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Der Dreieine in seinem Wesen

21.02.2026
SerieTeil 1 / 4E21 Regionalkonferenz Südwest 2026
Was, wenn Gottes Liebe nicht erst am Kreuz beginnt? Der Blick hinter die Rettung zeigt: Gott ist nicht nur gut zu dir – er ist in sich selbst Liebe.

Eine Reise vom Fluss zur Quelle

Vor ein paar Jahren war ich mit guten Freunden auf einer Insel. Wir hatten eine kleine Hütte direkt an einem Fluss, und es war einfach schön. Wir konnten jeden Morgen und jeden Abend in das frische Wasser gehen und haben es einfach genossen.
Ein Highlight in diesem Urlaub war dann eine Wanderung entlang dieses Flusses. Es war so schön im Wasser, dass ich am Ende der Wanderung beschlossen habe, nicht mit meinen Freunden neben dem Fluss zurückzugehen, sondern im Fluss. Also kam ich ein paar Stunden später als sie zu Hause wieder an unserer Hütte an. Aber ich fand es einfach schön in diesem Wasser.
Etwas später gab es dann jemanden, der sich richtig gut auf dieser Insel auskannte, und er lud uns zu einem großen Ausflug ein. Wir fuhren also mit dem Auto flussaufwärts, bis wir irgendwann nicht mehr weiter konnten. Dann stiegen wir aus, und wir wanderten den immer größer werdenden Fluss flussaufwärts entlang, durch Täler, ein bisschen an den Bergen vorbei. Es war eine nicht enden wollende Schönheit, bis der Fluss schließlich eine letzte Kurve nahm.
Als wir um diese Kurve herumgingen, wartete auf uns auf einmal der beeindruckendste Anblick der ganzen Insel: ein riesiger Wasserfall, viele Meter hoch, der sich an einer beeindruckenden, gewaltigen Felswand herunterstürzte, in ein großes, kristallklares Wasserbecken. Das war also die Quelle unseres Flusses, und sie war unvergleichlich schöner und beeindruckender als alles, was wir bisher gesehen hatten.
Einen Großteil meines Urlaubs habe ich mich an der Schönheit dieses Flusses erfreut, ohne zu ahnen, dass dahinter eine noch viel größere Schönheit lag. Es ist möglich, dass es vielen von uns in gewisser Weise ähnlich geht. Einen Großteil unseres Lebens mit Jesus genießen wir die faszinierende Schönheit des Flusses, den wir das Evangelium nennen: voller unerschöpflicher Gnade, ständig fließend mit frischer, bedingungsloser Liebe. Wir baden darin in Anbetung. Wir verteidigen diesen Fluss, wenn er klein gemacht oder klein geredet wird. Wir erzählen von seiner Schönheit inmitten einer evangeliumslosen Gesellschaft.
Und doch ist es möglich, dass wir etwas übersehen: dass sich hinter der Schönheit dessen, was Gott tut, eine noch größere Schönheit verbirgt, nämlich die Schönheit dessen, wer Gott ist. Wir werden darauf aufmerksam, wenn wir anfangen, uns alles wegzudenken, was Gott getan hat: was er für uns getan hat, was er für dich getan hat, das Universum, das er geschaffen hat, das Leben, das er dir gegeben hat, aber auch, dass er Menschen wie dich und mich rettet, annimmt, verändert und beschenkt.
Wäre Gott vollkommen gut und liebevoll, wenn er nie irgendetwas geschaffen hätte? Wenn er nie irgendeins seiner verlorengegangenen Geschöpfe gerettet hätte? Anders gefragt: Kann Gott in sich selbst wichtiger und interessanter für uns sein als das, was er tut?
Die Botschaft des Evangeliums, die wir feiern, lautet: Gottes Liebe und Güte sind nicht abhängig von dem, was wir tun. Aber das Gottesbild hinter dieser Botschaft geht noch weiter. Gottes Güte und Liebe sind auch nicht einmal abhängig von dem, was er tut. Gott ist nicht gut, weil er Gutes tut. Gott tut Gutes, weil er gut ist. Er lässt den Wasserfall seines göttlichen Wesens überfließen hinein in den Fluss seiner Taten.
Die volle Schönheit und Bedeutung des Evangeliums lässt sich nur an etwas messen, das so gewaltig ist wie Gott selbst. Und das Einzige, was so gewaltig ist wie Gott selbst, ist Gott selbst.
Wo müssen wir hinschauen, um Gott in sich selbst besser zu erkennen? Wo finden wir den Wasserfall von Gottes Wesen hinter dem Fluss seiner Taten? Eine Antwort auf diese Frage lautet: in seinem dreieinigen Wesen.
Mein Ziel mit uns heute sind zwei Schritte: Nummer eins, uns einen Weg zum Wasserfall zu zeigen. Und Nummer zwei, einen intensiven Blick auf, ja sogar in diesen Wasserfall hineinzuwerfen. Zwei Schritte, die wir gemeinsam gehen wollen, um sie dann hoffentlich in unseren Gedanken und in unseren Herzen immer wieder zu gehen.

Der Weg zur verborgenen Tiefe Gottes

So fangen wir an mit Schritt Nummer eins: Mach dich auf den Weg zu Gottes Wesen.
Am Anfang dieses Wesens steht dir die große Frage: Wieso ist die Dreieinigkeit in der Bibel so verborgen, so schwer greifbar, wenn sie doch im Hintergrund von Gottes Offenbarung steht? Ist es dann verwunderlich, dass sie auch oft nur im Hintergrund unseres Gottesbildes steht und irgendwie schwer zu fassen ist?
Wenn wir ehrlich sind, fühlt es sich manchmal so an wie eine dieser Matheformeln aus der Oberstufe. Irgendwann denkst du, du hast sie verstanden. Du fängst auch an, sie anderen zu erklären, und nach drei Wochen ist alles wieder weg. So irgendwie ist die Sache mit der Dreieinigkeit ein notwendiger Punkt auf der Checkliste unseres christlichen Glaubensbekenntnisses, und doch ist sie oft ein Punkt, der uns eher Probleme macht, als dass er uns wirklich glücklich macht.
Tatsächlich ist der Weg dahin, Gottes dreieiniges Wesen zu erkennen, auch gar nicht so einfach. Nicht zuletzt, weil es ja Gottes Wesen ist. Aber in der Bibel wird die Dreieinigkeit ja auch an keiner Stelle einfach so erklärt. Gott offenbart sich vielmehr und sein ganzes Wesen in verschiedenen einzelnen Schritten. Und er lädt uns ein, diesen Schritten zu folgen.
Im Alten Testament tritt er auf als der eine Gott, wie in 5. Mose 6,4: Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein, oder: Der Herr ist einer. Und das ist das Grundprinzip durchs ganze Alte Testament hindurch, bis erst im Neuen Testament uns dann der Blick geöffnet wird in das dreieinige Wesen Gottes.
Allerdings gibt es auch im Neuen Testament eigentlich nur zwei mehr oder weniger ausdrückliche Bezüge auf die Dreieinigkeit. Der eine ist Jesu Auftrag am Ende vom Matthäusevangelium: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der andere ist Paulus’ Segen am Ende vom 2. Korintherbrief: Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Drumherum begegnen uns aber an verschiedenen, eher indirekten Stellen und Passagen oft der Vater, der Sohn und der Heilige Geist wie in einem Dreiklang, die zusammen genannt werden. Das heißt, wir finden auch im Neuen Testament keine fertig ausformulierte Lehre der Dreieinigkeit, aber wir finden überall Spuren davon, dass die ersten Christen Gott als dreieinig erlebt haben. Die Erfahrung des dreieinigen Gottes war also schon da, die ausformulierte Lehre kam erst später.
Im zweiten Jahrhundert lebte ein Mann, dem seine Eltern den Namen Ptolemäus gegeben haben. Er lebte in Ägypten und er ging sehr gerne abends raus und schaute fasziniert in den Sternenhimmel. Und das, was er beobachtete und das, was er versuchte, daraus zu verstehen und zu erklären, das schrieb er dann auf, um zu erklären, wie er das sah, dass die Planeten sich dort bewegten.
Das haben schon andere vor ihm gemacht. Aristoteles hat ein paar Jahrhunderte vorher darüber nachgedacht, wie der Kosmos geordnet ist. Menschen in der Antike haben schon fasziniert in den Sternenhimmel geschaut, und sie sahen: Da gibt es Ordnung, da gibt es Gesetzmäßigkeiten darin, wie die Himmelskörper angeordnet sind. Aber Begriffe wie Gravitation oder Schwerkraft kannten sie nicht.
Erst anderthalb Jahrtausende später fügte Isaac Newton all die verschiedenen Beobachtungen zu einem Bild zusammen, und er formulierte das Gesetz der Schwerkraft. Die Wirklichkeit der Schwerkraft war schon die ganze Zeit da, aber die Sprache, die präzise Theorie davon, die kam erst später.
Schaut, so ähnlich ist es mit der Dreieinigkeit. Die ersten Christen erlebten die Realität des dreieinen Gottes. Sie beteten zum Vater, sie bekannten Jesus Christus als den Herrn und Gott, sie erfuhren die Kraft des Heiligen Geistes. Aber die präzise Sprache für das, was sie erlebten, die kam erst mit den nächsten Generationen. Und in dieser Sprache fassten die nächsten Generationen dann das Grundprinzip der Dreieinigkeit so zusammen: Der Gott der Bibel ist ein einziges Wesen, bestehend aus drei Personen. Jeder von ihnen ist Gott, aber jeder von ihnen ist zugleich nicht eine der anderen Personen.
Gewissermaßen erleben wir das bis heute persönlich so. Wenn du Jesus nachfolgst, dann erlebst du bereits den dreieinigen Gott, sogar bevor du intensiver über die Dreieinigkeit nachdenkst. Du hast dich taufen lassen auf den dreieinigen Gott, du singst Lieder über den Vater, den Sohn und hoffentlich auch den Heiligen Geist, du feierst im Abendmahl den neuen Bund, den Gott, der Vater, im Sohn mit dir geschlossen hat und dir durch den Heiligen Geist vermittelt hat.
Das heißt, du atmest die Luft des Lebens mit dem dreieinigen Gott, ohne es schon erklären zu können. Du kannst die Schwerkraft erleben, ohne das Konzept der Schwerkraft zu kennen. Aber wenn du sie kennst, dann bewahrt sie dich vor sehr schwerwiegenden und schmerzhaften Trugschlüssen, und sie lässt dich besser und mit mehr Freude auf dieser Erde leben.
Du kannst Gott zu einem gewissen Grad erleben, ohne die Lehre der Dreieinigkeit zu kennen. Aber wenn du sie kennst, dann bewahrt sie dich vor schwerwiegenden Trugschlüssen in deinem Gottesbild, und sie lässt dich bewusster und mit mehr Freude mit diesem dreieinigen Gott leben.

Fenster in das innere Leben Gottes

Okay, aber wo müssen wir jetzt hingehen, um Gott in seiner Dreieinigkeit besser zu verstehen, besser zu sehen?
Zuerst hilft es uns zu unterscheiden, dass sich Gottes Dreieinigkeit in der Bibel auf zwei Ebenen zeigt: im Vordergrund die Ebene, wie der dreieinige Gott handelt, im Hintergrund die zweite Ebene, wie der dreieinige Gott ist. Vater, Sohn und Heiliger Geist handeln gemeinsam in der Heilsgeschichte. Das ist das, was wir im Vordergrund sehen. Dahinter steht aber, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist gemeinsam innerhalb der Dreieinigkeit leben. Diese zweite Ebene wollen wir uns im Hintergrund anschauen: wie Gott ist, wie er lebt als dreieiniger Gott.
Aber wo bekommen wir einen Einblick in dieses Miteinander der Dreieinigkeit? Genau dafür hat Gott im Neuen Testament besondere Fenster eingerichtet. Durch diese Fenster gewährt er uns einen persönlichen Einblick hinter seine Kulissen. Wo sind diese Fenster? Es sind die gemeinsamen Gespräche und die gegenseitigen Aussagen von Gott dem Vater und dem Sohn. Jesus betet zu Gott dem Vater und spricht über Gott den Vater, und manchmal spricht Gott der Vater vom Himmel aus über seinen Sohn.
Das heißt: Im Neuen Testament, das Gott der Heilige Geist für uns inspiriert hat, veröffentlicht Gott exklusiv Teile seiner Beziehung und Gespräche aus dem Innersten seines dreieinigen Wesens. Aber er öffnet diese Fenster nicht einfach, damit wir besser über ihn Bescheid wissen, sondern damit wir von seinem Wesen angezogen werden. Mit anderen Worten: Als Jesus Christus die Weltbühne betritt, zeigt er uns nicht nur, dass es in Gott drei Personen gibt. Er lässt uns auch einen Blick hineinwerfen in das Innenleben Gottes, weil er will, dass wir uns mit hineinnehmen lassen. Darum: Mach dich auf den Weg zu Gottes Wesen!
Jetzt, bevor wir durch eines dieser Fenster schauen, ist mir eine Sache sehr wichtig: Der Einblick, den Gott uns in sein Innenleben gewährt, ist sehr begrenzt, und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens erfahren wir am meisten über die Rolle des Sohnes, weniger über den Vater und noch viel weniger über die Rolle des Heiligen Geistes. Zweitens erfahren wir das meiste über das Leben von Vater, Sohn und Heiligem Geist, das sie in der Ewigkeit führen, nicht, und wir können es uns auch nicht vorstellen.
Das heißt: Wenn wir über die Dreieinigkeit Gottes nachdenken, müssen wir uns zwei Dinge vor Augen führen und immer wieder darauf achten, dass wir auf der einen Seite nicht spekulieren über das hinaus, was Gott sichtbar gemacht hat, und dass wir auf der anderen Seite den Einblick, den er uns gibt, so voll wie möglich ausnutzen für ein möglichst klares Gottesbild. Wir wollen nicht zu viel, aber wir wollen auch nicht zu wenig sagen.
Ich will mit uns durch ein besonders großes Fenster blicken, in den Teil der Bibel, der die mit Abstand meisten Fenster enthält. Dieser Teil ist das Johannesevangelium, und unser Fenster ist Johannes 17. Das führt uns zu unserem zweiten Punkt: Richte deinen Blick auf Gottes Wesen.

Der Sohn als Zugang zur Ewigkeit

Wir blicken in drei Richtungen: auf den Sohn, auf den Vater und auf den Geist. Aber wir blicken zuerst auf den Sohn, denn wir bekommen Zugang zur Dreieinigkeit durch Gott, den Sohn, als er in diese Welt kommt.
In Johannes 17 steht Jesus unmittelbar davor, gefangen genommen und gekreuzigt zu werden. Bevor das passiert, betet er für seine Nachfolger. Er lässt dieses Gebet aufschreiben als ein großes Fenster, durch das wir einen Blick in die Beziehung bekommen, die er zu seinem Vater hat.
Er beginnt mit den Worten in Johannes 17,1-5: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gibt. Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
Jesus bezeichnet sich hier selbst als den Sohn Gottes: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Die Grundlage dafür hat Johannes schon am Anfang seines Evangeliums gelegt. In Kapitel 1 spricht er darüber, dass der Sohn Gottes Mensch wird. Dabei zeigt er, dass Gott der Sohn schon vor seiner Geburt auf Erden von Ewigkeit her existierte.
In Johannes 1,3 erklärt er: Alles ist durch ihn, das Wort, den Sohn, entstanden; es gibt nichts, das ohne ihn entstanden ist. Wenn alle Dinge durch ihn entstanden sind, dann kann er selbst nicht entstanden sein. Und doch schreibt Johannes in Johannes 1,14 und 1,18, er ist der einziggeborene Sohn vom Vater.
Noch deutlicher wird es in Johannes 5,26: Wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber. Einerseits kommt der Sohn also vom Vater, andererseits ist er nie entstanden. Jeder Mensch entsteht aus dem Nichts. Er ist der Einzige, der nicht entstanden ist. Er wurde nicht zum Sohn, als er Mensch wurde, er war schon immer Sohn.
Wenn Johannes also schreibt: Gott sandte seinen Sohn, Gott gab seinen Sohn, dann meint er den Sohn, den er schon immer hatte. Darum kann Jesus auch hier in Johannes 17,5 beten: Verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Bevor es irgendeine Galaxie gab, bevor es irgendeinen Engel gab, bevor es Zeit gab, gab es ewige Herrlichkeit zwischen Gott dem Vater und Gott dem Sohn.
Die Tatsache, dass Jesus nie erst Sohn Gottes wurde, sondern schon immer war, zeigt uns eine wichtige Grenze für unser Denken über Gott. Wir können unsere menschliche Erfahrung von Beziehungen zwischen einem Vater und einem Sohn nicht einfach auf die Dreieinigkeit übertragen. Gott der Sohn ist nicht in derselben Weise Sohn, wie ich Sohn bin. Es gibt wesentliche Unterschiede.
Gott der Sohn ist nicht jünger als Gott der Vater. Gott der Sohn ist auch nicht einer von mehreren Söhnen. Und er hat übrigens auch keine Mutter. Wenn es aber so viele Unterschiede zu dem gibt, was wir unter Sohn verstehen, warum wird er in der Bibel dann überhaupt Sohn genannt?
Aus zwei Gründen. Erstens, um uns zu zeigen: Der Sohn Gottes hat kein anderes Wesen als sein Vater. Gott hat eine Welt voller Dinge geschaffen, die nicht so sind wie er selbst, aber sein Sohn ist ihm wesensgleich. Zweitens wird er Sohn genannt, um zu zeigen: Der Sohn kommt vom Vater. Er hat seinen Ursprung beim Vater, aber nicht zeitlich irgendwo an einem Punkt in der Vergangenheit, sondern in einem ewigen Ursprung.
Deswegen gibt es diese wirklich sonderbare Formulierung im Glaubensbekenntnis: Er ist ewig gezeugt. Wir kennen das nicht so wirklich, können es uns nicht vorstellen, aber es soll sagen: Er ist gezeugt, der Sohn kommt vom Vater. Ewig gezeugt heißt, es gab nie einen Punkt, an dem der Vater ohne Sohn war. Sie existieren beide schon immer.

Die ewige Liebe zwischen Vater und Sohn

Okay, jetzt, nachdem wir das gesehen haben, lassen wir uns noch einmal kurz rauszoomen und uns daran erinnern. Durch das ganze Johannesevangelium bis hierher hat Jesus sich immer wieder ausdrücklich Gott gleich gemacht. Er stellt sich vor mit „Ich bin“, genauso wie Gott im Alten Testament. Mit anderen Worten: „Ich bin dieses Wesen, dieser Gott.“
Das bedeutet: Wenn er hier in Kapitel 17 betet: „Vater, verherrliche deinen Sohn“, dann hängt an diesem Satz eine tonnenschwere Bedeutung. Innerhalb von Gott gibt es einen Sohn. Wenn es einen ewigen Sohn Gottes gibt, dann ist die Schlussfolgerung, dass Gott auch immer einen Vater beinhaltet hat. Das führt uns zu unserer zweiten Blickrichtung auf Gott, den Vater.
Gott ist Vater von Gott dem Sohn seit aller Ewigkeit. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem er Vater wurde. Er war immer Vater, denn er existierte nie allein ohne seinen Sohn. Aber was genau sagt uns das über die Beziehung zwischen der ersten und zweiten Person Gottes?
Schau, im letzten Abschnitt seines Gebets wird Jesus noch einmal besonders persönlich. Er betet in Vers 21 und sagt zu seinem Vater: Du bist in mir und ich bin in dir. Das ist die innigste Form von Gemeinschaft, die es geben kann. Vater und Sohn leben gewissermaßen ineinander, sie durchdringen sich völlig.
Jetzt in Vers 24 sagt Jesus über diese innigste Gemeinschaft: Du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Hier haben wir einen der tiefsten und persönlichsten Einblicke in die Dreieinigkeit hinein. Gott liebte, bevor es irgendetwas anderes gab, außer ihm selbst.
Dieser Einblick zeigt uns etwas zutiefst Wichtiges über Gottes Liebe. Gottes Liebe als Vater definiert sich nicht durch seine Liebe zu uns als seinen adoptierten Kindern. Sie definiert sich zuallererst durch seine ewige Liebe zu Gott dem Sohn. Gott war schon ein liebender Vater, lange bevor wir geboren wurden und lange bevor irgendjemand von uns von neuem geboren wurde.
Weißt du, was das bedeutet? Die Liebe Gottes des Vaters ist keine Reaktion auf uns. Sie ist nicht abhängig davon, ob oder wie sehr wir ihn lieben. Sie besteht einfach für dich und mich, völlig unbegrenzt, unabhängig von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Aber hier stellt sich die Frage: Wie bitte schön passt der Heilige Geist in diese Liebe Gottes zwischen Vater und Sohn? Das führt uns zu unserer dritten Blickrichtung auf Gott, den Heiligen Geist.
Auch der Heilige Geist existiert als Person nicht zuerst für uns, sondern ewig mit dem Vater und dem Sohn. Aber wo er in der Bibel auftaucht, da wird er göttlich dargestellt. Er ist ewig, er ist allgegenwärtig, er ist allwissend. Mit anderen Worten: Er ist Gott selbst.
Es ist für uns allerdings etwas leichter zu erkennen, was der Heilige Geist tut, als wie er ist. Was er tut, zeigt sich an vielen Stellen. Er wirkt vor, während und nach dem Wirken Jesu Christi hier auf Erden. Er umgibt gewissermaßen alles, was Christus tut.
Aber wie der Heilige Geist ist, wie genau seine Rolle aussieht in der Beziehung zu Vater und Sohn, das zeigt Gott in der Bibel nicht so ausführlich wie bei den anderen beiden Personen der Gottheit. Und doch gibt es eine Spur: Der Heilige Geist wird immer wieder verbunden mit der Liebe Gottes.
Auch im Johannesevangelium, aber ganz einfach und eindrücklich in Römer 5,5: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Das heißt, wir haben zwei Perspektiven auf die Liebe des Heiligen Geistes: den Blick auf sein Wesen, den Blick auf seine Person.
In seinem Wesen als Gott ist der Heilige Geist selbst vollkommen Liebe. Wie Vater und Sohn ist er als Person innerhalb der Dreieinigkeit gewissermaßen die Liebe, die von Vater und Sohn ausgeht. Manchmal wird das so beschrieben: Er verbindet die grenzenlose ewige Liebe von Vater zum Sohn, und er verbindet diese Liebe von Vater und Sohn zu uns, so dass Gottes Liebe für uns keine Theorie bleibt, sondern etwas ist, das wir erleben können.

Die Liebe Gottes, die uns hineinzieht

Jetzt an dieser Stelle müssen wir aufpassen, dass wir hier nicht zu weit gehen in unserer Vorstellung über Gottes Liebe innerhalb der Dreieinigkeit. In den letzten Jahrzehnten ist oft versucht worden, die Relevanz und die Bedeutung der Dreieinigkeit etwas attraktiver zu machen, durch die Behauptung: Gott ist Liebe, weil er dreieinig ist.
Das klingt dann häufig so: Gott ist kein Single. Er ist eine ewige Gemeinschaft von drei Personen, die sich schon immer vollkommen lieben. Das ist es, was ihn zur Liebe selbst macht, zur vollkommenen Liebe. Das ist es auch, was den dreieinigen christlichen Gott so anziehend macht im Vergleich zu den Göttern anderer Religionen.
Aber hier ist das Problem: Wir dürfen die Dreiheit Gottes nicht über die Einheit Gottes erheben. Indem wir uns vielleicht drei individuelle Personen mit eigenem Bewusstsein vorstellen, die irgendwo im Kreis sitzen und sich lieben, stellen wir uns vor, dass Gott einsam und egoistisch wäre, wenn er nicht dreieinig wäre. Gott ist nicht Liebe, weil er drei ist, sondern weil er Gott ist. Jede einzelne Person der Gottheit ist vollkommen Liebe. Das heißt: Gott ist nicht Liebe, weil er dreieinig ist. Aber in seiner Dreieinigkeit zeigt Gott seine Liebe in besonderer Weise.
Wir können uns nicht genauer vorstellen, wie das ist, aber es ist ganz sicher weit großartiger, als wir denken. Jesus öffnet uns hier aber bewusst dieses Fenster, damit wir einen begrenzten Blick auf diesen besonderen Ausdruck von Gottes Liebe innerhalb der Dreieinigkeit werfen können.
Aber seht ihr, was das eigentlich Besondere ist? Dass Jesus dafür betet, dass wir selbst Teil dieser Liebesgemeinschaft werden können. Noch einmal Vers 21: Hier ist das Leben innerhalb der Dreieinigkeit: Du, Vater, bist in mir und ich in dir. Von hier aus spricht Jesus dann über sein großes Herzensanliegen im nächsten Teil: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein. Merkt: in uns, nicht mit uns, in uns.
Vers 23 noch einmal aus anderer Perspektive: Ich bin in ihnen und du in mir. Gott der Vater ist in Jesus, und Gott der Sohn ist durch Gott den Heiligen Geist in uns. Das bedeutet: Die älteste und aufregendste Liebesbeziehung des Universums öffnet sich. Gott nimmt uns mit hinein in die vollkommene, ewige Zufriedenheit, die er in sich selbst hat.
Und Jesus beendet sein Gebet in Vers 26 mit der Aussicht darauf, was das dafür bedeutet, wie Gott uns liebt: Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun. Warum? Damit die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.
Das heißt: Wenn der Heilige Geist uns in die Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott führt, dann liebt Gott dich und mich so, wie der Vater seit Ewigkeit den Sohn liebt. In gewisser Weise öffnet sich der Himmel über dir, so wie über Jesus bei seiner Taufe, und Gott spricht: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter, an der ich Wohlgefallen habe.
Und Jesus betet dafür, dass diese Liebe beständig in ihm sei, dass sie beständig in uns sei, dass sie beständig in dir sei, dass wir immer wieder neu von dieser Liebe erfüllt, verändert und getragen werden.
Vor einiger Zeit kam eine Frau in mein Büro, die schlimmes Leid zu tragen hatte, verursacht durch ein schweres Trauma, das ihre Gedanken immer wieder durcheinanderwürfelt, das ihren Glauben infrage stellt, das sie immer wieder an den Punkt bringt: Kann Gott mich überhaupt lieben? Wie sehr liebt er mich tatsächlich?
Wir sprachen darüber, was Gott aus Liebe zu ihr in Christus für sie getan hat. Aber dann gingen wir noch einen Schritt weiter, weil die Liebe, die Gott am Kreuz zeigt, letztlich der ultimative Ausdruck einer ewigen Liebe ist, die verankert ist in seinem Wesen. So beteten wir und suchten Trost darin, dass Gott als ewiger Vater, Sohn und Geist vollkommen gut, weise und liebevoll in sich selbst für immer und ewig ist und bleibt, völlig unabhängig davon, was alles an Leid und Sünde in dieser Welt geschieht, in unserem Leben geschieht, in unseren ungewollten Gedanken geschieht.
Und wir beteten, dass diese vollkommene Güte und Liebe Gottes in diesem Moment für sie bereitsteht. Wir beteten, dass das Gebet Jesu aus Vers 26 in ihrem Herzen jetzt neue Realität würde: dass die Liebe, womit du, Vater, mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.

Der Blick vom Kreuz zur ewigen Quelle

So, wann immer du an den Punkt kommst, an dem du dich fragst: Wie sehr liebt Gott mich wirklich? Wie sehr kann er mich überhaupt lieben? Jesus wusste, dass dieser Moment für dich kommen würde, vielleicht immer wieder kommt.
Es ist kostbar, auf das Kreuz zu schauen als Gottes liebende Antwort auf deine Sünde. Aber wir sollten unseren Blick nicht in einer Weise begrenzen, die uns die Sicht versperrt auf die Liebe, die ewige Liebe Gottes, die hinter dem Kreuz hervorstrahlt.
Darum öffnete Jesus, bevor er ans Kreuz ging, dieses Fenster für dich, um dir zu zeigen: Hinter der Liebe von Gottes Werk am Kreuz scheint die unbegrenzte Liebe von Gottes Wesen auf, dargestellt in der Liebe des Vaters zu seinem Sohn. Und wenn du von Gottes Liebestat am Kreuz aufblickst zu Gottes Wesen in sich selbst, dann kannst du erkennen: Gottes Liebe ist nicht ebenbürtig mit Gottes Zorn.
Gottes Zorn, den er am Kreuz auslässt, ist eine Reaktion auf unsere Sünde. Aber Gottes Liebe ist keine Reaktion auf irgendetwas in uns. Wenn du zu Jesus Christus gehörst, dann liebt Gott dich, weil er in sich selbst Liebe ist. Er liebt dich durch und aufgrund dessen, was sein Sohn Jesus Christus getan hat. Aber er liebt dich eben nicht erst, wenn du selbst liebenswürdig genug für ihn bist, und auch nicht erst, wenn du ihn genug liebst.
Diesen Blick können wir uns gar nicht oft genug gönnen. Es ist ein unbezahlbarer Blick, für den Jesus uns hier das Fenster öffnet, hinein in das Innenleben Gottes. Darum richte deinen Blick auf Gottes Wesen. Es kann eine herrliche Überraschung sein, festzustellen, dass etwas Wunderschönes von noch größerer Schönheit überragt wird.
Das Gute am Evangelium ist mehr als nur, dass Gott Sünder rettet. Es ist letztlich, dass Gott das herrliche Leben der Dreieinigkeit für uns öffnet. Das dreieine Wesen Gottes ist der überwältigende Wasserfall an der Quelle des Flusses unserer Rettung. Und wenn wir Jesus folgen, dann erwartet uns eines Tages der volle Genuss dieser Quelle als die majestätische Vollendung unserer Rettung.
Auf dem Weg dorthin lädt Gott uns ein, in unseren Gedanken und in unserem Herzen durch sein Wort immer wieder Schritte zu gehen: Diese zwei. Mach dich auf den Weg zu Gottes Wesen. Und richte deinen Blick auf Gottes Wesen.
Unser Gott, wir beten dich dafür an, dass du uns diesen Blick gewährst auf dich, das unfassbar große, herrliche Wesen, das in vollkommener Liebe immer war und immer sein wird und sich doch herabgeneigt hat zu uns. Wir wollen dich bitten, gerade da, wo unser Bild von dir zu klein ist, da, wo unser Blick auf dich vielleicht gerade verstellt wird, dass du ihn uns neu öffnest und uns unsere tiefste Freude darin finden lässt, wie du bist. Amen.