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Johannesevangelium 5,18-23 - Vom Lieben und Wundern

Johannes 5,18-2303.04.2021
Serie•Teil 30 / 44Johannes-Evangelium
Warum stößt Jesus so viele vor den Kopf? Weil er nicht einfach nur hilft, sondern mit dem Vater völlig eins ist – und genau darin liegt die Frage, an der sich alles entscheidet.

Rückblick und Hinführung

Hallo, liebe Geschwister,
nachdem wir uns letzte Woche mit dem Ende des Gesetzes beschäftigt haben, so wie Paulus das auf ganz wunderbare Weise im Römerbrief in Worte fasst, wenn er sagt: denn das Ziel oder das Ende des Gesetzes ist Christus, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit, 1. Korinther 10,4. Das war letzte Woche unser Thema.
Und wir wollen uns heute mit einem Thema beschäftigen, das zu den ganz großen Mysterien des geistlichen Lebens gehört, nämlich dem Verhältnis von Vater und Sohn.
Wir haben den Herrn Jesus letzte Woche in Jerusalem verlassen, kurz nach der Heilung eines Gelähmten. Im Raum stand die Frage, warum Gott an einem Kranken ein Heilungswunder tut, der seit achtunddreißig Jahren krank war. Also ein Tag mehr oder weniger hätte da eigentlich doch keine Rolle gespielt. Aber Gott der Vater tut es trotzdem. Und so bekommt Gott der Sohn Probleme. Probleme mit den Autoritäten, die ihm irgendwie vorwerfen, dass er den Sabbat nicht einhält.
Und Jesus reagiert jetzt auf die Vorwürfe nicht, wie man es vielleicht erwarten würde, indem er einfach eine theologische Begründung für sein Verhalten gibt. Stattdessen verweist er auf die enge Beziehung, die er zum Vater hat. Und das ist jetzt in den Augen seiner Gegner nicht nur keine Antwort, sondern vielmehr Anlass für einen zweiten Vorwurf. Jesus ist in ihren Augen jetzt nicht nur einer, der den Sabbat bricht, sondern hören wir sie selbst: Johannes 5,17-18.
Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Darum suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, erster Vorwurf, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte.
Die Juden, also die Hüter der jüdischen Religion, verstehen ganz genau, was Jesus meint, wenn er sagt: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Sie verstehen: Es gibt im Denken des Herrn Jesus keinen Unterschied zwischen ihm, dem Menschen Jesus von Nazareth, und dem allmächtigen Gott im Himmel.
Diese Aussage: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke, ist der Grund dafür, warum die Juden ihn noch mehr töten wollen. Für sie ist das reine Blasphemie, reine Gotteslästerung. Da macht sich einer zu Gott, da stellt sich einer auf dieselbe Stufe mit dem Schöpfer, und das geht überhaupt nicht.
Spätestens an der Stelle, wo man merkt: Huh, jetzt habe ich alle gegen mich, würde ein falscher Prophet einlenken. Jetzt wird es nämlich tatsächlich heikel, jetzt geht es um Leben und Tod. Wer von sich behauptet: Ich bin wie Gott, der ist entweder psychisch schwer gestört oder ein Scharlatan, oder er sagt die Wahrheit.
Und jetzt sehen wir bei Jesus, abgesehen von der Steilheit seiner Behauptungen, keinen Hinweis darauf, dass er geisteskrank gewesen wäre. Bleibt also nur noch: Lügner oder er ist wirklich Gott im Fleisch.
Und wie ich sagte: Der Lügner, der Scharlatan, würde jetzt an so einer Stelle einknicken, einfach weil er merkt: Huh, ich habe mein Blatt einfach mal überreizt. Wer lässt sich schon für Lügen umbringen? Also jeder Schwindler, der nicht lebensmüde ist, würde sich jetzt an der Stelle rausreden, würde eine Fliege machen. Aber Jesus ist kein Betrüger. Er sagt tatsächlich die Wahrheit.
Und so beschreibt er ganz ehrlich sein Verhältnis zum Vater, beschreibt, wie dieses Verhältnis aussieht. Und man kann sich lebhaft vorstellen, dass in diesem Moment den Feinden so richtig die Zornesröte ins Gesicht schießt.

Die enge Einheit von Vater und Sohn

 Johannes 5,19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.
Durchdenken wir, was Jesus hier sagt. Wahrlich, wahrlich – wörtlich steht hier: Amen, Amen. Ein Amen vor einem Satz unterstreicht, was kommt. Vielleicht erinnert ihr euch an Edes Predigt über den Glauben des heidnischen Hauptmanns? Da haben wir den Satz gelesen: Wahrlich, ich sage euch: „Bei keinem in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.“ Das wahrlich unterstreicht die Aussage, die kommt, die Wichtigkeit dieser Aussage.
Ein Amen betont das, was kommt. Zwei Amen treiben die Betonung auf die Spitze, im Sinne von: Achtung, jetzt kommt etwas wirklich, wirklich Wichtiges. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn. Das ist wahrlich, wahrlich super wichtig.
Was ist super wichtig? Jesus ist so eng mit dem Vater verbunden, dass er nicht autonom handeln kann bzw. will. Wir können in diese Beziehung zwischen Vater und Sohn nicht tief genug hineinschauen. Jesus lebt also ein Leben, bei dem er mit dem, was er tut, zum verlängerten Arm des Vaters wird. Und das ist irgendwie auch logisch. Es gibt ja nur einen Gott.
Bitte erinnert euch daran, was wir ganz am Anfang gesagt haben: Wenn Gott Mensch wird, ändert sich das Was, aber nicht das Wer. Es bleibt dieselbe Persönlichkeit, das Wer, der ewige Gott. Es ändert sich nur das Was, die Erscheinungsform. Der ewige Gott wird Mensch.
Und jetzt beschreibt Gott der Sohn, wie es sich so als Mensch lebt, wenn man Gott im Fleisch ist. Und wir sehen: Gott der Sohn projiziert den Vater in Zeit und Raum. Später wird der Herr Jesus sagen: Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Oder: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wow, die beiden sind, was ihr Tun angeht, nicht zu trennen.
Du regst dich über den Sohn auf, dass er am Sabbat heilt? Vorsicht, es war der Vater! Du meinst, du würdest Gott im Himmel damit ehren, dass du diesen galiläischen Rabbi verfolgst, weil er ein Gesetzesbrecher ist? Vorsicht, du verfolgst den Vater!
Frage: Warum hält der Vater eine so enge Verbindung zum Sohn? Als Gott im Himmel müsste er das doch eigentlich gar nicht. Aber da gibt es ein Geheimnis zwischen Vater und Sohn, ein Geheimnis, in das die beiden uns als Gläubige übrigens gerne mit einbeziehen würden.

Liebe als Schlüssel zum Handeln Gottes

 Johannes 5,20, denn: Das ist die Begründung für das, was eben gesagt wurde. Der Herr Jesus wies darauf hin, dass der Sohn nichts tun kann, außer das, was er den Vater tun sieht. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut. Und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert.
Liebe ist das Geheimnis, das die unterschiedlichen Aspekte Gottes miteinander verbindet. Sie hat sie immer schon verbunden. Und diese Liebe ist nicht einfach weg, wenn Gott das Wort Fleisch wird, irgendwie klar, oder? Die Liebe bleibt. Und weil die Liebe bleibt, diese enge Verbindung zwischen Vater und Sohn, weil das bleibt, deshalb zeigt der Vater dem Sohn alles das, was er selber tut.
Ganz grundsätzlich kann man sagen: Es ist ein Ausdruck von Liebe, dass ich wenig Geheimnisse habe. Also die Menschen, die ich am meisten liebe, das sind die Menschen, denen ich am meisten von mir offenbare. So funktioniert Liebe. Zwischen Menschen und eben auch zwischen Gott. Vielleicht mit dem Unterschied, dass es uns Menschen schwerfällt, ganz offen zu sein. Aber genau diese völlige Offenheit findet sich in der Beziehung zwischen Vater und Sohn.
Und jetzt gibt es noch einen zweiten Punkt. Zur Liebe gehört nämlich nicht nur die Offenheit, dass ich mich dem anderen zeige, sondern zur Liebe gehört auch der Wunsch, dass der Geliebte groß rauskommt. Noch einmal Johannes 5,20: Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut, und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert.
Wir denken vielleicht, dass die Heilung am Sabbat schon eine gewaltige Sache war. Aber der Vater im Himmel möchte mehr. Springen wir mal kurz in 23, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Der Vater hat ein Ziel. Sein Ziel ist, dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Deshalb wird er ihm größere Werke zeigen. Er will, dass am Ende der Weltgeschichte wirklich niemand zu klein vom Sohn denkt. Das ist sein Ziel.
In den Augen des Vaters ist der Sohn ein ganz Großer, und die Liebe des Vaters sorgt dafür, dass jeder Mensch das auch so sehen und letztlich auch bekennen muss. In den Augen aller Menschen soll Jesus zu dem werden, der ewiges Leben spendet und der das Gericht über alle Menschen hält. Mag sein, dass die Juden vor sich nur einen jungen Rabbi aus Galiläa sehen, aber genau genommen steht da vor ihnen ihr Schicksal. Sie werden entweder auf diesen Jesus aus Nazaret hören und leben, oder sie werden ihm als Richter begegnen, der ihnen ihr Todesurteil verkündigt.
Wenn der Vater eine Sache nicht ausstehen kann, dann ist es diese, dass ein Mensch zu klein vom Sohn denkt. Das geht nicht. Der Vater hat den Sohn lieb.

Leben und Gericht in der Hand des Sohnes

 Johannes 5, die Verse 20 bis 22: Der Vater wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn übergeben.
Da sehen wir die zwei Punkte: Jesus als Lebensspender, Jesus als Richter aller Menschen.
Frage: Kann das sein, dass ein Mensch in diese beiden Rollen hineinschlüpft? Kann ein Mensch übernatürliches Leben im Leben anderer Menschen hervorbringen? Hat ein Mensch wirklich das Recht, über anderen Menschen ein ewiges Urteil auszusprechen? Maßt sich derjenige mit diesem Anspruch nicht viel zu viel an? Es klingt, wenn man darüber nachdenkt, schon so ein ganz klein wenig irre, was hier steht. Ein Mensch stellt sich hin und behauptet: Ich habe die Macht, dir ewiges Leben zu schenken, und ich habe die Macht, ein bindendes Urteil über deine Ewigkeit zu sprechen. Und instinktiv denke ich: Nein, das hat kein Mensch.
Und doch ist es so. Ich wundere mich darüber, dass es so sein kann. Und damit, dass ich mich wundere, hat der Vater genau das erreicht, was er sich in seiner Liebe für den Sohn wünscht. Der Vater will nämlich, dass ich nicht achtlos am Sohn vorbeigehe. Wir sollen uns wundern. Und deswegen: Bitte, bitte unterschätzt mir nicht den Wert des Wunderns.
Ich bin davon überzeugt, dass es im Umgang mit dem Wort Gottes, egal ob es sich dabei um die Person Jesu handelt oder um das geschriebene Wort Gottes, die Bibel, entscheidend ist, ob man sich noch wundern kann. Ich bin davon überzeugt, dass die Fertigkeit, sich noch wundern zu können, darüber entscheidet, wie tief das Wort in mich eindringt. Wo ich mich wundere, da bleibt hier oben mein Verstand nämlich lebendig. Dieses: Hä, was soll das denn? Wie kann das denn sein? Na, ups, macht das eigentlich Sinn? Passt das eigentlich noch zu diesem Bibelfers? Das sind so Momente, so Hä-Stopp-Momente, die wirklich den Unterschied machen zwischen einem oberflächlichen, womöglich auch stupiden Bibellesen und einem Dialog, der auf Verständnis hin ausgelegt ist.
Wachstum, geistliches Wachstum, beginnt mit Wundern. Und zwar deshalb, weil mich das Wundern zu einer Entscheidung zwingt. Es ist die Antwort auf die Frage: Will ich tiefer eintauchen? Will ich wirklich verstehen? Will ich den Gedanken von Gottes Wort nachspüren? Darf Gott mich auf eine intellektuelle Reise mitnehmen, die Zeit braucht? Ist mir Gottes Wort eigentlich den Aufwand wert, den es braucht, damit aus einem Sich-Wundern ein: Aha, jetzt habe ich es verstanden, wird? Herr, dieser Sprung vom Wundern zum Verstehen, bin ich bereit, mich darauf einzulassen?
Für die Zuhörer Jesu war das alles entscheidend. Alles entscheidend war zu erkennen: Wen habe ich da vor mir, und wie gehe ich richtig mit ihm um? Nochmal Vers 23, der geht nämlich weiter: Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
Das wirkt auf uns im ersten Moment befremdlich. Hier stehen Männer, die Jesus töten wollen, weil sie meinen, Gott zu dienen. Aber die Realität ist ganz, ganz anders: Indem sie den Sohn nicht ehren, ehren sie den Vater nicht und verpassen alles!

Fragen für den Austausch

Soweit für heute im Text. Ich habe euch drei Fragen mitgebracht.
Frage Nummer eins: Liebe hat damit zu tun, dass ich mich in der Beziehung zum Geliebten öffne und die Ehre des Geliebten suche. Wahre Liebe ist also immer mit Nähe verbunden. Ich zeige mich, und auch irgendwo mit dem Wunsch, dass der Geliebte gut dasteht.
Reihum: Wo habt ihr das schon genau so erlebt? Erzählt euch bitte Beispiele, wo ihr Liebe so erlebt oder selbst auf diese Weise Liebe gegeben habt.
Zweite Frage: Wie würdet ihr einer Person raten, die feststellt, dass ihr Umgang mit Menschen nicht von Liebe, sondern von Respektlosigkeit und Verschlossenheit geprägt ist? Wie sähe ein Weg geistlicher Befreiung aus?
Und dann die letzte Frage: Wie kann ich das Wundern beim Bibellesen fördern? Und da eben auch eine kleine Einschränkung: Welche Gefahren sind mit zu viel Wundern verbunden, also wenn ich zu viel nicht verstehe? Das kann mich entmutigen. Welche Gefahren sind damit verbunden, und wie kann man ihnen begegnen?
Das war es so von meiner Seite. Ich freue mich, dass ihr bis hierher durchgehalten habt. Daher segne ich euch jetzt in den Austauschgruppen. Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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