Wir schließen heute die Reihe über Daniel ab und lesen dazu aus dem letzten
Kapitel des Danielbuches Kapitel 12 die Verse 1-3. Die letzten Kapitel sind
ja Durchblicke durch den Ablauf der Weltgeschichte und da heißt es:
1 Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk
eintritt, sich aufmachen. (Der Michael ist ein Vorbild für Jesus.)
Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist,
seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein
Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben sind. 2 Und viele, die
unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen
Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. 3 Und die da lehren,
werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit
weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.
Liebe Schwestern und Brüder. Ich beobachte heute immer wieder, dass man
sich das Evangelium leicht vom Hals halten kann. Ich hör immer wieder den
Satz, dass Leute sagen: Ach die Kirche, die will uns ja bloß Angst machen.
Haben Sie auch schon gehört. Die wollen uns bloß Angst machen. Ich erinnere
mich, wie ich junger Vikar war in Tuttlingen Hausbesuchen. Und ich hab das
mit großem Eifer betrieben und dann komm ich zu einer lieben alten
Großmutter und die hat ihren Enkel zum Hüten gehabt und hat ihre liebe Müh
diesen Udo in die Schranken zu weisen und dann hat sie schließlich um den
Udo ein wenig unter Druck zu setzen gesagt: Udo wenn du jetzt nicht brav
bist, dann nimmt dich der Vikar mit und schneidet dir die Ohren ab. Man
kann ja Angst machen, man kann ja Angst machen. Sie kennen das. Und ob das
nicht auch so ein Trick ist, dass man vom Tod redet, Sie nach Hause gehen
und sagen: Mensch es ging mir ganz tief unter die Haut heute im
Gottesdienst. Aber dann schüttelt man's ab wie die Regentropfen vom
Regenmantel und sagt: Ich lass doch nichts sitzen, jetzt, jetzt bin ich mal
wieder Mensch, jetzt lebe ich fröhlich meiner Tage hin. Ich muss Ihnen
sagen leider hat keiner von uns mehr den Mut mit dem Tod Angst zu machen.
Vielleicht wär es manchmal ganz gut, wir würden einem verrückten
Motorradraser oder einem, der raucht wie ein Schlot sagen: Mensch denk mal
was das heißt Sterben. Wir könnten ja ruhig mit dem Tode drohen. Es wäre in
vielen Situationen unseres Lebens eine Hilfe. Leider sind alle gleichgültig
geworden und wir als Verkündiger des Evangeliums wir haben eine große
Scheu. Ich glaub ich hab noch nie den Mut gehabt Sie auf den Tod hin
anzusprechen. Es wär sicher eine Hilfe für Sie gewesen, wenn ich nur einmal
den Mumm gehabt hätte zu sagen: Sind Sie bereit? Ist Ihr Leben geordnet?
Schlimm dass wir so feige sind. Stimmt ja gar nicht, dass uns irgendeiner
Angst macht. Der Tod meldet sich selber zu Wort und zwar ganz plötzlich. So
war's bei Ihnen und man war nicht drauf vorbereitet. Eigentlich wär's die
Sache, mit der wir uns fortwährend beschäftigen müssten, mit der wir uns
dauernd auseinandersetzen, weil es das sicherste Datum unseres Lebens ist,
auch wenn wir nicht genau wissen wann. Aber so etwa. Wir wissen es kommt
und dann sollten wir bereit sein. Aber wir sind gar nicht bereit und der
Tod kommt immer unvermutet, sogar bei den ältesten Menschen. Ganz
unvermutet. Sie haben gar nie dran gedacht, dass das jetzt passieren kann.
Und darum wirkt das so schwer und dann plötzlich sagen wir, wir haben nie
das für möglich gehalten. Uns ist der Boden weggezogen. Es wirkt auch
deshalb so schlimm, auf uns und ich weiß das doch aus vielen Begegnungen,
ich hab ja dauernd damit zu tun, wie das ist. Ich selber geh ganz schwer
auf Friedhöfe. Ich geh ungern auf die Intensivstation. Ich mache ungern bei
den Sterbenden Besuche. Doch, ich machs gern, weil ich weiß wie wichtig
das ist, aber es fällt mir so schwer dorthin zu treten und das zu spüren
und dann zu merken, da ist einer gar nicht bereit. Wir schieben das ja
gerne auf die lange Bank. In USA, da fangen ja alle Entwicklungen an, die
bei uns einige Jahre später kommen. Da hat man gelesen, dass schon vor
Jahren ein ganz findiger Mann, der unheilbar krank war bestimmt hat, dass
man seinen Leib in die Tiefkühltruhe legen sollte, ihn eingefrieren sollte
bis zu dem Zeitpunkt, dass ein Heilmittel gegen seine unheilbare Krankheit
gefunden ist. Er wollte doch dem Tod entfliehen und dann wollte er noch ein
letztes Schnippchen schlagen. Ob das medizinisch geht, oder ob das eine
Zeitungsente war, das weiß ich nicht. Aber so typisch für unsere Zeit
heute. Man will den Tod hinausschieben, unbewusst auf die Seite schieben
und es gelingt nicht. Er kommt plötzlich mit verstärkter Wucht. Ich las in
einem Referat eines großen Theologen, eines praktischen Theologen, dass das
beste wäre für uns Verkündiger angesichts des Todes einfach zu schweigen.
Psalm 39,10: Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun. Das ist eine
Hilfe, das ist eine Lösung. Nicht? Stimmt ja, der Tod ist so maßlos, so
mächtig, so groß und alle unsere Worte prallen ab. Wir fühlen uns so
hilflos. Wir merken, dass wir gar nichts mehr können vor dem Tod. Der Tod
ist die letzte Prüfung von allem was wir sagen. Nein, das ist schon
richtig, wir sollten lieber schweigen, vielleicht die Hand fassen, ein
Zeichen des stillen Gedenkens geben, ein Blumengebinde. Nur einer braucht
nicht zu schweigen. Jesus. Er schweigt nicht. Obwohl er noch einmal
unterstreicht wer der Tod ist. Der letzte Feind. Der letzte. Der größte,
der schlimmste. Mit dem keiner in seiner ganzen großen menschlichen
Eigenschaft und Größe fertig wird, sondern Jesus steht hin. Und spricht dem
Tod das Recht ab. Jesus zeigt seine ganze Macht am Grab, am Sarg, auf dem
Friedhof. Und da fängt die Osterfreude und der Osterjubel an und darum
machen wir den Mund auf, darum reden wir, darum können wir auch nicht
schweigen, um Jesu willen müssen wir reden. Und das ist für uns heute der
einzige Grund, warum wir den Totensonntag umfunktionieren zu einem
Ewigkeitssonntag, zu einem Freudentag der gewissen Hoffnung ewigen Lebens.
Wir wissen auf welche Zukunft wir zuwandern. Wir wissen wer auf uns wartet
und in wessen Hände wir fallen. In die Hände Jesu. Hab's wieder ein wenig
gegliedert. Mein Herz ist voll, ich möcht nur das sagen, was in die Zeit
hinein passt. Und da will ich zuerst darüber reden: Ohne Jesus haben wir
keine Hoffnung. Wir wollen doch wieder zurückkehren zu Daniel. Daniel lebt
in Babel. In dieser modernen Stadt Babel, in dieser gewaltigen Metropole
der menschlichen Intelligenz, des Fortschritts. Über ganze Jahrhunderte
hinweg war im Altertum Babel das größte, was Menschen je schaffen konnten.
Nebukadnezar der Zweite hat die größte Entfaltung von Babel noch
dargestellt auch in den ganzen Baulichkeiten, in der Wissenschaft, in der
Mathematik, in der Astronomie. Viele Jahrhunderte später kam Alexander der
Große und was hat der Große gedacht, als er nach Babel kam? Er sagte: Nicht
Mazedonien, nicht meine griechische Heimat, nicht Athen, Babel ist der
Mittelpunkt meines Reiches. Er wollte seine Hauptstadt dort in Babel
gründen. Warum kam's eigentlich dazu? Weil Alexander der Große mit 33
Jahren starb. So groß war er, so stark. Babel heißt ja bei uns, im
hebräischen hat man immer das anklingen lassen an die Verwirrung, an die
Sprachverwirrung. Aber ursprünglich, in der babylonischen Sprache heißt das
Wort Babel: Das ist die Tür zum Himmel. So haben die Babylonier das
verstanden. Die Stadt ist die Tür zum Himmel. Da kommt man in die größten,
tiefsten und allerwichtigsten, ja, Zusammenhänge des Lebens hinein. Und der
Daniel macht eine Zukunftsweissagung und was sagt er von Babel? Es wird
alles zerfallen. Er hat ja recht gehabt. Nach Alexander dem Großen zerfiel
auch dieses Reich in die widerstreitenden Diadochen, die Diadochenkämpfe
kamen dann. Diese blutigen Kämpfe und da sagt der Daniel in diesen vielen
Kapiteln wie ein Reich gegen das andere kämpft. Es klingt manchmal so
lieblos, wenn wir immer wieder in der Bibel plötzlich lesen dass alle
menschliche Zukunftsentwicklung und Fortschrittsentwicklung in Blut,
Schweiß und Tränen endet. Aber es ist doch so. Und da wird man mutlos und
sagt: Ja dann hat's ja gar keinen Sinn mehr. Da steht von Trübsal. Hab ich
gestern auch Zeitung gelesen, wo einer sagte: Wir haben ein anderes
Lebensgefühl, wir gehen nimmer vom Jammertal aus. Sagt der Journalist. Ich
weiß nicht ob der vergessen hat was in Afrika, in allen Nationen Afrikas
gegenwärtig abläuft. Vom Kap der guten Hoffnung bis hinauf nach Nordafrika.
Eine Hoffnungslosigkeit, ein Sterben, in Europa. Und gucken Sie sich doch
mal in den Häusern um, wieviel Leid, wieviel Tränen, wieviel
Hoffnungslosigkeit. Die Bibel spricht einfach von der Trübsal. Jetzt sagt
einer: Aber du hast immer das Thema, du kommst in der Predigt immer wieder
drauf. Mir fällt auf, dass der Apostel Paulus immer wieder drauf kam. Wenn
Sie mal den 2. Korintherbrief raufnehmen, das war ne Gemeinde, die sehr
sich freute an den Erfolgen, am Sieg, den sie erlebte. Da fängt er gleich
im ersten Kapitel des 2. Korintherbriefs an dass er sagt: Ich freu mich so
an Jesus, weil der uns tröstet in aller Trübsal. Trübsal das meint immer
die Existenzangst, die letzte Bedrängnis in der er lebt. Und er sagt er sei
so froh, dass er das selber durchleiden muss, damit er wieder die anderen
trösten könne. Und es zieht sich dann durch den ganzen 2. Korintherbrief
durch, wenn er dann im 4. Kapitel sagt am Ende: Unsere Trübsal, die
zeitlich und leicht ist schafft eine ewige und über Maßen wichtige
Herrlichkeit. Uns, die wir nicht schauen auf das Sichtbare, sondern auf das
Unsichtbare durch diese Bedrängnis, die wir erleiden blicken wir weg. Wohin
blicken wir denn? Wir blicken auf Jesus, der lebt, der auferstanden ist.
Jesus sprach auch in seiner Zukunftsprophetie Matthäus 24: Es wird eine
Trübsal kommen, wie sie noch nie da war. Ja warum nimmt die uns Jesus nicht
weg? Weil diese Trübsal dieser Welt zusammenhängt mit unserem Kampf gegen
Gott. Diese Welt, die ohne Gott leben will, muss ihren totalen
Zusammenbruch erleben. Wir, die wir uns auch so oft gegen Gott aufgelehnt
haben, die wir stark sein wollten, stehen plötzlich da und merken wie unser
Fleisch, unsere Leiblichkeit zerbricht, unsere Seelenkraft schwach wird und
die einzige Hoffnung ist dass wir in Jesus geborgen sind. Im auferstandenen
Jesus. Und wenn ich irgendwo in die Not, in die Trübsal, in die
Traurigkeit, in die Bedrängnisse hineinreden muss, was kann ich denn sagen?
Ich kann Menschen nur sagen: Jetzt ist Jesus da. Und er lebt wirklich. Er
hält dich und trägt dich. Kennen Sie die schönen Osterlieder? Mir gefallen
die alten Osterlieder, trotz des Zeitungsschreibers, der ein neues
Lebensgefühl will. Ich will das alte haben von Paul Gerhardt. Wenn der in
seinem Osterlied singt: Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und
Angesicht. Das Unglück ist mein Glück. Die Nacht mein Sonnenblick. Ich kann
und bleib auch hangen an Christus als ein Glied. Wo mein Haupt durch ist
gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reiset durch den Tod, durch Welt,
durch Sünd und Not. Er reiset durch die Höll, ich bin stets sein Gesell.
Und das Lied davor in unserem Gesangbuch von Johann Hermann: Wie tief
kreuzt Trübsal oder Pein, mein Heiland greift allmächtig drein, reißt mich
heraus mit seiner Hand, wer mich will halten wird zuschand. Lebt Christus,
was bin ich betrübt. Das ist die Freude der Christen. Wir haben etwas gegen
die Trübsal. Wir müssen durch. Freuen Sie sich, wenn Sie's nicht
durchleiden müssen, aber dann nehmen Sie Anteil an dem Leiden derer, die in
Ihrer Nähe wohnen. Und tragen Sie das mit. Und wie kriegt man das? Nicht
indem man sich zusammenreißt, nicht indem man sich anstrengt, sondern da
heißt's hier beim Daniel so schön: Die, die im Buch des Lebens geschrieben
sind. Die, die im Buch des Lebens geschrieben sind. Das ich diese Hoffnung
habe, das hat Jesus mir verbürgt. Weil er meinen Namen ins Buch des Lebens
einschreibt und ich ihm gehören darf. Ohne ihn haben wir keine Hoffnung.
Ohne ihn haben wir keine Hoffnung.
Mein zweiter Punkt: Der Tod ist entmachtet. Ja, das ist jetzt was
Merkwürdiges. Wenn wir so das sagen: Wir stehen ja immer noch da und
wischen uns die Tränen aus den Augen. Wir sind schockiert, wie der Tod
zerstören darf. Wie schwer ist das, was wir auch in den letzten Wochen und
Monaten und Jahren erlebt haben. Mit Ihnen zusammen. Der Tod ist
entmachtet, wenn er noch so furchtbar zuschlagen kann und zuschlagen darf.
Da steht hier bei dem Daniel der Durchblick, ihm der Geist Gottes das
zeigt, ein überragender Geist war in ihm, dass er das sehen kann: Viele,
die unter der Erde schlafen liegen werden aufwachen. Die einen zum ewigen
Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande. Im Alten Testament sagt
man ja ist das oft gar nicht so klar ausgesprochen. Das war ja auch vor der
Auferstehung Jesu nur so prophetisch gesehen wie durch ein Milchglas
hindurch. So andeutungsweise wie das ist mit der Auferstehung der Toten.
Sie spüren schon: Da kommt etwas. Beim Hiob, wie er plötzlich ruft: Ich
weiß dass mein Erlöser lebt. Als der letzte wird er sich über meinem Staub
erheben und ist auch noch meine Haut noch so zerschlagen, so werde ich ihn
doch sehen. Ich werde Gott sehen. Heute auch in der Losung: Er nimmt mich
am Ende mit Ehren an. Immer wieder dringt so durch: ich darf auf ihn
zugehen. Aber wir erst, die wir von den Aposteln das Zeugnis der
Auferstehung Jesu haben, wir wissen Jesus lebt. Jetzt ist er genau dort,
auch unsichtbar unter uns, wo wir durch die Trauertäler gehen. Ich darf auf
ihn blicken und ganz geborgen sein. Und Jesus spricht seine Worte. Mich hat
das ganz entscheidend zu meiner Bekehrung als junger Mensch genötigt, zu
einer klaren Entscheidung. Was wird einmal mit meinem Sterben sein? Und ich
konnte mich nur Jesus anvertrauen, der sagt: Ich lebe und ihr sollt auch
leben. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird
leben, auch wenn er stirbt. Und Sie, die Sie mittendrin in der Traurigkeit,
in der Angst leben, im Schmerz. Sie dürfen dieses Wort Jesu immer wieder
hören. Mit ihm reden im Gebet. Und auf einmal passiert etwas, dass Sie
sagen: Ich hab das noch nie so machtvoll erlebt und erfahren wie jetzt. Ich
hab in dem kleinen Büchlein Zum Leben hindurchgedrungen" das einfach bloß
gesammelt von Menschen, die das erlebt haben vor 50 Jahren, als der Kessel
von Stalingrad begann, wo Menschen ohne Essen ohne Versorgung verwundet
dort drin lagen und auf einmal sagen: ich war Jesus noch nie so nah wie
jetzt. Oder darf ich's Ihnen mit den Worten des 42-jährigen Alexej Freiherr
von Rönne noch einmal vorlesen, der zum Tode durch den Strang verurteilt
wurde, vom Volksgerichtshof der Nazis. Und der dann heimschreibt seiner
Frau, auch im Blick auf ihre beiden Kinder: Zunächst sollst du und die
kleinen wissen dass ich an dem Geschehen unbeteiligt und unschuldig war.
Was auch immer hernach gesagt werden mag. Alles andere ist daneben nicht
wichtig. Aber einen ungeheuren Gewinn habe ich von der so überaus ernsten
Zeit gehabt. Ich bin ganz und gar in die geöffneten Arme unseres Herrn und
Heilandes zurückgekehrt, die ich im Drang der Ereignisse oft genug
vergessen hatte. Ich verbringe fast alle freie Zeit im Gebet. Ein Gebet um
Kraft für mich für alles kommende und um Segen und Hilfe für dich mein
Allerliebstes und die Kinder. Und ich spüre das Geschenk der Kraft für mich
so deutlich, dass ich mit der frohen Zuversicht in alles hineingehe, dass
es doch nur enden kann am Herzen Gottes. Im ewigen Frieden. Da scheint dann
das vorausgehende unwichtig genug und soll dich auch gar nicht
beschäftigen. Mein inneres Auge wird jeden Augenblick hinter allem nur die
geöffneten Arme meines Herrn und Heilandes sehen. Und dann noch im letzten
Brief, wenige Stunden vor der Hinrichtung: Wenn du wüsstest, wie
unvorstellbar treu Jesus mir im Augenblick zur Seite steht, wärst auch du
für dein ganzes schweres Leben gewappnet und ruhig. Wie haben wir das
gehört, als eine krebskranke Frau, die der Herr schon heimgerufen hat.
Mutter hier von dieser Stelle dort unten vom Pult aus uns bezeugt hat aus
ihrem Krebsleiden heraus, wie sie Jesus so nahe ist, wie sie es früher gar
nicht sich vorstellen konnte. Weil es wahr ist, was er versprochen hat.
Dass der Tod entmachtet wird. Und wir sollten uns es angewöhnen nicht so
sehr auf den Tod zu starren, sondern auf das Leben, das grenzenlos ist, das
ewige. Und wir freuen uns so, wenn wir heimkommen. Mir geht das immer
wieder so, wenn ich von einer Reise nach Hause komme, dann zieht mich's
schon in Frankfurt am Flughafen. Ich bin der, der am schnellsten
hinunterrennt zur S-Bahn mit dem schweren Koffer. Heim. Ich will doch heim.
Und dann dreh ich mich nimmer rum und guck nimmer was es dort noch gibt an
Zeitschriften, Kiosk oder sonst wo. Ich will heim. Was ist das schön, wenn
Sie diese Sehnsucht haben Ich will heim zu meinem Herrn".
Und noch das letzte: Welch ein Dienst. Die, die lehren werden leuchten wie
die Sonne, wie wie die Sterne am Himmel. Was ist denn damit gemeint? Es ist
jetzt ganz wichtig, dass Sie heute von diesem Gottesdienst weggehen und
andere Menschen ansprechen. Alle Menschen haben als verdrängte Not in sich
die Todesangst und sie können mit niemand darüber sprechen. Dann sagen Sie
doch einmal wie's Ihnen erging, wie Sie frei wurden, wie Sie eine Hoffnung
ewigen Lebens haben. Sie sollten lehren. Lehrer sind Pädagogen. Da muss man
geschickt sein, wie man das übersetzen kann. Ob man das macht und ein
Büchlein mitbringt oder ein paar Worte macht oder an einem Lied, oder an
einem Bericht von einem Gottesdienst verdeutlicht, dass man's erzählt. Die
lehren werden leuchten wie die Sterne am Himmel. Die Sterne haben ihr Licht
nur, weil sie das Sonnenlicht widerspiegeln. Und das wollen wir. Wir wollen
in dieser Welt des Todes den auferstandenen Jesus. Wir können das nicht
widerspiegeln mit unseren Taten. Meine Visage, die sieht doof aus, da kann
ich nicht Jesus widerspiegeln. Ich hab das noch nie gemeint. Ich will das
mit Worten tun. Mit Worten, ich will auf Jesus hinweisen, will auf Jesus
hinweisen. Ich will ihn widerspiegeln. Ich will von ihm reden, will seine
Worte weitersagen, auch dort an den aufgerichteten Gräbern und auf den
Krankenstationen, wo die hoffnungslos Kranken liegen und möchte sagen: Das
eine ist doch nur Not, dass ich heute mein Leben mit Gott in Ordnung
bringe, da steht ja das schwere Wort da, dass ich auferstehen werde nicht
nur zum ewigen Leben, sondern auch zu ewiger Schmach und Schande. Und darum
heißt's die da viele lehren, die viele zur Gerechtigkeit weißen. Wissen
Sie, dass wir ganz heute bereit sein müssen. Dass unser Leben mit Gott in
Ordnung sein muss. Sicher geht's bei Ihnen so wie bei mir. Da sind viel
ungerechte Dinge untergemischt, die haben wir verdrängt. Ich möchte heute
mit Gott reinen Tisch machen und möchte immer auch so zu Ihnen reden, dass
es das letzte Worte gewesen sein könnte: Eins ist Not. Bestelle dein Haus.
Und das ist nicht wichtig nur Ihr Testament zu machen und das andere,
sondern machen Sie alles in Ordnung. Keinen Streit mit Menschen. Es lohnt
ja nicht im Licht der Ewigkeit. Keine falschen Dinge in Ihren Taschen und
nichts, was Ihnen nicht gehört und keine falsche Beziehung und klären Sie
Ihr Leben im Licht der Gerechtigkeit Gottes, damit Sie viele zur
Gerechtigkeit weisen können und anderen sagen das ist das schönste, wenn
man sagt: Ich bin bereit. Ich bin gerne noch hier, wenn der Herr mich
braucht. Ich diene ihm noch gerne und bin bereit zum Dienst, aber ich freu
mich auch, wenn er mich heimholt, dass ich fröhlich zieh hinüber, wie man
nach der Heimat reist. Amen

