Einleitung
Letzten Sonntag gingen wir der Frage nach: Wie verhalte ich mich
gegenüber meinem Chef?
Es gibt keine allgemeingültige Regel um alle praktischen Fragen zu
lösen. Doch es gibt eine Frage, die uns in jeder Situation helfen kann
das richtige Verhalten herauszufinden.
Hinter dieser Frage steht eben ein höheres Prinzip
Heute beschäftigen wir uns mit der Frage, wie sich ein Vorgesetzter
gegenüber seinen Angestellten zu verhalten hat. Paulus schreibt dazu
lediglich zwei Sätze. Vermutlich gab es in Kolossä noch nicht viele
wohlhabende Leute in der Gemeinde, dass Paulus für sie nur diese beiden
Sätze schrieb hingegen den Sklaven einen ganzen Absatz widmete. Er sagt:
Ihr Herren, behandelt eure Sklaven, wie es recht und billig ist! Seid
euch bewusst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt! (Kol 4,1)Beachtenswert ist, dass hier die Sklaverei in keiner Art u. Weise
hinterfragt wird. Paulus hätte doch schreiben können, die Herren, die
jetzt Christen geworden sind, sollten alle ihre Sklaven freilassen, oder
mindestens die Sklaven, die Christen geworden sind.
Das ist aber nicht der Fall. Einmal mehr wird deutlich, dass der
christliche Glaube keine politisch revolutionäre Bewegung ist. Die Bibel
lehrt aber auch nicht, dass die Sklaverei richtig ist. Sie nimmt dieses
Phänomen einfach zur Kenntnis und die Gemeinde wird unterwiesen, wie es
mit diesen Gegebenheiten leben soll.
Unter uns sind einige Geschwister in Führungsposition und sind für
Menschen verantwortlich. Andere sind sogar selbständige Unternehmer.
Heute Morgen richtet sich der Bibeltext ganz besonders an Euch.
Wie sollen sich nun christliche Chefs verhalten?
I. Respektierung der Persönlichkeit
Ihr Herren, behandelt eure Sklaven, wie es recht und billig ist!
Offensichtlich gab es Rechte für Sklaven, die nicht so
selbstverständlich eingehalten wurden. Da der Sklave leibeigen war, war
er der Willkür seines Herrn besonders ausgesetzt.
Paulus verlangt nun, dass die Herren diese Rechte der Sklaven
respektieren.
Es könnte sogar sein, dass die Aussage des Paulus noch weiter geht,
denn was mit billig" übersetzt wird, könnte man auch mit gleichwertig"
übersetzen. Somit würde Paulus sagen: Lasst euren Sklaven die Rechte
zukommen, die sie haben und respektiert sie als gleichwertige Menschen.
Behandelt sie nicht wie Tiere oder sogar wie eine Ware.
Heute kann das heissen, dass man das, was dem Mitarbeitern zusteht
ihnen auch gewährt. Sie sollen in menschenwürdigen Verhältnissen arbeiten
können.
Ein christlicher Vorgesetzter zeichnet sich dadurch aus, dass seine
Mitarbeiter für die Rechte, die ihnen vom Gesetz zustehen ständig kämpfen
müssen.
Es sollte nicht so sein, dass wer viel Lärm um sich macht mehr bekommt
als jener, der treu und gut seine Arbeit verrichtet.
Es ist von Vorteil, wenn ein Arbeitgeber wachsam ist und erkennen kann,
wenn jemand gut arbeitet. Diese soll er dann auch belohnen und nicht erst
wenn jener kündigen will.
Das ist die rechtliche Seite. Viel wichtiger ist die Haltung, die
Gesinnung, die ein Vorgesetzter gegenüber seinen Mitarbeitern hat.
Zwei hilfreiche Prinzipien möchte ich hier aufzeigen.
1 Das Versetzungs-Prinzip
Chefs leiden oft daran, dass sie nach Vorwärts schauen und das sehen,
was gemacht werden muss. Sie verlieren dabei gerne die Situation ihrer
Mitarbeiter aus den Augen.
Das Versetzungs-Prinzip ist ganz schlicht anzuwenden. Jesus formulierte
das so:
»Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden
wollt - das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.« (Mt
7,12)
Ich nehme mir also Zeit und überlegen, wie es für mich wäre, wenn ich
diese Aufgabe in dieser Situation erfüllen müsste.
2 Das Objektivierungs-Prinzip
Als Unternehmer, der erfolgreich ist und die Geschäfte gut laufen,
steht in der Gefahr von sich zu hoch zu denken. Er ist sich gewohnt, dass
sich die Leute um ihn kuschen. Er weiss, dass seine Anweisungen
ausgeführt werden und wenn das nicht geschieht kann er intervenieren.
Das kann zu einem herrischen Wesen führen. Jakobus formuliert das
Objektivierungs-Prinzip so:
Wenn ein Bruder arm und unterdrückt ist, soll er sich damit rühmen,
dass er bei Gott hochangesehen ist. (Jak 1,9) Wer (dagegen) reich und mächtig ist, soll sich bewusst sein, dass er
Gott damit keinen Eindruck machen kann; denn wie eine Blume auf der
Wiese wird er vergehen. (Jak 1,10)Ich mache mir bewusst wie relativ meine Reichtum und meine Macht ist.
Wie vergänglich ich bin, dann werde ich auch umgänglicher.
II. Exkurs: Warum Christen nicht gerne mit Christen arbeiten
Es gibt Christen, die finden das super, wenn sie in einem christlichen
Betrieb arbeiten können. Andere sehen das nicht so, oder haben schon
negative Erfahrungen gemacht, so dass sie nie mehr an einem Ort arbeiten
würden, wo Christen das Sagen haben. Und auch christliche Chef überlegen
sich sehr wohl, ob sie einen Christen anstellen.
Was ist denn das Problem. Ich nenne nur einige.
- Zu hohe gegenseitige Ansprüche. Man erwartet vom anderen, dass er ein ganz perfekter Christ ist.
- Angst vor Missbrauch der Bruderschaft. Bedenken, dass man nicht die Forderungen stellen kann, die man eigentlich stellen müsste. Paulus kennt dieses Problem und schreibt dem Timotheus: Wenn ein Sklave einen Christen zum Herrn hat, darf er ihn deshalb nicht weniger achten, weil er sein Bruder ist. Er muss ihm sogar noch besser dienen, weil ein Herr, der Christ ist und sich von Gott geliebt weiss, ihm ja auch viel Gutes tut. So sollst du lehren, in diesem Sinn sollst du alle ermahnen. (1.Tim 6,2)Es ist schade, wenn wir als Christen im Beruf nicht miteinander arbeiten können.
III. Verantwortung vor dem Herrn
Nun sagt Paulus noch den Herren.
Seid euch bewusst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt!
Die Chefs sind gefordert so zu handeln, dass sie es vor ihrem Herrn im
Himmel verantworten können. Sie haben eben auch einen Herrn. Sie sind
nicht herrenlos.
Er ist verantwortlich für sein Handeln. In einer Lehrschrift aus dem
2.Jhd. lesen wir:
Du sollst deinem Sklaven oder deiner Magd, die auf denselben Gott
hoffen, nicht gebieten, wenn du bitter bist, damit sie nicht etwa
aufhören, den zu fürchten, der Gott über beiden ist! Denn er kommt
nicht, um nach dem Ansehen der Person zu berufen, sondern zu denen, die
der Geist bereitet hat.[1]
Also auch von einem Chef wird gefordert, dass er seine Funktion in der
Verantwortung vor Gott verrichtet.
Schluss
Eigentlich geht es bei den Herren um dasselbe wie bei den Sklaven. Es
geht um das Bild, das sie über den christlichen Glauben abgeben.
So ist die Kernfrage eines Vorgesetzten dieselbe, wie die eines
Angestellten.
Folie: Wie verhalte ich mich als Vorgesetzter, dass meine Mitarbeiter
einen guten Eindruck über Jesus und den christlichen glauben gewinnen.
Christus verkündigen wir mit unserem ganzen Leben, dazu gehören unsere
Worte, aber genauso unsere Taten!
Amen.
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[1]Didache, 4, 10; Barnabasbrief, 19, 7.

