Das 1. Buch Mose - Kapitel 3
14.11.1995
Serie•Teil 3 / 4Das 1. Buch Mose
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Einleitung und Grundgedanken zum Sündenfall
Wir kommen zuerst zu 1. Mose 3, zum Bericht über den Sündenfall. In diesem Bericht, wie die Sünde in die Welt kam, wie der Mensch sich dazu verleiten ließ, lernen wir alles, was wir wissen müssen, zumindest alles Grundlegende über die Art der Verführung, also darüber, wie der Böse den Menschen zur Sünde verführt.
Es werden hier Menschen zur Sünde verführt, die mit Gott Gemeinschaft hatten. Darum lernen wir daran auch, wie der Satan solche verführt, die jetzt mit Gott versöhnt sind. Welches seine Mittel sind, wird hier deutlich.
Dieser Abschnitt lehrt uns etwas darüber, wie böse Sünde ist und warum sie so böse ist. Daraus verstehen wir auch, warum Gott Sünde so strafen muss, wie er Sünde straft. Wir lernen aber auch in diesem Kapitel bereits, wie Gott, ehe die Sünde in die Welt kam, schon in seinem Herzen den Vorsatz hatte, dass durch den Menschen, durch den die Sünde kam, ebenso durch einen Menschen die Sünde aus der Welt abgeschafft werden sollte.
So zeigt uns dieses Kapitel auch in wunderbarer Weise, dass Gott durch das Böse, das in die Schöpfung eingedrungen ist, durch Böses, wie und wann und wo es auch wirken mag, nie in Verlegenheit gebracht wird. Dass er der ewige, der allmächtige, der allein weise Gott ist, dass er es versteht, sich im Blick auf das Böse, wo Böses eingedrungen ist, seine Heiligkeit zu manifestieren und gleichzeitig seine Liebe zu offenbaren. Ja, dass er es versteht, das Böse unter seiner Hand so zu lenken, dass am Ende auch das Böse Gottes Absichten dienen muss, so wenig der Urheber des Bösen und der, der das Böse tut, selbst das will. Das ist das Wunder der Weisheit Gottes, wie er solches vermag.
Nun wollen wir versuchen, die Hauptgedanken dieses Kapitels miteinander zu betrachten. Wir lesen die ersten sieben Verse aus 1. Mose 3.
Der erste Angriff und die Verführung zur Sünde
Und die Schlange war listiger als alles Getier des Feldes, das Gott der Herr gemacht hatte. Und sie sprach zu dem Weibe: Hat Gott wirklich gesagt, ihr sollt nicht essen von jedem Baum des Gartens?
Und das Weib sprach zu der Schlange: Von der Frucht der Bäume des Gartens essen wir. Aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Davon sollt ihr nicht essen und sie nicht anrühren, auf dass ihr nicht sterbt.
Und die Schlange sprach zu dem Weibe: Mitnichten werdet ihr sterben, sondern Gott weiss, dass, welches Tages ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses.
Und das Weib sah, dass der Baum zur Speise gut wäre und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben. Und sie nahm von seiner Frucht und ass, und sie gab auch ihrem Manne mit ihr, und er ass.
Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen.
In diesem Kapitel drei wird uns zuerst gezeigt, wie der Mensch in Unschuld versucht wird und wie der Mensch in Sünde fällt. Der nächste, sich hier anschliessende Abschnitt zeigt uns, wie Gott den Menschen sucht und überführt. Sodann wird ein Fluch über die Schlange ausgesprochen. Fünftens wird der Mensch bestraft, und der Erdboden wird verflucht. Es fällt uns hierbei etwas auf: Die Schlange wird verflucht, der Erdboden wird verflucht, der Mensch wird nicht verflucht. Erst in Kapitel vier lesen wir davon, dass ein Mensch verflucht wird. Dann wird uns als Sechstes etwas berichtet, an dem wir lernen, dass Leben aus dem Tod erwachsen wird. Und siebtens folgt der letzte Abschnitt des Kapitels: die Vertreibung aus dem Paradies.
Darum geht es in diesem Kapitel, und jetzt zu diesen ersten Versen: Der Mensch in Unschuld wird versucht, und der Mensch fällt in Sünde.
Die Schlange: Es wird uns über ihre Herkunft nichts gesagt, und wir sollen darüber nicht rätseln oder deuteln, sondern wir sollen das Wort Gottes das Wort Gottes erklären lassen. Und das letzte Buch der Bibel erklärt uns ganz einfach, dass die alte Schlange der Satan ist. Und wenn das letzte Buch der Bibel vom Teufel, vom Drachen, vom Satan, von der alten Schlange spricht, dann ist mit der alten Schlange diejenige gemeint, die damals vor Alters die Menschen zur Sünde verführte. Also ist mit der Schlange hier Satan gemeint. In Gestalt der Schlange oder inwiefern in Gestalt der Schlange, darauf will ich jetzt nicht eingehen. Es genügt für uns zu wissen: Es ist der Teufel, der hier den Menschen versucht und zur Sünde verleitet.
Da die Glückseligkeit des Menschen in seiner glücklichen Abhängigkeit von seinem Gott lag, versuchte der Verführer, diese Abhängigkeit zu zerstören. Darum geht es immer. Darum geht es. Und wenn das dem Teufel gelingt, dann hat er seine Absicht erreicht: den Menschen von der Quelle seines Glücks abgeschnitten.
Dies zu tun, bedient sich die Schlange der List. List ist geschickt eingesetzte Lüge. List ist immer Lüge, und zwar Lüge, die so operiert, dass man Gutes vermutet und erwartet, aber es wird Böses und nicht letztlich Gewolltes daraus, wenigstens vordergründig nicht Gewolltes. List, süsse Worte, Schmeichelei.
Wir lesen im Neuen Testament davon, dass der Satan sich verstellt als ein Engel des Lichts. Also er scheint als ein Wohltäter, er zeigt sich besorgt um das Wohl und um das Glück solcher, die er verführen will. Er kommt sicher nicht und sagt: Du hör mal, ich will dich verderben. Sondern er kommt und präsentiert sich als der wahre Helfer der Verständigen, Einfühlsamen und Mitfühlenden. Ach Eva, das darf doch nicht wahr sein! Du könntest doch mehr haben, als du hast, weisst du. Und du bist doch zu Höherem berufen, in dir steckt doch so viel drin.
Schmeichelei tut zwei Dinge: Den Eingeschmeichelten macht die Schmeichelei gross. So operiert die Schmeichelei, gibt ihr zu verstehen: Du bist etwas Besonderes, und in dir steckt mehr, und eigentlich müsstest du mehr zu deinem Recht kommen, und du hast noch nicht das bekommen, was dir ja zusteht, der du bist. Und Schmeichelei muss gleichzeitig immer, und hier heisst das: Gott schlecht machen. Sie macht also den Menschen gross und Gott klein. Und so operiert alle Verführung, alle Verführung. Und wir können uns das als Grundsatz, als Prinzip merken: Jede Lehrtendenz oder jede Lehrbetonung, die dazu führt, dass der Mensch und seine Sache und seine Möglichkeiten immer wichtiger werden und Gott selbst, dem wir alles verdanken, langsam unmerklich in den Hintergrund tritt, ist ganz sicher eine böse Tendenz, auch wenn es noch nicht eine direkt böse Lehre ist, aber in der Tendenz böse.
Die Schlange erreicht also ihr Ziel, indem sie Eva schmeichelt, ihr zu verstehen gibt, sie könnte mehr sein, sie könnte mehr haben, sie könnte Grösseres werden, und dem Menschen Misstrauen ins Herz sät über Gott. Und zwar unterstellt die Schlange Gott: Gott liebe die Menschen nicht, er sei also nicht Liebe, und Gott sei nicht wahrhaftig. Er habe die Menschen mit einer leeren Drohung abgefunden. Du willst nicht sterben, Gott hat dich angelogen. Und Gott liebt dich nicht, sonst hätte er dir nämlich das Beste nicht vorenthalten. Er hat das Beste für sich behalten, will es dir nicht geben und will dich davon fernhalten. Das heisst: Gott ist eine Lüge. Gott ist nicht Liebe, und Gott ist nicht Licht.
Der Mensch hörte auf das Reden der Schlange, und seither steckt dieses Denken und Urteilen im Herzen des Menschen. Er hält sich für gross, für wichtig, für zu Höherem berufen, und er misstraut Gott. Er misstraut Gottes Wort, er misstraut Gottes Liebe. Und wir merken es selbst, wie wir damit auch als Kinder Gottes, die wir Gott nachfolgen und vertrauen und lieben wollen, zu kämpfen haben. Wie wir damit zu kämpfen haben, dass immer wieder in uns irgendwie dieses Misstrauen steckt: Wenn wir uns dem Herrn völlig ausliefern, könnten wir etwas verpassen, etwas verlieren. Gott würde uns dann etwas vorenthalten, oder wir würden fallen gelassen. Wir vertrauen ihm einfach nicht. Unser Fleisch misstraut Gott, und das ist uns durch die Sünde in unsere Natur eingegeben worden.
Die innere Bewegung der Sünde und ihre eigentliche Bosheit
Und wir lesen dann die Reaktion der Frau auf diese Schmeichelei. Ich hebe noch einige Punkte hervor.
Die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise war. Was fehlte ihr denn an Gutem? Dass sie meinte, sie müsse dieses Gute unbedingt haben, welche Beleidigung der unendlichen Liebe und Fürsorge ihres Schöpfers!
Und sie sah auch, dass er eine Lust für die Augen war. War denn all das, was Gott in der Schöpfung bereitet hatte, dieser herrliche Garten, in den Gott den Menschen gestellt hatte, zu wenig Lust für die Augen gewesen? Abermals: welche Beleidigung ins Angesicht ihres Gottes und Schöpfers!
Und dann schliesslich, dass der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben. Konnte, wollte, mochte die Frau nicht dem Urteil der Weisheit ihres Gottes vertrauen? Dass es ihr genügte, von ihm abhängig zu sein und in ihm das vollkommene Urteil über alles zu wissen? Dass sie dachte: Ich muss ja nun Bescheid wissen. Welche Herausforderung, welche Beleidigung gegenüber der Weisheit Gottes!
Und sie nahm und sie ass. Und sie tat damit eigentlich etwas Belangloses. Essen ist ja nicht schlecht, Essen ist ja an sich gut. Sie ass an sich etwas Belangloses. Sie hat damit niemandem etwas wehgetan. Sie hat niemanden beraubt, direkt keinen anderen Menschen beraubt, sie hat niemanden umgebracht, einfach gegessen.
Sie tat damit Böses, das aus diesem einen Grund böse war: dass sie das tat, was Gott ihr verboten hatte. Sie tat einfach, was sie wollte, und sagte: Du hast mir nicht viel zu sagen, ich mache, was ich will. Diese Tat ist böse.
Sünde ist darum böse, weil sie sich gegen Gott richtet. Das macht Sünde so furchtbar. Wir denken meistens daran, Sünde sei schlimm, weil sie anderen Leid tut. Deswegen ist es auch schlimm, aber wirklich schlimm ist es, weil es sich gegen Gott richtet.
Darf ich ein Beispiel nennen aus der Geschichte der erwählten Nation? David. David bekennt in Psalm 51, Vers 4, in jenem Busspsalm, den er betete, nachdem der Prophet Nathan zu ihm gekommen war und ihn im Auftrag Gottes seiner Sünde mit Bathseba überführt hatte. So steht es in der Überschrift des Psalms.
Und hier bekennt David in Psalm 51, Vers 4: Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. Dabei hatte David eine verheiratete Frau entehrt, einen Ehemann hintergangen, ihn ihretwegen umbringen lassen. Solche Gewalt hat er an Menschen verübt. Und was sagt David? Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt.
Das machte seine Tat so ungeheuer böse. Und das macht Sünde so schlimm: was sie gegen Gott ist, der alles erschaffen hat, dem wir alles verdanken, ohne den wir nicht sind. Alles daraus Fliessende tut nachher auch unseren anderen Böses. Aber das wahre, wirklich Böse ist, dass sie sich gegen Gott richtet.
Darum war es böse, was die Frau tat. Sie nahm. Und sie ass. Und dann tut sie etwas, mit einem Mann von einem Drang, unwiderstehlichem Drang getrieben: ihren Mann auch mitzureissen in diese Sünde, ihren Mann dazu anzustiften, das Gleiche zu tun.
Von wem hat sie denn das gelernt? Sie hat es gelernt vom Teufel. Der Teufel war gefallen, er hatte sich gegen Gott erhoben, er war gestürzt. Und seither hat der Satan diesen Drang, auch andere mitzureissen. Er hat auch andere Engel mit angestiftet in seiner Rebellion. Und kaum war der Mensch erschaffen, hat er diesen Drang, auch den Menschen anzustiften, das Gleiche zu tun, was er getan hatte.
Und sonderbarerweise ist das etwas, das der sündige Mensch von Satan nur zuwillig lernt. Der Herr Jesus sagt das in Johannes 8,44: Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Ihm gleich wollen wir es tun, dass wir auch diese böse, diese perverse Freude daran haben, wenn andere auch Böses tun, das gleiche Böse, das wir tun.
Da lesen wir, wie der Mann nimmt und isst. Und es heisst in Vers 7: Da wurden ihrer beider Augen aufgetan. Wir müssen das beachten: Erst als Adam ass, da wurden ihrer beider Augen aufgetan. Die vollen Folgen des Sündenfalls traten erst da ein.
Und so wird die Sünde im Neuen Testament genannt die Übertretung Adams, nicht die Übertretung Evas. Er war Haupt der Frau, und darum ist es seine Verantwortung gewesen. Und er ist darum der für die Sünde Verantwortliche: die Sünde Adams.
Die Frau wurde betrogen und sündigte. Sie hatte es mit jemandem zu tun, in einer Auseinandersetzung, der ihr ganz einfach überlegen war. Und sie wurde bestrickt, betört und fiel. So sagt es Paulus in 1. Timotheus 2,14: Die Frau wurde betrogen und sündigte. Der Mann wurde nicht betrogen und sündigte.
Wir können gewissermassen sagen: Adam sündigte mit kühlem Kopf. Er stand nicht der Schlange gegenüber, seine Frau, und er hörte auf seine Frau und folgte und sündigte. Wir können fragen, warum tat er es? Wahrscheinlich, weil er seine Frau nicht verlieren wollte. Er liebte die ihm von Gott geschenkte Gabe, diese höchste der Gaben in der Schöpfung, mehr als den Geber. Und so gab er dem Geschöpf mehr Aufmerksamkeit als dem Schöpfer, welcher gepriesen ist in Ewigkeit.
Das ist eine Äusserung der Ursünde, von der Paulus in Römer 1 spricht. Dort spricht Paulus genau davon, von den Menschen, dass sie in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Und dann steht, dass sie die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes verwandelt haben in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen. Und dann steht in Vers 25, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verkehrt haben und dem Geschöpf mehr Verehrung und Dienst dargebracht haben als dem Schöpfer, welcher gepriesen ist in Ewigkeit.
Genau das tat Adam. Die Gabe war ihm wichtiger als der Geber. Und so gab er der Gabe, der herrlichen, der guten Gabe Gottes, mehr Aufmerksamkeit als dem Geber.
Dadurch verlor Adam in Tat und Wahrheit seine Frau. Seine Frau verlor auch ihren Mann. Sie wollte wahrscheinlich auch ihren Mann einfach dabei haben, mitnehmen auf dem Weg, den sie ging. Dadurch verloren sie in Tat und Wahrheit einander. Nicht, dass sie voneinander getrennt wurden, aber der gefallene Adam war seiner Frau nicht mehr das, was er vorher war, sondern ein Sünder. Und die gefallene Frau war dem Mann nicht mehr das, was sie gewesen war, sondern eine Sünderin, so voller Ohren sie beide das, was sie wider Gottes Willen handelnd an sich zu reissen gedachten.
Wir lesen dann diesen Satz, dass ihnen die Augen aufgetan wurden. Und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie sehen mit einem Mal aneinander etwas, das sie voneinander verbergen wollen, und sie hefteten Feigenblätter zusammen. Sie sehen Schamwürdiges an sich und schämen sich dessen.
Ja, in der Tat haben sie Erkenntnis des Bösen erlangt. Aber nicht so, wie sie sich das gedacht haben. Nicht so, dass sie jetzt mit überlegener Weisheit, wie die Unparteiischen über dem Universum sitzen, auch über der Welt der Gedanken sitzen und urteilen können zwischen Gut und Böse. Nein! Sie haben das Böse dadurch kennengelernt, dass sie Böses taten und böse wurden. Und so lernten sie Böses kennen als Böse selbst, böse geworden, vom Bösen befallen.
Und das zeigt uns ja auch, wie töricht, ja, wie wahnwitzig es ist, wenn der sündige, der gefallene Mensch sich das Urteil über Gut und Böse anmasst. Sein ganzes Urteil ist ja böse verdreht. Wie will er da sitzend Urteile über das Gute und das Böse fällen? Das ist ja sein Stolz, sein Hochmut, der Wahn, der in ihm steckt seit dem Sündenfall. Er ist böse geworden, meint aber, er habe Erkenntnis über Gut und Böse, als einer, der neutral über der Sache steht.
Nein, wir haben es nötig, wenn wir Erkenntnis gewinnen wollen über die Wahrheit, über Licht und Finsternis, müssen wir uns unterwerfen dem, der uns erschaffen hat, dem, der uns in seinem Sohn erschienen ist und geoffenbart worden ist. Er hat das Wissen, das vollkommene Wissen. Ein Gott des Wissens ist er, nicht Liebe.
Gottes Ruf, das Erwachen des Gewissens und das Bekenntnis
Dann sehen wir weitere Folgen, aber auch Gottes Handeln am Menschen in den Versen 8 bis 13. Gott ruft und überführt den in Sünde gefallenen Menschen.
Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Und der Mensch und sein Weib versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des Herrn mitten unter den Bäumen des Gartens. Und Gott, der Herr, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich; denn ich bin nackt, und ich versteckte mich. Und er sprach: Wer hat dir kundgetan, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baume, von dem ich dir geboten habe, nicht davon zu essen? Und der Mensch sprach: Das Weib, das du mir beigegeben hast, sie gab mir von dem Baume, und ich aß. Und Gott der Herr sprach zu dem Weibe: Was hast du da getan? Und das Weib sprach: Die Schlange betrog mich, und ich aß.
Was geschieht? Der in Sünde gefallene Mensch erträgt die Gegenwart Gottes nicht mehr. Die Gegenwart Gottes wird ihm unerträglich. Sie hören die Stimme Gottes des Herrn. Nun, das Wort Stimme meint auf Deutsch fast immer die menschliche Stimme, also wenn man redet oder sagt. Das hebräische Wort bedeutet einfach so viel wie Schall. Das kann die menschliche Stimme sein, kann aber auch das Geräusch sein, das irgendeine Tätigkeit oder Bewegung erzeugt. Sie hörten also das Geräusch des Herrn, wie er wandelte, das ist hier gemeint. Und schon sein Herannahen war ihnen unerträglich. Und sie gehen darum jetzt dahin, wohin ihre Natur sie zieht. Wohin? In die Finsternis, ins Dunkel. Sie verstecken sich vor ihm. So ist ihre Natur jetzt geworden, von Menschen, deren Wonne es gewesen war, in der Gemeinschaft ihres Gottes zu stehen, seine Lieblichkeit zu betrachten, zu bewundern und sich ihrer zu erfreuen. Sie hören sein Herannahen, und sie fliehen.
Und das ist ungefähr so, wie es uns geht. Ich habe ein Arbeitszimmer, das steht im Treppenhaus. In unserem Haus, es ist ein älteres Haus, da hört man auch ziemlich gut, was im Treppenhaus geht. Und wenn ich so da im Arbeitszimmer stehe und unten die Haustür aufgeht und an der Art, wie sie aufgeht und wie jemand die Treppe hochkommt, weiß ich, wer kommt. Die Tür fliegt auf, und dann weiß ich: Aha, der und der kommt. Oder die Türe geht beherrscht auf und zu, und dann mit einigem gemessenen Schritt. Ich erkenne an der Stimme, ich höre an der Stimme, wer kommt. Dann höre ich, stehe da beim Lesen und am Schreiben. Wenn eine Frau kommt, freue ich mich. Wenn ich jetzt Streit hätte mit meiner Frau oder wenn wir uns nicht ausstehen würden, ich würde so da stehen und arbeiten, dann höre ich die Tür auf, und dann geht einem das Herz zu. Und genau so war es jetzt mit dem Menschen geworden. Schon der Gedanke an die Gegenwart Gottes ließ das Herz zuknoten, und so flüchten sie vor der Gegenwart Gottes.
Seither hasst der Mensch das Licht. Johannes 3,19 haben wir gestern gesehen: Dies ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht; denn ihre Werke waren böse.
Was tut aber Gott? Gott, der Herr, rief den Menschen, und das ist Adams, das ist unser Glück. Der Gott, der Adam erschaffen hatte, der Gott, der Adam kannte, er wusste genau, wie er an Adam handeln musste, dass Adam gegen seinen Widerwillen umkehren und in die Gegenwart Gottes treten würde, wie er es einfach auch tut. Er hört auch Gottes Reden und gibt Antwort. Hätte Gott Adam einfach seinem Willen, seinem Wunsch, seiner Begierde überlassen und ihn gehen lassen, dorthin, wohin Adam nunmehr wollte, dann wäre Adam ewig in der Finsternis geblieben. Er wäre zuletzt zu dem zurückgekehrt, dessen Feind er geworden war und den er als seinen Feind ansah.
Wir sehen hier wiederum: Am Anfang der Errettung steht Gott. Er rief. Es ist nicht so, dass Adam nach einer gewissen Zeit merkt: Oh, was habe ich da Dummes getan, und dass er anfängt, zu Gott zu rufen. Gott rief, sonst wäre Adam nie zurückgekehrt. Das lesen wir im Neuen Testament, dass unsere Rettung daran liegt, dass Gott uns in seinem Sohn vorgrundlich und erwähnterweise erwählt hat. Und die er erwählt hat, die hat er auch berufen. Und die er berufen hat, gerufen hat mit mächtigem Ruf, mit heiligem Ruf, die hat er auch gerechtfertigt. Und die er gerechtfertigt hat, die hat er auch vorherbestimmt. Es steht in Römer 8. Es geht von Gott aus, wie die Schöpfung, so die Erlösung. Er ruft den Menschen. Und er versteht es, ihn so zu rufen, dass er mit einem Mal dahingestellt wird, wo er eben nicht gestellt werden will, nämlich ins Licht.
Welcher Übeltäter will denn ins Licht gestellt werden? Wer will das schon, der in Finsternis irgendetwas operiert, mit einem Mal im Lichtkegel eines Scheinwerfers zu stehen? Das will niemand. Gott redet und ruft so, dass Adam ins Licht gestellt wird, sich im Licht sieht und vor Gott Bekenntnis ablegt. Denn das tut er. Er bekennt. Er sagt: Ich aß genau das Böse, das Gott ihm verboten hatte. Und Gott redet so, handelt so an Adam, dass er an den Punkt kommt, wo er genau das bekennt, seine Missetat bekennt.
Wir können nicht anders, als Gott für sein Handeln in Gnade, für sein Rufen in Gnade zu bewundern und anzubeten, dass er es getan hat, dass er uns nicht gehen lässt, wohin wir wollten. Mose schrieb ja das erste Mosebuch. Er schrieb auch folgenden bewegenden Satz, der passt zum Leben eines jeden Sünders, den Gott gerufen hat. Jeder hat das wie Adam erlebt. Mose hat es erlebt, David erlebte es. Mose sagt hier in Psalm 90,8: Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor dich gestellt, unsere Missetaten vor das Licht deines Angesichts. Genau das tat der Herr, indem er den Menschen nachging und sie rief: Adam, wo bist du?
Diese Frage war so formuliert, von Gott so an Adam gerichtet, dass Adams Gewissen erwachte und dass er sich dem, der ihn rief, zuwandte. Er ist nicht davon gerannt, sondern Gott redet zu ihm. Das heißt: Adam steht und hört. Dann diese zweite Antwort: Adam antwortet darauf, und diese Antwort zeigt, dass Adam sich jetzt selbst bewusst wird, was mit ihm los ist, was sein Zustand ist. Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich. Nicht einmal hatte er Angst, Angst vor Gott. Und dann: Ich bin nackt. Oh, er hat doch eine Schürze, eine von Feigenblättern an. Er weiß: Ich bin vor Gott nackt, ich kann nichts vor ihm verbergen. Und ich versteckte mich. Und damit bekennt er auch: Ich bin feige geworden. Feige! Das ist doch feige, jemandem etwas Böses antun, etwas ganz Böses antun und nachher sich verstecken, nicht dazu stehen wollen. Das ist feige!
Im letzten Buch der Bibel steht, dass das Teil der Feigen der Feuersee ist. Das steht in Offenbarung 21. Vers 8: Den Feigen aber und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Huren und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern, ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches ist der zweite Tod. Das ist die grösste und niederträchtigste und übelste Feigheit, dass man seine Schuld und seine Sünde nicht bekennt, dass man sich sein ganzes Leben davor drückt, es zu bekennen. Ich versteckte mich.
Dann eine weitere Frage, die wiederum das Gewissen Adams anspricht und weckt: Wer hat dir kundgetan, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir geboten habe, nicht davon zu essen? Ja, genau das. Und dann sagt er: Die Frau, die du mir gegeben hast, sie gab mir, und ich aß. Ich denke nicht, dass Adam sich hier herausreden wollte, sondern vielmehr erzählt er genau, wie es ging: Die Frau gab mir, und ich aß. Und erst noch die Frau, die du mir gegeben hast, die Frau, die mir aus Liebe gegeben war, das ist Fürsorge für mich. Anstatt auf dich zu hören, habe ich auf sie gehört und habe mich gegen dich empört, deine guten Gaben missbraucht, um mich gegen dich zu empören. Das machte seine Missetat gar noch schlimmer, entschuldigt sie überhaupt nicht. Ich aß.
Sprüche 28,13. Adam musste auf diesen Punkt kommen, und Gott sorgte dafür, dass Adam dahin kam, dieses Bekenntnis abzulegen. Wer seine Missetat verheimlicht, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit finden. Sprüche 28,13. Gott besteht darauf, und er wird in seiner Gnade so lange an uns wirken und so lange nachgehen, so lange zu unserem Herzen reden, sein Geist wird so lange an uns wirken, bis wir bekennen, bis wir unseren Widerwillen aufgeben und unseren Willen seinem Willen beugen und bekennen. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wir müssen bekennen.
Und so hat Gott Adam genau da, wo er ihn haben will. Denn nachher kann er ihm Verheißungen geben. Aber er ist. Und er gibt ihnen hier schon Verheißungen. Kaum sind sie gefallen, dann redet er zur Frau, Vers 13, Vers 14: Was hast du da getan? Nun, dieses Was, dieses hebräische ma, kann man auch als wie, warum übersetzen. Das ist ja im Deutschen auch so. Man kann jemanden fragen: Was kommst du so spät? und meint damit: Warum? Warum kommst du so spät? Also was kann warum heißen. Gott fragt also: Warum hast du das getan? Und dann muss sie bekennen: Die Schlange betrog mich. Ja, ich ließ mich von der Schlange betören, von deinem Feind, dem folgte ich anstatt dir, und ich aß, sagt sie. Auch sie legt Bekenntnis ab.
Und dann wendet sich Gott der Schlange zu, in Vers 14. Und jetzt fällt doch hier etwas auf. Zuerst hat Gott Fragen gerichtet an Adam, nachher hat er Fragen gerichtet an Eva, und jetzt, Vers 14, Fragen, dann Fragen. Warum stellt Gott der Schlange keine Fragen? Weil Gott nicht arbeitet, weil es nicht Gottes Absicht ist, die Schlange zu überführen und zur Buße und zum Bekenntnis zu bringen. Für den Teufel gibt es keine Umkehr, sondern nur den Ausspruch göttlichen Gerichts. Weil du dies getan hast, sollst du verflucht sein. Verflucht!
Und der Fluch besteht darin, dass die Schlange erniedrigt wird. Sie hatte sich erhoben gegen Gott, wollte andere anstiften, sich gegen Gott zu erheben, also hatte sie andere angestiftet, sich gegen Gott zu erheben, und darum wird sie erniedrigt, auf den Bauch ausgestreckt. Das ist Erniedrigung, niedergeworfen, Staub fressen. Das erinnert uns an den Staub des Tages, dass die Schlange auf ewig im ewigen Tod belassen wird, dem zweiten Tod übergeben, dem Feuersee, auf ewig.
Gericht über die Schlange und die Folgen für die Menschheit
Vers 15 Zunächst einmal: Feindschaft zwischen dir und dem Weibe, deinem Samen und ihrem Samen. Das sind die beiden Nachkommenschaften, die sich scheiden, die Menschheit. Und hier steht: Ich werde Feindschaft setzen. Gott ist es, der diese Feindschaft gesetzt hat. Darum bleibt sie bestehen, solange diese Schöpfung besteht. Denn Krieg hat der Herr mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht.
Und dann Vers 16: Ich werde sehr mehren die Mühsal deiner Schwangerschaft. Das heißt, der Auftrag bleibt bestehen, dass sie sich vermehren und die Erde erfüllen sollen. Der Auftrag bleibt bestehen, das sehen wir nachher bei Adam, den Erdboden zu bebauen. Diesen Auftrag hatten sie von der Schöpfung her, schon vor dem Sündenfall. Der Auftrag bleibt bestehen, und Gott sorgt auch weiterhin für die Menschen, für ihre Bedürfnisse. Er kleidet sie, wie wir nachher sehen, und er gibt ihnen zu essen. Er sorgt für ihre Ernährung, aber sie müssen den Auftrag erfüllen unter unendlich erschwerten Umständen, bedingt durch Schmerzen beim Gebären und durch Mühsal und Schweiß bei der Arbeit und beim Essen.
Nun hier in Vers 16: Mit Schmerzen sollst du gebären und mühsam. Was hatte die Frau gesehen? Dass der Baum und die Frucht des Baumes eine Lust war zu essen. Und was hat sie davon bekommen? Nur Schmerz und Mühsal. Und dann steht da: Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein. Dieses Wort Verlangen kommt nur dreimal vor im Alten Testament. Es ist nicht das sexuelle Verlangen, nicht das Liebesverlangen. Es ist ein anderes Verlangen. Das gleiche Wort findet sich in Vers 7 des 4. Kapitels. Hier heißt es von der Sünde: Die Sünde lagert vor der Tür, nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen. Ich habe jetzt ein wenig anders gelesen, als es die Alte Elberfelder übersetzt. Ich habe so gelesen, wie ich meine, dass man den hebräischen Text verstehen muss. Auf alle Fälle steht hier: Nach dir wird ihr Verlangen sein. Die Sünde verlangt danach, den Menschen zu beherrschen. Also es ist ein Verlangen, jemanden zu beherrschen. Das bedeutet dieses Wort Verlangen.
Und das ist auch die Bedeutung in der dritten Stelle, wo das Wort vorkommt. Ich glaube, Hohelied 7,11. Ich habe die Stelle nicht notiert. Hohelied 7,10 ist es: Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen. Das Verlangen des Geliebten, und der Geliebte ist hier in der höchsten und bleibenden Bedeutung der Herr. Und er verlangt danach, unser Herr zu sein. Das ist sein Verlangen, also sein Verlangen, über uns zu herrschen. Also dieses Verlangen in 1. Mose 3,16 ist ein Verlangen, danach zu dominieren, zu herrschen. An allen drei Stellen bedeutet es das.
Und in der Tat: Nachdem die Frau gefallen war, gegessen hatte von der Frucht, wurde sie von diesem Drang getrieben, ihren Mann anzustiften, also dass sie ihn zu etwas führte, das ihn anlandete. Und dieses Verlangen würde in ihr bleiben durch die sündige Natur. Aber er wird über dich herrschen. Das wird den auch sündig gewordenen Mann nur noch umso mehr reizen, sie mit starker Hand beugen zu wollen. Und wir wissen, dass das eine große Not gewesen ist in der ganzen Geschichte der Menschheit. Sündige Menschen, Mann und Frau zusammengelegt, das ist oft ein Zweikampf gewesen, ein Zweikampf bis ins Grab. Eine Folge des Sündenfalls.
Dann Vers 17: Also das ist die passende Antwort Gottes auf die besondere Sünde der Frau. Und dann in Vers 17 die passende Antwort Gottes auf die besondere Sünde des Mannes. Das steht natürlich beides im Zusammenhang mit ihrem jeweils auch verschiedenen Auftrag, weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, also auf deine Frau gehört hast anstatt auf mich, ihr gehorcht hast und damit mir ungehorsam gewesen bist. Darum sei der Erdboden verflucht um deinetwillen. Mit Mühsal sollst du davon essen. Also seine Arbeit wird erschwert, wird ihm zur Mühsal, das, was vorher reine Wonne gewesen war.
Vers 18: Dornen und Disteln. Also er wird mit Unbilden zu kämpfen haben, mit Kräften, die seine Arbeit erschweren. Und so muss er im Schweiße seines Angesichts Brot essen. Wiederholt steht hier das Wort essen, weil du gegessen hast von der Frucht, von der ich sagte: Du sollst nicht davon essen. Sollst du mit Mühsal essen alle Tage deines Lebens. Im Schweiße deines Angesichts wirst du essen. Und so wird er dieses Brot mit Mühsal sich den Lebenserhalt erarbeiten müssen. Gott wird ihn beständig daran erinnern, wie mühselig all das geworden ist, das Essen, weil du deiner Frau Stimme gefolgt bist und gegessen hast, was du nicht essen solltest.
Aber jetzt noch einmal zurück zu Vers 15: Hier gibt Gott eine Verheißung. Eine Verheißung, dass durch die Frau, durch die die Sünde in die Welt kam, dass durch die Frau der Befreier von der Sünde in die Welt kommen sollte. Er wird den Kopf zermalmen, wird also den Menschen aus der Macht der Sünde befreien und den Urheber der Sünde vernichten. Ein Mensch wird von einer Jungfrau geboren werden, um das zu tun, also von einer Frau geboren. Jungfrau steht hier noch nicht. Davon spricht das Neue Testament. Wie der Same des Weibes in der Fülle der Zeit geboren wird, und weil die Kinder Fleisches und Blutes teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise an demselben teilgenommen, auf dass er durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und alle befreite, welche ihr Leben lang durch Todesfurcht der Knechtschaft unterworfen waren. Bereits Evangelium.
Und die beiden Menschen stehen da und hören und verstehen. Und sie haben auch begriffen und verstanden, dass Gott ihnen ihre Sünde vergeben hat, weil sie bekannt haben. Die Folgen aber müssen sie tragen. Gott vergab David seine Sünde auch, ausdrücklich gesagt. David bekennt: Ich habe gesündigt. Und so sagt Natan: So ist dir vergeben, du wirst nicht sterben, der Herr hat dir vergeben. Aber er muss die Folgen tragen. Und so müssen sie die Folgen des Sündenfalls tragen: erschütternde Folgen, bittere Folgen, schlimme Folgen. Aber sie wissen, dass ihr Gott ihnen vergeben hat und dass er ihnen einen Weg der Vergebung hier aufgezeigt hat. Und sie glauben der Verheißung.
Das sehen wir ja nämlich am nächsten, in Vers 20. In Vers 19 hat doch Gott Adam eben erst gesagt: Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zur Erde, denn von ihr bist du genommen, denn Staub bist du, zum Staub wirst du zurückkehren. Hier redet Gott von Tod, du wirst sterben. Und dann schaut Adam seine Frau an. Und dann sagte er: Du bist Chava, Leben. Er nannte der Mensch sein Weib Eva, denn sie war die Mutter aller Lebendigen. Chava auf Hebräisch, ihr Name Eva, das bedeutet Leben, die Mutter aller Lebendigen. Wie kam er dazu? Hatte er doch eben erst gehört, wie Gott gesagt hat: Du musst sterben. Und er hätte doch dann eigentlich sagen müssen: Na ja, du bist die Mutter aller Totgeborenen, alles, was zur Welt kommt, muss jetzt sterben. Nein, Mutter aller Lebendigen, weil er dem Verheißer glaubte, dass durch die Frau der Retter kommen würde, der von der Macht des Bösen, von den Folgen des Bösen, von der Sünde und vom Tod also befreien würde und Leben und Unverweslichkeit einführen sollte. Er glaubte der Verheißung und nennt sie darum Mutter aller Lebendigen.
Dann Vers 21: Gott gibt ihnen ein deutliches Zeichen dafür, dass jetzt er selbst ihre Schande zudeckt. Ihr selbst, das ist etwas anderes, als wenn man selber seine Missetaten verbergen will. Das ist böse, das ist übel, wenn wir unsere Missetaten vertuschen und verdecken wollen. Wenn Gott sie aber zudeckt, dann kann es nicht böse sein. Und so kleidet Gott die Menschen, und damit sagt er ihnen doch: Ich decke jetzt eure Missetaten zu. Und wie konnte er das nur tun, sie einkleiden, indem er Tiere töten musste? Und das muss für die beiden Menschen, die beiden ersten Menschen, schrecklich gewesen sein. Sie hatten den Tod, den unmittelbaren Tod, noch nicht gesehen. Und mit einem Mal sehen sie da zwei oder drei oder ein, wir wissen nicht, wie viele Tiere, da liegen, die vorher noch herumgehüpft waren, voll von lebenswarmem Blut, und nun liegen da leblose Hüllen. Und so begriffen sie, was sie angestellt hatten, was die Sünde angestellt hatte. Durch die Sünde war der Tod in die Schöpfung gekommen. Und in der Fülle der Zeit musste einer den Lohn der Sünde auf sich nehmen, in den Tod gehen, damit Gott unsere Missetaten hinwegtun kann, mehr noch, besser noch als nur zudecken: hinwegtun kann.
Vertreibung, Bewahrung und Ausblick auf das kommende Gericht
Verse 22 bis 24
Der Mensch muss doch aus dem Garten Eden vertrieben werden. Ich finde dieses Wort schön: „Er trieb den Menschen aus.“ Warum finde ich das schön? Lesen wir zuerst die Verse 22 bis 24:
„Gott, der Herr, sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Und nun, dass er nur nicht seine Hand ausstrecke und auch nehme vom Baum des Lebens und esse und ewig lebe! Und Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus, dass er den Erdboden bebaute, von dem er genommen war. Und er trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim und die Flamme des zuckenden Schwertes lagern, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewahren.“
Nun, hier sehen wir weitere Folgen dessen, was der Mensch davon gewonnen hat. Er wollte werden wie Gott und Gutes und Böses erkennen. Hier sieht er, was ihm daraus geworden ist: Er verliert den Zugang zum Leben. Der Zugang zum Baum des Lebens wird ihm versperrt. Er verfällt also dem Tod. Er wird aus dem Garten hinausgeschickt, nein, hinausgetrieben, Vers 24.
Wir hatten doch am Anfang des Kapitels, oder ziemlich am Anfang des Kapitels, gelesen, dass die Menschen, kaum hörten sie Gott sich ihnen nahen, vor ihm flohen und sich vor ihm versteckten. Seine Gegenwart war ihnen unerträglich geworden. Und jetzt, inzwischen, ist ihnen die Gegenwart Gottes wieder lieb geworden. Sie wären am liebsten dort geblieben. Und darum muss Gott sie hinaustreiben. Das zeigt, dass er sie, ihre Gesinnung, ihr Herz, durch sein Reden und Handeln verändert hat. Sie wären jetzt gern geblieben, aber sie müssen die Folgen tragen. Und darum muss Gott sie hinaustreiben aus dem Garten. Der Weg des Lebens wird verschlossen, der Weg zum Baum des Lebens verschlossen.
Noch zum Abschluss eine Beobachtung, die uns zeigt, wie Gott den Menschen aus dem Garten vertreibt, ihn aber noch nicht verflucht, sondern ihn vertreibt und für ihn sorgt, um ihn aufzubewahren für eine große Rettung. „Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus.“ Und wohin sandte Gott den gefallenen Menschen? In die Hölle? Nein. Er hätte ihn mit vollem Recht in die Hölle werfen können, wie die Engel, die gesündigt hatten. Von ihnen steht in 2. Petrus 2,4, dass Gott sie an den tiefsten Ort der Finsternis, in Ketten der Finsternis, übergeben hat, um dort aufbewahrt zu werden für den großen Tag des Gerichts. Er hätte den Menschen auch mit vollem Recht ganz aus der Welt jagen können. Der Mensch wurde aber nur hinausgeschickt aus dem Garten. Und zwar, um den Boden zu bebauen. Er wurde also an einen Ort der Arbeit gesandt, noch nicht an einen Ort der Qual. Das zeigt uns die Langmut Gottes.
Er wurde gesandt, die Felder zu bebauen, nicht ins Grab geschickt. Er wurde, können wir es vielleicht so sagen, ins Arbeitshaus gesandt, noch nicht ins Zuchthaus. Er wurde gesandt, den Pflug zu halten, nicht Ketten zu schieben. Der Wonnen und der Vorrechte des Paradieses beraubt, ja, aber er wurde nicht in die Nacht der Hoffnungslosigkeit und ewiger Verzweiflung gestoßen.
Dann, wenn der Mensch die Sünde Kains begeht, und davon spricht Kapitel 4. Und so kann niemand sagen, weil er sündige Eltern hat und wegen der Sünde Adams sei es nicht sein Fehler, wenn er in die Hölle kommt. Gott verflucht den Menschen nicht wegen des Sündenfalls. Er verflucht den Menschen dort, wo er den Geist der Gnade schmäht und den Sohn Gottes mit Füßen tritt. Das will uns das Kapitel 4 dann sagen, aber davon dann morgen.
