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Was macht mich wertvoll? - Die verlorene Silbermünze

Lukas 15,8-1016.11.2015
Du bist mehr als Beruf, Geld oder Status. Entscheidend ist nicht, was du leistest, sondern wer dich sieht und sucht – sogar dann, wenn du dich selbst verloren fühlst.

Ein unerwarteter Einstieg in eine große Frage

Hast du das gesehen, wie ich den reingebracht habe? Das war natürlich exzellent. Das macht auch den Unterschied zwischen einem, sage ich mal, besseren Spieler und Spielern, die es nicht so drauf haben.
Hoi zusammen, was dürften Sie heute? Stange? Stange? Ein Mojito für unsere Künstler und vielleicht für unsere Umweltaktivistinnen Bio-Tee? Nein, bring mir Rauchstange!
Irgendetwas fehlt einfach, wenn Rahel nicht da ist. Stimmt, wo ist die eigentlich? Das kann jetzt wirklich nicht wahr sein. Die ist doch mit ihrem Freund auf Weltreise gegangen, darum haben wir letzte Woche ein grosses Abschiedsfest gefeiert. Weisst du das nicht mehr? Ah, darum war das Fest. Das glaube ich jetzt einfach nicht.
Ist doch schön, wenn man Röper herzt, um irgendetwas Sötiges zu unternehmen. Aber du hättest doch einen Freund, mit dem du auch so eine Reise machen kannst. Ja, genau mit diesem hohen Tier von der Mikro. Den gibt’s leider nimmer, er hat Schluss gemacht. Was, aber wieso der? Wahrscheinlich wollte sie ihm kein Steak braten und hat nur so billigen Tofu aufgetischt. Halt deine Klappe!
Nein, erzähl uns, was ist wirklich passiert? Er hat eine andere, eine Ärztin. Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Ich meine, ich bin nur eine kleine Verkäuferin. Wie konnte ich so naiv sein und glauben, dass das eine ernsthafte Beziehung ist?
Nein, jetzt mach dich doch nicht so ab. Ja weisst, Doreen, bin ich jemand gewesen, Doreen! Bin ich in Kreise hineingekommen, von denen habe ich früher noch träumen können. Durch ihn habe ich das Gefühl bekommen, nicht nur einfach eine kleine Verkäuferin zu sein. Ja, aber eben.
Ja, aber die Werte, das macht doch nicht deine Stellung aus oder deinen Beruf. Das ist ja gar nicht der Beruf und die Stellung von irgendjemand anderem. Die Werte, das ist deine Persönlichkeit.
Das würde ich jetzt nicht ganz so unterschreiben. Ich habe da was entdeckt im Internet, das möchte ich euch gerne erzählen. Ein 55 Kilogramm schwerer Mensch besteht da, wie du ja zum Beispiel einer bist, hauptsächlich aus Wasser und etwa 4,5 Kilogramm Calcium, 1,4 Kilogramm Phosphat, einem halben Kilogramm Kalium, je 350 Gramm Sulfur und Sodium, 60 Gramm Magnesium und weniger als je 60 Gramm Eisen, Kupfer und Iod. Wenn man diese Dinge, und das steht hier auch, in einem gut sortimentierten Kaufhaus besorgen würde, müsste man auch hier in der Schweiz höchstens 19 Franken 95 bezahlen. Das heisst noch nicht mal 20 Franken. So viel mal zu deinem Materialwert, Nico!
Du bist total krank. Du bist so etwas von unsensibel. Kein Wunder, dass deine Beziehung nie so lange dauert.
Was denn, man darf sich hier doch mal in dieser Runde wissenschaftlich äussern, oder? Ich meine, das steht hier schliesslich.
Mensch, alles ausser dir, das gibt dir keinen Wert. Das Kleid macht keinen Mann, der Sattel macht kein Pferd.

Wenn Krisen den Blick auf Gott verändern

Ja, herzlich willkommen. Schön, dass ihr hier seid, bei unserem speziellen Thema. Eigentlich hätte ich ja das Thema wechseln müssen. Das, was in Paris geschah, beschäftigt die Leute überall. Eigentlich hätte ich das Thema wechseln müssen, aber das war ein bisschen schwierig. Denn dann kommen vielleicht Leute wegen diesem Thema, das wir jetzt ausgeschrieben haben, und dann sind sie enttäuscht.
Aber wenn jemand diesbezüglich Fragen hat und wissen möchte, wie man so etwas von der Bibel her einordnen kann: Es gibt ja diese Blätter, da könnt ihr ankreuzen: Ich würde gern dem Pfarrer ein paar kritische Fragen stellen. Und dann könnt ihr das gerne tun.
Es ist interessant, dass in solchen Situationen, obwohl wir in einer Welt leben, in der man denkt, Gott sei nicht mehr so das Thema, die Menschen plötzlich wieder ans Beten denken. Das fand ich interessant bei dieser Pressekonferenz. Herr De Maizière, der Bundesminister, sagte an einer Pressekonferenz öffentlich, typisch für unsere Kultur: Man könnte beten. Früher hätte man gesagt, die Amerikaner sagen: Wir beten noch, auch die Präsidenten. Aber Herr de Maizière hat gesagt: Man könnte auch beten. Ich tue es.
Und überall, nicht nur in christlichen Kreisen, finden wir diese Posts: Pray for Paris. Das finde ich eigentlich schön, weil der Mensch doch merkt, dass er in solchen Situationen am Ende seines Lateins ist und nicht mehr alles im Griff hat.
Aber eben, wir haben ein anderes Thema, wobei das gar nicht so weit weg ist. Da geht es um den Wert des Menschen. Und dass ein Mensch wert ist, haben wir ja gehört: Ein 55 Kilo schwerer Mensch wird etwa einen Wert von zwanzig Franken, also einen Materialwert von zwanzig Franken, darstellen. Ich bin ein bisschen wertvoller. Ihr könnt euch ja denken, warum. Ich sage jetzt nicht, wie man das multiplizieren müsste. Aber immerhin, ich habe noch ein bisschen Mehrwert. Wobei ich wäre froh, ich wäre weniger wert vom Materialwert. Wie auch immer, es ist ein schwieriges Unternehmen.
Der Kabarettist Georg Kreisler wollte wissen, wie hoch der Materialwert des Menschen ist. Er fragte im Institut für gerichtliche Medizin der Universität Wien nach, und er hat den folgenden Brief erhalten, was wir auch teilweise gehört haben: Sehr geehrter Herr Kreisler, der Wert des Menschen, nach verschiedenen Zerlegungsgraden berechnet, ergibt Folgendes. Dann haben wir das, was wir eben gerade gehört haben: den Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff usw., dann ferner Spurenelemente usw. Das haben wir jetzt am Stammtisch schon bereits gehört.
Nimmt man normales Leitungswasser kostenlos sowie den Kohlenstoff als Kohlensäure gasförmig, ergibt sich samt Zutaten ein Preis von etwa 40 Schilling. 1956 gab es noch keinen Euro, das wäre damals auch etwa 20 Franken gewesen, nehme ich jetzt mal an. Dann fügt das Institut eine interessante Bemerkung hinzu: In diesen Zahlenangaben sind die Herstellungskosten des Menschen nicht enthalten.
Interessante Nebenbemerkung, oder? Man hat den Materialwert, man kann Wasser vom Hahn nehmen, man weiss nur nicht, wie man das Ding zusammensetzen soll. Ihr könnt das mal testen. Ihr könnt mal einkaufen gehen, das Wasser gratis vom Hahn nehmen und dann mal sehen, ob ihr dann, wenn ihr genug lange rührt, ob dann irgendwann mal so ein Mensch aus dieser Pfanne herausguckt. Ich glaube, es klappt nicht.
Natürlich haben sie noch vergessen, nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch die Entwicklungskosten. Das sind ja die höchsten Kosten überhaupt: mal die Idee zu haben, so einen Menschen zu schaffen. Das wird auch nicht berücksichtigt, diese Werbung. Und es ist ja so: Wir bezahlen ja für unsere Dinge auch nicht nur den Materialwert. Für ein Smartphone zahlen wir wesentlich mehr als den reinen Materialwert, weil da schwingen auch andere Werte mit. Dann hängt es doch davon ab, was für ein Smartphone es ist, und dann bezahlen wir noch mehr, nur schon weil der Name Mehrwert darstellt oder weil wir ihm Mehrwert geben.
Es gibt übrigens auch andere Berechnungen über den Wert des Menschen. So lassen sich Muttermilch, Haare, Organe usw. verkaufen, und aus dieser Sicht lässt sich der Wert des Menschen in die Millionen steigern. Natürlich helfen uns solche Überlegungen gar nicht weiter, wenn es darum geht, sich als Mensch wertvoll zu fühlen. Der Eindruck: Ich bin wertvoll, nützt mir selbst dann nichts, wenn man herausfinden würde, dass jeder Mensch mindestens eine Milliarde wert ist. Es gibt ja auch noch Versicherungswerte des Menschen usw. Das ist ja ganz vielschichtig.
Aber diese Herstellungskosten: Selbst wenn ich wüsste, dass ich materiell oder für die Versicherung oder für die Währung einen hohen Wert darstellte, so wäre Emanuela, die hier am Stammtisch sass, aufgrund ihrer zerbrochenen Liebe genauso sagen: Ich bin ja nur eine kleine Verkäuferin. Sie würde nicht sagen: Ich bin eine Million wert. Nein, sie würde genauso sagen: Ich bin nur eine kleine Verkäuferin. Mit anderen Worten: Ich bin nichts wert.
Das hat damit zu tun, wie sie ihren eigenen Beruf einstuft. Verkäufer ist ein guter Beruf, aber offensichtlich in unserer Gesellschaft nicht so hoch geachtet wie ein Arzt oder ein Jurist. Lorenz wusste da ja einen schlauen Rat: Dein Wert ist doch nicht abhängig von deinem Beruf, deiner Stellung und schon gar nicht von anderen Menschen, sondern von deiner Persönlichkeit. Das klingt doch gut, und viele würden das vielleicht sogar unterschreiben. Doch wenn wir das genauer betrachten, stimmt das nicht ganz, was Lorenz gesagt hat.
Wert ist eben nie unabhängig. Wert steht immer in Bezug zu etwas oder in Bezug zu jemandem. Das lässt sich mit einer Hundertfranken-Note ganz einfach zeigen. Das ist eine Hundertfranken-Note. Und natürlich: Was hat die wert? Die hat hundert Franken Wert. Und wenn wir jetzt aber die Nationalbank anfragen, das könnt ihr auch im Internet nachschauen, wie der Wert dieser Note ist: Der Materialwert mit Herstellungskosten liegt bei dreissig Rappen. Also wir transportieren einen Materialwert von dreissig Rappen und bekommen etwas für hundert Franken.
Also ist diese Hunderternote einfach ein Wertpapier. Übrigens: Der Wert der Zehnernote, der Fünfziger, der Zweihundertfranken-Note, der Materialwert ist praktisch derselbe: dreissig Rappen. Die werden ja immer wieder eingestampft und wieder neu gemacht. Deshalb haben wir immer so schöne Noten in der Schweiz, weil die immer wieder eingezogen werden, die nicht mehr so schön sind. Aber dreissig Rappen. Dieses Papier hat aber hundert Franken Wert.
Und dass die Zweihunderter, die praktisch gleich sind vom Wert und vom Papier, und die Tausender, die praktisch gleich viel wert sind, nur diesen Wert haben, weil wir dieser Note diesen Wert zugestehen. Wir haben gesagt: Diese Note mit dieser Aufschrift hat hundert Franken Wert. So handeln wir bedenkenlos, schieben Papier hin und her, das überhaupt nichts wert ist, im Grunde genommen, weil wir diesem Papier diesen Wert zugestehen.
Ob etwas wertvoll ist, hängt also davon ab, ob wir ihm diesen Wert geben oder nicht. Das können auch Sammler gut nachvollziehen, etwa beim Markensammeln. Ich habe auch mal Marken gesammelt. Da denkt man: So ein kleines Papier, wie kann da jemand 10 Franken für bezahlen? Liebhaberwert. Und dann gibt es genügend Liebhaber, die das wollen, und dann steigt der Preis. Aber es ist nicht ein realer Preis, es ist ein anderer. Da sagt jemand: Was, für das zahlst du 10 Franken? Du bist ja auch recht blöd. Da würde ich mir ganz etwas anderes kaufen.
Es heisst also die Frage: Welchen Wert geben wir einer Sache? So verhält es sich auch mit dem Wert eines Menschen. Kein Mensch kann aus sich heraus einen Wert holen. Einen Wert bilden, das ist eine absolute Illusion unserer Gesellschaft. Wir meinen, wir können uns selber wertvoll machen, wir können einen Wert aus uns herausholen. Wertvoll sind wir nur, weil uns jemand für wertvoll hält, zum Beispiel meine Eltern, meine Ehepartner, meine Kinder, meine Freunde. Und sprecht einmal mit Menschen, die niemanden haben und niemanden wissen, der denkt, für den bin ich wertvoll. Sprecht mal mit denen, wie es ihnen geht.
Da könnt ihr lange so schöne Sprüche machen wie der Lorenz: Ja, die Persönlichkeit ist ein Wert. Ja, dann sagt er: Wenn ich so bin wie du, könnte ich das auch sagen. Und deshalb sind Beziehungen für uns wichtiger, als wir uns dessen oft bewusst sind. Manuela kann aus ihrer Persönlichkeit keinen Wert ableiten, sie kann keinen Wert aus sich heraus schaffen.
Weil wir das nicht können, machen wir unseren Wert oft an Äusserlichkeiten fest, zum Beispiel am Beruf. Je angesehener mein Beruf ist, desto wertvoller fühle ich mich. Doch wenn ich meine Arbeit verliere, bricht der Wert in mir zusammen. Oder wenn ich irgendeinen Unfall habe. Oder denken wir an die Menschen, wir sprechen jetzt von denen, die gestorben sind in Paris, denken wir mal an die, die schwer verletzt sind, was das für ein Leben bedeutet, die traumatisiert sind, die zum Teil dann ihre Berufe nicht mehr ausüben können. Und dann bricht, wenn ihr Wert rein auf ihre Ausbildung beruht, plötzlich alles ineinander zusammen. So ein Ereignis kann alles zerstören.
Wir können uns auch durch Gegenstände Wert verschaffen: Haus, Auto, Wohnungseinrichtung, Smartphone, Kleider. Auch bei Jungen wichtig: was für eine Marke man trägt. Denn wenn man die Marke trägt, ist man in, die andere ist man out. Ich verstehe zwar nicht genau, welche Marken dann in und out sind, aber dass Kleider Leute machen, steigt meinen Wert.
Und damit will ich auf keine Weise sagen, dass man keinen angesehenen Beruf erlernen sollte oder man kein Haus oder kein schönes Auto besitzen dürfte. Ich will eigentlich nur das eine sagen: dass wir uns oft unbewusst auf diese Weise Wert verschaffen. Wir machen uns wertvoll mit Dingen, die um uns herum sind, und wir schaffen den Wert nicht aus uns heraus. Das ist gar nicht möglich.
Die Frage stellt sich deshalb, ob es einen Wert gibt, der unabhängig von meiner beruflichen Tätigkeit und unabhängig von meinem Wohlstand ist. Ein Wert, der bestehen bleibt, wenn mein Leben zusammenbricht. Was macht einen Menschen wertvoll? Was macht dich und mich wertvoll? Das ist die Frage, die ich heute beantworten möchte. Und vielleicht bist du mit meiner Antwort einverstanden, vielleicht hast du eine ganz andere Meinung.
Aber wie auch immer du meine Antwort bewerten wirst, sie wird dich zum Nachdenken anregen. Das ist auch schon schön und wichtig. Manchmal ist es wichtig, dass wir gerade solche Fragen überlegen. Die Frage nach dem Wert des Menschen ist im Grunde eine ganz persönliche und eine existenzielle Frage.
Wer bin ich eigentlich in diesem unendlichen Universum? Wer bin ich da? Ich kurve da in Zürich in einem riesigen Universum auf einem Planeten mit Milliarden von Menschen. Wir betreten die Welt für einige Jahre und verlassen sie relativ schnell. Vor uns lebten Milliarden von Menschen, nach uns leben Milliarden von Menschen. Die Bibel bringt diese Tatsache so schön auf den Punkt: Was ist euer Leben? Ein Dampfwolke seid ihr, das für eine kleine Weile zu sehen ist und dann wieder verschwindet. Schubs und weg.
Und oft nehmen wir uns doch so wichtig. Dabei scheinen wir weg. Diese Woche: 29-jähriger Schwinger, Herzstillstand, weg. Tragisch. Wer sind wir?
Jesus erzählte eine kurze Geschichte, die uns zeigt, was einen Menschen wertvoll macht. Er erzählte diese Geschichte vor allem wegen der Pharisäer und Schriftgelehrten. Diese Leute nahmen den jüdischen Glauben sehr ernst. Sie hielten sich an Vorschriften, machten noch zusätzliche Vorschriften, sie schrieben, sie waren sozusagen die Superheiligen der damaligen Welt. Sie hielten alles ganz exakt, machten Gesetze dazu, und weil sie so perfekte Musterschüler waren und so stolz auf ihre religiöse Leistung, sahen sie auf alle Menschen, die das nicht tun, herab. Das waren für sie Sünder, vor Gott ohne Bedeutung. Blöd, dass sie noch auf der Welt sind. Was suchen die überhaupt noch hier?
Dazu, zu diesen Sündern, gehörten auch die damaligen Zöllner, die durch betrügerisches Verhalten ihren Reichtum steigerten. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten, die so von sich eingenommen waren, die dachten, sie seien die Leute, auf die man schauen muss, die, die es richtig machen, und die anderen, die gehören zum Abschaum der Menschheit, völlig wertlos, diesen Menschen erzählt Jesus eine kurze Geschichte.
Wie ist es, wenn eine Frau zehn Silberstücke hat und eines davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte. Und sie machen ein Riesenfest.
Ich sage euch, sagt Jesus, genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt. Jesus erzählte diese Begebenheit, eine Begebenheit, die eigentlich in jedem Haushalt vorkommen kann. Man verliert etwas und muss es dann suchen. Das würden wir natürlich genauso machen. Die Münze dieser Frau, ein wertvoller Besitz von ihr, hat sie aus irgendeinem Grund verloren. Und der Wert dieser Münze? Den können wir heute leider nicht mehr so genau feststellen. Das ist eigentlich eine Drachme, wie wir hier oben sehen. Im griechischen Grundtext, im Neuen Testament, steht Drachme, nicht Silbermünze. Und diese Drachme entsprach ungefähr einem Tageslohn.
Also sie hatte ja eigentlich einen Tageslohn verloren. Jetzt können wir sagen: Ja, so viel ist es ja auch nicht. Wenn wir unseren Tageslohn ansehen, einen Tageslohn könnte man noch verkraften. Dass die jetzt ein Theater macht wegen diesem Tageslohn. Aber das können wir natürlich nur sagen, wenn wir noch ein bisschen gefülltes Bankkonto haben. Dann ist ein Tageslohn vielleicht in diesem Verhältnis nicht so viel. Aber diese Frau besass nur diese zehn Münzen. Das war ihr ganzer Besitz. Wenn von diesen zehn Münzen eine weg ist, dann ist halt sehr, sehr viel weg.
Und sie durchsucht ihre Wohnung, schaut in jede Ecke, unter jedes Möbel, putzt den Boden. Irgendwo, denkt sie, muss doch diese Münze zu finden sein. Die Zuhörer stimmen Jesus natürlich innerlich zu. Das würden sie auch tun in einer solchen Situation. Auch wir würden alle Hebel in Bewegung setzen, wenn wir etwas Wichtiges verloren hätten.
Kürzlich hat mein Sohn den Autoschlüssel verloren. Und er hat irgendetwas mit den Autos jongliert, und dann hat er plötzlich keinen Autoschlüssel mehr gehabt. Ja, in der Nacht ist er noch einmal, ich weiss nicht, nach Regensdorf gefahren und wieder zurück und hat das Auto noch einmal durchsucht. Und dann hat meine Frau das Auto noch durchsucht, und ich habe es auch noch durchsucht. Der Schlüssel war nicht da. Wir mussten einen neuen bestellen, das war ziemlich teuer. Also wir suchen das auch. Übrigens: Mittlerweile ist er wieder erschienen. Mein Auto hat einen Totalschaden gemacht, und dann ist er unter dem Sitz nach vorne gerutscht. Aber ein bisschen. Jetzt haben wir wenigstens den Autoschlüssel wieder. Alles hat auch manchmal noch eine gute Seite. Aber nicht ich habe ihn gemacht, das hat ein Neffe von mir. Das passiert leider, aber es ist ihm sonst nichts passiert.
Wie wertvoll diese Münze für diese Frau war, sehen wir an ihrer Reaktion, als sie die Münze fand. Sie ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte. Das war eine Riesenfreude. Also mit dem Autoschlüssel hätte ich das nicht gemacht. Ich hätte nicht meine Nachbarn geholt und gesagt: Kommt, jetzt feiern wir, ich habe den Autoschlüssel wiedergefunden. Da hätten wir dann, aber da sehen wir, was für ein grosser Teil ihres Besitzes das war, dass sie nachher ein Fest macht.
Mit dieser kurzen Geschichte will Jesus den selbstgerechten Pharisäern klar machen, dass die Menschen, die sie verachten, die ihrer Ansicht nach für Gott komplett verloren sind, in den Augen Gottes immer noch wertvoll sind. In dieser Geschichte ist die Frau ein Symbol. Sie symbolisiert eine andere Person, und auch die Münze symbolisiert eine Person. Ich nehme an, die meisten ahnen das. Was könnte die Frau sein? Wen könnte die Frau symbolisieren? Gott, ja. Und die Münze? Manche, genau. Das sind die Menschen.
Die Frau symbolisiert Gott, der die Münze sucht. Das ist der Mensch. Die Münzen zeigen uns, dass der Mensch für Gott sehr wertvoll ist. Die Bibel lässt keinen Zweifel darüber offen, dass der Mensch von Gott geschaffen wurde, und Gott hat den Menschen eine hohe Würde gegeben. Als er die Menschen schuf, hiess es: Gott schuf die Menschen nach seinem Bilde, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau. Durch die Ebenbildlichkeit, die wir zu Gott haben, hat uns Gott eine unglaublich hohe Würde gegeben als Menschen.
Ich weiss, es gibt Menschen, die sind lieber ein Tier. Aber ich finde es grossartig zu wissen, dass ich ein Ebenbild Gottes bin, dass mir Gott dadurch eine besondere Würde gibt und ich für ihn wertvoll bin.
Damit wir das, was Jesus den Pharisäern erzählt, besser verstehen können, will ich euch das mit einem Goldvreneli zeigen. Ich weiss nicht, ob die Jungen noch wissen, was ein Goldvreneli ist. Wer hat noch ein Goldvreneli zu Hause? Früher hat man das so zu Weihnachten bekommen von Gotti und Götti und so. Dieses Goldvreneli ist natürlich aus Gold, sonst würde es nicht Goldvreneli heissen. Das ist relativ klein, das ist ein 20-Franken-Stück Goldvreneli. Aber wohlbemerkt: Dieses Goldvreneli hat einen Wert von circa 200 Franken. Ich könnte morgen zur Bank gehen, das am Bankschalter abgeben, und ich würde ungefähr 200 Franken bekommen. Und dann könnte ich mir etwas Schönes kaufen.
Und wenn sich jemand auskennt mit Goldvreneli, dann könnte ich sogar mit dem Goldvreneli etwas kaufen, wenn er den Wert zeigt. Ihr könnt das im Internet eingeben: Wert Goldvreneli. Dann werdet ihr sehen, es kommt dann zum Teil sogar noch auf den Jahrgang an. Es gibt, glaube ich, Jahrgänge, die sind mehr wert, und je nach Goldpreis sinkt und steigt das.
Wenn ich das Goldvreneli aber verliere, ich meine, jetzt kann ich morgen auf die Bank gehen, aber wenn ich das Goldvreneli verliere, jetzt kann ich morgen nicht mehr auf die Bank gehen, jetzt habe ich kein Goldvreneli mehr. Jetzt ist das Goldvreneli weg. Es ist für mich im Moment wertlos geworden, obwohl es immer noch ein Goldvreneli ist. Also das Goldvreneli hat immer noch den Wert, den es besitzt, aber für mich hat es keinen Wert mehr. Es ist einfach nicht mehr in meinem Besitz, es ist wertlos geworden für mich, nicht handelbar.
Genauso ist es, wenn Menschen sich von Gott entfernen, wenn sie mit Gott nicht sprechen und nichts mit ihm zu tun haben möchten. Sie haben sich von ihrem Schöpfer entfernt. Aber trotzdem bleiben sie in den Augen Gottes wertvoll, weil sie eben Ebenbilder Gottes sind. Der Mensch behält für Gott einen hohen Wert. Deshalb ist es ihm nicht gleichgültig, wenn sich jemand von ihm entfernt. Wenn die Menschen nicht nach ihm fragen, ist ihm das nicht egal. Wenn sie sagen: Da komme ich, pfeife auf Gott, Gott gibt es gar nicht, ist ihm das nicht egal. Weil der, der sagt: Ich pfeife auf Gott, ist in seinen Augen immer noch wertvoll. Zwar nicht in der Beziehung zu ihm, aber es ist ein Goldvreneli, es ist sein Geschöpf, es hat einen Wert.
Wie diese Frau, die nach der Münze sucht, setzt Gott alle Hebel in Bewegung, um diese wertvollen Menschen wieder zurückzugewinnen. Er wollte sie nicht einfach liegen lassen. Der Mensch ist für Gott zu wertvoll, deshalb scheut er keinen Aufwand. Gott liebt das, was die Pharisäer verachteten. Das ist das, was Jesus ihnen hier deutlich macht. Gott liebt das, was sie verachten, und deshalb sandte er seinen Sohn Jesus Christus.
Und einmal sagt Jesus: Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn Jesus Christus für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht. Gott sandte seinen Sohn in die Welt, und so kehrte er bildlich das Haus um und suchte nach Menschen, die sich von ihm abgewandt hatten.
Jesus sagte einmal den Pharisäern, die einfach nicht verstehen wollten, warum sich Jesus mit diesen schlimmen Sündern abgibt und sich nicht mehr Zeit nimmt für sie: Ich bin nicht gekommen, um Menschen, die sich für gerecht halten, die meinen, sie seien gerecht, die meinen, durch ihre frommen Werke könnten sie irgendetwas verdienen, zu rufen. Ich bin gekommen, um Sünder zur Umkehr zu rufen. Ich bin gekommen, um dieses Goldvreneli zu suchen, um diese Münze zu finden.
Das Goldvreneli ist weg, aber Gott hat eine grosse Suchaktion gestartet. Er will das Goldvreneli wieder auflesen und zu sich nehmen. Das geschieht aber nicht wie in dieser Geschichte, dass er es wie die Frau auflesen könnte. Denn das werden wir dann gleich noch sehen: Gott respektiert immer die Persönlichkeit und die Autonomie des Menschen. Der Mensch ist dann eben nicht eine Münze. Menschen sind eben eigenständige Persönlichkeiten und keine Münzen. Gott wird das Goldvreneli nur dann aufnehmen, wenn das Goldvreneli das will. Weil wir Ebenbilder Gottes sind, und wir sind eben nicht Marionetten Gottes. Und weil wir Ebenbilder Gottes sind, will Gott uns nicht behandeln, wie wenn wir Marionetten wären, sondern er will nur das tun, was wir auch wollen.
Und wenn wir liegenbleiben wollen, mir ist das egal, ich liege gern im Dreck, ich habe nichts dagegen, wenn die Leute auf mir herumtrampeln, und wenn mein Leben halt schiefläuft und ich keine Perspektiven habe. Mir ist das egal, ich will liegen bleiben. Dann lässt Gott natürlich das Goldvreneli liegen.
Gott lädt uns Menschen ein, wie damals die Zöllner und Sünder. Und nicht alle Zöllner und Sünder sind Jesus gefolgt. Aber die, die auf das Werben Gottes reagieren, das ist bis heute so: Die auf das Werben Gottes, auf seinen Ruf reagieren und sagen: Ja, ich will, dass du mich aufhebst, die hebt Gott auf. Und wenn Gott einen Menschen aufhebt, dann kommt sein Wert, den er hat als Mensch, wieder richtig zur Entfaltung. Dann ist der Mensch wie zu seiner Bestimmung zurückgekehrt, nämlich zu dem, der ihn erschaffen hat.
Das ist das Grossartige des Evangeliums, das Grossartige der Botschaft der Bibel, dass Gott den Menschen, der sich von ihm abgewandt hat, ruft und ihn wieder quasi zur Entfaltung bringt, den Wert, den er hat. Wenn Gott einen Menschen aufgehoben hat, dann kommt unser Wert so richtig zur Entfaltung. Der Mensch findet zu seiner eigentlichen Bestimmung zurück.
Die Bibel spricht in ganz starken Bildern davon, was geschieht, wenn ein Mensch auf Gottes Rufen reagiert und sich aufheben lässt. Jesus sagt: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung mehr zurück, er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan. Gott hat ihn aufgelesen.
Unsere Frage lautet ja: Was macht dich wertvoll? Eigentlich ist das die falsche Frage. Die Frage müsste lauten: Wer macht dich wertvoll? Wer? Mit der Geschichte, die Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten erzählt, macht Jesus deutlich, dass jeder Mensch wertvoll ist. Jeder Mensch ist wertvoll, weil er ein von Gott geschaffenes Geschöpf ist und vor allem, weil jeder Mensch in Gottes Augen unvorstellbar wertvoll ist, selbst wenn er sich gegen Gott sträubt.
Dieser Wert ist komplett unabhängig von unserem Beruf, von unserem Reichtum, von unserer sozialen Stellung. Gott sucht den Menschen, weil er ihn wertvoll findet, nicht weil er einen guten Beruf hat. Gott sucht den Menschen, weil er wertvoll ist und nicht weil er reich ist. Einzig und allein sucht Gott den Menschen, weil er Mensch ist. Ein Geschöpf Gottes.
Paulus sagte einmal: Gott beweist uns seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. Also Gott sagt nicht: Du musst zuerst ein guter Mensch werden, dann lese ich dich auf. Sondern ich lese dich auf, wenn du das willst, auch wenn du kein guter Mensch bist. Gott hat alles unternommen, damit wir zu ihm zurückkehren können.
Jesus selbst gibt der Münze jetzt in seiner Erzählung plötzlich ein eigenständiges Leben, wenn er abschliessend sagt: Ich sage euch, genau so freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt. Also plötzlich erzählt er die Geschichte dieser Münze, die die Frau aufhebt, und plötzlich wendet er das an und zeigt, dass diese Münze nicht nur tot ist, sondern er weckt sie zum Leben. Jetzt kann diese Münze plötzlich umkehren. Sie kann plötzlich scheinen: Ja, nimm mich, nimm mich, nimm mich. Sie kann sich finden lassen sozusagen.
Diese verlorene Münze muss wollen. Sie muss zu Gott zurück wollen. Wenn sie will, wird Gott sie auflesen. Wer Gott sagen will, dass er zurück möchte, kann das übrigens mit einem einfachen Gebet tun. Paulus schreibt den Christen in Rom, in der Bibel kann man das nachlesen: Ob jemand Jude oder Nichtjude ist, macht keinen Unterschied. Alle haben denselben Herrn, und er lässt alle an seinem Reichtum teilhaben, die ihn im Gebet anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Oder um das Bild zu nehmen, das Jesus braucht mit dieser Münze: Jeden, der den Namen des Herrn anruft, den wird der Herr auflesen.
Ich bete mit uns.
Ich möchte dir danken, Vater, für die Bibel, die wir haben, die uns doch viel Einblick gibt in dein Denken, was dir wichtig ist. Ich denke, gerade in unserer Zeit, wo wir sehen, wie viel Verunsicherung da ist, wie unser Leben bedroht ist, ist die Frage schon noch wichtig, wohin wir überhaupt gehen, wie wertvoll wir sind, wer wir überhaupt sind. Und ich danke dir, dass es dir nicht gleichgültig ist, dass wir Menschen uns von dir abgewandt haben, sondern dass du alles daran gesetzt hast und das auch noch heute tust, dass Menschen zu dir zurückkommen, damit ihr Werk so richtig zur Entfaltung kommt und ihr Leben wirklich auf ein gutes Ziel hinläuft. Ich danke dir und bete dich an. Amen.