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Freude dich - du darfst glauben

Römer 4,17-1821.03.2021
SerieTeil 2 / 3Glaube - Liebe - Hoffnung
Christen glauben. Um dieses Vorrecht geht es in der Predigt.

Ein erster Blick auf äußere Merkmale

Ja, das war ja auch eine Überraschung mit der Ankündigung. Für mich habe ich gedacht: Jetzt werde ich in Zukunft mal auf diese Stuhlreihe ganz besonders achten. Da saßen nämlich vor ein paar Wochen schon mal zwei Leute, bei denen ich gedacht habe: Wieso, die sind doch gar nicht in einem Haushalt zusammen.
Also allmählich weiß ich, wie das hier tickt. Ja, also, dann wisst ihr, wie ihr die Leute einzustufen habt, die auf diesem Stuhl, auf dieser Stuhlreihe sitzen. Manchmal ist es auch so, dass Leute allein durch das, was sie tragen, in eine bestimmte Schublade gesteckt werden können. Also wenn du im Ausland bist und du siehst Leute, die Socken tragen, dazu Sandalen und kurze Hosen, dann sind sie wahrscheinlich deutsch. Also, es ist eine große Trefferquote dabei. Oder wenn du eine Frau siehst mit einem Kopftuch und einem langen Mantel, dann ist sie wahrscheinlich Muslima.
Also man kann von außen manches schon checken. Nicht jeder, der auf dem Stuhl sitzt, macht dann eine Ankündigung, aber manchmal vielleicht schon. Es wird aber schon schwieriger. Wenn du sagen solltest: Was sind denn so die klassischen Kennzeichen, an denen du eine Ingenieurin oder eine Ärztin erkennst, sodass man weiß: Aha, die ist wahrscheinlich Ärztin, oder der ist Hausmann, der ist Elektriker. Woran erkenne ich das? Natürlich, wenn er mit Kabeln durch die Gegend läuft, vielleicht.
Aber noch schwieriger wird es, wenn du die Frage stellst: Woran erkenne ich eigentlich, ob jemand Christ ist oder nicht? Also rein äußerlich ist es schwierig. Es gibt keinen Kleidungsladen, wo steht: nur für Christen, for Christ only. Das gibt es nicht. Es gibt auch keinen Beruf, wo du sagst: Du bist Lehrer, ja, dann bist du ja Christ. Oder: Du bist Sozialarbeiter, dann bist du Christ. Das gibt es auch nicht. Und es gibt eine Menge Leute, die Dinge sagen, von denen du denkst: Hey, das hört sich aber sehr christlich an. Aber die sind gar keine Christen. Das ist nicht neu.
Paulus sagt es mal den Korinthern. Er sagt: Ey Leute, ich will nicht hören, was ihr sagt, sondern ich will Gottes Kraft in eurem Leben sehen. Und dabei will ich sehen, dass ihr Christen seid.
Und wenn ich das so überlege, dann frage ich mich ja: Was wollte er denn sehen? Was sollte man in meinem Leben sehen, dass ich Christ bin? Natürlich ist das eine offene Frage, und es gibt auf diese Frage verschiedene Antworten. Wahrscheinlich hat jeder von euch schon irgendeinen Bibelvers im Kopf, der eine Antwort darauf gibt. Ich möchte einem Bibelvers folgen, wo Paulus diese Frage beantwortet. Aber es ist natürlich nicht der einzige Bibelvers. Es ist aber ein Bibelvers, aus dem man drei Predigten machen kann, und das werde ich tun. Also drei Predigten zu einem Bibelvers.
Mein Grundtext heute Morgen wird ein anderer sein, aber zunächst einmal der Vers, von dem ich geredet habe. Der steht in 1. Thessalonicher 5,8. Da sagt Paulus: Wir aber, die dem Tag gehören, und damit meint er: wir, die zu Jesus gehören, wir wollen nüchtern sein, und jetzt kommt es, angetan mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und als Helm mit der Hoffnung des Heils.
Wer wiederholt diese Trias dann noch mal in 1. Korinther 13,13 und er sagt: Es bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe. Die Liebe ist aber die größte unter ihnen. Also auf diese ganz zentrale Frage: Woran erkennt man Christen? sagt Paulus: Man erkennt dich an deinem Glauben, man erkennt dich an deiner Liebe und man erkennt dich an deiner Hoffnung.
Ich habe es überschrieben mit: Freue dich, um ein emotionales Moment noch einzubringen. Freue dich: Als Christ darfst du glauben. Freue dich: Als Christ kannst du lieben. Freue dich: Als Christ hast du Hoffnung.
Wir sind natürlich nicht die Ersten, die sich Gedanken darüber machen, was denn so Erkennungsmerkmale von Christen sind. Generationen vor uns haben versucht, diese Antworten in diesem Ankerherzkreuz besser merkbar zu machen. Also dieses Kreuz steht für Glauben, dann das Herz steht für Liebe und der Anker für die Hoffnung. Und wenn dich jemand vielleicht mal später fragt: Sag mal, was ist denn ein Erkennungsmerkmal von Christen?, dann erinnerst du dich vielleicht auch an dieses Bild und an das, was Paulus gesagt hat, und du kannst eben eine fundierte Antwort geben.
Aber wie gesagt: Thema heute Morgen ist dann freudig, als Christ darfst du glauben. Und dazu möchte ich einen Text lesen, und dieser Text steht in Römer 4,17-25. Das wird mein Text auch heute sein. Da geht es um jemanden, der geglaubt hat, von dem ich etwas lernen kann.
 Römer 4,17-25: Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt, da geht es um Abraham vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wenn es da wäre. Der gegen Hoffnung auf Hoffnung hingeglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde, nach dem, was gesagt ist: So soll deine Nachkommenschaft sein. Und nicht schwach im Glauben sah er seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara, und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. Und er war völlig gewiss, dass er, was er verheißt habe, auch zu tun vermöge. Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, dass es ihm zugerechnet worden ist, sondern auch unsertwegen, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, der um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist.

Was Glaube trägt und worauf er sich stützt

Ja, es geht hier um Abraham, einen Mann, dessen Glaube in der Bibel natürlich in besonderer Weise hervorgehoben wird. Gott hatte dem Abraham ja einen Sohn versprochen, und aus diesem Sohn sollte dann das Volk Israel entstehen. Das war menschlich gesehen nicht möglich, dass Abraham Vater wird.
Wir haben es in unserem Text gelesen: Fast hundert Jahre war er alt, und Sarah war neunzig. Also, das ist nicht so das Alter, wo man regelmässig Pampers kauft, ja. Also, das war ihnen auch klar.
Aber an Abraham kann man sehr gut sehen, was Glaube ist. Biblischer Glaube ist nichts Unsicheres, sondern biblischer Glaube lebt aus einer inneren Gewissheit. Und Glaube fängt auch nicht mit mir an. Also, das ist manchmal so unser Denken: Ja, ich habe geglaubt, ja, das ist, was ich schaffe. Nein, der Text sagt sehr deutlich: Es ist Gott, der hier sagt: Ich habe dich, Abraham, zum Vater vieler Nationen gesetzt. Ich habe gesetzt. Also, Gott tut hier etwas.
Glaube gründet sich nicht darauf, was ich über Gott denke. Das haben wir heute viel zu viel, dass Leute sagen: Ja, ich denke, Gott wird das vielleicht so und so machen. Nein, entscheidend ist, was hat Gott gesagt. Glaube gründet sich auf das, was Gott sagt, und was er sagt, das kann ich in der Bibel lesen. Glaube ist ein ganz tiefes Vertrauen: Das, was Gott sagt, das stimmt.
An den Gott der Bibel zu glauben heisst, ich gehe mit Fakten um, zunächst einmal mit historischen Fakten. Paulus zeigt es zum Beispiel in 1. Korinther 15. Da sagt er: Jesus ist tatsächlich gestorben, und er sagt: Jesus ist tatsächlich auferstanden, und er ist manchen Leuten erschienen. Und das ist nicht nebulös, das ist sehr konkret. Er sagt, wem er erschienen ist, er sagt, wen du fragen kannst. Und diese Fakten, die kann ich glauben, auf diese Fakten kann ich mich verlassen.
Und wenn die historisch-kritische Bibelauslegung sagt: Es ist egal, ob es passiert ist oder nicht, Hauptsache du glaubst es, und Hauptsache, dir hilft es. Ja, also so ist in etwa diese Auslegung. Dann ruft die Bibel dazwischen und sagt: Nein, das ist nicht egal. Glaube doch nicht etwas, was nicht passiert ist. Die Bibel ist doch kein Märchenbuch, sie ist ein Bericht über die Dinge, die wirklich passiert sind.
Wenn Jesus nicht wirklich gestorben ist, dann steckst du immer noch in deiner Sünde, egal wie warm es dir ums Herz wird, wenn du dir deine Traumwelt des Glaubens aufbaust. Also, biblischer Glaube stützt sich auf Fakten. Er stützt sich auf historische Ereignisse. Aber vor allen Dingen, und das betrifft jetzt vielleicht auch noch einmal mehr unseren Alltag, vor allen Dingen stützt der Glaube sich auf Verheissungen.
Ich weiss: Gott hat etwas gesagt, und deshalb ist es wahr, und Gott wird es tun. Unser Problem ist ja, dass wir zwischen dem, was Gott gesagt hat, und wenn Gott etwas tut, manchmal relativ viel Zeit legt. Es passiert manchmal nicht heute, es passiert nicht morgen, nicht übermorgen. Aber wenn Gott es gesagt hat, dass er es tut, dann ist es wichtig, dran zu bleiben.
Und manchmal lässt Gott solche Situationen in unserem Leben auch zu, Druck zu, damit unsere geistlichen Muskeln wachsen. Das ist nicht angenehm, und ich weiss nicht, ich finde es immer noch nicht gut. Und trotzdem ist es etwas, was mir hilft, mit diesem Gott weiterzugehen und diesen Gott intensiv kennenzulernen.
Gott hat zum Beispiel zugesagt: Ich bin bei dir alle Tage. Ich weiss nicht, ob ihr Tage kennt, wo ihr das überhaupt nicht fühlt. Da denkt man: Hallo Gott, wo bist du? Aber seine Verheissung gilt, es stimmt, was er gesagt hat.
Oder Gott hat gesagt: Wenn du mir deine Schuld bekennst und zugibst: Ich bin ein Sünder, dann will ich dir die Schuld vergeben. Damit kann ich rechnen. Oder Gott hat versprochen: Wenn du mir deine Sorgen im Gebet bringst, dann wirst du erleben, mein Friede wird dein Leben erfassen, und deine Gedanken werden auf mich ausgerichtet sein. Damit wird das Problem nicht unbedingt kleiner. Gott hat nicht gesagt: Wenn du mir vertraust, dann nehme ich dein Problem weg. Nein. Aber ich kann mit diesem Problem besser umgehen, weil ich auf Jesus schaue. Und auch wenn das Problem da ist, dann weiss ich: Herr, du hast gesagt, ich darf mich auf dich konzentrieren.
Ich wünsche es für mich persönlich, dass Gottes Verheissungen mein Denken prägen. Es gibt so viel anderes, was mein Denken prägen will. Und wenn ich Gottes Verheissungen glauben soll, dann ist es wichtig, dass ich sie kenne. Es gibt ja einige Musterschüler, meine Frau war so eine, von denen du denkst: Okay, die legen ihren Kopf aufs Kissen abends, und irgendwie diffundiert das Wissen da rein. Das mag sein, das geht bei sehr schlauen Leuten. Bei mir hat das nie funktioniert. Aber bei den Verheissungen Gottes funktioniert das nicht. Ich muss sie lesen. Ich muss die Bibel lesen, und ich muss darauf ausgerichtet sein: Herr, wo sind deine Verheissungen, was darf ich davon für mich persönlich in meinem Leben anwenden?
Abraham hat die Verheissungen Gottes für sein Leben gekannt, und er hat mit Gott immer wieder darüber gesprochen. Es ist die Herausforderung für mich: Kenne ich eigentlich die Verheissungen Gottes für mein Leben? Und spreche ich mit Gott immer wieder über seine Verheissungen? Wenn nicht, dann verpasse ich etwas. Und dann sollte ich vielleicht damit beginnen, dass ich mir die Verheissungen Gottes aufschreibe, mich über sie freue und es so mache, wie David es einmal im Psalm 27 sagt. Er sagt: Mein Herz hält dir vor dein Wort, ihr sollt mein Angesicht suchen. Und deshalb suche ich dein Angesicht. Genau das Gleiche kann ich auch mit Gottes Verheissungen machen.
Dass ich sage: Herr, du hast es gesagt, und deswegen komme ich, deswegen halte ich es dir vor, deswegen spreche ich mit dir gerade über diese Verheissungen.
Abraham hat also Gottes Versprechen gehabt: Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt. Das war keine allgemeine Zusage Gottes an alle Menschen. Also, du kannst jetzt nicht diese Verheissung nehmen und sagen: Siehst du, wusste ich es doch, ich werde mal eine Grossfamilie. Das funktioniert nicht. Es ist eine sehr spezielle Zusage an Abraham gewesen.
Es ist wichtig, dass ich unterscheide zwischen einer allgemeinen Zusage Gottes und einer sehr speziellen Zusage Gottes, damit ich mich nicht an Verheissungen festhalte, die Gott mir so nie gegeben hat. Die Gemeinde in Jerusalem betet, der Petrus soll frei werden, und sie betet, weil Gott da ist und Gott kann das tun. Und dann klopft jemand an der Tür, Petrus steht vor der Tür, und die Gemeinde sagt: Siehst du, wow, Gott hat seine Verheissung erfüllt. Gar nichts von dem. Die sagen: Ey, hallo, das muss vielleicht ein Geist sein oder so, das kann ja gar nicht sein, oder?
Also, du merkst, sie haben sich auf allgemeine Verheissungen Gottes gestützt, und sie waren überrascht, wie schnell Gott eingegriffen hat. Die meisten unserer Gebete, oder die meisten meiner Gebete, sind solche Gebete. Das ist der Normalfall. Aber es gibt auch den Spezialfall. Ich bekomme eine ganz besondere Überzeugung: Ja, Gott hat dieses Gebet gehört.
Wir haben das zum Beispiel, als Paulus in Seenot ist auf dem Mittelmeer. Ja, also da weiss er nicht: Komme ich da jetzt raus oder nicht? Er bekommt Gottes Zusage, eine ganz feste Zusage: Ja, du und alle, die hier auf dem Schiff sind, werden gerettet. Und diese Zusage gibt er ja auch weiter. Das kann ich nicht in jeder Seenot anwenden. Aber Paulus hatte diese Zusage speziell von Gott.
Also, wenn du so eine spezielle Zusage Gottes in deinem Leben schon gehabt hast, dann weisst du, wovon ich rede. Aber auch wenn du nur allgemeine Zusicherungen Gottes hast, dann halte dich daran fest, und dann bitte Gott darum, dass er dir vielleicht eine spezielle Zusage gibt, also eine tiefe Überzeugung in dein Herz, oder dass er dir hilft, zu verstehen, Gott, was dein Weg ist.
Dem Paulus, dem ging es so. In 2. Korinther 12, da ging es um Leiden in seinem Leben, und er hat gebetet und gesagt: Gott, nimm dieses Leiden aus meinem Leben weg. Und Gott sagt zu ihm: Nein, mache ich nicht. Ich nehme das Leiden nicht weg, sondern du, der du vor Kraft oft kaum noch gehen kannst, sollst einfach mal lernen, was es heisst, von meiner Gnade abhängig zu sein. Und deswegen lasse ich es.
Aber es war doch gut, dass Paulus gebetet hat, weil dieses Gebet ihm Klarheit geschenkt hat: Aha, das ist der Weg, den Gott mit mir gehen will. Das klingt übrigens ganz anders als die Thesen von Reinhard Hirtler, dem neuen Stern am evangelikalen Himmel. Gerade zu diesem Thema habe ich jetzt von ihm gehört, und er hat gesagt: Je länger du leidest, desto armseliger wirst du, und keiner will so sein wie du. Wenn jemand sagt: Der Herr führt mich in die Wüste, dann antworte ich: Mein Herr ging für mich in die Wüste, damit ich ins verheissene Land kann, es ist vollbracht, Freunde.
Soweit das sinngemässe Zitat. Aber es stimmt eben nicht, dass ich jede Verheissung hier einfach auf mein Leben übertragen kann und zu einer persönlichen Zusage Gottes machen kann. Und es ist auch zwangsläufig nicht so, wenn ich leide, dass mein Glaube zu klein ist. Ich habe gerade Paulus aus 2. Korinther 12 zitiert. Da war sein Glaube nicht zu klein.
Die Bibel redet sehr oft davon, dass Christen leiden, und dass Gott ihnen das in ihrem Leben auch zumutet. Gott geht mit mir Wege, die ich nicht verstehe. Und trotzdem ist er gut, auch wenn diese Wege schlecht aussehen. Auch wenn diese Wege sich schlecht anfühlen, ich will ihm vertrauen, auch wenn Gott mit mir anders handelt, als ich es mir wünsche. Ich darf ihm meine Wünsche sagen, davon sind die Psalmen voll. Aber es heisst nicht, dass Gott diese Wünsche immer erfüllen muss.
Es soll mir nicht nur, und ich glaube, dass es wesentlich im Glauben um Gottes Taten geht, sondern um Gott selbst. Es geht doch nicht nur um ein Programm, dass Gott der Wunschautomat ist, der in meinem Leben tut, was ich mir wünsche. Bei einem Wahlplakat habe ich gedacht: Hey, das ist wirklich ein Spruch, über den man nachdenken kann. Unser gegenwärtiger Ministerpräsident hat auf einem Wahlplakat geschrieben: Sie kennen mich, also vergessen Sie das Programm, Sie kennen mich.
Ich habe gedacht: Um wie viel mehr sollte uns als Christen das im Blick auf Gott so gehen, dass wir sagen: Herr, ich verstehe absolut nicht, was das jetzt soll, ich verstehe auch dein Programm mit mir nicht, aber eins weiss ich: Ich kenne dich, und das reicht. Es geht mir um dich, und es geht mir nicht in erster Linie um das oder nur um das, was du tust.
Und ich darf beten: Herr, lass mich jemand sein, der dich durch den Glauben ehrt. Darum ging es Abraham hier. Das mache ich, indem ich gross von Gott denke. Du, wir lesen hier: Abraham glaubt an einen Gott, der die Toten lebendig macht. Gott spricht ein Wort. Und die Toten werden lebendig.
Du gehst über den Pragfriedhof, und da ist richtig Volksversammlung, ja, die Toten sind alle lebendig. Du gehst in Norddeutschland spazieren und denkst: Wow, hier kann ich ja schon am Samstag sehen, wo ich am Mittwoch sein werde oder so. Und plötzlich steht da ein Berg, den du eigentlich in Bayern vermuten würdest. Gott ruft das Nichtseiende, dass es ist.
Stell dir das mal in konkreten Dingen vor, diesen Gott kennst du. Und diesem Gott darfst du vertrauen, zu diesem Gott darf ich beten. Abraham war davon überzeugt. Er war davon überzeugt: Ich glaube an einen Gott, der die Toten lebendig macht, der das Nichtseiende ruft, als wenn es da ist. Die ganze Schöpfung hat Gott ins Dasein gerufen.
Mach dir bewusst, wie gross dieser Gott ist, den du als deinen Vater kennen darfst. Und wenn ich diese faszinierende Botschaft in Vers 17 lese, dann soll ich eben nicht nur darüber staunen, was Gott alles kann, sondern ich wiederhole mich, wenn ich sage: Ich soll und darf darüber staunen, wer dieser Gott ist. Und deshalb ist biblischer Glaube ein tiefes Vertrauen zu Gott als Person.
Das ist viel mehr als ein apologetischer Faktencheck. Durch meinen Glauben mache ich deutlich: Gott, ich vertraue dir. Und durch den Glauben vertiefe ich damit auch meine Beziehung zu Gott. Und deshalb ist biblischer Glaube auch ein Beziehungsbegriff. Glaube sieht zuerst den grossen Gott und nicht zuerst das grosse Problem. Und deshalb konnte Abraham auch in einer hoffnungslosen Situation glauben.
Wenn ich Gott glaube, dann mache ich das Problem nicht klein. Aber ich lasse mich nicht vom Problem lähmen, weil ich auf den schaue, der grösser ist als das Problem. Mir gefällt an Abraham seine Grundhaltung: Er will durch seinen Glauben Gott ehren, er will also damit rechnen, Gott ist grösser als mein Problem.
Ich weiss nicht, wie es euch geht, mir fällt das schwer. Irgendwie sind es dann doch die Umstände, die so den Ton angeben wollen. Und deshalb ist es sehr oft auch eine bewusste Entscheidung, dem lauten Schreien des Unglaubens mal den Ton abzustellen und nicht diese ständigen Einflüsterungen zu glauben: Sollte Gott wirklich gesagt haben? Sollte Gott das wirklich können? Meinst du nicht, dass das für Gott doch eine Nummer zu gross ist?
Auch der Unglaube verlässt sich ja auf etwas, zum Beispiel auf die eigene Kraft oder auf andere Menschen, aber eben nicht auf Gott. Gott wird durch etwas anderes ersetzt, und von diesem Ersatz erwarte ich dann meine Hilfe. Und deswegen führt Unglaube weg von Gott, und Unglaube führt in den Götzendienst.
Jemand, der sich nicht auf so einen billigen Ersatz für Gott einlassen wollte, war Esra. Bei ihm entdecken wir in Esra 8,22 so diese grundsätzliche Haltung: Mein Glaube soll Gott ehren. Dort steht: Ich hatte mich geschämt, vom König Soldaten und Pferde zu unserer Unterstützung gegen den Feind auf dem Weg zu erbitten. Wir hatten nämlich zum König gesagt: Die Hand unseres Gottes ist zum Guten über allen, die ihn suchen.
Wo gibt es denn sowas? Dem Esra war es peinlich, dem königlichen Schutz mehr zu vertrauen als Gottes Hilfe, um nicht von Räuberbanden überfallen zu werden. Und die haben auf seinem Weg nach Jerusalem sicher hinter jedem Felsen gelauert. Und er hat intensiver gebetet, und er hat gesagt: Gott, mach dich gross und bewahre uns. Mir ist es peinlich, wenn ich sage, du bist so gross, und ich gehe jetzt zum König und sage, aber ich brauche doch so eine Leibwache von zweihundert Leuten, also weniger wird wahrscheinlich nicht reichen.
Das ist eine Haltung, die Gott ehrt. Das wünsche ich mir auch, dass es mir peinlich ist, Menschen mehr zu vertrauen als meinem lebendigen Gott. Und das hat Abraham hier getan, er hat Gott vertraut.
Und wenn es mir wichtig ist, meinen Gott durch Glauben zu ehren, dann passiert das, was wir hier in Römer 4 lesen. Gott stärkt mich darin, bei dieser Haltung zu bleiben. Da gibt es diesen kleinen Funken dieses Gebets, das deutlich macht: Herr, ich möchte dich doch ehren durch meinen Glauben. Und dann kommt der Heilige Geist und er pustet in diesen kleinen Funken rein, und es wird zu einer grossen Flamme. Und diese grosse Flamme ist überzeugt: Gott kann tun, was er verspricht. Das ist eine Überzeugung, die Gott in das Herz eines Abraham hier hineingibt. So hat Gott den Abraham gestärkt.
Ab Vers 22 da ist ja so ein bisschen gedanklicher Bruch. Dann erleben wir in diesem Text am Beispiel von Abraham mit, wie wir durch den Glauben bei Gott gerecht werden. Als Menschen haben wir ja so den Reflex, dass wir versuchen, unsere schlechten Taten durch gute Taten zu ersetzen. Das funktioniert aber nicht.
Das ist mir wieder aufgefallen, als ich in den letzten Tagen den Bericht über die Schweizerin Anne Sperry las. Ich weiss nicht, ob manche von euch diese Frau kennen, also ganz taffe Frau, war in Kenia. Sie hat mit 46 Jahren ihren Flugschein gemacht, Ärztin, und ist dann mit ihrer Propellermaschine zu den verschiedenen Leuten geflogen, hat 20 Leute im Jahr versorgt. Man sagt, es gibt wahrscheinlich niemanden in Afrika, der mehr Leben gerettet hat als sie. Man nannte sie Mama, also sie ist diejenige, die kommt und die den Leuten hilft.
Sie ist jetzt noch nicht so lange tot, also über achtzigjährig war sie, und nach ihrem Tod stellt man fest, dass die kurze Zeit, die sie im Konzentrationslager in Ravensbrück verbracht hat, sie dort nicht als Opfer verbracht hat, wie man es immer glaubte, sondern sie hat diese Zeit dort als Täterin verbracht, in Gemeinschaft mit einer anderen Schweizerin, die aufgrund ihrer Taten zum Tode verurteilt wurde. Die beiden waren zusammen, aber die Schweiz hatte damals kein Interesse, aufzuarbeiten, welche Rolle Schweizer im Holocaust spielen. Ja, also deswegen ging das alles runter. Manche Dinge wurden in ihrem Tresor gefunden, wo man sagt: Nein, sie war nicht Opfer, denn über diese Zeit hat sie nie geredet. Und jetzt weiss man, warum.
Letzten Monat hat die Zürcher Zeitung die Frage gestellt: War ihr halbes Leben der Versuch, Busse zu tun? Und jedem ist klar: Ich kann noch so gute Taten in Afrika tun, damit werde ich aber meine grausamen Taten in Ravensbrück nicht ausgleichen können. Und so kann auch meine ablehnende Haltung Gott gegenüber, dem mein Leben gehört, der mein Schöpfer ist, das haben wir an diesem Bild auch noch einmal gesehen bei der Segnung, das kann ich nicht ausgleichen, indem ich ein paar gute Dinge tue.
Es gibt nur einen Weg, wie meine Rebellion gegen Gott und meine Schuld gegen Menschen ausgeglichen werden kann, und das ist genau das, was in diesen Versen steht: Gott muss mir seine Gerechtigkeit zurechnen. Gott muss auf das Lebenskonto meiner Schuld seinen Plusbetrag gutschreiben. Nur dann ist das Konto ausgeglichen, nur dann kann ich eine tiefe Beziehung zu Gott bekommen.
Und Gott kann Schuld nicht einfach wegnehmen, so wie man die Schuld von der Unspory nicht einfach unter den Tisch fallen lassen kann. Aber Gott streicht das, ist mir ganz wichtig geworden, nicht nur einfach meine roten Zahlen durch. Das wäre zu einfach, sondern er bucht seine schwarzen Zahlen dagegen, damit ich auf eine schwarze Null komme, indem er selbst für meine Schuld bezahlt hat.
Unser Vers sagt hier, wie Gott es gemacht hat: Er hat seinen Sohn an einem Kreuz für mich sterben lassen, da hat Jesus meine Schuld getragen. Paulus sagt in Vers 25: Jesus ist für meine Übertretung dahingegeben. Wir lesen das so schnell, es ist ein ganz wichtiger Vers, weil er nämlich deutlich macht, dass die Behauptung einer historisch-kritischen Methode, die sagt: Na ja, das haben sich die Jünger ausgedacht, dass Jesus für sie gestorben ist, alles nachträglich erfunden, dass Paulus sagt: Nein, Jesus ist für meine Übertretung dahingegeben, das schreibt er im Auftrag Gottes auf. Damit wir es hören, damit wir es kapieren, damit wir uns darüber freuen können.
Sein Tod war ein stellvertretender Tod. Das ist einer der Verse, die das beweisen. Aber Jesus ist nicht tot geblieben, er ist auferstanden, und seine Auferstehung hat gezeigt, auch das steht hier: Der Tod konnte ihn nicht halten. Und damit wird genau das bestätigt, was Jesus gesagt hat. Er hat gesagt: Ich bin ohne Sünde, ich sterbe nicht für meine Sünde, sondern ich sterbe für deine.
Wow, wenn ich das sehe in diesem Vers, dann kann mich das bewegen. Ich bin also als Mensch gerechtfertigt, mein Lebenskonto ist nicht mehr belastet. Was für eine faszinierende Nachricht. Mann, die Anne Sperry, die hätte gar nicht versuchen müssen, ihre Taten auszugleichen. Jesus hat ihre Taten aus Ravensbrück auf sich genommen. Und diese Taten hätten bei der Begegnung mit Gott gar nicht negativ sein müssen, weil Gott es ausgeglichen hat. Das ist Vergebung.
Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir das immer wieder neu auch festhalten. Und ich erlebe diese Vergebung Gottes ja nicht automatisch. Ich muss es tun wie Abraham. Er hat Gott geglaubt, dass Gott das tun wird, was er versprochen hat. Wenn ich glaube, Jesus ist für meine Sünde gestorben, er ist auferstanden, dann bin ich gerecht vor Gott, und dann, so lesen wir es hier, rechnet Gott mir seine Gerechtigkeit zu.
Und da kapiere ich: Gottes Gerechtigkeit ist eben keine Gerechtigkeit, die ich mir erarbeiten kann. Es ist immer eine Gerechtigkeit, die mir zugerechnet wird, nie eine Gerechtigkeit, die von innen kommt, sondern immer eine Gerechtigkeit, die von aussen kommt, nie Leistung, immer Gnade. Aber Gottes Gerechtigkeit ist auch keine automatische Buchung. Gott gibt mir seine Gerechtigkeit nur, wenn ich im Gebet zu ihm komme und wenn ich aus Überzeugung sage: Bitte vergib mir meine Schuld und übernimm du das Kommando in meinem Leben.
Ich weiss nicht, wer von euch das noch nicht in seinem Alltag erlebt hat. Ich darf mit diesem Gott unterwegs sein, dann kann ich dich nur einladen, auch so einen Gottesdienst zu nutzen, nach dem Gottesdienst auf uns zuzukommen, diesen Gott kennenzulernen oder wenn sie an den Schirmen sitzen oder ihr einfach Kontakt zu einem Christen aufzunehmen oder Kontakt zu uns aufzunehmen.
In diesen Versen 24 geht es um die zentrale Botschaft der Bibel. Wenn ich diese Verse verstanden habe, dann habe ich verstanden, worum es wirklich geht. Und manchmal können Menschen, die diesen Schritt auf Gott zugegangen sind, es nur ganz schwer glauben: Soll denn meine jahrelange Rebellion gegen Gott und meine Schuld gegenüber Menschen jetzt einfach so vergeben sein? Stehen auf meinem Lebenskonto jetzt keine roten Zahlen mehr, selbst wenn ich so schlimme Dinge wie Ansprüche gemacht habe?
Auch wenn du vielleicht Dinge mit Menschen noch in Ordnung bringen musst oder vielleicht auch Dinge sogar mit dem Gesetz, du darfst es glauben: Gott hat auf dein Lebenskonto eine schwarze Null geschrieben, wenn du zu ihm gekommen bist. Auch wenn du es noch nicht fassen kannst, dann kannst du beten und sagen: Herr, gib mir bitte diese Gewissheit, ich bin dein Kind.
Ich habe das vor langer Zeit mal von einem Pastor einer Mega-Gemeinde gehört, einer grossen, guten Gemeinde, der gesagt hat: Mit Abstand die meisten Seelsorgegespräche drehen sich um das Thema Heilsgewissheit. Manchmal kann ich das noch gar nicht so für mich selber fassen. Und ich darf Gott darum bitten. Bei den einen kommt es sofort, diese Gewissheit, bei den anderen dauert es eben länger. Aber deshalb bin ich nicht weniger gerettet, und auch wenn ich diese innere Überzeugung noch nicht habe, darf ich glauben, genau das, was hier steht: Jesus ist um meiner Übertretungen willen dahingegeben und um meiner Rechtfertigung willen auferweckt. Das stimmt, das nehme ich in Anspruch.

Das Ziel des Glaubens: Gott ehren und ihm vertrauen

Woran erkennt man Christen? Darum ging es heute Morgen. Die erste Antwort heißt: freudig als Christ zu glauben.
Und es ist ein Glaube, der sich an Gott selbst und an seinen Verheißungen festhält. Dieser Glaube ist ein Vertrauen, das Gott ehrt. Deshalb können wir es auch zu unserem Gebetsanliegen machen:
Herr, lass mich nicht durch Unglauben an deiner Verheißung zweifeln, sondern stärke mich bitte im Glauben, weil ich dir die Ehre geben möchte. Amen.
Wir machen es jetzt so, dass ihr auf eurem Stuhl Gott Antwort geben könnt auf das, was euch wichtig geworden ist. Und Horst wird dann diese stille Gebetszeit laut abschließen.