Einleitung und Zielsetzung des Beitrags
Ich komme mir hier immer vor wie Good Cop, Bad Cop. Klar, weil wenn junge Menschen in ihren Zwanzigern zusammenziehen, da muss ja schon die Großmutter dazwischenliegen, damit nichts passiert, oder? Sobald wir denken: „Das kann man nicht so eindeutig sagen“ oder „Das ist Interpretationssache“, dann ist das alles, was nötig ist, damit wir eine Ausnahme machen oder schwach werden.
Nur einfach mal an alle Männer, die das hier sehen: So eine Hochzeitsvorbereitung kann echt, echt stressig sein. Jetzt mal nicht ins Detail, aber Mann, da gibt’s ein paar – jetzt kommt’s – Statistiken. Du heiratest ja bis zu einem gewissen Maß auch die Familie des anderen mit. Und da solltest du wissen, worauf du dich einlässt.
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So, heute sind wir zu zweit. Heute werden meine liebe Frau und ich zusammen diesen Beitrag gestalten. Vielen, vielen Dank, meine Liebe, dass du dir dafür heute Zeit nimmst.
Und das hat einen ganz konkreten Grund: Heute wollen wir nämlich auf einige Fragen eingehen, die viele von euch in den letzten Monaten in E-Mails, Leserbriefen und einigen Kommentaren gestellt haben zu diesem Thema: Kennenlernen, Dating, Beziehung und Verlobung als Christen.
Das ist ein ganz, ganz sensibles Thema, bei dem bei sehr vielen Menschen Verletzungen im Raum sind. Viele Menschen haben da schon schlechte Erfahrungen gemacht – sei es, dass sie in einer schwierigen Beziehung waren oder dass sie in einer Beziehung waren und dort zwar auch glücklich, aber dann verletzt worden sind. Oder auch, dass sie tausend Einflüsse, Regeln und Vorgaben von außen gespürt haben, häufig auch von der eigenen Gemeinde und manchmal in Form von Gesetzlichkeit.
Wir wollen euch dabei bewusst zwei Perspektiven geben: einmal meine als Frau, die sicher etwas mehr gefühlsbetont ist, und dann Markus’ Perspektive – den kennt ihr ja. Dabei wollen wir zusammenfassen, was wir beide gerne gewollt hätten und was auch viele aus der Community hier sagen: Was hätten wir alle gerne vorher gewusst über diese Themen von Kennenlernen, Dating, Beziehung und Verlobung als Christen?
Was wird in der christlichen Blase vielleicht manchmal als zu einfach dargestellt? Was sind unangenehme Wahrheiten? Und worüber sollten wir vielleicht mehr sprechen?
Grundlegende Hinweise und Rahmenbedingungen
Also, fünf kurze Dinge sind vorab ganz wichtig:
Erstens: Das Thema Gesetzlichkeit ist hier völlig fehl am Platz. Es geht nicht nach dem Motto: „Du bist nur dann Christ, solange du xy machst, sonst bist du kein Christ.“ Das ist völlig unbiblisch. Was wir auch nicht wollen, ist anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr Privatleben gestalten sollen – ganz bestimmt nicht.
Wir möchten aber auf einige Leserbriefe und Kommentare eingehen und auch unsere eigenen Erfahrungen, ein Stück weit selbstkritisch, beleuchten. Dabei wollen wir zeigen, wo und wie du vielleicht vermeidbaren Schmerz vermeiden kannst oder wie wir es zumindest hätten tun können. Es geht nicht darum, dass wir die Weisheit mit Löffeln gegessen hätten. Wenn man es nicht genau so macht, wie wir es denken, heißt das nicht, dass man sündigt, in die Hölle kommt oder die Ehe zum Scheitern verurteilt ist.
Zum Thema Ehe wollen wir nicht über unsere eigenen Erfahrungen sprechen, denn wir sind ja selbst noch im ersten Ehejahr. Es wäre albern und unseriös, anderen Leuten jetzt Eheratschläge zu geben. Das wollen und können wir auch gar nicht. Was wir aber sagen wollen, ist, was die Bibel dazu sagt und was wir denken, wie Gott sich das gedacht hat – und vor allem warum.
Zweitens: Der Beitrag richtet sich nicht hauptsächlich an Leute, die seit 40 Jahren verheiratet sind, fünf erwachsene Kinder haben und Enkelkinder. Er ist eher für die heutige Generation gedacht, für Menschen in deinem und meinem Alter, in ihren Zwanzigern oder Dreißigern, die gerade in einer Beziehung sind oder überlegen, ob sie aus dem Single-Dasein herauskommen und eine Beziehung eingehen sollen.
Drittens: Dieser Beitrag, wie auch andere, ist geprägt von der westlichen Kultur des 21. Jahrhunderts. Deshalb benutzen wir Begriffe wie „Dating“, die in dieser Kultur üblich sind. Falls du in manchen asiatischen oder afrikanischen Kulturen lebst, wie es bei manchen Zuschauern der Fall ist, könnte einiges davon nicht zutreffen.
Das hängt natürlich auch von der Konfession ab, also davon, welcher christlichen Glaubensrichtung du angehörst. Und es ist auch ein Unterschied, ob man in einer Stadt lebt, in der die Belegschaft und die Nachbarn sich dreimal im Jahr wechseln, oder auf dem Land, wo eine Dorfgemeinschaft schon in der fünften Generation besteht. Das ist klar.
Deshalb haben wir versucht, verschiedene Stimmen aus der Community mit einfließen zu lassen.
Viertens: Der Beitrag ist offensichtlich an Christen gerichtet. Falls du nicht christlich bist, denken wir zwar, dass es große Vorteile hat. Aber dir wird vermutlich vieles nicht sofort einleuchten, weil manche Begründungen nicht unmittelbar Sinn ergeben.
Fünftens, letzter Punkt: Bei einigen Dingen haben wir Klarheit – entweder durch Gottes Wort, das uns Klarheit gibt, oder durch eindeutige Statistiken. Bei anderen Sachen ist es nur unsere persönliche Meinung. Diese beiden Dinge wollen wir auch wirklich deutlich voneinander trennen.
Wir wollen aber auch sagen, dass wir uns etwas dabei gedacht haben bei diesen Schlussfolgerungen. So läuft das ab: Wir sagen dir einfach mal unsere Gedanken, und du schaust, was du damit anfangen kannst.
Rückblick und Einführung in die Verlobungsphase
Vor zwei Wochen haben wir im ersten Beitrag darüber gesprochen, welche Beobachtungen es zum Thema Ehe aus christlicher Sicht gibt und was wir dazu ergänzen möchten. Wenn du möchtest, kannst du die Glocke drücken, dann wird dir dieser vorherige Teil ebenfalls angezeigt.
Heute sprechen wir über den zweiten von drei Teilen. Es geht um Beobachtungen zur Verlobungsphase und vor allem um alles, was bis zu dem Moment passiert, an dem man sich entscheidet, ein Paar zu sein. Also auch um die Beziehungsphase.
Damit genug der Vorrede. Markus würde jetzt sagen: Vergiss nicht, die Glocke unter diesem Video zu drücken, und lass uns starten.
Fangen wir mit der Verlobungsphase an. Was habt ihr und was haben wir grundsätzlich zum Thema Verlobung unter Christen beobachtet? Grundsätzlich ist es klug, sich darüber im Klaren zu sein, dass das Christentum keine westliche Weltanschauung ist, sondern eine vorderorientalische Religion. Deshalb ist es sehr naheliegend und geradezu erwartbar, dass das, was viele von uns Christen sich unter Ehe, Verlobung und Beziehung vorstellen, von dem abweichen kann, was man in der nichtchristlichen westlichen Welt erlebt.
Deshalb ist es gut, dass wir darüber reden.
Mein subjektiver Eindruck zur Verlobungsphase, nachdem wir diese jetzt auch erfolgreich durchlebt haben, war, dass die Verlobungsphase in Eheratgebern, in Gesprächen in Gemeinden, mit anderen Ehepaaren und in Ehevorbereitungskursen ziemlich unterbelichtet ist. Es wurde sehr viel über das Thema Beziehung und Dating gesprochen – auch viele gute Sachen, keine Frage. Ebenso gab es unglaublich wertvolle Inhalte zum Thema Ehe. Aber zur Verlobung – da kann ich mich noch gut daran erinnern, wie frustriert ich während unserer Verlobungsphase war. Ich fragte mich: Warum steht in diesen Büchern so wenig darüber?
Je nachdem, wie ihr das handhabt, kann sich eine Verlobung teilweise über ein halbes oder dreiviertel Jahr oder sogar noch länger erstrecken. Überlegt mal: Manche Leute sind ein Jahr lang verlobt. Das könnt ihr so gestalten, wie ihr möchtet. Aber das ist eine lange Zeit, eine echte Phase, ein echter Teil eures Lebens.
Und dafür, dass das so eine prägende und formative Übergangsphase ist, fand ich, dass dazu schmerzhaft wenig gesagt wurde. Ihr habt das auch bestätigt. Mir hat das wirklich gefehlt.
Perspektiven zur Verlobungsphase und deren Bedeutung
Was denken wir vielleicht, wäre eine gute Ergänzung zu dem, was zum Thema Verlobung unter Christen gesagt werden sollte?
Ja, Markus, was denkst du denn jetzt, nachdem wir erst neun Monate verlobt sein wollten, dann bis zur Kleintrauzeremonie doch nur fünf Monate verlobt waren und danach noch einmal vier Monate bis zu unserer großen Hochzeitsfeier? Braucht man diese Phase überhaupt? Wie würdest du die Zeit gestalten, und was würdest du der Community dazu empfehlen?
Ja, also vielleicht das Wichtigste, das Grundsätzliche zuerst: Ich komme mir immer vor wie Good Cop, Bad Cop hier. Pass auf, solange ihr nicht verheiratet seid, seid ihr nicht verheiratet.
Bevor du jetzt denkst, danke für diesen bahnbrechenden Gedanken, drückst die Docke und gehst, ganz kurz: Ja, das heißt aber, lasst euch ganz kurz vor Augen führen: Solange ihr verlobt seid, seid ihr noch nicht verheiratet. Das heißt, alle Rechte der Ehe habt ihr erst nach der Hochzeit. Ihr seid vorher, bis zum Moment der Hochzeit, immer noch im Zustand des Unverheiratetseins. Führ dir das vor Augen.
Es gibt Leute, die behaupten, dass man mit der Verlobung zusammenziehen kann, oder dass man auch, sobald man verlobt ist, miteinander schlafen kann. Und ganz häufig ist meine Beobachtung, auch aus der Seelsorge früher, dass die Leute, die so etwas sagen, häufig wissen, dass sie sich damit etwas vormachen.
Natürlich ist eine Verlobung nicht gleichwertig damit, vor all seinen Freunden, vor seiner Familie, vor seinen Eltern und vor der Gemeinde das Versprechen abzugeben, dass du diejenige für mich bist und dass ich dir mein ganzes Leben lang treu sein werde. Ebenso, dass wir uns gegenseitig unterordnen werden und all diese Dinge. Das ist natürlich nicht dasselbe.
Und wenn es dasselbe wäre, mal ganz ehrlich, dann müsste man doch auch nicht mehr heiraten. Dass in der Bibel eine Verlobung angeblich gleichbedeutend mit einer Hochzeit wäre, ist nicht so. Das ist einfach bibelwissenschaftlich falsch, es ist einfach nicht so.
Du findest hier einige Bibelstellen eingeblendet, da kannst du selbst nachlesen: Verlobung und Eheschließung sind einfach zwei verschiedene Paar Schuhe.
Dann wieder die typische Frage: Kann ich nicht einfach schon Sex haben? Können wir nicht einfach schon miteinander schlafen, wenn wir verlobt sind? Das funktioniert so nicht, das geht auch nach dem Neuen Testament nicht.
Warum? Laut dem Neuen Testament gehört Sexualität nur in die Ehe. Das findest du hier in diesen biblischen Prinzipien zur Sexualität. Dort ist das genau aufgegliedert und die häufigsten Fragen dazu werden beantwortet.
Seit ich dieses Tool hier zum ersten Mal erwähnt habe, haben es schon Hunderte und Hunderte Menschen heruntergeladen. Es wird in Jugendstunden benutzt, es wird im Religionsunterricht verwendet. Du kannst es dir gerne gratis mitnehmen und dir deine eigene Meinung bilden. Leg dafür einfach auf den Link unter diesem Video.
Zweck und Gestaltung der Verlobungsphase
Was ist die Verlobung grundsätzlich, was ist das Wesen dieser Phase?
Mit der Verlobung ist zunächst das „Ob“ geklärt – also die Frage, ob ihr euer Leben zusammen verbringen und heiraten wollt. Wenn dieses „Ob“ feststeht, gibt es dennoch viele „Nice-to-have“-Themen. Diese sind zwar nicht entscheidend für die Frage der Heirat, sollten aber dennoch besprochen werden. Für diese Gespräche eignet sich die Verlobungsphase sehr gut.
Spätestens an diesem Punkt empfehlen wir, einen Ehevorbereitungskurs zu besuchen oder Gespräche mit einem Pastor, Berater oder anderen Ehepaaren zu führen. Diese haben oft gute Fragen parat, auf die man selbst nicht so leicht kommt. Wir denken, dass ihr damit idealerweise schon in der Beziehungsphase anfangen solltet. Denn unter Umständen kommen dabei noch einmal große Themen auf den Tisch, die wichtig für die Klärung des großen „Ob“ sein können.
In der Verlobungszeit habt ihr natürlich auch Zeit, die organisatorischen Dinge rund um die Hochzeit und die Ehe zu regeln. Ein kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Überlegt euch, wie groß ihr heiraten wollt und ob das zu euren Kapazitäten und eurem Persönlichkeitstyp passt.
An alle Männer, die das hier sehen: Eine Hochzeitsvorbereitung kann wirklich sehr stressig sein – jetzt mal ohne ins Detail zu gehen, aber ehrlich, das ist nicht ohne!
Eine Anmerkung zur Dauer: Eine sehr geschätzte Beraterin, die uns in geistlichen Fragen unserer Beziehung von Anfang an begleitet hat, sagte einmal scherzhaft zu uns, nachdem wir uns verlobt hatten: „Ich weiß nicht, ob Gott sich so eine lange Verlobungszeit von fast zehn Monaten gedacht hat, wie ihr sie ursprünglich geplant habt.“
Das war für mich emotional auch schmerzhaft. Ich war ja schon bereit, dich zu heiraten, offensichtlich. Ich hatte bereits mit unseren Familien gesprochen und um deine Hand angehalten – all das war schon erledigt, und du hattest ja auch schon Ja gesagt. Aber weil die Feier noch nicht stattgefunden hatte, war genau diese Feier das, was uns voneinander trennte. Diese Trennung hat sich an manchen Punkten für mich persönlich sehr künstlich angefühlt.
Jedes Mal, wenn wir uns zu einem Date trafen, habe ich dich danach zu deiner Wohnung gebracht und bin dann allein zu meiner Wohnung zurückgefahren. Das war moralisch richtig, keine Frage. Aber in meinem Herzen fühlte es sich schmerzhaft und falsch an. Ich wünschte mir immer mehr, dass die Hochzeit bald vorbei wäre. In schwachen Momenten ertappte ich mich sogar dabei zu denken: „Mann, es ist diese Hochzeit, die jetzt irgendwie zwischen uns steht.“
Mir ging es ganz genauso. Ich wünschte mir ebenfalls, der Zeitpunkt der Hochzeit käme früher, weil diese künstliche Trennung einfach belastend war. So haben wir es dann auch gemacht: Wir haben eine kleine Trauzeremonie im engsten Kreis mit unserem Pastor und die standesamtliche Hochzeit vorgezogen. Trotzdem hatten wir unsere große Hochzeitsfeier zum ursprünglich geplanten Termin. Und das hat dann gut funktioniert.
Aber Achtung: Das bedeutet nicht, dass man überstürzt heiraten soll. Das ist wirklich nicht gemeint. Der Punkt ist vielmehr: Sobald alles geklärt ist, stellt sich für viele die berechtigte Frage: Wenn doch schon alles klar ist, warum ziehen wir das Ganze noch so lange in die Länge, nur um eine perfekte Party zu haben?
Außerdem ist da noch ein ganz realistischer, nüchterner Aspekt: Je länger die Verlobungsphase dauert, desto größer ist die Gefahr, moralische Abstriche zu machen – zum Beispiel beim Thema Sex vor der Ehe. Das ist einfach ein menschlicher Fakt, den man im Hinterkopf behalten sollte.
Als Fazit lässt sich sagen: Mit der Verlobung ist das große „Ob“ geklärt, ob ihr heiraten wollt. Danach habt ihr Zeit für organisatorische Dinge, aber vor allem auch für die Klärung weiterer „Nice-to-have“-Themen zwischen euch. Und spätestens dann ist es eine gute Idee, einen Ehevorbereitungskurs zu machen.
Die Beziehungsphase zwischen Kennenlernen und Verlobung
Phase Nummer zwei: Die Beziehung
Ja, man ist ein Paar, man ist zusammen, aber man ist nicht verlobt. Diese Zeit dazwischen – was habt ihr denn, was haben wir dazu beobachtet?
Zusammensein ist nach biblischem, nach neutestamentlichem Konzept in der heutigen westlichen Welt im 21. Jahrhundert, wenn wir das mal übersetzen würden, eine vorübergehende Phase. Eine Phase, die von vornherein klar ist, dass sie endlich ist. Sie ist versehen mit einem Haltbarkeitsdatum und wird einen Endpunkt haben.
Das heißt aus biblischer Sicht: Jedes Paar, das zusammen ist, wird in absehbarer Zeit nicht mehr zusammen sein.
Wenn man dann ein Paar ist und vielleicht auch in einer etwas kleineren Gemeinde lebt, dann haben wir beobachtet, dass schnell die Augen der Gemeinde auf einem ruhen können. Die Beziehung wird schnell zu etwas Öffentlichem im Gemeindekontext und vielleicht auch zu frühzeitig gefeiert.
Was in dieser Phase sehr präsent ist, ist die Frage nach Sex vor der Ehe – ja oder nein. In Gemeindekontexten wird häufig, und das auch richtig so, gesagt: Kein Sex vor der Ehe. Aber es wird oft nicht wirklich begründet.
Was ich damals in meiner christlichen Teenie- und Jugendzeit immer so gedacht habe, war erstens: Es steht zwar nicht explizit so in der Bibel, aber es ist eben so. Und zweitens, als eine Art Interpretation dieses Grundsatzes: Na ja, es ist vor allem nur wichtig, dass es nur ein Partner ist.
Als letztes habe ich das Gefühl, dass über diese Phase des Kennenlernens, des Startings, der Beziehung nicht so viel gesprochen wird, wie es vielleicht gut wäre – also in der Gemeinde, im Teeniekreis, in der Jugendstunde. Und dass man wirklich mal konkret formuliert, wie man das sinnvoll anstellen kann, was der Sinn dieser Phase ist und welche guten Guidelines es gibt, an die man sich halten kann. Wie denkt sich das Gott?
Zwei Fakten, die aus meiner Erfahrung meist betont werden, sind: a) Der Partner sollte christlich sein, und b) man sollte keinen Sex vor der Ehe haben. Weniger wird auf die anderen Fragen eingegangen, die konkret mal angeschaut werden könnten.
Also versuchen wir es einfach mal. Wie gesagt, die Messlatte liegt jetzt ganz weit unten. Was denken wir vielleicht auch aus den vielen Sachen, die ihr geschrieben habt? Was wäre eine gesunde Ergänzung zu dem, was du jetzt angesprochen hast?
Gemeindliche Erwartungen und Umgang mit Beziehung in der Öffentlichkeit
Ja, zu dem Punkt mit „Die Augen der Gemeinde ruhen auf einem“ – was denkst du dazu?
Na ja, was ich schon manchmal beobachtet habe, und was ihr auch geschrieben habt, ist Folgendes: Man ist gerade irgendwie zusammengekommen, hat sich entschieden, ein Paar zu sein, vielleicht noch im Teenageralter oder Ähnliches. Man ist gerade mal seit drei Wochen zusammen, hält vielleicht Händchen unterwegs, und dann kommt schon die vielleicht scherzhaft gemeinte Frage: „Wollt ihr eigentlich heiraten?“
Und ehrlich gesagt, ist das die falsche Phase für so eine Frage. Weißt du, wenn man seit fünf Monaten verlobt ist und dann die Frage kommt, wann eigentlich die Hochzeit steigt, dann ist das okay. Aber einem Pärchen von Zwanzigjährigen, die seit zwei Wochen zusammen sind, diese Frage zu stellen – vielleicht bin ich da ein bisschen hart, aber ich finde das völlig unangemessen.
Ja, und da sollten wir uns als Gemeindemitglieder auch einfach mal an die eigene Nase fassen. Ob solche häufig unschuldig gemeinten Kommentare über Leute, die ja so gut zusammenpassen oder so ein süßes Paar sind, wirklich so hilfreich sein müssen.
Die Bedeutung von Sexualität vor der Ehe und persönliche Erfahrungen
Bezüglich des letzten Punktes: Die Frage lautet, ob es „Kein Sex oder Ehe“ heißt oder, genauer gesagt, christlich formuliert, „Kein Sex ohne Ehe“. Was wäre hier eine passende Formulierung?
Ich habe dazu eine Umfrage auf Instagram und YouTube gemacht. Melanie, die hier aus der Community stammt, schrieb: „Ja, wenn ich noch einmal einen Ratschlag an mein früheres Selbst geben könnte...“ Du hast geschrieben, Melanie, dass du dir nicht deine Ratschläge aus der Bravo holen würdest. Ja, das sehen wir genauso.
Aber was würden wir uns noch wünschen, dass wir damals gewusst hätten? Und was wünschen wir uns heute, dass mehr darüber vermittelt wird?
Ich würde mir wünschen, dass klarer und offener darüber gesprochen wird, warum man keinen Sex vor der Ehe haben sollte. Dass Gott das wirklich so möchte und dass es nicht nur darum geht, einen Partner zu haben. Du sagst ja auch immer wieder, dass das logisch keinen Sinn macht, denn Gott sagt ja, wenn man verwitwet ist, ist es kein Problem, dass die Person später noch einmal heiratet und dann auch mit einem anderen Partner intim wird.
Ich finde es außerdem wichtig, den Fakt zu kommunizieren, dass das eindeutig in der Bibel steht. Denn ich glaube, wir Menschen geraten leicht in die Gefahr, zu denken, dass es nicht so eindeutig ist oder dass es Interpretationssache ist. Genau das führt oft dazu, dass wir Ausnahmen machen oder schwach werden.
Und das macht ja auch logisch nicht viel Sinn. In manchen Gemeinden wird zum Beispiel groß verkündet, dass Sex vor der Ehe okay sei, aber zusammenziehen vorher nicht. Dabei ist es doch so, dass junge Menschen in ihren Zwanzigern, wenn sie zusammenziehen, ganz bestimmt nicht immer aufpassen. Da müsste schon die Großmutter dazwischenliegen, damit nichts passiert.
Oder es wird gesagt: „Sex vor der Ehe kann man schon tolerieren, aber Kinder sollen erst in der Ehe geboren werden.“ Das ist wirklich eine heuchlerische Haltung und macht keinen Sinn.
Die Frage ist also: Wo steht das eigentlich in der Bibel? Die Antwort findest du im biblischen Prinzip hinter Sexualität.
Wie gesagt, ich habe dir alles aufgelistet. Du kannst es dir selbst anschauen. Den Link findest du unter diesem Video. Es ist alles kostenlos und du kannst dir die Informationen gratis herunterladen. Drück einfach auf den Link, dort haben wir alles für dich aufgeschlüsselt.
Positive Gestaltung einer christlichen Beziehung
Also, was hättest du dir denn gewünscht, das nicht nur aus Verboten besteht? Nicht nach dem Motto: „Das und das und das darf man alles nicht machen.“ Sondern mal ganz positiv. Wir sprechen immer so viel über die Gebote, dass die Leute von außen schon denken, wir Christen hätten nichts anderes zu tun, als Leuten etwas zu verbieten.
Was hättest du dir denn gewünscht, das positiv ist? Wie kann man das mal konkret ausbuchstabieren? Wie kann eine christliche Beziehung in dieser Phase aussehen?
Ja, ich hätte mir gewünscht, dass das Thema Beziehung mehr thematisiert wird – mit konkreten Richtlinien, wie das aussehen kann und auch, was man darüber wissen sollte. Denn da gibt es ja einiges.
Da gibt es ein paar – jetzt kommt’s – Statistiken. Ich persönlich bin ja ein großer Fan von Statistiken. Ja, ich bin so ein Zahlentyp und so weiter. Ich arbeite ja auch in der Finanzbranche, für mich macht das alles immer großen Sinn.
Aber das wirklich Coole an Statistiken ist einfach: Was ist denn die Alternative zu einer Statistik? Die Alternative ist, du fragst einen Bekannten hier und einen Kumpel da. Am Ende hast du zwei Typen mit zwei gegensätzlichen Meinungen. Und was ist jetzt eigentlich das, was wirklich da ist?
Mit Statistiken hast du einfach die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und ungeschönt, ungeschminkt – in vielen Fällen natürlich, nicht immer – zu sehen, wie es im echten Leben von realen Menschen wirklich aussieht. Du bekommst einfach ein reales Abbild davon, wie die Wirklichkeit wirklich ist.
Deswegen, bitte versteh mich richtig: Ich will jetzt nicht so tun, als ob das, was ich bespreche, genau Gottes Gebote für Beziehungen wären. Es geht einfach darum, dass es Studien gibt – von nichtchristlichen, von atheistischen Soziologen – darüber, unter welchen Bedingungen eine Beziehung zwischen Mann und Frau bessere Chancen hat.
Bessere Chancen, auf einem besseren Stand zu starten, eine erfüllte Beziehung zu führen, in der beide deutlich glücklicher sind als ohne. Und bessere Chancen, sehr lange zu halten.
Nochmal: Natürlich gibt es Ausnahmen, das ist überhaupt keine Frage. Und ich sage auch nicht, dass diese Statistiken auf dich zutreffen müssen.
Es ist aber nun mal einfach so: Die Zahlen legen nahe, dass je mehr man von diesen Kriterien erfüllen kann, desto besser wird es in sehr vielen Fällen gelingen, die Chance auf eine dauerhaft erfüllte Beziehung zu haben. Und desto länger halten die Beziehungen. Das ist einfach Fakt.
Wichtige Faktoren für eine gelingende Beziehung
Was sind denn so ein paar von diesen Faktoren? Wie gesagt, die Quellen haben wir dir hier noch einmal angezeigt. Im Wesentlichen sind es ein paar Faktoren, die eine Beziehung fördern können.
Es ist zuträglich für eine Beziehung, wenn man ähnliche politische Anschauungen hat und ähnliche moralische Werte teilt. Vor allem aber, weil da alles wie unter einem Brennglas zusammenkommt, ist es wichtig, ähnliche weltanschauliche Ansichten zu haben. Das ist einfach Fakt.
Man sagt oft, Gegensätze ziehen sich an. Das mag in der Kennenlern- und Datingphase ganz nett sein, aber wenn du wirklich mit jemandem die nächsten fünfzig Jahre verbringen möchtest, ist das eine andere Geschichte.
Ein weiterer Punkt ist, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn keiner von euch seine Lehre, Ausbildung oder sein Studium abgebrochen hat. Es ist gar nicht so wichtig, was für eine Lehre, Ausbildung oder welches Studium jemand gemacht hat. Entscheidend ist, dass man etwas, das man angefangen hat, auch durchzieht. Das hat auch viel mit Charakter zu tun.
Als ich die ersten Male im Gottesdienst war, bin ich erst einmal in die großen Kirchen gegangen. Dabei fiel mir auf, dass es scheinbar Mode ist, dass die Leute sich die Haare weiß färben. Dann ging ich das erste Mal in eine Freikirche und dachte: Wieso laufen hier Teenager mit Ehering-Attrappen herum? Ist das legal?
Das wird jetzt vielen Leuten hier nicht gefallen, ich habe das schon öfter gesagt, auch in Zölten. Dann zeigt man die Statistik und so weiter, aber irgendwie gefällt es den Leuten nie, egal wie man es begründet.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Alter: Fünfundzwanzig. Es scheint tatsächlich etwas dran zu sein, dass Menschen, die erst heiraten, nachdem beide ungefähr fünfundzwanzig sind, eine bessere Chance auf eine langanhaltende, glückliche und erfüllte Ehe haben.
Warum kann da etwas dran sein? Zum einen aus biologischen Gründen. Ein gesundes männliches Gehirn ist in vielen Fällen erst mit 24 bis 25 Jahren biologisch vollständig entwickelt. Männer brauchen einfach länger. Bei mir war das mit 30 nicht der Fall, aber das ist die Ausnahme.
Abgesehen vom Biologischen legen die Beobachtungen aus der Praxis nahe, dass es einfacher ist, erst zu heiraten, nachdem beide ihre Grundausbildung, ihr Studium oder ihre Lehre abgeschlossen haben und bereits gearbeitet und Geld verdient haben. Das ist einfach förderlich.
Ein weiterer Punkt ist, dass es gut ist, wenn ihr beide oder mindestens einer von euch in seinem direkten Umfeld ältere Vorbilder hat. Das können Großeltern oder Eltern sein, die eine gute Ehe führen. Das hat statistisch echte Auswirkungen darauf, wie eure Ehe aussehen kann.
Es ist auch gut, wenn beide in ihrer jeweiligen Community ehrenamtlich aktiv sind. Das ist eine gute Startbedingung für eine gelingende, langfristige Ehe.
Statistisch ist es erwiesen – auch wenn es vielen nicht gefällt und niemand es hören will – dass ihr eine bessere Chance auf eine langfristig glückliche und haltende Ehe habt, wenn ihr nicht zusammenzieht, bevor ihr geheiratet habt. Ich verlinke euch das alles.
Das ist ein spannender Punkt, weil viele das immer genau andersherum sagen. Sie meinen, dass das Zusammenziehen vor der Ehe die Chancen auf eine glückliche Ehe erhöht, weil man dann schon ausprobiert hat, ob es funktioniert. Spannend ist, dass es statistisch genau andersherum ist.
Und das hat nichts mit christlich, freikirchlich, evangelikal oder radikal fundamentalistisch zu tun. Das ist ein statistischer Fakt, der für Nichtchristen genauso gilt. Das ist das Irre daran, als ob Gott sich etwas dabei gedacht hätte, wie das mit Männern und Frauen funktionieren soll.
Ein weiterer guter Punkt ist, wenn ihr beide eine gemeinsame Vision davon habt, wie eure gemeinsame Zukunft mittel- und langfristig aussehen soll. Das klingt jetzt pathetisch, aber ich bin wirklich davon überzeugt, und genau das legen die Statistiken nahe: Ihr braucht eine Vision für eure Beziehung, ihr braucht eine Vision für eure Ehe.
Im Idealfall haben beide so wenig Vorgeschichte wie möglich. Im Idealfall sind beide noch nie verheiratet – das ist das Einfachste. Im Idealfall bringt keiner von beiden Kinder in die Ehe mit ein. Und im Idealfall ist es die erste ernsthafte Beziehung für beide.
Das heißt nicht, dass es sonst nicht klappt, aber es ist natürlich ein Thema, und da muss man dann auch hart daran arbeiten. Das macht es nicht einfacher.
Ein vorletzter Punkt ist, dass beide in der Lage sind, sich bei einander ernsthaft für etwas zu entschuldigen. Stell dir mal vor, du wärst mit jemandem zusammen, der das nicht kann. Das kann heiter werden.
Ein weiterer Punkt ist, dass ihr gemeinsame Bekannte habt, auch schon bevor ihr zusammen seid. Das heißt, ihr habt einen gemeinsamen Bekanntenkreis.
Und der letzte Punkt ist, dass ihr euch nicht zu schnell kennenlernt.
Wichtig ist: Es heißt nicht, dass es nicht funktionieren kann, wenn einer oder mehrere dieser Punkte bei euch etwas anders aussehen. Aber mit jedem dieser Punkte bringt ihr eurer Beziehung eine Last mit, also Altlasten oder Schwierigkeiten. Ihr macht es euch einfach ein bisschen schwerer.
Die Frage ist, wie schwer man es sich machen will.
Das eben waren die äußerlichen Faktoren – also Dinge, die du von außen einfach sehen, hören und anfassen kannst.
Innere Faktoren und Kommunikation in der Beziehung
Es gibt darüber hinaus eine Reihe von inneren, weichen Faktoren, die mindestens genauso wichtig sind. Diese können bei jedem Menschen unterschiedlich sein, aber sie müssen angesprochen werden. Sie gehören einfach zur Klärung dazu.
Das klingt vielleicht banal, aber solange ihr beide diese Themen nicht angesprochen habt, sind sie eben nicht angesprochen. Abgesehen davon, dass es unangenehm ist: Was bringt es mir langfristig, wenn ich Probleme bei einem Menschen nicht anspreche, den ich gar nicht vermeiden kann? Ich kann dir ja gar nicht aus dem Weg gehen, selbst wenn ich wollte. Das macht keinen Sinn. Ich kann meinem Ehepartner nicht aus dem Weg gehen.
Hör mir gut zu: Alles, was juckt und nicht bereinigt wird, wird irgendwann zu Schmerz. Und alles, was immer wieder schmerzt, wird irgendwann chronisch. Chronischer Schmerz führt zu lebensfeindlicher Verbitterung.
Damit meinen wir konkret Dinge, Themen und – auf Neudeutsch – sogenannte Triggerpunkte. Diese können sehr emotional sein. Egal, wie gereift du als Persönlichkeit bist, solche Punkte gibt es einfach. Davon können wir beide auch ein Lied singen, das ist einfach so. Darauf gehen wir jetzt nicht weiter ins Detail.
Deshalb unsere dringende Empfehlung: Mach es dir nicht unnötig schwierig. Hol dir einfach erfahrene, professionelle Begleitung. An den allermeisten Themen, vor allem den sogenannten nice-to-have-Themen, kann man wirklich aneinander, miteinander und für sich selbst arbeiten. Das geht.
Wir würden dir daher wieder einen Ehevorbereitungskurs empfehlen – mit einer Gruppe, einem Pastor oder einer Beraterin. Mach das in dieser Phase, in der Beziehungsphase. Das ist der beste Zeitpunkt, denn gerade jetzt klärt ihr, ob eine Ehe für euch beide in Frage kommt. Dafür ist es einfach wichtig, diese Themen anzusprechen.
Bedeutung der Ehe als bindendes Commitment
Ehe bedeutet, dass du dir das einfach einmal vor Augen führen musst: Ehe heißt, alles andere abzuschneiden. Wenn jemand sagt: „Lass uns nicht heiraten“, dann sagt er damit aus, dass er dich mag, aber nicht – oder noch nicht – genug, um alle anderen Optionen so weit wie möglich auszuschließen. Das ist die Bedeutung dahinter.
Es kann dir selbst genauso gehen, dass du innerlich spürst: „Boah, jetzt morgen vor beiden, unseren Familien, vor allen unseren Freunden, vor der Gemeinde und vor der Öffentlichkeit ein bindendes Commitment vor Gott abzugeben – da habe ich aber gemischte Gefühle.“ Das ist in Ordnung, das darf sein.
Die einzige Bitte ist, dann bitte zu klären, woran das liegt. Es kann ja gut begründet sein, aber gerade dann solltest du das wirklich wissen.
In jedem Fall zwingt euch ein solches Setting – Zwang und Gehorsam, das will zwar keiner hören, aber es ist nichts Schlechtes – bestimmte Themen einfach einmal für euch zu reflektieren, ohne dass ihr euch dabei aus dem Weg gehen könnt. Und das ist etwas Gutes, gerade bei unangenehmen Themen.
Überlege mal: Du würdest doch nie mit jemandem zusammen ein dauerhaftes Ehrenamt übernehmen oder sogar ein Unternehmen oder ein Startup gründen, ohne vorher über bestimmte neuralgische Punkte gesprochen zu haben. Wenn diese nicht ausgeräumt sind, oder? Und wenn du das schon dort nicht machen würdest, warum dann in der Ehe, wo es zwanzigmal wichtiger ist?
Stellt euch auch die Frage: An welchem Punkt müssen wir sein, bevor wir sagen können, dass wir heiraten? Oder damit wir sagen können: Ja, wir können uns vorstellen, den Rest unseres Lebens auf gute Art und Weise miteinander zu verbringen.
Wenn man nicht an diesen Punkt gelangt, dann ist es ein legitimer Grund zu sagen: Es passt nicht, und wir beenden das hier.
Versteht uns nicht falsch: Es bedeutet nicht, dass mit der Hochzeit alles geklärt ist und ihr nie wieder Konflikte oder Themen zu besprechen habt. Ganz im Gegenteil. Aber das sollten dann die „Nice-to-have“-Themen sein, denn die Basis ist klar. Dann ist geklärt, ob ihr heiraten wollt.
Die „Nice-to-have“-Themen kann man auch noch in der Verlobung oder in der Ehe klären. Ich glaube, es wird einem nie langweilig werden. Aber macht es euch so leicht, wie es sein kann.
Unterschied zwischen Beziehung und Ehe
Und dieser letzte Punkt ist mir auch noch einmal sehr wichtig zu sagen: Was ist eine Beziehung?
Eine Beziehung ist keine Ehe. Eine Beziehung ist auch keine kleine Ehe. Es ist auch keine Vorehe und keine Ehe auf Probe oder Ähnliches. Eine Beziehung ist eine Beziehung, und eine Ehe ist eine Ehe.
Ihr seid beide in der Beziehungszeit noch unverheiratet. Ihr habt keinen gemeinsamen Namen, keine gemeinsamen Finanzen und seid nicht eins mit Körper, Geist und Seele. Sie ist immer noch nicht deine Frau, er ist immer noch nicht dein Mann. Ihr habt weiterhin das Recht, euch gegeneinander zu entscheiden.
Also macht euch da bitte selbst nichts vor. Redet euch nicht ein, dass ihr quasi schon verheiratet seid, nur weil ihr seit zwei Tagen Händchen haltet oder ähnliches. Ebenso solltet ihr nicht den Druck spüren, unbedingt heiraten zu müssen. Das ist nicht gesund.
Wenn ihr in eurer Beziehung weitermachen könnt und wollt und das sorgfältig – also sorgfältigst – geprüft habt, dann verlobt euch. Wenn ihr merkt, dass es nicht derjenige ist, mit dem ihr in Frieden und auf gesunde Art und Weise alt und grau werden könnt, dann ist das der Punkt, über eine Trennung nachzudenken.
Und wenn du dir noch nicht sicher bist, dann geh die Themen an, die geklärt werden wollen. Aber bleibt nicht stehen, denn da bestehlt ihr euch beide nur gegenseitig.
Wir denken, dass die Beziehung die Phase ist, in der ihr das erste Mal gemeinsam als Paar in der Öffentlichkeit auftretet – also vor euren Freunden, vor euren Familien, in der Gemeinde. Das ist unserer Meinung nach auch der Unterschied zur Datingphase, auf die wir in zwei Wochen eingehen werden. Es ist wirklich etwas total anderes.
Wenn ihr das vorher noch nicht gemacht habt oder eure Ursprungsfamilien nicht sowieso schon kennt, dann ist es spannend, mit der Ursprungsfamilie des anderen in Berührung zu kommen, sie kennenzulernen und euren vielleicht zukünftigen Partner in Interaktion mit ihnen zu sehen.
Da lernt man sich noch einmal ganz anders kennen, denn ihr habt ja nun mal unterschiedliche Rollen. Ihr seid nicht nur potenzielle Partner, sondern auch Enkel, Onkel, Bruder, Schwester, Tochter. Man verhält sich ja auch irgendwie ein Stück weit anders.
Es ist einfach spannend, das mitzuerleben, und man kann viel über den anderen erfahren. Von daher ist das ein spannender Punkt für diese Phase.
Natürlich können dabei auch Konflikte entstehen. Ich weiß nicht, ob du so etwas schon einmal erlebt hast, aber in Familien soll es angeblich manchmal Konflikte geben. Es ist interessant zu sehen, wie der andere oder die andere mit Konflikten in seiner Ursprungsfamilie umgeht.
Denn daraus kannst du viel lernen, nach dem Motto: Wie wird er oder sie mit Konflikten umgehen, wenn wir mal Familie sind, vielleicht auch mit eigenen Kindern? Das ist eine wichtige Sache.
Martin aus der Community schreibt dazu: Sei dir darüber klar, dass an deinem Partner immer und unverbrüchlich auch dessen Familie hängt. Das ist wichtig zu verstehen. Du heiratest bis zu einem gewissen Maß auch die Familie des anderen mit. Und da solltest du wissen, worauf du dich einlässt.
Das offizielle Ende dieser Beziehungsphase ist dann die Entscheidung, den anderen heiraten zu wollen. Beide treffen diese Entscheidung gemeinsam. Das ist das, was wir hier im westlichen Kontext mit Verlobung bezeichnen.
Jetzt ist es natürlich nicht so, dass du irgendwelche Hollywood-Vorstellungen im Kopf hast. Natürlich ist es Typensache, ob man da super romantische Verlobungsevents hat oder ob man das als Paar einfach unter sich ausmacht.
Eine Sache, die mir persönlich ein echtes, ehrliches und brennendes Anliegen war, ist, dass ich vorher andere Menschen gefragt habe, was sie von uns als Paar denken.
Das heißt, ich habe gefragt, worauf wir in unserer Beziehung achten sollten, wo wir vielleicht daran arbeiten oder wachsen könnten, und was sie davon halten würden, wenn wir heiraten würden.
Ich kann mich gut erinnern: Ich habe meine Mama gefragt, meinen Bruder, unseren Hauskreis, deine Freunde, deinen Pastor – und jetzt kommt’s – ich habe deine Eltern gefragt. Und zwar ohne dass du davon wusstest.
Nicht nach dem Motto: „Oh, jetzt reden mal die Erwachsenen und das Frauchen ist nicht dabei.“ Quatsch! Sondern nach dem Motto: Stell dir vor, jemand möchte mit dir ganz offen über die Beziehung zu deiner Tochter sprechen – also die Beziehung, die er mit deiner Tochter hat.
Könntest du dir vorstellen, da frei von der Leber weg zu sprechen? Oder würdest du nicht immer Rücksicht nehmen wollen auf den Menschen, der gerade daneben sitzt?
Das wollte ich nicht. Ich wollte, dass deine Eltern und ich in Ruhe und allein reden konnten. Das war mir wirklich wichtig – über uns, über mich – und dass sie mir auch sehr persönliche Fragen stellen konnten.
Das fand ich total okay und wollte ich so. Außerdem wollte ich bei deinem Vater und deinen Eltern um Erlaubnis bitten, um deine Hand anzuhalten.
Das war mir ein ganz, ganz großes Anliegen. Ohne dass jemand von außen reinredet oder sie sich selbst zensieren oder auf die Lippe beißen mussten. Sondern dass sie ganz offen und ehrlich sagen konnten, was sie denken.
Wichtig war auch, dass sie jedes Recht hatten – und auch wahrgenommen haben –, „Nein“ zu sagen. Oder auch etwas zu sagen wie: „Weißt du was? Warte noch ein bisschen, lass uns in einem halben Jahr noch einmal reden.“ Das ist völlig legitim.
Männer, ganz ehrlich: Das war super aufregend. Ich war völlig nass geschwitzt, keine Frage. Aber ich bin so froh, dass es so war.
Das hat auch zwischen deinen Eltern und mir ein ganz tiefes Vertrauensverhältnis geschaffen. Das war ein ganz wichtiger Punkt – auch in der Beziehung, die ich mit deinen Eltern habe, und damit natürlich auch für unsere spätere Ehe.
Wie gesagt, das muss man nicht so machen. Aber ich weiß auf jeden Fall, dass es der absolut richtige Schritt war.
Fazit zur Beziehungsphase
Also, unser Fazit: Was glauben wir, ist in der Beziehungsphase gut?
Zum einen habt ihr immer noch Zeit, euch um die Innenpolitik zu kümmern. Das bedeutet, zunächst zwischen euch beiden zu klären, welche Themen wirklich wichtig sind. Dabei baut ihr auf der Datingphase auf und arbeitet die letzten Must-have-Themen ab, die noch geklärt werden sollten.
Zum anderen kommt die Außenpolitik hinzu. Das heißt, ihr tretet als Paar in eurem Freundeskreis und in der Gemeinde auf. Außerdem lernt ihr auch die Familien des anderen kennen. Wenn alles gut läuft, wird das dann auch deine Familie.
