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Jugendliche begleiten zwischen Likes und Lebensfragen

Wenn jemand seinen Glauben umkrempelt: Erst zuhören, dann prüfen. Nicht hart abblocken, aber auch nicht alles relativieren – die Frage ist, ob du dich vom Wort korrigieren lässt.

Einführung und Ziel des Seminars

Also, ihr habt es schon gemerkt: Ihr habt ein Blatt vor euch liegen. Das ist dafür da, dass ihr euch bitte Fragen aufschreibt. Die PowerPoint findet ihr, wenn ihr die CD mitnehmt, dann auch direkt auf der CD. Die muss man also nicht abschreiben. Und bei den PowerPoints noch einmal der Hinweis: Sie sind für den privaten Gebrauch. Bitte nicht einfach medial verbreiten. Das hat einfach datenschutzrechtliche Gründe.
Gut, so weit, so gut. Unser Seminar heißt: „Wie begegne ich Menschen, die ihren Glauben revidiert haben und jetzt anders denken?“
Wir merken das sicherlich alle: Der christliche Glaube wird heute stark hinterfragt. Er wird bewusst umgebaut, und manch einer verlässt sogar das, was ihm früher Halt gegeben hat. Wer ein bisschen in den sozialen Medien unterwegs ist, merkt, dass unter dem Begriff Dekonstruktion gerade so eine Befreiungswelle losgeht. Immer mehr Leute erzählen davon, dass sie jetzt freigemacht wurden von den Fesseln, die sie früher hatten.
Schnell stehe ich vor der Frage: Wie begegne ich jetzt solchen Menschen, die ihren Glauben gerade verändern oder auch schon verändert haben? Die eine Gefahr ist, dass wir sehr schnell hart und lieblos werden. Die andere ist, dass wir sehr weich und orientierungslos werden. Und deswegen wollen wir, bevor wir urteilen, uns erst einmal ein bisschen sprachlich fit machen: Was bedeutet was? Welche Konsequenzen hat es?
Ich würde gerne noch zu Beginn beten, aber ihr dürft sitzen bleiben.
Herr, ich möchte jetzt Danke sagen, dass du uns auch durch den Tag geholfen hast. Du siehst, was uns bewegt, auch bei diesem Thema. Du siehst, wer vielleicht persönlich betroffen ist. Bitte schenke, dass du uns einfach hilfst, Impulse mitzubekommen, damit wir wirklich auch für dich einstehen können und auch für die Fragen und Zweifel unserer Mitmenschen einfach da sind. Danke, dass du da bist. Amen!

Die Ausgangslage in Kirche und Gesellschaft

Ich habe den Vortrag so aufgebaut, dass ich euch zunächst kurz einen Einblick geben möchte, wie es in der evangelikalen Welt aussieht. Ihr sollt ein wenig Verständnis für bestimmte Begriffe bekommen. Dann möchte ich euch ganz kurz den Begriff Dekonstruktion näherbringen, damit man das einfach einordnen kann. Das ist ungefähr das erste Drittel, in dem ich mit euch eine Grundlage legen möchte.
Danach möchte ich darauf eingehen, wo wir genau bei unserer Frage sind: Wie gehe ich jetzt mit Menschen um? Einerseits in Liebe, aber doch in Wahrheit.
Vielleicht kennst du ja auch solche Berichte, die einen manchmal erreichen. Eine Mutter schrieb einem Pastor: Mein Sohn hat den Glauben verlassen, er sagt, er hat dekonstruiert. Was soll ich mit ihm machen?
Unsere Zeit ist gerade in einem richtig starken Umbruch. Wir reden vom massiven Wahrheitsverlust. Früher hat man gefragt: Was ist eigentlich wahr? Viele von euch kommen aus einer Generation, in der um Wahrheit gestritten wurde. Heutzutage fragt man eher: Was fühlt sich eigentlich richtig an?
Dadurch passiert es, dass wir im Bibelverständnis, in der Ethik und in den Fragen nach Gott in eine starke Umbruchsbewegung kommen. Unsere Gemeindelandschaft ist deswegen auch gerade sehr stark in Bewegung.
Roland Hartmayr hat das einmal so analysiert. Er sagte: „Wir gehen in eine neue Normalität über, in der sich die sich wandelnde Gesellschaft in Kirchen und Freikirchen in einer theologischen Binnenpluralisierung und ethischen Werteverschiebung widerspiegelt.“
Ich versuche, das zu übersetzen. Im Endeffekt gibt es viele unterschiedliche Meinungen über den Glauben. Wir haben also eine theologische Vielfalt. Und es geht auch unterschiedlich darum, was denn jetzt richtig ist und was als falsch angesehen wird. Damit sind wir bei der Ethik.
Wenn man auf den christlichen Glauben schaut, dann gibt es eigentlich zwei große Bereiche. Wenn wir das Christentum anschauen, können wir das einerseits in progressive Christen unterteilen und in konservative. Das ist jetzt sehr vereinfacht gesagt.
Jemand, der progressiv ist, ist jemand, der reformorientiert ist. Das bedeutet: Ich möchte meine Glaubensfundamente neu durchdenken und gegebenenfalls auch anpassen, so wie man es heute sieht. Die Konservativen hingegen sagen: Wir möchten uns mehr an das Wort Gottes halten und an das, was da steht. Wir wollen den Glauben und unsere Glaubensfundamente bewahren.
Was wir momentan beobachten, ist, dass eine Wanderbewegung stattfindet, eben raus aus diesen konservativen Settings hin zu dem Progressiven. Denn richtig ist, was sich für mich gut anfühlt.
Ein Grund dafür ist, dass man immer mehr diese absoluten Aussagen meidet. Gottes Wort, die Bibel, gilt auch nicht mehr als das von Menschen verfasste Wort und nicht als Gottes Wort.
Ich hatte vor ein paar Monaten ein Gespräch mit einem Vikar der evangelischen Landeskirche, und wir waren uns total einig, dass Jesus Christus der Retter ist, dass Jesus Christus Sünden vergibt. Und als wir uns dann über die Bibel ausgetauscht haben, habe ich gemerkt: Oh, das wird spannend.
Für ihn war die Bibel nicht das Wort Gottes. Die Bibel sei Menschenwort, aber nicht Gotteswort. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied, weil dadurch die Bibel natürlich ihrer Autorität beraubt wird.
Er meinte, man müsse die Bibel in ihrem Kontext lesen. Deswegen sei zum Beispiel auch Homosegnung total normal, weil das genau das sei, was Glaube soll: gestaltet werden und nicht mehr diese Klarheit, die uns der Römerbrief zu diesem Thema gibt.
Und dann verwundert es nicht, wenn dieses Denken auf einmal gelehrt und weitergegeben wird, dass Menschen immer mehr hinterfragen: Gibt es die Jungfrauengeburt wirklich? Ist es mit dieser Sühnetheologie, dass Gott seinen Sohn blutend ans Kreuz schlägt, überhaupt noch richtig? Müssen wir den doppelten Ausgang eigentlich nicht viel mehr neu bewerten oder vielleicht sogar ganz ablehnen?
Das sind dann alles Fragen, die aufkommen. Und die Kernfrage, die uns auch so ein bisschen leitet, ist immer wieder: Komme ich als Richter über die Schrift oder komme ich als Hörer unter die Schrift? Komme ich als Richter über die Schrift oder komme ich als Hörer unter die Schrift?
Und ich merke immer mehr, dass diese Bibelfrage mittlerweile zum Zentrum geworden ist. Früher habt ihr das vielleicht noch gemerkt: Da hat man sich darüber gestritten, Entrückung, wann, wozu, wohin oder sonst was. Ja, die Frage ist lange nicht mehr diskutiert. Wir sehen mittlerweile: Ist die Bibel Gottes Wort?
Und wenn die Bibel nicht Gottes Wort ist, dann ist mein Heil weg, weil sie mir garantiert, weil es Gottes Wort ist, dass mein Heil in Christus ist. Und wenn ich mich darauf nicht verlassen kann, worauf dann sonst?
Deswegen ist die Bibelfrage meines Erachtens auch eine absolute Kernfrage, um überhaupt im Gespräch miteinander zu sein. Wenn wir einfach mal die Geschichte anschauen: Die Bibelfrage war schon immer der Gamechanger. Darum geht es.
Luther hatte gesagt: In allen Dingen muss die Bibel den ersten Rang haben. Der Theologe Thomas Schirmacher betont: Christen glauben nicht an die Heilige Schrift an sich, sondern vertrauen ihr, weil Gott durch sie spricht. Wir glauben ja nicht an irgendein Buch, sondern wir glauben daran, dass Gott sich uns so offenbart hat.
Und Roland Hartmayr unterstreicht: Dein lebendiger Glaube ist auf ein klares Schriftverständnis angewiesen, so wie ein gesunder Baum tiefe Wurzeln braucht.
Und genau hier merken wir: Da ist in den letzten zehn, fünfzehn Jahren etwas passiert. Die Frage, die sich bei uns allen stellt, ist ja nicht, ob ich Fragen an die Bibel stellen darf. Natürlich, natürlich muss ich Fragen an die Bibel stellen, weil ich nur durchs Fragen weiterkomme. Aber die Sache ist: Mit welcher Haltung komme ich?
Da gibt es zwei ganz unterschiedliche Ausgangspunkte. Entweder bin ich jemand, der hörend unter Gottes Wort kommt, oder ich bin jemand, der sich über Gottes Wort stellt. Und je nachdem, wie die Antwort ausfällt, merke ich: Die Bibel korrigiert mich. Dann bin ich bei dem Begriff Rekonstruktion. Mein Glaube wird rekonstruiert. Oder, wenn ich es progressiv formuliere, dann bin ich bei einer De- oder Neukonstruktion des Glaubens.

Was unter Dekonstruktion verstanden wird

Und jetzt sind wir schon bei dem Begriff: Was heisst eigentlich Dekonstruktion? Wir kommen zum zweiten Teil.
Wenn man sich das anschaut, gibt es eine Definition: Dekonstruktion ist ein Prozess, bei dem bestehende Glaubensüberzeugungen, Traditionen oder theologische Konzepte kritisch hinterfragt und analysiert werden. Wie kann das jetzt aussehen?
Manchmal kann es ja sein, dass du in einer Glaubensgemeinschaft bist und dadurch stark geprägt wirst. Viele von uns kommen aus gewissen Gemeindesettings, und da gibt es gewisse ungeschriebene Regeln. Oftmals beruft man sich da irgendwie auf die Schrift und erklärt ihr irgendetwas. Und bei einer Dekonstruktion kann es sein, dass so ein traditionelles Glaubenskonzept hinterfragt wird. Ist es wirklich richtig, oder macht es unsere Gemeinde einfach schon seit 150 Jahren und hat Angst, etwas Neues zu machen?
Für mich ist so eine Beobachtung zum Beispiel die Bibel- und Gebetsstunde. Ist die noch zeitgemäss, oder müsste man vielleicht nicht auf Hauskreise gehen? Beides ist gut. Und wenn du in einer Gemeinde bist, die nur sagt: nur die Bibel- und Gebetsstunde, dann bist du in einem traditionellen Konzept. Denn die Schrift kennt dieses System erst einmal grundsätzlich auch nicht. Wir sollen uns im Gottesdienst versammeln und nicht zu einer Bibel- und Gebetsstunde. Nur, dass ihr da mal merkt: Das sind traditionelle Konzepte, die teilweise sehr gut sind. Aber jemand, der sich jetzt beengt fühlt, sagt: Oh, da muss ich ausbrechen. Oder ich habe zum Beispiel gewisse kulturelle Prägungen und möchte mich davon lösen.
Ganz stark merken wir das heutzutage im Bereich der Sexualethik. Da findet ein ganz starker Wechsel statt, und viele sagen: Oh nein, diese traditionellen Christen, das ist ganz schlimm, das ist ganz eng, wir müssen uns befreien.
Was man erst einmal sagen kann: Nicht jede Art von Dekonstruktion ist gleich eine Verwerfung der Bibel. Ich zeige euch das auch gleich an einem Beispiel. Sondern es geht darum zu fragen: Was möchte ich denn? Möchte ich Gott näherkommen, dann bin ich bei der Rekonstruktion. Möchte ich aber Glauben neu konstruieren und mich freimachen, dann bin ich bei der Dekonstruktion.
Ich zeige euch das mal in einem Schaubild auf. Ich gehe davon aus, dass wir alle einen Glauben haben. Dieser Glaube ist vermutlich vom Wort Gottes her geprägt, und ihr habt gewisse Gemeindetraditionen. Und manchmal merkst du vielleicht auch: Ja, irgendwie fühle ich, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht kommt auch mal so ein Satz auf: Mein Glaube tut mir gerade nicht gut, mir leuchtet auch manches nicht so ein, und ich merke auch so in der Art und Weise, wie ich geprägt bin, ich kriege das gar nicht hin, mein Glaube funktioniert nicht. Oder auch: Mein Glaube bringt keine Frucht. Da stimmt etwas nicht.
Ganz ehrlich: Wenn das so ist, dann bist du nicht vom Glauben abgefallen. Das gehört eigentlich ins ganz normale Christsein hinein, dass du merkst, irgendetwas stimmt da nicht. Denn Zweifel und Fragen können ja auch ein Anlass sein, dass wir tiefer in die Schrift hineinschauen.
Mit dieser Sache kommen wir jetzt zur Dekonstruktion. Wir beginnen also, Glaubensinhalte zu zerlegen. Ein Auslöser dafür kann sein, dass ich meine Bibel lese und merke: Wow, ich habe etwas Neues erkannt, ich muss meinen Glauben neu konstruieren, neu rekonstruieren. Ich werde von einer Predigt angesprochen und merke: Hey, ich habe das jahrelang falsch verstanden, dann rekonstruiere ich. Oder ich gehe auf ein theologisches Seminar und habe diese und jene neue Erkenntnis, und ich sage: Wow, da passiert etwas. Das alles führt dann schlussendlich dazu, dass mein Glaube sich rekonstruiert.
Das ist übrigens ein interessanter Prozess, den kennen wir auch aus der Schrift. In 2. Korinther 10,4-5 lesen wir: Die Waffen unseres Kampfes sind nicht von menschlicher Art, es sind die mächtigen Waffen Gottes, mit denen man Festungen niederreissen kann. Mit ihnen zerstören wir Gedankengebäude und jedes Bollwerk, das sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt. Wir nehmen jeden solchen Gedanken gefangen und unterstellen ihn Christus.
Da passiert doch nichts anderes, als dass mich heute Morgen die Predigt angesprochen hat und ich in meinem Glaubensleben eine Rekonstruktion erfahre.
Ein super historisches Beispiel ist Martin Luther. Martin Luther hatte eine traditionelle Prägung, hatte eine kulturelle Prägung, und er besann sich und las die Bibel. Und durch die Bibel kam er zu der Erkenntnis, dass seine traditionelle Prägung irgendwie nicht passte, und er löste sich davon. Er führte eine Dekonstruktion durch. Er setzte sich mit Gottes Wort auseinander, und am Ende wurde sein Glaube rekonstruiert auf dem Fundament der Schrift. Das ist super.
Ich hoffe, dass das eigentlich bei uns im Laufe des Lebens immer wieder passiert, denn wir wollen ja Christus ähnlicher werden.
Was ist die Sache aber, wenn es da anders weitergeht? Dann gibt es nämlich etwas, das nennt sich Dekonversion. Es ist dasselbe Prinzip: Ich habe einen Glauben, ich merke, etwas stimmt nicht, ich fange an, in eine Dekonstruktion zu kommen, ich baue neu etwas zusammen, aber ich gehe in die Dekonversion. Jetzt folge ich nicht mehr dem Muster der Schrift, sondern ich betone stärker das, was mir jetzt guttut, das, was sich als wahr anfühlt. Da baue ich etwas neu zusammen. Das Ende vom Lied ist: Es findet eine sogenannte Entkehrung statt.
Ich kann euch das sehr empfehlen. Ich habe Wolfgang auch gebeten, ein paar Bücher mitzubringen. Das ist ganz frisch in Dillenburg erschienen, von Alyssa Childers und Tim Barnett. Sie sind beide Apologeten, und sie erklären dazu, was passiert, wenn man sich entkehrt.
Bei der Dekonstruktion geht es nicht darum, sich um richtige Theologie zu bemühen. Es geht nicht darum, Ansichten mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Es geht darum, Lehren, die als ethisch falsch empfunden werden, niederzureissen, damit sie mit dem eigenen inneren Gewissen, dem eigenen ethischen Kompass, dem eigenen wahren, authentischen Selbst oder wie auch immer man das heute nennt, übereinstimmen.
Und ihr merkt auf einmal: Da kommt mein Ich hinein, ich! Ich bin der Mittelpunkt. Und das merken wir in unserer Gesellschaft, diese Individualisierung. Der Mensch macht sich selber zu Gott. Das ist in diesem Dekonversionsthema drin.
Bei Luther war das ganz anders. Da war nicht ich im Mittelpunkt, sondern die Schrift sagt mir etwas anderes. Die Bibel hat in mein Leben hineingesprochen, und das führt schlussendlich dazu, dass ich keinen Glauben mehr habe.
Wenn ich mich zu Christus bekehre, dann entscheide ich mich, Christus nachzufolgen. Und da darf Gottes Wort in mein Leben hineinsprechen, auch wenn es mir nicht gefällt. Es gibt Dinge, es gibt Bibeltexte, da ringe ich darum. Jakobus 3, die Zunge, das ist ganz schwer für jemanden, der gerne auch mal einen Witz macht. Das sind Worte, die tun weh, aber sie sind heilsam und wichtig, und ich ordne mich dem Wort unter.
Wohingegen hier immer mein eigenes Ich zählt. Und ich rede nicht darüber, dass jemand sagt: Ich habe Zweifel, oder ich habe Anfragen, oder ich hinterfrage manches. Das ist nicht damit gemeint, sondern ich rede wirklich davon, dass hier jemand den biblischen Glauben verleugnet und sich davon lossagt.
Ob jetzt ein Kind Gottes sein Heil verlieren kann oder nicht, möchte ich an dieser Stelle nicht thematisieren. Aber ich glaube, dass wir erkennen, was bei einer Dekonstruktion passiert. Wenn sie nicht nach biblischen Massstäben abläuft, dann findet diese Entkehrung statt, statt einer Bekehrung.

Wo diese Prozesse stattfinden und warum Zweifel Raum brauchen

Wo findet man diese konstruktiven Prozesse? Wann komme ich mit solchen Leuten ins Gespräch? Wo läuft das eigentlich ab?
Das eine ist: Man beobachtet das ganz stark im persönlichen Glaubensleben. Und wir sehen, was eigentlich Weltanschauungen in den letzten Jahren betrieben haben: Sie haben den Menschen verändert. Mein persönliches Glaubensleben, ja, Christsein ist nur noch Individualität und so, wie ich es empfinde.
Dann ganz stark in der akademischen Theologie. Das ist aber auch eigentlich nichts Neues, denn spätestens seit Schleiermacher haben die liberalen Gedanken Einfluss genommen und ganz stark auch in die Ausbildung von Kirchenleitern und sonst etwas hineingewirkt. Und wir sehen das mittlerweile auch, dass es in den christlichen Gemeinden eine Ausprägung hat. Dass wir Glaubensfragen hinterfragen, dass wir Sachen, die jahrhundertelang in der Gemeinde Jesu klar waren, auf einmal völlig hinterfragen.
Ich glaube, dass wir so langsam verstanden haben, wohin die Konstruktion führen kann. Aber Wissen allein hilft nicht, denn das sind schöne theoretische Konzepte, das sind Schlagwörter. Schlussendlich geht es um Menschen. Vielleicht ist es dein Sohn, der sich darin befindet, oder eine Freundin, die du hast, oder ein langjähriges Gemeindemitglied. Jemandem, dem du vielleicht letzte Woche noch beim Kaffee gegenübergesessen bist. Das findet beim Menschen statt.
Wie gehe ich mit jemandem um, der vielleicht anders fühlt als ich, anders denkt als ich, anders geprägt ist als ich? Die Antwort hängt davon ab, wer eigentlich vor mir sitzt. Denn nicht jede Situation ist gleich etwas Schreckliches. Zweifel sind Chancen und keine Hindernisse.
Die Barna Group hat eine statistische Erhebung in den USA gemacht und festgestellt, dass fast drei von fünf jungen Christen, also 59 Prozent, nach dem 15. Lebensjahr entweder dauerhaft oder für längere Zeit ihrem Gemeindeleben den Rücken kehren. Circa 60 Prozent der Jugendlichen wenden sich vom Gemeindeleben ab. Und sie kam zu dem Ergebnis, dass das hauptsächlich daran liegt, dass die Gemeinden keinen Raum für Zweifel gegeben haben.
Und da werden wir das noch häufiger hören: Zweifel sind grundsätzlich nichts Falsches, erst einmal, sondern Chancen. Fragen und Zweifel sind doch dazu da, um mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Und da sehe ich uns als Einzelne und vor allen Dingen uns als Leiter von Gemeinden auch in der Verantwortung, mit biblischer Weisheit da heranzugehen.
Und ich merke das selber mit meinen Jugendlichen aus dem Jugendkreis: Die haben Fragen. Und wenn wir dann nur sagen: Wir haben das seit 15 Jahren schon gemacht, wir machen das einfach immer so, das reicht nicht. Wenn ich so vorangehe, dann sind die noch zwei Jahre da und dann sagen sie: Adios, amigos, kein Bock mehr, ihr seid eine uncoole Gemeinde.
Und mich hat dann sehr beeindruckt das Berichten Alissa Childers und Tim Barnett, dass Timothy Keller viele Jahre lang nach seinem Gottesdienst 40 Minuten Zeit gegeben hat, in denen man nach seiner Predigt zu ihm gehen und Fragen stellen konnte. Und das hat dazu geholfen. Timothy Keller hat ja in Manhattan diese Gemeinde gegründet, dass Menschen Fragen stellen konnten, und es hat ein Gemeindeleben in einem absolut gottlosen Bereich stattgefunden. Er hat sich ja extra da reingesetzt.
Und ich möchte das eigentlich so als Beispiel mitgeben für uns als Gemeinde: Haben wir überhaupt Räume, wo man Fragen stellen kann, oder wird das alles wieder abgewatscht? Wir haben noch nie Fragen gestellt, es wird nicht hinterfragt. Gibt es ja, kennen wir da alles.

Gesprächsgruppen und theologische Einordnung

So, jetzt haben wir so das Fundament gelegt, dass wir ein bisschen wissen, worüber wir reden. Und wir kommen jetzt zum dritten Teil: Wie begegne ich Menschen in Liebe?
Hier gibt es drei Gesprächsgruppen, denn es gibt Menschen, die anders denken, anders glauben und auch anders leben als wir. Und es gibt drei Kategorien.
Die erste Gruppe betrifft Christen, also Leute, mit denen wir grundsätzlich einer Meinung sind. Da möchte ich euch ganz kurz das Modell der theologischen Triage vorstellen, damit ihr ein bisschen versteht, wie man Zusammenarbeit gestalten kann.
Das zweite Modell betrifft genau solche Menschen, mit denen ich durchaus über Themen streiten kann und die sich in dieser Wanderbewegung vom Anfang befinden. Je nachdem, wie weit sie gegangen sind, sind sie in dieser Wanderbewegung und stellen Fragen. Da möchte ich euch fünf Aspekte weitergeben. Und ich möchte auch noch etwas dazu sagen, was es eigentlich mit denen auf sich hat, die wirklich ihren Glauben revidiert haben. Haben wir da auch Anhaltspunkte, wie wir mit ihnen umgehen sollen?
Okay, soweit. Ich komme zur ersten Gruppe. Das ist mein Paradebeispiel. Es sind beides Brüder im Herrn, die mich sehr prägen und die ich sehr schätze: R. C. Sproul und John MacArthur. Es gibt so coole Videos über die beiden im Internet, wo sie miteinander scherzen. Und sehr schön zu sehen ist: Sie haben gemeinsam. Ich habe euch das einfach mal aufgelistet, was so Gemeinsamkeiten bei ihnen sind. Da waren die beiden eins. Da gab es ganz klar: Da sind wir zusammen.
Und dennoch muss man aber auch sagen, es gab auch Unterschiede, die für manch einen, je nach Gemeindeprägung, sogar sehr wichtig sein könnten, die aber ehrlich gesagt überhaupt nicht heilsrelevant sind. Das ist eine Prägungssache und eine Erkenntnissache. Und trotz dieser Unterschiede haben die beiden so stark gewirkt, bei Ligonier Ministries oder sonst wo, weil es ihnen so wichtig war, für Gottes Wahrheit einzutreten. Das sind sicherlich zwei der aktuellen Glaubensbrüder, die viele, viele Gläubige geprägt haben und sehr gesund waren.
Das Gleiche gilt: Ihr könnt George Whitefield und John Wesley nehmen. Da empfehle ich, die Biografie von Benedict Peters zu kaufen. Das wäre genau das Gleiche. Da hat man gemerkt: Es sind zwei Leute, die in gewissen Fragen wirklich anders getickt haben, aber miteinander. Das ist sehr schön.
Wenn Christen so eng beieinander sind, dann kann man einfach auch über eine theologische Triage sprechen. Denn es gibt Lehren, die sind für das Evangelium absolut. Und hier einfach ein kleiner Werbeblock: Wer sich damit näher beschäftigen möchte, ich habe einen Kurs geschrieben, Anker werfen, der sich mit diesen Lehren beschäftigt, die absolut zentral sind, wo ihr euch zurüsten könnt. Wir haben auf der Homepage auch noch einmal 135 Seiten Extramaterial, damit du richtig mit Jugendlichen und auch mit jungen Erwachsenen da reinsteigen kannst, damit sie ihr Fundament haben in den Sachen, die absolut sind.
Dann gibt es aber auch immer wieder Lehren, die für uns als Gemeinde wichtig sind, also zum Beispiel die Frage der Eschatologie. Es wäre schon wichtig, dass wir als Gemeindeleitung so eine Richtung haben: Wie ticken wir denn da? Vorher, Mitte, nachher? Das ist wichtig, weil sonst sonntags der eine aufsteht und sagt: Nur vorher ist richtig. Nächsten Sonntag steht der auf und sagt: Aber nur am Ende ist richtig. Und am dritten Sonntag kommt der und sagt: „Ha Leute, ich gehe in die Mitte.“ Und die Gemeinde ist verwirrt. Das bringt uns nichts. Das ist aber keine heilsentscheidende Lehre.
Dann gibt es Themen, die sind noch erst auf der dritten Ebene. So ein ganz banales Beispiel: Muss man Heilsgewissheit haben oder kann man das Heil verlieren? Das ist sekundär. Darüber muss ich mich nicht streiten. Da gibt es unterschiedliche Ansichten. Aber viele meinen dann, sie müssten diese Frage auf Nummer eins heben, auf Ebene eins.
Oder noch ganz Nummer vier: Ich möchte mit Leuten zusammenarbeiten, da ist es relativ egal, ob die in der Gemeinde ein Schlagzeug stehen haben, die ein Cajon haben oder die vorne eine Lobpreisband haben. Das ist völlig wurscht. Hauptsache, wir sind in den Lehren, die ums Evangelium gehen, die wichtig sind. In denen brauchen wir Einheit. Das ist übrigens auch durchaus biblisch, denn selbst Paulus wusste um Lehren, die vor allem überliefert sind, 1. Korinther 15,3, und erkannte Lehren, die unterschiedlich gesehen werden können, Römer 14,5. Das kann man auch bei Paulus sehr gut in Apostelgeschichte 13 und 17 erkennen, wie er mit jeweiligen Leuten gesprochen hat.
Er wusste darum. Mit diesem Modell können wir sehr gut schauen, mit wem können wir für das Evangelium zusammenarbeiten, auch wenn wir auf Ebene zwei, drei und vier ganz unterschiedlicher Gemeindepraxis sind. Das ist zum Beispiel auch die Grundlage von uns als Malachi-Kreis. Die A-Lehre muss stimmen, da muss es passen. Bei anderen Dingen kann man auch eine unterschiedliche Prägung haben. Wir sind ein Miteinander.

Umgang mit Menschen, die ihren Glauben revidieren

Und jetzt kommen wir zu der Gruppe, die uns heutzutage sehr am Herzen liegt. In allen Jahrhunderten gab es immer wieder Diskussionen um Wahrheit. Es gab Christen, die alles dafür aufgegeben haben, für gewisse Überzeugungen wirklich ihr Leben zu geben. Und Martin Lloyd-Jones, das ist ein Prediger aus dem zwanzigsten Jahrhundert, der hat gesagt: Doch davon sind wir in unseren Tagen weit entfernt. Man will uns erzählen, der christliche Glaube ließe sich nicht in Lehrsätzen festlegen. Es handle sich um etwas Mystisches und Unerklärbares, wo eine Unterscheidung zwischen richtig und falsch nicht möglich sei.
Das hat er im zwanzigsten Jahrhundert geschrieben. Wir stecken da gerade genau drin.
Wie gehe ich mit Menschen um, die ihren Glauben gerade erneuern, die in einer Dekonversion vielleicht schon drinstecken? Und ich möchte euch hier fünf Hilfsmittel vielleicht an die Hand geben.
Zunächst einmal sollte uns bewusst sein, dass geistliche Aufbrüche schon immer Debatten gebracht haben. Also dass gewisse Fragen immer diskutiert werden, ist nichts Untypisches. Unter König Josia begann eine Erneuerungsbewegung, weil Gottes Wort wiederentdeckt und intensiv gelesen wurde. 2. Könige 22. Da wurde auch debattiert: Was machen wir jetzt? Der Herr Jesus hat leidenschaftlich mit den Schriftgelehrten diskutiert über die schriftlichen Offenbarungen Gottes. Lukas 2,46 und folgende. Und wenn wir uns die apostolischen Briefe des Neuen Testaments anschauen, dann merken wir, dass sie sich immer wieder mit Fragen auseinandersetzen und versuchen, Antworten darauf zu geben. Sie versuchen immer, von der Schrift her zu argumentieren.
Und das muss die Grundlage sein. Wir müssen die Bibel als Autorität akzeptieren, damit wir überhaupt miteinander ins Gespräch kommen. Und wenn wir das haben, dann dürfen wir auch, weil wir uns ja auf Gottes Wort stellen, keine Scheu davor haben, ins Gespräch zu gehen.
Wenn wir aber mit jemandem sprechen, der in eine negative Dekonstruktion geht, dann reden wir ja nicht mehr über diese Fragen wie Sproul und MacArthur, wo sie sich ein bisschen nett ausgetauscht haben, sondern hier sind wir wirklich bei Fragen nach dem Bibelverständnis, nach der Sicht auf unseren Herrn Jesus, die Bedeutung des Kreuzes.
Und Marcus Till merkt dazu an: „Gute Theologie allein macht die Kirche zwar noch nicht gesund, aber ohne gute Lehre bei diesen zentralen Themen des Glaubens kann keine Kirche von innen heraus gesunden. Jede Modernisierung der Kirche ohne gute und gesunde Lehre bleibt deshalb Fassade und vergebliche Liebesmühe.“
Das brauchen wir: gesunde Lehre. Und es ist schön, dass ihr hier seid. Der Leitsatz vom Malerikreis ist: Arbeitskreis für bibeltreue Glaubensstehung in Leben und Lehre. Wir sind bemüht, uns von Gottes Wort her prägen zu lassen.
Damit so ein fruchtbarer Dialog auch miteinander geschehen kann, wäre zunächst einmal Folgendes wichtig: Wenn wir jetzt mit jemandem zusammen sind, ich habe das immer so in ein Fallbeispiel gepackt, es klappt nicht, wenn wir unser Gegenüber sofort angehen. Dialog gelingt immer dann, wenn es gegen den Menschen geht. Da müssen wir aufpassen.
Meine Beobachtung ist, und ich nehme mich da selber mit hinein: Ich bin da ganz schnell dabei. Ich bin nicht mehr bei der Sache, sondern ich habe mich auch diesem Zeitgeist teilweise, man wird hier geprägt, man ist sofort emotional. Und wenn einem die Argumente ausgehen, dann geht man ganz schnell auf die persönliche Ebene.
Wie ist es zum Beispiel, wenn ein ehemaliges Gemeindemitglied sagt: Ich glaube nicht mehr, dass die Bibel wirklich Gottes Wort ist? Das ist eine harte Aussage. Falsch wäre jetzt, einfach hinzugehen und zu sagen: Du bist vom Glauben abgefallen und du lässt dich von der Welt beeinflussen. Das ist super einfach. Geholfen hat es keinem, aber es war einfach.
Biblisch zu handeln wäre doch: Was genau hat dich eigentlich zu dieser Überzeugung gebracht? Welche Argumente siehst du eigentlich, um die Bibel überhaupt infrage zu stellen? Lass uns das doch mal zusammen anschauen.
Wenn ich einfach im ersten Fall bin und ihn gleich abwatsche, dann habe ich nichts gewonnen. Dann habe ich das Gespräch automatisch blockiert. Wohingegen ich im zweiten Fall einen Dialog eröffne. Das Gespräch zu suchen ist der erste Schritt. Das kostet Kraft, das kostet Mühe und das kostet vielleicht auch viel, viel Zeit.
Ein zweites wäre, dass du dich diesem persönlichen Gespräch und den Fakten stellst. Was machst du, wenn ein Freund schreibt: Ich habe meinen Glauben neu gedacht, vieles war einfach nicht haltbar? Jetzt muss man erst mal hinterfragen: Was heißt jetzt bei dir überhaupt neu gedacht? Denn ganz ehrlich, ich habe auch schon einiges in meinem Leben durch, wo ich gemerkt habe: Gottes Wort hat mich verändert, da habe ich jetzt auch meinen Glauben neu gedacht. Ich muss erst mal hinterfragen, um was geht es denn da?
Jetzt kann ich natürlich sofort abwatschen und sagen: Ah, du hast es neu gedacht, ach, du bist der postmodernen Verwirrung auf den Leim gegangen. Ja, alles hinterfragen. Das wäre ignorieren. Biblisch wäre es viel besser, dass ich mich ins Gespräch setze und bitte von Angesicht zu Angesicht.
Wir leben heute in der Welt, wir machen alles hier drüber, und ich muss mir das auch immer wieder sagen. Ich neige auch schnell dazu, irgendwas im Internet zu posten, zu kommentieren. Jetzt hat mich ein Pastor angerufen nach einer Buchrezension und hat gemeint: Können wir mal telefonieren? Das, was du so rezensiert hast, würde dich mal interessieren, denn ich habe ihn schon sehr kritisiert, und das fände ich eigentlich gut. Dass dieser Pastor mich jetzt zum Gespräch gebeten hat, und dann werden wir irgendwann mal miteinander telefonieren und vielleicht mal unsere Sichtweisen austauschen, wie ich etwas wahrgenommen habe und wie er etwas nimmt.
Aber ich finde es wichtig, dass wir dann auch, wenn wir im Gespräch sind, zuhören und wirklich sauber zuhören. Dann muss ich vom Gegenüber auch mal verstehen, welche Argumente er liefert. Also für junge Leute ist es immer schwerer, weil die natürlich geprägt sind vom Zehn-Sekunden-Takt von TikTok oder zwei Sekunden Zuhören. Ein Argument muss ausführlich sein, und die TikTok-Generation, die ist nur noch auf zehn Sekunden oder auf so einen Short, und dann wird ihr erklärt: Jesus ist nicht Gott. Und dann kommt da zehn Minuten einer, der drei nette Bilder zeigt und fünf Sätze, die nichts sagen. Das ist dann das Argument gewesen.
Da kann ich dir nur Mut machen: Zuhören, und dann kannst du ihn auch widerlegen. Zum Beispiel: Du sagst, die Bibel sei widersprüchlich. Welche Stellen meinst du eigentlich genau? Bring dein Gegenüber mal ins Reden, weil Kritik können wir superschnell äußern, aber was genau ist es denn jetzt, was dir zum Zweifeln bringt?
Und dann möchte ich dir Mut machen, dich auch mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Wir müssen uns auch mit manchem einfach beschäftigen, damit wir erst mal verstehen, warum es die Person dahin gebracht hat und dass wir es auch widerlegen können. Und das ist mühselig. Gerade auch in Bibelfragen, das kostet wirklich Mühe. Deswegen kann ich euch nur sagen: Legt euch einen guten Bücherschrank an, der wirklich theologisch auch was hält, damit ihr Material habt.
Dann, wenn wir in so einer Sache sind: Ich möchte den Menschen gewinnen und nicht die Diskussion. Ein junger Mann kommt zu mir und sagt: Ich glaube nicht mehr, dass Jesus der einzige Weg ist. Wow, krasse Aussage. Und wie kann ich jetzt diesen Menschen gewinnen? Sicherlich nicht damit, dass ich sage: Hey, das ist unbiblisch, Johannes 14,6, deine Position hält nicht stand. Klar, ich habe Recht gehabt und ich habe auch sicherlich das Gespräch irgendwie gewonnen, aber den Menschen an sich nicht.
Ist es nicht der Weg des Herrn Jesus, Menschen erst mal zu gewinnen, sich hinzusetzen, zuzuhören, denken wir an die Frau am Jakobsbrunnen, das Gespräch zu führen, aktiv zuzuhören? Und dann einfach mal fragen: Was hat dich denn in Zweifel gebracht über Jesus? Was sind denn die Punkte, woran du zweifelst? Woher kommt denn das?
Vielleicht merkst du dann auch im Gespräch, dass die Person gar keine Worte hat, sondern irgendwelchen Christfluencern oder sonst was auf den Leim gegangen ist. Dann ist es eine ganz andere Situation, in die du bewertest und wo die Aussage auf einmal einen ganz anderen Inhalt bekommt. Und dann kann ich noch immer sagen: Ich verstehe deinen Punkt, aber wenn Jesus wirklich sagt, dass er der einzige Weg ist, dann steht doch hier viel mehr auf dem Spiel. Lass uns mal zusammen das einfach durchdenken. Räume öffnen.
Für jemanden, der sich mit Fragen und auch kritisch mit den Glaubensfragen auseinandersetzt, ist es wichtig, dass wir erst mal Dialog schaffen, anstatt dass wir ihn sofort abwatschen. Dass wir unserem Gegenüber auch das Gefühl geben: Ich nehme dich erst mal nicht als Gegner wahr, sondern ich sehe, dass du ein Hilfesuchender bist, jemand, der gerade einfach Fragen hat.
Und da müssen wir, glaube ich, ganz arg an uns arbeiten, dass der Herr Jesus uns seine Liebe schenkt, die Liebe des Herrn zum Nächsten. Dann bleibt zumindest mal die Beziehungsebene da, und dann kann ich auch über Wahrheiten sprechen. Wenn ich mein Gegenüber verliere, weil ich hart war, weil ich ja so klein in der Schrift war und ich habe noch fünf Bibelverse, die ihn fertig gemacht haben, dann habe ich zwar die Diskussion gewonnen, aber ich habe den Menschen und vielleicht die Seele verloren. Das ist ein ganz anderer Ansatz.
Und ich habe mir da aufgeschrieben: Es mag sein, dass wir die Schlacht gewonnen haben, aber den Krieg haben wir schlussendlich verloren. Und das sollte nicht unser Ziel sein.
Dann möchte ich dafür werben, dass man erst mal wirklich versteht, bevor man kritisiert. Gott hat uns zwei Ohren und einen Mund gegeben. Da steckt ja vielleicht schon so ein göttliches Mittel drin: erst zuhören und dann reden.
Und ich weiß, dass Kommunikation keine leichte Sache ist. Viele von euch sind verheiratet, und sie wissen dann wahrscheinlich auch, wovon man spricht, wenn man über Kommunikation spricht. Das ist ja schon in der kleinsten Gemeinsamkeit sehr schwer.
Aber was ich merke in dieser ganzen Debatte: Es gibt Begriffe, die wir anders füllen. Auch gerade im Generationenthema sind Begriffe ganz anders gefüllt. Da müssen wir erst mal zuhören und sagen: Was meinst denn du?
Was ist, wenn jemand sagt: Ich glaube nicht mehr an Sünde, für mich geht es nur noch um Liebe? Wow, was heißt das eigentlich, was hast du damit ausgedrückt? Jeder von uns setzt schnell voraus: Oh, wenn du das sagst, dann hast du das Evangelium nicht verstanden. Ich muss erst mal fragen: Was versteht mein Gegenüber eigentlich mittlerweile unter Sünde?
Denn das ist mittlerweile, ist es das zweite Kuchenstück gewesen? Ja, das ist ja auch eine Sünde, zu viel gegessen oder so. Was meint die Person eigentlich? Und auch: Was meinst du eigentlich mit Liebe? Denn auch der Begriff ist heutzutage völlig anders gefüllt. Was ist das eigentlich?
Im Gespräch sein. Stellt doch bitte einfach mal Fragen. Wenn wir sehen, wie der Herr Jesus mit Leuten arbeitet, eine Methode war von ihm einfach, Gegenfragen zu stellen. Er ist gar nicht gleich in Angriff gegangen oder in die Verteidigung, er hat einfach nachgefragt. Lernen wir das auch wieder, richtig gute Fragen zu stellen.
Ich versuche das, im Unterricht gibt es offene und geschlossene Fragen. Offene Fragen sind, da kann jemand darauf antworten, geschlossene Fragen sind einfach Ja oder Nein, und die bringen einen nicht weiter. Gerade im Gespräch: Wir brauchen Nachfragen, die uns wirklich fördern.
Mir geht es auch darum, dass wir lernen, erst einmal zu verstehen und dann zu beurteilen. Sonst haben wir nur eine gewisse Scheindiskussion, die gar nichts bringt.
Der fünfte Tipp wäre, dass wir uns von der Hoffnung erst einmal leiten lassen und nicht sofort von Misstrauen. In 1. Korinther 13,7 heißt es: Die Liebe glaubt alles und sie hofft alles. Ich gehe grundsätzlich positiv meinem Gegenüber ins Gespräch, wenn das jemand ist, der gerade beim Zweifeln ist. Wir kommen noch zu einer dritten Gruppe nachher.
Ich möchte auch hoffnungsvoll in ein Gespräch gehen, erst mal. Ich bin auf einem offenen Dialog und will erst mal zuhören, anstatt mir das Schlimmste schon möglichst auszumalen. Vielleicht neigst du dazu, ich bin auch so jemand, der dann immer schon denkt: Oh, was könnten alles für schreckliche Eventualitäten kommen. Grundsätzlich erst mal offen meinem Gegenüber begegnen.
Mir hilft es dabei immer auch, selber zu wissen: Ich lebe aus der Vergebung, die der Herr mir geschenkt hat. Komme ich doch mit der gleichen Herzenshaltung meinem Gegenüber erst mal entgegen.
Das sind einfach mal fünf Ansätze, mit denen man in ein Gespräch gehen kann. Wir sind alle aufgerufen, wenn wir das haben, uns damit zu beschäftigen, dass wir unsere Zeit auskaufen. Denn damit wir überhaupt sprechen können, brauchen wir alle ein Fundament. Und wir müssen unser Fundament legen.
Es ist schön, dass du weißt, dass Bruder XY etwas über das Thema Israel gesagt hat, dass er dir erklärt hat, wie Matthäus 24,23b heilsgeschichtlich auszulegen ist und dann auf Vers 47 gehen, weil der sich wieder irgendwo findet. Es ist schön, dass du das alles gehört hast, aber das ist nicht dein Glaubensfundament.
Und dazu neigen wir leider. Wir hören irgendwelche coolen Brüder, tolle Prediger und sagen: Wow, Matthew Henney hat das mal sehr provokant gesagt und mir gefällt es gut. Wenn du nur sagst, was andere sagen, dann bist du wie ein Papagei, der einfach nachplappert. Und das möchte ich als Christ nicht sein. Ich möchte mein Fundament in der Schrift haben und nicht nachplappern, was Bruder XY irgendwie zu einer Erkenntnisfrage hat. Ich kann das für mich als Wissen nutzen und einarbeiten, aber ich will nicht nachplappern.
Und es wird der Tag kommen, an dem 1. Petrus 3,15 uns wirklich herausfordert: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist. Das heißt, wir müssen erst mal selber sprachfähig werden, dass wir selber erklären können.
Mich hat das sehr bewegt, dass Olaf Latzel zum Beispiel sagte, sie bringen in ihrem Konfirmantenunterricht ihren Konfirmanden bei, die sieben Ich-bin-Worte Jesu auswendig zu lernen. Das ist das Evangelium in kleiner Form. Alle sieben Aspekte erklären das Evangelium. Du bist sofort in der Debatte, wenn irgendeiner etwas hat, kannst du damit kommen. Sie lernen das Glaubensbekenntnis auswendig. Das kennen wir in vielen Gemeinden von uns wahrscheinlich gar nicht. Das ist sehr gut, das sind hilfreiche Sachen, die kann man sich doch aneignen, damit ich zur rechten Zeit Rechenschaft geben kann.
Marcus Till hat es mal so grafisch dargestellt: Wenn ich mit Gottes Wort so umgehe, dass ich es als Gottes Wort ansehe, dann ist meine Erkenntnis immer Stückwerk, aber ich bin geschützt vor Hochmut, weil ich nicht glaube, dass ich gescheiter bin als die Bibel. Ja, ich ordne mich der Bibel unter. Wenn ich aber meine, ich bin über der Bibel, dann läuft das in alle möglichen verkehrten Richtungen. Er schreibt: Nicht wir zeigen der Bibel ihre Fehler auf, sondern sie zeigt uns unsere Fehler auf.
Und bei alledem müssen wir immer gucken, mit wem sprechen wir. Reden wir mit jemandem, der gerade seelsorgerlich über irgendwelche Fragen ringt, oder, und ich komme so langsam zur dritten Gruppe, rede ich mit einem öffentlichen Lehrer, der Kernwahrheiten des Evangeliums leugnet und andere mitzieht, dann bin ich zu einer ganz anderen Reaktion aufgefordert.
Denn wer seinen Glauben revidiert oder neu gestaltet, verändert ja nicht nur Randfragen. Oft werden die Grundlagen der Schrift nämlich neu gesetzt: Schriftverständnis, Gottesbild, das Thema Sünde, es verändert sich. Und damit bewegen wir uns in dem Bereich der theologischen Triage auf der ersten Ebene. Wir sind nicht mehr bei den Fragen, Zweifeln und Sachen, die einen vielleicht anders beurteilt werden, sondern wir sind bei den Lehren, die für das Seelenheil wichtig sind. Und da ist Gottes Wort sehr deutlich.
 Apostelgeschichte 20,28-31 heißt es: Habt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes. Ich weiß, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen, und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen.
Das ist ein Leiter gesagt, aber das dürfen wir auch für uns nehmen, gerade auch, wie gehen wir mit solchen um, die jetzt wirklich den Schritt weitergegangen sind, die nicht nur Fragen gestellt haben, sondern sagen: Wir brauchen das Kreuz nicht mehr, Liebe ist alles. Außerdem kann so ein Gott, das ist alles falsch, weil so ein Gott kann nie ein Blutopfer annehmen. Dann wird argumentiert, dass im Alten Testament steht, Gott möchte keine Blutopfer, also kann das Kreuz gar nicht da sein, weil da ist ein Menschenopfer geschehen. Und Gott möchte keine Menschenopfer. Hat was für sich erst mal der Gedanke. Müssen wir halt doch mal die Schrift durch Schrift auslegen und dann merken wir, passt nicht so ganz die Idee. Man kann das widerlegen.
 2. Korinther 11,13-15: Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Erinnert euch nur, was Wolfgang gesagt hat zu Anna Eyre, und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen, und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen.
Also auch hier wieder eine ganz klare Warnung, und es wird uns gesagt, dass das aus den eigenen Reihen kommt, dass sie kommen mit unserer Sprache. Und deswegen müssen wir auch in der Lehre fest sein, weil 80 richtig und 20 falsch ist so schwer zu erkennen.
Und in Galater 1,8 heißt es dann: Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben, er sei verflucht.
Und das ist nur eine Auswahl an Stellen. Die Bibel spricht so eine klare Sprache, wenn es darum geht, dass wir die Kernwahrheiten des Glaubens verteidigen müssen. Und sie nimmt doch kein Blatt vor den Mund, um diejenigen dann auch wirklich zu benennen und auch aufzuzeigen, wie wir mit ihnen umgehen sollen.
Und es mag uns heute vielleicht fremd erscheinen, aber zur Liebe gehört auch, dass wir die Wahrheit sagen, wenn etwas falsch ist. Das klingt hart, und es ist auch hart, und es ist auch schwer. Mein Gegenüber zu sagen: Du irrst dort. Aber Paulus hat diese Worte gerade auch in Apostelgeschichte zwanzig unter Tränen geschrieben. Er war nicht kalt, es war nichts, was ihn so einen Frust irgendwie angetrieben hat, sondern es war Liebe, weil er nicht wegschauen konnte, dass da etwas passiert.
Und unsere Gesellschaft hat sich leider von dieser biblischen Praxis, Liebe in Wahrheit zu benennen, entfernt. In manchen Gemeinden ist man hier sozusagen auch schon taub und blind geworden, man hört gar nicht mehr. Es ist doch schön, wenn alles so wunderbar ist und wir einen schönen Gottesdienst hatten oder sonst was. Und dann gibt es ja den bekannten Satz: Lehre trennt, Liebe eint. Ja, ich würde gerade das andersherum sagen, ja, Lehre eint und vielleicht ist es Liebe, die dann trennt.
 1. Korinther 16,13 sagt: Wachet, steht fest im Glauben, seid mannhaft, seid stark. Wir brauchen also einen festen Stand im Glauben, damit wir überhaupt wissen, auf welchem Fundament wir stehen. Wir werden ermahnt, für den ein für alle Mal überlieferten Glauben zu kämpfen. Und es ist interessant: In den Sendschreiben werden die Gläubigen immer wieder daran erinnert, dass die Treue gegenüber Gott sich darin zeigt, dass wir überwinden, dass wir also Falsches erkennen und das ablehnen.
Lautet, die einzige Antwort, die ich mit solchen, die ihren Glauben revidiert haben, benennen kann, ist, so wie es Willie McDonald sagt: Wir können keine Gemeinschaft haben mit Menschen, die diese Grundlagen leugnen. Und wir sind bei dem Bereich der theologischen Triage auf der ersten Ebene. Wer den Sühnetod Jesu leugnet, mit dem kann ich keine Gemeinschaft haben. Natürlich begegne ich solchen persönlich respektvoll, aber ich werde ihre Lehre eindeutig zurückweisen.

Ein praktisches Fallbeispiel aus dem Gemeindeleben

Wie sieht das jetzt konkret aus, vielleicht im Alltag einer Gemeinde? Ich möchte es euch an einer etwas fiktiven Situation vorstellen.
Vielleicht habt ihr ein langjähriges Gemeindemitglied, und jetzt hoffe ich, dass ich nicht ins Fettnäpfchen trete: Ich nenne ihn jetzt Thomas. Thomas schreibt plötzlich auf Instagram, dass er nicht mehr glaubt, dass Jesus der einzige Weg zur Rettung ist. Er schreibt: Ich habe meinen Glauben dekonstruiert, Gott ist größer als eine Religion.
Und darunter siehst du auf einmal schon zweihundert Reaktionen: „Hey, starke Aussage“, „toll“ und sogar einige aus deiner Gemeinde haben das schon geliked. Du merkst also: Da passiert etwas. Das ist nicht einfach alles gut. Da ist etwas geschehen, was bereits Kreise zieht.
Was tue ich jetzt? Ich bitte dich: Geh persönlich hin und fang nicht auch noch an, auf Instagram etwas zu schreiben. „Thomas, wie kannst du nur? Du bist abgefallen, das geht nicht.“ Bitte nicht. Sprich mit ihm. Auch nicht per Sprachnachricht über WhatsApp, nein. Wir machen das direkte Gespräch. Ich will in die Augen schauen, ich will mich hinsetzen, und dann möchte ich sagen: Thomas, wie bist du dazu gekommen?
Und dann will ich zuhören. Das erfordert Geduld, weil ich vielleicht Dinge höre, die gegen alles gehen, was ich innerlich glaube, wovon ich überzeugt bin, was ich aus der Schrift erkannt habe. Aber ich höre zu und halte diese Spannung aus, denn ich will entdecken: Was steckt eigentlich hinter der Aussage?
Ganz oft merken wir, dass Menschen irgendwo verletzt wurden. Irgendwo begann dieser Prozess, weil in der Gemeinde mit Härte und Lieblosigkeit draufgeschlagen wurde, und dann ist etwas in der Person kaputtgegangen. Und auf einmal ist dieser neue Weg da: „Ja, das ist schön, dann nimmt man mich endlich an, ich werde nicht verhauen, ich werde sonst was nicht, und ich werde angenommen, man hört mir zu.“
Und wenn du das alles hörst, möchte ich dich ermutigen, auch ehrlich im Gespräch zu sein. Denn ich finde: Ehrlich währt am längsten. Und ich möchte da nicht mit einem Angriff kommen, sondern ihm sagen: Thomas, ich habe dich echt lieb. Und genau deshalb kann ich auch nicht schweigen. Was du da geschrieben hast, widerspricht dem, was Jesus über sich selbst sagt. Johannes 14,6 ist keine Meinung, sondern der Anspruch des Herrn, und ich kann das einfach nicht relativieren.
Und jetzt ist es wichtig: Ist Thomas momentan jemand, der einfach ringt, weil er eine Verletzung hat? Oder ist er jemand, der proaktiv ist und sagt: Ich muss jetzt diese neue Erkenntnis in der Gemeinde verankern, und ich muss das jetzt endlich weitergeben?
Wenn er ringt, dann würde ich ihn seelsorgerlich begleiten. Dann investiere ich Zeit, dann gehen wir das zusammen durch, dann beten wir miteinander, dann begleite ich ihn.
Wenn er aber jemand ist, der sagt: Ich muss diese neue Erkenntnis in der Gemeinde verankern, und ich muss das jetzt endlich weitergeben, dann gibt es nur eine Sache: Dann gilt es als Hirte, die Herde zu schützen. Und dann müssen wir so jemanden unter Gemeindezucht stellen. Da hat die Bibel ja auch ganz klare Ansagen dazu. Denn es kann nicht sein, dass jemand, der seinen Glauben revidiert hat, die Herde kaputt macht und das von innen heraus.
Und auf einmal merken wir, welche Verantwortung wir vielleicht als Älteste haben. Und ihr dürft gerne für eure Ältesten oder eure geistlichen Leiter beten, denn das zu erkennen ist wahnsinnig schwer, und diese Gespräche zu führen sind nicht schön.
Es hat eine Veränderung stattgefunden in unserem Denken, in unserer Zeit. Und das spüren wir in unserer Gesellschaft. Wir spüren das aber auch immer mehr in unseren Gemeinden. Die liberale Theologie, das progressive Christentum, ein zeitgeistliches Christsein greift immer mehr um sich.
Und wir haben uns gefragt: Wie kann ich Menschen begegnen, die ihren Glauben revidiert haben oder jetzt anders denken? Zunächst einmal habe ich euch versucht aufzuzeigen, wie dieses Spannungsfeld zwischen den Progressiven und den Konservativen ist. Dekonstruktion heißt nicht automatisch, dass mein Glaube komplett kaputt ist.
Und wir haben gelernt: Wir müssen auch unterscheiden. Haben wir Geschwister vor uns, die wir trotz unterschiedlicher Erkenntnisfragen gerne lieben und mit denen wir ein Miteinander haben? Und haben wir solche vor uns, die wir begleiten, die ringen, die Zweifel haben? Zweifel sind Chancen, keine Hindernisse.
Und wir haben auch noch einmal von Gottes Wort klar gehört, wie wir mit denen umgehen, die diesen Schritt dann gegangen sind, und ihnen in Liebe und in Wahrheit begegnen.
Aber ich möchte nicht damit enden, sondern ich möchte mit einem Menschen enden. Am Anfang hatte ich euch von einer Mutter erzählt, die geschrieben hat: Was mache ich? Mein Sohn hat den Glauben verlassen. Er hat gesagt, er ist dekonstruiert. Was soll ich ihm antworten?
Und nach alledem, was wir jetzt ein bisschen durchdacht haben, würde ich einfach sagen: Bitte fang nicht mit Argumenten an, fang mit einer Frage an. Frag dein Gegenüber: Was hat dir eigentlich wehgetan? Denn oftmals ist hinter einem Dekonstruktionsprozess eben eine Verletzung, etwas, was Menschen zutiefst berührt hat. Es sind weniger intellektuelle Probleme, es sind Dinge auf emotionaler Basis.
Und dann höre zu, und zwar mit beiden Ohren. Ich habe gemerkt: Wenn wir so offen sind und ich eine Vertrauensbasis habe, dann hört man mir gegenüber auch zu. Und dann kommt irgendwann die Frage: Warum glaubst du das so und so?
Dann sind wir bei 1. Petrus 3. Wenn du gefragt wirst, gib Rechenschaft. Tue das in Liebe, in Klarheit. Entschuldige dich auch nicht für das, was du sagst, weil es vom Wort Gottes herkommt. Und nicht, weil wir so sehr überzeugen wollen oder weil wir jemanden halten wollen, sondern weil wir wissen, worauf wir stehen: auf dem Fundament Gottes, auf seinem Wort.
Und ich kann manchen Weg nicht mitgehen, ja, das kann ich auch sagen. Und ich kann Gemeinschaft nicht automatisch erzwingen. Manchmal muss man vielleicht auch loslassen. Und dann haben wir immer noch eine Sache: dass wir beten können, wirklich beten.
Und Alex hat es ja auch immer gesagt: Beten und Fasten. Wir hören das so wenig in unseren Gemeinden, dass wir fasten. Wann tun wir das denn für jemanden? Haben wir das schon gemacht? Ich habe noch keine Predigt bei uns über das Fasten gehört. Über 40 Jahre bin ich jetzt in der Gemeinde. Fasten nur so mal im Nebensatz, aber mal eine Predigt über Fasten, wie das geht, noch nie.
Und ich glaube, dass wir uns da auch etwas genommen haben. Die Bibel gibt uns Möglichkeiten, wie wir vor den Herrn unsere Anliegen bringen können. Und es heißt für mich auch, die Tür dennoch offenzuhalten, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren. Ich glaube, dass das für ganz viele wichtig ist, nicht nur für diese Mutter: dass wir zuhören, dass wir beten und dass wir die Tür offenhalten.
Deswegen hoffe ich, dass dieser Tag einerseits erst einmal dazu führt, dass Gott geehrt wird, dass du in deinem Glauben gestärkt wirst und dass wir als Gemeinschaft der Gläubigen mutiger für einen biblischen Glauben eintreten.
Ich danke euch für euer Zuhören.

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