Vor über fünfhundert Jahren veröffentlichte Martin Luther seine fünfundneunzig Thesen. Dabei handelte es sich um fünfundneunzig Fragen und Sätze zur damaligen Situation der Christenheit. Diese Thesen verbreiteten sich im Nachgang in ganz Europa. Sie waren ein entscheidender Katalysator für die Reformation und sind im Nachhinein zu einem der bedeutendsten Ereignisse der frühen Neuzeit geworden.
Es gibt vieles, was man an Martin Luther völlig zu Recht kritisieren kann. Dazu gehört zum Beispiel sein unerträglicher Antisemitismus, den ich hier nicht im Detail wiederholen möchte. Ebenso problematisch sind Luthers Aufrufe zu Gewalt, die mit den Lehren Jesu nicht im Geringsten vereinbar sind.
Ein weiteres Beispiel ist, dass Luther entgegen allem, was im Neuen Testament steht, erlaubte, mehrere Ehepartner gleichzeitig zu haben. Außerdem bezeichnete Luther den damaligen Papst Leo X. als den Antichristen, obwohl dieser nicht der Antichrist war. Falsche Endzeitvorhersagen sind ebenfalls keine Kleinigkeit.
Wer sich genauer informieren möchte, kann die Quellenangaben gerne selbst nachlesen. Diese sind hier alle eingeblendet.
Luthers ambivalentes Erbe und die Bedeutung seiner Zeit
Aber es gibt auch vieles Gutes. Zumindest der junge Luther hat die Lehre von sola scriptura wieder klar hervorgebracht. Das bedeutet, dass alle Behauptungen über das Christentum genau an der Bibel gemessen werden müssen.
Er hat mit vielen Helfern die Bibel aus den Grundsprachen – das war damals etwas Neues – in ein leicht verständliches Deutsch übersetzt. Außerdem hat er Gesang und Lieder im Gottesdienst wieder eingeführt. Darüber hinaus verfasste er wichtige Schriften, wie zum Beispiel den Großen Katechismus oder die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Diese Schriften sind bis heute für viele Christen in großem Maße hilfreich.
Was immer man von Luther hält, bei einem sind sich alle einig: Die Zeit, in der Luther gewirkt hat, war eine absolute Zerreißprobe. Keine andere Generation vor ihm in Europa hatte zwei Dinge gleichzeitig erlebt. Erstens, dass sich innerhalb weniger Jahrzehnte so viele grundlegende gesellschaftliche Dinge so fundamental verändert hatten, dass seine Kinder in einer komplett anderen Welt lebten als noch seine Großeltern. Zweitens, dass Teile der offiziellen Kirche sich so weit vom Evangelium entfernt hatten.
Beides ist vergleichbar mit der heutigen Zeit. Die Parallelen für uns in Europa sind unbestreitbar. Unsere heutige Zeit der Postmoderne im 21. Jahrhundert ist in vieler Hinsicht sehr vergleichbar mit dem Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit.
Und Luther wollte dabei – das will ich auch wirklich noch einmal klar herausstellen – die Kirche nicht spalten. Er wollte sie erneuern, reformieren und eine innere Erweckung fördern. Im Laufe der Jahre hat er trotz all seiner Schwächen und Unzulänglichkeiten immer wieder versucht, den Menschen das unveränderliche Evangelium als Nordstern vor Augen zu halten. Das sollte man auch ehrlich anerkennen.
Für mich persönlich denke ich viel darüber nach, was die Christenheit heute braucht. Ich bin da wirklich noch auf dem Weg und habe noch nicht alle Antworten.
Als meine Frau Elisa und ich neulich in der Lutherstadt Wittenberg waren, alles besichtigten und uns die 95 Thesen anschauten, dachte ich auf dem Rückweg: Was würde Martin Luther wohl heute sagen?
Luthers Thesen als Impuls für die Gegenwart
Also, lass uns gemeinsam einige von Luthers 95 Thesen von damals anschauen und überlegen, was sie uns in unserer heutigen Situation sagen könnten. Was würde Luther heute in seine 95 Thesen schreiben?
Wie immer gilt: Nur weil ich etwas sage, muss es nicht richtig sein. Bitte prüfe alles selbst und behalte nur das Gute.
Beginnen wir mit Luthers These Nummer einundzwanzig, die sich mit falschen Autoritäten beschäftigt. Luther schreibt dort, frei übersetzt: „Es irren die Ablassprediger, die behaupten, dass ein Mensch durch Ablässe des Papstes von jeder Sündenstrafe erlöst und gerettet würde.“
Fairerweise müssten wir uns jetzt die damalige katholische Bußtheologie genauer anschauen, die hinter Beichte und Ablass stand. Diese wird oft zu stark vereinfacht und häufig auch nicht korrekt dargestellt. Aber unterm Strich – und das soll jetzt keine kirchenhistorische Vorlesung werden – hat Luther hier trotzdem Recht.
Keine menschliche Autorität kann von sich aus Sünden vergeben, nur Jesus, nur Gott kann Sünden vergeben.
Was Luther mit dieser These Nummer einundzwanzig macht, ist, dass er tatsächlich die Autorität des Papstes in Frage stellt. Warum? Weil der Papst damals in dieser Sache der Bibel widersprochen hatte.
Moderne Parallelen zu falschen Autoritäten
Und jetzt für alle heutigen nichtkatholischen Christen: Gibt es heute noch solche fast unfehlbaren Autoritäten im Christentum, die man nicht wagen darf, in Frage zu stellen? Denk wirklich mal darüber nach! Gibt es heute noch Autoritäten, die man als Christ nicht wirklich kritisieren darf? Oder kann heute wirklich jeder Christ einfach nur das sagen, was in der Bibel steht?
Definitiv nicht. Du willst wissen, wer über dir steht? Dann schau, wen du nicht erlaubst bist zu kritisieren.
Bei uns in Europa sind moderne „Päpste“ in Anführungsstrichen zum Beispiel gewisse postevangelikale und liberale Lehrer, die in Podcasts ihre eigenen Lehren über die der Bibel stellen. Wenn du es wagst, deren Inhalte in Frage zu stellen oder auch nur mit der Bibel abzugleichen, wirst du gleich vor Gericht gezerrt oder bekommst Drohbriefe von deren Anhängern. Zudem wirst du öffentlich mit Lügen verleugnet. Ich weiß, wovon ich spreche – einige hier haben es ja live miterlebt.
Der zweite moderne Papst, den du heute nicht kritisieren darfst, ist der heutige Zeitgeist, der heutige Mainstream. Probier es einfach mal selbst aus! Ich spreche aus Erfahrung: Äußere dich in sozialen Medien dazu, dass du die neutestamentliche Sexualethik, also Sexualität ausschließlich in einer Ehe zwischen Mann und Frau, gut findest oder dass du für weniger Abtreibungen bist. Schau mal, was dann passiert.
Und der dritte und wahrscheinlich größte moderne unfehlbare Papst, den man nicht wagen darf, als Christ zu kritisieren, sind Gefühle. Ich wiederhole es noch einmal: Gefühle! Entschuldige bitte meine Direktheit. Gerade weil wir heute alle solche hypersensiblen Mimosen sind, gelten Gefühle heutzutage als fast unantastbare Autorität, die über allen anderen Autoritäten steht.
Deshalb laufen so viele Prediger wie auf Eierschalen, weil nur noch gelehrt werden darf, was auch beim zartbesaitetsten Zuhörer in der letzten Reihe keine Gefühle in irgendeiner Form kränken kann. Gefühle werden von vielen als das Allerheiligste behandelt, was wir überhaupt haben. Die Diktatur des Gefühls reicht so weit, dass an vielen Stellen sogar Gottes Wort verboten wird, sobald Gott in der Bibel etwas sagt, das nicht zu meinen Gefühlen passt.
Dass diese Art von Zensur in unseren Kirchen und Gemeinden einfach so stillschweigend hingenommen wird, ist ein enormer Brandbeschleuniger für die Dekonstruktion, den Glaubensabfall und die Entkirchlichung der letzten Jahre. Und die wahren Früchte, die daraus wirklich wachsen werden, haben du und ich noch gar nicht gesehen.
Ursachen und Folgen der heutigen geistlichen Krise
Was ist denn jetzt von oben betrachtet der Grund für diese Schieflage?
Weißt du, zu Luthers Zeiten ging es beim Ablasshandel vor allem um Macht und Geld. Im heutigen Deutschland, im heutigen Mitteleuropa, dreht sich vieles mehr um Beifall, was wiederum ein Gefühl ist. Es geht um Akzeptanz, was erst recht ein Gefühl ist – das Gefühl, bloß nicht gecancelt oder abgeschrieben zu werden. Es geht darum, dass unsere Gefühle bestätigt werden sollen. Aber ist dabei auch die Wahrheit im Spiel?
Hier ein sehr denkwürdiges Zitat von C. S. Lewis, das ich vor kurzem gelesen habe. Er schreibt:
„Ein unpersönlicher Gott – schön und gut. Ein subjektiver Gott, der Schönheit, Wahrheit und Güte nur in unseren Köpfen besitzt – noch besser. Eine formlose Lebenskraft, die alles durchströmt, eine gewaltige Macht, die wir anzapfen können – am allerbesten. Doch der lebendige Gott selbst, der am anderen Ende der Strippe zieht und sich vielleicht mit unendlicher Geschwindigkeit nähert, der Jäger, der König, der Bräutigam – das ist etwas ganz anderes.
Es kommt ein Augenblick, da Menschen, die sich einige Zeit oberflächlich mit Religion befasst haben, des Menschensuchen nach Gott, plötzlich zurückschrecken. Angenommen, wir hätten ihn, Gott, wirklich gefunden. Dazu hatten wir es doch nie kommen lassen wollen. Und schlimmer noch: Angenommen, er hätte uns gefunden – denn das hat er.
Und Gott sieht, was wir seiner Christenheit mit der Verfälschung seines Evangeliums antun.“
Luthers Warnung vor falscher Heilsgewissheit
Luthers These 32, in der es um falsche Heilsgewissheit geht, enthält folgende Aussage: „In Ewigkeit werden diejenigen verdammt werden, zusammen mit ihren Lehren, die glauben, sich durch Ablassbriefe ihres Heils versichert zu haben.“
Deshalb ist all das hier so wichtig, und deshalb ist auch gute Theologie von großer Bedeutung, weil so viel auf dem Spiel steht. Es geht wirklich um Himmel und Hölle, um Leben und Tod – darum geht es.
Aus diesem Grund machen wir den ganzen Aufwand, Menschen zu erreichen. Wir wollen sie für Jesus und für seine Kernbotschaft, das Evangelium, gewinnen. Wir möchten, dass die Menschen begreifen, dass die zehn Gebote das Gesetz Gottes sind. Du und ich haben dieses Gesetz gebrochen, und Jesus hat die Strafe dafür gezahlt. Das ist an diesem Kreuz geschehen.
Deshalb sind Jesu letzte Worte: „Es ist bezahlt.“ Das ist so, als würde ich einen Strafzettel fürs Falschparken bekommen und mein Bruder bietet an, die Strafgebühr für mich zu zahlen. Wenn ich dieses Angebot annehme, ist die Strafe legal abgegolten.
Nur hier ist es viel ernster. Jesus ist der einzige Weg, wie Gott, der Richter des Universums, mir meine Verbrechen gegen diese heiligen Gesetze legal vergeben kann, bevor ich vor Gott trete. Und hier läuft mir die Zeit davon.
Deshalb ist es so entscheidend, dass du und ich und alle Menschen um uns herum klar kommunizieren. Deshalb werden Lehrer und solche mit Verantwortung oder Reichweite auch härter gerichtet, weil so viel auf dem Spiel steht. Es geht um die Seelen von Menschen, die gerettet werden sollen.
Einladung zum Bibelfit-Dienst und praktische Hilfen
Und damit willkommen beim überkonfessionellen Bibelfit-Dienst!
Um Christen in der Nachfolge zu stärken, erstellen wir kostenfreie Infomaterialien. Ziehe gern alles aus diesem Video heraus, was du kannst. Vor allem aber werden dir die Infomaterialien auf dieser Website helfen. Sie begleiten jeden Tag Menschen, die neu im Glauben sind, aber auch Tausende von Menschen, die schon seit Jahrzehnten Jesus nachfolgen.
All das steht dir kostenlos zur Verfügung. Dafür kannst du den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken – Menschen wie du und ich.
Wer möchte, dass Videos wie dieses hier in unserem Land weiterhin ausgespielt und nicht verborgen werden, sollte jetzt auf die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken.
Vielen Dank an alle Unterstützer, ob durch das Drücken der Glocke, durch Geld oder durch Gebet. Es ist so wichtig und macht einen spürbaren Unterschied. Dieses Video ist für dich.
Kritik am Fegefeuer und die Bedeutung von Kompetenz in der Gemeinde
Wir gehen jetzt weiter zu Luthers Thesen 82 und 90. Luther fordert uns, Kirche und Gemeinde so zu gestalten, dass sie keine kompetenzfreien Zonen sind. Das bedeutet, es sollen keine Bereiche sein, in denen Kompetenz keine Rolle spielt oder in denen Logik ausgeschaltet wird. Kirche soll nicht so sein, dass man sein Gehirn am Eingang abgeben muss. Eine Gemeinde sollte so sein, dass man beim Betreten seine Denkfähigkeit nicht auf stumm schalten muss.
Hier geht es um das unbiblische Fegefeuer. Den Menschen wurde damals erzählt, dass selbst wiedergeborene Christen nach dem Tod angeblich erst in dieses Fegefeuer kämen – je nach Ausmaß ihrer Sünden – und erst danach in den Himmel gelangen würden.
Ich könnte viel dazu sagen, denn das ist ein großes Thema. Falls jemand ein eigenes Video nur über das Fegefeuer möchte, kann er gerne die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken und „Fegefeuer“ kommentieren – das reicht schon.
Der Punkt, um den es hier geht, ist: Es gibt kein Fegefeuer, so wahr ich hier stehe. Es gibt kein Fegefeuer.
Damals wurde den Leuten erzählt, dass der Papst die übernatürliche Fähigkeit hätte, verstorbene Christen aus diesem Fegefeuer zu befreien und in den Himmel zu bringen. Das klingt heute vielleicht absurd, besonders wenn man keinen katholischen Hintergrund hat. Aber viele Menschen damals haben das wirklich geglaubt.
Luther stellte damals eine entscheidende logische Frage, die das Kartenhaus des Ablasshandels ins Wanken brachte. Er fragte: Wenn der Papst diese übernatürliche Fähigkeit wirklich hätte, warum räumt er dann das Fegefeuer nicht ganz aus? Warum tut er das nicht aus Liebe oder wegen der angeblich höchsten Not der im Fegefeuer befindlichen Seelen? (These 82)
Stell dir vor, es gäbe das Fegefeuer und du hättest die Macht, Menschen mit einem Schlag daraus zu befreien. Warum solltest du damit auch nur eine Sekunde zögern? Das macht keinen Sinn. Luther hat hier völlig Recht.
Und genau darum geht es.
Was ist die Logik? In These 90 schreibt Luther: Diese scharfen und heiklen Argumente der Kirchenbesucher einfach zu unterdrücken, sogar mit Gewalt, statt sie durch Gegenargumente zu entkräften, führt nur dazu, dass die Kirche und der Papst dem Gespött ihrer Gegner ausgesetzt sind.
Deshalb ein Tipp für unsere Zeit: Weiche diesen kritischen, schwierigen und heiklen Fragen nicht aus. Diese Fragen sind sowieso im Raum.
Für das Gemeindeleben gilt: Antworte darauf, antworte öffentlich darauf, lehre deine Gemeinde, damit sie in der Lage ist, falsche Lehren zu erkennen und sich gegen sie zu wehren.
Wachsamkeit gegen schleichende Irrlehren
Dekonstruktion ist ein Prozess, der schrittweise verläuft. Meist schleichen sich postevangelikale und liberale Behauptungen langsam ein. Deshalb ist es wichtig, eine Kultur der positiven und konstruktiven Wachsamkeit zu schaffen. Ebenso sollte eine apologetische Wachsamkeit in der Gemeinde etabliert werden, damit falsche Lehren erkannt werden können.
Damit sind wir bei einer ganz entscheidenden Wurzel des Problems. Achte darauf, was Pfarrer David Brunner von der evangelischen Landeskirche mit Erschrecken festgestellt hat in all den Jahren seines Pfarrerdaseins. Er spricht über Menschen, die dekonstruieren und dem Postevangelikalismus auf den Leim gegangen sind.
Mit all diesen Themen beschäftigen wir uns. Leider erlebe ich es in Gemeinden viel zu selten, dass sich Menschen mit der Bibel auf eine Weise befassen, bei der sie sie als einen Schatz sehen, nach dem sie suchen, den sie ausgraben und genießen.
Dazu gehört einerseits das Lesen in der Bibel. Auch hier bin ich immer wieder verwundert, wie wenig Christen tatsächlich in der Bibel lesen. Ich bin überrascht, dass mir das auch Hauptamtliche in der Kirche immer wieder sagen: Sie lesen kaum in der Bibel, außer zur Predigtvorbereitung, und das war es dann.
Ich finde das traurig, denn ich glaube, dass Gott sich in der Bibel offenbart. Es ist gut, wenn wir in der Bibel lesen. Damit meine ich aber nicht nur das Lesen selbst, sondern auch das Wissen rund um die Bibel. Warum? Es ist ähnlich wie mit dem Zweifel: Dort, wo ich den Dingen auf den Grund gehe und dieses Wissen habe, kann ich nicht einfach behaupten: „Die Bibel ist glaubwürdig, weil sie das Wort Gottes ist.“ Das kann ich machen, aber wenn mir die Argumente fehlen, wird es kritisch. Dann habe ich keine tiefen Wurzeln.
Wenn ich mich jedoch intensiv mit der Bibel, ihrer Überlieferung und der Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit auseinandersetze, werde ich erstaunliche Dinge entdecken. Das kann ich dir versprechen.
Erste Hilfe gegen Dekonstruktion – sechs praktische Tipps
Was kannst du jetzt konkret tun gegen Dekonstruktion und dagegen, dass deine Gemeindemitglieder, deine Enkel oder deine Kinder vom Glauben abfallen? Elisa und ich werden noch eine ausführliche Videoreihe dazu machen. Sie ist bereits in Vorbereitung und enthält zahlreiche Beispiele sowie seriöse Forschungsergebnisse. Du wirst erfahren, wie du diese praktisch anwenden kannst und was wirklich hilft. Ja, wir werden das hier als großes Thema behandeln. Glaub mir, das wird wirklich hilfreich sein.
Wer möchte, dass wir das schneller veröffentlichen, der kann einfach die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken und als Kommentar „Dekonstruktion“ schreiben. So wissen wir ungefähr, wie wir das im Redaktionsplan priorisieren sollen. Bis dahin gibt es hier nur sechs kurze Punkte als eine Art Erste-Hilfe-Kit. Bitte verstehe diese nicht als Allheilmittel, sondern als sechs kurze, praktische Gedanken.
Punkt eins: Dein Umfeld braucht ein Bewusstsein für die Gefahr von Dekonstruktion und ein Bewusstsein für die Herausforderungen dieser Welt, in der wir gerade leben. Warum? Am anfälligsten für Dekonstruktion sind Gemeinden und Menschen, die nicht einmal wissen, dass es Dekonstruktion gibt und was das überhaupt bedeutet.
Dazu gehört für dich: Sprich falsche Lehren offen an, sprich Ideologien offen an. Benenne klar die Gefahren von Dekonstruktion, von Postevangelikalismus, von liberaler Theologie und von Zeitgeistphilosophen. Erkläre, warum – ich wiederhole noch einmal – diese Ansätze unbiblisch sind und wie sie Christen in die Irre führen.
Zum Beispiel könnt ihr in eurer Gemeinde Predigtserien machen, wie zum Beispiel „Der Zeitgeist versus das ewige Wort Gottes“ oder „Warum Dekonstruktion das Christentum zerstört“ oder Ähnliches. Ja, so etwas zu machen, ist biblisch. Zitat 2. Korinther 10: „Die Waffen unseres Kampfes sind nicht von menschlicher Art, sondern mächtige Waffen Gottes, mit denen man Festungen niederreißen kann. Mit ihnen zerstören wir Gedankengebäude und jedes Bollwerk, das sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt. Wir nehmen jeden solchen Gedanken gefangen und unterstellen ihn Christus.“
Oder wie es selbst in der Lausanner Selbstverpflichtung heißt: „Jede Kultur muss immer wieder von der Schrift her geprüft und beurteilt werden.“ Richtig so! Deshalb vergleiche diese postevangelikalen Kartenhäuser mit der Heiligen Schrift. Zeige, wie diese theologischen Trends der Moderne und ihre Gefühlslehren der biblischen Wahrheit widersprechen. Verwende dabei klare, verständliche, logische und biblische Argumente, um falsche Lehren zu widerlegen.
Wir haben mehrere Beispiele davon hier auf diesem Kanal. Du kannst dir gerne alles anschauen. Ich weiß, das wird manchmal in Gottesdiensten gezeigt. Entscheide selbst, was du damit machen willst. Du kannst alles hieraus benutzen. Nimm auch andere gute Medien mit, alles ist gut, nimm dir, was du brauchst.
Sprich offen über diese Einflüsse der modernen Kultur, sprich offen über die Einflüsse von Medien, über die Einflüsse säkularer Philosophie und Ähnlichem. Sprich darüber, wie sie nicht immer, aber häufig gegen das Christentum arbeiten.
Damit sind wir beim ganz wichtigen Punkt: Medienkompetenz. Ich weiß, das will hier keiner hören, aber Stichwort Medienkompetenz. Nur weil gewisse Podcasts vollmundig Dinge behaupten und diese als christlich verkaufen, heißt das noch lange nicht, dass sie wahr sein müssen.
Stichwort Medienkompetenz: Wir haben das hier schon häufiger gesagt. Ich werde es so lange sagen, bis es jeder verstanden hat: Nicht der Sprecher ist entscheidend, sondern das Gesagte. Ja, du kannst dich nicht darauf ausruhen, dass du sagst: „Aber Professor Soundso hat doch mal gesagt...“ Nein, du musst es wirklich mit der Bibel abgleichen. Nicht der Sprecher ist entscheidend, sondern das Gesagte. Argumente müssen für sich auf eigenen Beinen stehen können, sonst zählen sie nicht.
Die Reflexion der eigenen Gefühle: Bring den Leuten bei, wie man als reifer, gefestigter und emotional stabiler Christ – und ja, hier muss ich auch noch einiges lernen – seine Gefühle souverän im Lichte der Bibel reflektieren kann. Statt unkritisch seinen eigenen Empfindungen zum Opfer zu fallen.
Die Ewigkeitsperspektive: Jesus kommt wieder, das Jüngste Gericht kommt, und danach die Ewigkeit. Hilf den Leuten, das im Blick zu behalten. Menschen, die die Ewigkeit im Blick haben, sind weniger anfällig dafür, sich von kurzlebigen Trends beeinflussen zu lassen.
Tipp zwei: Apologetiktraining. Was heißt Apologetik? Damit ist gemeint, die Nachfolge zu verteidigen, also harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten. Biete deiner Gemeinde regelmäßig – also nicht nur einmal so eine Veranstaltung, bei der ein externer Referent kommt, Staub aufwirbelt und dann wieder verschwindet – sondern regelmäßig Apologetik-Schulungen an.
Dort lernen die Menschen, eigene Fragen zu stellen und solide Antworten zu bekommen. Hilf ihnen, die geistlichen Herausforderungen der modernen Kultur klar zu erkennen. Und noch einmal: Das fängt bei ihnen selbst an. Deine Gemeindemitglieder, deine Geschwister, die Leute in deiner Familie, in deinem Hauskreis, alle Leute in deinem Umfeld.
Sie können nur anderen Leuten weitergeben, was sie selbst wirklich verstanden haben. Deshalb muss man bei ihnen anfangen. Schaffe eine Kultur mit Raum für ehrliche Gespräche über schwierige Fragen. Damit Menschen ihre Zweifel und Bedenken in einem sicheren, biblisch fundierten Rahmen äußern können, bevor sie zu abstrusen Gedankengängen wie Dekonstruktion abgleiten.
Richte zum Beispiel Diskussionsabende oder Frage-und-Antwort-Stunden ein, bei denen wirklich haarige, schwierige, aber wichtige Themen besprochen werden. Zum Beispiel der Stellenwert der Bibel, biblische Sexualethik, dass Jesus der einzige Weg zum Heil ist oder auch die Hölle.
Es muss einen Ort geben, an dem diese Dinge ehrlich und klar behandelt werden, statt darum herumzueiern. Das hilft nicht, das macht die Sache nur schlimmer.
Zusatztipp hier: Kirchengeschichte. Es hilft sehr, sich mit Kirchengeschichte auseinanderzusetzen, zum Beispiel mit den apostolischen Vätern. Zeig einfach, dass es eine durch die Jahrhunderte beständige Linie von Christen gab, die von Anfang an die biblischen Wahrheiten festgehalten haben.
Kirchengeschichte, gerade die der ersten Jahrhunderte, ist so hilfreich und sinnvoll. Auch ein Tipp für unsere heutige Zeit: Schau dir an, wie bibeltreue Christen weltweit heute leben und lehren. Denn zur Erinnerung: Seit dem 21. Jahrhundert ist Christentum keine westliche Veranstaltung mehr.
Die meisten Christen weltweit leben in Südamerika, Afrika, im indischen Subkontinent und in Südostasien. Zum Beispiel leben in China deutlich mehr Christen als in vielen westlichen Ländern. Allein im Iran leben inzwischen mehr Christen als in Deutschland.
Wir tun also gut daran, von unseren Geschwistern zu lernen, die weit außerhalb der europäischen Grenzen leben, und zu schauen, was sie tun.
Tipp drei: Solide, bibeltreue Lehre. Martin Luther sagt dazu: „Schwarzes erkennst du am besten, sobald du Weißes dagegenhältst.“ Deshalb sprich zum Beispiel in deiner Familie über die zentrale Rolle der Bibel als unveränderliche Autorität.
Lass nicht zu, dass in deinen Gottesdiensten etwas anderes gepredigt wird als die Bibel. Bitte die Bibel auch nicht als Sprungbrett, sondern bleibe ganz nah am Text.
Dass wir Christen da so nachlässig sind, ist genau das, was uns Muslime zu Recht vorwerfen, wenn sie aus dem Koran zitieren. Sie sagen: „Ihr Leute der Schrift“, gemeint sind Juden und Christen, „ihr sollt nichts tun, bis ihr die Tora und das Evangelium befolgt, was zu euch als Offenbarung von eurem Herrn herabgesandt worden ist.“ Sinngemäß: Warum sollen wir als Muslime euch Christen ernst nehmen, wenn ihr eure eigene Bibel nicht ernst nehmt?
Und tatsächlich muss man sagen: Recht haben sie. Darum lasst den Gottesdienst nicht zu einer Gruppentherapiesitzung werden, die von der Kanzel aus moderiert wird. Lehre auch die Realität der Sünde, die Notwendigkeit der Buße, den stellvertretenden Sühnetod Jesu, das Gericht Gottes und all diese Dinge klar und verständlich.
Lehre sie häufig. Nur das volle Evangelium, der volle Umfang der Schrift, der volle Ratschluss Gottes schützt vor Vereinfachungen und vor allem Verzerrungen.
Nebenbei: Das könnte ein gutes Argument für Auslegungspredigten sein – dass man fortlaufend die Bibel Schritt für Schritt, Vers für Vers durchpredigt. Sollte ich mal ein eigenes Video zu den Vorteilen und Nachteilen von Auslegungspredigten machen, dann drück gerne die Glocke und schreib als Kommentar „Auslegungspredigt“, dann weiß ich Bescheid.
Fördere geistliche Tiefe und Jüngerschaftskultur, also tiefe, ehrliche Nachfolge statt oberflächliche Formeln. Hilf den Menschen, tief in der Nachfolge verwurzelt zu sein, indem du Programme und Möglichkeiten schaffst, die Bibelstudium, Gebet und geistliche Reife fördern.
Es geht um das persönliche geistliche Wachstum. Falls das bei euch möglich ist, fördert Kleingruppen und Hauskreise, in denen es nicht nur um Gemeinschaft und Quatschen geht, sondern auch um systematisches Bibelstudium, Apologetik, harte Fragen und vor allem Evangelisation.
Gemeinden, die regelmäßig zusammen das klare Evangelium Nichtchristen weitergeben, sind nicht die Ersten, die dekonstruieren. Und ganz nebenbei: Das ist genau das, was Jesus uns befohlen hat. Wir sollen das Evangelium allen Menschen weitererzählen.
Zusatztipp: Mentoring und Jüngerschaft. Vielleicht ist es bei euch angebracht, über ein starkes Mentoring-Programm nachzudenken, in dem erfahrene, bibelfeste Christen junge Christen in die Tiefe der Nachfolge mitnehmen und sie im Umgang mit Anfechtungen wie Dekonstruktion und liberaler Theologie begleiten.
Damit sind wir direkt bei Tipp Nummer fünf: Gemeinschaft und geistliche Familie stärken. Investiere in eine starke Gemeinschaft, die auf Ehrlichkeit baut und sich vor allem um ein gemeinsames Bekenntnis sammelt. Das Bekenntnis ist das Entscheidende, das Konstante.
Die Gruppe der Leute, die sich darum sammelt, kann sich ändern, aber das Bekenntnis muss das Entscheidende und Unveränderliche sein.
Falls du Pastor, Jugendleiter, Hauskreisleiter oder Small Group Pastor bist und die Kapazitäten hast, dann sei als Pastor persönlich zugänglich. Investiere in Beziehungen zu den Gemeindemitgliedern. Regelmäßige persönliche Gespräche und Seelsorge helfen, geistliche Krisen frühzeitig zu erkennen und dagegen zu steuern.
Jeder, der im medizinischen Bereich arbeitet, weiß: Prävention schlägt Intervention und Nachsorge immer. Fördere regelmäßiges Gebet – individuell, aber auch in Gruppen.
Gebet hilft am Ende, Versuchungen mit Gottes Hilfe zu widerstehen und Gottes Wahrheit fest im Herzen zu verankern.
Falls das bei euch möglich ist, startet Gebetstreffen, die speziell darauf ausgerichtet sind, dass die Gemeinde geistlich gefestigt ist. Dass wir wirklich darum beten, nicht vom Glauben abzufallen, dass wir nicht umsonst angefangen haben zu glauben, wie es in der Bibel heißt, sondern dass wir in Jesus verankert sind und Frucht bringen.
Bittet Jesus um Schutz vor falschen Lehren und um Schutz in eurer Nachfolge.
Lehrt geistliche Wachsamkeit. Ermutige die Gemeindemitglieder, geistlich wachsam zu bleiben und falschen Lehren, die sich leise, schleichend und subtil einschleichen, zu erkennen und ihnen zu widerstehen.
Ein Tipp, weil Leute immer nach Tipps fragen, wie man das erkennen kann, woran man das festmacht: Wenn ein Nichtchrist – also ein Muslim oder ein New-Age-Anhänger – dieselbe Predigt ohne Abstriche genauso halten könnte wie der Gastprediger, dann fehlt dem Gastprediger wahrscheinlich etwas Entscheidendes, zumindest in dieser Predigt.
Überlege dir also nicht zweimal, sondern dreimal, wen du an deine Kanzel, auf deine Bühne oder an dein Mikrofon lässt. Warum? Weil viele Leute aus deiner Gemeinde glauben werden, was dort gesagt wird.
Ein weiteres Beispiel aus der Lausanner Selbstverpflichtung von 1974: „Wir entdecken die Aktivität des Feindes – gemeint ist Satan – nicht nur in falschen Ideologien außerhalb der Gemeinde, sondern ebenso in der Gemeinde durch die Verkündigung eines anderen Evangeliums, das die Schrift verkehrt und Menschen an die Stelle Gottes setzt. Wir müssen wachsam sein und die Geister unterscheiden, um die biblische Botschaft zu gewährleisten.“
Tipp sechs – und ohne den ist alles nichts: Arbeite an dir selbst! In der Bibel heißt es: „Wer meint, er steht, der soll zusehen, dass er nicht fällt.“ Es geht also um deine eigene Treue zu Gottes Wort.
Sei selbst ein Vorbild in deiner kompromisslosen Hingabe an die Bibel und das Evangelium. Menschen folgen einem Leiter, der die Wahrheit ohne Kompromisse predigt und authentisch lebt.
Dafür brauchst du Leute, die dein Leben kennen und die die Erlaubnis haben, dir ins Leben zu sprechen. Wer sind deine geistlichen Leiter?
Sei ehrlich darüber, dass Jesus-Nachfolge nicht immer leicht ist, sondern manchmal – auch häufig – Opfer und Hingabe erfordert. Menschen, die die Ernsthaftigkeit deiner Nachfolge sehen, sind weniger anfällig dafür, den Glauben als unmodern oder unangemessen anzusehen und ihn zu dekonstruieren.
Deshalb das Allerwichtigste von allem: Deine eigene Schale, die Schale deiner Seele, muss voll sein. Nur solange sie in dir voll ist, kann sie überlaufen wie in einem römischen Brunnen und die nächsten Schalen anderer Menschen mit Wasser füllen.
Deswegen bitte ich dich wirklich von Herzen: Priorisiere deine eigene stille Zeit so sehr, dass nichts an deinem Tag wichtiger ist als deine Gebetszeit und dein tägliches, privates Bibelstudium.
Wie gesagt, diese sechs Tipps sind nur oberflächlich. Elisa und ich werden dir ein eigenes Video zu den genauen Schritten bei Dekonstruktion machen und erklären, was man in welcher Situation tun kann.
Drück gerne die Glocke hier unten rechts unter diesem Video und kommentiere einfach „Dekonstruktion“. Das reicht schon.
Die Kosten der Nachfolge und die Herausforderung der Gegenwart
Luthers These 94 behandelt die teure Nachfolge. Nachfolge ist nicht etwas, das man einfach zum Leben dazunimmt, sondern sie kostet wirklich etwas. Luther schreibt: Die Christen müssen ermutigt werden, darauf bedacht zu sein, ihrem Haupt, Christus, nachzufolgen – durch Leiden und Tod.
Christentum ist kein Wohlfühlverein. Aus all den Leserbriefen und Kommentaren, die wir erhalten – vielen Dank dafür an dieser Stelle – nehme ich wahr, dass Christen langsam aufwachen. Auch Christen im kuscheligen Deutschland merken, dass sie nicht einfach mehr mit dem Zeitgeist mitschwimmen können. Sie erkennen, dass Lauheit auf Dauer nicht funktioniert. Wir können uns nicht ewig wegducken.
Gemeinden in Deutschland und anderen westlichen Ländern werden vielmehr beschenkt in dem Moment, in dem sie sich nicht mehr auf sich selbst konzentrieren, sondern ihren Blick auf das Große richten – nämlich die Vogelperspektive einnehmen, um zu sehen, was hier geschieht. Ich muss über den Tellerrand hinausschauen, damit ich erkenne, was Jesus gerade weltweit tut.
Das ist auch etwas, das ich gerne in den Gemeinden deutlich machen möchte: Schaut auf diejenigen, die in Verfolgung und Stürmen bereits drin sind. Denn euch ist nicht verheißen, dass ihr alles nur friedlich erlebt und euren Glauben als Privatsache zum Ausdruck bringen könnt oder nicht. Wenn man die Bibel liest, kann man eigentlich nur darüber staunen, wie jemand auf den Gedanken kommt, es gäbe ein Christsein ohne Verfolgung.
Auch Christen bei uns in Europa merken: Jesus nachfolgen heißt, Dinge aufzugeben. Es ist nicht einfach so, dass ich mein Leben habe und Jesus dazu kommt und alles geht weiter wie bisher. Nein, es ist wichtig, dass wir in unseren Gesprächen über Jesus auch ehrlich darüber sprechen. Gerade in einer Zeit, in der der Zeitgeist Annehmlichkeiten verspricht, müssen wir Christen das Kreuz ansprechen.
Das Kreuz bedeutet Opferbereitschaft. Jesus sagt: Wer mir nachfolgen will, soll sich selbst verleugnen. Ich ergänze: Er soll seine eigenen Bequemlichkeiten aufgeben und seine eigenen Wünsche auch mal zurückstellen. Jesus sagt weiter: Mir nachfolgen – das geht nur dort, wo ich Dinge hinter mir lasse. Wer die Hand an den Pflug legt, also nach vorne pflügen will, aber zurückschaut, der ist für Gottes Reich noch nicht geeignet.
Hier eine Übung, die dir vielleicht hilft: Ich habe vor ein paar Jahren eine Liste mit Dingen im Leben gemacht, die mir wichtig sind. Dann bin ich die Liste von unten nach oben durchgegangen und habe mich bei jedem Punkt gefragt, wie leicht oder schwer es mir fallen würde, diese Sache aufzugeben, wenn Jesus mich danach fragt.
Ich weiß nicht, ob du und ich in Mitteleuropa in diesem Leben Verfolgung erleben werden – vielleicht nicht, vielleicht schon. Aber eines dürfen du und ich wissen: Jesus ist mehr wert als alles, was du fürchtest zu verlieren. Folge Jesus nach, auch wenn es Verzicht bedeutet, auch wenn es Widerstand bedeutet, auch wenn es Leiden bedeutet. Jesus sagt: Wer sein Leben verliert um meines Willen, der wird es behalten.
Jesus ist bei dir, du bist nicht allein. Ich bete für dich. Fast jede Woche haben wir vom Bibeldienst Gebetstreffen, bei denen viele Menschen zusammen für dich beten.
Das Evangelium als wahrer Schatz der Kirche
Und warum tun wir Christen das eigentlich? Warum machen wir diese YouTube-Videos, warum produzieren wir Podcasts, schreiben Bücher, führen Straßenevangelisationen durch, verteilen Flyer in Briefkästen und vieles mehr?
Weil wir durch Gottes Gnade etwas besitzen, das sonst niemand auf der Welt hat. Martin Luther sagt dazu in These 62: „Der wahre Schatz der Kirche, gemeint ist der Christenheit, ist das heilige Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“
Das wahre Evangelium ist der Schatz der Christenheit. Es besagt, dass der allmächtige Gott Mensch geworden ist – Jesus Christus. Er ist stellvertretend für dich und mich gestorben, damit durch seinen Tod unsere Vergehen gegen Gottes Gesetze abgegolten sind. So kann er dir legal ewiges Leben schenken, anstatt dich beim kommenden Jüngsten Gericht für deine Vergehen in die Hölle zu verurteilen. Das gilt für jeden, der es tief in seinem Herzen annimmt und sich von Jesus verändern lässt.
Mehr dazu findest du im Bibelfit Versöhnungsleitfaden. Er enthält das Evangelium und erklärt alles noch einmal ausführlich. Der Versöhnungsleitfaden ist der erste Link unter diesem Video. Er ist komplett gratis, du kannst ihn einfach mitnehmen und weitergeben.
Darum geht es: um dieses Evangelium. Die Bibel nennt es ein unermessliches Geschenk. Dieses Geschenk – der Freispruch von den Sünden und das ewige Leben – wird leider in vielen heutigen Kirchen und Gemeinden durch postmoderne und liberale Ideen ersetzt.
Hier ein paar Beispiele, damit du es dir besser vorstellen kannst: Statt dass in unseren Gemeinden Flyer ausliegen, die erklären, wie Menschen gerettet werden können, wird dort über das Gebäude informiert. Statt vom kommenden Jüngsten Gericht zu sprechen, reden wir über die Klimakatastrophe.
Dabei wäre genau das der Punkt, an dem die Kirche Jesu Christi ansetzen müsste. Auf der anderen Seite haben wir junge Leute, die feststellen, dass die Welt zugrunde geht. Sie glauben, daran schuld zu sein und dass sie umkehren sollten. Aber niemand sagt ihnen, wohin sie umkehren sollen. Das Einzige, was vielen bleibt, ist, sich an Bäume zu ketten oder sich auf der Straße festzukleben.
Anfangs fiel es mir schwer, das zu verstehen. Heute denke ich: Wenn wir als Gemeinden nicht offen darüber sprechen, dass die Welt endlich ist, dass es einen Untergang geben wird und dass Umkehr notwendig ist, dann werden es andere tun.
Die Welt sucht enorm, aber diese Suche geht meines Erachtens an der Gemeinde Jesu Christi vorbei. Der Kunde steht vor dem Laden, aber der Laden hat gerade geschlossen.
Statt den Menschen Weisung und Richtung zu geben, machen wir unsere Kirchen und Gemeinden zu Echokammern eines verwirrten Zeitgeistes. Statt die Gemeinde zu ermutigen, von der Rettung durch Jesus weiterzuerzählen, mobilisieren wir sie nur für die nächste politische Wahl.
Und statt vom ewigen, unveränderlichen Evangelium zu sprechen, werden von der Kanzel Texte von Nichtchristen wie Herbert Grönemeyer, Goethe oder dem kleinen Prinzen vorgelesen.
Statt darüber zu sprechen, wie unsere Taten vor Gott bestehen, steht anstelle eines Sündenbekenntnisses unsere Selbstverwirklichung. Statt Theologie sprechen wir über Psychologie, statt Selbstverleugnung über Selbstbestimmung. Statt über einen heiligen Gott zu reden, machen wir unsere Gefühle zum Allerheiligsten.
In manchen Gemeinden bekommt man den Eindruck, man sei in einem kraftlosen Gruppentherapie-Experiment gelandet. Stattdessen sollte man von einer mächtigen Wolke von Zeugen umgeben sein, die dem einen wahren Gott nachfolgen und das Licht seiner Erlösung in die Welt tragen.
Was werden unsere heutigen Nachbarn und Kollegen wohl einmal zu uns sagen, wenn sie herausfinden, dass uns der Weg zum ewigen Leben anvertraut war und wir ihnen nichts davon erzählt haben?
Ich denke an die Situation mit Jesus und der Frau am Brunnen. Jesus sagt zu ihr: „Wenn du wüsstest, was Gott dir schenken will, und wer der ist, der dich um Wasser bittet, dann würdest du ihn bitten, und er würde dir lebendiges Wasser geben.“
Im Kolosserbrief heißt es: In Jesus Christus liegen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. In diesem Buch ist alles enthalten, was Menschen brauchen, um ewiges Leben zu finden.
Die Bibel und ihr Kerninhalt, das Evangelium, sind der zentrale Schatz des Christentums. Kein kultureller Trend, kein Zeitgeist und keine Ideologie dürfen diesen Schatz ersetzen.
Schon damals heißt es in der Barmer Theologischen Erklärung: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben dem einen Wort Gottes noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“
Deshalb stellt dieses kostbarste Licht nicht unter den Scheffel, werft diesen Schatz nicht in den Dreck. Dieses Buch und sein Inhalt – wie Gott den Tod besiegt – sind der größte Schatz, den wir haben. Diesen Schatz wollen wir unverfälscht, ohne Abstriche, Kompromisse und ohne Vermischung mit dem Zeitgeist bewahren und einer sterbenden Welt weitergeben.
Warnung vor oberflächlicher Frömmigkeit und falschen Zeichen
In These 35 spricht Martin Luther über menschliche Lehren, die den Worten Jesu widersprechen. Er kritisiert: „Unchristliches predigen diejenigen, die lehren, dass bei denen, die Seelen loskaufen oder Beichtbriefe erwerben wollen, angeblich keine Reue erforderlich wäre.“
Heute gibt es ähnliche Erscheinungen. Zwar ist es vielleicht nicht mehr der Ablassbrief, aber es gibt andere Beispiele. Ich warne dich, das geht jetzt ein Stück weit unter die Haut.
Ein Beispiel: Die Enkelin, die seit Jahren nicht im Gottesdienst war. Diese Enkelin kann Abraham nicht von Mose unterscheiden und Paulus nicht von Johannes. Aber Hauptsache, sie heiratet kirchlich. Hauptsache, sie heiratet in der Kirche, damit sich alle anderen weiter einreden können, sie wäre Christin.
Ein weiteres Beispiel ist der Sohn, der mit seiner Freundin unverheiratet zusammenlebt und den Gottesnamen leichtfertig gebraucht. Aber Hauptsache, er schließt beim Tischgebet auch seine Augen. Daran klammert man sich dann fest.
Dann gibt es den Bruder aus der Gemeinde, der sich mit postevangelikalen Podcasts beschäftigt, der noch nie bei einem Gebetstreffen war und den man mit Evangelisation jagen könnte. Aber Hauptsache, er steht irgendwo in einem Gemeindeverzeichnis und kündigt seine Mitgliedschaft nicht. So können sich alle weiter einreden, alles wäre okay.
Auch die teilweise überproportionale Betonung der Taufe ist problematisch. Nach dem Motto: „Hauptsache, das Kind wird irgendwie getauft, Hauptsache, der Mensch ist getauft, Hauptsache, dieser Akt ist vollzogen, als ob davon allein das Heil abhängt und das jemanden zu einem Christen macht.“ Das ist aber nicht so.
Lies selbst dein Neues Testament. Dort wird über achtzig Mal von Taufe gesprochen. Lies es selbst und frage dich aus dem Licht all dessen, was du liest: Was hast du, sobald du einen Menschen taufst, der sich nicht reuevoll von seinen Sünden abkehrt, der nicht Jesus’ stellvertretenden Tod für sich von Herzen bejaht und der nicht verspricht, in Jesu Nachfolge zu leben?
Was hast du, sobald du einen solchen Menschen taufst? Dann hast du einen nassen Nichtchristen. Einen nassen Nichtchristen, weil was fehlt? Es fehlt die Buße, es fehlt die Reue, es fehlt die Bekehrung und es fehlt das Versprechen, Jesus nachzufolgen. Ohne das ist jemand kein Christ. Da kannst du ihn zehnmal taufen, er wird nur noch nasser. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ändert nichts daran.
Es ist ähnlich: Du kannst nicht als Christ geboren werden. In der Bibel wird die Beziehung zwischen Gott und Menschen immer wieder mit einer Ehe verglichen. Du kannst auch nicht verheiratet geboren werden, das geht nicht.
Ich selbst habe das Studium zum evangelischen Pfarrer komplett durchlaufen und weiß, wie viele meiner früheren Kollegen jeden Sonntag nicht bekehrt auf die Kanzeln steigen. Daran will ich gar nicht denken.
Jetzt denkst du dir vielleicht: Okay, wenn all diese äußeren Punkte nicht entscheidend sind, was ist denn dann entscheidend? Reue ist das Entscheidende, Lebensveränderung ist das Entscheidende.
Martin Luther schreibt dazu in These 36: „Jeder wahrhaft reumütige Christ erlangt vollkommenen Erlass von Strafe und Schuld.“ Dazu braucht es keine Ablassbriefe zusätzlich.
Mehrere Dinge: Vergebung und Erlösung sind allein durch Umkehr zu Jesus erreichbar, nicht durch äußere Formeln und schon gar nicht durch Anpassung an den Zeitgeist.
Wir Christen brauchen viel mehr geistliche Wachsamkeit, viel mehr Gebet und viel mehr Bibelstudium. Nur so lernen wir wirklich in der Tiefe, das zu unterscheiden.
Vergebung gibt es nur durch Jesus. Diese modernen postevangelikalen Lehren, die versuchen, Vergebung durch Selbstverwirklichung oder durch moralische Anpassung zu erlangen, gibt es in der Bibel nicht. Die Schrift lehrt eindeutig: Vergebung gibt es nur durch Jesus.
Reue und Umkehr sind wirklich heilsrelevant. Es geht um eine dauerhafte Lebensveränderung. Es geht also nicht darum, dass irgendwann vor Jahrzehnten mal jemand beim Lobpreis aus Versehen bei einer Freizeit die Hand gehoben hat und danach genauso weitergelebt hat wie vorher.
Nein, es geht um dauerhafte Nachfolge. Ist und bleibt Jesus wirklich der Herr deines Lebens? Das ist die Frage.
Buße als Lebenshaltung, Umkehr, Wiedergeburt als etwas, das ein Vorher und ein Nachher markiert.
Abschluss mit Luthers Aufruf zur Buße
Und damit schließen wir mit Luthers These Nummer eins ab, die für unsere heutige Situation genauso relevant ist wie vor fünfhundert Jahren, vorausgesetzt, wir verstehen sie richtig.
These Nummer eins: Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, wollte er damit ausdrücken, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.
Das bedeutet also, dass dein neues Leben unter dem Zeichen steht, dass Jesus dir neues Leben geschenkt hat.
