
Johannesevangelium 1,35-42 Warum Folgen die Jünger Jesus nach?
Johannes 1,35-4205.01.2020
Serie•Teil 8 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein neuer Blick auf den Anfang des Evangeliums
Das Jahr 2020 hat begonnen. Wir sind weiterhin im Johannesevangelium unterwegs, und ihr merkt, wir nähern uns langsam dem Ende des ersten Kapitels. Ich weiss nicht, ob es euch geht wie mir. Ich rechne langsam hoch. Ich sage: Okay, wir werden zehn Predigten brauchen für das erste Kapitel. Und dann kann man ja überlegen, wie viele Kapitel das Johannesevangelium hat. Nicht alle sind gleich lang, aber so. Wir werden uns noch eine Weile damit beschäftigen. Es wird noch die eine oder andere Neujahrspredigt geben, die anfängt mit: Wir sind noch im Johannesevangelium.
Kurze Erinnerung: Johannes berichtet viele Dinge, die von anderen Evangelien weggelassen werden. Also Johannes ist einer, der die Lücken füllt. Und eine Merkwürdigkeit, die einem beim Lesen der sogenannten Synoptiker, also bei Matthäus, Markus und Lukas, glaube ich, sofort aufstösst, ist folgende: Sie berichten die Geschichte Jesu. Und ganz am Anfang, wo Jesus mit seinem Dienst beginnt, kommt er an den See Genezareth, und er trifft dort auf Petrus, Andreas, Johannes und Jakobus. Ja, die sind gerade dabei zu fischen, und er kommt dahin und sagt: Folgt mir nach! Und die machen das einfach.
Also ich weiss, als ich das das erste Mal las, dachte ich: Warum? Also da kommt einer und sagt: Folgt mir nach. Und die lassen einfach Beruf, Familie, Freunde so einfach hinter sich und folgen diesem Wanderprediger, einem, den sie anscheinend gar nicht kennen. Also ich habe euch da mal so die Geschichte mitgebracht. Das hört sich dann so an: Markus 1,16-20.
Als er aber am Galiläischen Meer, das ist der See Genezareth, entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen. Und sogleich verliessen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
Das ist doch komisch, das macht doch keiner. Also war mein erster Gedanke. Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. Und sogleich rief er sie, und sie liessen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und gingen fort, ihm nach.
Das liest man und denkt: Na ja, vielleicht waren die früher anders drauf. Aber eigentlich stellt sich die Frage: Warum sollte jemand Beruf, Familie, Freunde einfach so aufgeben, um einem Wanderprediger zu folgen, den er gar nicht kennt?
Antwort: Relativ simpel, weil er ihn eben doch schon kennt. Und weil dieses Zusammentreffen am See Genezareth eine Vorgeschichte hatte. Genau diese Vorgeschichte, wie das alles anfing, und dass das am Anfang eben doch nicht gleich so hip hip hurra und ich folge war, sondern dass das ein bisschen gebraucht hat, diese Vorgeschichte erzählt uns Johannes.
Die ersten Begegnungen am Jordan
Alles fängt mit den ersten Jüngern an, nämlich kurz nach der Taufe Jesu. In Johannes 1,35-36 heißt es:
Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern. Und als er Jesus ansah, der vorbeiging, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes.
Da fängt die Sache an. Kurz noch etwas zu dem Begriff Jünger: Er hat zwei von seinen Jüngern. Es war damals üblich, dass ein Rabbi, also ein Lehrer, Schüler hatte. Diese Schüler nennt man Jünger. Das ist für die damalige Zeit absolut nichts Besonderes.
Als Christen sind wir Jünger Jesu. Jesus selbst nennt uns so am Ende des Matthäusevangeliums. Da heißt es in Matthäus 28,19-20:
Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
Jesus beauftragt seine Jünger, neue Jünger zu machen. Und im Zentrum steht dabei neben der Taufe, die quasi so das Einstiegsritual ist, die Belehrung: Lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
Als Jünger Jesu sind wir Schüler. Wir lernen von Jesus, aber eigentlich lernen wir von anderen Jüngern, das zu bewahren, was Jesus geboten hat. Und weil uns das als Jünger Jesu so sehr interessiert, was Jesus geboten hat, weil wir so leben wollen, wie Jesus es uns heute gebietet, weil sich unser Denken und unser Verhalten um Jesus Christus dreht.
Also wenn dich jemand fragt: Warum machst du das so?, dann muss deine Antwort als Christ lauten: Na ja, wer macht das so? Das hat Jesus gesagt oder hat mir Jesus vorgemacht. Das passt irgendwie zu diesem Jesus, dem ich nachfolge.
Vom Jünger zum Christen
Weil das so ist und weil das immer so war, kommen erst viel später Außenstehende auf die Idee, diese Jesusjünger mit einem anderen Begriff zu bezeichnen, nämlich mit dem Begriff „Christen“.
Also sind Jesu Jünger zunächst einfach Jünger Jesu. Dann bekommen Leute mit, die sich fragen: Wem folgst du? Und dann merken sie: Die folgen einem, der heißt Jesus Christus, Jesus der Messias. Irgendwann sagen die Leute dann: Wir haben einen anderen Namen für euch. Wir nennen euch jetzt nicht mehr Jesusjünger, ihr seid jetzt Christen.
In Apostelgeschichte 11,26 passiert das. Es geschah ihnen, Barnabas und Paulus, dass die Jünger zuerst in Antiochia, irgendwo in Syrien, Christen genannt wurden.
Also die Frage: Sind alle Christen Jünger? Ja, wir sind zuerst einmal Jünger. Und dann kannst du die Frage stellen: Wem folgen wir? Jesus Christus. Und deswegen sind wir eben als Jünger Jesu auch Christen.
So, das war nur so ein kleiner Einschub, damit man das einmal mitbekommt: Wo kommt das her?
Zurück zu Johannes dem Täufer, zurück zum Jordan. Johannes ist so ein Rabbi. Er hat zwei Schüler. Der eine von ihnen hat keinen Namen, der andere ist Andreas. Der ohne Namen hat natürlich einen Namen, aber er nennt ihn nie, nirgendwo im Johannesevangelium. Und ihr ahnt schon, warum: Ganz einfach, es handelt sich um Johannes selbst. Die Apostel sind da ein Stückchen zurückhaltend, wenn sie von sich selbst reden.
Wir gehen jetzt einfach einmal davon aus, dass das Johannes war. Wenn jemand Lust auf diese Einleitungsfrage hat, mag er mich gerne ansprechen. Ich habe ein bisschen Literatur dazu und kann euch da ein bisschen mehr geben. Aber alle anderen leben damit, dass wir hier mit Andreas und Johannes zu tun haben: Jünger von Johannes dem Täufer, die einfach viel Zeit mit ihrem Rabbi verbringen, die von ihrem Rabbi Johannes dem Täufer lernen wollen.
Und jetzt hören sie, während sie so mit ihrem Rabbi unterwegs sind, was der über Jesus sagt: Siehe, das Lamm Gottes.
Der Ruf, Jesus zu folgen
Na ja, und das kann man sich ja vorstellen: Wenn jetzt schon mein Rabbi sagt, da steht die Nummer eins, dann macht es vielleicht Sinn, wenn man sowieso jemand ist, der geistlich lernen will, zu sagen: Okay, dann gehe ich mal, dann suche ich mir vielleicht den.
Wenn Johannes selber mir sagt: Schau mal, das ist er, das ist das Lamm Gottes; wenn du dich mit jemandem beschäftigen willst, der deinem Leben richtig Sinn und Ziel und alles Gute geben kann, da ist es!
Vers 37: Und es hörten ihn die zwei Jünger reden. Na ja, und die haben die Entscheidung getroffen und folgten Jesus nach. Sie haben vorher Johannes dem Täufer nachgefolgt und jetzt Jesus. Also: Aus zwei Jüngern des Johannes werden zwei Jünger Jesu. Sie folgten Jesus nach.
Für Andreas und Johannes bedeutete das ganz praktisch, bei Jesus zu sein. Also dorthin zu gehen, wohin Jesus ging, aufmerksam auf die Predigten zu hören, die Jesus gehalten hat, vielleicht auch mal eine kluge Frage zu stellen, wenn man nicht alles verstanden hat, und dann natürlich auch ihrem Meister, ihrem Rabbi, zu Diensten zu sein.
Was macht Jesus? Verse 38, 39: Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen. Das ist ja auch lustig: Du gehst irgendwie spazieren, und plötzlich laufen dir so zwei Typen hinterher. Überleg dir das mal. Du drehst dich um und sagst: Hä, was macht ihr denn da? So ein bisschen Stalking-mäßig.
Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und spricht zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi. Aha, da kommt schon dieser Gedanke. Rabbi, was übersetzt heißt: Lehrer. Das ist ein Wort der Anerkennung. Da wird dann schon klar: Wir wollen dich als Rabbi. Wir sehen dich als Rabbi. Und jetzt der Wunsch, mit diesem Rabbi Zeit zu verbringen.
Sie aber sagten zu ihm: Rabbi, wo hältst du dich auf? Und jetzt muss der Rabbi entscheiden: Will ich die beiden oder will ich sie nicht? Man kann sagen: Geht euch gar nichts an, macht mal eine Fliege. Dann ist das das gewesen mit der Jüngerschaft.
Jesus sagt in Vers 39: Er spricht zu ihnen: Kommt, und ihr werdet sehen. Sie kamen nun und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde.
Für alle Leser des Johannes-Evangeliums ganz wichtig: Johannes zählt im Gegensatz zu den Synoptikern, also im Gegensatz zu Matthäus, Markus und Lukas, nach der römischen Zählweise. Die Römer haben den Tag eingeteilt in zweimal zwölf Stunden. Okay, das geht um Mitternacht los, mit den ersten zwölf, und dann der Nachmittag. Das heißt, es war um die zehnte Stunde, heißt: Es war etwa zehn Uhr vormittags. Und da merkt man: Da ist noch ein ganzer Tag. Da hat man noch ein bisschen Zeit, zueinander kennenzulernen.
Jesus hat jetzt in diesem Moment, wo er sagt: Okay, ihr könnt kommen, bleibt bei mir, Jesus hat seine ersten beiden Jünger, nämlich Andreas und Johannes.
Ein neuer Name und ein neuer Auftrag
Interessanterweise bleibt es nicht bei den Zweien. In Vers 40 heißt es:
Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den zwei, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren.
Also, das wissen wir jetzt: Andreas. Was macht er? Er findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon. Da macht er sich auf die Suche. Da habe ich doch noch meinen Bruder irgendwo hier, dann muss ich ihn mal finden.
Da waren ja mehr Leute. Wenn ihr euch das vorstellt: Da sind Tausende von Leuten, die dort wie in einer Zeltstadt übernachten. Du weißt nicht gleich, wo der ist. Du kannst auch nicht einfach eine SMS schicken und sagen: Komm doch mal hierher, was weiß ich, her. Sondern man musste suchen gehen.
Er findet dann seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, was übersetzt ist: Christus. Wir haben den Messias gefunden.
Und er führte ihn zu Jesus.
Wir merken jetzt erst einmal, warum Andreas und Johannes so bereitwillig ihren ersten Rabbi, Johannes den Täufer, im Stich gelassen haben. Wir haben den Messias gefunden, lateinisiert: Christus. Das heißt, wir haben den gefunden, durch die Vermittlung von Johannes, aber wir haben den gefunden, auf den wir alle warten. Wir haben endlich, endlich den Christus, endlich den Messias. Komm, ich möchte ihn dir zeigen, komm mit!
Bevor wir weitermachen, noch eine kurze Feststellung: Die Religion, der wir angehören, wenn wir uns Christen nennen, hat im Zentrum eine Person. Ich sage das nochmal: Es ist so ein banaler Satz, aber er ist das entscheidende Kriterium, an dem sich das, was wir glauben, komplett unterscheidet, glaube ich, von allen anderen Religionen und Ideologien, die es so auf dieser Welt gibt.
Die Religion, der wir angehören, wenn wir uns Christen nennen, hat eine Person zum Zentrum. Es geht beim Christentum darum, den Messias zu finden und sein Jünger zu werden und ihm ganz praktisch nachzufolgen.
Also, was auch immer für dich Christsein bedeutet: Wenn es nicht ganz wesentlich damit zu tun hat, dass Jesus auf die praktischste Weise dein Rabbi, dein Lehrer wird, wenn du nicht konstant dabei bist, von ihm zu lernen, auf ihn zu hören, ihm zu folgen, wenn da irgendetwas anderes in deinem Leben als Christ wichtiger ist, dann fehlt dir das Zentrum.
Das Zentrum unseres geistlichen Lebens ist eine Person. Und wir stehen, Paulus sagt das mal, als Christen unter dem Gesetz des Christus. Das heißt: Jesus und das, was er gesagt hat, wofür er steht, was ihm wichtig ist, das ist in meinem Leben die oberste Autorität.
Berufung als Antwort auf die Begegnung mit Jesus
Und jetzt passiert Folgendes: Wenn es in unserem Leben diesen Punkt gibt, der eben beschrieben wurde, dass wir entschieden haben, Jünger Jesu zu werden, wenn wir zu Jesus gekommen sind und diese Frage im übertragenen Sinn selbst gestellt haben: Wo hältst du dich auf, wie kann ich dir nachfolgen?, dann beschenkt uns Gott durch die Nachfolge mit zwei Dingen, die jeder Mensch ganz wesentlich für sein Leben braucht.
Der Moment, in dem wir in die Nachfolge eintreten, ist der Moment, in dem wir zwei Dinge bekommen: erstens eine Berufung und zweitens den Zugang zu Gott. Ich könnte das auch anders formulieren: Wir finden Gottes Auftrag für unser Leben, und wir finden Gottes Gegenwart in unserem Leben. Oder noch ein bisschen kürzer: Wir finden den Sinn, und wir finden den Sinngeber.
Und deswegen heißt die Predigt heute: „Jesus folgen – Segen im Doppelpack. Teil eins“. Diesen ersten Teil möchte ich mit euch anschauen. Ihr ahnt es schon: Nächste Woche geht es mit Teil zwei weiter.
Heute also dieser Punkt: In dem Moment, in dem ich Jesus begegne und mich entscheide, ihm zu folgen, zu sagen: Du bist für mich der Fixpunkt und das Zentrum meines Lebens, ich will auf dich hören, in diesem Moment finde ich als ersten Segen meine Berufung.
Woran mache ich das fest? Schaut euch das an: Johannes 1,42. Andreas mit seinem Bruder Petrus im Schlepptau, und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du wirst Kephas heißen, was übersetzt wird: Stein.
Und das hier, Kephas, das Aramäische, wird dann in anderen Sprachen auf Griechisch als Petros und in Lateinisch als Petrus übersetzt. Daher kommt der Name. Zu diesem Zeitpunkt, als er da ankommt, ist er erst einmal nur Simon, Sohn des Johannes. Und jetzt sagt Jesus: Du wirst Kephas, du wirst Stein heißen.
Das heißt: In dem Moment, in dem Petrus vor Jesus steht und in ihm diesen Messias findet, sagt Jesus zu ihm: Ich gebe dir einen neuen Namen. Wer ein bisschen Ahnung von Bibel und Namen hat, der weiß: Namen sind in der Bibel Programm. Wenn ich dir einen Namen gebe, dann bist du das. Wer die Offenbarung einmal gelesen hat, weiß: Ganz am Anfang bekommen wir einen neuen Namen. Das ist etwas ganz Großartiges. Gott spricht uns mit dem Namen immer auch eine Identität zu. Und hier ist das auch so.
Ein bisschen später erklärt Jesus genauer, was der Name bedeutet, in Matthäus 16,18-19: Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches werden sie nicht überwältigen. Das Totenreich wird in der Auseinandersetzung mit diesem neuen Reich Gottes, mit der Gemeinde, keine Chance haben. Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben.
So wie ein Haus ein Fundament besitzt, so wird Petrus, der Fels, zum Fundament für die Gemeinde. Er bekommt die Schlüssel des Reiches der Himmel, und er schließt auf. Er ist es, der an Pfingsten die entscheidende Predigt hält, mit der er tatsächlich Tausenden von Menschen den Weg ins Reich Gottes weist. Er schließt wirklich auf. Er macht die Tür auf und sagt: So, Freunde, das war es jetzt.
Die Predigt schließt er mit den Worten ab: Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn, gemeint ist Jesus, sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Damit ist die Tür auf. Wie werde ich gerettet? Wie komme ich in den neuen Bund? Was ist überhaupt der neue Bund? Was ist neu? Worum geht es?
Da steht dieser Petrus und sagt: Ich erkläre es euch einmal rasch. Tür auf, da hat jemand den Schlüssel genommen, aufgeschlossen, und jetzt strömen die Massen hinein. Und dann hören die Leute diese Predigt, sind betroffen und fragen: Was sollen wir tun? Und es ist wieder Petrus, der die Antwort gibt: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
Wir merken also: Ganz am Anfang – ich könnte weitermachen, da gibt es noch eine zweite Pfingstpredigt – ist Petrus tatsächlich das Fundament, der Fels, auf dem Jesus seine Gemeinde baut. Er ist die Schlüsselfigur. Und genau das deutet Jesus hier bei der ersten Begegnung schon an. In der Begegnung mit Jesus erfährt Petrus seine Berufung. Und jetzt wage ich einen Schritt, ich wage zu sagen: Wir auch. Dasselbe gilt für uns.
Was Berufung für uns heute bedeutet
Warum? Warum erfahren wir unsere Berufung in der Begegnung mit Jesus?
Weil die eigene Berufung zu finden nichts anderes ist, als Gottes Willen für mein Leben zu erkennen. Wisst ihr, ich suche mir mein Leben nicht aus, ich bekomme es zugeteilt. Und deswegen sind unsere Leben auch so herrlich unterschiedlich. Und das Leben, das Gott mir gibt, spielt in Gottes Heilsgeschichte eine Rolle.
Nicht jeder von uns ist ein Petrus. Es muss auch ein paar Andreasse geben. Andreas ist derjenige, der seinen Bruder Simon Petrus zu Jesus hinbringt, der vor ihm gläubig wird. Und dann wissen wir eigentlich nichts mehr über ihn. Er taucht dann auch nicht mehr groß in der Bibel auf. Die Kirchengeschichte sagt, er sei irgendwann unter Nero gekreuzigt worden, deswegen gibt es das Andreaskreuz. Na super, aber das ist nur Kirchengeschichte.
Es muss auch die Andreasse geben, die nicht so bekannt sind. Also ist es nicht wichtig, wie bekannt du bist. Wichtig ist, dass du begreifst: Ich bin berufen.
Und wenn es um Berufung geht, dann ist Petrus so etwas wie ein Prototyp, weil wir nämlich alle dazu berufen sind, Reich Gottes zu bauen. Wenn du dich fragst, was der Wille Gottes für mein Leben ist, dann ist die Antwort: Der Wille Gottes ist, dass du zur Ehre Gottes lebst. Und deshalb gibt es in diesem Leben tatsächlich für einen Christen keine andere Berufung, als dass er Gemeinde Gottes baut.
Genau genommen ist es so: Jesus baut seine Gemeinde, und wir machen an der Stelle damit weiter, wo Gott uns mit unserem Leben hingestellt hat. Also Jesus selbst gibt, wenn es um Gemeinde und um Reich Gottes geht, den Startschuss vor über zweitausend Jahren, und wir sind heute die, die in dem Moment, wo sie ihm begegnen, anfangen, ihm nachzufolgen, sich dafür entscheiden, diese Berufung anzunehmen und weiterzubauen.
Warum bist du noch hier? Und die Antwort lautet: um Reich Gottes zu bauen.
Unsere Berufung ist nicht, und zwar für niemanden, Familie, Karriere, Gesundheit, Wohlstand oder ein langes Leben. Unsere Berufung ist es, dort weiterzumachen, wo Jesus aufgehört hat. Am Ende des Johannesevangeliums werden wir lesen, dass der Herr Jesus sagt: Wie der Vater mich ausgesandt hat, so sende ich auch euch.
Wisst ihr, das Reich Gottes ist ein unerschütterliches Reich, es besteht in Ewigkeit. Und deswegen ist das Reich Gottes das einzige Ziel, für das es sich lohnt, wirklich ein Leben zu investieren.
Wer eine Firma baut, und wir dürfen das tun, also bin ich nicht dagegen, definitiv nicht, aber wer eine Firma baut, der weiß, dass seine Firma in wenigen Jahrzehnten keinerlei Bedeutung mehr haben wird. Wenn jemand eine Familie gründet, sei dir darüber im Klaren: Deine Urenkel wissen deinen Namen nicht mal mehr. Das ist die Realität, außer du hast so einen Ahnenforscher-Urenkel, der dann Spaß hat, einen Stammbaum zu malen. Aber wenn du den nicht hast, bist du vergessen. Entschuldigung, wenn ich das so sage.
Wenn du dich gesund ernährst und Sport treibst, dann weißt du: Es braucht einen Fahrradunfall oder einen Herzinfarkt, und alle deine Bemühungen finden ein abruptes Ende.
Diese Sehnsucht nach Ewigkeit in unserer Seele, die Sehnsucht nach einem wirklich sinnvollen Leben, kann genau eine einzige Berufung, ein einziges Ziel stillen, und das ist das Reich Gottes.
Leben in der Nachfolge und der Blick nach vorn
Und das ist auch der Grund, warum Jesus zuerst Petrus und dann allen seinen Jüngern denselben Auftrag gibt.
Das sehen wir in Lukas 5 nach einem ganz merkwürdigen, außergewöhnlichen Fischfang. In Lukas 5, die Verse 8 bis 10, habe ich das ein bisschen geglättet, heißt es sinngemäß: Als Simon Petrus es sah, dass ganz viele Fische gefangen worden waren, und das zu einer Zeit, in der es eigentlich gar nicht üblich war, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr. Denn Entsetzen hatte ihn erfasst.
Und was sagt Jesus jetzt? Jesus sprach zu ihm: Fürchte dich nicht. Von nun an wirst du Menschen fangen.
Petrus wird zum Menschenfischer berufen, aber eben nicht nur Petrus. In Markus 16,15 spricht Jesus zu ihnen, also zu allen Aposteln: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
Reich Gottes bauen, Menschenfischer werden, Zeugen sein, das Evangelium predigen – das ist die Berufung aller. Das sind wir. Deswegen sind wir hier. Und es ist wichtig, dass wir das verstehen.
Bevor wir Jesus begegnen, definieren wir selbst, wer wir sind. Okay, das ist falsch. Also falsch deshalb, weil wir vielleicht denken, dass wir uns selbst definieren. Aber wisst ihr was? Unsere Biografie hat da ein ganz schönes Wörtchen mitzureden.
Ich suche mir meine Eltern nämlich nicht aus. Also, ich bin ja nicht so ein Embryo, der sagt: Was gibt es denn im Angebot an Eltern? Ich suche mir meine Eltern nicht aus. Ich suche mir die Lebensumstände nicht aus, in die ich hineingeboren werde. Ich suche mir noch nicht einmal das Jahrhundert aus, in dem ich geboren werde. Ich suche mir auch nicht meine Mitschüler aus oder das Wetter an Weihnachten. Ich werde einfach in so ein Leben hineingeworfen.
Ich habe versucht, ein Bild dafür zu finden: Es ist, als würdest du einen kleinen Hund nehmen und ihn von einer Brücke in den Fluss plumpsen lassen. So kommst du auf die Welt. Und während du feststellst, dass du davon treibst und irgendwie hektisch kraulst, musst du dich herumschauen und sagen: Wo bin ich eigentlich? Das ist Leben. Das ist Leben.
Und das ist auch der Grund, warum der Mensch ohne Jesus gar nicht anders kann, als einfach drauf loszuleben. Der hat einfach gar keine Ahnung, was das Ganze soll. Er ist einfach mittendrin und muss jetzt irgendwie schauen: Wie komme ich hier durch? Wie komme ich nicht völlig unter die Räder? Wie gehe ich nicht unter und saufe völlig ab? Das ist das, was der normale Mensch denkt.
Und der Prophet Jesaja hat ein schönes Bild. Er sagt in Jesaja 53,6: Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg. Genau das Leben ohne Jesus ist so ein Herumirren. Und das geht so lange, bis wir zu Jesus finden.
Warum ist das so? Weil wir jemanden brauchen, der uns das Leben erklärt. Wir brauchen jemanden, der ein zutiefst guter Hirte ist, dem wir vertrauensvoll folgen können, wie wir es vorhin in den Zeugnissen gehört haben, auch durch schwierige Zeiten. Einfach, weil er uns Orientierung gibt. Weil er uns versprochen hat, uns ans Ziel zu bringen.
Wir brauchen jemanden, der unser Leben aus einer göttlichen Perspektive sieht und weiß, wie das, was uns so verworren und nicht ganz schlüssig vorkommt, doch irgendwie zusammenpasst. Wir brauchen einen, dem wir vertrauen können, weil er es gut mit uns meint, und der uns dabei hilft, während wir strampeln, mitten im Chaos so zu leben, dass es doch irgendwie passt. Wir brauchen einen, der auf uns aufpasst und uns hilft. Und genau das will Jesus sein.
Als alter Mann wird Petrus das dann so formulieren. Er wird sagen in 1. Petrus 2,25: Denn ihr ginget in die Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.
Aus Menschen, die sich verirrt haben, werden Menschen, die einem Hirten folgen und so ihre Berufung leben. Einfach deshalb, weil ihr Leben in dem Moment, wo sie das tun, plötzlich Teil einer viel größeren Idee wird. Wir bauen Reich Gottes. Versteht ihr? Wir bauen nicht mehr unser eigenes Reich. Ich baue Reich Gottes. Ich folge Jesus. Ich irre nicht mehr, getrieben vom Zeitgeist oder von den Ideologien oder von den Ideen der Trendsetter. Ich irre nicht mehr herum, sondern ich folge dem guten Hirten, der echtes Leben schenken will.
Oder wie drückt Jesus sich selber aus? Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben.
Das bedeutet es, die eigene Berufung zu finden: einen Hirten finden, Leben finden, wissen, wozu ich hier bin, nämlich um sein Reich zu bauen und ein Zeuge dafür zu sein, dass Jesus einfach mal genial ist. Dafür bist du da.
Lasst uns das Leben nicht komplizierter machen, als es ist. Wir sind hier, weil wir eine Berufung haben. Wir haben diese Berufung bekommen in dem Moment, wo wir vor Jesus standen und in ihm den Messias gefunden haben. Wir haben erlebt, was es heißt, Vergebung, Versöhnung und Frieden mit Gott zu besitzen. Und wir haben die Berufung, so zu leben, dass andere Menschen etwas von dieser Vergebung, dieser Versöhnung und diesem Frieden erfahren.
Und deshalb sind wir hier. Wir sind hier, weil Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Und deshalb dürfen wir nicht schweigen.
Auch wenn Gott, mir ist das völlig klar, heute weitgehend out ist und es ein bisschen so erscheint, als würde sich keiner mehr dafür wirklich interessieren, liegt es nahe zu sagen: Okay, wenn keinen Gott interessiert, dann lasse ich halt auch mein Leben um Familie, Karriere oder Hobby drehen. Nein, lasst uns das bitte, bitte nicht tun. Und zwar einfach deshalb, weil unsere Berufung eine Berufung auf Leben und Tod ist. Und deshalb dürfen wir unsere Berufung, die wir haben, nicht leicht nehmen.
Es kann sein, dass wir nicht die Petrusse sind, nicht Fundament einer riesigen Bewegung. Du predigst einmal, 3000 Leute kommen zum Glauben. Stell dir das vor, das hat schon was. Also, dafür würde ich viel geben, wahrscheinlich mein Leben, um das einmal zu erleben.
Vielleicht ist es so, dass wir nicht mal im letzten Jahr erlebt haben, dass auch nur eine Person durch uns zum Glauben gekommen ist. Das kann sein. Und trotzdem: Wir haben ein neues Jahr vor uns, 2020. Lasst uns in 2020 bitte, bitte nicht mutlos werden. Lasst uns nicht verkriechen. Lasst uns einfach nicht aufhören, Zeugen zu sein. Nicht aufhören, damit wenigstens darauf zu hoffen und dafür zu beten, dass Menschen durch uns zum Glauben finden.
Der Satz ist mir wichtig, den ich hier angeschrieben habe: Wir können Bekehrungen nicht machen, aber wir können unsere Berufung leben, indem wir Gottes Reich zum Zentrum unseres Träumens machen.
Ich kann nicht dafür sorgen, dass jemand zum Glauben kommt. Aber ich kann dafür sorgen, dass, wenn du mich fragst: Jürgen, worüber denkst du nach, wenn du freie Zeit hast? Was ist das, was dich vielleicht auch manchmal nicht schlafen lässt? Was ist das, wo du deine Prioritäten, deine Zeit, deinen Intellekt, alles investierst, was du so hast? Dann kann ich sagen: Ich möchte einer sein, der das Reich Gottes zum Zentrum seines Träumens macht.
Ich möchte immer noch davon träumen, wie das wäre, wenn 2020 ein Jahr der Erweckung wäre. Wenn 2020 die Menschen, für die ich schon lange bete – und ihr auch, wir haben alle miteinander viele Leute auf unseren Gebetslisten, die noch nicht zum Herrn gefunden haben – zum Glauben kämen. Was würde ich dafür geben, wenn 2020 das Jahr wäre, in dem zehn Leute aus meiner Zigarrenlounge sagen: Ich möchte mit dir in der Bibel lesen, und wir dann im Bibelstudienkreis anfangen. Versteht ihr? Und plötzlich entsteht da einfach etwas, und Menschen sind offen fürs Evangelium. Was würde ich dafür geben?
Und lasst uns dafür träumen. Und lasst uns in diese Richtung weiterdenken. Und lasst uns, wenn wir gemerkt haben oder jetzt vielleicht gerade merken: Oh, ich habe den Blick für meine Berufung irgendwie ein bisschen verloren, einfach nicht vergessen: Wir haben einen Herrn, der gerne vergibt. Wir dürfen ihm folgen, wir dürfen auf seine Stimme hören, und wir dürfen vielleicht ab und zu so wie Andreas bei seinem Bruder Petrus den einen oder anderen bei der Hand nehmen und zu Jesus bringen, damit auch sie ihm folgen und ihre Berufung finden.
Lasst uns dafür beten, dass das in 2020 gelingt. Und lasst uns dafür beten, dass alle Mutlosigkeit, alle Ängstlichkeit, alles Vergessen unserer Berufung wirklich hinter uns liegt und wir absolut freimütig in dieses Jahr hineingehen und Gott den Raum geben, dass er seine Zeugen sein kann.
Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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