Einleitung und Predigttext
Erster Timotheus Brief 1, Vers 12-17
Ich danke unserem Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und treu
geachtet hat und gesetzt in das Amt, welcher ich zuvor war ein Lästerer und
Verfolger und ein Frevler, aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn
ich habe es unwissend getan im Unglauben, es ist aber desto reicher
geworden die Gnade unseres Herrn, samt dem Glauben und der Liebe, die in
Christus Jesus ist. Das ist ganz gewiss war und ein teuer wertes Wort, dass
Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter
welchen ich der vornehmsten bin. Das heißt, unter welchen ich noch der
letzte bin, der allerunterste. Aber darum ist mir Barmherzigkeit
widerfahren, auf dass an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigt alle Geduld
zum Vorbild derer, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben, aber Gott
dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott
ist, dem sei Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen.
Wenn man sich heute sein Leben ansieht, dann muss man sagen, es geht einem
doch erstaunlich gut. Wir leben schon lange in einer Zeit des Friedens. Wir
haben genug zu essen, wir sind satt. Und wir haben alle Formen der
Menschenrechte, die wir auf demokratischem Wege verwirklichen können, wir
haben Besitz, wir haben Wohlstand, und ausgerechnet in solch einer Zeit des
Friedens und des gut Gehens gibt es immer mehr Menschen, die an ihrem Leben
verzweifeln. Ich versteh das nicht! Und ich werde doch tagtäglich damit
konfrontiert, dass man in den schönen schicken Wohnungen, wo so ein
interessantes Fernsehprogramm läuft, und so viele Menschen neben einem
wohnen, da sind Leute, die wissen gar nicht mehr, was sie sollen in ihrem
Leben. Natürlich, es braucht noch viel mehr zu einem erfüllten Leben, als
nur, dass man sein Leben mit Gütern vollhäuft, und dass man sich vollessen
kann. Vielleicht fehlt in unserer Zeit sehr stark die Bestätigung: wo ist
denn jemand, der einmal einen lobt. Kritiker haben wir genug. Es könnte
sein, das das auch die Wurzel dieses verzweifelten Suchens junger Menschen
heute ist. Wer ist denn da, der ihnen sagt, du bist brauchbar, du bist gut.
Jemand, der das Selbstgefühl hebt. Denn wenn das fehlt, da muss man selber
Erfolge suchen. Und wenn es nur mit zweifelhaften lautstarken Aktionen ist,
hinter denen nichts steht als Geschrei. Das ist ja oft in unserem eigenen
Leben die Not, dass man niemanden hat, der einen akzeptiert, der einen
einmal ein bisschen herauskommen lässt. Das braucht man einfach. Denn mit
dem Selbstlob klappt es doch nicht richtig. Mit dem Angeben wäre es ja
sonst ganz nett, aber man hat dieses Manöver längst selbst durchschaut,
wenn man sich selber lobt und angibt, dass das eben doch nicht echt ist,
was man dort an Ehre und Erfolg in die eigene Tasche schiebt. Oder nach dem
schönen Wort: wenn die anderen mich schon nicht loben, da muss ich doch
wenigstens mich selber loben. Aber so kann ich meinem Leben auch keine
Anerkennung geben, nicht das, was es lohnend macht. Gerade heute, wo so
viele erfolgreiche Geschäftsleute oder Karriere-Menschen herumlaufen, ist
im gleichen Verhältnis verbreitet die Enttäuschung am Leben. Man meint, das
sei wie eine ganz dünne Eisdecke, und einer geht über die Eisdecke, und
hört schon das Knacken der Risse, und denkt, jeden Moment breche ich ein,
und dann wenn er einbricht, dann kann das im Leben eines Managers sein,
eines großen und bedeutenden Geschäftsmannes, dass er plötzlich sagt: wozu
eigentlich, was war denn mein Erfolg, was habe ich denn erreicht, und was
bringt denn das mir? Und er verzweifelt an sich selbst und sagt: ich bin
nichts wert. Was ist denn mein Leben wert?. Und er wirft sein Leben weg,
wie man ein Papier zerknüllt in den Papierkorb wirft, weil er nichts mehr
findet. Ich bin so froh, dass ich ihnen heute aus dem Evangelium zeigen
darf, wie unser Leben Anerkennung, Bestätigung, findet. Die größte
Bestätigung, wie man finden kann, kommt nicht von Menschen, und kommt nicht
durch Erfolg, und kommt nicht durch Bilanzen, sondern die Bestätigung, nach
Bewährung, die kann nur vom heiligen Gott kommen, vom Richter unseres
Lebens, und wer von ihm bestätigt ist, der hat ein Selbstwertgefühl. Dazu
möchte ich zwei Dinge ihnen sagen: wie kriegt man diese Selbstbestätigung,
die wir so nötig brauchen? Das eine, ohne Beschönigung in den Abgrund
blicken.
Warum predigen wir nur hier Sonntag für Sonntag immer wieder von diesem
leidigen Thema der Schuld? Warum wird denn das Sonntag für Sonntag immer
wieder im Mittelpunkt gestellt? Es gibt doch in dieser Welt auch positive
Entwicklungen, es gibt Kunst und Kultur, und es gibt Schönheiten der Natur,
darüber könnte man doch auch reden, und immer wieder lenkt das Evangelium
unseren Blick auf das Versagen des Menschen, auf seine Gottlosigkeit, auf
seinen Eigensinn, auf dieses störrische Wesen, das sich gegen Gott
auflehnen lässt. Ich muss Ihnen sagen: Nur, wenn wir fortwährend in diesen
Abgrund ohne Beschönigung hineinblicken, bekommen wir auch die Bestätigung.
Das hängt ganz eng zusammen. Lassen wir es uns mal so geschwind ausgemalt
sein, man könnte das ja einmal versuchen, dass man sein Leben wie ein Traum
lebt, und es gibt philosophische Lebensanschauungen genug. Ich bin in einem
humanistischen Gymnasium aufgewachsen, das von der Größe des Menschen
ausgeht, von dem edlen Gut, ein Mensch zu sein. Und ich habe in meinen
Schülertagen gespürt, wie es hier zu einem Riss kommt, der durch nichts
überbrückt werden kann, zwischen dem Evangelium und einer humanistischen
Weltanschauung. Denn wenn ich in dieser humanistischen Weltanschauung lebe,
oder wie sie auch ist, der Mensch ist gut, was ist dann plötzlich, wenn ich
dem schmutzigen dreckigen Menschen begegne? Und wenn ich plötzlich
entdecke; Das ist mein Leben! Wenn ich mir selber ins Gesicht sehen kann,
und merke, das stimmt ja gar nicht! Das mag vielleicht für andere Elite-
Menschen zu treffen, was die Großes erzählen, was der Mensch kann! Aber ich
bin es doch gar nicht! So, wie ich mit Menschen umgehe, wie ich andere
unterdrücke, wie ich andere unter mir leiden müssen, welch böse Gedanken in
meiner Fantasie toben, wie ich eigensinnig bin, an mich gebunden,
gefesselt! Darum betrügen uns diese Träume ja, die helfen uns nicht weiter.
Und das ist ja nur für eine kurze Droge, wenn ich sage, das ist groß,
Mensch zu sein, und du bist ein Mensch, und es ist etwas Wunderbares. Und
auf einmal begegne ich dem biblischen Realismus. Wo mit einer Klarheit
unmissverständlich gesagt wird, dass notvollste in dieser Welt bleibt der
Mensch. Und wehe dem, der in die Hände der Menschen fällt. Ohne
Beschönigung! Da kam ja neulich wieder so ein Leserbrief in der Zeitung, wo
ein Vikar geschrieben hatte, er hätte mit Kirchengeschädigten zu arbeiten.
Ich habe das auch schon verschiedentlich gehört, das ist ein Modewort aus
der Psychologie, dass manche meinen, sie müssten nun ihre Probleme, die sie
haben in ihrem eigenen Persönlichkeitsleben, darauf zurückführen, dass sie
in der Kindheit gelehrt wurden, dass der Mensch unter der Sünde steht. Und
dann wird gesagt, das gibt da den Menschen einen ganz negativen Eindruck,
er kriegt kein Selbstvertrauen, er kann sich selber nicht annehmen. Was
soll ich denn selber in mir annehmen? Solange ich mich selbst noch nicht
kenne im Lichte Gottes kann ich noch große Worte machen, ich will mich
selber annehmen. Ich kann das Wort nicht mehr hören vom Sich-selber-
annehmen, soll ich denn ja zu mir sagen zu Gier in mir, zur Leidenschaft,
zur Selbstsucht? Da betrügt mich all das andere nicht darüber hinweg, dass
die Wurzel meines Lebens böse ist, und so getrennt von dem, was Gott will.
Darum sagt Paulus: es ist ein teuer wertes Wort, und aller Annahme wert,
verlässlich, so dass man sich darauf gründen kann, dass Jesus Christus in
die Welt gekommen ist, um sündige gestrandete Menschen selig zu machen.
Darum ist das ja für uns die große Befreiung, dass wir nicht ewig Theater
spielen müssen, nicht ewig beschönigen müssen, nicht ewig Worte machen
müssen, und die Tatsachen aus unserem Leben verdrängen müssen. Dass wir
sagen können: Ja, Herr, du hast mich eingeholt, und das ist für mich solch
eine Befreiung, dass ich vor dir meinen Bankrott eingestehen kann! Mit dem
Ethos hat es nicht geklappt, mit der Moral hat es nicht geklappt, und mit
der Frömmigkeit hat es nicht geklappt, und ich will kein Spiel mehr vor dir
spielen, sondern ich stelle mich vor dir. Das ist ein teuer wertes Wort,
und ein verlässliches und gewisses Wort. Auf dieses kann man leben und
sterben, auf dieses kann man gründen. Das ist so wichtig, nicht bloß, dass
ich immer davon rede, sondern dass ich es einmal im mich aufnehme und
merke, hier ist der Schlüssel zum Herzen Gottes. Das ganze Evangelium, alle
Predigt, alles was verkündigt wird, kreist um das eine Thema, das Paulus so
beschreibt, das ist ein gewisses Wort. Ein teuer wertes Wort: Christus
Jesus kam, um sündige Menschen, nicht um fromme Menschen, nicht um
gebildete Menschen zu retten. Sondern gestrandete Menschen herauszuholen
aus dem Abgrund. Und dass ich heute an diesem Tag eine hohe Meinung von
meinem Leben habe, und die habe ich, und mein Leben nicht dafür wegwerfe
wie ein zerknülltes Papier, das kommt davon her, dass Christus mich wert
und teuer erachtet. Und dass Christus so weit in den Abgrund herunter
gegriffen hat, und mich herausholt, so wie wir das vorhin bei der Taufe
einem Menschen zu gesprochen haben: Dich greift Christus, und er lässt dich
nicht los. Nicht, weil ich mich selber annehmen kann, was soll ich denn in
mir annehmen? Sondern, weil ich Christus annehmen kann, und weil ich zu ihm
Ja sagen kann. Es ist jetzt für uns eine ganz lebensnotwendige Frage, und
dass wir uns einmal darüber besinnen, sind wir noch vom Urteil der anderen
Menschen abhängig? Das spielt ja bei mir auch eine ganz große Rolle.
Natürlich, wie soll ich denn hier Pfarrerdienst tun können, wenn Sie
unzufrieden sind? Wenn Sie alle weggelaufen? Das erhebt, wenn Sie so treu
kommen, und auch ab und zu ein ermutigendes Wort sagen, aber dürfen wir da
eine Klarheit schaffen: es darf unser Leben, auch unser Tun, und unser
Dienst, nie vom Lob von Menschen abhängig sein. Wenn ich meine, dann bin
ich gut, und dann bin ich gehoben, wenn andere mich loben, Nein! Paulus
sagt: bleibt immer dort stehen, wo ihr ohne Beschönigung in den Abgrund
hineinsehen könnt. Und das bleibt Sonntag für Sonntag unser Thema. Und das
predigen wir Sonntag für Sonntag, jedem Menschen, der hier in den
Gottesdienst kommt, weil dies das dauernde Thema unseres Lebens bleibt.
Keinen Tag, keine Stunde, wo wir etwas aus uns hätten, wo wir etwas aus uns
machen könnten, wo irgendwelche Veranlagungen und Gaben in uns zur Blüte
kämen. Als das eine, dass Jesus Christus sich Sündern erbarmt und sie
herausgreift. Wir sollten uns das abgewöhnen, dass uns das doch nur wichtig
ist, ob die Menschen gut oder böse von uns reden, dass uns das manchmal
brummt und wir manchmal nicht zur Ruhe kommen, weil ein paar uns kritisiert
haben, wir sollten doch unsere Ruhe allein nur dort finden können, wo Jesus
Christus uns dies zuspricht: Ich habe dir vergeben, ich habe dich
angenommen, du gehörst mir. Du bist wertvoll, weil ich dich geliebt habe.
Weil du in meinen Augen so wert bist geachtet, heißt es schon in diesem
großen Prophezeiungswort in Jesaja 43: habe ich dich lieb. Gott sieht einen
Sinn in meinem verkrachten Leben, und in unserer komischen, merkwürdig
geprägten Existenz, mit allen merkwürdigen Veranlagungen, mit allen
Verklemmungen, die wir haben mögen, das ist so unwichtig für unseren Herrn,
für den Schöpfer aller Dinge. Er ruft uns, und er liebt uns, und dann ist
das so unwichtig, was andere von uns reden. Das ist ein Geschenk, dass uns
unser Herr gerade auch in Zeiten des Erfolges und der Anerkennung dann
immer wieder Wege führt, wo er uns drastisch zeigt, wer wir sind in seinen
Augen. Und dass uns jedes Selbstgefällige wegziehen muss vor dem. Dass wir
sagen: An mir und meinem Leben ist nichts, gar nichts auf dieser Erd', was
Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.
Ohne Scheu aufblicken
Und nun das zweite: Ohne Scheu aufblicken. Ohne Scheu aufblicken, also ohne
Beschönigung in den Abgrund blicken war das eine, ohne Scheu aufblicken,
das gehört nun ganz eng dazu. Ich kenne so viele, in den Christengemeinden
hin und her. Die sind wirklich so vermatschte und zerquetschte
Persönlichkeiten, wenn man die einmal fragt, oder ansieht, dann sehen sie
einen so ganz mitleidig an, wie, wenn ihnen alles im Leben zerschlagen
wäre, und wenn man sagt: ja, tust du auch was für den Herrn, und ist dein
Leben erfüllt: Ach ja, ich kann eben nichts, und ich bin eben nichts, und
ich bin eben so schlecht, und ich bin eben ein sündiger Mensch. Wer so
redet, der lästert Gott. Und das ist unverantwortlich, dass das große Wort
der Annahme der Sünder so missbraucht werden kann. Wir wollen das ein für
alle Mal uns abgewöhnen, wenn Jesus Christus sündige Menschen ruft, dann
ist ein Strich gezogen im Leben. Und Paulus sagt: das war in meinem Leben
typisch zum Vorbild all derer, die glauben werden: Vom ersten Tag an habe
ich die Hand Gottes ergriffen, und aus einem Lästerer und Verfolger und
Frevler wurde der wichtigste Apostel Gottes. Wie das möglich sein kann,
dass einer in einer Christengemeinde unter einer Verkündigung immer sitzen
bleibt und sagt: Aber ich bin doch ein sündiger Mensch!? Aber was ist denn
mit der großen Zusage dieses Herrn, der Menschen heraus reißen will?
Bleiben wir jetzt immer mit dem Blick gefesselt und schauen dorthin: Ach
ich, und ich habe mit meinen Versuchungen zu kämpfen, und in meinem Leben
waren so böse Dinge... Der Herr will uns doch heraus reißen! Paulus spricht
davon, dass Gott in seinem Leben viel Großes getan hat: Ich danke unserem
Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht hat, mit Dynamis begabt, heißt
es im Griechischen, mit dieser dynamischen Stärke erfüllt hat." Und ich
kann in meinem Leben über Großes verfügen.
Ich habe in der Vorbereitung ein
bisschen gerungen, ob ich das so sagen kann, oder ob danach ein paar
weglaufen. Die da so ein paar Sätze aus dem Zusammenhang reißen... Ich wage
es einfach einmal: Ein Christ, der an Jesus Christus gläubig geworden ist,
der hat eine ganz hohe Meinung von sich, den kann niemand aus dem Gleis
werfen, weil er nicht auf seine Tugend, und auf seine Güte baut, sondern
weil er auf das Erbarmen Jesu traut. Das war doch bei Paulus so, dass er
mit einem Selbstbewusstsein ohnegleichen auftrat. Wollen wir jetzt noch zum
Strohhalm greifen und uns selber annehmen, als ob wir da ein
Selbstwertgefühl bekommen würden? Ich habe doch mein Selbstwertgefühl
darin, dass Christus aus mir etwas machen will. Und Paulus sagt, das habe
ich erst im Dienst bekommen, als ich das begriffen habe, Gott braucht mich
zu den Aufgaben in der Welt, dass ich damals einen Missions-Auftrag führte.
Das hängt jetzt ganz eng damit zusammen, dass ich sagte, ich bin nicht, ich
kann nicht, ich glaube nicht, ich glaube nicht, ich bin ein sündige Mensch,
ich habe so zu ringen mit meinem bösen Wesen, und der Teufel wohnt in mir,
und all die alten Geschichten. Oder ob ich den Ruf höre, und sage, ich
lasse mich senden von ihm in den Dienst. Und weil er mich sendet, weil er
mich beauftragt, macht er mich auch stark, und die Christi gebührt das, auf
seinen Namen hin. Auf seinen Auftrag hin. Es bleibt gar keine Zeit jetzt
mehr, ich wollte erzählen aus der Kirchengeschichte, von Menschen um uns
her, deren einziges Geheimnis das war, dass sie weit über sich hinaus
gewachsen sind. Sie haben das angenommen, und sie haben dies vor der
Todesstunde nie vergessen, dass sie eigentlich verlorenen Menschen waren,
aber Gott hat sie beim Namen gerufen. Vielleicht haben das die verkrachten
Existenzen noch viel besser annehmen können, als so andere. Die über sich
hinaus gewachsen sind, die keine Redegabe hatten, und die nichts anderes
hatten, als dass sie auf die Zusage dieses Herrn hin bauten. Paulus sagt:
ich war ein Frevler, ein Lästerer, aber desto reicher ist mir die Gnade
widerfahren. Was ist das für eine Rechnung, die man hier aufmacht. Umso
mehr, umso gewaltiger hat Gott seine Gaben in einen Menschen hineingelegt,
je ärmer ich bin, je weniger ich vorzuweisen habe, desto reicher ist sein
Erbarmen geworden. Und da hat Jesus selbst das Gleichnis erzählt vom
Wuchern mit dem Pfund. Ja, das ist ja eine Welt, die mir ein bisschen fremd
ist, aber vielleicht kennen Sie das, wie das im Geschäftsleben sein kann,
wenn da einer so Devisenspekulationen macht, oder auf der Börse mit Geld
umgeht. Und da sagt Jesus: Genau so ist das, wenn einer mit der Gnade
Gottes wuchert. Mit der Erbarmung, mit dem, dass Gott sündige Menschen
herausreißt. Da kann man damit wuchern, der eine wagt einen großen Einsatz,
er geht bis an den Rand seines Könnens. Stellen Sie sich das mal vor. Er
sagt: ich setze alles auf die eine Aktie, und wenn die nicht steigt, dann
bin ich verloren, so sind gläubige Menschen, die alles auf eine Karte
setzen. Und da hieß es im Gleichnis, da war einer, der hat sein Pfund, sein
anvertrautes Talent, im Schweißtuch vergraben. Das erste Gut und Pfund, das
uns der Herr anvertraut hat, das ist doch zuerst einmal sein Erbarmen,
seine Zusage, die er uns gibt: Ich habe dich lieb, und du bist wert
geachtet in meinen Augen. Das ist das Schlimmste, was man tun kann, Sonntag
für Sonntag in der Kirche drin sitzen und sagen: Ach wie nett ist der Herr,
dass er mich so beschenkt, und man wuchert nicht damit, man riskiert
nichts. Ich möchte damit schließen, dass Paulus sagt: Das ist zum Vorbild
geschehen.
Das ist zum Vorbild geschehen
Das ist widerfahren, darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf dass an
mir vornehmlich Jesus Christus erzeigte alle Geduld zum Vorbild denen die
an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Er ruft Sie und er sendet Sie, er
gibt ihnen diesen Zuspruch. Und er sagt Ihnen das ganz direkt zu. Was tun
Sie, glauben Sie ihm? Paulus schließt diesen großen Abschnitt mit einer
Anbetung Gottes: Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und
Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit. Welch
ein Lobgesang könnte bei uns aufbrechen, wenn wir 500, oder wie viel wir
sind, nach Hause gehen und begreifen, Gott will Großes machen, weil wir so
tief gefallen sind, weil wir so schwache Personen sind. Aber ich darf mit
seiner Gnade wuchern! Soll doch noch einer sagen, er verstünde Gnade nicht!
Das ist für mich kein abgegriffenes Wort. Das ist jeden Morgen für mich so,
dass Gott in mein menschlich sündiges Leben hineintreten will, das er in
meiner Umwelt, da, wo ich in Stuttgart stehe, Großes für sein Reich wirken
will. Wir dürfen doch ihn beim Wort nehmen. Paulus sagt, denn ihr das
Vorbild nur versteht von mir. Dass ihr in die Fußstapfen des Apostels der
Apostel treten dürft, und wir Nachfolger des großen Paulus werden dürfen,
damit unser Leben viel Frucht bringt. Amen.
