerdem ist es nach meiner Beobachtung so, dass viele Christen eher zwischen den Mahlzeiten nicht so viel essen. Das hängt natürlich zusammen. Das war in meiner eigenen Vergangenheit als Nichtchrist ganz anders.
Der Begriff „Mahlzeit“ war für mich damals völlig relativ. Ich habe einfach gegessen, worauf ich Lust hatte. Vielleicht habe ich ein bisschen auf die Ernährung geachtet, aber zu welchen Zeiten, wie, wo oder in welcher Menge ich gegessen habe, war mir völlig egal. Wenn ich Hunger hatte, habe ich etwas gegessen. Wenn ich keinen Hunger hatte, habe ich nichts gegessen. Das spielte überhaupt keine Rolle.
Eine weitere Beobachtung ist, dass ich persönlich bisher subjektiv mehr Vegetarier unter Christen getroffen habe als unter Nichtchristen. Ob es da einen Zusammenhang gibt, weiß ich nicht. Mir ist keine Studie dazu bekannt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass unter den Christen, die ich bisher erlebt habe, ein höheres Bewusstsein für Essen und Nahrungsaufnahme herrscht – ich weiß es nicht. Wenn du dazu etwas weißt, kannst du das gerne in die Kommentare schreiben.
Bevor wir zum Höhepunkt kommen, noch eine kurze Rückfrage an dich: Was lehrt uns das bisher?
Für mich zumindest zwei Dinge. Erstens: darauf zu achten, wie du und ich auf andere Menschen wirken, die vielleicht nicht wissen, warum wir tun, was wir tun. Denn manchmal, mal ganz ehrlich, wissen wir es ja selbst nicht wirklich.
Zweitens: dass du und ich uns immer wieder hinterfragen, ob das, womit wir uns beschäftigen – christliches Leben, Christian Lifestyle oder wie auch immer – wirklich wesentlich ist oder vielleicht eher eine Ablenkung. Ob es etwas ist, um voranzukommen, oder ob es nur dazu dient, sich beschäftigt zu fühlen.
Weißt du, es gibt einen großen Unterschied zwischen „die Dinge richtig tun“ und „die richtigen Dinge tun“. Das ist nicht dasselbe.
Die besondere Bedeutung von Familie und Ehe
Und Platz eins der kuriosesten Beobachtungen über Christen – das ist etwas, was mir bis heute noch sehr auffällt. Es vergeht, glaube ich, kaum ein Zeitraum von drei Tagen, in dem ich meiner Verlobten nicht irgendeinen piesackenden Witz mache. Und zwar über die ganz, ganz hohe Wertschätzung und Betonung von Familie. Ja, Familie – für Christen würde ich jetzt mal behaupten – und auch das Thema Ehe haben einen ganz anderen Stellenwert, als es für viele Nichtchristen der Fall ist.
Jetzt ist natürlich die Frage, ob das für manche Christen vielleicht auch in eine ungesunde Richtung gehen kann. Darum geht es jetzt aber gar nicht. Das fängt schon beim Thema Namenstraditionen an. Christen treffen sich untereinander und fragen nach, wer aus welcher Familie kommt. Ich kann mich in meinem ganzen Leben ungelogen nicht ein einziges Mal erinnern, dass sich in einem nichtchristlichen Kontext, wo ich ja den größten Teil meines Lebens unterwegs gewesen bin, auch nur einmal jemand gefragt hat, mit wem ich verwandt bin, nach meinem Stammbaum, wer meine Vorfahren waren oder wo meine Familie herkommt.
Eine weitere Beobachtung zum Thema Familie ist auch, wenn du christliche Bücher liest. Es gibt ja christliche Bücher über Familie und Ehe – klar, alles schön und gut. Ich rede jetzt mal über Bücher von christlichen Autoren, auch über christliche Themen, die aber mit Ehe und Familie nichts zu tun haben. Was du dort nämlich ganz häufig beobachten kannst – ich fand das so kurios – ist, dass die Autoren bei ihrer Selbstvorstellung, die ja häufig auf den letzten ein, zwei Seiten eines Buches zu finden ist, ganz oft ihren Familienstand angeben. Sie schreiben, mit wem sie verheiratet sind, wie lange schon und wie viele Kinder sie haben. Da denke ich mir: Wen interessiert denn das? Wofür ist das relevant?
Zum Beispiel könnte ein Autor schreiben: Das ist Tobias, der arbeitet dort und dort und macht dies und das. Und dann steht irgendwann im Satz: Er ist verheiratet mit Frauke, sie haben einen Sohn. Da denke ich: Und? Aus dem nichtchristlichen Kontext heraus ist das total ulkig. In den hunderten Büchern, die ich im Laufe meines Lebens gelesen habe – sei es aus dem wissenschaftlichen Kontext oder aus dem Finanzsektor, wo ich arbeite – interessiert das niemanden. Man schreibt doch nicht in ein Buch hinein: Das hat der Jens geschrieben, der arbeitet als Forscher dort und dort, hat darüber promoviert, und nebenbei schreibt er, dass seine Frau Maria heißt. So etwas gibt es überhaupt nicht, weil das aus meiner Sicht keine Relevanz hat.
Bei christlichen Büchern begegnet dir das auf Schritt und Tritt. Ich persönlich, jetzt wo ich demnächst selbst heiraten werde, verstehe ich das aber. Inzwischen kann ich das wirklich emotional nachvollziehen. Ich kann es zwar noch nicht richtig erklären, aber ich verstehe es.
Und große Familien – weißt du, in all den Jahren, in denen ich als Berater gearbeitet habe und hinter die Kulissen und Fassaden von Tausenden Menschen blicken durfte, musste und sollte – das ist jedenfalls so: Bei fast allen Familien, die ich erlebt habe, in denen es viele Kinder und viele Geschwister gibt, waren die Familien christlich. Natürlich gibt es tausende Ausnahmen, aber das ist wirklich meine Beobachtung.
An dieser Stelle würde ich wirklich mal sagen: Aus über zehntausenden Beratungsstunden und Tausenden von Menschen, die an meinem Beratungstisch saßen, und so vielen Lebensgeschichten, die ich gehört und gesehen habe, würde ich wagen zu behaupten, dass diese Beobachtung nicht absolut unrepräsentativ ist. Es scheint mir so zu sein, dass, wenn du große Familien findest – und das heißt nicht, dass alle Christen große Familien haben müssen –, diese nach meiner Beobachtung häufiger unter Christen anzutreffen sind als unter Nichtchristen.
Auffälligkeit des Jungheiratens in christlichen Kreisen
Und als krönender Abschluss das Thema Jung heiraten. Darüber haben du und ich hier auf diesem Kanal schon mehrfach gesprochen.
Das ist etwas, was dir als Nichtchrist besonders auffällt. Du fragst dich einfach: Was passiert hier eigentlich? Warum dieses Thema Jung heiraten? Warum heiraten so viele Christen mit Mitte zwanzig, Anfang zwanzig, manchmal direkt nach dem Abi oder sogar noch im Teenageralter mit achtzehn, neunzehn Jahren?
Meines Erachtens ist das nicht neutestamentlich. Dazu werden wir demnächst in einem eigenen Video in Ruhe eingehen. Drücke gerne die Glocke, dann wird dir das Video auch angezeigt.
Das Thema Jungheiraten ist so auffällig, und es fällt vielen Nichtchristen an unserer christlichen Subkultur stark auf. Wenn du das bei Google eingibst, wirst du sehen, dass es eine wirklich häufige Suchanfrage ist. Sie kommt so oft vor, dass Google sie dir sogar schon vorschlägt.
Meine Freunde, das sagt, glaube ich, schon alles.
Persönliche Anekdote zum Schluss
Kurzer Kontrast dazu eine persönliche Anekdote am Schluss:
Weißt du, mein Cousin ist, anders als ich, nicht christlich aufgewachsen. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird unsere Hochzeit in ein paar Wochen oder Monaten die erste Hochzeit sein, bei der er dabei sein wird. Er ist, wenn ich das so sagen darf, konstruktiv verwirrt.
Das heißt, er hat schon vor Wochen angefangen zu fragen: Wie läuft das eigentlich ab? Was muss man anziehen? Was passiert an dem Tag? Wann passiert das genau? Muss man etwas schenken? Muss man anfangen zu singen oder irgendetwas anderes tun? Er weiß überhaupt nicht, wie so etwas abläuft.
Der Kontrast dazu ist, wenn ich das einfach sagen darf, dass unsere Hochzeit für meine Verlobte, die dann meine Braut sein wird, die siebzehnte Hochzeit ist, an der sie anwesend sein wird.
