Zum Inhalt

Lukas 1,57-80

Lukas 1,57-1,8007.04.2008
Serie•Teil 3 / 53Lukas-Evangelium
Stille fehlt oft dort, wo das Herz blockiert ist. Wer Gottes Zusagen glaubt, sieht hinter dem Alltag schon die Hoffnung – und findet Frieden statt innerer Schwere.

Der Weg zur inneren Ruhe

Ich glaube, das ist die erste Lektion, die wir mitnehmen können. Auf diesem Weg zur Begeisterung brauchen wir Zeiten der Ruhe, in denen wir auf Gott hören. Dort kann Gott uns sagen, was ihm in unserem Leben eigentlich nicht passt und wo die Blockade in meinem Leben liegt.
Kennt ihr das, wenn ihr so hier hinten blockiert seid? Manchmal wacht man morgens auf und hat das Gefühl, man kann sich nicht mehr so richtig bewegen. Ja, das ist eine Blockade. Man hofft, dass sich das irgendwie löst. Aber manchmal löst sich das nicht gleich, und das ist dann etwas ziemlich Hässliches.
Wenn so eine Blockade da ist, läuft man ein bisschen komisch, ein bisschen steif, und dreht sich dann merkwürdig. Manche Christen leben so. Sie haben irgendwo in ihrem Leben eine geistliche Blockade, aber sie gehen nie dorthin, wo sie Hilfe bekommen könnten. Sie fangen nie an, das zu tun, was dran wäre. Was weiß ich: endlich mal auf den Arzt hören, der sagt, ein bisschen mehr Sport wäre wirklich wichtig, Herr Fischer. Gerade da hängen Sie, Sie sitzen einfach zu viel vor dem PC. Wenn Sie da zweimal die Woche Sport machen würden, würde Ihnen das diese Schmerzen auf Dauer wegnehmen.
Aber auch da muss man hinhören. Man muss anfangen, das in seinen Zeitplan zu integrieren. Wo soll ich für zweimal die Woche Sport hernehmen, ey? Das sind vier Stunden oder so, wenn ich da irgendwo ... Aber so leben wir unser geistliches Leben. Wir erleben die Blockade, wir merken, da ist irgendetwas nicht ganz in Ordnung, wir bewegen uns komisch, und trotzdem sind wir nicht bereit, auf Gott zu hören.
Wir geben ihm oft nicht den Raum und die Stille, die er braucht, um zu uns zu sprechen. Wir nehmen lieber das Schweigen in Kauf, den Mangel, die Stille in unserem Leben, als dass wir ihm den Platz einräumen, der ihm gebührt.
Gut, das war meine erste Lektion.

Die eigentlichen Hauptpersonen der Geschichte

Aber eigentlich geht es in der Geschichte gar nicht um Zacharias, wird euch auch aufgefallen sein. Die Hauptpersonen hier, die die ganze Zeit irgendetwas tun, sind nämlich die Nachbarn und die Verwandten.
In Vers 58 lesen wir davon, dass sich die Nachbarn über die Geburt freuen. Dann kommen sie, um das Kind zu beschneiden und ihm in Vers 59 einen Namen zu geben. Es sind die Nachbarn, die den Wunsch der Mutter eisern ignorieren, wie das Kind heißen soll. Sie gehen über ihren Kopf hinweg zum Vater, zu Zacharias, und bitten ihn, den Kleinen nun doch endlich Zacharias zu nennen und nicht diesen dusseligen Einfall der Mutter mit Johannes. Er hat noch nie jemanden Johannes geheißen.
Dann beschreibt Lukas zwei Verse lang die Reaktion der Nachbarn auf die Worte von Zacharias. Sie wundern sich und sind irgendwie hin- und hergerissen. Das sind die Verse 65 und 66. Und dann heißt es: Und alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden?
Also die ganze Geschichte hindurch: Ich hatte euch das ja ein bisschen versucht beizubringen, dieses Geschichtenlesen, Schwerpunkte zu spüren. Der Schwerpunkt in dieser Geschichte liegt nicht auf Zacharias, sondern eigentlich auf den Nachbarn, auf dem, was die Nachbarn tun, auf dem, was die Nachbarn erleben. Also, sie sind hin- und hergerissen.
Auf der einen Seite freuen sie sich über die Geburt. Sie freuen sich darüber, dass Gott in seiner Barmherzigkeit eingreift und Elisabeth dieses Kind schenkt. Und auf der anderen Seite versetzen sie die Umstände der Namensgebung in Erstaunen und Ehrfurcht.

Warum der Name so viel auslöst

Warum? Das hängt damit zusammen, dass in der jüdischen Gesellschaft ein Mann ohne Sohn eine mittlere Tragödie war. Der Name stirbt aus. Und deswegen sind die Verwandten und Freunde alle so happy: Boah, der hat noch einen Sohn gekriegt in seinem Alter, wahnsinniger Statthalter, der Name bleibt existent. Und deswegen kommt auch keiner auf den Gedanken, dem Kind einen anderen Namen zu geben als Zacharias. Ja, was denn sonst? Wenn wir den anders nennen, dann weiß ja keiner mehr, dass es mal diesen Vater Zacharias gab.
Und erst als Elisabeth sie dabei unterbricht und sagt: Nein, sondern er soll Johannes heißen, da werden die Verwandten unwirsch. Sie verweisen auf den Bruch in der Familientradition. Niemand ist in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt. Sie winken den Vater herbei. Und der pflichtet dann plötzlich der eigenen Frau bei und sagt: Ja, der soll Johannes heißen. Johannes ist sein Name, Vers 63.
Und das, was hier passiert, ist für die Leute gegen jede Norm. Das hat man einfach nicht so gemacht. Es ist auch gegen das natürliche Gefühl der Zeit. Ein Vater hat einen Sohn, gerade einen, ja, was wünscht er sich denn? Dass er irgendwie die Tradition sichert, ja, du gibst dich selber weiter. Und es ist natürlich auch ein Stückchen gegen die Familieninteressen. Warum will ich mich jetzt in der Nachbarschaft outen als so ein Alien, als so einer, der nicht das tut, was man will?
Und trotzdem bleibt Zacharias dabei: Er heißt Johannes. Zacharias ist bereit, hier äußerlich dieses Band zwischen den Eltern und dem Kind ein Stückchen zu kappen, zu zeigen: Johannes ist etwas ganz Besonderes. Johannes ist einer, der eine besondere Aufgabe hat. Und für diese besondere Aufgabe braucht er einen besonderen Namen. Er muss ein Stück herausstehen, dann müssen die Eltern tatsächlich ein Stück zurückstehen und das Kind dafür freilassen.

Der Moment, in dem Staunen in Furcht umschlägt

Und dieser Prozess, bei dem Zacharias seinem Sohn den Namen gibt, der ihm von Gott offenbart worden ist, führt dann dazu, dass die Leute sich wundern. Und genau in diesem Moment, in dem sie sich wundern, geht der Mund von Zacharias auf.
Ihr müsst euch das ein bisschen vorstellen: Alle sind gespannt, alle sagen: Hä, das kann doch gar nicht sein, wie geht denn das? Und in diesem Moment absoluter Spannung und Aufmerksamkeit, in dem alle sagen: Hä?, und wirklich präsent sind, spricht Zacharias hinein und sagt die Dinge, die wir uns nachher anschauen werden.
Was wird er ihnen sagen? Er wird ihnen davon berichten, was er erlebt hat, von dem Engel, von der Verheißung. Er wird ihnen von der Aufgabe des Neugeborenen berichten, davon, dass dieser kleine, acht Tage alte Säugling einmal der Wegbereiter des Messias sein wird.
Und wenn du das hörst, in diesem Moment aus dem Mund eines Mannes, der monatelang nicht einen Pieps gesagt hat, dann verstehst du, glaube ich, ein bisschen, warum sie anfangen, sich zu fürchten. Du hörst, was dieser Mann dir sagt, und du merkst, was hier vor meinen Augen passiert. Da muss Gott seine Hände im Spiel haben.
Und du begreifst: Wenn das stimmt, was Zacharias sagt, dass Johannes, der Herr ist gnädig, wirklich, dass der Name stimmt, dass Gott dabei ist, sein Volk zu besuchen, dann merkst du: Dann stehen wir an der Schwelle zum messianischen Zeitalter. Dann stehen wir an der Schwelle zu einer gigantischen, den ganzen Kosmos erfassenden Revolution.
Und das, worauf wir jahrhundertelang gewartet haben, ist mit einem Mal greifbar nah. Das ist nicht mehr weit weg. Ich habe hier ein kleines Kind, ich habe den Propheten Gottes vor mir, der diese umwälzenden Ereignisse einleiten wird.
Und wenn wir das so ein bisschen begreifen, wie es den Leuten damit geht, dann verstehen wir vielleicht, wo diese Mischung aus Lob, Furcht und Neugier bei den Nachbarn herkommt.

Wenn Gottes Verheißung plötzlich ganz nah ist

Stell dir vor, du gehst zu einer x-beliebigen Beschneidung und freust dich darüber, dass die Frau in ihrem Alter noch ein Kind bekommen hat. Na schön, also ein bisschen Fete, zwei, drei Tage eine nette Zeit, nette Leute treffen, mit denen man schon lange nicht mehr gesprochen hat.
Und mit einem Mal merkst du: Boah, ich bin gerade ins Zentrum der Weltgeschichte gerückt. Wie, vierhundert Jahre hat Gott nicht mehr zu seinem Volk gesprochen, und mit einem Mal spricht mich Zacharias direkt an. Unter der Leitung des Heiligen Geistes, und er sagt Dinge, bei denen du einfach nur denken musst: Boah, ey, wenn das stimmt, dann weiß ich gar nicht mehr, was ich sagen soll. Wahnsinn, ich jetzt.
Und dann gehst du nach Hause, und den ganzen Weg nach Hause wirst du dir Gedanken über dieses Kind machen. Kann das irgendwie stimmen, was Zacharias sagt? Kann das irgendwie sein? Ey, das wäre ja Wahnsinn, wenn das stimmen würde. Aber stell dir mal vor, wenn das stimmen würde, was das bedeutet. Und ja, da passiert etwas.
In diesem Prozess möchte uns Lukas hier mit hineinnehmen. Die Nachbarn und natürlich auch Zacharias stehen an diesem Kinderbett, schauen da hinein und sehen einen acht Tage alten Säugling. Aber in Wirklichkeit sehen sie viel, viel mehr. Und ich möchte das, was sie mehr sehen, einfach mal anhand der Worte von Zacharias kurz vorstellen.
 Lukas 1,68
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, sagt Zacharias, dass er sein Volk angesehen und ihm Erlösung geschaffen hat.

Das Kind und die Erlösung dahinter

Das ist doch irre. Ja, da freut sich Zacharias. Aber er sieht nicht allein das Kind und sagt: Gepriesen sei der Herr, dass er mir in meinem Alter noch ein Kind geschenkt hat. Na, das wäre doch schon viel. Nein, Zacharias schaut an dem Kind und der Funktion und Aufgabe des Kindes vorbei bis ans Ende. Er sieht seinen kleinen Johannes, den Propheten des Messias, aber er sieht dahinter das Kreuz und er sieht die Erlösung.
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, dass er sein Volk angesehen und ihm Erlösung geschafft hat. Erlösung durch einen Messias, der noch nicht einmal geboren war. Maria ist etwa im vierten Monat, und trotzdem: Hier ist das eine Kind, das andere wird kommen, und wenn das Kind dann kommt, die Erlösung.
Vers 68, Vers 69: „Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Hause Davids, seines Knechtes.“ Also, das mit den Hörnern kennen wir seit den Wikingern. Die Wikinger haben immer diese komischen Helme mit den komischen Hörnern drauf. Hörner sind im Alten Testament ein Bild für Macht, Stärke, für Königtum. Das kommt natürlich daher, dass jeder Mann gern ein wilder Stier wäre, ja, und die haben halt diese Hörner da. Und deswegen sind die Hörner irgendwann zum Inbegriff für Männlichkeit, Kraft, Dynamik und Durchsetzungsvermögen geworden.
Ein Horn des Heils, ein Horn der Rettung, das ist nichts anderes als ein Begriff dafür, dass Gott einen mächtigen König aus der Dynastie Davids erwählt und aufgerichtet hat, so wie das auch in Psalm 132,17 heißt. Ein mächtiger König.

Der Messias als Erfüllung von Verheißung und Bund

Gott schickt den Messias, warum? Vers 70 wird uns sagen, weil er es durch den Mund seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her so verheißen hat. Vers 72 sagt dann, dass er Barmherzigkeit an unseren Vätern üben und seines heiligen Bundes gedenken will, des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, uns zu geben.
Gott sendet den Messias. Die ganze Zeit richtet Zacharias seine Begeisterung auf den Messias und erinnert daran, dass Abraham damals eine Verheißung bekommen hat. Das ist 1. Mose 22,18: „In deinem Nachkommen wird die ganze Welt gesegnet sein.“ Und Paulus wird in Galater 3,16 sagen: Das ist nicht so ganz global auf alle Nachkommen bezogen, sondern auf genau einen Nachkommen, nämlich Jesus.
Und hier erfüllt sich in Jesus die Verheißung des Alten Testaments. In Jesus wird der Eid, den Gott Abraham gegeben hat, gut zweitausend Jahre später eingelöst. In Jesus erfüllt sich das.
Am kommenden Mittwoch werden wir über diese Thematik, Altes und Neues Testament, noch viel mehr Gedanken machen. Wer sich dafür noch mehr interessiert, auch zum Galaterbrief, ist am kommenden Mittwoch herzlich eingeladen.

Die Aufgabe des Vorläufers

Erst in Vers 76 redet Zacharias über sein eigenes Kind: „Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten.“
Für Zacharias ist das völlig klar: Sein Sohn wird ein Prophet Gottes werden. Der höchste Gott wird sein Volk besuchen, und Johannes wird die Wege bereiten. Das heißt, er wird durch seine Predigt das Volk auf den Messias Gottes vorbereiten. Seine Predigt wird sich irgendwie um Errettung drehen.
Vers 77: „um seinem Volk Erkenntnis des Heils, Erkenntnis der Errettung zu geben in Vergebung ihrer Sünden.“ Johannes muss dem Volk Israel irgendwie erklären, wie Errettung funktioniert, und wie das mit dem Thema Vergebung der Sünden ist.
Gott hatte entschieden, dass der Messias nicht kommen kann, bevor nicht vorher das Volk Israel lernt, was es heißt, Buße zu tun, und wie man Vergebung der Sünden bekommt. Also bereitet Johannes das Volk innerlich, im Herzen, darauf vor, dass der Messias kommt. Und wenn der Messias kommt, soll er vorbereitete Herzen finden.
Das bedeutet, dass Jesus, wenn er predigt, zu Menschen predigt, die nicht bei null anfangen, sondern die irgendwie im Herzen vorbereitet sind auf das Thema Buße tun, auf das Thema Vergebung, letztlich auf das Thema Jesus und den Glauben an Jesus. Das ist die Aufgabe, die Johannes tut. Er redet über Rettung.

Wie der Mensch mit Schuld umgeht

Und Rettung hat immer damit zu tun, dass jemand seine Sünden vergeben bekommt. Das ist in jeder Religion so. In jeder Religion geht es irgendwie darum, eine Antwort auf das Böse im Menschen zu finden.
Jeder Mensch merkt, dass in ihm etwas steckt, das ihn umtreibt, das ihn zu einem Menschen macht, der irgendwie doch böse ist, ob wir das nun so nennen oder nicht. Zumindest ist er ein Mensch, mit dem in bestimmten Situationen nicht gut Kirschenessen ist. Ein Mensch, der in sich einen Keim zur Peinlichkeit, zur Ekelhaftigkeit, zur Perversion trägt.
Und jetzt ist die Frage: Wie gehe ich mit den Sachen um, die da manchmal passieren, die die Bibel Sünde nennt? Mit Dingen, in denen ich mich Menschen gegenüber so verhalte, dass ich sage: So möchte ich nie, dass man mit mir umgeht. Was tue ich mit meinen Sünden?
Ich habe ganz generell nur drei Möglichkeiten, wie man überhaupt mit Sünde im Leben umgeht. Ich kann sie entweder ignorieren. Ich kann sie zweitens versuchen abzuarbeiten, so nach dem Motto: Hier sind meine schlechten Taten und hier sind meine guten Taten. Und solange ich das so in einem vernünftigen Mittel halte, muss Gott schon irgendwie gut mit mir meinen, oder?
Und ich denke immer: Was für ein — jetzt muss ich aufpassen, ich bin jetzt nicht in einer Jugendveranstaltung — also, was für eine blöde Idee! Versuch mal, einem Polizisten, wenn du über eine rote Ampel fährst, zu sagen: Wissen Sie, das ist gar nicht so schlimm, lassen Sie Ihr Block stecken, ja, die letzten zehn Ampeln habe ich alle bei Grün genommen.
Aber mit dieser Argumentation, die vor keinem Polizisten gilt, treten wir vor Gott und sagen: Ja, ich weiß, ich habe in meinem Leben, ich weiß nicht, 15.000 Mal gelogen, aber weißt du, ich habe ja auch 300 Mal Brot für die Welt gespendet. Da muss doch irgendwie was gelten.
Merkt ihr: Da will man das Gute, was Gott sowieso möchte. Die grüne Ampel möchte man einsetzen, um die roten Ampeln, die alle verboten waren, irgendwie auszugleichen. Aber das klappt nicht. Das ist Blödsinn, auch wenn, ich sage es mal, alle Religionen so funktionieren.
Ein bisschen Meditation, ein bisschen Gebet, ein bisschen Spenden und Almosen hier, und Hauptsache, du machst so ein bisschen was. Und wenn das genug ist, dann kommst du schon irgendwie in den Himmel. Warum sollte Gott dich nicht reinlassen?
Antwort: Weil du ein Sünder bist, deshalb. Weil du nichts erreicht hast, außer nur das zu tun, was Gott so von dir verlangt, nämlich gut zu sein, lieb zu sein. Du kannst das Böse nicht abarbeiten. Das Böse wird dich in den Schlund der Hölle ziehen, da, wo du hingehörst, wenn du dem Bösen in deinem Leben nicht wehrst.
Also: entweder ignorieren oder versuchen abzuarbeiten. Aber es wird nicht funktionieren, ich verspreche es dir, es wird nicht funktionieren. Oder, und das ist die dritte Möglichkeit, die uns Johannes offeriert: Ich lerne das Prinzip Buße kennen, wo etwas in meinem Herzen passiert, und lasse mich auf Jesus hinweisen, der für meine Sünden ein für allemal gestorben ist und der mir diese ganze Schuld der roten Ampeln wegnimmt.
Und sagt: Du kannst nicht dafür bezahlen, aber ich kann bezahlen. Und du kannst deine Schuld nehmen, und du kannst deine Schuld auf mich legen, und damit gehst du frei aus.
Und das ist das Angebot, das Johannes vorbereitet: dass ein Messias kommt, der die Schuld des Einzelnen nimmt und auf sich geladen bekommt und an der Stelle dem Einzelnen Vergebung zuspricht. Und das ist der einzige Weg, wie es überhaupt Vergebung gibt.

Licht für die, die im Schatten sitzen

Vers 78
Ich lese noch einmal Vers 77: Um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns der Aufgang aus der Höhe besucht hat.
Gott ist voller herzlicher Barmherzigkeit. Ein Gott, der sich das ausdenkt, dass ich meine Schuld ihm auflegen darf, der muss einfach herzlich barmherzig sein. Was soll er denn sonst sein? Und deswegen lässt Gott, weil er herzlich barmherzig ist, den Aufgang aus der Höhe uns besuchen.
Das ist ein lustiges Wort. Da habe ich oft, so als junger Christ, gerätselt: Was meint er mit „Aufgang aus der Höhe“? Und irgendwann ist mir das so ein bisschen gedämmert: Dieser Aufgang aus der Höhe, der soll leuchten, steht im nächsten Vers, nämlich um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen. Es hat also irgendetwas mit Licht zu tun.
Und das Wort Aufgang kennen wir von Sonnenaufgang. Bei Sonnenaufgang geht die Sonne auf. Und der Aufgang aus der Höhe, das ist ein alttestamentlicher Bezug, der uns natürlich sofort nicht so viel sagt. Da greift Johannes auf Jesaja 60 zurück. Ich lese das mal vor, er braucht nicht mitzuschlagen: Jesaja 60,1-3.
Da geht es um die zukünftige Herrlichkeit Zions, und dasselbe Bild wird verwendet: Steh auf, werde Licht, denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir aufgegangen. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften. Aber über dir strahlt der Herr auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir, und es ziehen Nationen zu deinem Licht hin und Könige zum Lichtglanz deines Aufgangs.
Da kommt dieser Gedanke her. Gott ist die Sonne über seinem Volk. Jesus ist der Sonnenaufgang Gottes über Menschen. Er möchte denen leuchten, die in geistlicher Finsternis sitzen. Er möchte denen leuchten, auf die der Schatten des ewigen Todes schon fällt, die schon so dicht sind, dass sie schon den Schatten spüren; die noch nicht ganz von dem ewigen Tod gefangen sind, aber die so dicht dran sind, dass jetzt oder nie eine Rettung gefunden werden muss.
Und Gott möchte, dass es so ist.
Vers 79: unsere Füße richten auf den Weg des Friedens. Und hier ist mit Frieden dieser hebräische Friede, dieser Schalom, gemeint: Frieden im umfassenden Sinn. Frieden, der damit zu tun hat, dass meine Sünden vergeben sind, dass ich in einer Beziehung mit Gott lebe, eine Beziehung, die wechselseitig ist, die mich prägt, dass es mir wohlergeht, dass Ordnung in meinem Leben ist. In diesem umfassenden Sinn will Gott mir Frieden schenken.
Die geistliche Sonne geht auf über den totgeweihten Feinden Gottes. Der Messias kommt als Gottesoffenbarung, damit wir den Weg des Friedens erkennen und ihn gehen können. Jesus wird später sagen: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Das heißt, er selbst ist der, der den Weg offenbart, und er ist selbst der Weg. Er ist der Weg zum Frieden mit Gott durch das Kreuz.
Aber da sind wir noch nicht. Das kommt später, wenn wir in der Reihe weitermachen, dann so ab Predigt 37 würde ich schätzen, da gehen wir genau darauf ein.

Begeisterung durch Vertrauen auf Gottes Zusagen

Jetzt sind wir erst einmal bei Zacharias. Im Moment hören wir ihm erst einmal zu, wie er bei der Beschneidung seines Sohnes Dinge sagt und sich über Dinge freut, die nicht zuerst mit seinem Sohn zu tun haben, sondern mit dem, was sein Sohn als Wegbereiter des Messias für die ganze Welt bedeutet.
Und da möchte ich eine ganz wichtige Lektion für Begeisterung ableiten. Zwei Punkte, ja: Also den ersten Punkt haben wir schon, jetzt kommt der zweite Punkt. Wie finde ich Begeisterung? Und die Lektion heißt so: Wenn Gott A sagt, sagt er auch B.
Also, ihr seid noch nicht so begeistert. Okay, ich will es erklären. Wenn Gott einen ersten Schritt geht und Verheißungen gibt, wenn er etwas verspricht, dann können wir hundertprozentig sicher sein, dass Gott seine Versprechen hält. Wenn er A sagt, sagt er auch B.
Bevor der Messias das erste Mal kommt, also Jesus geboren wird, bekommt hier Zacharias als Zweifler einen starken Glauben. Und vielleicht geht es uns ähnlich, dass wir auch manchmal Zweifler sind, dass unser Glaube auch manchmal schwach ist, dass wir an Gottes Zusagen auch manchmal zweifeln. Vielleicht haben wir sogar so ein Stückchen die Hoffnung für unser Leben aus dem Blick verloren.
Und das sage ich als einer, dem das schon öfter als einmal passiert ist, dass man mitten im Alltag hektisch aufwacht und sagt: Sag mal, was lebst du eigentlich im Moment für ein geistliches Leben? Das ist doch eigentlich formal geworden, es ist nicht so furchtbar aufregend mehr, und eigentlich sehne ich mich nach mehr Begeisterung, Begeisterung für Gott.
Der erste Schritt, den Zacharias gegangen ist, war der, dass Begeisterung in der Stille beginnt, im Nachdenken über Gott, sein Wort, mein Leben, und dass ich es zulasse, dass Gott mich anspricht und mich erzieht.

Der Blick über das Sichtbare hinaus

Der zweite Schritt ist, dass ich mir vor Augen halte, worüber ich mich freuen kann.
Und jetzt passiert folgendes Problem: Zacharias hat dieses kleine Kind, und er könnte sagen: Na ja, dreitausend Gramm schwer, schrumpelig, Johannes. Das macht er aber nicht, sondern er sieht das kleine Kind, und er sieht in dem kleinen Kind die ganze Folge an Verheißungen und Versprechungen, die Gott gibt. Und er freut sich nicht nur über 3000 Gramm schrumpelig Johannes, sondern er freut sich über alles, was dahinter liegt.
Und das ist die Lektion, die wir lernen müssen. Worüber ist Zacharias begeistert? Er ist darüber begeistert, dass in diesem Sohn eine Verheißung steckt. Und er ergreift jetzt nicht nur die Freude an seinem Sohn, sondern er umarmt die ganze Verheißung, die damit zusammenhängt, und er freut sich an dem Ganzen.
Und wenn wir einen Weg zurückfinden wollen zu echter, leidenschaftlicher, enthusiastischer Begeisterung für Gott, dann müssen wir in meinen Augen ganz genau dasselbe tun. Dann müssen wir es lernen, dass Gott absolut vertrauenswürdig ist, dass Gott all das, was er zugesagt hat, halten wird, und dass ich mich heute schon über all das freuen kann, was in der Zukunft auf mich zukommt.
Ja, du kannst in dein Leben schauen. Na ja, hektische Woche, nicht unbedingt der prickelndste Eheabend gestern, Wetter, es wird wieder kälter, und ich dachte, es wird endlich warm. Also, das kannst du tun, und deine Begeisterung wird irgendwo stecken bleiben, so eingefroren werden.
Du kannst aber auch dir einfach eingestehen, dass diesseits der Ewigkeit kein Paradies liegt und dass wir dazu berufen worden sind, als Kinder Gottes nicht hier unser Leben zu leben, obwohl wir hier leben, sondern dass wir dazu berufen sind, hier unser Leben zu verlieren, unser Kreuz zu tragen und dafür zu sorgen, dass wir mit Jesus und für Jesus leben und dass er sein Leben durch uns lebt.
Und wenn wir das tun, dann bekommen wir einen Blick wie Zacharias, einen Blick, der weitergeht. Dann merken wir mit einem Mal, dass Gott uns den Heiligen Geist geschenkt hat als Anzahlung.

Der Geist als Anzahlung der kommenden Herrlichkeit

Und ich möchte jetzt etwas sagen, was mir wirklich wichtig ist. Und wenn das Verwirrung stiftet, dann lebe ich damit.
Ich hoffe, dass jeder hier im Raum weiß, dass er den Heiligen Geist hat, weil das der Knackpunkt ist. Und ich bitte: Wenn da jemand unschlüssig ist, wenn jemand sagt: Ich kann mit dem Thema gar nichts anfangen, dann knebelt und foltert eure Ältesten zu dem Thema. Sie müssen euch Antwort geben, sie müssen euch da helfen. Aber das ist eine Sache, die wirklich wichtig ist.
Hast du den Heiligen Geist? Denn er ist die Anzahlung Gottes auf die Ewigkeit. Und wenn du ihn hast, wenn du sagst: Ja, ich kann aus ehrlicher Überzeugung sagen, Papa, dann ist das eines der Kennzeichen dafür, dass man den Heiligen Geist hat: eine Begeisterung für Gott, die in einem drinsteckt, die nicht immer rauskommt, aber die erst einmal ganz grundsätzlich da ist. Ich habe einen Vater im Himmel.
Und wenn du das weißt, wenn du wirklich ein Kind Gottes bist, dann darfst du, dann sollst du, dann musst du dich eigentlich heute schon an der Ewigkeit freuen. Und das ist die zweite wichtige Lektion: Du wirst dich nie freuen, wenn du dein Leben auf die Gegenwart konzentrierst. Aber du wirst dich rasend freuen, wenn du anfängst, darüber nachzudenken, was es heißt, ein Kind Gottes zu sein, was es heißt, eine Zukunft zu haben, die so unglaublich schön ist, dass sie einfach alles in den Schatten stellen wird, was hier an Schönem ist.
Wenn du dir vergegenwärtigst, was Gott dir geschenkt hat, was Gott dir verheißen hat, dann ist es völlig egal, dass du das vielleicht noch nicht hast. Wenn Gott A sagt, sagt er B. Zacharias sieht das kleine Kind, aber er sieht dahinter den Messias. Du siehst hoffentlich und erlebst den Heiligen Geist in deinem Leben. Du siehst die Zusagen, die Gott dir gibt, die Hoffnung, die Gott dir gibt.
Und ich hoffe, du kannst dich, auch wenn du vielleicht sonst gerade Schwierigkeiten im Job hast, vielleicht gar keinen Job hast, krank bist und was weiß ich, davon lösen und sagen: Ich werde mich freuen über Gott, ich werde mich freuen über die Ewigkeit. Ich werde es zulassen, dass mein Herz geflutet wird von Begeisterung, weil ich mich nicht in dem Hier und Jetzt festhalte, nicht davon mein Gefühlsleben abhängig mache, sondern einen Schritt weitergehe, nach vorne blicke, nach oben blicke, dorthin, wo ich eigentlich hingehöre als Himmelsbürger.

Schluss: Vom Unglauben zur Anbetung

Vom Unglauben zur Begeisterung, das war das Thema. Zwei Punkte möchte ich noch einmal kurz wiederholen:
Wenn Gott dich nicht mehr so begeistert, wie das vielleicht früher einmal war, dann kann das daran liegen, dass es dir an Stille fehlt. An Stille, um über ihn und über sein Wort nachzudenken. Der Punkt war: Unglaube verschließt den Mund, und Gehorsam öffnet ihn.
Vielleicht ist die Freude an Gott verloren gegangen, weil dein Leben zu schnell geworden ist. Weil du keine Zeit mehr hast, auf Gott zu reagieren. Weil Gott zu dir spricht, du aber das, was er sagt, nicht mehr verarbeiten kannst. Wenn das so ist, dann möchte ich dir heute eine Chance zur Kurskorrektur geben.
Jesus ist am Kreuz gestorben, auch das haben wir vorhin gesungen, damit wir in seine Ruhe eingehen. Nochmal: Jesus ist gestorben, damit wir in seine Ruhe eingehen. Jesus hat ein riesiges Interesse daran, dass wir seine Ruhe erleben und Stück für Stück Veränderung erfahren. Und zwar genau die Veränderung, die er für uns hat. Er sagt: Ich weiß, dass du das brauchst, und ich möchte mit dir diesen Weg gehen. Ich möchte dich ein Stück weiterbringen auf dem Weg, den ich für dich habe.
Das ist etwas ganz Individuelles. Gott möchte uns individuell erziehen, aber wir müssen das zulassen. Und dazu braucht es Stille und Ruhe vor Gott. Das ist der eine Punkt. Das ist so etwas wie das Fundament.
Der zweite Punkt: Wenn Gott dir dann den Mund öffnet für Anbetung, dann freu dich mit ganzem Herzen an seiner Treue und an seiner Barmherzigkeit. Und freu dich nicht nur über das, was vor Augen ist. Ja, es ist schön, wenn du in der letzten Woche etwas mit Gott erlebt hast. Ja, das ist okay. Aber es hätte auch anders kommen können. Und es ist zu wenig, wenn wir uns immer nur an dem freuen, was in unserem Leben gelingt.
Ich möchte dich eigentlich auffordern, die Augen aufzumachen und das ganze Bündel an Verheißungen und Zusagen, das Gott dir schenken möchte, in leidenschaftliche Anbetung umzuwandeln. Das ist eigentlich so ein bisschen das, worauf auch der Psalmist hinweist. Wir glauben ja bitteschön nicht, dass Psalm 100 geschrieben wurde, als es nirgendwo im Umkreis von hundert Kilometern auch nur ein Volk gab, das gerade darüber nachgedacht hat, ob man Israel nicht vielleicht einnehmen könnte. Die waren ja ständig unter Druck, und trotzdem Begeisterung.
Und das müssen wir irgendwie auch schaffen: in der Anspannung des Alltags ehrliche, leidenschaftliche Anbetung zu haben. Wir müssen es lernen, zu begreifen, dass wir als Kinder Gottes dazu berufen sind, heute im Glauben zu genießen, was wir in der Ewigkeit einmal im Schauen erleben werden. Also: Wenn Gott A sagt, sagt der B. Du darfst heute im Glauben genießen und darüber begeistert sein, über das, was du in der Ewigkeit einmal im Schauen erleben wirst.
Und warum geht das so? Weil Gott absolut vertrauenswürdig, absolut zuverlässig ist. Er hat uns seinen Geist gegeben, weil wir zu ihm gehören, und er wird uns nie wieder loslassen. Und deswegen dürfen wir ihn heute und in alle Ewigkeit genießen und feiern. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.