Serie•Teil 11 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Ziel der Predigtreihe
Es ist wahrscheinlich für die meisten keine Überraschung, wenn ich jetzt sage, wo wir weitermachen. Ihr habt schon mitbekommen, dass wir einfach Stück für Stück durch das Matthäusevangelium gehen.
Und die Idee, die ich damit verbinde, ist folgende: Ich möchte gerne, dass uns Jesus groß wird. Wir können uns über alle möglichen Themen Gedanken machen. Wir können in allen Dingen, die es in der Bibel gibt, total bewandert sein. Wir können sogar, was weiß ich, alle Stellen auswendig wissen. Aber wenn wir an einer Stelle nicht wirklich stark sind, dann bringt uns das alles nichts.
Und der Punkt, der von den Aposteln immer wieder betont wird, der Punkt, der mir persönlich auch über die Jahre immer wichtiger geworden ist, ist folgender: Wie gut kenne ich eigentlich meinen Herrn? Wie gut kenne ich eigentlich Jesus? Wie gut kenne ich den, von dem ich sage, er soll in meinem Leben der Herr sein?
Ihr wisst, wenn ihr Kinder habt, dass man sich das ein bisschen so wünscht, dass die Kinder das tun, was man sagt. Das ist auch eines der Erziehungsziele. Und das können sie umso besser, je besser sie einen persönlich kennen. Wenn die Kinder genau wissen: Papa ist so, das ist gar keine Frage, wenn Papa sagt, jetzt gehen wir raus, dann meint er, wir gehen raus, und nicht, es ist ein Vorschlag, über den wir danach debattieren können. Vielleicht gehen wir raus, vielleicht gehen wir auch nicht raus. Wenn sie ihren Papa kennen, dann wissen sie, wie ihr Papa lebt und wie er ist.
Und so stelle ich mir das eigentlich auch für uns vor, dass wir unseren Herrn Jesus immer mehr kennen und immer mehr lieben lernen. Und ich wusste halt keinen anderen Ansatz, als zu sagen: Dann schauen wir uns an, wie er gelebt hat, was er gesagt hat, und sind immer mehr begeistert von dem, wie er auftritt und von den Worten, die er sagt.
Also, wir waren bei Matthäus, und wir haben die ganzen letzten Predigten, die ich gehalten habe, Matthäus Kapitel 1 bis 4 betrachtet. Und ihr wisst vielleicht noch, was da drin stand: Es ging um die Herkunft Jesu, es ging um Prophezeiungen, die er erfüllt hat, es ging um seine Taufe, um die Versuchung und den Beginn seines Predigtdienstes.
Und heute beginnen wir mit etwas ganz anderem. Wir starten nämlich mit der Bergpredigt, Matthäus 5.
Die Bergpredigt ist eine von fünf großen Reden im Matthäusevangelium. Und bevor wir darin lesen, möchte ich erst einmal sagen, was die Bergpredigt nicht ist.
Also, alle möglichen Leute verbinden mit dem Thema Bergpredigt ziemlich viele unterschiedliche Ideen. Das ist ein Stück Literatur, das häufig missbraucht worden ist. Deswegen will ich erst einmal sagen, was die Bergpredigt nicht ist.
Sie ist kein Manifest für ein friedliches Zusammenleben der Völker. Das hört man manchmal: Wenn alle nach der Bergpredigt leben würden, dann wäre es auf der Welt ganz anders. Das stimmt. Aber so war die Bergpredigt nie gedacht, auch wenn es bekannte Autoren gibt, die Bücher darüber schreiben. Ja, dass Frieden möglich ist, zum Beispiel. Nicht das Ziel der Bergpredigt.
Noch etwas: Die Bergpredigt ist auch nicht das neutestamentliche Gegenstück zu den Zehn Geboten, so nach dem Motto: Wenn ich mich an die Bergpredigt halte, und zwar möglichst gut, dann komme ich in den Himmel. Das glauben ja manche Menschen, dass man, wenn man die Gebote hält, dadurch in den Himmel kommt. Das ist falsch. Das werden wir nachher auch noch anschauen, und deswegen gilt das auch für die Bergpredigt logischerweise nicht. Also auch das stimmt nicht.
An wen sich die Bergpredigt richtet
Um jetzt herauszufinden, was die Bergpredigt eigentlich ist, schauen wir uns an, an wen sie gerichtet ist. An wen oder zu wem redet Jesus? Wir schlagen Matthäus 5,1-2 auf.
Ich lese das mal vor: Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg. Und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach.
Die Bergpredigt ist zuerst einmal an seine Jünger gerichtet. Das müssen wir verstehen. Es sind Leute, die Jesus bereits nachgefolgt sind. Es sind Leute, die auf seinen Aufruf „Tut Buße und kommt mir nach“ bereits reagiert haben. Die Bergpredigt ist nicht zuerst für Leute, die mit Gott noch gar keine Beziehung haben und die noch nicht auf Jesus reagiert haben. Dafür ist sie viel zu anspruchsvoll.
Natürlich lesen wir, dass das Volk, das heißt die, die einfach nur ein Stück weit begeistert von Jesus waren, mit dabei waren. Logisch, das können wir uns vorstellen. Jesus ist unterwegs, er hat viele Leute geheilt, wie wir davor gelesen haben. Es ist ein Stück weit Begeisterung für ihn da. Und jetzt zieht er durch die Lande. Seine Jünger sind etwas dichter um ihn herum. Heutzutage würden wir sagen: wie ein Bodyguard, der ihn ein Stück weit abschirmt, damit er auch mal ein bisschen Ruhe hat.
Und jetzt setzt er sich hin, die Jünger setzen sich daneben und sind schon ganz gespannt: Was wird denn jetzt kommen? Und was jetzt kommt, das ist eine Art Regierungserklärung. Matthäus beschreibt Jesus als den König der Juden, und die Bergpredigt ist seine Regierungserklärung. Oder anders ausgedrückt: das, was Jesus von seinen Nachfolgern erwartet. Habt ihr das?
Die Bergpredigt ist nicht zuerst ein Ruf in die Nachfolge: „Kommt her und bekehrt euch!“ Das suchen wir in der Bergpredigt fast vergeblich. Stattdessen ist die Bergpredigt eine Beschreibung des Lebens in der Nachfolge. Wie soll sich ein Jünger Jesu verhalten?
Und ab und an werden wir merken, dass Jesus schon noch sieht, wer da alles um ihn herum sitzt, und dass er nicht nur zu den Jüngern spricht, sondern dass sein Thema manchmal breiter wird. Und wir werden auch heute schon feststellen, dass das, was er sagt, sowohl für jeden Jünger bedeutsam ist, und zwar richtig grundlegend bedeutsam, als auch für jeden bedeutsam ist, der von sich nicht sagen kann, dass er Jesus kennt und Jesus schon nachfolgt.
Die Königsherrschaft Jesu und ihre eigentliche Ausrichtung
Bevor wir dazu kommen, möchte ich noch eine andere Feststellung machen. Jesus, der König – das Thema von Matthäus, die Regierungserklärung: Worum geht es? Es geht darum, dass Jesus seine Politik vorstellt.
Damals erwarteten die Menschen eine bestimmte Art von Messias, eine bestimmte Art von Befreier. Das sollte ein politischer Befreier sein, einer, der mit dem Schwert in der Hand die Römer ins Meer treibt und einen jüdischen Staat ausruft. Am besten sollte dieser jüdische Staat in den Grenzen von tausend vor Christus unter David und Salomo liegen. Das war so die Idee: So musste ein Messias sein. Politische Reformen, soziale Reformen, ein neuer Staat musste her.
Diesem Bild entsprach Jesus in keinster Weise. Wenn Pilatus ihn im Verhör fragt: Bist du wirklich ein König? Ich kann mir das gar nicht vorstellen, du siehst gar nicht so königlich aus. Dann antwortet er in Johannes 18: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, jetzt ist mein Reich nicht von hier.
Und wenn wir die Bergpredigt lesen, merken wir: Soziale, politische Reformen, die gibt es kaum. Darum geht es ihm eigentlich nicht. Es geht ihm um etwas ganz anderes. Und wie immer packt Jesus Probleme an der Wurzel. Und die Wurzel im Leben eines Menschen, das ist sein Herz, das ist sein innerster Kern.
Und er sagt: Ich will euch beschreiben, wie meine Regentschaft aussieht über die Herzen von Menschen. Ich will euch mal sagen, wie ein Leben aussieht, ein verändertes Leben aussieht, von den Menschen, die mir nachfolgen, die zu mir gehören.
Und ich habe es vorhin gesagt, und ich will das noch einmal sagen: Niemand kann den Anspruch der Bergpredigt aus eigener Kraft leben. Es geht nicht. Wir müssen zuerst verstehen, dass er zu Jüngern redet, zu Leuten, die schon eine Beziehung zu Jesus haben, bevor wir sagen können: Ja, Bergpredigt super, so muss man leben, klasse, hier schau, das ist doch ganz toll, das schafft doch jeder, oder?
So wie es in Matthäus 5 heißt, um ein Beispiel zu bringen, was jeder schaffen kann: Matthäus 5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Nein, das schafft niemand. Und das muss uns erst einmal klar werden.
Es geht um Nachfolge, und es wird uns etwas vorgestellt, was in sich, wenn jemand ein bisschen nachdenkt, unhaltbar ist, unmachbar ist. Aber das soll euch jetzt nicht enttäuschen. Es soll einfach nur zeigen, dass, wenn jemand die Bergpredigt nimmt und sagt: Ich halte mich an die Bergpredigt und ich setze das um, soweit ich das halt kann, und dann komme ich in den Himmel, dass so ein Denken total am Ziel der Bergpredigt vorbeischrammt. Das ist es gerade nicht.
Wenn ihr das hört, und ich habe das oft, oft, oft gehört, so ein Denken, dann muss ich einfach sagen: falsch, falsch, falsch. Man muss kein Genie sein, um zu merken, dass das in der Bergpredigt nicht drinsteht.
Also das Ziel besteht nicht darin, den Himmel durch ein möglichst heiliges Leben, auch wenn es an der Bergpredigt ausgerichtet ist, zu verdienen, sondern die Bibel macht sehr deutlich klar, dass Rettung, ewiges Leben, immer ein Geschenk ist. Ein Geschenk an solche Leute, die Gott vertrauen. Aber das ist eigentlich ein anderes Thema.
Der erste Blick auf das Glück
Kommen wir wieder zu der eigentlichen Bergpredigt. Was ist das erste Thema, das die Bergpredigt behandelt? Wir haben also einen König, und dieser König tritt auf und sagt: Ich will euch, meinen Nachfolgern, einmal sagen, wie ich mir unser Zusammenleben vorstelle, also wie ihr als meine Untertanen leben sollt.
Und das erste Thema ist doch faszinierend, oder? Da heißt es dann in Vers 3 zum Beispiel: „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Bevor wir inhaltlich darauf eingehen, merkt ihr etwas? Das erste Thema lautet Glück. Gar nicht so schlecht. Glückselig heißt so viel wie überglücklich. Und das erste Thema der Bergpredigt lautet: Wie werde ich glücklich? Ich finde das toll.
Stellt euch mal vor, Herr Schröder hätte bei einer Regierungserklärung als ersten Punkt nach der Einleitung und der Vorstellung gesagt: Also, jetzt möchte ich euch erst einmal mitteilen, wie ein Mensch glücklich wird. Und nicht nur die alten Kamellen, die wir schon kennen und die nicht funktionieren, sondern Sachen, bei denen du sagst: Super, wenn wir das alle umsetzen würden, wären wir ein glückliches Volk.
Darum geht es Jesus. Wie wird man glücklich? Wie sieht der Weg zum Glück aus?
Die meisten Menschen, wenn sie an Gott denken, denken an einen himmlischen Polizisten, der irgendwie himmlische Knöllchen austeilt und dem man möglichst wenig in die Quere kommt. Ja, so ein Gott, weit weg, der ein gewisses Maß an Furcht einflößt, der mit der Keule dasteht und seine Gesetze in der anderen Hand hat. Und immer wenn man sich zu weit vorwagt, gibt es eins auf die Finger. Das ist die Vorstellung, die viele Menschen von Gott haben. Und deswegen wollen sie mit so einem Gott logischerweise auch gar nichts zu tun haben.
Und Jesus sagt: Nein, nein, also das erste Thema, damit ihr nicht verschreckt seid: Wir reden erst einmal darüber, wie findet man eigentlich Glück? Es ist auch so, dass ihr alle glücklich werden wollt, oder? Ich sage euch das mal. Es ist vielleicht ein bisschen ein ungewöhnlicher Weg, aber ich will es euch nicht vorenthalten.
Warum? Weil Gott ein glücklicher Gott ist. Habt ihr das verstanden? Gott ist ein glücklicher Gott. Das steht im 1. Timotheus 1,11. Da spricht Paulus von dem Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes. Und dieses Wort selig ist dasselbe Wort, das wir hier haben: des glücklichen Gottes.
Und noch einmal an anderer Stelle: Wenn Paulus in 1. Timotheus 6 von dem Herrn Jesus spricht, dann nennt er ihn den König der Könige, den Herrn der Herren und dann den seligen und alleinigen Machthaber. Auch hier wieder: Er ist der glückliche und alleinige Machthaber.
Also, du beschreibst Gott und sagst: Wer ist denn Gott? Dann sage ich dir: Gott ist glücklich. Boah, hätte ich nicht so gedacht.
Und noch besser: Diese Eigenschaft, glücklich oder glückselig, das ist immer dasselbe Wort im Griechischen, nur anders übersetzt, oder selig. Diese Eigenschaft, ein glücklicher Gott zu sein, die möchte Gott gar nicht für sich behalten, sondern die möchte er seinen Kindern schenken.
Die meisten hier verstehen das, was ich jetzt sage: Durch die Wiedergeburt, das heißt in dem Moment, wo Gott seinen Samen in den Menschen hineinlegt, da, wo ein Mensch umkehrt zu Gott, schenkt Gott ihm einen Teil seiner Natur, fängt mit ihm ein neues Leben an. Diese Wiedergeburt gibt uns Anteil an der Natur Gottes.
Und Gott sagt: So, jetzt habt ihr meine Natur, und jetzt möchte ich aber auch, dass ihr sie auslebt. Ihr könnt glücklich sein, und ich möchte, dass ihr glücklich werdet.
Und ich bin ja immer so ein bisschen naiv an manchen Stellen. Ich fahre jetzt hier so durch die Stadt und denke mir: Schau doch mal, was so andere Leute sagen, wie man glücklich wird. Und naja, im Moment sieht man halt so Herren und Damen am Straßenrand auf großen Postern, die mir alle sagen, dass wenn ich sie heute wähle, dass ich dann glücklich werde.
Gut, ansonsten höre ich eigentlich immer eine Sache: Kauf nicht, und du bist zufrieden und glücklich. Meinen Kindern sagt man schon: Du musst alle Pokémonkarten haben, hol sie dir alle. Ja, und wenn du alle hast, dann bist du glücklich und zufrieden.
Bei den Erwachsenen ist es dann so ein bisschen schwieriger, das so simpel zu verpacken, aber es ist letztlich die gleiche Methode. Also: Du musst reich sein, du musst angesehen sein, du musst ein Macher sein, populär, berühmt. Und wenn du das bist, dann bist du glücklich.
Manchmal bin ich ein bisschen erstaunt, in diesen Schmalzzeitschriften zu lesen, dass die Berühmten und Populären auch unglücklich sind. Aber im Großen und Ganzen ist das so die Masche, die vertreten wird. Du musst was haben, du musst was sein, und dann bist du glücklich.
Also, wie gesagt, der Weg scheint nicht so richtig zu funktionieren. Zumindest kenne ich nicht viele reiche und berühmte Leute, die glücklich sind. Es ist eher so, dass die Leute, die ich kenne, die wirklich Geld haben, viel, viel mehr Geld als ich haben, dass wenn ich mich mit denen unterhalte, die darüber klagen, dass wir zu wenig haben. Und ich kratze mich manchmal am Hinterkopf und stelle mir die Frage: Na, halt mal, dein Einkommen hat eine Stelle mehr als meins, ja? Ich weiß gar nicht, warum du dir jetzt hier den Kopf machst.
Aber es ist so: Die Leute, die eigentlich glücklich sein sollten, wenn man der Werbung traut, sind es nicht, nicht wenn man sie ein bisschen besser kennt.
Und Jesus beantwortet diese Frage: Gibt es einen Weg zum Glück, der wirklich funktioniert? Und er sagt: Ja. Und wir wollen heute miteinander einfach den ersten Schritt, den vielleicht wichtigsten Schritt, einmal betrachten. Es ist ein Schritt, den man in seinem Leben einmal gehen muss und dann eigentlich auch immer wieder. Und er heißt:
Matthäus 5,3: „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Reich der Himmel, das ist der Ort, wo Gott regiert. Bei Lukas heißt das nicht Reich der Himmel, sondern Reich Gottes, und jeder, der den Herrn Jesus als Retter und Herrn in sein Leben aufnimmt, der gehört in dieses Reich Gottes, weil Gott in seinem Herzen regiert.
Reich Gottes, das ist nicht so eine geografisch fassbare Größe, dass man sagen würde: Also, ich blende euch mal jetzt die Karte von Palästina ein, und dann ist da so ein rot umrahmter oder schraffierter Bereich, und da ist das Reich Gottes. Das ist es nicht. Sondern Reich Gottes meint die Menschen, die Gott gehören.
Matthäus spricht immer von dem König. Ein König hat ein Reich, und diesmal geht es im Blick auf das Reich um die Menschen, die zu diesem Reich gehören, die Menschen, über die Jesus herrscht.
Wie kommt man rein ins Reich Gottes? Das wissen wir schon. Matthäus 4 haben wir das gelesen: Auf der Seite des Menschen kommt man rein in das Reich Gottes, indem man Buße tut und zu Gott umkehrt. „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ Die Buße ist so meine Tür. Wenn ihr das wollt, ich gehe da durch die Tür, dann bin ich im Reich Gottes drin.
Und was macht Gott? Gott sagt: Jedem, der Buße tut, dem schenke ich die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist. Johannes 3,5-6.
Wenn jemand also zum Reich Gottes gehört, dann gehört er zu Gott. Paulus beschreibt das so, dass gläubige Menschen solche sind, die Gott in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt hat. Nochmal: Im Reich der Himmel wohnen die Menschen, die Gott lieben und die Gott in ihrem Leben König sein lassen. Das sind die Bewohner des Reiches Gottes.
Zumerfrage, ja, da möchte ich hin. Das ist vielleicht so, dass wir Gott lieben, Gott an erste Stelle setzen, mit Gott eine Beziehung haben. Super, genau das möchte ich.
Gut, schauen wir uns an, wie man da reinkommt. Was ist der Schritt, der uns die Tür öffnet ins Reich Gottes? Nochmal Matthäus 5,3: „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Also, der erste Schritt, den ein Mensch auf Gott zutut, ist, dass er arm im Geist ist. Das bedeutet nicht, dass er irgendwie behindert wäre und nicht klar denken könnte, geistig arm im Sinne von zu wenig Sauerstoff bei der Geburt oder so. Das ist es nicht. Sondern was es hier meint, ist in einem geistlichen Sinn arm, geistlich arm.
Und das Wort arm hier, das ist so radikal, wie man es sich nur irgend vorstellen kann. Also da steht eigentlich nicht arm im Sinne von: Naja, der hat ein bisschen weniger als der andere. Da steht bettelarm. Bettelarm meint: Stellt euch einen Menschen vor, der merkt, ich habe nichts mehr, und der sich in irgendeine Ecke kauert, wo es dunkel ist, wo man ihn nicht sieht, der eine Hand vor das Gesicht hält, damit man ihn nicht erkennt, und die andere ins Licht streckt und sagt: Ein Almosen bitte, ein Almosen. Das ist bettelarm.
Wenn ich nichts mehr habe, wenn ich total abhängig bin und aus eigener Kraft nichts mehr schaffe, das meint das Wörtchen arm, arm im Geist.
Und wie sieht das aus? Wenn einer arm im Geist oder bettelarm im Geist ist, dann bedeutet es, dass er erstens erkannt hat, wie er wirklich vor Gott steht. Oder anders ausgedrückt: Er hat erkannt, wie jeder Mensch vor Gott steht. Jeder Mensch vor Gott ist verloren, er ist hilflos und er ist hoffnungslos, ohne eine Chance auf Rettung oder Erlösung. Er ist einfach am Ende.
Und an diesen Punkt muss ein Mensch kommen. Er muss begreifen: Im Blick auf geistliche Dinge, auf geistliche Zusammenhänge, auf geistliche Abhängigkeiten, im Geist, da bin ich der Bettler. Da bin ich bettelarm. Da habe ich nichts mehr zu bringen. Ich bin vollständig abhängig von Gott.
Luther hat das auf seinem Totenbett aufgeschrieben, der letzte Satz: „Wir sind allzumal Bettler.“ Und das ist richtig. Der Mensch ist ein Bettler, der an das Tor Gottes klopft.
Und wir können uns selber nicht retten, nicht durch gute Taten, nicht durch irgendwelche Psychotricks, nicht durch andere Religionen, nicht durch Materialismus. Wir haben einfach nichts. Du hast keinen Verdienst, was du Gott hinlegen könntest oder sagen könntest: Schau mal, Gott, ist es nicht toll, was ich mitgebracht habe in unserer Beziehung? Du musst mich doch schon deshalb in den Himmel reinlassen, oder? So viele Jahre habe ich da, was weiß ich, in dem und dem Verein ehrenamtlich mitgearbeitet und so vielen Leuten geholfen, das ist doch eine feine Sache, oder?
Nein, wird Gott sagen, das reicht mir nicht.
Das Bild des Bettlers vor Gott
Und ich möchte euch ein Beispiel zeigen, wie sich das äußert, wenn jemand arm im Geist ist: dass sein ganzer Stolz und seine ganze Selbstsicherheit weg sind, weil er verstanden hat: Vor Gott sind meine Hände leer.
Da gibt es eine tolle Geschichte, ein Gleichnis in der Bibel aus dem Lukasevangelium. Und der Herr Jesus sagt: Stellt euch vor, es sind zwei Männer, ein Zöllner und ein Pharisäer, und beide gehen in den Tempel.
Der Zöllner, das war so ein richtiger Sünder, so wie wir uns das halt vorstellen, ja? Also, wenn wir ein modernes Pendant dazu hätten, was wäre das? Was ist denn so ein richtiger Sünder? Ein Zuhälter, das wäre so ein richtiger Sünder, ja? Okay, gut. Also der Zuhälter, was ihr jetzt über Zuhälter denkt, und so über die übelste Sorte davon, die mit Pitbull, Terrier und Drogenkonsum, sowas müsst ihr auf den Zöllner übertragen. Das war der Zöllner, und der geht in den Tempel.
Und jetzt haben wir daneben den Pharisäer. Der Pharisäer, das ist ein Mensch, der nach außen hin sehr religiös und gottesfürchtig lebte, aber innerlich schon eher stolz war.
Und wir hören uns mal das Gebet von dem Pharisäer an. Der sagt: Oh Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner da. Das ist der Pharisäer. Kommt der mit leeren Händen vor Gott? Na, das ist eher: Du und ich, wir sind ein gutes Team. Ich mache meinen Part hier und du machst deinen Part im Himmel. Das ist nicht mit leeren Händen, demütig, ohne Selbstsicherheit vor Gott auftretend.
Der Pharisäer sagt: Schau, Gott, was für ein anständiges Leben ich führe. Ich bin ein gerechter Mann.
Der Zöllner verhält sich anders. Er wacht auf, und der Zöllner stand von fern und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Oh Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!
Ihr braucht ein Beispiel dafür, was es heißt, arm im Geist zu Gott zu kommen. Ihr habt es gerade gehört. Hier ist ein Mann, der sagt: Gott, du siehst mein Leben, du weißt, dass ich nichts in Händen halte. Ich habe nichts zu bringen, aber ich tue das eine, das eine, was mir übrig bleibt: Ich komme zu dir und ich schreie zu dir um Gnade.
Und im Alten Testament, Jesaja 66,2b, da werden Leute beschrieben, die von Gott erhört werden. Wie muss ein Mensch sein, den Gott gerne erhört? Da heißt es: Auf den will ich blicken, auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort.
Das ist die Beschreibung des Zöllners, ein Mann, der vor Gott tritt und in aufrichtiger Betroffenheit über seine eigene Sünde nur noch um Gnade bittet. Und merkt ihr: Das ist arm sein im Geist. Das ist der erste Schritt, den ein Mensch gehen muss, wenn er zu Gott kommen will. Es ist quasi das Sprungbrett zur Bekehrung. Es ist diese Einsicht: Ich habe nichts, und ich werde auch nie etwas bringen können, was irgendwie vor Gott taugt. Und du stehst da und gehst den nächsten Schritt und sagst: Vater im Himmel, hilf mir!
Aber es ist nicht nur so, dass diese Einsicht, ich stehe arm vor Gott, etwas ist für die, naja, für die fünf Tage, bevor du dein Leben dem Herrn Jesus auslieferst. Danach spielt das keine Rolle mehr. Sondern es ist anders. Diese Einsicht, ich habe leere Hände vor Gott, ich möchte sie einfach mal echte Demut nennen, so nenne ich sie einfach mal, diese Einsicht, die sollte Grundlage sein für unser ganzes restliches Leben.
Also einmal dieses Sprungbrett hin zur Bekehrung, zu sagen: Herr, vergib mir und hilf mir hier raus, und auf der anderen Seite eine Grundlage für den Rest meines Lebens. Echte Demut?
Ich habe eine Folie mitgebracht, die ich mit euch kurz durchgehen möchte. Noch nicht.
Wenn echte Demut vorliegt, also wenn wir wirklich verstanden hätten, wer wir sind und wer Gott ist und was Gott in unserem Leben getan hat, dann müsste das in unserem ganzen Leben Auswirkungen haben, nicht wahr? Und ich will euch jetzt einfach mal mit ungefähr sieben Auswirkungen konfrontieren. Und was ihr tun könnt, ist: Ihr könnt einfach mal überlegen, wie sieht das bei mir aus? Und wenn ihr merkt: Nein, das ist eigentlich nicht da, dann geht doch mal in Gedanken zurück in eurem Leben und überlegt euch: Habe ich das wirklich verstanden? Dass Gott der Heilige ist und ich der Bettler, dass er der Gerechte ist und ich der Sünder und dass ich mit leeren Händen vor Gott stehe und wirklich nichts zu bringen habe.
Kennzeichen echter Demut. Nacheinander aufdecken.
Die Folgen echter Demut im Alltag
Erstens: Echte Demut macht frei von Selbstbezogenheit. Es geht nicht mehr um mich, sondern allein um Jesus. Das verstehen wir nicht, oder? Wenn ich einmal begriffen habe, dass ich nichts bringen kann, dass Jesus alles für mich getan hat am Kreuz, wenn ich einmal begriffen habe, dass er mich gerettet hat, obwohl ich ein Sünder war, dass er mich geliebt hat, als ich ein Sünder war, dass er alles für mich hingegeben hat, wie kann da noch ein Stückchen Selbstbezogenheit übrig bleiben? Wie kann ich dann noch sagen: So, 15 Prozent meines Lebens möchte ich eigentlich für mich leben? Wie kann das noch sein, wenn ich wirklich begriffen habe, wer ich bin?
Eigentlich geht das nicht mehr. Eigentlich müssten wir, wie es in Galater 2 heißt, mit Paulus sagen: Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Es wäre die so logische Konsequenz, und doch wird sie von so wenigen Christen geliebt.
Zweitens: Wenn wir wirklich verstanden haben, dass wir Bettler vor Gott sind, wenn wir wirklich verstanden haben, dass der Einzige, der uns aus diesem Zustand herausgerissen hat, Jesus ist, wenn wir begriffen haben, dass er unsere Vergangenheit ist, weil er uns gerettet hat, unsere Gegenwart ist, weil er uns die Kraft zum Leben hier auf der Erde gibt, und unsere Zukunft ist, weil das Größte, was wir erwarten, darin besteht, dass wir ihn sehen werden und ihm gleich sein werden, wenn wir das verstanden hätten, müsste es da nicht so sein, dass wir die Herrlichkeit Christi immer mehr erkennen, bewundern und erwarten?
Also dass wir immer faszinierter sind von dieser Gestalt des Christus, immer mehr eingenommen sind von seinem Wesen und uns immer weniger mit den Schmalzzeitschriften, den Kino-News, der Tageszeitung beschäftigen möchten und immer mehr Zeit damit verbringen möchten, ihn besser kennenzulernen. Schon mal einen Vorgriff auf den Himmel zu wagen, quasi das, was ich in der Ewigkeit mache, schon ein Stückchen in die Zeit hineinzuholen?
Und kann es daran liegen, dass uns oftmals die Freude am Umgang mit Jesus fehlt? Weil wir gar nicht begriffen haben, aus was für einem Dreck wir gekommen sind. So wie es über eine Frau in der Bibel heißt, dass sie viel geliebt hat, weil ihr viel vergeben worden ist. Weil sie einfach begriffen hat, von wie weit unten sie hochgekommen ist und wie viel Gott sie befreit und ihr Sünden vergeben hat.
Der nächste Punkt, bitte.
Echte Demut lässt keinen Raum für Klagen über unsere Lebensumstände. Sie weiß nämlich, dass wir viel Schlimmeres verdient hätten. Wenn wir für Christus leiden dürfen, freuen wir uns und verherrlichen Gott. Jeder von uns hat die Hölle verdient, und zwar gerechtfertigterweise. Jeder von uns hat genug angestellt, um zehnmal in die Hölle zu kommen. Und jetzt kommt einer und sagt: Ich schenke dir den Himmel.
Und wir fangen an, statt uns darüber zu freuen und zu sagen: Ja, ich habe die Hölle verdient, und jemand schenkt mir den Himmel, wir fangen an, über Kleinigkeiten zu klagen, über kleine Probleme, die die nächsten fünfzig Jahre unser Leben noch begleiten. Wo Gott sagt: Du, ich lasse dich noch auf der Erde, weil ich noch einen Auftrag für dich habe. Und das wird manchmal ein bisschen schwierig. Da ist nicht alles easy. Da sind Beziehungen kompliziert, da sind Arbeitsumstände kompliziert, aber ich lasse dich mal hier. Aber sei sicher: Das Beste kommt. Und du hast doch verstanden, oder? Du hast nichts gehabt, und ich habe dir alles geschenkt.
Da werden wir doch nicht anfangen zu klagen, oder? Da werden wir doch einfach sagen: Wow, wenn ich die Ewigkeit habe, na, die paar Jahre hier kriege ich rum. Und ich begreife nicht immer, warum mein Leben kompliziert ist, und mein Leben ist manchmal schwierig. Aber ich werde nicht anfangen zu klagen. Ich habe den Jackpot! Ja, es dauert noch ein bisschen, bis er ausgezahlt wird. Und vielleicht ist manches auch noch ein bisschen schwierig, und ich kann mir noch nicht alles erlauben. Aber ich habe den Jackpot, und ich kriege ihn. Und ich weiß, dass es jetzt einfach Mumpitz ist, wenn ich mich groß über mein Leben beschwere.
Echte Demut lässt mich erkennen, wo ich herkomme. Und ich bin der Bachelor, und Gott schenkt mir den Himmel. Und ich sage: Wunderbar, dann brauche ich wirklich nicht mehr, mich aufzuregen über nichts, was auf dieser Welt passiert.
Echte Demut macht, dass uns die Geschwister wichtiger werden. Wir sehen ihre Stärken und Fähigkeiten klarer. Gleichzeitig nehmen wir auch unsere eigenen Schwächen und Sünden immer besser wahr. Wenn ich wirklich demütig bin, wenn ich merke, ich bin schon als Nichts erkauft worden, dann brauche ich mich auch hier in der Gemeinde nicht aufzuspulen als der große Macker, der sich jetzt irgendwie seine Existenzberechtigung aus dem Umgang mit den Geschwistern ableitet. Das ist nicht nötig.
Jesus sagt an einer Stelle, dass der Größte in der Gemeinde der Sklave aller sein soll. Das heißt, wenn ich verstanden habe, wer ich war vor meiner Bekehrung, dann darf ich doch bitte schön auch diesen Gedanken behalten und hier in der Gemeinde einer sein, der dient, einer, der auch mal getreten wird, einer, der auch mal missverstanden wird, einer, der auch mal nicht seine Wünsche befriedigt bekommt, einer, der auch mal links liegen gelassen wird, mit dem sich mal keiner unterhält. Das ist okay.
Gott hat mich geliebt, sind das verstanden? Er liebt mich, mich den Sünder. Hey, da komme ich durch, das ist nicht das Problem. Ich weiß, wer ich vorher war, und Gott hat mich so weit schon hochgezogen, da kriege ich das hier auch durch. Und übrigens, ich fange an, die Geschwister höher zu achten als mich selbst. Ich merke, dass die anderen Gott wichtig sind und dass ich jetzt lernen muss, den anderen zu dienen. Warum? Ja, weil Jesus den anderen gedient hat.
Und wenn ich erst einmal begriffen habe, dass ich ganz unten stehe, dann kann ich auch in Ruhe von ganz unten aus arbeiten. Da ist mir dann keine Arbeit zu schwer, keine Arbeit zu blöde, keine Arbeit irgendwie zu niedrig. Und wenn wir das tun, dann wird uns echte Demut an den Punkt führen, dass wir immer klarer unsere eigenen Schwächen erkennen. Auch das ein sehr mühsamer und über die Jahre trauriger Prozess, durch den wir durchgehen müssen.
Fünftens: Echte Demut treibt ins Gebet. Gebetsarme Leute sind eingebildete Leute. Wenn jemand nicht viel betet, dann tut er das, weil er denkt, er hat schon alles und er braucht Gott nicht. Wenn jemand wirklich Demut verstanden hat, dann treibt es ihn auf die Knie. Als Bettler klopfen wir immer wieder hilfesuchend bei unserem Vater im Himmel an. Wenn ich wirklich verstanden habe, wer ich bin, in welchen Abhängigkeitsverhältnissen ich stehe, dann gehe ich auch immer wieder zum Vater. Logisch, oder?
Und jetzt geht durch, was seid ihr für Leute? Seid ihr Leute, die, na ja, zehn Minuten vorm Schlafen gehen und dann noch mal kurz vorm Essen beten? Ist das eure Gebetszeit? Seid ihr so stark, so selbstsicher, so erfolgreich in eurem Leben, habt ihr so wenig Ziele, dass ihr so wenig betet?
Nächster Punkt.
Fünftens: Echte Demut hat Gottes Standard, sie hat Gottes Wort als Standard. Wir wollen dem Herrn Jesus zu seinen Konditionen folgen und nicht an unserem eigenen festhalten. Wie viele Leute gibt es, die am Wort Gottes irgendwo Abstriche machen? Wisst ihr, was das zeigt, wenn jemand Abstriche am Wort Gottes macht? Ich beurteile das Wort und denke, ich weiß schon besser, was für mich richtig ist. Ich weiß schon besser, wie man Kinder erzieht, als es in der Bibel steht. Ich weiß besser, wie man mit meiner Ehefrau umgeht, als es in der Bibel steht. Ich weiß besser, wie man mit Geld, Zeit und Arbeit umgeht, als es in der Bibel steht. Ich mache meinen eigenen Standard.
In Wirklichkeit ist es nichts weiter als Stolz, Überheblichkeit und vielleicht einfach ein Ausdruck davon, dass ich nicht wirklich zu Gott gehöre, dass ich mir mein eigenes Leben zusammenbaue, so wie es mir gefällt. Aber wenn ich merke, ich komme von ganz unten, ich komme aus dem Sumpf, ich bin der, der keine Ahnung hat, dann nehme ich gerne Gottes Standard an und lasse ihn gerne in meinem Leben wirken.
Dankbarkeit, Hoffnung und die Haltung des Herzens
Letzter Punkt: Echte Demut lobt und dankt Gott für seine überströmende Gnade, mit der er uns errettet hat und erretten wird.
Das ist doch die Kardinalfrage, oder? Ist das in eurem Herzen da, diese tiefe innere Begeisterung und Freude darüber: Gott hat mich errettet?
Wir hatten es gestern Abend in der Jugend mit der Entrückung. Stellt euch vor, der Herr kommt heute wieder, um elf Uhr fünfzehn. Wenn wir das wüssten, er kommt wieder und er holt uns zu sich: Würden wir uns darüber freuen? Würden wir sagen: Super, wurde auch langsam Zeit, ich konnte es kaum mehr aushalten. Ich gehe heim und gehe dem Geliebten entgegen.
Und wenn es für den Fall noch ein bisschen länger dauert als bis elf Uhr fünfzehn, dann möchte ich die Zeit damit zubringen, Gott zu loben für das, was er in meinem Leben getan hat, und ihm natürlich zu danken für das, was er in meinem Leben getan hat. Dass er auf den Gedanken gekommen ist, mich zu retten, mir gnädig zu sein. Ich habe doch nichts verdient dafür, ich habe doch nichts in der Hand, und er hat mich trotzdem geliebt, begnadigt, erlöst, befreit, sein Kind Gottes gemacht. Das ist doch gigantisch!
Aber damit ich all diese Punkte, die hier dranstehen, damit ich all das begreifen und einordnen kann, brauche ich einen ersten Schritt in meinem Leben und einen Schritt, den ich immer wieder gehe: arm im Geist.
Merken, wer ich wirklich bin, dass ich nichts habe und dass Gott alles in allem ist und er mir alles geschenkt hat und schenken wird. Und dass ich total abhängig bin von ihm. Und dass mich das nicht stört, sondern begeistert. Da sage ich: Na klasse, schau mal, wenn Gott mir alles schenken will und wenn es nicht von mir abhängt, ja, was kann mir denn Besseres passieren?
Das ist ja fast so, als wenn du in eine Prüfung gehst und der Prof sagt dir, oder der Lehrer oder was auch immer, der sagt dir: Also wissen Sie, egal, was Sie gelernt haben, das ist mir egal, ich beantworte meine Fragen alle selber. Ja, das wäre doch eine klasse Prüfung, oder? Da sagst du: Ja, wunderbar, ich setze mich daneben und schaue Ihnen mal zu, wie Sie das machen.
So ist Gott. Er schenkte uns alles. Und er sagt uns: Ich schenke dir alles, und ich wünsche mir, dass du mich gern hast, mich liebst und dein Leben änderst, so wie ich es jetzt hier dargestellt habe in den sieben Punkten. Weil du auch mich liebst, weil du zu mir gehörst, weil wir eine Beziehung miteinander haben.
Und dann verschwindet hoffentlich dieses Bild von dem Himmelspolizisten, der die himmlischen Knöllchen verteilt und mit der Keule dasteht und auf die Finger haut. Und wir merken: Er ist ein Herr, er ist das Lamm Gottes, das uns einfach durch und durch angenommen hat und liebt.
Und das ist das Bild, das ich mir wünsche, öfter zu zeichnen und zu malen. Und vielleicht geht es bei den Seligpreisungen darum, dass uns das noch öfter vor Augen steht.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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