Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Die Kraft des Gebets im Vergleich zu menschlichen Möglichkeiten
Wer da bittet, der empfängt. Das Missionsgebet des Paulus aus dem Kolosserbrief, 4,2-4:
Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung. Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessen willen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.
Sie kennen alle das Telefon. Das Telefon ist eine wunderbare Einrichtung. Wo Sie auch sind in der Welt: Sie können anrufen, Sie werden angerufen, Sie können jeden erreichen. Es gibt gar keinen Platz, wo man nicht hinkommen kann mit dem Telefon.
Eine noch viel wunderbare Einrichtung als das Telefon ist das Gebet. Ohne dass Sie eine Hörmuschel brauchen, ohne dass Sie ein Mikrofon haben, können Sie über die fernsten Distanzen hinweg Menschen erreichen, unmittelbar. Und nicht nur, dass Sie sie äußerlich erreichen, sondern Sie können bis ins Innerste hinein wirken. Und noch viel mehr: Sie können es erreichen und den Arm Gottes bewegen durch das Gebet.
Und das ist so simpel und so einfach und so direkt. Man wundert sich ja immer wieder, warum es Leute gibt, die das Gebet nicht gebrauchen, warum es Christen gibt, die nicht fortwährend mit dem Gebet umgehen. Eigentlich greift man sich in den Kopf, warum wir oft so viel Zeit zubringen mit Sitzungen, mit schwierigen Sorgen, die wir wälzen, auch oft mit viel Mühe und mit viel Eifer, und daran denken, bis wir die nötigen Finanzen zusammen haben. Und die Mahnung Jesu war doch ganz anders.
Wir sollten den ersten Schwerpunkt aufs Gebet legen, weil Gott auch einzig nur den Zugang zu den Herzen von Menschen hat, weil er nur die Probleme lösen kann. Und genau in den so schwierigen Fragen des Zusammenlebens, die wir untereinander haben, in den großen menschlichen Schwierigkeiten, da liegt es. Wo gibt es das auf dem Missionsfeld, dass zwei Missionsarbeiter miteinander leben und nicht große Schwierigkeiten in der Disharmonie miteinander haben, an der Strategie, an den kleinen Reibereien, an dem Ärger? Und vergessen wir das nicht einfach.
Was ist mit dem Gebet? Woran liegt das nun bei den Ungläubigen? Da verstehen wir, dass sie sagen: Das Gebet ist ein Selbstgespräch des Menschen auf dem Weg zu Gott, so ein berühmter Theologe. Nein, es ist kein Selbstgespräch. Das Entscheidende beim Beten ist: Ich rede mit dem Herrn aller Herren, dem König aller Könige, und er hört mein Beten. Und das bewegt Gott, was ich ihm sage. Er hat sogar eine Garantie daraufgelegt, dass er es absolut einlösen will.
Also ist es nicht einzusehen und nicht zu begreifen, warum in meinem Leben das Gebet oft so eine untergeordnete Rolle spielt.
Warum Jesus das Gebet so stark betont
Wenn man heute oft in christlichen Kreisen über Glaubenszweifel redet, dann ist eigentlich das Unglaublichste doch dies: dass Gott Gebet hört. Können Sie es begreifen, wie viele Menschen jetzt irgendwo in der Welt zur gleichen Zeit beten? Und das soll Gott hören? Das Reden meines Herzens mit Gott – da können Zweifel kommen. Wer zweifelt, das wäre durchaus verständlich, das wäre berechtigt. Aber allen unseren eigenen Zweifeln zum Trotz ist die Bibel doch bei Jesus immer wieder auf dieses Thema gerichtet, und zwar uneingeschränkt mit der Forderung: Betet.
Ich habe es gar nicht gezählt. Schauen Sie einmal im Evangelium nach, dann fallen Ihnen jetzt ganz viele Stellen ein: Immer wieder heißt es, betet doch. Und das ist eine Mahnung. Also, wie soll es uns Jesus noch wichtiger machen? Ich hätte ja Verständnis, wenn Jesus sagen würde: Also bitte, ihr müsst euch zuerst selber anstrengen. Schließlich habe ich euch Kraft gegeben, Gesundheit, zwei Hände und zwei Füße und einen Kopf zum Denken. Und erst, wenn ihr dann am Ende seid und euch redlich gemüht habt, dann dürft ihr auch noch beten. Aber macht es euch nicht so leicht. Das wäre ein Grund, dass Gott uns das sagt.
Das Gegenteil ist richtig. Jesus sagt: Betet doch! Betet, und in der Apostelgeschichte: Betet ohne Unterlass, betet fortwährend. In dem schönen Wort, wie es in der Einladung draufsteht, aus Matthäus 7, aus der Bergpredigt, wird es Jesus wieder als eine ganz sichere Bank bezeichnet. Wer bittet, der wird es erleben, dass er empfängt, und du wirst nicht umsonst beten.
Wenn Sie sich einmal weiter überlegen, was Jesus in seinem ganzen Wirken als Wichtigstes getan hat, dann merken wir doch, wie wir es mit unseren Kalendern und unserer Reihenfolge machen, wofür wir Zeit haben. Ich weiß, wie es morgen eines Tages drängt: Wir müssen aufbrechen, wir müssen unsere Termine wahrnehmen. Wir wissen, dass Jesus die ganze Nacht oft im Gebet zubrachte. Aber mir war auch interessant, dass er etwa viele Fragen, die uns heute in unseren Gemeinden wichtig sind, nie richtig geklärt hat, lehrmäßig. Was hätten wir uns in der Christenheit erspart an viel unnützem Streit, wenn Jesus uns nur zur Frage der Taufe ein paar konkretere Anweisungen gegeben hätte, ob sie in fließendem oder im stehenden Wasser erfolgen soll und welche Glaubensvoraussetzungen gegeben sein müssen, um taufen zu können. Es wäre doch viel geklärt, und wir finden kein Wort von Jesus darüber.
Wenn Jesus uns zur Methodenfrage in den Gemeinden mehr Anleitung gegeben hätte: Sollten wir die Gemeinde hierarchisch von oben nach unten strukturieren oder presbyterial mehr oder kongregational? Sehr viele Fragen, die uns heute bewegen, sind Methodenfragen. Achten Sie auf den Jüngerkreis: Was war typisch für den Jüngerkreis? Herr, lehre uns beten. Jesus hat keine Modellgemeinde gegründet. Jesus hat einen Haufen von Menschen gesammelt, die gerne beten lernen wollten und die bei Jesus gemerkt haben: Das kann man bei Jesus lernen, richtig beten, wie man das richtig macht.
Und darum ist das eine Einladung heute Morgen: Jetzt bete doch mal mehr. Ich bin ja über die Jahre hinweg, auch wie ich Heinz Müller kenne, beeindruckt, was diese starke Ausweitung der Allianz-Mission war. Das war auch eine ganz große Leistung und Arbeit. Aber es ist ganz entscheidend, dass da eine große Schar Beter ist, und eine große Schar Beter ist nötig.
Die tragende Rolle der Fürbitte in der Mission
Darum mein erster Punkt: Ich habe fünf Punkte. Beter werden gebraucht, Beter werden gebraucht.
Deshalb Paulus. Er war ein Stürmer, ein Vorwärtstränger, ruhelos, rastlos. Kein Hindernis war für ihn zu groß. Wenn Sie einmal auf einer Urlaubsreise in Antalya stehen und hinauf zu den großen Taurusbergen blicken, dann hat Johannes Markus, der Neffe des Barnabas, schon das Muffensausen bekommen und gesagt: Da habe ich Angst. Als ich die Geschichten hörte im Wirtshaus von Antalya, wie da die Räuber zuschlagen, da sagt Paulus: Aber ich gehe durch mit dem Schutz meines Herrn. Es gab ja für ihn überhaupt kein Zurück.
Das kann einen ja begeistern, wie Paulus auch in der Missionsarbeit nicht um den heißen Brei herumredete. Er schleuderte in der Synagoge direkt den anstößigen Punkt den Leuten an den Kopf: Jesus, der Messias, der Verheißene aus dem Alten Testament. Unerschrocken, obwohl es Tumult gab, obwohl sie ihn gesteinigt hatten. Man denkt, die Nachwirkungen hätten ihn ein wenig stummer gemacht. Im Gegenteil: Er war umso feuriger, umso energischer in seinem Dienst.
Er hat von Jesus geredet, von seiner Auferweckung, von seinem Kreuzestod für unsere Schuld. Er sprach das vor den Gebildeten damals im Hellenismus und, wo das auch war, und dann wagte er sich auf diese gefährlichen Segelschiffe hinaus, ohne Angst vor dem, was da werden könnte. Selbst im wildesten Seesturm. Und er hat ja einige davon durchlitten. Er war furchtlos und wusste: Mein Leben liegt in der Hand Gottes.
Und wir gucken das an und sagen: Was war das bei Paulus, dass der solche Nerven, solche Nervenkraft hatte? Es war nicht Nervenkraft. Er war angeschlagen, er war kränklich, er war schwach. So sieht er sich selber. Aber er wusste: In meiner Heimatgemeinde, die ihn ausgesandt hat, in Antiochien, da vor allem legt er großen Wert darauf, da sind treue Beter. Und jeder dieser treuen Beter, das war für ihn ein Ehrenname.
Liebe Schwestern und Brüder, so wie wir heute Morgen zusammen sind, ich denke, Sie sind solche treuen Beter. Und Paulus sagt: Betet, dann kann ich mutig in der ganzen Anfeindung stehen. Betet!
In der Missionsarbeit des Paulus ist es wie auf einem Eisberg. Da sieht man zwar diesen machtvollen Berg, aber das Eigentliche ist unter Wasser. In der Allianzmission ist es genauso. Da sieht man Großes, das springt in die Augen, da staunt man. Aber das Entscheidende, was alles trägt, ist ihr Gebet, ihre Fürbitte, auch wenn niemand davon redet, auch wenn niemand das anerkennt oder sie darüber preist.
Betet, seid beharrlich im Gebet, bleibt dabei! Paulus hätte keinen Schritt gewagt, nicht einen, wenn er nicht gewusst hätte: Das sind Leute, die für mich beten.
Und ich möchte Ihnen diese Aufgabe wichtig machen. Wenn wir einmal die Geschichten der Missionsarbeit ansehen, aus der Ewigkeit betrachtet, mit dem Blick Gottes, dann werden wir auf einmal diese Dimensionen sehen. Dann werden wir erkennen, dass nicht die Budgetpläne, nicht die Büros und auch nicht die Erfolgszahlen, die wir oft vorweisen können, das Entscheidende waren, sondern die Gebete, die den Arm Gottes bewegt haben.
Ich finde das so toll in der Physik, wenn man da einen Hebel nimmt und den Hebel, den langen Hebelarm, richtig ansetzt, dass man da den schwersten Steinbrocken hochheben kann. Das Gebet hat so eine ungeheure Hebelwirkung, eine ganz ungeheure Hebelwirkung.
Was wir wollen mit Mission, ist Ihnen das überhaupt klar? Ein völlig unmögliches Ding in unserer gottlosen Welt, wo der Fürst der Welt triumphiert: nichts anderes als das Reich unseres Gottes ausbreiten, die Gegenwart Jesu sichtbar werden lassen mitten in einer Welt, wo Dämonen wüten, wo die Finsternis triumphiert, wo Menschen sperren. Es ist ein unmögliches Stück. Und wir tun dies, weil das Gebet eine Verheißung hat: Seid beharrlich im Gebet und wacht im Beten mit Danksagen.
Wachen, danken und auf Gottes Wirken vertrauen
Ich weiss nicht, ob man beim Gebet schlafen kann. Es gibt manchmal vielleicht auch Routinegebete, aber wahrscheinlich bezieht sich das, so sagt ein Ausleger, auf die Sklaven. Die hatten nicht bloss den Zwölfstundentag, sondern sechzehn Stunden am Tag. Sie waren müde und mussten schlafen.
Und da sagt Paulus: Und selbst wenn ihr noch ein paar Nachtstunden drangebt, es lohnt das Beten. Wacht auch noch und macht das Gebet mit Danksagung, mit Danksagung in der Freude daran, dass ihr Gott nicht erst überreden müsst, sondern dass ihr in eurem Gebet schon danken dürft, dass ihr auf der Spur seid.
Der grosse Erweckungsprediger und Missionsmann Louis Harms hat einmal gesagt, Mission sei nicht ein Zeichen der Herrlichkeit der Kirche, sondern der letzten bösen Zeit des grossen Abfalls vom Christentum. In der Zeit der Mission schare sich alles, was christlich heisst, um die Mission. Ich habe das aus dem Bereich der Landeskirchen so erlebt, den grossen Niedergang gesegneter Missionswerke.
Und Gott hat uns in den letzten fünfundzwanzig Jahren im Bereich der evangelikalen Mission noch einmal solch einen wunderbaren Aufbruch geschenkt, ein Zeichen der letztbetrübten Zeit, der grossen Erwartung der Wiederkunft Jesu.
Ich war jetzt in Äthiopien unterwegs und bin ganz beeindruckt, wie die grossen Naturvölker, die tief im Süden hinter den dreitausend Meter hohen Bergketten bisher verborgen lagen, wo nur wenige Ethnologen dahinfanden, sich für das Evangelium öffnen. Noch vor zwei Jahren wurden dort Evangelisten ermordet, jeder Mann trägt eine Kalaschnikow, kaum sonst Kleider. Und dort unten bei den Boranas, eine Million Boranas, kam mir ein alter Mann mit 80 Jahren entgegen, der sagte: Sieben Plätze haben mich von meiner letzten Reise aufgefordert, schickt uns Evangelisten!
Unter den Mursi, unter den Podis, unter den Me'en ist die Gemeinde von neun auf jetzt über zehntausend gewachsen. Wir leben in einer Zeit, in der die letzten Völker mit dem Evangelium erreicht werden. Und wenn man Mission treibt, kann man es nur tun in der grossen Erwartung der Heilsgeschichte. Komm bald, Herr Jesus, dass das Evangelium bis zu den letzten Völkern der Welt trifft und kommt.
Das sind die Beter wichtig: Herr, lass das doch heute auch geschehen, dass wir daran beteiligt sind an diesem deinem grossen Werk, dem Bau deines Reiches. Also, Beter werden gebraucht.
Die Bitte um Gottes Wirken und die Grenzen menschlicher Planung
Das Zweite: Was ist die Macht des Gebets?
Im Gebet geht es um was? Es geht nicht um kleine Details. Die dürfen wir Gott auch sagen, die Kleinigkeiten unseres Lebens, angefangen von den Geldsorgen über das Kopfweh und die verweigerten Visa und alles, was dazugehört. Im Gebet geht es doch darum, dass Gott wirkt.
Ich habe vorhin gedacht: Wenn man da Ihnen etwas sagen soll, wie soll ich Ihnen etwas sagen können, wo Sie solche bibelgelehrten Leute sind? Da reist man daher und meint, mit einer Botschaft für sie zu kommen. Ich kann aber bitten: Herr, jetzt rede du in dieser Stunde zu uns.
Beten ist immer: Herr, jetzt geben wir dir Raum. Halesby sagt in seinem großartigen Buch vom Beten, das ja am schönsten zusammenfasst, was Beten ist: Beten heißt zuerst, Gott in unser Leben, in unsere Welt einzulassen. Wir können Organisationen aufbauen, und wir können strukturieren. Aber Herr, jetzt lassen wir dir das Feld frei, jetzt warten wir auf dich. Darum rufen wir, wenn wir vor dem Gottesdienst beten: Herr, jetzt musst du doch ran. Wenn wir um unsere Kinder und Enkel sorgen: Herr, jetzt musst du doch etwas machen.
Beten heißt: Gott soll wirken. Dass Gott betet doch zugleich auch für uns, dass Gott jetzt wirke durch den Dienst des Apostels. Paulus hat das nie überschätzt. Vielleicht kommt das bei uns als vor, dass wir uns überschätzen, dass wir meinen, wir seien groß. Mir war das auf dieser Reise in Äthiopien ganz besonders aufgefallen, wie demütig diese Evangelisten sind, die da jahrelang unter diesen Völkern leben, die ihnen fast noch fremder sind, als sie uns sind in ihrer kulturellen Fremdheit. Denn die haben ja noch nie im Fernsehen so etwas gesehen, wie diese Menschen dort leben, diese Naturvölker in Äthiopien. Wie die da draußen sind und dann ganz demütig, wenn man sagt: Ja Mensch, das habt ihr erlebt, dass da etwas geworden ist, dann sagen sie: Nein, nein, wir können gar nichts, das ist der Herr.
Diese Bitte haben wir doch, wenn wir Missionare aussenden: Jetzt lass du durch den Dienst dieser Schwester, dieses Bruders etwas von deiner großen Gotteswirkung durch deinen Heiligen Geist geschehen. Wir wollen das, dass du wirken kannst.
Sie haben noch ein Programm, diese Stelle: „Bittet, so wird euch gegeben“ aus der Bergpredigt. Interessant, was Jesus da sagt: „Bittet, so wird euch gegeben.“ Warum sagt denn das Jesus in der Bergpredigt? Da sagt Bonhoeffer in seinem tollen Buch von der Nachfolge, interessant: Jesus wollte seinen Jüngern sagen, ihr verfügt nicht über das Wort. Es ist der Fehler der Christen, dass sie immer meinen, sie können das Wort des Evangeliums den Menschen der Welt nahebringen. Nun, das meinen wir als moderne Menschen. Wir besuchen Kongresse und sagen: Was muss man machen, damit man es dem modernen Menschen von heute das Evangelium richtig sagen kann? Und Bonhoeffer sagt: Tolle Ideen können Sie transportieren, Sie können auch die schwierigsten lehrmäßigen Gedanken mit der nötigen Sorgfalt Menschen einbläuen. Das Evangelium bleibt dem Menschen ein Fremdkörper.
Sind Sie sich dessen bewusst, wenn Sie evangelisieren, wenn Sie Mission treiben? Es kann nicht funktionieren. Und wenn Sie den cleversten Evangelisten haben, es kann nicht funktionieren. Sie können keinem einzigen Menschen das Evangelium von Jesus einreden. Nicht, dass ich meine, es liegt nur an Ihnen. Paulus sagt: Ich kann es doch auch nicht, es ist ein Geheimnis. Das ist ja gar kein Geheimnis an sich, das ist ja sonnenklar, wenn man es im Glauben mal begriffen hat. Aber es ist für den Menschen, der mit dem Denken der Welt, mit dem Geist der Welt behaftet ist, ein Fremdkörper und kann das Evangelium nicht verstehen. Betet, das Wunder des Gebets.
Vor hundertsechzig Jahren ist ein Ludwig Krapf sechs Jahre lang durch Äthiopien gereist und hatte den Traum, die Oromos als die Evangelisten zu gewinnen. Und als er nach dreißig Jahren starb, auf dem Friedhof in Korntal, direkt vor dem Missionsseminar dort ist er beerdigt, hat er gesagt: Ich habe in meinem Leben nicht einen Menschen zu Jesus geführt. Er ist Nationalheiliger in Kenia wegen seiner Swahili-Forschung. Er hat in meinem Leben nicht einen Menschen zu Jesus geführt. Aber, sagt er, es wird einmal das Evangelium über Ostafrika so breit und groß daherfließen wie der Pangani-Fluss.
Woher ich das weiß? Aus dem Evangelium, weil Gott Gebet erhört. Wissen Sie das auch? Lassen Sie unseren Dienst nicht vergeblich sein. Wir wollen heute immer Erfolg haben, Bestätigung brauchen wir gar nicht. Lasst uns treu im Dienst unseres Herrn bleiben, weil Gott wirkt. Und wir können über das Evangelium nicht verfügen, und das soll Sie auch nicht irritieren, wo Sie etwa in Ihrer Familie Leute haben, die ablehnend sind. Bleiben Sie im schlichten Zeugnis, werden Sie nicht aufdringlich, sondern bleiben Sie in der Liebe und geduldig dabei, weil das Gebet eine große Macht ist. Sie werden mal staunen nach Ihrem Tod, wenn Sie aus der Ewigkeit sehen können, was Gott gewirkt hat aus Ihrem Zeugnis. Aber gut, dass Sie es nicht mit Ihren Augen oft sehen, Sie würden stolz darauf werden.
Die Verheißung, die Jesus dem Gebet gibt, ist das, dass er sagt: Es wird erhört. Ich gebe, und ihr werdet finden, und die Tür wird aufgetan für euch.
Das Geheimnis Christi und die offene Tür für das Evangelium
Und deshalb jetzt ein Drittes: Ich möchte noch etwas über das Geheimnis Christi sagen. Es bedeutet, dass das Geheimnis Christi offenbar wird.
Vor einiger Zeit ist bei den Brüder-Missionen Doktor Hans Martin Kilgus wieder nach Pakistan ausgereist. So ein Missionsschicksal ist ja schon eindrücklich. Vor 25 Jahren ist er zum ersten Mal nach Pakistan gegangen. Kaum einer hat solch eine demütige Gabe, den Pakistanis nahezukommen. Zuerst ist er in den Chitral gegangen, ein völlig unerreichtes Gebiet. Dann ging er nach Kohistan, ebenfalls ein Gebiet, in dem noch nie das Evangelium verkündet wurde. Und dann passierte es nach 25 Jahren Missionsarbeit, dass plötzlich irgendwo extreme Mullahs am Freitagsgebet sagten: Dieser deutsche Arzt hat einen Koran zerrissen. Das war kein Wort wahr, das wird ja nie ein Missionar tun. Aber es hat genügt, dass er in Sekundenschnelle sein Leben nur noch durch Flucht retten konnte.
Und dann ist er vor einem Jahr wieder ausgereist. Er ist genau an der Grenze nach Kohistan. Wenn man das so leibhaftig spürt, dann spürt man das Geheimnis Christi. Wir haben doch im Glauben die Wahrheit des Evangeliums erkannt, und dort sind Menschen, die in blindwütigem Hass toben. Wie kann ich da weiterwirken und Zeuge des Evangeliums sein? Alles, was wir in der Mission erleben, ist ja vielmehr schon ein Gleichnis für unsere Arbeit hier.
Ich habe das in der Gemeindearbeit so beglückend empfangen und immer wieder empfunden, dass die Mission den wichtigen Dienst an der Heimatgemeinde tut: den geistlichen Kampf zu erkennen, die geistlichen Grundgesetze zu sehen, wie Gott Gemeinde baut. Ein ganz stilles Geschehen des Wartens, des Betens und des gläubigen Vertrauens auf den Herrn.
Wenn Sie heute einen Industriebetrieb leiten, dann können Sie Managementgesetze aufstellen, Sie können planen, evaluieren und Erfolg festsetzen, wie man professionell und erfolgreich arbeitet. Ich möchte heute Mittag noch im Seminar an vielen Beispielen aus der Missionsgeschichte sagen: Der König aller Könige und der Herr aller Herren ist der schlechteste Geschäftsmann, den es je auf der Welt gab. Der schafft mit Kranken, mit Versagern, mit Leuten immer am Rand der Katastrophe. Und da wundert man sich, dass das überhaupt noch gut geht. Und wenn man denkt, jetzt geht es los, dann wird der entscheidende Mitarbeiter krank, wie wenn Gott das nicht verhindern könnte. Und dann stirbt auf einmal der eine, den man ganz nötig braucht.
Wenn dann noch die ganzen Nöte passieren, und Sie erleben das ja in der Gemeinde mit, wenn Sie mit den Kranken diese Anfechtungen durchstehen. Da hat eine Frau, so habe ich es noch in meiner Gemeinde gerade zum Abschied erlebt, über Jahre ihren Mann gepflegt. Und dann habe ich gesagt: Es kriegt eigentlich niemand ins Pflegeheim gegeben, bis zum Schluss aufgeregt: Jetzt müssen Sie wieder zu Kräften kommen. Vierzehn Tage später hat sie Speiseröhrenkrebs. Das kann doch nicht wahr sein: die Frau, die alles gegeben hat, und jetzt wird sie noch weiter geprüft wie ein Hiob.
Und das Wunderbare ist: Wir kriegen erst wieder Ruhe, wenn wir ins Heiligtum des Gebets gehen und vor Gott alles bereden. Das Geheimnis Christi ist unserem Verstand nicht erklärbar. Jesus sieht seine Heilsgeschichte durch, und wir wissen oft nicht, warum und wieso das so ist und warum er das macht.
Einmal hatte eine meiner Töchter in der Schwangerschaft so große Probleme. Sie war ins Krankenhaus gegangen, und dort sagte man: Ach, Sie haben ein behindertes Kind, und das ist ganz gefährlich, das ist ein doppelter Pulsschlag. Sie müssen sofort in die Heidelberger Universitätsklinik. Und dann sind sie hingefahren, und dann kamen fünf Professoren und sagten: Wir müssen sofort eine Notoperation machen. Mein Schwiegersohn war dann couragiert und sagte: Jetzt warten wir mal ganz natürlich, bis die Geburt kommt.
Ich bin damals auf eine Reise nach Westafrika gegangen und war eigentlich so vierzehn Tage ohne jede Verbindung nach Hause. Ich wollte auch nicht anrufen, um nicht neue Unruhe zu bekommen. Und da war eine Afrikanerin, die machte so eine tolle Batikarbeit mit diesen Frauen. In Ghana gibt es so viele Frauen, die von Männern verlassen sind, und die gehen dann meist in die Prostitution. Und da sammeln die Christen diese Frauen und geben ihnen ein Gewerbe mit Batikarbeiten, und die verkaufen das auf dem Markt. Gleichzeitig wird dort Zeugendienst gemacht. Tolle Arbeit!
Und als man da so zusammen war, sagt die Frau plötzlich: Was hast denn du für ein Problem? Wird man ja selten gefragt. Übrigens ist es immer das Beste, wenn Sie in der Seelsorge andere reden lassen. Man muss oft gar nicht viel predigen. Erzähl doch kurz die Geschichte. Da sagt sie: Gott hat alles unter seiner Kontrolle, und betete mit mir.
Und heute ist dieser Enkelsohn kerngesund und hat keinen Schaden. Nach der Geburt lag er acht Tage in der Kinderklinik, ohne dass man etwas feststellen konnte. Haben sich die Ärzte geirrt oder hat Gott ein Wunder getan? Das lasse ich ihm allein die Ehre. Aber dass ich einfach weiß: Leg's doch in die Hand Gottes, so wie wir unsere persönlichen Nöte Gott in die Hand legen, weil es eine Macht ist.
Ich kann das Geheimnis Christi nicht entschlüsseln. Aber betet für mich, dass ich das Geheimnis Christi sagen kann, so wie es sein muss: das Geheimnis Christi in Fesseln.
Treue im Leiden und die geistliche Waffenrüstung
Er war ja selber ein gebundener Mann, und Sie finden bei Paulus nie das, was man bei uns so oft findet: Jetzt müssen wir gucken, dass die Fesseln abgestreift werden. Finden Sie nie, es ist nie eine biblische Linie. Sie haben nie um die Befreiung der Gefangenen gebetet.
Wie war es in Apostelgeschichte 4, als die Apostel inhaftiert waren? Die Gemeinde kam zusammen, damit sie mit freudigem Auftun ihres Mundes Jesus bekennen.
Wie ich durch den Süden Äthiopiens gefahren bin, in Sodo, war dort eine Bibelschule. Und da war große Aufregung, dass 13 Studenten der Bibelschule für 14 Tage ins Gefängnis gesperrt wurden. Sie hatten eine orthodoxe Kirche besichtigt. Sie wissen, dass die orthodoxen Äthiopier gegen die evangelischen Gemeinden feindlich eingestellt sind. Es könnte jederzeit auch eine schlimme Christenverfolgung über die evangelischen Gemeinden hereinbrechen.
Die orthodoxe Kirche, die dort offen sagt: Lest nie die Bibel, warnte die Leute davor. Große Angst war da. Und nur weil die Studenten sie hatten, sie hatten es in ihrem kirchengeschichtlichen Programm über die orthodoxe Kirche, wollten sie einmal von dem Inneren einer orthodoxen Kirche überzeugt werden, wurden sie dort eingesperrt.
Ich sage: Da gehe ich gleich hin, sage bitte nicht, du machst etwas mehr Not und so weiter. Aber sie standen sehr betreten da. Es hieß: Machen wir es wie vor 19 Jahren, als ich das erste Mal in Äthiopien war. Ein äthiopischer Christ, als alle Kirchen geschlossen waren, wie gerade die Nachricht begann, uns erzählt hat: Da waren Bibelbote inhaftiert worden. Und dann sagt er: So, halleluja, jetzt preisen wir den Herrn, endlich wird im Gefängnis evangelisiert, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wir freuen uns über jeden Tag, wo unsere Brüder dort im Gefängnis festgehalten waren. Wie sollten sonst die Kriminellen dort das Evangelium von Jesus hören können?
Die Geschichte habe ich Ihnen erzählt, und es ist eine biblische Linie: das Geheimnis Christi festzuhalten, auch in Fesseln, und dabei im Gebet zu bleiben.
Es gibt ja Christen, die heute viel von dem geistlichen Kampf reden. Aber wenn wir die Bibel ansehen, wie der geistliche Kampf geschieht, dann wird nicht gesagt, dass man siebenmal herumlaufen muss und gewisse Gebäude oder ähnliche Praktiken haben muss. Sondern was steht denn da in Epheser 6 bei der geistlichen Waffenrüstung? Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen und für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, dessen Bote ich in Ketten bin, dass ich mit Freimut rede, wie ich es muss.
Die Notwendigkeit der offenen Tür und des weise gelebten Zeugnisses
Das Vierte ist jetzt die offene Tür, die nötig ist. Ich habe schon vorher davon gesprochen. Wir haben nicht die Tür für das Evangelium. Billy Graham hat sie auch nicht, Ulrich Parzany hat sie auch nicht, so dankbar wir für ihren Dienst sind. Es gibt auch kein Buch, das man einem Nichtchristen in die Hand geben kann, auch keine Kassette, wo ein Nichtchrist automatisch den Knopf drückt, sodass wir eine automatische Tür haben und dann plötzlich das Evangelium einziehen kann.
Es ist sehr wichtig, dass wir alle kulturelle Verschiedenheit studieren und dass wir uns vorbereiten für den Dienst. Aber wir verfügen nicht über die Tür. Wir können einander viel Liebes tun, wir können einander viel Leid zufügen, aber wir können den Knopf nicht drücken, dass einer glauben kann.
Und darum hat Paulus immer gewusst: Das ist Gottes Geheimnis. Ihm hat es auch genügt, Einzelne zu erleben, wie die Lydia in Philippi. Es war ja keine große Erweckung. Er hat sich darüber gefreut, wenn der Herr Einzelnen das Herz auftat, so steht es in der Apostelgeschichte. Und das ist eine Sache unseres Betens.
Einer unserer Mitarbeiter von christlichen Fachkräften arbeitet als Krankenpfleger, ein Berliner, bei den Mursi. Das sind die Leute, die so große Teller in den Unterlippen drin haben, die Frauen, Riesenapparate. Er erzählte mir: Das sind auch Leute, die vielfach gar keine Kleider tragen, das einzige Kleidungsstück ist die Kalaschnikow bei den Männern, das Maschinengewehr, das alle diese Stämme dort tragen, und zwar schussbereit.
Und wie er dort hinkam, sagte der: Der amerikanische Missionar ist nach zehn Jahren gegangen. Er sprach die Sprache der Mursi, und er hat keine Frucht erlebt. Am Ende war es etwas Interesse. Er hat jeden Sonntag in Mursi, in dieser Sprache, einen Gottesdienst gehalten. Und der australische Missionar ist gegangen, und dann war ich als Krankenpfleger eigentlich nur zur Ergänzung für den medizinischen Dienst hingekommen. Ich bin der einzige. Thomas Kuhler ist ein ganz stiller, lieber Mensch, der jetzt vier Monate ganz allein in dieser Wildnis hauste, wo ich ihn besuchte.
Und dann erzählte er, und ich war kaum da, dann ist Olingkodus, so heißt der Mann, der Erste, vor der versammelten Mannschaft erzählt, dass er ein vielfacher Mörder ist und ein Ehebrecher. Er hat Buße getan. Vor allem zehn Mursi kamen zum Glauben. Thomas Kulli konnte gerade die ersten Brocken der Sprache.
Die Missionare waren weg, die es konnten. Sie haben einen Gottesdienst gehalten, gestern vor einer Woche 120 Menschen. Über eine Stunde hörten sie zu. Einer der Mursi selber hat, ohne dass er lesen und schreiben kann, ich weiß gar nicht, wie der das Evangelium, nur das, was er selber aufgeschnappt hat, gepredigt.
Das ist Gottes Geheimnis, Frucht zu schenken, die Tür aufzutun. Gott macht das manchmal so, damit wir uns nichts darauf einbilden. Betet doch! Dieses Wunder dort unter den Mursi ist geschehen durchs Gebet!
Die Gemeinde kam sofort in die Bedrängnis. Sie wurden attackiert von den Nichtchristen. Ihr habt am Regenzauber, am animistischen Regenzauber, nicht mehr teilgenommen, und darum kam jetzt die große Dürre. Im Mai setzte der Regen aus, acht Wochen furchtbar gelitten. Und dann kamen die ersten Lastwagen über die Berge, abenteuerliche Mercedeslastwagen der SAM-Mission, finanziert auch durch unsere Arbeit. Die tränenden Augen, die Christen haben uns nicht vergessen. Gebetserhörungen für Menschen. Gott wirkt, und plötzlich ist eine Tür aufgetan, weil der Herr wirkt und seine Gemeinde baut.
Betet für mich, dass eine Tür aufgetan wird und damit ich es offenbar machen kann. Wie kann ich es offenbar machen in Fesseln? Das ist eigentlich ein Widerspruch. Der Apostel redet von der Größe Jesu, und selber, sagen die Leute, ja, wenn Jesus ein Wunder tun könnte, müsste er es ja an dir tun, müsste er sich freimachen. Und er sagt das ganz entscheidend: Ich muss es gerade in den Versen irgendwie offenbar machen.
Wie muss man es denn offenbar machen? Es geht in den nächsten Versen weiter: Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, kauft die Zeit aus, eure Rede sei allezeit freundlich, durch Liebe. Da muss man noch mal drüber reden. Durch Liebe muss man das Evangelium, durch Geduld. Also wenn ich über Geduld rede, das ist so ein Widerspruch in sich. Aber wissen Sie, da will uns Jesus hinbringen, dass wir Geduld lernen aus dem Beten heraus.
Wir werden alle ungeduldig, wenn wir keinen Erfolg sehen, dass wir denen, die uns verfolgen, segnend begegnen können, lieben können, dass unsere Rede Salz und Pfeffer hat, ohne gesalzen zu sein, und dass wir voll Weisheit wandeln gegenüber denen, die draußen sind, und doch nicht wortlos. Ich kann das Wort nicht leiden, dass man alles hört: Wir wollen wortlos dem Herrn dienen. Sicher, der Lebenswandel gehört dazu, dass wir den Herrn bezeugen in Liebe und in Geduld und Demut, aber dass wir dennoch das Wort sagen, aber in der großen Gelassenheit und in der großen Klarheit.
Das Missionswort war immer das Wort vom Gericht Gottes, in der Liebe, weil wir wissen, dass Menschen verloren gehen können, und weil wir aus dem Herrn aller Herren hinlegen und ihm sagen: Ich freue mich, dass so eine wunderbare Missionsgemeinde hinter der Allianzmission steht und dass sie beharrliche Beter sind, die wachen im Gebet und mit Dank sagen, Gott darüber preisen. Sie ahnen gar nicht, welchen Dienst sie tun in der letztbösen Zeit. Amen.

