Serie•Teil 45 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Ein schwieriger Text und die große Linie
Ich freue mich, bei euch zu sein. Wir haben heute in der Tat einen etwas schwierigeren Text. Das sage ich einfach vorneweg, weil ihr vielleicht nach Hause geht und den Eindruck habt: Am Ende habe ich noch gar nicht alles verstanden. Das kann sein. Das geht mir auch so.
Es gibt Texte in der Bibel, da weiß man: Da wird man bis an sein Lebensende einfach dran zu knobeln haben. Und so einen Text haben wir heute vor uns. Und es freut mich immer wieder, wenn ich die Bibel lese, dass auch wenn man bei einem Text vielleicht nicht alles versteht, nicht jedes einzelne Wort genau auslegen kann und vielleicht auch nicht mehr herausbekommt als den roten Faden, dass das schon reicht, um völlig beschenkt nach Hause zu gehen und zu sagen: Boah, das ist eigentlich schon genug, um eine Woche oder zwei oder einen Monat darüber nachzudenken. So einen Text haben wir heute vor uns.
Wir sind in einer Reihe über das Lukasevangelium, das sei den Gästen gesagt. Da sind wir schon länger, seit über vier Jahren. Mein Name ist Jürgen Fischer, und wir wollen uns heute gemeinsam Lukas Kapitel 21, Verse 5-38 anschauen.
Ich lese einfach mal die Verse 5 und 6: Die Jünger stehen in Jerusalem mit dem Herrn Jesus, und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei, sprach er: Diese Dinge, die ihr seht, Tage werden kommen, in denen nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, denn nicht abgebrochen werden wird.
Ich glaube, wir können uns den Schock einfach nicht vorstellen, den so ein Satz für Juden, für Jünger in der damaligen Zeit bedeuten musste. Sie stehen vor einem der imposantesten Bauwerke der Antike, an dem seit eigentlich Jahrhunderten gebaut wird. Gerade die letzten Jahrzehnte waren geprägt von einer immensen Bautätigkeit. Herodes der Große hatte keine Kosten und Mühen gescheut, das, was vorher großartig war, noch großartiger zu machen.
Es war der Inbegriff jüdischer Identität in Stein gegossen. Das stand einfach da. Das konnte man sehen: Wir sind wer. Wir sind zwar am Ende der Welt, relativ klein, aber hier steht ein Monument unserer Macht, ein Monument unseres Wertes, unserer Würde. Gott steht auf unserer Seite, weil dieser Tempel hier steht. Schaut ihn euch an, schaut euch den Tempel an, schaut euch an, wer wir sind.
Und jetzt sagt Jesus über den Tempel: Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben, er wird zerstört werden. Und das musste bei den Juden ganz, ganz schlechte Erinnerungen hervorrufen. Das gab es schon mal, Jahrhunderte vorher, unter dem babylonischen König Nebukadnezar war das schon passiert, dass man den Tempel zerstört hatte, dass man sie als Volk deportiert hatte, dass sie für einen Moment, damals nur von siebzig Jahren, ihre Identität verloren hatten, nicht mehr wussten, was aus uns werden wird.
Und eine ähnliche Prophezeiung gibt Jesus hier. Und ihre Frage ist verständlich: Sie fragten ihn aber und sagten: Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen wird? Wann wird der Tempel zerstört, und kurz bevor das passiert, woran können wir das erkennen? Das ist die Frage, die sie stellen: Wann?
Und Jesus gibt eine Antwort. Und diese Antwort, na ja, die geht eigentlich über die Frage hinaus. Sie stellen die Frage sehr, sehr national, und Jesus beantwortet sie international. Sie können die Zerstörung des Tempels als nationale Katastrophe vielleicht gerade so packen, und Jesus sagt: Das, was ich euch ankündige, die Zerstörung des Tempels, geht eigentlich weit darüber hinaus. Es ist der Anfang eines Gerichts. Es ist der Schatten, den das Endgericht vorauswirft. Es ist der Blick eigentlich nach vorne auf ein Gericht, das nicht nur über ein Volk kommt, das seinen Messias verwirft, sondern über die ganze Welt, wenn der Messias wiederkommt, nicht als Retter, sondern als Richter.
Am Ende unseres Textes, in den Versen 37 und 38, lesen wir: Er lehrte aber des Tages in dem Tempel, und des Nachts ging er hinaus und übernachtete auf dem Berg, der Ölberg genannt wird. Und das ganze Volk kam frühmorgens im Tempel zu ihm, um ihn zu hören.
Mir geht es hier nur um eine Formulierung. Da heißt es, er übernachtete auf dem Berg, der Ölberg genannt wird. Wir kennen diese Formulierung schon. Die fand sich in Lukas Kapitel 19, Vers 29. Da hieß es auch: Und es geschah, als er Betfage und Bethanien nahte gegen den Berg hin, der Ölberg genannt wird.
Es geht mir nur um diese Formulierung: der Berg, der Ölberg genannt wird. Diese Formulierung ist eine Klammer. So hat man in der Antike Sinnzusammenhänge zusammengebunden. Man hat ähnliche Formulierungen an den Anfang und ans Ende gesetzt. Diese Formulierung klammert die dazwischen liegenden Erzähleinheiten zusammen. Und sie bringt uns ein großes Thema nahe.
Und dieses große Thema, mit dem sich der Block zwischen 19,29 und 21,38 beschäftigt, das ist das Kommen des himmlischen Königs aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Jesus ist der König, der kommt. Nach 19,29, am Anfang, kommt er das erste Mal. Er zieht ein als der Retter. Als der König Jerusalems zieht er in die Stadt ein, und die Leute sind begeistert. Und es kommt sofort zu einer Konfrontation mit den bestehenden Institutionen. Er provoziert sie, er redet Gleichnisse über sie, sie versuchen, ihn umzubringen. Das ist der Anfang dieses Blocks: das erste Kommen des Königs.
Was wir uns heute anschauen wollen, das ist das zweite Kommen des Königs, am Ende der Tage. Dann kommt er nicht wie beim ersten Mal als der Retter, der auf ein Kreuz zuläuft, sondern dann kommt er das zweite Mal wieder in Macht und Herrlichkeit als der Richter, vor dem sich alle Menschen verantworten müssen. Dann reitet er nicht in eine Stadt hinein, um an einem Kreuz für unsere Schuld zu bezahlen, begraben zu werden, aufzuerstehen und in den Himmel aufzufahren, um dort zu warten, sondern um von dort wiederzukommen, ein zweites Mal. Dann ist er der, der das Recht hat, Gericht zu üben, weil er, gerade weil er bei seinem ersten Kommen der Retter war, gerade weil er bereit war, ans Kreuz zu gehen, weil er bereit war, ganz unten durchzugehen, deswegen hat er das Recht, wiederzukommen und diese Welt zu richten.
Und dieser Block, den wir betrachten, hat dieses weite Spektrum vom ersten bis zum zweiten Kommen Jesu. Und er führt uns hinein in die Zeit dazwischen. Und das wollen wir uns gemeinsam anschauen.
Bevor ich das sage, vielleicht noch vorneweg so viel: Wenn Jesus hier redet, redet er wie ein alttestamentlicher Prophet. Das macht er manchmal. Er gebraucht Bilder, wo man sagt: Boah, das hört sich irgendwie düster an, aber man kann es nicht so richtig fassen. Stimmt, manchmal ist das einfach schwierig. Und ich lasse die Bilder mal bewusst stehen. Ich könnte mich da ein bisschen drauf einschießen, möchte ich nicht machen. Ich will hier nicht so viele Spekulationen bringen. Ich möchte einfach mit uns fünf Punkte herausarbeiten, die der Text uns zu sagen hat, gleichgültig, wie ihr manche Bilder fasst.
Und der erste Punkt, den Jesus seinen Leuten mitgibt für die Zeit zwischen dem ersten Kommen und dem zweiten Kommen, der erste Punkt findet sich in den Versen 8 und 9, und er heißt: Achtung, Verführer.
Warnung vor falschen Leitfiguren
Jesus sagt in Vers 8: Er aber sprach: Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet. Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin’s, und die Zeit ist nahe gekommen. Geht ihnen nicht nach.
Achtung, Verführer! Egal, wie schlimm die Zeiten werden, und sie werden schlimm werden: Jesus sagt, pass auf, dass du dein Vertrauen nicht auf Menschen setzt. Wenn da irgendeiner auftritt, der dich mit seinem Charisma fangen möchte oder der dich mit seiner Macht, mit seinen Ideen, vielleicht mit seiner Vision einer erneuerten Welt begeistert.
Und nichts anderes tut ein Messias. Ein Messias ist der, dem ich folge, weil er mich inspiriert, weil ich denke, er ist der, für den es sich lohnt zu leben. Und solche Messiasse laufen zu Dutzenden, Hunderten, Tausenden herum. Es sind nicht nur die, die sich hinstellen und so ein bisschen leicht verrückt sagen: Ich bin Jesus. Die gibt es auch.
Aber es sind all diese Lichtgestalten in der Geschichte. Es sind, ich nenne es mal, die großen Philosophen, an die man sich anhängen kann. Es sind die großen Ideologen der rechten und linken Szene. Es sind Leute, die großen Institutionen vorstehen, die vielleicht auch in dieser Welt wirklich etwas bewegt haben, wo du sagst: Boah, hey, das zu Ende gedacht, das zu Ende gelebt, was der gelebt hat, das ist es.
Und Jesus sagt: Pass auf. Geht ihnen nicht nach. Werde nicht ein Anhänger von Menschen. Lass dich nicht auf ihre Gedankenwelt ein. Pass auf.
Und Jesus sagt das, weil es so leicht passiert. Weil es so leicht ist, einem Idol zu folgen und zu sagen: Boah, so wie der das gemacht hat, so möchte ich auch werden. Und da sind ganz nette Typen dabei, wo du sagst: Na, das kann doch nicht schlimm sein.
Und Jesus sagt: Pass auf. Häng dich nicht an Menschen. Häng dich nicht an die, die dich begeistern, die dir irgendwie intellektuell ein Vorbild sind, die etwas erreicht haben in dieser Welt. Häng dich nicht an sie. Pass auf.
So wie wir es gesungen haben, und das Lied hat so schön gepasst, dass in deinem Leben Jesus, Jesus allein alles ist.
Und du wirst in dir diese hässliche Tendenz feststellen, dass dich Menschen leichter begeistern als Jesus. Du wirst diese hässliche Tendenz feststellen, dass Menschen dich schneller prägen als Gott. Das ist grausam.
Und Jesus sagt: Pass auf, dass dir das nicht zum Fallstrick wird.
Erschütterungen, die alles ins Wanken bringen
Und ein zweiter Punkt ist der: Jesus sagt, wenn ich wiederkomme, dann wird diese Zeit meines zweiten Kommens eine Zeit der größten Umwälzungen sein.
Es heißt in Vers 10 und 11, ich lese ab Vers 9:
Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hören werdet, so erschreckt nicht, denn dies muss zuvor geschehen; aber das Ende ist nicht zugleich da. Dann sprach er zu ihnen: Es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden große Erdbeben sein an verschiedenen Orten und Hungersnöte und Seuchen, auch Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.
Und dann die Verse 25 bis 28:
Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen, und auf der Erde Bedrängnis der Nationen, der Heiden, in Ratlosigkeit bei brausendem Meer und Wasserwogen. Ihr merkt, das sind Bilder, ja? Da wird der Himmel erschüttert, da werden Bilder aus der Natur verwendet, um zu sagen, dass alles umgewälzt, alles umgestürzt wird. Während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung nahe ist.
Das, was Jesus hier sagt, ist eigentlich relativ einfach. Er sagt: Bevor er wiederkommt, werden Dinge geschehen, die so furchtbar sind, dass die Menschen geprägt sind von Angst. Dass sie überhaupt nur noch mit Angst in die Zukunft schauen können. Dass alles das, was einmal stabil und sicher erschien, ins Wanken gerät. Worte wie Bedrängnis, Ratlosigkeit und Furcht.
Vielleicht geht es euch manchmal so, dass man, wenn man Zeitung liest, schon in Ratlosigkeit gerät und die Frage aufkommt: Wie reagiere ich denn richtig jetzt in dieser Situation? Jetzt stellt euch vor, wie das mehr und mehr zunehmen wird, wie es eigentlich prägen wird, was auf dieser Erde passiert.
Wenn du davon träumst, dass diese Erde dir einmal Sicherheit gibt und dir Frieden gibt, und dass du hier einmal ankommen wirst, dass es hier einmal Stabilität gibt, dass der Mensch es einmal schaffen wird, diese Welt zum Paradies zu machen, dann enttäuscht uns Jesus an dieser Stelle ganz gewaltig. Er sagt: Bevor ich wiederkomme, wird hier alles drunter und drüber gehen.
Und es kann uns ein Stück Hoffnung geben, wenn wir die Schrecknisse dieser Welt sehen und wenn wir wissen, und das klingt jetzt irgendwie furchtbar, aber es ist einfach die Realität, dass jeder Schritt, den diese Welt ihrem Untergang entgegengeht, ein Schritt hin ist auf die Wiederkunft Jesu. Das ist keine frohe Botschaft, oder? Aber das ist das, was Jesus sagt.
Diese Welt wird sich ein Stückchen selbst umbringen. Wir werden es nicht schaffen. Der Mensch wird es aus sich heraus nicht schaffen. Wenn diese Welt eine Zukunft hat, und die hat sie, dann nicht deshalb, weil wir so klug sind, sondern weil Jesus wiederkommt, um das, was wir kaputt gemacht haben, wieder in Ordnung zu bringen und dann am Ende der Zeit einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.
Aber bis dahin darf uns das hier nicht überraschen. Das Kommen des Messias ist eine Zeit größter Umwälzung.
Ich weiß nicht, wie sehr du dich über diese Welt freust, aber wenn du denkst, wir werden das schon hinkriegen hier, und wir sollen für unsere Stadt beten, wir sollen für unsere Politiker beten, wir sollen uns in dieser Gesellschaft einsetzen, ich bin voll dafür, aber wenn du erwartest, wir kriegen das hin als Menschheit, evolutionär irgendwie, weil wir uns immer weiter entwickeln, vergiss es, es wird nicht passieren.
Die Utopien, die allerorts geträumt werden, sie werden sich in Luft auflösen. Sie werden sich erst als das herausstellen, was sie wirklich sind: Hirngespinste. Hirngespinste von Menschen, die sich nicht kennen, die diese Welt nicht kennen, die Jesus nicht kennen.
Verfolgung, Standhaftigkeit und Gottes genaue Kenntnis
Der dritte Punkt ist auch so ein Punkt, den man ungern hört. Wenn wir auf den Herrn Jesus warten, bis er wiederkommt, dann wird die Zeit unseres Wartens eine Zeit der Verachtung und der Verfolgung der Jünger Jesu sein.
Da heißt es in den Versen 12 bis 19: Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch in die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen. Setzt es nun fest in eurem Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt.
Schöner Satz. Jesus sagt: Wenn du verfolgt wirst, wenn man dich ins Gefängnis steckt, mach dir vorher keine Gedanken darüber, was du vor Gericht sagen wirst. Warum nicht? Denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen oder widerstehen können.
Das ist das, was Jesus uns verheißt. Er sagt: Ihr werdet verfolgt werden, aber mitten in der Verfolgung werde ich euch beistehen. Ich werde euch helfen, in dieser Verfolgung das Richtige zu sagen und die richtigen Gedanken zu haben. Du musst keine Angst haben, dass dir in dem Moment, wo du unter Druck gerätst, nichts einfällt.
Vers 16: Ihr werdet aber sogar von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und sie werden einige von euch töten. Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen.
Ist es gruselig? Ist es gruselig, dass Eltern ihre Kinder verraten, dass unsere engsten Freunde und unsere Verwandten sich gegen uns wenden, weil wir Christen sind? Ist es gruselig? Und Jesus sagt: Das wird passieren.
Wir leben hier in Deutschland in einer absoluten Ausnahmesituation, dass dieses Verachtet- und Verfolgtwerden sich auf ein sehr entspanntes Niveau begeben hat. Wir sind alle so tolerant, dass man sogar die Christen anfängt zu tolerieren. Aber an vielen Orten dieser Welt ist, wenn du da Christ bist, der Spaß vorbei in der Familie. Da bleibt dir oft nichts anderes übrig, als deine Familie zu verlassen und dich zu verstecken.
Im Moment sind die Christen die am meisten verfolgte Religionsgruppe dieser Welt. Das machen wir uns oft nicht klar. Darüber weiß ich mir das. Das mache ich mir auch nur klar, wenn ich bei mir aufs Klo gehe, weil da hängt der Weltverfolgungsindex an der Waschmaschine. Ich bin oft da, insofern ja. Ich dachte mir, es ist einfach wichtig, dass man das vor Augen hat.
Und dann sieht man so die in dunkelrot markierten Länder. Das ist so eine Weltkarte: In dunkelrot sind die Länder, wo es am schlimmsten zugeht, wo du weißt, wenn du da erwischt wirst mit einer Bibel, wenn du dich da auf einen Marktplatz stellst, dann ist es vorbei.
Ich habe mal eine lustige Anmerkung bei einem der Bücher, die ich vor kurzem gelesen habe, da meinte auch jemand, er versteht gar nicht, warum Christen sich so viele Sorgen um Rente machen. Wir brauchen uns keine Angst zu machen um unser Alter, wir müssen einfach nur, wenn wir alt geworden sind, in eines dieser Länder fahren, uns auf den Marktplatz stellen und anfangen zu predigen, dann ist es vorbei. Und er hat Recht, er hat wirklich Recht.
In diesen Ländern stellst du dich einmal auf den Marktplatz und fängst an, über Jesus laut zu erzählen und zu sagen, wo es wirklich langgeht, und du wirst sofort umgebracht. Das ist die Realität, und Jesus sagt das uns. Er sagt nicht: Wenn du Christ wirst, dann wird alles gut. Er sagt: Wenn du Christ wirst, dann wirst du verfolgt werden. Dann werden deine Freunde und deine Familie dich für plemplem halten. Dann wirst du einfach ein Ausgeschlossener, ein Verachteter sein.
Aber er sagt noch etwas. Er sagt: Und nicht ein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen. Und du denkst dir: Na super Sache, ja. Nicht ein Haar von meinem Haupt.
Ich übersetze es mal in unsere Sprache: Gott entgeht bei alledem nicht ein Detail deines Lebens. Egal, wie du dich fühlst, egal, was du durchmachst, egal, was du erleidest und erlebst, nicht ein Detail entgeht Gott. Nicht an irgendeiner Stelle wird Gott von dir wegschauen, dich im Stich lassen, dich nicht sehen, sondern Gott wird jeden Moment, den du mit ihm lebst, so genau kennen, dass er dir sagen kann: Heute um zehn Uhr fünfundfünfzig hattest du so und so viele Haare auf deinem Kopf.
Und du denkst dir: Boah, das ist schon was, dass Gott mich so gut kennt. Du weißt, du hattest heute Morgen vor dem Kämmen mehr Haare, jetzt hast du ein bisschen weniger, und Gott sagt: Ja, ich weiß genau, wie viel das sind.
Das soll uns Mut machen. Es soll nicht so eine Nebensächlichkeit sein: Er kennt meine Haare. Sondern es soll uns Mut machen zu wissen, wenn wir durch dieses Leben gehen, Gott kennt mich ganz genau. Er weiß, er kennt den Luftdruck in den Reifen von deinem Auto, und zwar in jedem einzelnen ganz genau. Er weiß nicht nur, was du heute Morgen gegessen hast, er weiß, was davon noch in deinem Magen ist und wie es jetzt aussieht. Hammer, oder? Gott kennt dich wirklich.
Und wir brauchen diese Gewissheit. Wir brauchen diese Gewissheit, dass, wenn wir den Eindruck haben, dass wir allen egal sind, dass wir, wie Paulus sagt, der Dreck der Welt sind, dass wir in dem Moment einfach begreifen: Andere Menschen mögen uns für so groß halten, für völlig unbedeutende kleine Wichte, mit denen man machen kann, was man will. Aber es gibt einen, der uns kennt. Der nicht nur neben uns joggt, das auch, sondern der da ist, uns kennt und sagt: Ich bin bei dir, und du bist mir mit deinem ganzen Sein absolut vertraut. Ich kenne dich durch und durch bis zum letzten Haar. Hammer, oder?
Dritter Punkt.
Also der erste Punkt: Achtungsverführer. Der zweite Punkt: Wenn der Messias wiederkommt, dann geht es hier eigentlich auf der Erde drunter und drüber. Dann wird das, was wir heute erleben an Finanzkrisen und an kleineren Tsunamis und hier und da mal ein bisschen Krieg, sich noch in einer Weise verdichten, dass wir denken: Das geht ja gar nicht mehr schlimmer.
Wenn man ein bisschen die Offenbarung liest, wird man merken: Es wird wie Paukenschläge auf diese Welt regnen. Solche Ereignisse werden förmlich niedergehen, dass du sagst: Boah, wir werden nicht mehr hinterherkommen, in den Blogs zu beschreiben, was alles an Furchtbarem geschieht. Es wird der Moment kommen, wo Menschen eigentlich nur noch die Augen verschließen, die Hände vor die Augen werfen und sagen: Hoffentlich ist das irgendwie bald vorbei.
Das ist das Ende mit dieser Welt, bevor Jesus wiederkommt. Und die Zeit bis dorthin wird für uns eine Zeit der Ablehnung sein. Wenn du in dieser Welt zu den Siegern gehören willst, dann lass Jesus laufen. Du wirst es nicht schaffen, es wird nicht gehen.
Die Zerstörung Jerusalems und die Zeichen der Zeit
Vierter Punkt, und das ist jetzt der Punkt, um den es ja auch so ein Stückchen ging: Wann wird das sein? Woran können wir erkennen, dass der Tempel zerstört wird?
Da heißt es in den Versen 20 bis 22: Wenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen die in Judäa, das ist das Gebiet um Jerusalem herum, auf die Berge fliehen, und die in seiner Mitte sind, daraus entweichen. Und die auf dem Land sind, nicht dort hineingehen. Denn dies sind Tage der Rache, dass alles erfüllt werde, was geschrieben steht.
Und jetzt kann man sich die Frage stellen: Was ist denn geschrieben? Und wer das Alte Testament so ein klein bisschen kennt, der weiß, dass Daniel im Kapitel 9 eine Prophezeiung auf den Messias macht, dass er ziemlich punktgenau erklärt, wann der Messias sterben wird. Und ich werde euch jetzt nicht mit prophetischer Mathematik und solchen Rechendingen irgendwie langweilen. Ich lese euch einfach einen Vers vor, denn Daniel sagt in Kapitel 9, Vers 26: Und nach den 62 Wochen, also es geht wirklich um einen Termin, wird ein Gesalbter ausgerottet werden. Das ist der Tod des Messias, und wird keine Hilfe finden. Das ist das, was wirklich passiert ist. Und das Volk eines kommenden Fürsten, gemeint ist der römische Kaiser Titus, wird die Stadt und das Heiligtum zerstören. Das ist 70 nach Christus passiert.
Titus kommt mit seinen Legionen, er belagert die Stadt, er schleift sie, er verbrennt und zerstört den Tempel, eher unabsichtlich, aber er macht es trotzdem. Und er führt die gesamte Einwohnerschaft von Jerusalem in die Sklaverei nach Ägypten. Die Preise für Sklaven fallen so sehr, dass man sie eigentlich, die haben eigentlich nichts mehr gekostet. Es gab so ein Überangebot an Sklaven danach. Absolut irre. Das Volk, das aus Ägypten heraus befreit wurde, wird als Sklave zurück nach Ägypten geführt. Das ist absolut irre.
Und Daniel beschreibt das hier. Und er sagt: Und sein Ende ist, und jetzt kommen wieder diese Bilder, und jetzt begreift er, wo diese Bildsprache herkommt, die Jesus verwendet, und sein Ende ist in einer Überflutung, und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen.
Daniel hatte das gesagt. Daniel hatte das gesagt: Wenn der Messias stirbt, dann wird der Tempel untergehen, dann wird die Stadt untergehen. Und Jesus sagt das hier. Und das war von allergrößter Bedeutung, dass Jesus das wiederholt. Das war für die Christen von größter Bedeutung.
70 nach Christus geht Jerusalem unter. Vier Jahre vorher, als die römischen Legionen sich gerade aufmachen Richtung Jerusalem und man merkt, hier braut sich was zusammen, vier Jahre vorher, im Jahr 66 nach Christus, verlassen die Christen in Jerusalem die Stadt, weil sie diese Verheißung kennen, und ziehen von Jerusalem nach Pella. Das liegt östlich des Jordan, heutiges Jordanien ungefähr, und siedeln sich da an. Als Titus die Stadt einnimmt und die Bewohnerschaft von Jerusalem in die Gefangenschaft führt, waren in diesem Moment keine Christen mehr in der Stadt, weil sie das gemacht haben, was Jesus hier gesagt hat. Ganz wichtiger Text, also einfach nur, wenn es ums Überleben geht.
23 und 24: Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen, denn große Not wird über dem Land sein und Zorn über diesem Volk, und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Nationen. Das ist das, was ich eben sagte. Sie werden als Sklaven weggeführt werden, sie werden den Heiden dienen, sie werden nicht mehr im Land wohnen dürfen.
Als der Staat Israel im Jahr 1948 wieder entstand, da war das eine Sensation. Jahrhunderte, fast zwei Jahrtausende, war dieses Volk zerstreut über die ganze Erde, in allen anderen Völkern, da war niemand in Israel. Und dann sagt Jesus etwas sehr Schönes: Sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes, gefangen weggeführt werden unter alle Nationen, und Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen. Und das gilt bis heute. Bis heute hat Jerusalem nicht die Größe wiedererlangt, die es damals hatte. Es gibt immer noch keinen Tempel in Jerusalem. Es ist immer noch eine geteilte Stadt.
Aber jetzt kommt das Entscheidende: Wird zertreten werden von den Nationen, bis es ein Ende gibt, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden. Es gibt ein Ende, und Jesus sieht dieses Ende. Er weiß, die Heiden, die Nationen dürfen herrschen, sie dürfen über dieses Land herrschen, und dann wird es zu einem Ende kommen. Jerusalem wird untergehen, das ist mein vierter Punkt. Die Juden werden verschleppt werden, aber es wird ein Ende geben. Es ist noch nicht alles, was darüber gesagt wird.
Wer sich ein bisschen mit Bibel und Prophetie beschäftigt, der weiß: Wenn Jesus wiederkommt, dann wird sich auch in Jerusalem noch etwas tun. Es wird einen neuen Tempel in Jerusalem geben. Es wird einen Tempel geben, der Ausdruck ist, sowohl meines Erachtens einer jüdischen Identität als auch eines Gottglaubens, mit dem wir uns identifizieren können. Da wird etwas zusammenfinden und wird einen gemeinsamen Ausdruck finden in Jerusalem. Ezechiel schreibt von diesem Tempel.
Wachsamkeit, Echtheit und die Würde der Rettung
Fünfter Punkt
Der fünfte Punkt heißt: Geistliches Leben ist von Weisheit geprägt. Und das waren jetzt sehr viele negative Punkte, ja, das weiß ich. Pass auf, dass du nicht verführt wirst. Ich verspreche dir Schwierigkeiten in deinen Lebensumständen. Pass auf, du wirst verfolgt werden. Jerusalem wird untergehen. Was machen wir mit so etwas?
Und Jesus sagt zu den Leuten, die ihm zuhören:
29 Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst, da ihr es seht, dass der Sommer schon nah ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, dass das Reich Gottes nah ist.
Warum sagt Jesus uns das alles? Na ja, wenn du rausschaust und du siehst, die Bäume werden langsam nicht mehr grün, sondern so ein bisschen gelbrot, ja, was heißt das? Der Herbst kommt, richtig. Der Herbst kommt.
Wenn du diese Dinge mitbekommst, wenn du merkst: Boah, ich erlebe genau das. Ich erlebe Leute, die Leute hinter sich herziehen. Ich erlebe, dass ich abgelehnt werde mit meinem Glauben. Ich erlebe, dass die Stadt belagert wird. Oder aber ich erlebe es, dass ich den Eindruck habe, dass noch die letzte Sicherheit, die wir uns als Menschen aufgebaut haben, in sich zusammenfällt.
Ja, was soll ich denn dann tun? Mich in meinen Bau verkriechen, hinter mir zuschließen und hoffen, dass das alles schon vorbeigeht? Nein. Jesus sagt: Wenn das passiert, sei nicht überrascht. Bitte sei nicht überrascht, sondern denk an das, was ich gesagt habe. Begreif doch, dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist, ein Schritt hin auf das eigentliche Reich Gottes, das mit Jesus kommen wird.
Und dann heißt es in Vers 32: Wahrlich, ich sage euch, dass dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles geschehen ist. Und die Kommentatoren fragen sich: Was ist hier mit Geschlecht gemeint? Ist damit gemeint das Volk Israel, oder ist damit gemeint die Generation, die zur Zeit Jesu gelebt hat? Und ich glaube, wie es oft bei Prophetien der Fall ist, dass beides gilt. Prophetien erfüllen sich in der Bibel oft zweimal. Das ist einfach so. Da wird eine Sache angekündigt, die erfüllt sich, und irgendwie später passiert sie noch mal.
Bestes Beispiel: Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, er wird Immanuel heißen. Jesaja 7 erfüllt sich als Zeichen für den König Ahas in der damaligen Zeit und erfüllt sich noch einmal auf eine viel tiefere und umfassendere Weise in der Geburt Jesu Christi.
Und hier in meinen Augen genau das Gleiche. Wenn ich den Fokus einenge auf die Frage der Jünger, wann wird dieser Tempel untergehen, dann lautet die Antwort: Dieses Geschlecht wird das noch mitkriegen. Ein Geschlecht in der Bibel sind vierzig Jahre. In dem Zeitraum wird das passieren. Wenn du die Frage stellst, wann wird alles passieren, dann übersetze ich das Wort sehr gerne mit „Volk“. Dieses Volk wird nicht untergehen, bis alles geschehen ist.
Und in der Geschichte ist das Volk der Juden und sein Beharrungsvermögen, die Tatsache, dass es dieses Volk noch gibt, ein absolutes Unikum. Wenn du siehst, wie viele Völker untergegangen sind und es nicht mehr gibt, dann ist es absolut irre, dass dieses Volk noch da ist. Und Jesus sagt: Dieses Volk wird nicht untergehen, bis ich gekommen bin.
Vers 33: Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. Wenn du dir die Frage stellst, welchen Stellenwert hat das Wort Gottes in dieser Welt, wenn ich es konfrontiere mit all dem, was ich sonst lese, womit ich mich beschäftige, dann muss ich sagen: Den höchsten Stellenwert hat das Wort Gottes, hat das, was Jesus gesagt hat.
Jesus sagt: Meine Worte werden nicht untergehen. Kannst du dir das vorstellen, dass zu einem Zeitpunkt, wo man vielleicht schon eine Million Jahre lang nicht mehr von Marx das Kapital gelesen hat, immer noch die Worte Jesu hochgehalten werden, man immer noch sagen wird: Boah, kannst du dich daran erinnern, was er damals gesagt hat?
Wenn ich mir eine Frage selber beantworten muss, warum lohnt es sich, Bibel zu studieren? Das ist die Antwort hier. Es sind die Worte, die nie untergehen werden. Wenn du dich hinstellst und sagst: Alles Mumpitz, ich glaube das nicht, dann kann ich sagen: Ja, lass es sein. Ich glaube es. Ich glaube ganz fest daran. Nicht nur, weil es sich Stück für Stück in meinem Leben schon erfüllt hat, sondern einfach, weil diese Worte die Worte sind, die am Ende übrig bleiben.
Die Frage ist, auf welche Worte, auf welche Verheißungen, auf wen wir unser Leben setzen. Und deswegen möchte ich gerne drei Warnungen aus diesem Text herauslesen.
Die erste Warnung, die wir direkt auf uns übertragen können, findet sich in 21,8: Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet, geht ihnen nicht nach. Der eine Punkt, um den wir uns kümmern müssen, ist Leichtgläubigkeit. Christen sind oft zu leichtgläubig. Bitte lasst uns vorsichtig sein, wem wir da glauben, wem wir da folgen. Nur weil jemand ein bestimmtes Label hat oder nur weil jemand Bücher schreibt oder einen Titel hat, heißt das noch lange nicht, dass wir ihm folgen müssen. Bitte pass auf, nach wem du dein Leben ausrichtest, ob das wirklich noch Jesus ist oder ob sich da andere Strömungen eingeschlichen haben.
Zweitens, Vers 19: Da heißt es, nachdem er das sagt, dass nicht ein Haar auf dem Haupt verloren gehen wird: Gewinnt eure Seelen durch euer Ausharren! Jesus sagt, wenn du unter Druck stehst, gewinne dein Leben dadurch, dass du ausharrst. Mit anderen Worten: Werde nicht irre an dem Widerstand, der passiert.
Dann sagt er etwas ganz Praktisches, glaube ich, für uns, in Vers 34: Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen und jener Tag plötzlich über euch hereinbricht. So, er redet zu den Menschen, er sagte ihnen das: Pass auf, sei nicht leichtgläubig. Pass auf, dass du an dem Widerstand von Leuten nicht irre wirst. Und dann pass auf, dass du die Realität der Wiederkunft Jesu nicht aus dem Blick verlierst und dass du dein Leben nicht an diese Welt verlierst.
Ich mag dieses Bild hier: Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden. Immer wenn ich diesen Vers lese, sehe ich vor mir so ein riesengroßes Herz. Also wirklich so riesengroß, so wie so ein Einfamilienhaus, so ein riesenfettes, großes Herz, ja, das so richtig plump und fett hier auf der Erde liegt. Das sehe ich so vor mir. Und dann denkt man: Du kannst nie fliegen. Stell dir vor, so ein fettes, großes Herz, blub, blub, blub, ja?
Und das Bild beschreibt das so schön. Wir sind dazu berufen, im Himmel zu leben. Wir sind dazu berufen, zu fliegen. Wir sind dazu berufen, uns von dieser Welt zu verabschieden. Wir sind dazu berufen, leicht, mit leichtem Gepäck durch diese Welt zu gehen. Wir sind dazu berufen, gar nicht so viel uns in dieser Welt hier zu verankern, gar nicht so viel hier zu haben, weil all das unser Leben schwer macht, unser Herz schwer macht, es uns an das hier bindet.
Es gibt keinen Moment in meinem Leben, wo ich das nicht mehr merke, als wenn ich umziehe und den Keller ausräume und mir denke: Boah, was hast du alles für Zeug? Bei meinem letzten Umzug sind wir dreimal zur BSR gefahren, und ich dachte mir: Wo kommt das alles her? Wie viel unnötigen Tand schleppe ich eigentlich mit mir durch dieses Leben?
Und Jesus sagt, wir stehen in der Gefahr: Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden. Und er bringt zwei Möglichkeiten: durch Völlerei und Trunkenheit, also durch dieses Genuss-, Spaß-, Freude-, Urlaub-, Bildung-Ding, dieses Ich lebe nach dem, was mir gefällt, wo ich drin aufgehe, wo ich den nächsten Kick kriege. Oder das Gegenstück dazu: und Lebenssorgen.
Ich mag die Mischung, ja? Trunkenheit und Völlerei und Lebenssorgen. So wie der Spaßfaktor, den dieses Leben bringen kann, mich an dieses Leben ketten kann, genauso kann es Furcht und Unsicherheit und Ängstlichkeit sein. Der Spaß kann zum Lebensmittelpunkt werden, und meine Sorgen, meine Lebenssorgen, können zum Lebensmittelpunkt werden. Und Jesus sagt: Pass auf, wenn das passiert, da gibt es eine Riesengefahr.
Und die Gefahr beschreibt er so: Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen, und jener Tag, gemeint ist der Tag des Gerichts, wenn Jesus wiederkommt, wenn Jesus wirklich hier erscheint, dass jener Tag plötzlich über euch kommt und plötzlich meint, du bist auf den Tag nicht vorbereitet. Der Tag kommt, was jetzt passiert? Du bist einfach völlig überrascht.
Das ist ein bisschen so für euch Schüler, ja. Also in meinem Leben gab es Lateinvokabeltests, die kamen immer auf so eine ganz fiese Weise. Da kam der Lehrer immer rein, und dann gab es so ein, da hieß es: Alle Bücher zu. Und du wusstest: Vokabel ist raus. Ich hatte so einen älteren Herrn, ja, der hatte noch sehr was Preußisches an sich. Und dann wusste ich: Hätte ich bloß gelernt!
Dieser Effekt, wenn ihr den nicht kennt, lernt so Vokabeln, dass ihr diese Erfahrung nie kennenlernt. In meinem Leben gab es die öfter. Es war immer so dieses: Jetzt passiert etwas, und du wusstest, es stimmt, wir hatten was auf. Es kommt plötzlich, und ich bin unvorbereitet, obwohl ich mich eigentlich hätte vorbereiten können. Ich hätte lernen können, ich hätte diese Lateinvokabeln pauken können, ich hätte sogar ... aber ich habe es nicht.
Und Jesus sagt, es wird viele Leute geben, da kommt Jesus wieder, und sie hätten, aber sie haben nicht. Sie hängen an dieser Welt, sie haben ihr Leben verloren an Spaß und Freude, Genuss und Urlaub oder an Ängste und an Sorgen und an Unsicherheit und an Furcht. Sie haben ihr Leben dahin verloren, und dann kommt Jesus wieder, und sie stehen da und sagen ... Ja, sie sagen gar nichts. Sie sind einfach überfordert mit der Situation.
Es gibt bei Matthäus ein sehr schönes Gleichnis, das werde ich heute nicht bringen. Es ist das Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Er beschreibt genau diese Situation: Zehn Jungfrauen, Freundinnen von der Braut, warten auf den Bräutigam, mit der Braut. Fünf sind vorbereitet und fünf nicht. Für fünf kommt der Bräutigam, und sie sagen: Super, wir sind ready, Eddie, ja, lass uns gehen. Und fünf sagen: Hä, jetzt schon? Ja, jetzt schon. Und die bleiben draußen. Ganz einfach.
Jesus sagt: Pass auf, dass, wenn ich wiederkomme, dieser Tag, jener Tag, der Tag der Wiederkunft Christi, der Tag des Gerichts, dass das nicht plötzlich kommt. Und das ist eine Gefahr. Es heißt in Vers 35: Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf dem ganzen Erdboden ansässig sind. Ein Fallstrick ist der bewegliche Teil einer Falle, womit man Tiere gefangen hat. So, es ist ein Bild für den Verlust des Lebens, für Gericht.
Und Jesus sagt, der Tag wird kommen als ein Tag des Gerichts, und es besteht einfach die Riesengefahr, dass auch hier unter den Zuhörern, dass auch unter uns Menschen sind, die sich nicht genügend vorbereitet haben. Was kann ich tun? Und Jesus sagt es ganz einfach, Vers 36: Wacht nun. Pass auf, hab das irgendwie präsent, was da auf dich zukommt. Pass auf, schlaf nicht ein. Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr würdig geachtet werdet, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.
Du sollst wachen und beten. Pass auf, woran hängt dein Leben wirklich? Wem läufst du nach? Bist du schon verführt oder dabei, dich auf so einen Verführer einzulassen? Hast du schon so ein bisschen deinen Sack an Zweifeln gebunkert, weil du eigentlich mit dieser Ablehnung und mit diesem irgendwo in dieser Welt leben und nicht so richtig dazugehören gar nicht klarkommst?
Bist du jemand, der sein Leben schon um ein schönes, gutes Zentrum herumgebaut hat, und inmitten dieses Zentrums steht eigentlich dein Götze, dein Geld, deine persönliche Sicherheit? Dein Intellekt, keine Ahnung? Oder aber hast du angefangen, dir so viel Sorgen zu machen, dass du gar nicht mehr an Jesus denken kannst, weil dein Leben sich eigentlich nur noch darum dreht: Was wird morgen sein, wie geht es im Job weiter, was machen die Kinder morgen? Du kannst ja beliebig dich um diese Dinge drehen.
Wie sieht das bei dir aus, ganz ehrlich? Und Jesus sagt: Pass auf, dass du wachsam bleibst, dass das genau nicht passiert. Dass du nicht Menschen nachläufst, nicht irre wirst am Glauben, dass in deinem Leben dein Besitz und das, was du dir wünschst, dass du selber nicht da zum Zentrum wirst.
Was ist das Gröbste in deinem Leben? Was darf Gott dir nicht wegnehmen, bevor du richtig sauer wirst? Das ist dein Gott. Pass auf, dass das nicht passiert, und fang an zu beten.
Was sollst du beten? Wir werden am Ende der Predigt das Gebet miteinander sprechen. Wenn ich an solche Texte komme, bin ich immer ein bisschen erschrocken, dass Jesus sagt: Betet das! Er sagt: Betet, dass ihr würdig geachtet werdet, diesem allen, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.
Ich lese das, und ich bin immer ein bisschen erschrocken. Wenn ich das Evangelium predige, dann mache ich das oft, indem ich sage: Falte deine Hände, geh auf die Knie, bekenne, was du falsch gemacht hast, und übergib dein Leben dem Herrn Jesus. Ich habe diesen Moment der Umkehr sehr stark im Blick.
Wenn Jesus über neues Leben redet, dann redet er ganz selten über diesen Moment der Bekehrung. Er redet eigentlich immer davon, dass sich in unserem Leben ganz praktisch zeigt, dass wir echt sind. Irgendwie geht Jesus immer davon aus, dass da, wo echter Glaube drin ist, auch echtes Leben herauskommt. Und das nicht, weil er uns unter Druck setzen will, sondern weil der Heilige Geist ein Geist der Kraft ist, weil Jesus sagt, wir sind Reben und er ist der Weinstock und er möchte seine Frucht durch uns hindurchbringen.
Und Jesus wird uns immer mal wieder die Frage stellen: Vertraust du mir, darf ich dich berühren und darf ich dich verändern? Und wenn sich dann in unserem Leben oder wenn sich unser Leben eben um Menschen mit Ausstrahlung dreht, um Angst, um Spaß oder Sorgen, dann stellt sich halt die Frage: Wem vertraust du wirklich? Und dann stellt sich die Frage: Wofür lebst du und wer ist dein Herr?
Und gar nicht so: Du musst mehr machen, sondern einfach so ganz grundsätzlich: Was ist denn in deinem Leben passiert? Ist denn da was passiert? Wenn wir leichtgläubig sind, wenn jeder Widerstand uns einknicken lässt, wenn wir ständig aus sind nach dem nächsten Kick oder uns vor allem fürchten, ist dann die Frage nicht gestattet, wer gibt dir eigentlich Orientierung für dein Leben? Woher nimmst du eigentlich die Kraft für dein Leben? Oder wer gibt deinem Leben Sinn?
Es ist eine Anfrage an die Echtheit unseres Glaubens. Und ich finde, diese Anfrage ist sehr gerechtfertigt. Es geht nicht darum, dich zu knechten und zu sagen: Tu noch mehr! Es geht darum, die Frage zu stellen: Sag mal, ist es so, dass Jesus sein Leben durch dich hindurch lebt? Die Frage steht im Raum. Ist es so, dass Jesus sein Leben durch dich hindurch leben darf?
Die Frage ist so wichtig, weil es etwas ganz Besonderes ist, wenn wir dem Gericht entfliehen. Ich lese es nochmals: dass ihr würdig geachtet werdet, diesem allen, was geschehen soll, zu entfliehen. Es ist eine Ehre, gerettet zu werden. Es ist ein Vorrecht, dass meine Sünden vergeben sind. Es ist eine Auszeichnung, dass Jesus für meine Schuld bezahlt hat. Es ist nichts, was uns einfach so nachgeworfen wird. Es ist etwas absolut Edles.
Olympia, Goldmedaille, obenstehen, die Hymne hören, gefilmt werden, anderthalb Milliarden Menschen schauen zu. Und Jesus sagt: Du suchst was Vergleichbares für dein Leben? Ich gebe dir was Besseres. Ich gebe dir das Eigentliche, ich gebe dir die größte Auszeichnung, das Wertvollste, was es in diesem Universum überhaupt nur gibt, wo so eine Goldmedaille Pipifax dagegen ist, wo der Nobelpreis eine kleine Nummer geworden ist. Ich gebe dir das, was wirklich zählt.
Was wirklich zählt, ist, dass wir würdig geachtet werden, dem Gericht zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen. Das ist das Entscheidende. Es gibt in diesem Leben nichts Wertvolleres.
Und was ich mir wünsche, wenn wir uns diese Endzeitrede anschauen und wenn wir uns in dieses ganze Gruselige mit hineinnehmen lassen, was ich mir wünsche, ist einmal, dass wir tatsächlich nicht auf die Verführer reinfallen, dass wir, wenn es Schwierigkeiten gibt, dranbleiben, dass wir sagen: Ich werde dafür sorgen, dass mein Leben sich nicht um Spaß und nicht um Sorgen dreht, ja.
Aber was ich mir eigentlich noch mehr wünsche, für uns wünsche, ist, dass wir das ganz Außergewöhnliche der Errettung sehen, dass wir uns nicht daran gewöhnen, errettet zu sein. Und dass wir deshalb, weil wir das sehen, weil wir begreifen, was das heißt, gerettet zu sein, dass wir deshalb nicht auf falsche Evangelien und Verführer reinfallen, dass wir deshalb ausharren in Widrigkeiten, dass wir deshalb darauf achten, dass unser Herz nicht an dieser Welt klebt, sondern sich wirklich nach Gottes Reich verzehrt und dass wir, wie es in Vers 28 heißt, dass wir wirklich aufblicken, unsere Häupter emporheben, weil wir wissen, dass unsere Erlösung naht.
Und in diesem Sinne würde ich gerne, dass wir zum Schluss miteinander beten, dass wir es einfach machen, dass wir sagen: Herr Jesus, ich möchte das, und vielleicht können wir dazu noch mal aufstehen.
Herr Jesus, wir danken dir dafür, dass du fast schon zu realistisch die Zeit beschrieben hast zwischen deinem Ersten und Zweiten Kommen und dass uns das manchmal erschrickt, was da vor uns liegt, dass es in uns da einen eingebauten Widerstand gibt, der nicht leiden möchte, der nicht verachtet sein möchte, der gern den einfachen Weg gehen würde, dem es schwer fällt, dir nachzufolgen, dem es schwer fällt, so weit zurückzutreten, dass du dein Leben durch uns hindurch leben kannst. Aber, aber, Herr, wir bitten dich darum, dass du in uns jeden Widerstand ausschaltest, wir bitten dich darum, dass du uns hilfst, so zu leben, dass wir würdig geachtet werden, dem Gericht zu entfliehen. Herr, wir bitten dich darum, dass wir würdig geachtet werden, vor dir zu stehen und dir zu begegnen. Wir bitten dich darum, dass wir an keiner Stelle leichtfertig mit unserer Rettung umgehen. Wir bitten dich darum, dass wir den Blick zum Kreuz bewahren, der uns zeigt, wo wahres Leben geboren wurde, wo Schuld bezahlt und Sünde vergeben wurde.
Und wir wollen dir danken dafür, Herr Jesus, dass wir, weil wir dich in unserem Leben haben, weil du uns alles sein willst, dass wir deshalb wissen dürfen, dass wir ankommen. Herr Jesus, wir gehen durch eine verrückte Welt, und es macht uns Sorgen, wenn wir hier sind, irgendwie zu bestehen. Wir wollen dich darum bitten, dass du uns hilfst und uns Gnade gibst, dass wir begreifen, wer wir sind, begreifen, was unser Auftrag ist, begreifen, wo wir uns verzettelt haben und dass wir Zeugen sind für dich zuallererst. Bitte gib du doch dazu Gnade. Amen.
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