Zum Inhalt

Es pressiert

Jesaja 62,608.12.1985
Warum bleibt Gott so oft auf Abstand? Advent heißt: nicht abwarten, sondern ihn im Gebet drängen, bis er dein Leben wirklich neu macht.

Der Ruf nach Gottes Eingreifen

 Jesaja 62, da fahren wir fort, wo wir das letzte Mal aufgehört haben. Jesaja 62, die Verse 6 und 7:
O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden.
Es pressiert. Das gehört so zur Adventszeit, wie es bei euch Hausfrauen so oft ist: noch so viel zu erledigen, noch viel fertigzumachen. Aber wenn es pressiert, dann wird es immer gefährlich. Kennen Sie das? Ich habe bei mir eine große Erinnerung an meine Türe angebracht, in meinem Amtszimmer. Ich saß einmal ganz gemütlich an meinem Schreibtisch und war froh über einen richtig ruhigen Samstagmorgen, und dann klingelt das Telefon.
„Warum kommen Sie nicht? Wer sind Sie?“ Ja, wir sitzen da, es war oberhalb Esslingen, und warten auf die Trauung. Da saß die festliche Gesellschaft, übrigens: Die Brautpaare, die anwesend sind, sollen wissen, dass der Schock noch bis heute bei mir nachwirkt und dass also nichts mehr passieren kann. Aber ich bin dann aufgestanden, und meine Frau hat gerade draußen den Flur geputzt. Ich sah schnell den schwarzen Anzug her, und schon flog ich durch die große Glastüre, mitten durch.
Ich habe dann gedacht: Weil es bei mir manchmal pressiert, ist es besser, ich mache gar kein Glas mehr rein, sondern Sperrholz. Und das erinnert mich daran, dass man aufpassen muss, wenn es pressiert, da gehen die Dinge daneben. Und die saßen dort oben eine Dreiviertelstunde und haben ein Lied um das andere gesungen, statt dass sie noch mal fünf Minuten hinausgegangen wären. Es war eine auswärtige Trauung, die hier auch nicht abgekündigt wurde, darum habe ich sie gar nicht mehr im Kopf gehabt.
Aber wenn es pressiert, ist es schwierig. Und darum sagen wir: Es sollte doch eigentlich überhaupt wenig pressieren. Aber da steht es: Wir sollten ein wenig Dampf machen, wir sollten ein wenig Tempo vorlegen. Dabei geht es nicht um äußere Vorbereitungen des Festes, das vor uns liegt, sondern wir sollten Gott drängen. Wir sollten bei Gott Tempo machen. Wir sollten zur Eile aufrufen. Wir sollten uns sputen, dass Gott endlich doch seine großen Verheißungen einlöst bei uns, dass das geschieht, was er versprochen hat. Und das ist gut so.
Da wollte ich, dass wir an der richtigen Stelle Tempo machen und sagen: Ja, Herr, wir möchten, dass das jetzt bei uns sich ereignet, dass diese Adventstage bei uns jetzt zu einer wirklichen Veränderung führen. Es pressiert.
Das Erste, was hier steht: Gott will erinnert sein, die den Herrn erinnern, in Vers 6. Das berührt uns schon komisch. Soll man denn Gott erinnern? Ist vielleicht Gott vergesslich, so wie ich so plötzlich Termine vergesse? Sie wissen doch, wie das ist mit der Vergesslichkeit: Da macht man sich so einen Knoten ins Taschenbuch, dann weiß ich auch nicht mehr, was das war. War das wegen Päckchen oder in Patentochter oder war das ein Besuch oder was war das jetzt?
Wir vergessen das so schnell. Vergisst denn eigentlich Gott auch so schnell die Dinge, so wie man den Schirm so oft liegen lässt, irgendwo stehen lässt? Ich hatte eine Tante, die hat bei der Versteigerung bei der Stuttgarter Straßenbahn immer die Schirme im Dutzend erworben, weil sie im Laufe der nächsten Monate wieder so viel stehen ließ. So vergesslich sind wir. Dann sagen wir: Dann nehmen wir gleich zwölf mit, dann hält es wieder eine Zeit. Und wie man denn der gedankenlose Professor seinen zerbeulten Hut im Taxi liegen lässt, weil er einfach nicht mehr dran dachte, soll man den Gott erinnern?
Vergisst denn Gott diese Sachen, dass sie ihm einfach aus dem Gedächtnis rutschen? Wir müssen Gott erinnern, das ist doch beleidigend. Das ist doch wirklich so, dass man sagen muss: Das ist blasphemisch, gotteslästerlich. Soll man Gott erinnern? Ist denn Gott vergesslich?
Es sollen Leute freigestellt werden, die auf den Mauern Jerusalems stehen, die auf den Mauern und Gott erinnern sollen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen, sondern Gott daran erinnern. Einige von Ihnen waren ja mit dabei, als wir auf dem alten deutschen Friedhof am Zionsberg in Jerusalem waren und die alten Gräber der christlichen Pioniere des letzten Jahrhunderts dort besuchten, die ja lange vor der Einwanderung der ersten Rückkehrerjuden im Rahmen des Zionismus dort unten ein Mahnzeichen aufrichten wollten. Und bei dem ersten anglikanischen Bischof Alexander steht auf dem Grabstein: „O Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern stellen“ 1832.
Da waren dort unten bibelgläubige Christen, die gesagt haben: Jerusalem muss wieder gebaut werden, und das Volk Israel wird zurückkehren. Die haben biblische Zusammenhänge geahnt. Aber ich möchte es nicht nur auf die Wiederherstellung Jerusalems jetzt so deuten, sondern ich möchte es so deuten, dass wir wie damals die Leute auf den Mauern stehen sollen. Leute freistellen sollen, die Gott erinnern und sagen: Jetzt mach doch das wahr, du hast uns so viele großartige Adventsverheißungen gegeben. Löse sie ein, mach sie wahr, erfüll sie heute.

Gott will nicht vergessen werden

Ja, aber wie ist das mit dem Erinnern denn wirklich? Ich muss das erklären. Es ist ja nicht so, dass Gott seine Heilspläne ablaufen lässt wie den Countdown eines Raketenstarts. Man meint immer, das sei so fest programmiert, und immer wieder merke ich, wie viele Leute ganz falsche Vorstellungen von den göttlichen Plänen haben. Sie meinen, wenn Gott Dinge geordnet hat, dann sei das gleichsam ganz fest vorherbestimmt. Das ist ja gar nicht so.
Gott brennt, tatsächlich, Gott brennt in Liebe. Und er will, er will sich dieser Welt erbarmen. Er möchte sein Heil aller Welt offenbaren. Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, wie es Gott drängt. Sie können das mit Worten gar nicht beschreiben. Das zerreißt hier Gott, weil er das alles doch endlich in diese Welt hineingeben will.
Aber Gott hat eine Art, sich niemandem aufzudrängen, und genau das ist der springende Punkt. Das ist nobel, das ist höflich, genauso wie er uns unsere eigensinnige und starrköpfige Freiheit lässt. So brennt Gott darauf, unser Leben zu verändern und neu zu gestalten, dass das Heil bei uns anbreche. Aber Gott steht nur ganz zart da und klopft ganz leise. Manchmal ist es so, dass Gott nicht einmal klopfen will, weil er jeden Eindruck vermeiden will, als ob er uns mit seiner Autorität erschlage. Er kommt ja liebend zu uns, sendet seinen Sohn als Bruder, der um uns wirkt, mit gütigen Worten der Liebe. Er steht gleichsam nur vor der Tür und wartet, ob er eintreten darf in unser Leben.
Und darum sagt hier Jesaja: Das ist so groß, wenn da plötzlich Leute sind, die Gott nun auffordern und drängen und sagen: Komm doch, bleib doch nicht so schüchtern vor der Türe stehen, tritt doch ein in unser Leben, mach deine Pläne wach, komm! Ich habe es Ihnen immer wieder erzählt, wie früher zur Zeit, als es noch eine Klassengesellschaft bei uns gab, da oben bei den Grafen und Fürsten es den Dienern nie erlaubt war, an eine Türe zu klopfen. Sie haben nur mit der Spitze ihres Schuhs ein wenig auf den Boden gekratzt. Und Zinzendorf hat gemeint, so zart sei das Werben Jesu um einen Menschen. Der kam ja aus diesen Kreisen, so ganz zurückhaltend, vornehm, distanziert. Da muss man genau hinhören, und dann muss man laut rufen: Ja, komm, Herr Jesus, komm bald und bring deine ganze Freude mit!
Die Boten, die auf den Mauern Jerusalems stehen, ein großartiges Bild, das wir in diesen Adventstagen wieder in unserem Kopf haben sollten und an das wir uns erinnern sollten. Wir sollten solche Boten sein, die in diesen Tagen sagen: Es pressiert Gott. Die Welt wird immer heilloser. Es geschieht so viel Schreckliches da. Es sind so viele leidende und traurige Leute. Jetzt komm doch, Beter, Beter, die Gott erinnern: Deine Verheißungen gelten. Mach sie wahr!

Das Gebet als Weg des Drängens

Da lese ich in der Bibel viel von den Betern, die Gottes Pläne entscheidend beeinflusst haben. Es ist ja wirklich so, dass wir viel vom Beten reden, aber wenig das Beten praktizieren. Ich weiss nicht, wie viel Zeit sie sich zum Gebet nehmen.
All das, was Sie heute bedrängt, kann sich nur lösen, wenn Gott Ihnen die Tür aufschliesst. Sie können durch diese verrammelte Tür nicht durch, wenn Gott Ihnen nicht die Tür aufmacht, und es kann nur aus dem Gebet geschehen.
Da dachte ich an diese Geschichte, als einst die Israeliten in der Wüste mit den Amalekitern zu kämpfen hatten. Dann hat sich Mose oben auf den Berg gestellt und die Hände erhoben zum Gebet. Schliesslich wurde er müde, sehr verständlich. Als er die Hände sinken liess, wich Israel zurück. Als er die Hände wieder zum Gebet erhob, da konnte Israel auf einmal wieder kräftig vorwärtsdringen.
Dann kamen zwei Freunde und haben Mose die Arme gestützt, damit er beten kann. Ist das wirklich so, dass man Gottes Eingreifen durch das Gebet bewegen kann? Natürlich, das steht überall in der Bibel drin.
Im Propheten Sacharja steht etwas Interessantes. Da wird ein Blick gegeben in den göttlichen Thronsaal, in die Ewigkeit. Und da sitzt Gott auf seinem Thron, und dann kommen plötzlich Boten, Engelsboten, herein und melden: Auf dieser Welt ist alles still, nichts geschieht. Es geschieht nichts, dass Menschen zur Busse kommen, umkehren, dass sie Gott herbeirufen.
Und da hat Gott deshalb, weil er seine Heilspläne, seine Verheissungen so ernst nimmt, Wächter und Mahner neben den Thron hingestellt. Da ruft ein Chor von Mahnern, so steht es im Sacharja: Gott, wie lange willst du stillhalten? Jetzt pressiert es, jetzt musst du dich erbarmen.
Und ganz ähnlich sagt es Jesus, dass er der Anwalt sei vor dem Thron Gottes, der bei Gott für uns eintritt und doch bei Gott nur sagt: Jetzt muss das geschehen.
Wenn all das auf der Seite Gottes so vorbereitet ist, dann gibt es wirklich nur einen Punkt, der das alles bremst und lähmt. Das ist unser Ja, unser williges Ja.
Vielleicht sind Sie alle jetzt gehetzt in diesen Adventstagen, vor vielen Vorbereitungen, die Sie haben, und vor all dem, was Sie noch erledigen wollen. Das Wichtigste ist heute: Komm, Heiland Jesus, zu mir und erfülle du deine grossen Pläne. Du willst alles neu machen.
Es gibt so viele Leute, die meinen, Christentum wäre immer, wenn man sein Leben mit der eigenen Willenskraft verändert. Das ist es gar nicht. Sondern es ist so, dass einer einfach sagt: Herr Jesus, ich habe lange genug probiert und bin gescheitert. Jetzt kann ich bloss noch dir das Feld überlassen. Komm und sieh du bei mir ein, und dann bringe du dein Heil mit, deinen Frieden, dein neues Leben. Du kannst mein Herz verwandeln und verändern. Du bist der König und Herr, der mein Leben regiert.

Das entschlossene Ja des Menschen

Das war das Erste mit dem Erinnern: Wir sollen den Herrn erinnern. Das Zweite ist, wir sollten ihn drängen. Im neuen Text heißt es ja, wir sollten uns keine Ruhe gönnen. Wenn jemand von Ihnen die alte Lutherbibel dabei hat, da war es anders ausgedrückt, und das hat etwas für sich: Wir sollten Gott keine Ruhe gönnen.
Es geht noch weiter in dieser ganz aufdringlichen Sprache. Wir sollten Gott drängen und ihm auf die Nerven fallen. Das gehört zu Advent. Wir sollten ihn drängen und sagen: Ja, Herr, wir lesen so viel von der heillosen Welt, jetzt mach doch du deine Reich-Gottes-Geschichte wahr. Dort im Vorderen Orient, wie es die Väter damals im letzten Jahrhundert selbst über den Hügel von Jerusalem ausgesprochen haben und gesagt haben: Auch die Geschichte Israels muss zum göttlichen Ziel zulaufen.
Da, wo dann der Schwabe Konrad Schick das Judenviertel Meascherim gebaut hat, das waren genau die Leute um der Juden willen. Aber da gibt es ja noch eine andere Geschichte: Herr, lass doch über den Völkern Afrikas und Asiens dein Heil geschehen. Lass doch über unserem deutschen Volk deine Heilsgeschichte nicht abbrechen, lass sie über unserer Familiengeschichte jetzt nicht aufhören. Drängen!
Ich verstehe das, dass das da bei der letzten Revision ein wenig geändert wurde. Vielleicht ist das auch immer schwierig zu übersetzen und von zwei Seiten her zu sagen, in der Bibel steht das wirklich drin, dass man Gott drängen darf. Jesus hat so anstößige Beispiele gewählt, dass man sie kaum mehr nacherzählen kann. Da erzählt er von einer Frau, einer Witwe, die Probleme hat mit dem Gericht und mit einem, der ihr dauernd Schwierigkeiten macht. Und dann kommt sie auf ein ganz raffiniertes Mittel: Sie putzt die Klingel bei dem Richter, sie schellt ihn so oft runter, bis er schließlich sagt: Jetzt reicht mir’s.
Und was macht er, weil er ein korrupter Mann ist? Er sagt: Jetzt gebe ich der Frau einfach Recht, bloß dass ich endlich Ruhe kriege. So soll man Gott drängen, der ja kein korrupter Mann ist. Man soll Gott drängen und so bitten, unaufhörlich beten. Jeder will denn Gott von uns so gebeten sein, genau weil es an dieser Stelle nie zur Vollendung der Heilspläne kommt, weil Gott vor der Türe steht und wir ihn nie klar und deutlich in unser Leben hereinbitten.
Es ist ja in unserer evangelischen Kirche ein uralter Streit, ob man wirklich eine persönliche Entscheidung für Jesus Christus braucht. Ja, wie denn sonst? Ohne ein klares Ja können wir doch nicht Christus haben. Natürlich will er alles geben, aber es braucht doch mein entschlossenes Rufen und Sagen: „Komm jetzt in mein Leben!“ Und es erfordert von uns auch ein entschiedenes Handeln, dass wir das Alte wegtun und sagen: „Nicht mehr ich will das, sondern du sollst in meinem Leben regieren.“
Es gibt viele Leute, die in ihrem Leben sehr Schweres ertragen und sagen: Ich möchte mich damit abfinden, dass mein Leben jetzt so schwer läuft. Das ist nicht christlich, sondern sie sollten Gott drängen und sagen: Herr, ich bin traurig, wenn ich diesmal an das Weihnachtsfest denke, weil in meinem Leben viel, viel Schweres liegt. Aber ich will es einmal erleben, dass du mir in diesen Weihnachtstagen viel, viel größer wirst als alles, was mich bedrängt. Ich will deine Wunder erleben und deine Gegenwart und deine Macht. So dürfen sie beten, so sollen sie beten.
Wir können Gott bestimmt nicht vorschreiben, was er tut, und wir wollen nicht so tun, als ob wir sagen könnten, was uns gut ist. Aber da muss ich denken an jene kanaanäische Frau, die damals bei Jesus auch dabei blieb und sagte: Meine Tochter liegt krank. Es ging um eine ganz einfache äußere Not, und Jesus sagt: Hilf dir nicht! Es ist ja manchmal rätselhaft, warum Jesus so handelt, als wenn er es nicht hören würde. Vielleicht will er uns noch herausfordern zu diesem Drängen.
Und die Frau sagt dann: Aber doch, du musst helfen. Und dann sagt Jesus: Ich bin eigentlich bloß für die Juden da, für die Israeliten, du bist Heidin. Hörst du nicht zum auserwählten Volk? Dann sagt die Frau: Aber es gibt manchmal Brosamen, die auch für die Heiden abfallen. Ich will bloß von dir die Brosamen, die von dem Tisch runterfallen, wo die Kinder da oben ein bisschen getrippelt haben beim Essen, und da fällt ab und zu was ab. Ich will von dir nur die Brosamen haben.
Machen Sie es doch so mit ihrem Leben und sagen Sie: Ich möchte Advent erleben. Sitzen so viele da, die ringen mit ihrem belasteten, sündigen, bösen Leben, die werden mit sich selber nicht mehr fertig, und die sind verzweifelt, weil sie spüren, wie immer wieder der Teufel in unserem Leben wüten kann. Und dann lassen sie allen Mut sinken und sagen: Ich komme dagegen gar nicht mehr an gegen die Kräfte in meinem Leben, gegen den Hass und die Leidenschaft meines Lebens.
Drängen Sie doch Jesus, dass er Ihr Leben ganz in Besitz nimmt, und liefern Sie sich ihm aus. Er macht Sie vollkommen rein und nimmt die alte Last weg.

Das Warten auf die Vollendung

Und nun noch ein dritter Punkt: Ungeduldig warten. Lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es zum Lobpreis auf Erden setze!
Gebt euch bitte nicht vorschnell mit halben Lösungen ab. Das kann nie genügen, wenn einer sagt: Ich muss mein Leben eben jetzt noch so fertig leben, das ist verkorkst, und was verkorkst ist, das bleibt so. Das stimmt nicht! Unser Gott hat das Programm aufgestellt, dass sein Heil aller Welt Enden sehen soll.
Es gibt keine Not, die Jesus Christus nicht ganz verändern kann. Und es gibt auch kein zerstörtes Leben mit all den schrecklichen Folgen der Sünde, auch des Streits, des Hasses, der Auseinandersetzung, das Jesus nicht verändert. Wie hat er das Haus eines Zachäus verändert? Wie hat er Menschen neu geformt, Menschen, die nur Bitterkeit und Hass empfanden, zu Menschen gemacht, die Liebe geben?
Ich habe in diesen Tagen von der Erweckungsbewegung in Ruanda gelesen, die ja eng zusammenhängt mit der ostafrikanischen Erweckungsbewegung. Das dicht bevölkerte Land Afrikas, Ruanda im Gebirge, ist durch den schrecklichen Bürgerkrieg 1960 auch von der Erweckung sehr geschädigt worden. Aber wenn man das noch einmal liest, wie das anfing, wie in den Christen plötzlich Leben, Liebe und Verstehen aufkam, wie sie aufeinander zugingen und wie eine Atmosphäre des Verstehens herrschte, weil Jesus Menschen verändert, dann sieht man: Das ist die größte Kraft der Veränderung.
Wir sollten nicht mehr schweigen. Wir sollten als Adventsboten Jesu auf den Mauern stehen und rufen und Gott erinnern, Gott drängen. Aber wir sollten auch nicht mehr schweigen, bis endlich in unserer Welt Gottes Reich durchbricht. Wir sollten uns sehnen, dass in diesen Adventstagen wieder Erweckung geschieht, dass in unserer gottlosen Stadt, in unseren gottlosen Gemeinden und in unserem eigenen gottlosen Leben Gottes Königsherrschaft sichtbar durchbricht. Bis er Jerusalem wieder aufrichtet, die Trümmer wegräumt, die neuen Mauern baut und den neuen Tempel setzt, zum Lobpreis auf Erden.
Vor vielen Jahren war ich einmal auf der Missionsstation Besa, mit der wir ja früher durch die Missionsärzte im Süden Tansanias sehr verbunden waren. Als ich dort zur Missionsstation kam, haben alle gefragt, immer wenn man irgendwo hinkam: Wie weit ist es eigentlich mit der Straße? Da haben Italiener eine Straße gebaut, quer durch den Busch. Das sind 400 Kilometer von der Küste, und wenn man das mit dem Wagen über die Sandpisten fährt, ist das lebensgefährlich und braucht unheimlich viel Zeit. Da sind sie mit den großen Baumaschinen durch den Busch gefahren, haben die Schneisen geschlagen und die Brücken gebaut, die Italiener.
Und jetzt hat das die Leute interessiert: Wie weit ist es? Sind schon die Brücken fertig? Ist schon der Teerbelag drauf? Dann kommt der Tag ganz schnell, wo wir näher an der Heimat dran sind. Dann ist es für uns nicht mehr weit zur Küste, zur Heimkehr, zum Flughafen. Sie fühlten sich vorher so abgeschnitten.
Wenn wir sagen: Wann, Herr, endlich kommst du denn wieder? Das wird uns oft schwer in dieser Welt, wo so viel Böses und Gemeines und Sündiges geschieht, wo der Teufel so triumphiert, auszuhalten. Und wir fragen: Herr, wann kommt denn dein Reich?
Wir freuen uns, wenn wir da oben unsere jungen Leute sehen und merken, dass Jesus in ihr Leben etwas hineingelegt hat, dass er wirkt in den Schülergruppen in unserer Stadt. Aber Herr, mach doch deine Straße fertig, komm doch in unsere Welt hinein und baue dein Königreich! Wir wollen nicht bloß stimmungsvolle Tage haben, wir wollen, dass Gottes Königreich heute anbricht.
Komm bald, Herr Jesus, komm bald wieder, am Ende der Tage. Mach du dem Leiden ein Ende und baue dein neues Reich! Es pressiert, sieh es! Amen!