Apologetik - Das Leid
28.02.2016
Serie•Teil 3 / 7Predigtreihe Apologetik
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Ein hilfreicher Rat für schwierige Gespräche
Und ich möchte unbedingt diesen genialen Tipp, den Flo uns per E-Mail geschickt hat, noch einmal vorlesen.
Wir haben uns letztes Mal über die Frage Gedanken gemacht, wie man die Existenz Gottes beweisen kann. Und Flo schreibt uns:
Ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, Menschen, die Streit mit mir wegen meines Glaubens suchen, mit meinen apologetischen Argumenten umzustimmen oder mich zu rechtfertigen. Das ist immer groß nach hinten losgegangen.
In diesen Fällen, also da, wo jemand streiten will, wenn ich also mit jemandem in ein Streitgespräch über den Glauben verwickelt werde, gehe ich sofort auf die Beziehungsebene, indem ich ihn mit der Wahrheit direkt konfrontiere.
Was sagt Flo dann? Das hat er uns auch hingeschrieben, so dass man das Gleiche einfach nur auswendig lernen braucht:
Wieso tust du dies mir? Mit mir? Du tust mir weh. Ich habe dich wirklich sehr gern. Wenn du wirklich Interesse hast an meinem Glauben, stelle nicht die Grundlagen meines Glaubens in Frage, sondern lass uns über die Auswirkungen meines Glaubens auf mein Leben reden. Wenn du feststellst, ein solches Leben möchtest du auch haben, lass uns gemeinsam in der Bibel lesen und schauen, ob du darüber Gott kennenlernst. Solange du dafür nicht bereit bist, lass uns freundlich miteinander leben. Guck dir mein Leben an und beurteile in einem Jahr, was du davon hältst.
Verstanden? Toller Tipp, oder? Also, wenn du merkst, streitmäßig geht sowieso nichts, dann geh auf die persönliche Ebene: Hey, du, du brauchst mir nicht wehtun mit deinen Argumenten, schau dir mein Leben an, schau hin.
Danke, Flo. Flo hat uns angeboten zu coachen. Also, wenn du sagst: Boah, ich habe da auch jemanden, da komme ich immer wieder an einen bestimmten Punkt und ich weiß nicht, wie man über den Punkt rüberkommt, da ist der Mann. Dazu muss es die Gabe der Evangelisation geben, damit er andere coachen kann. Macht das, saugt ihn aus.
So, was wissen wir in der Reihe inzwischen?
Punkt eins: Wir wissen, was Apologetik ist, was das Wort bedeutet. Es ist die Kunst, den eigenen Glauben mit ein paar guten Argumenten zu unterfüttern, darum geht es.
Zweitens: Wir wissen, was unser Job ist. Wir haben uns angeschaut, wir sind hier, um das Evangelium zu predigen. Keiner muss in die Hölle kommen. Gott bietet Versöhnung an. Und damit wir das machen, deswegen sind wir hier.
Dritter Punkt: Irgendwie sollen wir alle vorbereitet sein, unseren Glauben intelligent zu verteidigen. Es ist nichts für Spezialisten oder tatsächlich nur für die mit einer besonderen evangelistischen Begabung, die müssen das irgendwie drauf haben, und ich brauche das nicht. Und von daher: Du brauchst es nicht in der Tiefe vielleicht, aber so ein paar gute Argumente, mal von diesen drei Büchern sich eines schnappen und einfach mal durchlesen und überlegen, was kann ich da mitnehmen. So etwas lohnt sich.
Wenn du sagst, das ist mir zu klein und ich bräuchte da mehr, sprich mich an. Ich gebe dir Tausende von Seiten guter Literatur, wenn du magst. Ich gebe es dir auf Deutsch und auf Englisch. Es wäre mir eine Herzensfreude, dich da in manche gute Literatur einzuführen. Es gibt auf alles wirklich gute Antworten.
Warum die Frage nach Gott nicht einfach mit Beweisen endet
Dann haben wir uns letztes Mal mit der Frage beschäftigt: Was mache ich, wenn jemand zu mir kommt und sagt: Du kannst doch Gott nicht beweisen?
Und ich habe euch gesagt: Wenn dieser Punkt kommt, also: Du kannst doch Gott gar nicht beweisen, dann können wir zwei Sachen sagen. Zum einen können wir sagen: Stimmt. Wenn Gott Gott ist, dann kann man mit ihm keine Experimente machen. Gott ist nicht so eine Laborratte, die ich in irgendein Labyrinth einsperre und dann schaue, wie sie sich verhält. Das wird nicht gehen. Wenn Gott Gott ist, dann bleibt er für uns in letzter Konsequenz unbeweisbar.
Auf der anderen Seite stimmt das nicht. Also: Es stimmt und stimmt nicht. Denn es gibt gute Beweise, gute Belege für Gottes Existenz. Und ihr erinnert euch hoffentlich an die Palme, wo ich am Ende sagte: Wir wollen Atheisten auf die Palme bringen. Und Palme steht für P-A-L-M-E. Fünf Gründe dafür, warum ich grundsätzlich an etwas Höheres glaube, genau genommen an einen persönlichen Schöpfergott, der immateriell ist, der unveränderlich ist, enorm mächtig, der keinen Anfang und keine Ursache hat und über Raum und Zeit steht.
Und diese fünf Dinge, P-A-L-M-E: P steht für Prägung. Also ich schaue mich selber an, ich stelle fest: Ich habe ein Gewissen, ich habe die Fähigkeit, Übersinnliches zu erspüren. So wie du das gebetet hast, ja. Du siehst den Sternenhimmel und denkst: Wow! Da wird eine Seite in mir zum Klingen gebracht. Einfach schön. Ich habe eine Sehnsucht nach Begegnung mit Gott, nach Vergebung, nach Unsterblichkeit. Und so glaube ich, dass der Mensch für die Begegnung mit Gott gemacht ist, wie mein TDI-Motor für die Begegnung mit Dieselkraftstoff. Da ist irgendetwas. Ich bin darauf geprägt.
A steht für Anfang. Ich habe euch erklärt, wie das Argument geht: Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache. Nichts ploppt einfach so in sein. Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache. Wissenschaft und Logik bezeugen, dass das Universum tatsächlich zu existieren begann. Also hat das Universum eine Ursache, und diese Ursache ist Gott. Wenn ihr mehr wissen wollt, hört euch die Predigt von letzter Woche an.
Ich mache weiter mit L-P-A-L. L steht für Leben. Und ich habe uns versucht, mit hineinzunehmen in die Schönheit und in die Komplexität des Universums. Wisst ihr, wenn ein Thermomix und ein paar Joggingschuhe schon einen Erfinder brauchen, wie viel mehr das Universum.
Und dann Moral. Wenn Gott nicht existiert, wenn wir nur Tiere sind, existieren auch keine moralischen, objektiven moralischen Werte und Pflichten. Wir wissen aber, dass objektive moralische Werte und Pflichten existieren. Es gibt einfach ein paar Sachen, wo jeder sagt: Nein, das ist nicht in Ordnung. Und deswegen braucht es einen Bezugsmassstab, und der ist Gott.
Und dann kommt bei der Palme am Ende das E. Und E finde ich persönlich fast am stärksten. Ich weiss, es kommt am schwächsten daher, aber es ist ein super cooles Argument, nämlich Erfahrung. Ich habe Gott erlebt. Ich bin mit meinen Gefühlen wie Ehrfurcht und Bewunderung für das Göttliche nicht allein. Hardcore-Atheisten, ich habe nochmal nachgeschaut, Hardcore-Atheisten sind die absolute Ausnahme. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gibt ihren Anteil an der Menschheit mit gerade mal zwei Prozent an. Also echte Atheisten, die sagen: Gott gibt es nicht, gerade mal zwei Prozent. Wenn ich jetzt noch die Nichtreligiösen dazunehme, komme ich auf zwölf Prozent.
Ich darf wirklich meine Erfahrung als etwas sehen, was ich teile mit ganz vielen Menschen. Und das ist ein Argument dafür, dass da etwas ist.
Noch ein Nachschlag, der mir wichtig war: Selbst wenn es keine Beweise für die Existenz Gottes gäbe, wäre das noch kein Beweis für seine Nichtexistenz. Logisch, oder? Ein Verdächtiger kann auch dann der Mörder sein, wenn es keine Beweise gibt. Das muss man einfach nur mal verstanden haben. Aber zu sagen: Ich habe da nichts, heisst noch lange nicht, dass Gott nicht Gott ist.
Um die Existenz Gottes wirklich ausschliessen zu können, braucht der Atheist mehr als das Nichtvorhandensein von Belegen für die Existenz Gottes. Er bräuchte eigentlich ein gutes Argument dafür, dass Gott nicht existiert. Und wenn wir uns dem nähern, werdet ihr feststellen, es kommt eigentlich immer nur eins.
Also, es gibt da noch so ein paar Fuzzelargumente, die kommen hinten nach, die machen wir später mal. Aber eigentlich steht im Zentrum ein Argument, und dieses eine Argument hat zu tun mit dem Thema Leid oder generell mit dem Thema das Böse in der Welt.
Warum Leid nicht einfach gegen Gott spricht
Ich glaube, das ist nicht nur für ungläubige Leute schnell ein Thema, sondern auch für Gläubige. Das Problem selbst ist nicht zuerst ein intellektuelles, sondern, wie ich behaupte, ein emotionales.
Der Unglaube will mit einem Gott nichts zu tun haben, der zulässt, dass mir oder anderen etwas Schreckliches widerfährt. So, ich mache jetzt Folgendes: Ich gehe ein bisschen durch diese intellektuelle Verteidigung, und am Ende sage ich euch, dass ihr das alles nicht braucht. Und dann machen wir noch so zwei, drei Nachschläge, die ihr wirklich braucht.
Wenn das Problem des Leids ein rein intellektuelles wäre, könnte man das mit einem einzigen Satz widerlegen. Den könntet ihr euch merken. Und der Satz lautet: Warst du schon mal beim Zahnarzt, und hat der gebohrt? Mit diesem Satz könnte man das komplette Intellektuelle hinter dem Argument des Leids sofort widerlegen, weil wir aus eigener Erfahrung im Umgang mit einem Zahnarzt wissen, dass der Zahnarzt es gleichzeitig gut mit mir meint und mir trotzdem Leid zufügt.
Also dieses „Wo Leid ist, bleibt kein Raum für einen guten Gott“ ist intellektuell schon mit unseren eigenen Erfahrungen sofort ausschließbar. Da hast du schon mal beim Zahnarzt, ja? Hat der gebohrt, ja? War das gut, ja? Hat es weh getan, ja? Siehste, also eigentlich ganz, ganz simpel.
Auf rein logischer Ebene gibt es keinen Grund anzunehmen, dass Gott nicht wie ein allmächtiger, absolut guter Zahnarzt in der Welt genau die Menge und auch die Qualität von Leid zulässt, um so viel Gutes zu schaffen, wie in dieser Welt überhaupt nur möglich ist. Logisch gibt es keinen Grund, das irgendwie nicht zu glauben.
Ich als Christ behaupte: Gott hätte keine andere Welt schaffen können, in der so viel Gutes geschieht wie in dieser Welt, in der ich jetzt lebe, aber mit weniger Leid. Und Gott hat Gründe dafür, Leid zuzulassen.
Wenn ein Atheist dagegen argumentieren will, ist das nicht einfach mehr. Dann tut er das meistens, weil er unausgesprochen im Hinterkopf zwei Annahmen hat, die er in seine Argumentation einfließen lässt.
Annahme eins: Wenn Gott allmächtig ist, kann er jede ihm beliebige Welt schaffen, also auch eine, die genauso ist wie unsere, nur ohne Leid. Das ist so eine Voraussetzung, die der Atheist oft mitlaufen lässt.
Und zweitens: Wenn Gott alle liebt, wie wir ja behaupten, bevorzugt er eine Welt ohne Leid. Das sind zwei Grundannahmen, die der Atheist immer im Kopf irgendwie hat. Und beide sind falsch.
Grenzen der Allmacht und Missverständnisse über Gottes Liebe
Kommen wir zuerst zu einem Punkt: Wenn Gott allmächtig ist, kann er jede ihm beliebige Welt schaffen. Ist das wahr? Nein, das ist nicht wahr.
Erst einmal klingt es komisch: Wie kann Gott nicht jede beliebige Welt schaffen? Wenn er allmächtig ist, muss er doch in der Lage sein, jede beliebige Welt zu schaffen. Dahinter steckt Folgendes: Gott kann keine Welt schaffen, in der das logisch Unmögliche möglich ist.
Wenn du dir also eine Welt ausdenkst, in der du sagst: Ich hätte gerne eine Welt, in der alle Quadrate rund sind, dann ist das für Gott, weil es logisch unmöglich ist, ebenfalls unmöglich. Nur weil man vor einen Satz „Gott“ schreibt, heißt das noch nicht, dass der Satz Sinn ergibt.
In dem Moment, in dem Gott schafft, unterwirft er sich der Logik des Systems, in dem er unterwegs ist. Und wenn es dort Quadrate und Kreise gibt, dann ist es eben entweder das eine oder das andere. Und wenn Gott sagt: Ich möchte eine Welt schaffen, in der es einen Menschen gibt, und ich möchte, dass dieser Mensch mehr ist als ein Roboter oder ein Tier und einen freien Willen hat, dann ist es logisch unmöglich, dass Gott ihn dazu bringt, freiwillig etwas zu tun. Versteht ihr: Das schließt sich einfach aus. Wie ein verheirateter Junggeselle. Das geht einfach nicht.
Und weil es diese logischen Unmöglichkeiten gibt, heißt das auch, dass ein Gott, der allmächtig ist, das logisch Unmögliche nicht tun kann. Und deswegen geht es nicht, einfach zu sagen: Na ja, dann kann er doch bestimmt so eine Welt machen. Nein, das kann er nicht.
Es ist logisch unmöglich, eine solche Welt zu schaffen, die wie unsere aussieht, also quasi alle Qualitäten hat, die unsere hat, aber dann ohne Leid wäre.
Aber wenigstens das Zweite stimmt doch, oder? Wenn Gott alle liebt, bevorzugt er eine Welt ohne Leid. Nein, das stimmt auch nicht. Er tut es ja faktisch nicht, und trotzdem liebt er die Menschen. Der Zahnarzt hat gute Gründe dafür. Er hat gute Gründe dafür, warum er in dieser Welt Leid zulässt.
Drei Antworten auf die Frage nach dem Sinn von Leid
So, das ist jetzt logisch. Kann man sagen: Okay, jetzt habe ich verstanden. Wenn jemand sagt: Das ist so ein Zahnarzt-Beispiel, ja, habe ich irgendwie, ja, es befriedigt nicht wirklich, oder? Es ist nicht wirklich hilfreich.
Also, wenn du das jemandem sagst, Zahnarzt, ja, es ist irgendwie, du kannst ihn argumentativ an die Wand spielen, aber es ist nicht wirklich hilfreich. Er wird sich mindestens auf folgende Position zurückziehen. Okay, er wird vielleicht sagen: Wenn das Leid in der Welt die Existenz Gottes nicht widerlegt, macht es dann seine Existenz nicht wenigstens höchst unwahrscheinlich? Erscheint so viel Leid, wie wir es Tag für Tag über die Medien mitbekommen, nicht komplett sinnlos und unnötig? Bestimmt kann Gott, wenn es ihn gibt, das Leid in der Welt wenigstens reduzieren. Was sagen wir dazu?
Drei Dinge. Ich glaube, das ist dichter an dem dran, wie man argumentiert. Es gibt zu viel Leid.
Punkt eins: Chaos-Theorie. Was ist Chaos-Theorie? Chaos-Theorie ist die Theorie, dass weit entfernte Ereignisse irgendwie miteinander vernetzt sind. Also da hast du so einen kleinen Falter, der sich irgendwo in Westafrika auf einen Baum setzt und gerade noch mal flattert. Und dieser letzte Flatterer kann dazu führen, dass am anderen Ende der Welt ein Hurrikan entsteht. Das ist Chaos-Theorie.
Chaos-Theorie zeigt, dass man, wenn man sich das Leben anschaut, letzten Endes als Mensch sagen muss: Die Komplexität des Lebens ist für uns endliche Menschen einfach viel, viel, viel zu viel. Also sich hinzustellen und zu sagen: Ich habe den Überblick, um beurteilen zu können, ob weniger Leid drin wäre, würde voraussetzen, dass ich den Überblick habe. Und das ist völliger Nonsens. Es wäre ein absolut sinnloses Unterfangen, wenn wir anfingen, wenn wir uns erlauben würden, Gott dafür zur Rechenschaft zu ziehen, wenn wir dem Gott, der die ganze Geschichte vom Ende her sieht und vom Ende her lenkt, unterstellen, dass wir besser wüssten, was für diese Welt gut ist als er.
Das ist das eine. Es ist eine unfassbare Komplexität. Und wenn der Mensch glaubt, dem gewachsen zu sein, ist das Unsinn.
Das Zweite: Das ist irgendwie total süss. Also, ich mag das in dem Moment, wo der Atheist sagt: Leid ist etwas Schlechtes. Fällt euch auf, wo wir das letzte Woche schon mal hatten? Also der Atheist sagt, es gibt zu viel Leid, und er sagt das, weil Leid etwas Schlechtes ist. Was macht er damit, wenn er das sagt? Was macht er, wenn er sich hinstellt und sagt: Leid ist etwas Schlechtes, davon müsste es weniger geben? Er fällt ein Urteil, und zwar ein moralisches Urteil. Er sagt: Da gibt es etwas Schlechtes, etwas, was nicht sein darf.
Er sagt nicht einfach nur: Na ja, wir leben hier halt einen großen Kreislauf des Lebens, und auf der einen Seite da ist der Blauwal, der macht sein Maul auf und er frisst den Krill, und auf der anderen Seite ist einer, der hat halt so eine Sprengstoffweste um, ja, und der sprengt sich und zwanzig andere in die Luft. Das ist einfach der Zirkel, der Kreislauf des Lebens, versteht ihr? Nein, wir sagen: Das eine ist falsch, und das andere na ja, irgendwie halt, der braucht das halt. Aber wir sagen: Das ist falsch.
Aber in dem Moment, wo der Atheist sagt, es muss weniger Leid geben, trifft er eine moralische Entscheidung. Er bemüht Ethik. Und der Clou ist, dass das Argument, was man heranführt gegen die Existenz Gottes, eigentlich zeigt, dass wir alle moralische Wesen sind, die davon ausgehen, dass es Ethik gibt, und dass wir eigentlich davon ausgehen, dass es einen absolut Guten hinter uns gibt, der uns sagt, was gut und schlecht ist. Eigentlich ist es ein Argument für Gott, wenn man das macht, dass man überhaupt über Leid argumentiert.
Und dann das Dritte: Leid ergibt angesichts der christlichen Lehre mehr Sinn. Oder anders ausgedrückt: Es gibt im Christentum Lehren, die die Wahrscheinlichkeit, dass Leid und Gott, dass die koexistieren, dass die gleichzeitig passieren, es gibt Lehren im Christentum, die das tatsächlich stützen.
Was ist denn die Hauptbestimmung des Menschen, wenn man vom Christentum herkommt? Glücklich zu sein? Nein, die Hauptbestimmung des Menschen ist, Gott kennenzulernen. Auf einer menschlichen Ebene mag Leid komplett sinnlos erscheinen, klar. Wenn es darum geht, dass jeder glücklich ist, macht es keinen Sinn, wenn jemand plötzlich querschnittsgelähmt ist. Aber schon in diesem alten Klassiker von Wilhelm Busch, der die Geschichte erzählt von dem, der da im Bergwerk so einen Brocken in den Rücken bekommt und dann querschnittsgelähmt ist und der sich dann bekehrt, war für den dieses Leid total sinnvoll, weil er auf diesem Weg Gott gefunden hat. Oder wie oft hat Leid uns in eine tiefere Beziehung mit Gott gebracht?
Also wir wissen, dass Leid in dem Sinn nicht nur falsch ist. Oder das Zweite: Wir wundern uns als Christen doch nicht über das Böse und das Leid. Warum eigentlich nicht? Na, weil wir davon ausgehen, dass die Menschheit sich im Moment in Rebellion gegen Gott befindet. Wir warten darauf, dass Gott einmal richtet. Aber bis zu diesem abschließenden Gericht gehört es zu unserem Glauben, dass Gott Leid zulässt, einen Raum lässt, wo Menschen ihre Boshaftigkeit ausleben, anderen Menschen Böses tun. Und gleichzeitig ist da Gnade. Da gibt es die Chance, dass genau diese Menschen Gott finden.
Es passt in unsere Theologie. Ich bin gar nicht überrascht, dass es Leid im Leben gibt. Es ist vielleicht sogar eine Chance, Vergebung zu finden.
Und dann natürlich das Großartige: Leid ist nur dann wirklich ein Problem, wenn du sagst, mit dem Tod ist alles aus. Schau doch mal auf Leid aus einer Ewigkeitsperspektive. Und ich hatte jetzt nicht dieses super Beispiel von Francis Chan, der Ewigkeit darstellt, indem er so ein ewig langes Seil nimmt, ja, und dann hat er vorne so zehn Zentimeter, die sind rot angemalt, und er sagt: Ja, das ist dein Leben, ja. Und dann geht er diesen Feuerwehrschlauch einmal durch, ja, und sagt so: Und das ist die Ewigkeit.
Und unser Glaube ist doch, dass wenn wir Leben betrachten, wir nie nur das betrachten dürfen bis zum Tod, sondern dass wir sagen müssen, auch die Leidfrage muss von der Ewigkeit her bedacht werden. Und Gott sagt: Das, was ihr hier leidet, ich werde euch dafür entschädigen. Vor euch liegt himmlische Freude, eine göttliche Wiedergutmachung.
Paulus bringt das so auf den Punkt. Der sagt: Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Bis dir Gott heute zu kennen, ist so ein gewaltiges Geschenk. Und dann noch einen Schritt weiter in die Ewigkeit zu gehen und diesem Gott zu begegnen, der sagt: Was hast du hier durchgemacht? Lass mich deine Tränen abwischen, lass mich dir begegnen, und lass mich dich beschenken. Du hast einen guten Job gemacht. Und dann eine Ewigkeit lang den Segen Gottes zu genießen.
Das ist eine Perspektive auf Leid, die irgendwie lebbar ist.
Wenn das Leid persönlich wird
Also war die Frage: Ist Gottes Existenz unwahrscheinlich aufgrund des vielen Leids? Wenn dieses Argument kommt, dann muss eigentlich der Atheist beweisen. Es ist ja ein Beweis für die Nichtexistenz Gottes.
Vielleicht ist es gut, an der Stelle zu sagen: Oft habe ich in Gesprächen den Eindruck, dass Christen viel zu oft beweisen wollen, wo eigentlich der Atheist beweisen müsste. Dass sich Leid und Gott nicht vertragen, das musst du eigentlich gar nicht beweisen. Du musst nur sagen: Ich sehe das wie beim Zahnarzt. Da vertragen sich Leid und das Gute sehr gut bei jedem Zahnarztbesuch, und ich denke, dass das bei Gott genauso ist. Und jetzt müsste eigentlich der Atheist kommen und sagen: Nein, das geht nicht.
Also lasst euch da nicht immer so die Beweislast aufhalsen. Tritt einfach ein Stück zurück und sag: Du, ich habe doch ein gutes Argument. Du musst jetzt zeigen, dass das nicht geht.
Wenn das so ist, es gibt zu viel Leid, dann: eins, zwei, drei. Der erste Punkt ist eben dieser: Du kannst so ein Urteil gar nicht fällen, das ist viel zu komplex. Der zweite: Du fällst gerade ein moralisches Urteil. Wer ist eigentlich der Gott, der dafür zuständig ist, dass du dieses moralische Urteil fällen darfst? Und drittens: Weißt du, ich bin Christ. In meinem Glauben an Gott hat Leid einen festen Platz, und wir können uns gerne darüber unterhalten. Das ist nicht schlimm für mich. Leid gehört dazu, und ich kann dir ein paar Sachen erklären, wenn du das möchtest.
Ich hatte am Anfang gesagt: Logisch ist Leid kein Problem. Du merkst dir einfach den Zahnarzt. Der meint es gut mit mir und bohrt trotzdem. Das Gute und das Leid sind kein Widerspruch. Und trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit, weil Leid eine super emotionale Seite hat. Und deswegen glaube ich, dass, wann immer das Argument so richtig mit Wucht kommt: Wie kann Gott Leid zulassen?, im Hintergrund nicht Logik steht, nicht Intellekt, sondern entweder hat jemand persönlich Leid erfahren, oder es ist gerade ganz schlimm in seinem engsten Umfeld, oder aber es ist einfach diese Erfahrung mit Nachrichten schauen. Du schaust Nachrichten und du gewinnst so langsam den Eindruck: Hier ist doch etwas völlig faul. Und das geht doch irgendwie so nicht.
Für euch als Christen ist es wichtig, dass ihr einmal diese intellektuelle Seite durchdenkt, damit ihr auch dann, wenn ihr Nachrichten seht, nicht irre werdet an dieser Welt. Aber wenn ihr jetzt auf jemanden trefft, der persönliches Leid erfahren hat, wenn du merkst, das ist der Grund, warum er Gott ablehnt, dann möchte ich dich bitten, dass du nicht anfängst mit dem Zahnarzt. Nicht intellektuell.
Was du machst, wenn jemand persönliches Leid erfährt, das ist Römer 12,15: „Freut euch mit denen, die sich freuen, weint mit den Weinenden.“ Du brauchst kein intellektuell-apologetisches Gespräch mit jemandem, der heult. Der braucht eine Sache: Der braucht deinen Arm um seine Schulter, und der muss wissen, da ist einer, der kommt zu mir, der ist da. Er ist mein Freund, der trägt das Leid.
Wisst ihr, Jesus hat die Leidfrage gelöst. Er hat sie gelöst, indem er selber gelitten hat und gestorben ist. Jesus hat die Leidenden geliebt, und wir sollen in derselben Situation einfach dasselbe tun. Nimm ihn in den Arm, geh für ihn einkaufen, hör zu. Das beste apologetische Argument auf persönliches Leid ist Liebe. Du hilfst niemandem sonst mit irgendeiner noch so klugen Antwort.
Und ich würde sogar so weit gehen: Wenn wir anfangen, einander zu erklären, warum der andere leidet, beißt dir tendenziell einmal mehr auf die Zunge. Es mag mal ein oder zwei Gründe in der Bibel geben, ja, das wäre Dummheit oder Strafe für Sünde, dass man sagen kann, deswegen leidet jemand. Aber das zu sehen und das zu beurteilen, da bin ich ganz, ganz skeptisch. Das ist persönliche Erfahrung.
Wie man auf das Leid der Welt reagiert
Was mache ich, wenn jemand den Zustand der Welt wahrnimmt? Da hört man die Nachrichten: Der Regenwald wird irgendwie zerstört, die Drogenkartelle bekommen immer mehr Macht, Kinderprostitution in Thailand. Leute hören das jeden Tag, und irgendwie werden sie damit einfach nicht fertig. Und dann schieben sie das auf irgendjemanden, den sie in die Schuld schieben müssen.
Was mache ich, wenn mich jemand mit so etwas konfrontiert? Und ich bin auf Flo’s Ergänzung schon gespannt. Ich bringe drei Dinge.
Punkt eins: Check doch mal, ob seine Betroffenheit echt ist. Also wenn jemand sagt: Ich bin ja so betroffen, und das kann doch gar nicht sein, frag ihn doch mal: Was machst du eigentlich, um das Leid auf dieser Welt zu minimieren? Und vielleicht sagt er dann: Ich kaufe, was weiß ich, Biofleisch und keine billigen T-Shirts. Okay, gut. Warum machst du nicht mehr? Wenn dir das wirklich so ein Anliegen ist, dann gibt es doch bestimmt noch mehr Möglichkeiten, was du machen könntest. Schau mal, ich habe da so eine Patenschaft für ein Kind in der Dritten Welt, kostet 20 Euro im Monat, wäre das hier auch noch drin?
Ich sage das deshalb, weil ich glaube, dass wir in einem Land leben, in dem eine Menge Heuchelei unterwegs ist. Wo auf der einen Seite Leute, weil sie die Kinderarbeit in Bangladesch nicht unterstützen wollen, in selbstgestrickten Wollpullis herumlaufen und gleichzeitig kein Problem mit Spätabtreibung haben. Und ich denke, wir dürfen Leute einfach darauf hinweisen und sagen: Okay, zeig mir deine Betroffenheit, ich würde gerne mal nachbohren. Wie ernst ist dir das wirklich? Und wie sehr ist das alles nur so eine Schutzbehauptung, damit du dich gar nicht erst mit diesem ganzen religiösen Zeugs beschäftigen musst?
Vielleicht geht das sogar tiefer.
Zweite Frage: Sag mal, woher glaubst du eigentlich, dass das ganze Leid kommt? Wenn er das Leid sieht, wo kommt das eigentlich her? Und wenn er ehrlich ist, muss er zugeben: Na ja, irgendwie steckt das im Menschen drin. Und dann können wir darüber reden, wie leicht es uns fällt, das Böse zu tun. Ja, wie man Kindern ... Ich muss ihnen das Lügen nicht beibringen, das ist total gruselig, ich muss es ihnen nicht beibringen. Höflichkeit! Da gibt es solche und solche, aber dieses Rumzicken, Rumnerven, im falschen Moment rumkrakeelen, das geht alles von alleine. Also läuft einfach.
Woher kommt das? Irgendwie steckt da was drin, da läuft was schief in unserer Seele, dass unsere Seele so automatisch so gerne Dinge tut, wo man sagt: Boah, ey.
Und dann gehe ich einen Schritt weiter: Wie gehst du denn mit dem um? Du bist ja so gegen das Leid. Wie gehst du denn damit um, dass du Leid produzierst? Du hast doch bestimmt auch schon mal jemandem wehgetan, oder? Du hast doch bestimmt auch schon mal eine Beziehung geschrottet, ja. Du hast doch vielleicht auch schon jemandem was geklaut. Wie gehst du denn damit um?
Leid im Großen ist doch eigentlich erst mal so eine Sammlung von vielen Einzelschicksalen. Wie wirkt sich denn deine Betroffenheit über das weltweite Leid in deinem Leben konkret aus?
Ihr merkt schon, das ist so dicht. Wenn du auf der Ebene bist, das ist so eine ganz persönliche Ebene, wo Menschen sehr schnell dann sagen: Da möchte ich jetzt aber nicht mehr weiter darüber nachdenken, warum meine letzte Beziehung den Bach runtergegangen ist, weißt du, ganz ehrlich, ja? Nee, komm, lass uns über etwas anderes reden. So wie die Frau am Jakobsbrunnen, als Jesus sagte: Hol doch mal deinen Mann. Und sie sagte: Hab gar keinen. Stimmt, du hast ein paar mehr schon gehabt, und mit dem, den du jetzt gerade lebst, mit dem bist du nicht verheiratet. Was macht sie dann? Ach, du bist ein Prophet, lass uns das Thema wechseln, lass uns über Propheten reden. Das kann euch an der Stelle auch passieren.
Letzte Frage: Und das ist toll, wenn jemand wirklich sagt, Leid ist mein Thema. Erzähl ihm davon, wie du mit Leid umgehst, wie du im Leid Gott begegnet bist, wie er dich durchgetragen hat, wie er dich gestärkt hat, wie er Leid erträglich gemacht hat, wie wichtig es ist, eine Hoffnung über diese von Leid und Tod und Krankheit gezeichnete Welt hinaus zu haben. Sei ehrlich. Sag doch mal, wie du anderen geschadet hast, wie du selber Leid verursacht hast, wie du selber Schuld auf dich geladen hast. Und weißt du was? Dann bringst du die ultimative Waffe ins Spiel.
So, die ultimative Waffe der Apologetik ist deine Geschichte. Warum? Niemand kann dir widersprechen. Bring deine Geschichte und zeig, wie in deinem Leben nicht Leid und Schuld, sondern Gottesliebe das letzte Wort behalten haben. Erzähl deine Geschichte, und erzähl sie so, dass er merkt: Die einzige Lösung für das Leidproblem ist Gott selbst.
Wir sind fertig, denn wie man seine Geschichte erzählt, wie man ein persönliches Zeugnis gibt, das schauen wir uns im vierten Teil dieser Reihe an. Die gibt es aber erst im April. Also wir machen jetzt eine kleine Pause mit dieser Reihe. Ihr versucht erst mal, das festzuhalten und zu festigen, was ihr schon gelernt habt. Und dann dieses persönliche Zeugnis, wie man das gut macht, das schauen wir uns im April an.
Gut, dann bete ich jetzt. Alle Kinder sind noch mal leise, und alle Erwachsenen auch.
Vater im Himmel, wir wollen dir dafür danken, dass du uns in eine Welt hineingestellt hast, in der Leid eine Realität ist, aber dass du uns mit diesem Leid nicht alleine lässt. Und wir wollen Menschen werden, die es schaffen, Antworten zu haben für die, die an diesem Problem zerbrechen. Herr, wir brauchen diese Antworten für uns selber, und wir brauchen sie im Gespräch.
Ich möchte dich bitten, dass du uns fit machst, dass du uns selber das schenkst, das Thema so weit zu durchdenken, dass uns die Leitfrage keine Angst mehr bereitet im Blick auf unseren Glauben und dass wir in der Lage sind, unseren Kindern zu erklären, wie das mit der Leitfrage ist, und dass wir hilfreich werden für jeden, der wirklich ins Leid hineinkommt.
Vater im Himmel, vor allem möchte ich dich darum bitten, dass du Gnade dazu gibst, dass wir denen, die leiden, treue Begleiter sind, dass wir Lastenträger sind, dass wir Menschen sind, die andere Menschen in Not so sehr lieben, wie du sie liebst. Amen!
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