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Gute Nachricht

21.06.2026

Einleitung: Gute Nachrichten und ein veränderter Blick

Ja, guten Morgen zusammen, guten Morgen!
Ich habe euch heute Morgen einige gute Nachrichten mitgebracht. Nicht ganz so gut vielleicht wie hier, da sind wir persönlich natürlich näher dran an so etwas, wenn wir den Ezra Lewy hier begrüßt haben. Aber da sind wir schon beim Thema.
Eine gute Nachricht wäre zum Beispiel: Die weltweite Kindersterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als halbiert. Eine gute Nachricht, oder?
Oder noch eine gute Nachricht: Vor 50 Jahren gab es in Deutschland circa 20 Verkehrstote pro Jahr. Heute liegt die Zahl unter 3000. Das ist eine gute Nachricht, oder?
Extreme Armut ist drastisch zurückgegangen. Im Jahr 1990 hat man ungefähr 2,3 Milliarden Menschen gezählt. Drastische Armut bedeutet, dass sie von weniger als drei US-Dollar am Tag leben müssen. Und jetzt, im Jahr 2025, ist es auf rund 831 Millionen geschrumpft. Ist doch eine gute Nachricht.
Oder wenn wir die Weltmeisterschaft anschauen, dann gibt es viele Fußballer, die ihren christlichen Glauben in einer Deutlichkeit bekennen, wie wir das bei den letzten WM und EM so nicht erlebt haben. Das ist eine gute Nachricht, oder?
Was macht das mit dir, wenn du so gute Nachrichten hörst? Wie geht es dir da? Da ist noch keiner aufgesprungen oder gehüpft, gell?
Ja, ich verstehe es auch. Aber manchmal habe ich auch so ein bisschen den Eindruck, dass wir als Gläubige, gar nicht absichtlich, den Fokus ein wenig auf negative Nachrichten haben. Dass wir uns manchmal gar nicht mehr so freuen können über die guten Nachrichten. Manchmal blenden wir vielleicht sogar das Positive ein bisschen aus.
Ich meine, um es praktisch zu machen: Wie oft hast du für das Wetter gedankt, und wie oft hast du um anderes Wetter gebeten? Einfach nur eine praktische Anwendung.

Gottes Gaben in Alltag, Handwerk und Erkenntnis

Oder jetzt mal in Bezug auf das, was Menschen so alles können und hinkriegen: Es ist doch enorm, dass Gott die Menschen mit so krassen Fähigkeiten ausgestattet hat.
Am Anfang hat Gott dem Menschen ja den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Er hat sie gesegnet und uns Menschen mit Fähigkeiten und Ressourcen ausgestattet, damit wir diesem Auftrag nachkommen können.
Manchmal denken wir: Wenn Gott ausstattet, dann sind das alles so Geistesgaben. Und ja, auch. Aber ich bin im Studium über das Wirken des Heiligen Geistes im Alten Testament auf Bezalel gestoßen. Kennst du Bezalel? Von ihm lesen wir in 2. Mose 31. Ich lese euch da mal drei Verse vor.
Und da heißt es über ihn: „Ich habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt.“ Oha, bin ich da schuld? Ja, ist das mein Mikro? Sonst kann man zu dem wechseln hier, dann könnt ihr einfach das andere ausmachen, wenn es gut ist. So, genau, okay, aha, besser, sehr schön. Okay, ich meine, aufwachen und wach sein ist ja gut hier, gell?
Genau. Also, die Stelle aus 2. Mose 31: Es geht um Bezalel. In Vers 3 heißt es:
„Ich habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit Geschicklichkeit für jede Arbeit, um Kunstwerke zu ersinnen und sie auszuführen in Gold und Silber und in Erz und um Edelsteine zum Besatz zu bearbeiten und um Holz zu schnitzen, so dass er Kunstwerke aller Art ausführen kann.“
Das ist doch interessant, oder? Gott gibt Menschen Möglichkeiten, Dinge gut zu machen, Dinge schön zu machen, kunstvoll. Er hat uns Möglichkeiten gegeben, um diesen Planeten zum Besseren zu verändern. Er hat auch dir Begabung geschenkt, Ressourcen, Möglichkeiten.
Und in Jesaja 28 schreibt Jesaja davon, dass die Klugheit und das Wissen von Landwirten letztendlich von Gott kommt. Da geht es um Weizen und Gerste und Dill und Kümmel, solche Dinge. Und wir dürfen diese positiven Dinge, diese guten Entwicklungen, die Dinge, die wir können, die Möglichkeiten, anschauen. Wir dürfen darüber staunen und dahinter Gott sehen, der uns Menschen mit enormen Fähigkeiten ausgestattet hat, um Gutes zu tun.
Ich lese euch mal nur die Passage vor, damit ihr eine Ahnung davon bekommt, was Gott durch Jesaja über Landwirte sagt. Hättet ihr vielleicht gar nicht gedacht, dass es um Landwirtschaft geht, aber in Jesaja 28 steht es. Und sie werden extra aufgefordert hinzuhören. Passt auf:
 Jesaja 28,23: „Horcht auf und hört auf meine Stimme, gebt Acht und hört meine Rede.“
Ich denke: Okay, was kommt jetzt?
 Jesaja 28,24: „Pflügt der Ackersmann den ganzen Tag, um zu säen? Zieht er Furchen und egget er auf seinem Acker den ganzen Tag? Ist es nicht so, wenn er ihn geebnet hat, so streut er Dill aus und sät Kümmel, wirft Weizen in Reihen und Gerste auf das abgesteckte Feld und Spelt an seinen Rand? Und dieses Vorgehen lehrte ihn sein Gott, er unterwies ihn, dass er den Dill nicht mit dem Dreschwagen drischt und das Wagenrad nicht über den Kümmel führt, sondern Dill wird mit dem Stab ausgeklopft und Kümmel mit dem Stock. Wird Brotkorn etwa zermalmt? Nein, er drischt es nicht unaufhörlich aus. Selbst wenn er sein Wagenrad und seine Pferde darüber jagt, so zermalmt er es nicht. Auch dies geht aus von dem Herrn der Heerscharen, denn sein Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus.“
Interessante Stelle, oder? Interessante Stelle.

Der Wille Gottes und die Haltung des Herzens

Was meinst du? Haben die meisten Bauern ihre Fähigkeit in der Landwirtschaft von ihren Eltern oder von einem Meister oder Lehrer gelernt, oder haben sie sie direkt von Gott bekommen, quasi in einem Traum, in einer Vision oder irgendwie so? Was denkst du?
Ich gehe schon davon aus, dass hier gemeint ist: Dieses Vorgehen lehrte ihn, den Bauern, sein Gott. Haben also nur gläubige Bauern das Wissen, wie man es richtig macht? Ich glaube nicht, dass das die Aussage dieser Stelle ist. Ich glaube, dass Jesaja hier den Fokus darauf legt, dass diese Fähigkeit, zu lernen, Dinge richtig zu machen, Erfolg zu haben und Gutes hervorzubringen, letztendlich von Gott kommt. Er hat es in Menschen hineingelegt.
Das stimmt ja auch, auch wenn Gott Menschen benutzt, wie Eltern, einen Lehrmeister, Berufsschullehrer und heute vielleicht sogar YouTube-Videos, mit deren Hilfe wir Menschen lernen können, Dinge besser zu machen. Wenn Gott uns diese Möglichkeiten nicht zugestehen würde, wenn er es blockieren würde, hätten wir sie nicht. Dann wäre nichts davon möglich.
Und Jesaja fordert hier seine Leser auf: Hör mir zu, achte darauf. Gott hat diese Möglichkeit geschaffen. Gott gibt das dem Bauern zu verstehen. Und die Schlussfolgerung ist: Gottes Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus.
Das Handwerk von Bauern und Landwirten, die kunstvollen Handgriffe und Fähigkeiten von einem Bezalel, der dazu beigetragen hat, dass die Stiftstätte zum Meisterwerk an Kunstfertigkeit und Schönheit wurde. All diese Fortschritte, ja auch in Wissenschaft und Medizin und Forschung und Technik, ja auch die Möglichkeiten zur Evangelisation, Menschen zu helfen, wie wir sie heute haben, wie wir sie noch nie hatten, sie sind möglich, weil Gott uns Menschen diese Fähigkeiten nicht nur zugestanden, sondern gegeben hat.
Und wir dürfen und sollen das anschauen, dürfen uns darüber freuen und unserem Herrn für diese großartigen Dinge und die positiven Entwicklungen immer wieder danken. Es war mir wichtig, heute Morgen das mal von dieser Seite zu beleuchten, weil ich wirklich glaube, dass wir uns manchmal versündigen, wenn wir die guten Dinge, die Gott in unser Leben und auch auf unsere Erde gegeben hat, nicht sehen und ignorieren. Wenn wir immer nur den Fokus auf das haben, was nicht klappt, und auf alles, was gegen Gott passiert und was sich negativ entwickelt.
Ich meine, wenn wir ehrlich sind – ich habe es vorher schon angeschnitten – wenn wir auf unsere Gebete achten, dann fällt es uns häufig ganz, ganz leicht, Gebetsanliegen zu formulieren. Was wir uns alles wünschen, was wir alles wollen, was alles anders sein sollte. Aber wenn es Gott darum geht, Gott anzubeten und zu bestaunen für das, was er gewirkt hat, für das, was er ist, für das, was er gegeben hat, mal ganz ehrlich, da sind wir manchmal viel schneller fertig, oder? Ist es nicht so?
Und ich glaube, dass wir da tatsächlich oft in einem gewissen Ungleichgewicht leben.

Zwischen Negativfokus und biblischer Fröhlichkeit

Und klar, wir sind Kinder unserer Zeit. Wir werden von unserer Zeit geprägt, ob wir wollen oder nicht. Wenn wir nicht gerade als Einsiedler im Wald leben, ohne Kontakt zur Außenwelt, dann bekommen wir sehr viele Nachrichten darüber zu hören, was auf der Welt passiert. Und diese Nachrichten sind gefühlt zu neunzig Prozent negativ, mindestens, oder?
Und es prägt uns, ob wir wollen oder nicht. Aber ich glaube, es ist gut, hier zusammenzukommen, ins Wort hineinzuschauen und immer wieder zu sehen: Oha, Gott steht darüber. Es gibt Dinge, die gut sind.
Denn ansonsten, wenn wir den Fokus zu sehr auf das Negative richten, was ja auch stimmen kann, dann sind wir in Gefahr, dass es uns sehr schwerfällt, Gottes Willen zu tun. Warum? Nun, wenn wir nach Gottes Willen fragen, dann haben wir manchmal im Kopf: Okay, ich möchte Gottes Willen tun, also soll er mir jetzt konkret sagen, was ich tun soll, oder? Also welche Arbeitsstelle, vielleicht welchen Ehepartner, und ob ich umziehen soll oder nicht. Solche Dinge würden wir uns gern wünschen, dass er uns konkret sagt.
Aber in seinem Wort finden wir ja wenig so konkrete Anweisungen. Also die Worte Speichingen, Tuttlingen oder Drossingen kommen hier nicht drin vor, und da sind auch keine modernen Berufe enthalten. Die Bibel zeigt uns Prinzipien und Grundsätze auch zum Willen Gottes, und gerade zum Willen Gottes. Und ich möchte euch mal eine Stelle zeigen, wo ganz klar steht, was Gott von dir und von mir will: 1. Thessalonicher 5,16-18.
Und da heißt es in 1. Thessalonicher 5,16-18: Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.
Und ich glaube tatsächlich, das ist viel wichtiger als die Frage, welchen Beruf du hast und wie genau du jetzt den heutigen Nachmittag verbringst. Es ist wichtig, diese Einstellung zu haben, den Willen Gottes zu tun, auch darin, fröhlich zu sein. Und da kann es ja durchaus mal helfen, den Blick auf positive Entwicklungen zu richten, oder? Nicht nur auf das Negative. Es ist schwierig, wenn alles um dich herum nur immer schwierig und negativ ist, dann fröhlich zu sein. Das ist nicht so einfach.
Es ist wesentlich, ohne Unterlass zu beten. Wenn wir Vorhaben und Pläne und Probleme und das, was uns wichtig ist, im Gebet vor Gott bringen, dann hilft uns das, die göttliche Perspektive auf diese Dinge zu bekommen. Und das ist so wichtig.
Und das Dritte, was hier gesagt wird, dass der Wille Gottes ist: Seid dankbar in allen Dingen. Fröhlich sein, allezeit beten, dankbar sein. Ich weiß nicht, bist du ein fröhlicher Mensch? Da muss man seinen Ehepartner fragen oder die Kinder oder seine Nachbarn: Bist du ein fröhlicher Mensch, allezeit? So steht es da, oder? Bist du dankbar in allen Dingen? Nun, das wäre der Wille Gottes. Das wäre der Wille Gottes.
Und es gibt Gläubige, die sind so mit Problemen beschäftigt, dass sie ganz kriesgrämig werden. Es gibt Gläubige, die sind so in ihrer Gedankenwelt drin, dass sie in so einer Art Endzeitstimmung sind, dass sie immer sagen: Oh, das wird alles ganz schlimm, das ist alles ganz furchtbar, und die Welt geht den Bach runter. Und manche laufen mit ganz ernster Miene immer herum, weil sie denken, Fröhlichkeit und Humor hätten im Leben von Gläubigen nichts verloren.
Aber ganz im Ernst: Wenn wir 1. Thessalonicher 5,16-18 ernst nehmen, dann müssen wir sagen, die leben nicht im Willen Gottes.

Gebet, Bitte und die Frage nach Erhörung

Nun sagt mir vielleicht jemand: Ja, aber Daniel, hör mal zu, wir können uns doch die Entwicklung dieser Welt nicht schönreden. Die Bibel spricht doch auch sehr, sehr deutlich von negativen Entwicklungen. Wir können uns doch nicht à la Pippi Langstrumpf die Welt machen, wie sie uns gefällt. Wir müssen doch der Realität ins Auge blicken.
Und mit solchen Leuten bin ich absolut einer Meinung. Das stimmt, ja, ja. Und es ist ja auch so: Es gibt unglaublich viel Leid, Schmerz, Entbehrung und Elend. Es gibt Verfolgung, Ehescheidungen, Abtreibung, Terror, Gewalt, Menschen, die ichbezogen sind, Diktatoren und antichristliche Systeme. Wir können es nicht anders ausdrücken. Und wenn wir die Zeitung aufschlagen, werden wir mit genau diesen Dingen konfrontiert. Und übrigens: Wenn wir die Bibel aufschlagen, dann auch.
Wie kriegen wir das jetzt unter einen Hut? Wie kriegen wir das unter einen Hut? Ich meine, für die positiven Entwicklungen zu danken, fällt uns ja halbwegs leicht. Gut, nicht jeder erkennt auf Anhieb oder denkt auf Anhieb an positive Entwicklungen in Bezug auf die Menschheit. Aber es gibt ja auch positive Entwicklungen in Bezug auf dein persönliches Leben, oder? Also zum Beispiel, wenn Schmerzen nachlassen, oder wenn ein schwieriges Gespräch gut gelaufen ist, oder wenn ich Hilfe erfahren habe in einem finanziellen Engpass und es wieder weitergeht. Kam die Überweisung rein, oder war die Rechnung nicht so hoch, wie ich vermutet habe, dann sind wir dankbar. Das fällt uns ja leicht. Danke, Herr, das geht gut.
Aber Paulus hat ja nicht formuliert: Das ist der Wille Gottes, dass ihr dankbar seid, wenn es gut läuft. Das steht da ja nicht. Er hat auch nicht gesagt: Seid fröhlich, indem ihr die Augen verschließt vor der Not dieser Welt. Hat er nicht gesagt. Manchmal, wenn man Gläubige so anschaut, dann bekommt man den Eindruck, dass sie so leben. So nach dem Motto: Ich danke Gott, wenn ich gut finde, was er macht. Und ich bitte Gott um Änderung, wenn es ein Zustand ist, den ich nicht gut finde.
Aber ich wünsche mir, dass wir heute Morgen in diesem Gottesdienst eine klare Antwort finden auf die Frage: Wie kommen wir dahin, Gott nicht nur dann zu danken, wenn wir auf positive Entwicklungen schauen? Wie kommen wir dahin, fröhlich sein zu können in Situationen, die uns nicht gefallen, die wir eigentlich geändert haben wollen, wo wir vielleicht sogar Gott bestürmen und ihn anflehen, dass er handelt? Und wo wir so oft an den Punkt kommen, wo wir denken: Herr, ich flehe dich doch an, warum gibst du mir nicht, was ich mir wünsche?
Heute haben wir schon den Vers vier aus Psalm 37 gehört. Warum gibst du es mir nicht? Nun, ich denke, die meisten von uns, da sind wir uns im Klaren darüber: Wenn wir Gott bitten im Gebet in böser Absicht, also mit verwerflichen Motiven, dann hört Gott uns nicht. Dann kann er uns nicht erhören und will er auch nicht. Ich glaube, das ist den meisten von uns klar. So heißt ja auch in Jakobus 4,3: Ihr bittet und bekommt nicht. Warum? Weil ihr in böser Absicht bittet. Das Erbetene soll dazu beitragen, eure selbstsüchtigen Wünsche zu erfüllen. Also wenn das der Inhalt unseres Gebetes ist, dann erhört Gott uns nicht.
Ich meine, klar: Wenn ich Gott bitte um einen Lamborghini oder ein Ferienhaus für mich allein auf den Malediven, dann ist Gott nicht der Erfüllungsautomat meines Egoismus. Ich denke, das ist klar soweit. Aber nicht selten sind es ja Bitten, mit denen wir zu Gott kommen, wo wir sagen: Herr, das musst du doch auch wollen, warum tust du es nicht?
Im Vers davor, aber hier im Jakobusbrief heißt es doch: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet. Und ich denke: Ja, aber ich bitte doch, warum kriege ich es dann nicht? Und es gibt ja andere Stellen, wo Jesus das auch formuliert, in einer krassen Art und Weise. Zum Beispiel bist du bestimmt auch schon darüber gestolpert, aus der Bergpredigt, Matthäus 7, wenn es da heißt: Matthäus 7,7-8 Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan.
Und jetzt denkst du vielleicht: Also ganz ehrlich, wenn das funktionieren würde, dann könnte ich auch dankbar sein in allen Dingen. Dann könnte ich auch fröhlich sein. Dann wäre mein Blick ja automatisch auf diese Dinge gelenkt, auf das Gute und auf diese tollen Gebetserhörungen, auf die Türen, die aufgehen, und auf die Schätze, die ich finde. Da kann man dankbar und fröhlich sein.
Aber erlebst du das so? Erlebst du das so? Wandel von Sieg zu Sieg, von einer Gebetserhörung zur anderen, ein Leben voller Dankbarkeit und Freude, weil Gott dir immer gibt, was du willst, weil er dir gibt, was dein Herz sich wünscht? Ist es so bei dir?

Der verborgene Sinn von Gottes Antworten

Lass uns mal ein bisschen tiefer in den Text von gerade eben reinschauen. Ich möchte da etwas ganz Erstaunliches zeigen, das mir in Jahrzehnten nie aufgefallen ist.
 Matthäus 7: Ich lese es noch einmal ab Vers 7:
Bittet, so wird euch gegeben. Sucht, so werdet ihr finden. Klopft an, so wird euch aufgetan. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan.
Und jetzt illustriert Jesus das, Matthäus 7, Vers 9:
Oder ist unter euch ein Mensch, der, wenn sein Sohn ihn um Brot bittet, ihm einen Stein gibt? Und wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gibt? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten?
Moment, was für ein Bild benutzt Jesus, um deutlich zu machen, was passiert, wenn wir bitten? Nur ein Kind, das seine Mama oder seinen Papa um etwas bittet. Schaut noch mal rein: Um was bittet das Kind? Es bittet um Brot, genau, und es bittet um Fisch, ganz genau.
Und was bekommt das Kind? Das steht da gar nicht. Das steht da gar nicht. Ist doch interessant. Es steht nur da, was das Kind nicht bekommt. Ist doch interessant, oder? Ist dir das schon mal aufgefallen? Mir ist es nicht aufgefallen.
Es ist interessant: Es bekommt keinen Stein und keine Schlange. Also vermutlich bekommt das Kind etwas, was wirklich satt macht und was nicht gefährlich oder schädlich ist, oder? Ich denke, das ist klar, ja.
Und Jesus zieht die Schlussfolgerung daraus und sagt: Leute, Mensch, ihr, als verbohrte, böse, hinterhältige, egoistische Menschen, die ihr von Natur aus seid, wenn schon ihr euren Kindern gebt, was ihren Hunger stillt und nicht gefährlich für sie ist, was denkt ihr, wird der gute Vater im Himmel mit seinen Kindern tun? Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten?
Moment noch mal: Was bekommen wir, wenn wir ihn bitten? Gutes. Gutes bekommen wir.
Als Lukas diese Stelle aus der Rede von Jesus wiedergibt, ergänzt er noch ein weiteres Beispiel, auch sehr anschaulich. Ich lese euch kurz vor aus Lukas 11, Vers 11:
Welcher Vater würde seinem Kind denn eine Schlange geben, wenn es ihn um einen Fisch bittet? Das kennen wir schon aus Matthäus 7. Und jetzt ergänzt Lukas: Oder einen Skorpion, wenn es ihn um ein Ei bittet? Oha, Schlangen und Skorpione, ja.
Das Kind bittet um Brot, Fisch und Ei und bekommt weder Stein noch Schlange noch Skorpion. Es geht weiter:
So schlecht wie ihr seid, wisst ihr doch, was gute Gaben für eure Kinder sind, und gebt sie ihnen auch. Wie viel eher wird dann der Vater aus dem Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten?
Oha, bei Matthäus steht hier: Gott gibt seinen Kindern Gutes. Im Lukasevangelium steht: Gott gibt seinen Kindern den Heiligen Geist. Was stimmt denn jetzt?
Nun, weißt du, diese beiden Stellen ergänzen sich genial. Weißt du, warum? Weil du ohne den Heiligen Geist, den Gott dir gibt, nicht erkennen kannst, wie extrem gut das ist, was Gott dir gibt.
Nochmal: Im Beispiel hier sagt Jesus nur, was das Kind nicht bekommt: nichts Schädliches. Und was bekommt es? Es bekommt Gutes. Gutes. Und was ist denn dieses Gute? Ich bin überzeugt, das erkenne ich nur mit dem Heiligen Geist, nämlich, steile These, Achtung: das, was dir tatsächlich passiert.
In anderen Worten: Dein Leben, deine Umstände, deine Situation ist die Erhörung deiner Gebete.
Jetzt sagst du vielleicht: Ja, Moment, Daniel, das macht ja keinen Sinn. Ich meine, dann brauche ich ja gar nicht zu beten. Mein Leben habe ich ja schon. Ob ich jetzt Gott bitte oder nicht, für meine Umstände brauche ich doch nicht zu beten. Ich habe die ja schon. Ich meine, ich bete immer darum, dass sich die Umstände ändern. Darum geht es doch, oder?
Und ich bin heute Morgen da, um dir zu sagen: Nein, darum geht es nicht. Zumindest nicht in erster Linie. Nicht an erster Stelle.
Denn da vorne in der Bergpredigt, da spricht Jesus mal von Heiden, und er sagt, wenn wir beten, Matthäus 6,7:
Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen.
Also Jesus spricht da von Menschen, die denken: Ich kann Gott auf meine Seite ziehen, wenn ich ihm zutexte, wenn ich ihn überzeuge mit meinen Argumenten, wenn ich ihm deutlich mache, wie toll meine Vorschläge sind im Gebet. Aber das sind Leute, die eine Sache nicht begreifen: dass, wenn sie mit Jesus unterwegs sind, Gott schon auf ihrer Seite ist.
Jesus sagt: Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen, nicht diesen Menschen, die plappern wie die Heiden. Denn so geht es hier weiter:
Euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.
Und wir kennen diese Stellen. Aber wenn wir mal ehrlich sind, wären manche Leute fast irre an solchen Stellen, weil sie sagen: Das ist schon fast verstörend. Ich soll beten, aber Gott weiß eh schon, was ich brauche, bevor ich bitte. Wozu soll ich da noch beten?
Und auch wenn wir hier schon öfter darüber gesprochen haben, ich glaube, es ist immer wieder ein Denkfehler, der sich bei uns einschleicht. Warum sollen wir beten?
Ich glaube, ein ganz wesentlicher Teil des Gebetes ist es, dass ich begreife, dass das, was ich bekomme oder vielleicht sogar schon habe, tatsächlich gut ist für mich. Dieser Wechsel in der Wahrnehmung, im Fokus, das passiert im Gebet. Dahin möchte der Heilige Geist meine Gesinnung verändern.
Wir beten oft so, dass wir Gott Vorschläge machen. Und bitte, das dürfen wir. Kinder bitten um Brot und Fisch und Ei, dürfen sie. Bittet, so wird euch gegeben. Aber was wird uns gegeben? Dinge, die uns nicht schaden, Dinge, die uns satt machen. Es wird uns Gutes gegeben.
Und was ist denn nun in einer speziellen Situation das Gute? Nun, wir sind Kinder unseres Vaters. Und als Eltern, ja, einige von euch sind Eltern hier drin, da sind wir uns im Klaren: So kleine Kinder wissen ja oft gar nicht, was das Beste für sie ist. Oder? Die denken eben: Süßigkeiten ohne Ende. Und wir Eltern wissen: Nein, das ist es nicht.
Ja, um was soll man denn dann konkret beten? Es gibt ja so Prediger, die sagen: Ja, bete möglichst konkret, formuliere ganz genau, was du dir wünschst. Nun, das kann man schon machen, nichts dagegen. Ich fand es nur interessant, dass der Apostel Paulus sagt, dass er selbst gar nicht so genau weiß, was er beten soll.
Hättest du das gedacht? Paulus weiß gar nicht so genau, wofür er beten soll. Natürlich, es gibt viele Gebete, auch von ihm erhalten, wo er sehr konkret um Dinge betet. Aber es gibt eine Stelle, wo er das ausdrückt. Ich lese sie euch gleich: dass er es gar nicht so genau weiß.
Warum denn nicht? Nun, ich glaube, es hängt damit zusammen, weil er als reifer Gläubiger sagt: Ich kann doch selbst gar nicht einschätzen und beurteilen, was in dieser Situation jetzt tatsächlich aus Ewigkeitssicht das Beste wäre. Ich bin doch nicht Gott, ich bin doch nicht der Vater. Ich habe eine sehr eingeschränkte Perspektive, einen begrenzten Horizont. Ich bin schwach.
Und Paulus schreibt: Genau deswegen gibt es den Heiligen Geist. Hör mal hin, Römer 8, Vers 26:
Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe; denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gebührt. Aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.
Hast du dich mal gefragt, warum der Geist seufzt? Er tritt ein mit einem Seufzen für uns, das wir nicht in Worte fassen. Was heißt das?
Nun, in Römer 8 ist dreimal von Seufzen die Rede. Kannst du mal darauf achten, wenn du das Kapitel liest? In Vers 22 heißt es von der ganzen Schöpfung, die in Wehen liegt und seufzt, weil sie frei werden will. In Vers 23 heißt es dann, wir selbst seufzen, weil wir wünschen, vom Leib erlöst zu werden, von diesem Fleisch, von dem, was uns so schwerfällt, was uns manchmal wehtut, was uns immer wieder zur Sünde verführt.
Und die Schöpfung, die ganze Schöpfung in Vers 22, seufzt, weil sie frei werden will von der Versklavung, der Vergänglichkeit, dass alles so schnell vorbei ist und es nichts bringt, weil es wieder zur Erde wird und vorbei ist.
Und weißt du, in dieses Seufzen der Schöpfung und von uns Menschen, da stimmt der Heilige Geist mit ein. In dieses Seufzen, das man mit Worten gar nicht beschreiben kann, wo uns die Worte fehlen, wo uns die Ideen fehlen, was jetzt Gutes passieren sollte.
In diesem Seufzen, weil wir gar nicht mehr wissen: Wie kommen wir jetzt aus dieser Misere raus? Wie soll das jemals zu etwas Gutem dienen, was ich gerade erlebe? Und wenn ich nur noch seufzen kann, manchmal vielleicht nur noch weinen kann, manchmal ist mir die Kehle zugeschnürt, ich bringe nichts mehr heraus, da stimmt der Heilige Geist mit ein.
Und wenn wir uns Zeit nehmen und wenn wir dem Heiligen Geist Raum geben, bin ich überzeugt, dann wird er unsere Gesinnung verändern, so dass wir begreifen, dass Gott nicht nur gut ist. Er meint es nicht nur prinzipiell irgendwie gut, sondern er macht es auch gut, und zwar richtig gut.
Nicht Schlange, Stein, Skorpion, aber vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen: auch nicht zwangsläufig immer Brot, Fisch und Ei, sondern noch viel besser. Er weiß, wonach sich unser Herz wirklich sehnt, und er weiß das besser als wir selber.
Vielleicht betest du im übertragenen Sinn um Brot, Fisch und Ei oder um ein saftiges Steak, oder? Und Gott gibt dir kein saftiges Steak, sondern er gibt dir Kraut. Kann das sein, oder?
Jetzt haben wir im Bild gesprochen: Ohne Heiligen Geist sagst du, jetzt habe ich so sehr gebetet für Steak, ich habe nur Kraut bekommen. Gott hat mein Gebet nicht erhört.
Aber wenn wir dem Heiligen Geist Raum geben, wenn wir uns Zeit nehmen, zum Beispiel in die Stille gehen, uns Zeit nehmen zum Nachdenken, zum Hören auf Gott, ihm zugestehen, dass seine Gedanken höher sind als unsere, dann hilft er uns zu begreifen, vielleicht, um in diesem Beispiel zu bleiben, wie Salomo formuliert hat in Sprüche 15,17:
Besser ein Gericht Gemüse mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass.
Stimmt doch, oder? Und plötzlich kannst du fröhlich sein, ohne Steak, weil du sagst: Mensch, stimmt, das Steak, das wäre nett gewesen. Aber das Steak hier, mit tollem Essen, Fünfgängemenü, irgendwas, mit Leuten, die um mich herum sitzen, die mich nicht mögen und nur darauf warten, bis ich irgendwie einen Fleck auf mein Hemd mache oder so, danach habe ich mich nicht gesehnt. Aber jetzt hier mit diesen Leuten zusammen Kraut, super, oder?

Gottes Ziel mit allem, was geschieht

Wissen Sie, viele von uns kennen ja diesen Bibelfers aus demselben Kapitel, der dann gleich kommt, den Vers weiter hinten, Vers 28, wo ich gelesen habe: Römer 8,28. Viele von uns kennen den Wortlaut: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“
Aber das zu begreifen, müssen wir immer wieder durchbuchstabieren. Paulus sagt damit ja: Menschen, die Gott lieben, die bekommen Gutes. Er sagt sogar, sie bekommen Dinge, die ihnen zum Besten dienen.
Nun, was ist denn das Beste? Der nächste Vers, Vers 29, spricht davon. Es geht darum, dass wir als Menschen dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet werden, dahin zurückkommen, zurückfinden, wofür wir bestimmt sind.
Und wie kommen wir dahin? Was ist der göttliche Plan, uns dahin zu verändern? Denken wir vielleicht: Mensch, Paulus, sag es uns doch. Wie schaffen wir das? Wollen wir ja, Jesus ähnlich sein? Ja, wir wollen ein Klima, geprägt von seinem Wesen, seinem Charakter, wo Liebe herrscht, Barmherzigkeit und Annahme, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Fröhlichkeit. Das zu haben, selbst so zu werden, so wie Jesus.
Wie kommen wir da hin, Paulus? Und Paulus wird sagen: Ich habe es euch doch eben beschrieben. Wenn du Gott liebst, dann führt alles in deinem Leben genau dahin. Dein Leben, deine Realität ist die Antwort auf dein Gebet.
Ich habe kürzlich ein Zitat gelesen, das hat mich echt umgehauen, obwohl es eigentlich nur in anderen Worten das beschreibt, was der Gedanke hier aus Römer 8,28 ist. Da heißt es: Wenn ich die Allmacht Gottes hätte, würde ich sehr viel verändern.
Stimmt, oder? Würde uns doch so gehen, oder? Stell dir vor, du hättest die Allmacht Gottes. Da würde man sagen: Oh, jetzt können wir loslegen, den Planeten zum Besseren verändern.
Aber das Zitat geht weiter: Aber wenn ich die Weisheit Gottes hätte, würde ich gar nichts ändern.
Dass dein und mein Leben so ist, wie es ist, ist kein Zufall. Es ist nicht einfach nur das Ergebnis davon, dass wir zu unheilig gelebt und zu wenig gebetet haben. Wir dürfen die Realität, wie wir sie haben und erleben, umarmen.

Sünde, Leid und die größere Geschichte Gottes

Jetzt sagst du vielleicht: Aber Daniel, die Realität ist in vielem nicht gut. In meinem Leben und weltweit passieren Dinge, die Gott nicht wohlgefällig sind. Da ist unglaublich viel Sünde, Hass und Missgunst, Unreinheit und Egoismus im Spiel. Vielleicht erlebst du Schmerzen, vielleicht erfährst du gerade Leid.
Ja, das stimmt. Ich möchte es noch kurz erklären, und ich denke, es ist wichtig, dass wir das begreifen. Sonst kann man Aussagen aus dieser Predigt leicht in den falschen Hals kriegen und aus dem Kontext gerissen wirklich falsch verstehen.
Es stimmt: Die Realität ist in vielem nicht gut. Auch mein und dein Leben ist in manchen Bereichen nicht gut, wegen unserer eigenen Sünde. Sünde hat negative Konsequenzen, und oft genug ist die Realität um uns herum die Folge unserer falschen Entscheidungen. Das stimmt, das stimmt.
Aber weißt du: Als Kind Gottes, das Jesus liebt, bist du befreit, bin ich befreit, auch von den negativen Konsequenzen deiner und meiner falschen Entscheidungen. Wir sind nicht mehr Sklave unserer Vergangenheit. Achtung, bitte nicht falsch verstehen: nicht, weil Gott immer alle Konsequenzen wegnimmt oder auflöst. Es ist noch viel krasser, weil er größer ist als deine und meine falschen Entscheidungen.
Meine Lieblingsbeispiele für diesen Gedanken sind Joseph und Jesus. Schau dir Joseph an. Die Entscheidung der Brüder von Joseph war abgrundtief böse, oder? Sie haben ihren Bruder als Sklaven verkauft. Sie haben ihn nicht getötet, warum? Weil sie dachten, das gibt eine Sauerei und kein Geld, also lassen wir ihn verkaufen. Überleg mal, wie abgrundtief böse man sein muss, so mit dem eigenen Bruder umzugehen.
Was macht Gott daraus? Genau mit diesen falschen Entscheidungen, die durch nichts zu entschuldigen, durch nichts zu beschönigen oder auch nur ansatzweise irgendwie gutzuheißen wären, macht Gott die Rettung einer Nation, inklusive der Brüder, die diese Tat begangen haben. Ist das nicht gewaltig? Haben wir nicht einen allmächtigen, gewaltigen Gott, ihr Lieben?
Das größte Beispiel finden wir am Kreuz. Das größte Unrecht der Menschheitsgeschichte: einem absolut gerechten Menschen, dem man nichts vorwerfen kann, die schlimmstmögliche Verurteilung und Strafe zukommen zu lassen. Schlimmer geht es nicht. Und Gott macht aus diesem größten Unrecht der gesamten Menschheitsgeschichte die größte Rettungstat der Geschichte. Das ist unser Gott.
Einer der Schüler von Jesus, Johannes, schreibt dazu später einmal in einem Brief an Gläubige: Genau dazu ist der Sohn Gottes, also Jesus, in die Welt gekommen, um das, was der Teufel tut, die Werke des Teufels, zu zerstören.
Und genau deswegen müssen wir nicht permanent hadern mit der Realität, mit unserem Alltag, mit dem üblen Job und unserem Chef und den Umständen und den schwierigen Menschen um uns herum, auch nicht mit den Schmerzen vielleicht. Gerade so, als ob diese Realität uns davon abhalten würde, Gottes Willen zu tun.
Wir dürfen sie umarmen, wir dürfen sie akzeptieren. Als von Gott Gegebene und als Menschen, die Gott lieben, dürfen wir sagen: Gott, du machst aus diesem Zerbruch ein Design, du machst aus Scherben Kunst, du machst sogar aus falschen Entscheidungen aus der Vergangenheit etwas, das gut ist für mich. Wie groß bist du?

Annahme, Gnade und die Verwandlung der Perspektive

Vielleicht ist es nicht immer einfach, wenn eine Beziehung zerstört wird. Jeder wird unter den Folgen leiden müssen. Auch wenn Gott die ewigen Folgen für unsere Sünden am Kreuz getragen hat, wird, wer der Sünde Platz gibt, manche negative Konsequenz zu tragen haben.
Es geht nie darum, die eigene Sünde zu verharmlosen oder zu sagen: Ja, Gott kommt schon damit klar. Es ist egal, wenn ich falsche Entscheidungen treffe, wenn ich sündige. Aber in jedem Moment, in dem ich zurückkomme zu Gott, in dem ich zurückkomme zur Liebe, in dem ich zur Besinnung komme und sage: Lieber Vater im Himmel, es tut mir leid, sagt er mir: Die Schuld ist schon vergeben. Lass uns das einbauen in deine Biografie, die mich verherrlicht.
Ich fand es interessant, in der Vorbereitung festzustellen, wie Paulus mit seiner eigenen Sünde umgegangen ist. In Römer 7 sagt er: Wenn ich etwas tue, was ich nicht will, weil ich als Gotteskind ja Gottes Willen prinzipiell tun möchte, dann tut es gar nicht mehr ich, sondern die Sünde in mir. Er distanziert sich von seiner eigenen Sünde. Das ist so interessant.
Gott befreit uns von dem Fluch unserer Vergangenheit und er macht Segen daraus. Und wisst ihr, das ist dann eine ganz andere Perspektive, um Dinge tatsächlich anzupacken und zu verändern. Ich muss nicht gegen mein Schicksal arbeiten und mich gegen die Realität abstrampeln. Ich darf mein Leben und die Realität annehmen, wie sie ist, und ich darf mit Gottes Hilfe etwas daraus machen, was ewigen Wert hat.
Und genau deswegen lädt Gott mich ein, dankbar und fröhlich zu sein, weil ich diese Perspektive haben darf als einer, der Gott liebt. Ja, ich darf Gott um Änderung bitten, wenn ich leide, natürlich. Aber ich muss nicht bitter werden, wenn Gott sagt: Jetzt noch nicht. Lass dir an meiner Gnade genügen, meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Vor vielen Jahren habe ich mal den flapsigen Spruch gehört: Lebe so, als wäre es Absicht. Aber weißt du, als Kind Gottes, als jemand, der Gott liebt, musst du nicht so tun, als wäre es Absicht, weil dein Leben Absicht ist. Es ist Absicht. Es ist göttliche Absicht.
Und es gibt so ein altes Kirchenlied, da habe ich mich immer schwer getan, es mitzusingen. Nicht weil es alt wäre oder altbacken klingt, gar nicht, sondern weil ich den Text irgendwie nicht nachvollziehen konnte. Viele von euch kennen das. Da heißt es so: So wie ich bin, so muss es sein. Ich habe gedacht: Nein, nein, so wie ich bin ist nicht gut. Ich habe noch viele Fehler, ich mache noch so viele Sachen falsch, ich habe noch so viel Verbesserungsbedarf, das ist doch nicht gut.
Nun, im englischen Originaltext ist es auch ein bisschen anders formuliert, aber der Grundtenor bleibt gleich: So wie ich bin, so komme ich zu dir, o Gotteslamm. Da heißt es: So wie ich bin, vom Sturm geplagt, mit bangen Zweifeln oft geplagt, sehr verzagt, blind und arm, so wie ich bin.
So wie du bist, so dürfen wir zu Gott kommen. Die Dichtung von diesem Lied ist von Charlotte Elliot. Sie hat das Lied vor ungefähr zweihundert Jahren gedichtet, und ich habe nachgelesen, dass sie schwer krank war. Diese Krankheit führte auch zu Depressionen, zu Selbstzweifeln, zu dem Gefühl, für Gott und andere Menschen kaum noch nützlich zu sein.
Als sie 33 Jahre alt war, hatte sie Besuch von einem Schweizer Prediger, von Cäsar Malan. Ich weiß nichts über ihn, außer dass er sie besucht hat. In der Biografie über ihr Leben wird beschrieben, dass sie zwar viel über den christlichen Glauben wusste, aber unsicher war, ob Gott sie wirklich annehmen kann. Und so hat sie diesen Schweizer Prediger gefragt: Wie kommt man denn, wie soll ich denn zu Christus kommen? Und er hat geantwortet: Komm zu ihm, so wie du bist.
Diese Aussage hat sich ganz tief bei ihr eingeprägt. Dann wird Folgendes erzählt über die Entstehung dieses weltbekannten Liedes So wie ich bin: Der Bruder von Charlotte, der war Pfarrer, er hieß Henry, und der hat irgendein Wohltätigkeitsprojekt organisiert, einen Basar oder so etwas, um Geld zu sammeln. Während um die kranke Charlotte herum viele ganz aktiv mitgeholfen haben, lag sie krank zu Hause. Und in dieser Situation, in der sie sich mit dem Gedanken quälte: Alle um mich herum machen sinnvolle Sachen, und ich liege hier nutzlos herum, in diese Situation hinein hat sie dieses Lied geschrieben: So wie ich bin.
Und es gibt Erzählungen, ich weiß nicht, ob sie stimmen, aber sie sagen, dass dieses Gedicht dann auf Blätter geschrieben und auf dem Basar verkauft wurde und der Erlös vom Verkauf dieser Blätter größer gewesen wäre als der von den übrigen Sachen auf dem Basar. Also sicher ist auf jeden Fall, ich weiß nicht, ob es stimmt, man hat es so aufgeschrieben, aber sicher ist auf jeden Fall der Einfluss dieses Liedes: So wie ich bin, so kann ich kommen, war enorm. Nicht zuletzt deswegen, weil über hundert Jahre später dieses Lied bei ganz vielen riesigen Evangelisationsveranstaltungen gesungen wurde, von großen Chören oder nach den Predigten von Billy Graham, wenn er zur Bekehrung aufgerufen hat.
So wie ich bin, so muss es sein. So wie ich bin, das ist Absicht. Es ist göttliche Absicht. Er hat mich und dich gewollt, gelenkt und gesegnet und gemacht zu dem, was du und ich, was wir heute sind. Oder wie Paulus es vielleicht ausdrücken würde: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.
Und aus diesem Bewusstsein heraus: Es ist gut, so wie es gekommen ist. Ich bin, was ich bin, weil es Gottes Absicht und Gnade war. Aus diesem Bewusstsein heraus darf ich mich der Realität stellen. Ich stehe nicht mehr unter dem Fluch der Vergangenheit, unter dem Fluch meiner Sünde, meiner falschen Entscheidungen, selbst wenn ich hier und da noch unter manchen Folgen zu leiden habe.
Aber aus diesem Bewusstsein heraus darf ich mein Leben anpacken, mich gebrauchen lassen, so wie ich bin, so wie ich kann, mit den Möglichkeiten, Ressourcen, auch mit den Einschränkungen, die ich habe, so wie Gott in seiner Gnade mich beschenkt hat.

Der Himmel als Deutungshorizont für die Geschichte

Ich möchte euch das zum Schluss zeigen an einem Symbol, das die meisten von euch aus der Offenbarung kennen. Dort wird in Offenbarung 4 symbolhaft eine Szene im Himmel beschrieben. Wir bekommen Einblick in die Geschichte hinter der Geschichte. Das wird uns dort geoffenbart. Wir werden mit hineingenommen in den Thronsaal Gottes, in die Steuerungszentrale der Weltgeschichte, wenn man so will.
Und plötzlich, im nächsten Kapitel, Kapitel 5, taucht ein Buch auf, und keiner kann es aufmachen. Johannes, der diese Szene miterlebt, fängt an, haltlos zu schluchzen, weil er begreift: Es gibt keinen, der Gottes Heilsplan, der die Weltgeschichte zu einem guten Ende führen kann. Die Situation ist zu schwierig, das Böse ist zu mächtig, die Menschen sind zu egoistisch. Es hat alles keinen wirklichen Wert. Und er weint.
Aber dann sagt einer: Weine nicht, es gibt eine Lösung. Es gibt da einen Löwen, und der Löwe kriegt es hin. Johannes hört von dem Löwen, er hört, und als er sich umwendet, da sieht er keinen Löwen, kein mächtiges Raubtier. Er sieht ein Lamm, ein Beutetier, wie geschlachtet. Und dieses Lamm kann die Buchrolle öffnen.
Und dann nimmt die Offenbarung ihren Lauf und nimmt uns mit hinein, wie enorm schmerzhaft es ist, diese Buchrolle zu öffnen. Die Siegel werden aufgetan, und jedes Siegel, das geöffnet wird, bringt Probleme, Katastrophen, Kriege. Menschen kommen um, es kommen Heuschrecken, und das Wasser wird schlecht, und so weiter. Es passieren Dinge, die uns an 1. Mose erinnern, an die zehn Plagen in Ägypten, an all das, was passieren musste, damit es möglich wurde, dass das Volk aus der Sklaverei in die Freiheit zieht, bevor das Volk Israel dann sozusagen zu seinem Happy End aufbrechen konnte.
Und wenn man die Offenbarung liest, dann fällt etwas auf: Diese schwierigen, furchtbaren Dinge, die passieren, führen im Himmel nicht dazu, dass jetzt Panik ausbricht oder Angst. Auch nicht Trauer und Entsetzen. Nichts davon. Es führt zu Anbetung. Ist doch komisch, oder? Hier auf der Erde passieren die schlimmsten Dinge, und im Himmel wird angebetet? Warum denn sowas? Ist den Leuten da oben egal, wie sehr wir Menschen hier leiden?
Keineswegs, keineswegs. Aber im Himmel gibt es diese Perspektive, die uns oft fehlt, nämlich: Was hier unten passiert, ist Absicht, ist göttliche Absicht. Und Gott kommt nicht nur trotz, sondern mit diesen Dingen zum Ziel. Und so kommt er auch mit dir und mir und deinem und meinem Leben zu seinem Ziel.
Wir dürfen aus Gottes Gnade leben, so wie wir sind, heute, mit unseren Macken, Sehnsüchten, Problemen und Schwächen, mit unseren Sünden, die wir natürlich ablegen wollen, weil sie uns ja nach wie vor schaden, aber die uns nicht mehr definieren. Gott hat uns befreit vom Fluch der Vergangenheit. Er ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Und natürlich tut er es oft auf andere Art und Weise, als wir uns das denken oder wünschen. Erinner dich: Lamm und Löwe. Aber wir dürfen ihn anbeten gerade eben deswegen, weil seine Gedanken höher sind als unsere, weil unser Leben Absicht ist, weil das, was hier auf der Erde passiert, Absicht ist und weil Gott derjenige ist, der unser Leben lenkt, der uns Begabungen und Fähigkeiten gegeben hat, die Erde positiv zu gestalten, der aber auch die Umstände lenkt, ob es Entwicklungen sind, über die wir uns freuen, oder auch solche, unter denen wir seufzen.
Gott als unser Vater gibt uns nicht immer, worum wir bitten, aber was von ihm kommt, ist immer und ausnahmslos gut. Er trägt Sorge dafür, dass alles zu unserem Besten dient. Und daran wollte ich euch und auch mich heute Morgen erinnern, damit wir immer dahin wieder zurückfinden und alle Zeit und in allen Umständen dann tatsächlich fröhlich und dankbar sein können, weil ihn das groß macht.

Schlussgebet

Ich möchte euch bitten, aufzustehen, sofern möglich, und ich bete noch.
Lieber Vater im Himmel, ich möchte dich um Vergebung bitten für die vielen Momente, in denen ich dich klein gemacht habe, weil ich nur das Negative gesehen habe. Nur weil alles schlecht läuft, nur weil nichts dem entspricht, was ich mir als gut vorstelle.
Herr, wir wollen lernen, dich als den Guten über allem zu sehen, deine Allmacht nicht klein zu machen und uns in deine Arme zu begeben. Denn wir sind deine Kinder, wir lieben dich, weil du uns zuerst geliebt hast und weil du am allerbesten weißt, was wirklich gut für uns ist.
Herr, erinnere uns daran, das nächste Mal, wenn die Schmerzen kommen, wenn wir die Zeitung aufschlagen, wenn irgendwelche Dinge in unseren Kopf kommen, wenn die Gedanken losgehen über all das, was nicht gut ist, wenn die Sünde anklopft. Herr, erinnere du uns daran, dass du gut bist, dass du unser Bestes möchtest.
Und dann hilf uns, durch deinen Heiligen Geist aus deiner Perspektive heraus das Leben anzupacken, Dinge zu verändern, wie du es von uns haben möchtest, die Erde zu bebauen und zu bewahren im Rahmen unserer Möglichkeiten, so wie du uns gesegnet und beschenkt hast.
Ich danke dir dafür, dass wir immer wieder zu dieser Perspektive zurückfinden dürfen. Amen.