Serie•Teil 9 / 14Blessed - gesegnet, weil...
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Weg durch Krise und Bewahrung
Vielen Dank, Wally, für deine Einführung.
Für alle, die mich jetzt nicht kennen und nicht genau wissen, was er meinte: Ich hatte am 11.01. eine Herz-OP. Ja, die lief super. Also muss man einfach sagen: Was das Herz angeht, war alles in Ordnung.
Blöd ist nur, es gibt 0,8 schwere Komplikationen bei dem Ganzen. Ich habe die 0,8 komplett abgegriffen. Sprich: Ich bin nach der OP dann aus einer Leistenarterie heraus innerlich verblutet, irgendwann in der Nacht gestorben und wurde wiederbelebt.
Weil die Ärzte sich nicht mehr weiterhelfen wussten, haben sie mich dann irgendwann durchs CT geschoben, so nach dem Motto: Der stirbt dann ständig, was ist da eigentlich los? Dann haben sie herausgefunden, dass mein gesamter Bauchraum voll Blut war. Das ging dann direkt in die Not-OP.
Wer mal mit mir ins Schwimmbad geht, dem zeige ich unten eine 15 Zentimeter lange Narbe, wo der Echte den Eindruck hat, der hat mich mit dem Schlachtmesser aufgeschnitten. Also auf alle Fälle: Der hat das wieder dicht gemacht.
Du wirst das kennen, ein paar epileptische Anfälle gab es gratis obendrauf. Also war schon irgendwie wild, das muss man schon sagen. Es war ziemlich knapp. Ich habe kein helles Licht gesehen. Ich weiß nicht, ob ich da vielleicht nicht dicht genug dran war oder ob es das helle Licht nicht gibt. Aber das ist die ganze Geschichte.
Ich bin da so ein bisschen zwiegespalten, ob es jetzt gut ist, hier zu sein. Ich merke, dass ich durchaus immer wieder Lust gehabt hätte, nicht mehr hier zu sein. Es hört sich komisch an, aber wenn ich so einen Vers habe, Lust abzuscheiden und beim Herrn zu sein, und ich wiederhole den dann, denke ich mir: Ja, hätte schon was.
Ich meine, das ist eine gute Art zu sterben. So aus der Narkose raus, weißt du, direkt in den Himmel. Du spürst nichts, und irgendwie geht irgendeine Tür auf, und dann steht da Jesus vor dir und sagt Hallo. Und du denkst: Auf der anderen Seite angekommen. Das hätte schon was. Will ich ganz ehrlich sagen.
Also von den vielen Todesarten, die man sich so vorstellen kann, ist das schon etwas anderes als dann so nach 40 Stunden Koma wieder aufzuwachen und festzustellen, dass du intubiert bist und einen Schlauch hast und einfach nur eine Schwester dich fragt, wie du heißt. Versteht ihr, das ist einfach nicht ganz so cool, das muss man schon sagen.
Und nichtsdestotrotz: Vielen, vielen herzlichen Dank.
Warum vorbereitete Theologie in der Krise trägt
Ich muss mich auf doppelte Weise bei euch bedanken. Zum einen für eure Gebete. Ich weiß natürlich, dass nicht jeder diese ganze Dramatik so mitbekommen hat, aber einige haben das und haben gebetet. Oder sie haben, ohne es mitzubekommen, gebetet und dann im Nachhinein festgestellt, wie gut es war. Vielen herzlichen Dank.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nur noch hier vorne stehen kann, weil viele Leute für mich gebetet haben. Ich kann das nicht beweisen. Aber ich glaube, in der Ewigkeit wird man sehen, dass das schon eine Folge von Gebet war, dass ich noch lebe.
Das Zweite hat damit zu tun, dass ich mir die Frage gestellt habe: Warum war eigentlich diese Zeit nach der OP so? Und die war durchaus nicht so schön. Also, du wachst da irgendwie nach der Zeit auf, und du gehst am Freitag ins Krankenhaus, quietschfidel, und am Montag kommt dann der Physiotherapeut und sagt: Wollen wir mal versuchen, uns auf die Bettkante zu setzen? Und du versuchst das und fällst nach hinten um, weil du einfach keine Kraft mehr hast, den Arm zu heben, den man so will.
Also, das war eine Zeit, die durchaus erfüllt war von interessanten Erfahrungen. Ja, auch mit Antiepileptika, was die so im Kopf mit einem machen. Ja, das ist schon spannend. Oder wenn man in einem Vierbettzimmer liegt und da nebendran einer die ganze Nacht vor sich hin stöhnt. Ja, auch spannend. Oder mein anderer Kollege, der seinen Wecker auf sechs Uhr stellt, den nur nicht hört. Ja, das ist super.
Es ist einfach so: Es war eine absurde Zeit. Ob ich mir jetzt Intensivstationen oder das Paulinenkrankenhaus oder die Reha anschaue, ich könnte euch eine komische Geschichte nach der anderen erzählen, wo du einfach neben dir stehst und sagst: Was war das?
Und trotzdem kann ich sagen: Es war eine schlimme Zeit, aber sie hat in meinem geistlichen Leben eigentlich keine große Herausforderung dargestellt. Und ich habe mich gefragt, warum nicht. Die Antwort ist: Deswegen ein herzliches Dankeschön an euch, weil wir zusammen vorher das Buch Prediger studiert haben.
Diese Theologie, das Buch Prediger, hat mich und euch hoffentlich auch in den letzten zwei Jahren, in denen wir uns damit beschäftigt haben, geerdet und mir unglaublich viel Zuversicht gegeben. Mir ist klar geworden, dass unsere Theologie fertig sein muss, bevor die Krise kommt. Also unser Denken über das Leben muss fertig sein, bevor die Krise kommt. Denn wenn die Krise erst einmal da ist, und es kann sein, dass man einen lieben Angehörigen verliert, es kann sein, dass man schwer krank wird, es kann sein, dass man in große finanzielle Nöte hineingerät, die man einfach nicht gesehen hat, dann bleibt meistens keine Zeit mehr, um noch in Ruhe über die Bibel nachzudenken.
Dann ist man völlig durcheinander oder eben halb sediert oder sonst irgendetwas. Dann muss in dieser Zeit deine Theologie sich bewähren. Und da war es für mich einfach ein ganz großer Segen. Ich bin meinem Herrn Jesus wirklich von Herzen dafür dankbar, dass ich mit dem Buch Prediger im Gepäck in diese Krise gehen durfte.
Gottes Blick auf die Weltgeschichte
Ich habe in Spandau gerade eine Reihe am Laufen, die heißt Blessed, gesegnet. Und ich dachte, ich möchte mit euch eine dieser Predigten machen. Sie heißt gesegnet, weil Gott nie einen Fehler macht.
Und ich möchte an dieser Stelle mit euch einen Vers betrachten, den ihr kennt, weil wir ihn schon einmal miteinander betrachtet haben, aus dem Buch Prediger. Aber ich finde, er ist ein so herausfordernder Vers und ein Vers, der unserem natürlichen Empfinden an manchen Tagen so schrecklich zuwiderläuft, dass er wirklich geglaubt werden muss. Es lohnt sich immer wieder, ihn zu betrachten.
Gott ist ein Gott, der möchte, dass wir ihm vertrauen. Und zwar so, dass wir ihm mehr vertrauen als uns selbst. Deswegen hat der Heilige Geist als Autor der Bibel auch dafür gesorgt, dass Dinge aus der Perspektive Gottes aufgeschrieben sind, damit wir Gottes Gedanken kennen. Aber nicht nur, damit wir sie kennen, sondern damit wir sie auch glauben. Der Kern des Christseins ist, dass wir Gott vertrauen. Wir vertrauen Gott und nicht unserer Intuition, nicht unserer Erziehung und nicht unserem Verstand.
Und so gibt es einen Vers, der sich diesem Vertrauen auf der einen Seite entzieht, weil er sagt: Das kannst du doch nicht ernst meinen. Auf der anderen Seite merke ich aber: Jetzt fängt Glauben an. Bei so einem Vers. Das ist Prediger 3,14. Ich sage gerne: einer von den Top 100, wenn du Verse auswendig lernst. Also gehört er relativ früh mit dazu.
Ich lese das mal vor, Prediger 3,14. Wer die Predigerei noch im Kopf hat, der weiß: kenne ich schon. Aber Wiederholung ist gut, sagt zumindest Petrus. Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen, und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchtet.
In den Versen davor, in Kapitel 3, geht es darum, dass der Mensch zwar merkt, dass es im Leben gute und schlechte Zeiten gibt, aber obwohl er das merkt, kann er nicht ergründen, in letzter Konsequenz, was Gott tut. Er will sagen: Ich bekomme das Auf und ich bekomme das Ab meines Lebens mit. Aber wenn ich versuche, das so zusammenzustricken und zu sagen: Verstehe ich, wie das alles zusammenpasst? Dann funktioniert das nicht.
Für den Menschen sieht es nach einer fast zufälligen Abfolge von schönen und von weniger schönen Momenten aus. Mal rauf, mal runter. Mehr können wir nicht sagen, und mehr können wir auch nicht verstehen. Aus menschlicher Perspektive ist Leben nicht schlüssig.
Ja, vielleicht müsste man auch sagen: Es gibt so Momente, da stehe ich vor meinem Leben und denke mir: Boah, jetzt verstehe ich, was Gott sich gedacht hat. Jetzt ergibt mein Leben einen Sinn. Jetzt weiß ich, warum genau mir das passiert ist. Und während ich das noch denke, gibt es kurz darauf Situationen, wo ich merke: Die passen überhaupt nicht zu meiner Theorie. Das ist das Leben. Und das ist das, was der Prediger schreibt. Und er schreibt das an gläubige Menschen.
Als Christ stehe ich vor meinem Leben, und wenn ich ganz ehrlich bin – das dürfen wir ja heute Morgen, wir sind ja im Gottesdienst –, dann weiß ich eigentlich die meiste Zeit nicht genau, warum mein Leben so verläuft, wie es verläuft. Und das, was Salomo uns sagen will, ist: Ihr werdet das auch nie herausfinden.
Das haben wir schon miteinander betrachtet, das ist für euch nichts Neues. Wir leben als Gläubige in einer Welt, die vom Bösen regiert wird. Der Teufel wird in der Bibel als der Fürst dieser Welt, sogar als der Gott dieser Welt bezeichnet, der in ungläubigen Menschen wirkt. Und Johannes beschreibt die Spannung, in die wir als Gläubige hineingestellt sind, mit den Worten: Wir wissen, dass wir aus Gott sind. Wir sind wirklich gläubig. Und die ganze Welt liegt in dem Bösen.
Das ist die Spannung. Wir sind aus Gott, wir haben eine Beziehung zu dem lebendigen Gott, aber wir stecken in einer Welt, die vom Bösen geprägt ist. Die will Menschen kaputt machen. Eine Welt in den Händen Satans, und wir mittendrin.
Und Gott möchte jetzt durch uns in diese Welt hinein sein Reich bauen, indem er sagt: Hey, predigt mal das Evangelium. Und der Gag ist: Wenn wir das tun, dann wächst Gottes Reich. Im Moment in Europa nicht sonderlich schnell, das muss man zugeben, aber es wächst. Seele für Seele wächst Gottes Reich. Wenn Menschen anfangen, tatsächlich Jesus als ihren persönlichen Herrn anzunehmen.
Und der Clou ist: Gott weiß ganz genau, wer das sein wird. Gott weiß, wer in dieser Welt ihn noch annehmen wird. Und Gott wartet ganz geduldig und führt die Geschicke der Welt so, dass von den Menschen, die eine Sehnsucht nach ewigem Leben haben, keiner auf der Strecke bleibt. Das ist der Grund dafür, warum der Herr Jesus noch nicht wiedergekommen ist.
Das heißt in 2. Petrus 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung. Gemeint ist die Verheißung seiner Wiederkunft. Man könnte ja sagen: 2000 Jahre, ey komm, der Herr ist nahe, von wegen nahe. Jetzt kommt Petrus und sagt: Der Herr verzögert nicht die Verheißung. Gott kommt nicht zu spät. Wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber. Und damit sind die Christen gemeint, in ihrer Gesamtheit. Er ist langmütig euch gegenüber, der nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.
Gott sieht die Menschen, weiß, wer da will, und Gott schafft den Weg dafür, dass jeder zum Ziel kommen kann. Und jetzt, wenn uns unser Leben schräg vorkommt und wenn wir nicht so genau wissen, wie das zusammenhängt, dann dürfen wir gleichzeitig wissen, dass Gott ein ganz klares Ziel mit dieser Welt hat.
Also wir sind so ein bisschen: Wo geht das hin? Ja. Aber Gott steht dahinter und sagt: Hey, ich weiß ganz genau, was ich will. Ich will Menschen retten, und zwar die Menschen, die durstig sind nach einer Begegnung mit mir. Das ist, wenn Jesus in Jerusalem bei diesem einen Fest, in Johannes 7, vielleicht erinnert ihr euch, eine ganz komische Situation. Weil Jesus sonst immer so im Verborgenen und zurückhaltend ist. Und da stellt er sich in so eine Menge hinein, eigentlich das einzige Mal, und ruft: Wem dürstet, so komme er zu mir und trinke.
Das ist das, was Gottes Herz ausmacht: Menschen zu rufen, die einen Durst nach ewigem Leben haben. Das ist die Absicht Gottes mit der Weltgeschichte. Das ist das Ziel, mit dem er in diese Welt hineinwirkt. Und er tut das, ohne dass er dem Menschen den freien Willen raubt. Also wir dürfen weiterhin, leider muss man sagen, wir dürfen weiterhin dumme Entscheidungen fällen. Gott nimmt das irgendwie in Kauf, Gott baut das in seine Pläne mit ein. Und obwohl ich das darf, gilt grundsätzlich über meinem Leben Prediger 3,14:
Nochmal: Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen, und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchtet.
Die Deutung des eigenen Leidens
Also, mir kommt mein Leben im Moment schon komisch vor. Das ist so eine Phase, wo ich sage: Hatte ich noch nie. Das muss man mal ganz nüchtern sagen. Ich bin noch bis Ende April krankgeschrieben, das ist der Hammer. Also, ich bin sonst: Hatte ich noch nie. Und es kann sein, dass es noch länger ist.
Also, mein Chefarzt meinte: Rechnen wir mal vier bis sechs Monate, bis Sie wieder auf dem Damm sind. Denken wir: Vier bis sechs Monate, die sind ja rum. Also völlig abstrus. Er würde mir etwas ganz anderes wünschen.
Aber aus Gottes Perspektive ist das, was Gott tut, genau richtig. Gott tut, sagt der Vers, die Dinge so, dass sie für die Ewigkeit sind. Dabei spielt es witzigerweise keine Rolle, und ich darf mal Psalm 23 bemühen, ob ich an den guten Tagen auf den grünen Auen lagere oder vielleicht an den bösen Tagen im Tal des Todesschattens unterwegs bin. Also, zugegebenermassen: Wir wollen immer alle die grünen Auen. Aber für Gott spielt es keine Rolle, weil er sieht: Hey, zu einem Leben gehört beides dazu, Auenland und Mordor. Beides ist irgendwie aus Gottes Perspektive richtig, und beides führt zum Ziel.
Ihr Lieben, ich möchte das noch ein bisschen deutlicher auf den Punkt bringen. Hier heisst es: Dem, was Gott tut, also wie er mein Leben führt, ist nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen. Gott macht keinen Fehler.
Als Hiob alles verloren hat, Wohlstand, Kinder, Gesundheit, und seine Frau ihm rät, er soll doch Gott fluchen und endlich sterben. Nette Frau, ja? Also gut. Was sagt Hiob da? Also, toller Vers. Also, ich würde ihn auch zu den Top Hundert zählen, aber ich glaube, ich habe zu viele Top-Hundert-Verse zum Auswendiglernen. Aber der ist auch schön. Da sagt Hiob: Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen. Wow. Da kannst du mal in Ruhe durchatmen, wenn du mal nicht einschlafen kannst. Vielleicht keine Schäfchen zählen, sondern über den Vers nachdenken: Das Gute nehmen wir von Gott an, das sollten wir das Böse nicht auch annehmen.
Also, ich behaupte nicht, dass das leicht ist. Hiob selber tut sich schwer damit, wünscht sich zwischendrin dann mal, nicht geboren zu sein, klagt, ringt mit Gott. Aber das ist nicht schlimm. Auch Jesus selber ringt in Gethsemane mit Gott. Er sagt dann: Aber, Vater, alles ist dir möglich, nimm diesen Kelch, den Kelch des Leids, nimm diesen Kelch, das Kreuz, nimm das von mir weg. Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.
Also, hier leiden Gläubige, weil Gott es will, weil es zu seinem Plan gehört, diese Welt zu retten, weil Gott tatsächlich das Ganze im Blick hat. Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird; es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen.
Eben, wisst ihr, was das heisst? Ich werde es jetzt mal ganz brutal runterbrechen. Und vielleicht wird der eine oder andere denken: Jetzt gehst du zu weit. Aber ich glaube nicht, dass ich zu weit gehe. Ich glaube einfach nur, dass ich konsequent zu Ende denke, was dieser Vers sagt.
Dieser Vers bedeutet, dass wir, jeder Einzelne hier, hätten wir Gottes Weisheit, Gottes Allwissenheit und Gottes Macht. Haben wir nicht. Aber stell dir mal vor, wir hätten das. Wir wären für den kurzen Moment mal Gott. Hätten wir das, würden wir unser eigenes Leben genau so gestalten, wie es gerade läuft. Also wären wir so schlau wie Gott, hätten seinen Überblick und seine Möglichkeiten, dann würden wir konfrontiert mit uns selbst. Und dazu gehören dann eben auch die dummen und falschen Entscheidungen, die wir treffen.
Okay, ja, jetzt mal: Wir nehmen uns mal. Wir würden uns genau das Leben verordnen mit seinen Höhen und Tiefen, das Gott uns verordnet hat. Wir würden nichts an guten Erfahrungen hinzufügen. Das ist eine irre Vorstellung, oder? Zu sagen, wir würden nichts an guten Erfahrungen hinzufügen? Nein, das würden wir nicht tun, weil wir genau wüssten, es ist die Menge an guten Erfahrungen, die Gott uns verordnet hat, die richtig ist. Wir würden aber auch nichts an schlechten Erfahrungen wegnehmen.
Ich weiss nicht, ob ihr das glauben könnt, aber könnt ihr spüren, wie grossartig es wäre, genau das zu glauben, dass Gott keine Fehler macht? Auch wenn es sich vielleicht gerade so anfühlt. Wenn du zu mir kommst und sagst: Jürgen, ich hätte dir eine OP mit weniger schlimmen Folgen gewünscht, ich kann sagen: Ja, verstehe ich. Aber ganz ehrlich, ich glaube, dass Gott keine Fehler macht und dass er genau weiss, warum das so passieren musste. Also ihm ist in der ganzen Sache kein Fehler unterlaufen.
Mein Leben ist nicht so eine Ansammlung von guten Tagen, da passt Gott einfach mal auf und kümmert sich, und dann gibt es die bösen Tage, da lässt er mich halt ins Unglück schlittern. Nie. Jeder Tag meines Lebens kommt von ihm. Und ihr wisst das, weil wir haben Prediger gemacht. Was kommt jetzt für ein Vers? Genau, Prediger 7,14 bringt das auf den Punkt. Das ist einfach toll: Am Tag des Glücks sei guter Dinge, und am Tag des Unglücks bedenke, na was denn, auch diesen hat Gott ebenso wie jenen gemacht.
Ah, ist das herrlich, einfach schön. Du stehst vor deinem Leben und musst nicht sagen: Bläh. Sondern du kannst einfach sagen: Ja, so, schauen wir mal, was kommt. Gott hat beide gemacht, beide kommen von Gott. Das heisst nicht, dass Gott sich für mich an manchen Tagen nichts Besseres wünschen würde. Wir wollen in die Ewigkeit gehen, wir wollen in die Herrlichkeit gehen. Logisch, ja, das ist das eigentliche Ziel. Aber hier, jetzt, mit dem Plan, den Gott hat, macht er keinen Fehler.
Ich darf die tollen und ich darf die bescheuerten Tage aus Gottes Hand nehmen. Sie kommen von ihm. Er weiss, wie sie. Diese beiden Arten, die er weiss, wie sie in seinen ewigen Plan hineinpassen. Er weiss das, und ich weiss das nicht. Er ist Gott, und ich bin es nicht. Er hat den Überblick, und ich habe ihn nicht.
Und deswegen kurz die Frage, sagen wir an euch wieder zurück, spielen den Ball: Gibt es Probleme oder gibt es Phasen in deinem Leben, von denen du denkst, dass es besser wäre, wenn sie weg wären?
So, und jetzt muss ich eine Einschränkung machen, damit wir uns nicht falsch verstehen: Christen sind keine Fatalisten. Es ist nicht so, es gibt diese alten Doris-Day-Filme, ich weiss nicht, ob ihr die kennt, und da gibt es ein Lied, das heisst: Das meine ich genau nicht. Das ist Fatalismus, was kommt, kommt. Christen sind keine Fatalisten. Wir lassen uns nicht passiv durchs Leben treiben und schauen, was kommt. Wir beten, wir suchen Rat, wir treffen hoffentlich auch ein paar kluge Entscheidungen, wir arbeiten fleissig, damit unser Leben gelingt.
Aber wenn trotz aller Gebete, trotz aller guten Freunde, trotz aller biblischer Weisheit und vielleicht auch trotz allen Einsatzes mein Freund depressiv wird, oder wir hatten das jetzt, dass im Kontext der Gemeinden ein vierjähriges Kind gestorben ist, oder die Erweckung in Deutschland ausbleibt, oder der Traumpartner, auf den du hoffst, sich einfach am Horizont nicht zeigen will, oder dein Traum von Leben zerplatzt. Du hast da so eine Idee und du merkst: Was dann?
Ihr Lieben, dann brauchen wir uns nicht zu ärgern. Dann müssen wir an unserem Leben nicht irre werden, und dann müssen wir auch gar nicht unseren Glauben wegschmeissen, sondern dann dürfen wir glauben. Und dann dürfen wir Gott fürchten, dürfen wir glauben, dass Gott keine Fehler macht.
Ich nehme noch mal Prediger 3,14: Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird; dass es ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen, und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchtet.
Wir sind nicht Gott, wir haben nicht den Überblick, er hat ihn schon. Er sieht genau, wie meine schwere Zeit oder mein Verlust oder mein Kummer oder meine Krankheit am Ende zu seiner grossen Geschichte der Errettung passt. Das ist die Geschichte, die wir in Ewigkeit einander erzählen werden. In der Ewigkeit stelle ich mir vor, da sitzen wir so am Lagerfeuer und schauen auf unser Leben zurück, und dann erzählen wir uns die grosse Geschichte, dann sehen wir, wie die Dinge zusammenpassen. Und heute stehen wir davor und sagen: Das kann doch nie sein, wie passt denn das alles, das ist doch absolut absurd. Und dann werden wir uns erzählen, wie diese Geschichte gelaufen ist, und wir werden Gott feiern.
Wenn alles rum ist, wird alles passen, wird alles einen Sinn ergeben. Gott allein weiss, was wir in den dunklen Tagen unseres Lebens lernen werden. Er weiss, wie unser Leid anderen zum Segen wird, oder er weiss, wie er selbst uns für die Treue im Leid belohnen wird.
Lasst uns in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, was der Apostel Paulus schreibt in Römer 8,18. Da sagt er: Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen werden gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
Das ist ein unglaublicher Vers. Das, was kommt, wird so grossartig. Vielleicht sitzen wir am Lager vorher und sagen: Ey, lass uns nicht drüber reden, das war einfach alles Billeballe, brauchen wir nicht, wir sind hier, viel besser. Kann sein.
Zurück zu Prediger 3,14: Gott hat den Überblick, er weiss, wie alles zusammenhängt, und er macht es, dass man sich vor ihm fürchtet. Er will den Respekt, der ihm gebührt. Die Tatsache, dass Gott aus dem Kuddelmuddel meines Lebens etwas macht, das Ewigkeitswert besitzt, wisst ihr, dass er das kann und dass er das tut, das verdient meine uneingeschränkte Anerkennung, Bewunderung, Anbetung und Hingabe.
Worum geht es mir heute? Ich will euch Mut machen, Mut machen, zu dem Leben zu stehen, das Gott euch anvertraut hat. Gott macht keine Fehler. Ich weiss, dass es sich manchmal so anfühlt. Als ich das Predigtskript schreibe, das war vorletzte Woche, da schreibe ich dann: Gott macht keine Fehler. Es ist zu diesem Zeitpunkt drei Uhr dreissig. Warum? Weil ich nicht einschlafen kann. Ich habe Magenschmerzen und Sorgen, dass meine Frau von dem Licht im Büro aufwacht. Versteht ihr, ja? Du stehst in so einer Situation und denkst: Was für eine Schräge, ich würde jetzt viel lieber schlafen. Das ist aber die Realität.
Und dann schreibst du: Gott macht keine Fehler. Und ich musste schmunzeln, aber es ist so, er hat den Überblick. Und wenn wir ihn fürchten, uns ihm anvertrauen, wenn wir es wagen, unser Leben aus seiner Perspektive zu betrachten, dann können wir einfach zutiefst gelassen bleiben, egal, ob ich mein Leben gerade toll finde und lache oder ob ich vielleicht nicht mehr Einbruch ausweise. Warum? Weil Gott keine Fehler macht.
Die Frage nach dem Leid in einer gebrochenen Welt
Bleibt zum Schluss vielleicht nur eine Frage übrig: Wie kann ich das Thema dieser Predigt in Einklang bringen mit den Grausamkeiten dieser Welt? Kann Gott wirklich alles im Blick haben, wirklich gut sein, angesichts von so viel Krankheit und Bosheit? Angesichts von so viel menschenverachtendem Gräuel macht Gott wirklich keine Fehler? Wenn ich die Nachrichten schaue, macht Gott wirklich keine Fehler? Lässt er dem Bösen nicht doch vielleicht zu viel Raum? Müsste er nicht an der einen oder anderen Stelle vielleicht härter durchgreifen?
Und ihr merkt schon: Letzten Endes ist das eine Glaubensfrage. Vertraue ich dem Wort Gottes, vertraue ich dem Gott, der am Kreuz seine Liebe und seine Barmherzigkeit bewiesen hat? Oder höre ich auf eine Stimme in mir drin, die mich zum Unglauben anstiften möchte?
Und ich dachte mir, diese Frage kann man vielleicht nicht beantworten. Aber ich möchte euch zum Schluss doch als Antwort auf diese Frage, ob Gott nicht doch in der Geschichte einen Fehler macht, einen Text vorlesen, der mich sehr berührt hat.
Der Text wurde 1946 in Stalingrad gefunden, ihr kennt ihn ja, und zwar bei Aufräumarbeiten. Da hat man in einem verschütteten Keller einen toten deutschen Soldaten gefunden, und in dessen Brieftasche wurde ein Gedicht gefunden. Man muss wissen: In der Schlacht um Stalingrad 1942/43 sind eine halbe Million Soldaten gestorben. Eine ganz grausame Sache. Und einer davon ist Herbert Sack. Er schreibt folgendes Gedicht, und mit dem Gedicht möchte ich dann Schluss machen.
Das Gedicht heißt „Erscheinen meines Gottes Wege“:
Erscheinen meines Gottes Wege
mir seltsam, rätselhaft und schwer,
und gehen die Wünsche, die ich hege,
still unter in der Sorgen Meer,
will trüb und still der Tag verrinnen,
der mir nur Schmerzen und Qual gebracht,
dann darf ich mich auf eins besinnen,
dass Gott nie einen Fehler macht.
mir seltsam, rätselhaft und schwer,
und gehen die Wünsche, die ich hege,
still unter in der Sorgen Meer,
will trüb und still der Tag verrinnen,
der mir nur Schmerzen und Qual gebracht,
dann darf ich mich auf eins besinnen,
dass Gott nie einen Fehler macht.
Wenn über ungelösten Fragen
mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen,
weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein müdes Sehnen
in Gottes Rechte legen sacht
und leise sprechen unter Tränen,
dass Gott nie einen Fehler macht.
mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen,
weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein müdes Sehnen
in Gottes Rechte legen sacht
und leise sprechen unter Tränen,
dass Gott nie einen Fehler macht.
Wenn mir zu hoch des Herrn Gedanken,
zu tief der Brunnen seiner Huld,
wenn alle Stützen haltlos wanken,
die Kraft mir fehlt und die Geduld,
wenn gar mein Blick kein Ziel mehr findet
in langer, tränenvoller Nacht,
ein Glaubensfunke dennoch kündet,
dass Gott nie einen Fehler macht.
zu tief der Brunnen seiner Huld,
wenn alle Stützen haltlos wanken,
die Kraft mir fehlt und die Geduld,
wenn gar mein Blick kein Ziel mehr findet
in langer, tränenvoller Nacht,
ein Glaubensfunke dennoch kündet,
dass Gott nie einen Fehler macht.
Drum still, mein Herz, und lass vergehen,
was irdisch und vergänglich heißt.
Im Lichte droben wirst du sehen,
dass gut die Wege, die er weist.
Und müsstest du dein Liebstes missen
und gingst durch kalte, finstere Nacht,
halt fest an diesem seligen Wissen,
dass Gott nie einen Fehler macht!
was irdisch und vergänglich heißt.
Im Lichte droben wirst du sehen,
dass gut die Wege, die er weist.
Und müsstest du dein Liebstes missen
und gingst durch kalte, finstere Nacht,
halt fest an diesem seligen Wissen,
dass Gott nie einen Fehler macht!
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