Der Beginn der Einladung und die Bedeutung der Gegensätze
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 705: Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl, Teil vier.
Jesus hat in seinem Gleichnis gerade davon gesprochen, dass der König neue Gäste einlädt. Dazu schickt er seine Knechte aus.
Matthäus 22,10:
Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, die sie fanden, böse wie gute; und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.
Der Plan des Königs geht also auf, der Hochzeitssaal füllt sich.
Frage: Was soll die Formulierung „böse wie gute“?
Antwort: Wir haben es hier mit einem Merismus zu tun. Ein Merismus ist eine rhetorische Figur, bei der zwei gegensätzliche Begriffe genannt werden, um die Gesamtheit eines Bereichs zu beschreiben. Es geht dabei nicht um die Aufzählung der zwei Eckpunkte, sondern um die Darstellung des Bereichs, der zwischen diesen Eckpunkten liegt.
Ein Beispiel findet sich in Psalm 121,8:
Der Herr wird deinen Ausgang und deinen Eingang behüten, von nun an bis in Ewigkeit.
Wenn ein Israelit ausgeht, verlässt er das Haus zur Arbeit, auf Reisen, in potenziell unsichere Situationen hinein. Wenn er eingeht, kommt er wieder heim, in Sicherheit und Ruhe. Indem der Psalmist beide Endpunkte nennt, sagt er: Gott bewahrt dich auf deinem ganzen Lebensweg, nicht nur am Anfang und am Ende, sondern in allen Momenten dazwischen. Der Merismus „Ausgang und Eingang“ beschreibt also die Zeit, die zwischen dem Aufbruch und der Rückkehr liegt.
Genau so ist es bei Matthäus. Matthäus 22,10:
Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, die sie fanden, böse wie gute; und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.
Wenn hier steht „böse wie gute“, dann ist das ebenfalls ein Merismus. Es geht nicht darum, die Gäste in zwei moralische Kategorien aufzuteilen, hier die Guten und dort die Bösen. Vielmehr will der Herr Jesus beschreiben, dass alle Menschen, egal woher sie kamen, welchen Beruf sie ausgeübt haben oder auch welche Sünden sie begangen hatten, von den Knechten eingeladen worden sind. Genau so, wie es ihr Auftrag war.
Matthäus 22,9:
So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.
Die Einladung gilt allen, doch Reue und Glaube bleiben entscheidend
Aber ist das nicht trotzdem komisch, dass Jesus davon spricht, dass auch die Bösen eingeladen werden? Ja, es ist definitiv etwas provokativ. Aber wir müssen nur zwei Gleichnisse zurückgehen, zum Gleichnis von den zwei Söhnen. Das hatte Jesus ja auch zu den Pharisäern und Schriftgelehrten gesprochen. Und wie war dort sein Fazit? Matth. 21,31-32
Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. Denn Johannes kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht. Die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm. Euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, sodass ihr ihm geglaubt hättet.
Wir merken: Wenn es darum geht, wie man ins Reich Gottes hineinkommt, dann hat das etwas mit Reue und Glauben zu tun. Das wissen wir bereits. Die Bösen, die ins Reich Gottes kommen, bleiben nicht böse. Nur ist das im Gleichnis vom Hochzeitsmahl nicht der Punkt. Hier geht es darum, dass alle eingeladen sind. Der Hochzeitssaal wird voll von Gästen. Und eigentlich hätte das Gleichnis an dieser Stelle aufhören können, tut es aber nicht.
Der unerwartete Gast ohne angemessene Kleidung
Matthäus 22,11 Als aber der König hereinkam, um die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war.
Es erscheint logisch, dass der König irgendwann in den Hochzeitssaal tritt, um sich die Gäste anzuschauen, die seine Knechte auf den Landstraßen und an den Kreuzungen gefunden hatten. Außergewöhnlich ist, was er vorfindet, nämlich einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war.
Wir bekommen hier keine weiteren Informationen über das Hochzeitskleid. Natürlich ist es normal, dass man sich bei einer Hochzeit entsprechend anzieht. Deshalb ist es merkwürdig, dass der König einen Gast sieht, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. Also spricht er ihn darauf an.
Matthäus 22,12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte.
Der Gast sagt nichts. Wahrscheinlich ist ihm bewusst, dass er hätte anders angezogen sein müssen. Er gibt jedenfalls keine Erklärung.
Da ist also jemand, der sich hat einladen lassen, der auch auf dem Fest erscheint, der sich aber nicht angemessen anzieht. Er passt nicht zu den anderen Gästen, und dieses Nichtpassen ist so schlimm, dass der König ihn entfernen lässt.
Matthäus 22,13 Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis. Da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
Der Gast fliegt hochkant aus dem Hochzeitssaal hinaus. Hier geht es sprachlich allerdings nicht mehr nur um die Geschichte selbst, sondern Jesus spricht jetzt über eine Realität dahinter. Die Formulierungen äußere Finsternis sowie Weinen und Zähneknirschen sind Formulierungen, mit denen Jesus vom endgültigen Verlorengehen redet.
Einfach gesagt: Der Hinausgeworfene landet in der Hölle. Warum? Weil er kein Hochzeitskleid getragen hat.
Was das Hochzeitskleid bedeuten könnte
Frage: Wofür steht das Hochzeitskleid?
Antwort: Wir wissen es nicht genau. Ausgehend von der Geschichte kann es sich um ein Kleidungsstück handeln, das der König seinen Gästen zur Verfügung gestellt hat. Das Hochzeitskleid wäre dann Gottes Rettung und Gerechtigkeit, mit der er die Gläubigen beschenkt.
Ein schöner Gedanke, denn wie heißt es bei Jesaja, Jesaja 61,10: Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan.
Das ist eine Möglichkeit. Natürlich könnte das Hochzeitskleid auch ein Hinweis auf die gerechten Taten der Gläubigen sein. Wir werden ja gerecht gemacht, um gerecht zu leben. So heißt es bei Johannes, 1. Johannes 3,7: Kinder, niemand verführe euch! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie er gerecht ist.
Und in der Offenbarung lesen wir einen Text, der sich inhaltlich ganz eng an unser Gleichnis anlehnt, Offenbarung 19,7-8: Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht. Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleidete in feine Leinwand, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen.
Das ist also die andere Möglichkeit: das Hochzeitskleid als ein Bild für die gerechten Taten der Heiligen. In unserem Gleichnis gibt es keinen abschließenden Hinweis. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, das Hochzeitskleid steht für eine Haltung. Und welche das ist, schauen wir uns in der nächsten Episode an.
Ein Ausblick und der Abschluss mit Segenswort
Was könntest du jetzt tun? Suche doch mal durch eine Internetabfrage nach zehn Beispielen für den Gebrauch des Merismus im Deutschen. Das war’s für heute.
Wenn du für den geistlichen Dienst von Familie Fischer beten würdest, wäre das super. Drei aktuelle Anliegen findest du in der App.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.