Serie•Teil 2 / 2Gottesfurcht
Generierte Mitschrift
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Einführung in den Zusammenhang der Gottesfurcht
Okay, jetzt gehen wir weiter bei Seite vier, auf ein engeres Ding. In der zweiten Stunde möchte ich beleuchten, was die Gottesfurcht bewirkt. Jetzt haben wir zuerst gesagt, was die Gottesfurcht ist und was sie bewirkt.
Der erste Punkt: Gottesfurcht bewirkt in uns den Wunsch, ihm gefallen zu wollen. Wenn ein Mensch Gott in rechter Weise fürchtet, möchte er Gott gefallen. Er will ihm gefallen, und darum lebt er anders.
Das ist eher, ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber es gibt so Respektspersonen, die man respektiert. Vor denen hat man jetzt nicht Angst, aber man respektiert sie einfach aus verschiedenen Gründen. Und da fällt mir auf, da gibt es so zwei oder drei auch in meinem Leben: Wenn ich die Füße oben habe oder so, und dann kommt einer, dann tue ich die Füße so weg. Ich weiß gar nicht. Er macht wahrscheinlich auch gar nichts, aber man tut das einfach, weil man einen gewissen Respekt vor der Person hat. Und dann benimmt man sich irgendwie anders, man möchte ihm oder ihr gefallen.
Da habe ich vor Jahren ein Buch gelesen, das heißt The Joy of Fearing God, die Freude an der Gottesfurcht. Da ist eine Geschichte, die mir gut gefallen hat. Das hat ein Pfarrer geschrieben. Vor Jahren traute ich ein ganz liebes junges Ehepaar. Sie waren unheimlich verliebt ineinander und sind es bis zum heutigen Tag. Sie lernten sich bereits als dreizehn- und vierzehnjährige Teenager kennen und wollten seitdem nie jemand anderen heiraten.
Nach den Flitterwochen traf ich sie am Sonntag in der Kirche. Ich begrüßte sie und fragte scherzhaft, ob das erste Abendessen schon angebrannt sei. Beide lachten, und die Frau antwortete mir: Weißt du, ich hatte solche Angst, dass irgendetwas total schiefgehen würde. Ich hörte immer, dass junge Frauen nicht kochen können, und darum habe ich mich entschlossen, das beste Abendessen für meinen Mann zu kochen. Ich fing schon um drei Uhr nachmittags an zu kochen, damit ich ja fertig werde.
Als ich dann fertig war, hatte ich solche Angst, dass es ihm nicht schmecken würde. Und als Johannes dann von der Arbeit später als erwartet nach Hause kam, hatte ich solche Angst, dass es zu lange am Herd war und das Fleisch zerfallen ist. Ich unterbrach sie und sagte: Du hast jetzt dreimal behauptet, dass du dich gefürchtet hast, dass du Angst gehabt hast. Glaubst du, dass Johannes dich geschlagen hätte, wenn das Essen nicht ganz gut geschmeckt hätte?
Mit einem überraschten Blick schaute sie ihren Ehemann an und antwortete: Natürlich nicht. Und so, wie er sie ansah, konnte man jedes Mal sagen, wie sehr sie sich liebten. Aber ich gab nicht so schnell auf und fragte noch einmal: Du hast dreimal gesagt, dass du Angst gehabt hast. Sie antwortete nur: Ja, du weißt schon, was ich meine.
Natürlich verstand ich, was sie meinte. Ihre Angst war nicht etwas Furchtbares oder Entsetzliches. Ihre Angst war der große Wunsch, ihrem Ehemann eine Freude zu machen. Und in diesem Fall war ihre Angst der Anfang eines wunderschönen Abends mit ihrem Ehemann.
Die Geschichte hat mir gut gefallen, weil das Ehepaar mir sagte, als wäre ich aus Angst gehabt, dass das und das passiert. Aber nicht, weil man Angst hat, sondern weil man den anderen gefallen möchte. Und die Furcht Gottes bewirkt in uns den Wunsch, ihm gefallen zu wollen. Nicht Gebote halten, weil man es muss, sondern Gebote halten, weil man will. Wenn man ihn fürchtet und liebt.
Die innere Veränderung im Verhalten
Zweite Gottesfurcht bewirkt, dass ich mich anders benehme. Wenn Menschen ehrfürchtig sind, benehmen sie sich anders.
Es war ganz interessant: Vor ein paar Jahren hatten wir die Dachsteinbeleuchtung. Wir waren da oben auf der Dirlonhütte, da waren ungefähr 2000 Leute oben. Da haben wir den Johann beleuchtet in Steinerweg und doch steu in Grad. Tanelore war auch oben bei der Südwand hinten. Ich weiß nicht, wie die zweitausend Leute oder was das gewesen sind, und um zehn in der Nacht war es der Albert, der die Raketen anzünden sollte. Da haben wir oben halt überall die Magnesiumdingen anzünden. Man hat gesagt, das war ganz interessant: Zwar stehen da reihenweise Leute, hunderte Leute um sich herum, man redet und man lacht und alles Mögliche, und wie die Lichter angegangen sind, ist es auf einmal total still geworden. Keiner hat für Minuten etwas gesagt. Es war nur ruhig. Jeder hat gewusst: Das ist gewaltig, das ist nicht Disneyland, das ist wirklich.
Interessant war diese gewisse Ehrfurcht, dieses gewisse Staunen. Und wenn man ehrfürchtig ist und staunt, dann benimmt man sich auf einmal anders. Dasselbe ist es, wenn man vor Gott ehrfürchtig ist und staunt. Man benimmt sich anders, wenn man Gott fürchtet. Also wenn man von Gott nichts wissen will, wenn man sich bewusst ist: Gott ist bei mir und Gott sieht mich. Darum bewirkt dies ein anderes moralisches Benehmen.
Das Dritte: Gottesfurcht ersetzt die Menschenfurcht. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Jemand hat es einmal so ausgedrückt: Wenn du Gott fürchtest, dann musst du Menschen nicht mehr fürchten. Wir alle, ob du das zugibst oder nicht, ob es dir bewusst ist oder nicht, wir alle haben Menschenfurcht. Der eine mehr, der andere ein bisschen weniger. Wir alle fürchten uns davor, was gewisse Menschen über uns denken.
Du kannst jetzt sagen: Ja, mir ist es wurscht, was sie für Arten haben, was der andere denkt. Ja, es kann sein, dass es dir wurscht ist, was für Arthur das heißt, aber dir ist vielleicht nicht wurscht, was die anderen denken, wie schnell du auf die Urwurzen raufläufst. Der andere sagt dir: Das ist mir wieder komplett wurscht, aber mir ist nicht wurscht, was ich für Gewand da habe. Der andere sagt: Mir ist komplett wurscht, was ich für Gewand da habe, und so weiter.
Jeder hat seinen Bereich, wo er Menschenfurcht hat. Und zum Beispiel weiß ich ein paar Leute, die kommen heute Abend, aber die kommen nicht hierher. Was denken sie, meine Freunde, wenn die wissen, wie es am Dauernhof geht? Das nennt man Menschenfurcht. Dasselbe ist es bei Bibelkreisen. Ich weiß einer, zwei bei mir, die kommen dann gerne zu unserem Bibelkreis. Aber das tun sie nicht, wenn meine Verwandten erfahren, dass ich zum Bibelkreis gehe. Das tun sie nicht. Das nennt man Menschenfurcht.
Oder wenn es vormittags laufen geht. Nein, vormittags kann man nicht laufen gehen, aber was denken die Männer, ich habe keine Arbeit. Oder daheim, wenn die Laura auch mal vor Mittag gegangen ist, hat auch jemand gesagt: Du kannst gar nichts arbeiten. Dann hat sie gesagt: Nein, ich arbe so schnell, da laufen wir auch noch kaum. Oder es ist auch das Gleiche, wenn unerwarteter Besuch kommt. Dann lautet Laura: Wie es bei mir ausschaut, schaut nicht so aus. Aber alle gleich: Nein, es schaut ja blöd aus, weil es so ausschaut.
Es ist alles diese Menschenfurcht. Und das sind aber die Sätze wie: „Nein, nein, das schaut ja blöd aus“ oder „Nein, das ist jetzt ein Schama“, „Nein, nein, das kann man nicht tun.“ Ja, warum nicht? Ja, weil die könnten ja das denken. Das nennt man Menschenfurcht.
Einer hat einmal gesagt: Es ist nicht wichtig, was man über uns sagt, es ist wichtig, was wir darauf antworten. Und wisst ihr, was die Bibel dafür sagt über Menschenfurcht in Sprüche 29,25? Das ist ein wichtiger Vers. Da sagt uns Gott in seinem Wort: Menschenfurcht stellt euch eine Falle, wer aber auf den Herrn vertraut, der ist in Sicherheit.
Menschenfurcht stellt dir immer eine Falle. Sie lähmt und behindert uns, reif zu werden. Es ist richtig, Menschen gefallen zu wollen, das ist nichts einzuwenden. Ich glaube, das sollte man: Menschen gefallen wollen. Aber Menschen zu fürchten, schaut blöd aus, nein, kommen nicht da. Das lähmt uns.
Die Frage ist: Warum kämpfen wir so sehr mit Menschenfurcht? Und da ist keiner ausgenommen, egal wer es ist, ob es sozial ganz oben ist oder ganz unten. Wir kämpfen alle damit in unserem Umkreis.
Befreiung von Angst und Aberglauben
Im Johannes 12 ist ein interessanter Vers, in Johannes 12, Verse 42 und 43. Da steht: „Es glaubten aber viele von den Obersten, auch von den Obersten der Pharisäer, viele glaubten an ihn.“ Das waren jetzt entweder Priester, oder ich habe den Zusammenhang nicht so ganz verstanden, was genau mit den Obersten gemeint ist. Auf jeden Fall, ob es politische oder religiöse Oberste waren: Doch wegen der Pharisäer bekannten sie ihn nicht, damit sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden. Denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die Ehre bei Gott.
Das ist der Schlüssel. Sie liebten die Ehre bei den Menschen, also das, was die Menschen sagen, mehr als das, was Gott sagt. Und das nennt man Menschenfurcht. Das Schöne ist: Wenn ein Mensch lernt, Gott zu fürchten, dann braucht man die Menschen nicht mehr zu fürchten.
Ich erzähle die Geschichte, weil ich sie schon erzählt habe, tut mir leid, aber sie ist so plastisch: Da ist ein Meister, ein Geigenmeister, und er bringt seinem Schüler das Geigenspielen bei. Der Schüler ist extrem begabt, ausnahmsweise begabt. Der Bub ist erst zwölf Jahre alt oder zehn, ich weiß nicht genau, wie alt er war, und spielt das erste Konzert. Er ist ein bisschen nervös, steht draußen und spielt seine Geige. Er spielt so gewaltig, die Menge applaudiert und jubelt nach seinem ersten Stück.
Er steht oben da draußen und schaut und schaut und schaut und kommt nicht viel auf. Er spielt weiter, wieder applaudiert die Menge, und der Bub schaut einfach und schaut. Beim dritten Mal wieder applaudiert die Menge, und er schaut. Und auf einmal sieht er hinten in der letzten Reihe, wie sein Meister hinten steht und klatscht. Da lacht er.
Das ist ein schönes Bild: Wenn wir so leben, können wir jeden Tag auf Gott schauen und wissen, Gott lächelt, wenn er uns sieht. Gott applaudiert, wenn er uns sieht. Wollen wir einmal frei sein, oder ist es uns wichtiger, dass die Menschen applaudieren? Das ist Menschenfurcht oder Gottesfurcht. Irgendwen wirst du immer fürchten.
Die Bibel sagt aber: Menschenfurcht stellt eine Falle. Wer aber dem Herrn vertraut, der ist in Sicherheit. Und in Psalm 118, das war Martin Luthers Lieblingspsalm, meiner auch, das ist ein super Psalm, steht in Psalm 118, Vers 6: Der Herr ist für mich, ich werde mich nicht fürchten. Was könnte ein Mensch mir tun? Und in Vers 8: Es ist besser, sich bei dem Herrn zu bergen, als sich auf Menschen zu verlassen.
Der Herr, Gott, ist fester. Er ist sicherer als wir Menschen. Und darum: Wenn einer beginnt, Gott zu fürchten, dann kann er aufhören, die Menschen zu fürchten.
Dann das Vierte: Gottesfurcht ersetzt Aberglaube. Es sind nicht wenige Menschen bei uns, die durch Aberglaube getrieben sind. Das tut man oft so ab, so nach dem Motto: Ja, ist nicht so tragisch und nicht so wild. Aber man glaubt gar nicht, wie viel bei uns und in manchen Ländern geglaubt wird. Ich wäre schon fast gekippt mit dem ein bisschen. Ja, wenn es das Pflanzen sei, ich setze noch die Haare und die Fingernägel, ich weiß nicht, was alles noch, das muss immer genau an diesem und jenem Tag sein. Und die sind fast getrieben: Nein, nein, heute, da muss das da sein. Frei sind die nicht, das sind getriebene Menschen. Weil sonst ist es ja nicht gut, oder sonst geschieht Unglück.
Das nennt die Bibel Aberglaube oder Götzendienst, kann man es auch nennen. Also: Welcher Mensch ist eigentlich ein Sklave? Bei Horoskopen ist es hoffentlich nicht so tragisch, aber ich weiß nicht, wie viele das tatsächlich lesen und ernst nehmen. Es stimmt auch für jeden mehr oder weniger. Oder Freitag, der Dreizehnte: Man lacht darüber, aber manche nehmen das immer noch ernst. Das nennt man Götzendienst. Oder wenn eine schwarze Katze über den Weg läuft. Oder wenn Heißhäusel bei einer Ehe im Tauchstuhl rein oder Angst vor Geistern usw. New Age: Ein paar liebe Bekannte, auch Freunde, waren auch da dran. Muss zu einem Kurs hinlaufen, darf kein Versäumer sein, weil sonst die Erkenntnis wieder weg ist, muss wieder weiter. Du bist ständig getrieben.
Und das Wunderbare ist: Gottesfurcht ersetzt Aberglaube. Man kann frei sein von der ganzen Scharlatanerie, man kann frei leben. Gottesfurcht befreit.
Da habe ich auf einer Konferenz, das war faszinierend, die Geschichte erzählt von Palästinensern, Moslems, von Abu Sada. Das war ein Kämpfer und ein Sniper, der Leute erschossen hat, als er bei den Palästinensern gegen Israel kämpfte. Er ist dann in die USA ausgewandert, hat ein Restaurant aufgemacht und wollte dann sein Restaurant vergrößern. Er brauchte ein größeres und wollte umziehen. Da war ein Haus, das genau passte, das Gebiet passte genau usw. Aber es war eine ehemalige Leichenhalle. Er hatte Angst vor Geistern der Verstorbenen, er wollte das nicht kaufen.
Und dann hat er am Abend von einem Geist erzählt. Und der Geist war ein Christ, ein gläubiger Mann. Er hat ihm erzählt, dass er gern umziehen würde, da sei eine Leichenhalle, und er habe Angst vor den Geistern. Und der hat ihm gesagt: Du hast Angst, dort einzuziehen, weil du keine Furcht vor Gott in dir hast. Weil du Gott nicht fürchtest, fürchtest du die Geister.
Das ist eine ziemlich dramatische Geschichte. Er ist in der Nacht dann auch gläubig geworden, hat sich bekehrt und hat angefangen, für Juden zu beten, für Palästinenser. Und heute haben sie einen Dienst. Die sind zu zweit, der Jude Moran Rosenblit und er. Als Jude und Araber fahren sie die ganze Welt um und geben Zeugnis, wie Araber für Juden beten und Juden für Araber. Das sind die zwei, und es ist faszinierend.
Aber dies ist es: Wir fürchten Geister, wenn keine Furcht Gottes in uns ist. Dann fürchten wir uns vor solchen Sachen. Und die Gottesfurcht ersetzt den Aberglauben.
Die Würde des Menschen und die Liebe zum Nächsten
Das Nächste: Was bewirkt die Gottesfurcht? Wenn wir Gott fürchten, dann lernen wir, Menschen zu lieben. Warum? Wenn man zum Beispiel die Zehn Gebote studiert, dann sieht man auf den ersten Blick einen Haufen Verbote und ein paar Gebote. Da steht: Ehre Gott und so weiter. Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir, und so weiter.
Die Zehn Gebote sind, wenn man sie negativ sieht, ein Haufen Verbote und ein paar Gebote. Wenn man sie aber positiv sieht, sagen die Zehn Gebote eigentlich zwei Dinge aus. Erstens: Gib Gott die Ehre. Fürchte und liebe Gott. Die ersten drei Gebote. Die anderen sieben Gebote handeln davon, deinen Nächsten zu respektieren und zu würdigen.
Die ersten drei Gebote legen fest, wie wir Gott gegenüber leben sollen: ihn fürchten, lieben und ehren. Die anderen sieben Gebote legen fest, wie wir mit anderen Menschen leben sollen, nämlich in Liebe, Würde und Achtung.
Das Gebot: Ehre Vater und Mutter hat mit Anstand, mit Respekt und mit Unterordnung zu tun. Du sollst nicht töten oder morden, weil das Leben heilig ist. Das ist ein Schutz für den Nächsten. Du sollst nicht ehebrechen, weil die Ehe heilig ist. Du sollst nicht in eine bestehende Ehe eindringen, sondern sie bewahren helfen. Du sollst nicht stehlen. Das heißt, du sollst das Eigentum des anderen bewahren und selbst arbeiten. Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten, das heißt, du sollst gut reden. Worte können töten.
In Sprüche 12 steht zum Beispiel: Du brauchst nicht unbedingt die Gewehr, der es den anderen umbringt. Sprüche 12,6: Die Worte der Gottlosen sind ein Lauern auf Blut. In Sprüche 12,18 steht: Da ist ein Schwätzer, dessen Worte sind Schwertstiche. Und wir kennen das. Und weiter hinten, in Sprüche 18,21, steht: Tod und Leben sind in der Gewalt der Zunge. Das müssen wir ernst nehmen. So wie wir über den anderen reden, können wir ihn heilen oder töten.
Und dann noch: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Frau und alles, was sein ist. Das sollst du nicht begehren. Es ist alles zum Schutz für unseren Nächsten.
Warum hat Gott es so klar festgelegt in den Zehn Geboten? Ehre Gott und achte deinen Nächsten aus einem ganz einfachen Grund: weil Gott das Menschenleben so hoch achtet und schätzt. Darum sollten wir es auch achten und schätzen.
Der interessante Wert des Menschen wird von Jesus klar definiert. In Matthäus 25 sagt Jesus: Was ihr einem dieser geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Ein Menschenleben ist wertvoll, egal welches Menschenleben. In Matthäus 10 steht, wenn jemand euch nur einen Becher Wasser gibt, er wird nicht unbelohnt bleiben. Jakobus 1,27 ist ein interessanter Vers. Da steht: Das ist der richtige Gottesdienst. Wie würdest du den Satz vollenden? Was ist der richtige Gottesdienst? Und Jakobus sagt: Waisen und Witwen besuchen. Warum? Weil das Menschenleben bei Gott so wertvoll ist. Darum hat er das immer hervorgehoben. Und darum ist ein Vergehen, speziell schwächeren Menschen gegenüber, etwas so Ernsthaftes. Das muss uns bewusst sein.
Darum hat es mich so beeindruckt, als ich vor etwa einem Monat, ich glaube, das letzte Mal erwähnt habe, bei der gefährdeten Hilfe war, die sich um Sträflinge, um Straftäter, um Triebverbrecher, um Drogenhändler und um Süchtige kümmert. Das hat mich so imponiert. Die Menschen, die etwas vermasselt haben, und sie sagen ihnen: Was ihr gemacht habt, das ist eine Gemeinheit. Aber ihr seid trotzdem wertvoll. Ihr seid trotzdem von Gott geliebt. Ihr seid nicht das, was ihr gemacht habt, sondern ihr als Person seid wertvoll.
Das ist wichtig auch für dich und für mich. Wir haben vielleicht keinen Unfug gemacht, wir haben vielleicht nie Drogen gehandelt, aber wir wissen, dass wir da und dort schuldig werden. Aber eines darfst du wissen: Du bist wertvoll, weil Gott uns als wertvoll einstuft.
Mir hat auch ein Zitat sehr gefallen, zuerst noch das Zitat von Heinrich Böll. Er hat 1972 den Nobelpreis für Literatur gewonnen, ein bekannter deutscher Schriftsteller. Er hat gesagt: Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab, für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gibt sie Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.
Und dann sagt er: Ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte. Es wäre Hölle.
Ist Ihnen übrigens bewusst, dass Krankenhäuser, Altersheime, Versorgung für Schwache, Waisenheime, alles aus dem christlichen Glauben heraus entstanden ist? Nicht aus dem muslimischen, nicht aus dem buddhistischen, nicht aus dem hinduistischen. Alles aus dem christlichen Glauben. Warum? Weil das Menschenleben bei Jesus Christus wertvoll ist, egal ob Krüppel oder Kleinkind.
In Rio de Janeiro war Martin Buchsteiner einmal unten, auch mit Marion, und ich war auch zwei Minuten für Mitarbeiterschulungen dort. Da war ein Straßenkind, das im Gottesdienst gesagt hat, die haben es eigentlich direkt aufgeschrieben, was es gesagt hat. Und die Straßenkinder in Rio wurden zu der Zeit erschossen. Da gab es eine Schießungskommandos, weil das als Abfall galt. Natürlich werden sie stiehlt und alles, weil sie irgendwie überleben müssen. Und da ist so eine Arbeit, AMAI heißt das, die Straßenkinder in ihre Häuser holt und sich um sie kümmert. Da gibt es mehrere für die. Und ein Straßenkind hat dann gesagt: Viele denken, dass wir Kinder von der Straße nur Müll sind. Ja, es stimmt. Aber dieser Müll kann recycelt werden. Gott kann uns vollkommen recyceln und erneuern. Ist es nicht so? Und die Antwort ist: Ja, es ist so. Gott kann jeden recyceln und erneuern.
Und wenn Sie eine Bibel haben, schlagen Sie auf Psalm 139 auf, wahrscheinlich einer der schönsten Psalmen. Gut, jeden Tag einmal lesen. Psalm 139,14: Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl. Nicht verborgen war mein Gebein vor dir, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewoben in den Tiefen der Erde. Meine Urform sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war. Für mich aber, wie schwer sind deine Gedanken, o Gott, wie gewaltig sind ihre Summen!
Der Psalmist sagt, es ist so gewaltig, wie wir gebildet sind, im Verborgenen. Natürlich können wir uns Gottes Willen widersetzen. Das tun wir ja alle, weil wir alle Sünder sind. Natürlich können wir vom Gottesplan abweichen. Und darum wird ein Mensch Christ, um wieder auf den Plan Gottes zurückzukehren. Aber, und das ist mir wichtig, manchmal habe ich bei Christen auch den Eindruck, dass manche Christen glauben, Gott sei erst dann an einem Menschen interessiert, wenn er gläubig geworden ist. Das ist völliger Unsinn. Gott ist an jedem Menschen interessiert, völlig egal, ob er gläubig ist oder nicht, ob er vor dem Glauben steht oder ob er noch nicht gläubig ist. Gott arbeitet in jedem Menschen lange, bevor er gläubig wird.
Paulus sagt, er wurde auserwählt, lange bevor er Christ geworden ist, seit seiner Geburt. Bei Jeremia lesen wir in Jeremia 1,5, dass er im Mutterleib als Prophet erwählt wurde. Die Stadt Korinth ist für mich immer so ein Beispiel. Da lesen wir im 1. Korintherbrief, die Gemeinde bestand aus ehemaligen Ehebrechern, Prostituierten, Homosexuellen, Dieben, habgierigen Trinkern, Lästerern und Räubern. Gott war auch an den Menschen interessiert, die andere beraubt haben. Gott war interessiert an den Menschen, die noch fremdgegangen sind, die noch betrogen und gestohlen haben. Und es war sicher auch später keine einfache Gemeinde, aber es war die Gemeinde Jesu. Jesus sagt: Das sind meine Kinder, und ich bin für sie gekommen. Jesus ist ein Freund der Sünder. Für Jesus ist das Menschenleben so wertvoll, und darum muss es für uns wertvoll sein.
Der Wert des Menschen im Licht von Gottes Schöpfung und Gericht
Dann ein weiterer Grund: Was bewirkt die Furcht Gottes? Wenn wir Gott fürchten, werden wir Menschen lieben, weil der Mensch vor Gott etwas Besonderes ist. Wenn wir Gott fürchten, beziehungsweise wenn etwas ohne Gottesfurcht gedacht wird, dann hat der Mensch keinen inneren Wert.
Ich muss uns auch bewusst machen: Ich möchte den Mut haben, mit Menschen zu reden, die noch nicht an Jesus glauben. Viele in unserer Gesellschaft glauben ja, dass wir einfach durch Zufall entstanden sind, durch die Evolution. Unsere Vorfahren seien dann irgendein einfacher Mensch gewesen, und dann geht es eben weiter, vor vier Milliarden Jahren. Wenn man in einem Lexikon nachliest, steht dort vielleicht: Vor vier Milliarden Jahren entstand Leben in den Tümpeln und Meeren der Urerde. Und vor etwa drei Milliarden Jahren bildete sich durch das Einwirken von Blitzen und Sonnenlicht schließlich die erste Zelle, und es war eine blaugrüne Alge mit gewissen Bakterien.
Das heißt: Meine Vorfahren wären eine blaugrüne Alge und Bakterien. Wenn das stimmt, dann ziehe ich gewisse Schlüsse über den Wert meines Lebens, und der ist nicht sehr beeindruckend. Wenn es nämlich stimmt, dass Zufall mein Schöpfer ist und die blaugrüne Alge mein Vorfahre, dann habe ich als Mensch keinen inneren Wert.
Ich möchte euch bitten: Das müsst ihr Menschen erklären, die an die Evolution, an die Makroevolution, glauben, weil das eben das ist, was man glaubt. Dann hat deine Existenz keinen Sinn, du hast kein Ziel, und du weißt überhaupt nicht, wozu du da bist. Nur zufällig bist du halt stolz, weil du eine Kreatur bist oder ein Mensch geworden bist, aber das hat gerade so gepasst, evolutionstheoretisch. Nein, es ist ernst, es ist so.
Dieses Denken übrigens, dass der Mensch nur aus Zufall entstanden ist, ist verantwortlich für ethnische Säuberungen. Wo Menschenleben gering geschätzt wird, wo man Menschen einfach umbringt, weil sie einer anderen Volksabstammung angehören oder Zigeuner oder Schwarze sind oder, in der Geschichte, Kleinwüchsige, Behinderte, weil sie ja unbrauchbar sind und nichts bringen, warum tut man sie nicht weg? Das hat zum Beispiel zum Holocaust geführt, wo man Juden, Zeugen Jehovas, Christen, Behinderte und Homosexuelle vergast hat. Was ist ihr Wert? Das führt zu so etwas.
Ich habe vor kurzem gehört, ich weiß nicht mehr, wie lange die Erzählung her ist, vielleicht zwei oder drei Jahre: Im Iran gab es einen Selbstmordattentäter. Davon hat man nicht viel gehört, aber einer dieser Selbstmordattentäter war ein Mensch, der das Down-Syndrom hatte. Dann hat man ihm halt Bomben umgebunden, weil er ja nicht gewusst hat, was los ist, und dann hat man ihn einfach in eine Geschichte hineingezogen und hat ihn zerrissen. Ja, ist ja wurscht, da unten sind ja sowieso nur Behinderte, das ist ja nicht wichtig. Grausame Menschen.
Seht ihr, das ist das, was passiert, wenn man keine Gottesfurcht hat. Und es kommt uns sehr nahe in unserer Gesellschaft, wenn uns bewusst wird, dass jedes Jahr Tausende Kinder abgetrieben werden. Abtreibung ist ein sensibles Thema, und da kann man nicht einfach so darüberfahren. Aber letztlich ist es eine geringe Wertschätzung des Lebens.
Es war interessant, das kennen vielleicht einige von euch: Frank, da gab es eine Debatte an der Universität, wo er Psychologiestudent geworden ist. Da hat der Lehrer eine Fallstudie präsentiert, den Psychologiestudenten, und hat gesagt: Diese Familie, der Vater einer Familie, er hat Syphilis, die Mutter hat Tuberkulose. Sie haben bereits vier Kinder. Das erste Kind ist blind, das zweite Kind ist gestorben, das dritte Kind ist taub und deshalb auch stumm, und das vierte Kind hat ebenfalls Tuberkulose. Was würdet ihr als Psychologen dieser Frau raten? Sie ist jetzt zum fünften Mal schwanger und kommt zu euch um Rat, ob sie das fünfte Kind abtreiben soll oder nicht.
Sie haben sie beraten, und angeblich seien sie einstimmig zu dem Beschluss gekommen, es wäre besser, wenn sie dieser Frau raten würden, dieses Kind abtreiben zu lassen. Dann hat der Professor gesagt: Gratulation, Sie haben gerade Beethoven vernichtet. Genau so war es in seiner Familie.
Wisst ihr, es muss uns bewusst sein: Wir können doch nicht den Wert eines Menschen bestimmen, nur weil er behindert ist. Das hat doch nichts mit seinem Wert zu tun. Ein behindertes Kind ist ja genauso wertvoll wie ein gesundes Kind. Früher haben Sie mich aber gefragt: Wo ist der Bruder Dirndl? Da habe ich ehrlich gesagt: Ja, mir ist es eigentlich wurscht. Das war mir nicht ganz ehrlich gesagt. Aber eigentlich hätte ich sagen müssen: Nein, das ist auch wurscht. Nicht wurscht, aber ob es gesund ist oder nicht, das wird immer unser Kind sein. Wir werden uns um das Kind kümmern, egal ob gesund oder krank.
Aber schau dir einmal an: Hauptsache gesund. Wenn es nicht gesund ist, dann ist es ja nicht so viel wert. Jeder Mensch hat Würde, weil Gott ihm Würde gibt. Und darum lehrt die Furcht vor Gott uns, Menschen zu lieben. Gottesfurcht lehrt, Menschen zu lieben.
Praktische Haltung gegenüber dem Mitmenschen
Dann das nächste Mal ein Gegenüber schätzen lernen, nur ein bisschen etwas Praktisches. Denn es ist natürlich so, dass uns nicht jeder Mensch sympathisch ist. Ich meine, das ist ja einfach so. Nicht jeder Mensch ist uns bequem. Es muss auch nicht jeder dein Freund werden, ob Christ oder Nichtchrist, das hat damit nichts zu tun.
Aber ob ein Mensch nun sympathisch ist oder nicht, ob er bequem ist in deinem Leben oder extrem unbequem, ich möchte ermutigen: Erinnere dich immer daran, dass dein Gegenüber, wie unbequem er dir im Moment auch ist, ein geliebtes Kind Gottes ist. Er ist wertvoll. Er ist genauso wertvoll wie ich und wie jeder andere Mensch. Aber wir können oft leicht versuchen, Menschen einzustufen. Das tut Gott nie.
Es war interessant, als ich unterwegs war in Deutschland. Da habe ich das auch vorbereitet. Ich war in Bibelschulen an sechs verschiedenen Orten. Dann kamen oft noch Leute, die ein Gespräch wollten. Manche kommen, weil sie wirklich Fragen haben, ernsthafte Fragen. Das ist gut so. Aber manchmal kommen auch Leute, die gar keine Frage haben. Sie wollen mir nur etwas sagen.
Eine alte Weiblein, eine fanatische Tierschützerin, weil ich ja nur über den Wert des Menschen geredet habe, das hat ihr halt nicht gepasst usw. Sie wollte mir eigentlich nur belehren, dass die Tiere genauso wertvoll sind usw. Und wie ich jetzt bin, denke ich mir: Ja, da muss ich mir wieder eine Viertelstunde anhören, den Kas sozusagen.
Und nachher habe ich es angeschaut und habe mir gedacht: Nein, Gott, du hast dich ja wirklich gezeigt. Und in einer Viertelstunde zwecklos über Katzen und Hunde zu reden, hat mich gar nicht einmal so sehr interessiert. Und jetzt hat man nichts ausgemacht. Nein, wirklich.
Oder weisst du, sie kamen heute und zeigten dir fünf Kinder, ich vergesse es sowieso wieder nach zwei Minuten. Ich treffe ja bald nicht mehr, wie viele hundert Leute mit Kindern. Und dann denkst du: Das ist ein wertvoller Mensch. Und es funktioniert.
Ich möchte dich recht ermutigen: Probiert es nächstes Mal. Wenn dir jemand auf die Nerven geht und du mit ihm redest, denkst du dir: wertvoller Mensch. Den hat Gott genauso gern wie mich. Der denkt wahrscheinlich, ich bin genau so ein Komischer. Aber er ist wertvoll. Und wenn man sich das bewusst macht, kann man dem Menschen völlig anders begegnen.
Jeder Mensch ist es wert, dass man ihm zuhört. Jeder, egal wer es ist. Jeder Mensch hat etwas zu sagen, und es ist wert, ihn kennenzulernen, weil Gott ihn liebt.
Und weisst du, das muss man gerade im engsten Bereich lernen. Vielleicht wirst du über deinen Ehemann oder deine Ehefrau denken. Wenn du deinen Ehepartner anschaust, kannst du sagen: Das ist ein wertvoller Mensch. Das ist er, egal wer er ist, er ist wertvoll. Es ist nämlich sehr leicht, dass man die Wertschätzung verliert, gerade im Eheleben. Das hat oft damit zu tun, dass einem nicht mehr bewusst ist, wie wertvoll der Gegenüber ist. Und wenn man sich dessen bewusst macht, kann man wieder eine ganz neue Liebe zum Ehepartner entdecken.
So auch bei den Kindern oder Eltern oder Grosseltern. Es ist oft nicht leicht mit den Grosseltern oder auch mit den Eltern, auch wenn sie in deinem Haus wohnen. Erinnere dich daran: Das sind wertvolle Menschen. Das wird unheimlich helfen, damit zurechtzukommen, weil so sieht Gott die Menschen. Und wo man Gott fürchtet, lernt man Menschen zu lieben.
Darum habe ich dazu geschrieben: Als Christen müssen wir nicht mehr die rechte Theologie lernen, sondern die richtige Herzenshaltung anderen Menschen gegenüber. Und die beginnt mit der Furcht Gottes. Und vielleicht muss der eine in uns sagen: Herr, ich möchte um Vergebung bitten, weil ich hier meine Ehepartner eigentlich unwürdig behandelt habe. Sie sind würdig vor dir.
Wege, Gottesfurcht einzuüben
Dann noch ein Letztes: Wie kann man Gottesfurcht lernen?
Erstens: Die Furcht Gottes kommt von Gott. Der natürliche Mensch hat keine Furcht vor Gott, das ist uns nicht angeboren. Darum können wir ruhig beten: Herr, ich bete um eine rechte Furcht vor dir, die mich zu dir treibt. Wir können darum beten, wie es in Jeremia steht: Ich werde ihnen einerlei Sinn geben, damit sie mich allezeit fürchten. Es ist eine Gabe Gottes.
Das Zweite: Wir können Gottesfurcht ganz praktisch lernen, indem wir meditieren und Gottes Schöpfung betrachten. Ich finde, wir haben hier so einen Pfad, wo wir wohnen, das ist ja ein Wahnsinn. Ich denke mir immer wieder: Solange ich da bleiben darf, gehe ich nicht in eine Stadt, außer ich muss in eine Stadt gehen. Aber wenn es bei uns draußen ist, ist es so leicht, Gott anzubeten. Wir haben einen grossen Vorteil: Der Stadtmensch ist umgeben von Menschenschöpfung, wir sind noch umgeben von Gottes Schöpfung, auch wenn sie gefallen ist. Gottes Schöpfung sind jetzt nicht mehr nur die Berge, die Augen der Kinder vielleicht oft. Die Augen der Kinder sind für uns oft ein riesiger Grund, Gott anzubeten. Das war etwas Wunderschönes, ein Sonnenuntergang. Das Betrachten und Meditieren über solche Dinge hilft uns, Gott zu fürchten.
Das Dritte: über den Charakter Gottes nachzudenken. Und da möchte ich einfach ermutigen: Lest die Bibel, um Gott kennenzulernen. Lest die Bibel. Sie ist nicht kompliziert. So viele Leute sagen mir, die Bibel sei so kompliziert. Ja, fang halt nicht mit Hesekiel an, fang im Neuen Testament an. Es ist gescheiter, mit Matthäus, mit den Evangelien anzufangen, damit du Jesus kennenlernst, wer er ist.
Weisst du, es ist so: Die Berge, die können wir zwar anschauen und sagen, dass wir einen grossen Gott haben. Das sehe ich schon in den Bergen. Aber die Berge sagen mir nichts über den Charakter Gottes. Denn zum Beispiel: Du gehst jetzt raus in ein wunderschönes Schneetreiben, Tausende Schneeflocken, jede ist anders, und du denkst dir: Wow, das ist ein guter Gott. Und dann sind Millionen Schneeflocken, die sich zusammenballen, eine Lawine kommt herunter und verschüttet zehn Leute. Jetzt bist du ja: Ist das jetzt so, hat das auch Gott da? Jetzt bist du nicht mehr sicher, ist er selber noch gut oder ist er zu schlecht.
Die Schöpfung sagt dir etwas über die Grösse Gottes, aber nicht über seinen Charakter. Wenn du den Charakter Gottes kennenlernen willst, musst du auf Jesus schauen, weil Jesus gesagt hat: Wer mich sieht, der sieht den Vater. Ich bin genau wie mein Vater. Wenn sie wissen wollen, wie der Charakter von meinem Vater ist, dann schauen sie auf mich, dann lernen sie ihn kennen.
Und ich möchte Ihnen auch Mut machen: Lest nicht nur die angenehmen Bibelstellen. Lest auch die Bibelstellen, die etwas komplizierter sind, und nicht nur die, die leicht zu lesen sind, sondern auch die, wo es um Gericht geht. Was man nie so gerne liest, lest beides. Es lehrt uns, Gott zu fürchten und zu lieben.
Viertens: Wir können Gott fürchten lernen durch die elterliche Erziehung. Ich glaube, das ist eines der wichtigsten Dinge, was unsere Kinder anbelangt. Lehrt den Kindern die Furcht des Herrn. Lest Bibelgeschichten vor, Enkeln, Kindern, Enkelkindern, Urenkeln, was immer. Und lest nicht nur die Bibelgeschichten, wo das Schaf verloren geht. Lest auch die unangenehmen Bibelgeschichten. Es ist gut für die Kinder, auch die furchteinflössenden zu hören.
Die heutige Pädagogik, vieles von dem, was sie sagt, ist auch nicht schlecht. Aber ich glaube, ich werde ein bisschen übertrieben, was für mich auch wichtig ist: mit den Kindern normal im Alltag über Gott zu reden. Dass man das Christenleben nicht zum Ritual verkommen lässt. Vor dem Mittagessen Hände falten und beten ist gut, aber das soll vielleicht nicht das Einzige sein, wo man den Namen Gottes in den Mund nimmt. Man kann ja mal beim Autofahren über Gott reden, indem man sagt: Schau, was ich gestern gelesen habe, das hat mir schön getaugt. Oder was ich beim ABC gelesen habe, da hat jemand irgendetwas gesagt, das war ... Auch mit den Kindern oder wenn es Skifahren geht, mit ihnen am Lift fahren, kann man auch mal etwas sagen. Einfach, dass man im Alltag auch mit Kindern über Gott redet, ganz normal, wenn man über Skifahren oder Fussball oder sonst etwas redet, über Gott reden.
Und das Letzte: Gott anbeten. Da haben wir einfach zwei Dinge. Ich gehe so gerne mit Gott spazieren, einfach mit ihm reden. Man kann auch, der eine lieber in der Küche sitzt und auch mit ihm redet, das kann jeder so machen, wie er will. Aber einfach in diesem persönlichen Gespräch mit Gott bleiben, nicht so ein Ritual. Du musst nicht Hauchdeutsch reden, brauchst nicht immer die Hände falten, du kannst einfach mit ihm reden, weil Gott lebt. Und das möchte ich ermutigen.
Und das andere: nicht nur allein mit Gott spazieren, sondern gemeinsam im Gottesdienst. Gottesdienste sind deshalb so wichtig, dass man gemeinsam Psalmen liest. Darum liest man meistens auch einen Psalm in unseren Gottesdiensten. Das ist nicht nur eine Liturgie, sondern wirklich darauf los, gemeinsam einen Psalm lesen, das ist etwas Wunderschönes. Gemeinsam das Glaubensbekenntnis bekennen, gemeinsam auf Gottes heiliges Wort hören, ob es da jetzt einbepasst, was er sagt oder nicht, das ist ja gar nicht einmal so wichtig, aber in der Gemeinschaft, im Wort, im Lied, im Sakrament vor Gott sein. Es ist eine wichtige Sache, um zu lernen, Gott zu fürchten.
Und das möchte ich Ihnen einfach ans Herz legen, Psalm 34,12, mit dem Namen, mit dem ich angefangen habe. Der gefällt mir so: Kommt, ihr Söhne, hört mir zu, die Furcht des Herrn will ich euch lehren. So ist mein Gebet, dass diese Wirklichkeit sein und werden kann, auch in unserem Leben.
Schlussgebet und Bitte um geistliche Frucht
Ich möchte nur miteinander beten, lieber himmlischer Vater.
Wir möchten dir von Herzen danken für deine grosse Liebe zu uns, die uns immer wieder zu dir zieht. Und Herr, deine Liebe ist so gross, deine Gnade ist so gross, dass wir anfangen, dich in einer guten Weise zu fürchten, Herr, dass wir Ehrfurcht haben vor einem grossen, einem majestätischen Gott. Ein Gott, der Ungerechtigkeit bestraft, ein Gott, der den Dingen dieser Welt nicht gleichgültig gegenübersteht, und ein Gott, der Menschen so sehr liebt und Menschen zu sich zieht, egal wo ein Mensch steht, wer er ist oder was er tut, ob gesund oder krank, alt oder jung.
Herr, jeder Mensch ist vor dir wertvoll, ungeboren oder geboren. Und Vater, so bete ich einfach, dass wir in dieser Gottesfurcht wieder lernen, uns gegenseitig darin zu ermutigen, recht vor dir zu leben, dass wir dir auch gefallen wollen, dass es uns freut, wenn du auch Freude an uns haben kannst, wie wir mit dir leben, mit all unseren Fehlern, mit all unseren Sünden, Herr. Und es geht gar nicht so sehr darum, sondern darum, dass wir uns einfach nach dir sehnen und dich einbeziehen in den Alltag unseres Lebens.
Ich bete daher, dass wir in der Gottesfurcht lernen, unsere Nächsten zu lieben und zu schätzen: unseren Ehepartner, egal wie er ist, mit all seinen Schwächen und Stärken. Er ist wertvoll. Unsere Kinder, unsere Eltern und Grosseltern, unsere Nachbarn, Herr, die so kompliziert sein können. Herr, wir wollen wissen, sie sind würdig, weil du sie liebst. Und so danke ich dir, dass die Gottesfurcht uns lehren kann, den Nächsten zu lieben.
Danke, dass wir durch die Gottesfurcht lernen dürfen, Menschen weniger zu fürchten, dass wir nicht mehr Götzen anbeten und nicht mehr Aberglauben nachlaufen müssen, sondern frei sein dürfen davon und befreit sind in der Gottesfurcht. Herr, ich bete, dass dies einfach in unserem Leben mehr und mehr Wahrheit werden darf und dass wir uns als Christen gegenseitig dahingehend ermutigen, in der Gemeinschaft, in den Gottesdiensten, im Zweiergespräch und dass wir uns auch etwas zutrauen und einfach etwas zeigen, den anderen ermutigen auf dem Weg mit dir.
Das ist mein Gebet, Herr. Segne all die Lieben da und schenke uns einen guten Winter wieder vor uns, gut in deinem Sinn, Herr, was immer es bringen möge, dass wir dich besser kennenlernen und Menschen mehr lieben lernen. Darum bete ich in Jesu Namen. Amen.

