Serie•Teil 34 / 49Epheser Reihe
Generierte Mitschrift
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Der Ernst des aufmerksamen Lebens
Jeder von uns hat bestimmte Dinge, um die wir uns besonders sorgfältig kümmern. Beim einen ist es der Job, beim anderen das Haus, der Garten oder bestimmte Hobbys. Mancher kümmert sich besonders sorgfältig um seine äußere Erscheinung, andere kümmern sich sehr sorgfältig um ihre Kinder.
In unserem Predigttext heute Morgen ist es so, als würde der Apostel Paulus uns an den Schultern packen und sagen: Leute, passt auf, ich habe noch einen Punkt, bei dem ihr unbedingt sorgfältig und gründlich sein müsst. Ihr macht euch Gedanken um so vieles, manches davon ist wichtiger, manches davon ist weniger wichtig. Aber hier, hier müsst ihr euch einfach viele Gedanken machen.
So beginnt unser Predigttext: So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise. Und das Wort, das hier für sorgfältig steht, heißt im Griechischen akribos. Daher kommt unser Wort akribisch: akribisch, gründlich, genau. Wenn dieses Signalwort auftaucht, akribisch, dann wissen wir: Jetzt müssen wir besonders aufpassen. Wir dürfen jetzt nichts verpassen.
Wenn wir das ernst nehmen, was Paulus hier schreibt, dann wird daraus für unser Leben ein großer Segen folgen. Und wenn wir das nicht ernst nehmen, wenn wir das überlesen, dann droht schwerer Schaden für unser Christsein.
Damit setzt Paulus jenes Thema fort, das bisher in diesem fünften Kapitel schon in verschiedenen Zuspitzungen verhandelt wurde. Man könnte die These so zusammenfassen: Die alltägliche Praxis der Christen, sagt Paulus, unterscheidet sich deutlich vom Alltagsleben der Nichtchristen. Die alltägliche Praxis der Christen unterscheidet sich deutlich vom Alltagsleben der Nichtchristen.
Manchmal hat man ja den Eindruck: Die Christen, was unterscheidet die? Die wissen, dass sie gerettet sind, dass sie Vergebung ihrer Sünde haben, die gehen sonntags zur Kirche, die beten bei Tisch, und ansonsten leben sie im Alltag genauso wie die anderen Zeitgenossen auch. Und Paulus würde sagen: Leute, das ist eine Karikatur. Das hat Gott so nicht gemeint.
Deswegen betont er gleich am Anfang dieses fünften Kapitels: Seid Gottes Mimetten, seid Gottes Nachfolger. Und dann entfaltet er, was das heißt. In den ersten Versen, zwei bis sieben, geht es um Liebe statt Liebelei, Liebe nach Gottes Maß. Und dann soll euer Leben Licht statt Finsternis prägen, Verse acht bis vierzehn, wie wir letzten Sonntag gesehen haben. Ihr sollt das Licht reflektieren, das Jesus in euer Leben hineingelegt hat, und die Finsternis sollt ihr damit attackieren.
Und heute nun: Weisheit statt Unweisheit. So seht nun darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit, wörtlich: denn es sind böse Tage. Darum werdet nicht unverständlich, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Weisheit und Torheit im biblischen Sinn
Wenn wir diesen Text richtig verstehen wollen, dann müssen wir unbedingt wissen, was Paulus mit Weisheit und Unweisheit meint. Oder man könnte auch sagen: mit Torheit.
Schon das Alte Testament schildert diesen Kampf zwischen Weisheit und Torheit. Das zieht sich durch die ganze Bibel.
Was ist Torheit? Torheit bezeichnet nicht einen niedrigen Intelligenzquotienten und auch nicht fehlende Allgemeinbildung. Die Bibel bezeichnet vielmehr diejenigen als Toren, die Gott leugnen. In Psalm 14,1 heißt es: Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Das sind die Toren.
Sie pflegen entweder einen theoretischen Atheismus, indem sie behaupten, Gott existiere nicht. Oder sie pflegen einen praktischen Atheismus. Sie bestreiten zwar nicht ausdrücklich die Existenz Gottes, aber sie leben so, als ob Gott nicht da wäre. Sie nehmen ihn überhaupt nicht ernst. Ob er nun da ist oder nicht, ist ihnen verhältnismäßig gleich. Wir machen unseren Stiefel und leben unser Leben sowieso ohne ihn.
Die Bibel nennt dann auch Gründe, warum die Toren Toren sind. In Sprüche 13,19 im Alten Testament steht: Das Böse meiden ist den Toren ein Gräuel. Also: Weil Menschen das Böse nicht loslassen wollen, das Böse nicht meiden wollen und Gott ihnen dabei in die Quere kommt, lehnen sie Gott ab. So einfach ist das.
Das Böse meiden ist den Toren ein Gräuel, und darum leugnen sie Gott, der sie daran hindert, ihr normales böses Leben zu führen.
Der englische Philosoph Aldous Huxley hat einmal geschrieben: Ich hatte bestimmte Gründe dafür, nicht zu wünschen, dass das Leben einen Sinn hat. Deshalb unterstellte ich, dass es keinen hat. Für mich und zweifellos für die meisten meiner Zeitgenossen war die Philosophie der Sinnlosigkeit im Wesentlichen ein Instrument der Befreiung, nämlich der Befreiung von Gott, der Befreiung von einer Moral, die unsere sexuelle Freiheit einschränkte.
Huxley hat das also genau gewusst: Vor Gott müsste er sich verantworten für das, was er tat. Aber er wollte nicht davon lassen, gegen Gottes Gebote zu sündigen. Und darum leugnete er Gott. Das ist das typische Verhalten des Toren.
Der Tor hat noch einen weiteren Aspekt: Er ist schwatzhaft. Die Torheit muss sich artikulieren, die Torheit kann nicht schweigen. In Sprüche 18 heißt es, ein Tor tue, was in seinem Herzen steckt. Interessant, mancher Bestseller ließe sich dadurch erklären. Und Sprüche 12,23 sagt etwa: Das Herz des Toren schreit seine Torheit hinaus. In Sprüche 13,16 steht: Ein Tor stellt seine Narrheit zur Schau.
Der Ursprung der Weisheit
Nach der Torheit nun die Weisheit. Was ist Weisheit? Psalm 111 sagt: Der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn. Also, dass ich Gott ernst nehme, dass ich Gott ernster nehme als alles andere. Das ist der Beginn von Weisheit, dass ich das Wort Gottes nicht in Frage stelle, dass ich mich dem aussetze. Und dadurch bekomme ich Durchblick, Durchblick durch das Leben.
Und die Bibel sagt noch mehr, sie sagt, Jesus selbst ist Gottes Weisheit. Kolosser 2,3: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Das heißt, wenn ich Verbindung zu Christus habe, wenn ich angeschlossen an seine Weisheit bin, wenn ich ihm glaube, wenn ich ihm als meinem Herrn nachfolge, wenn ich Christ bin, dann bin ich angeschlossen an die Weisheit. Und je länger ich mit Jesus lebe und je länger ich von ihm lerne und je länger mein Leben von der Gemeinschaft mit ihm geprägt wird, umso mehr wird Weisheit auch mein Leben bestimmen.
Weisheit oder Torheit. Gottes Furcht, Gott ernster nehmen als alles andere, oder die Menschen und meine eigenen Wünsche und meine eigene Weisheit ernster nehmen als alles andere, das ist die Frage.
Und vor diesem Hintergrund sagt Paulus jetzt in Vers 15: So achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nämlich nicht als Unweise, sondern als Weise, nicht als Leute, die leben, als ob Gott nicht da wäre, als ob sie Gott nicht verantwortlich wären, sondern als Leute, die ganz bewusst im Urteil ihres Schöpfers leben, dessen, der sie gemacht hat und ihnen die Grundorientierung für ihr Leben gibt.
Paulus sagt hier: An der Art und Weise, wie du dein Leben führst, soll man nun erkennen, du Christ, dass du ein Weiser bist. An der Art und Weise, wie du deinen Alltag gestaltest, soll man ablesen können, dass du den heiligen Gott und sein Urteil über dein Leben ernster nimmst als alles andere auf der Welt.
Und weiter sagt Paulus: Und wenn du das willst, wenn du als ein Weiser dein Leben führen willst in der Verbindung an Christus, dann gebe ich dir jetzt zwei praktische Punkte, zwei praktische Punkte, die du unbedingt beachten musst. Zwei Aufträge für Leute, die weise sein wollen.
Also nach der Einleitung in Vers 15 baut Paulus das ganze thematisch auf. Es folgt der erste Auftrag in Vers 16. Und da sagt Paulus: Und kauft die Zeit aus. Denn es sind böse Tage. Das ist also der erste Auftrag, kurz und bündig: Nutze deine Zeit!
Die Zeit als kostbare Gelegenheit
Also, wenn Sie mitschreiben: Erstens: Nutze deine Zeit!
Sind Sie schon auf diese naheliegende Frage gekommen: Warum lässt Gott seine Kinder hier eigentlich noch auf der Erde? Er will uns doch bei sich haben. Und für uns wäre es auch viel besser, wenn wir schon bei ihm im Himmel wären. Wir hätten keine Krankheit mehr, keinen Ärger. Warum lässt Gott uns noch hier auf dieser Erde?
Die Antwort steht hier in Vers 16: Nutze deine Zeit. Wir haben hier noch eine Arbeit zu erledigen, liebe Mitchristen! Eigentlich ist unsere Heimat ja schon im Himmel. Das hat Paulus gesagt: Unser Bürgerrecht ist im Himmel. Der Hebräerbrief sagt, wir hörten das vorhin von Bruder Otto, wir haben hier keine bleibende Stadt.
Und wenn ich mir vorstelle, so eine jährliche Volkszählung im Himmel: Da gehören wir ja schon dazu, da sind wir ja eingetragen mit unserem Namen. Und wenn dann unser Name kommt, also mein Name, vielleicht Nestvogel oder Ihrer, dann heißt es im Himmel: Der ist noch unterwegs, der ist noch auf Dienstreise, ist noch nicht da. Ja, aber er kommt schon noch.
Und Gott lässt uns hier, damit wir die Hände nicht in den Schoß legen. Darum lässt er uns hier. Gott lässt uns nicht hier, damit in unserem Schrebergarten kein Unkraut überwuchert. Das ist vielleicht ein Nebeneffekt, aber darum lässt er uns nicht hier, sondern er sagt: Kauft die Zeit aus.
Und nun ist interessant: Die Bibel hat mindestens zwei Wörter für Zeit. Einmal das ganz normale Wort Chronos, das ist die Zeit, die man messen kann in Sekunden, Stunden, Tagen, Minuten usw. Chronologie kommt daher. Und dann die besondere Zeit: Kairos. Und das ist das Wort, das hier steht.
Kairos bedeutet qualitative Zeit, geeignete Zeit, günstige Gelegenheit, rechter Augenblick. Kairos, das ist der Zeitabschnitt, in dem die Gelegenheit besteht, das Richtige zu tun. Als wenn Sie in Hannover in den ICE von München nach Hamburg steigen wollen, dann ist der Kairos in diesen drei Minuten, in denen der Zug hier am Bahnsteig steht. In diesen drei Minuten können Sie das Richtige tun.
Und Paulus sagt: Jetzt ist der Kairos, jetzt ist die günstige Gelegenheit, jetzt ist der rechte Augenblick, um Gott zu dienen, um Christus zu dienen. Und darum: Kauft den Kairos aus, mach das Beste draus, hol das Meiste draus. Das ist das erste Kennzeichen eines weisen Lebens. Nutze deinen Kairos, ergreife die Gelegenheiten, die Gott dir vor die Füße legt.
Verstehe dein ganzes Leben als eine große Gelegenheit, dem Herrn zu dienen. Nicht nur, wenn du Theologie studierst und ein Hauptamtlicher werden willst. Nicht nur, wenn du Pastor bist. Sondern das gilt jedem von uns. Jeder von uns ist von Gott berufen. Und darum heißt es auch: Christen sollen aktive Leute sein.
Kauft die Zeit aus. Wir sollen nicht aktionistisch sein, wir sollen nicht gehetzt sein. Im Psalm 127 steht ja: Wie im Schlaf gibt der Herr. Das müssen wir auch ernst nehmen. Aber gerade weil wir getragen werden, gerade weil unser Leben geborgen in Christus ist, gerade weil wir den Rücken frei haben und die entscheidenden Fragen unseres Lebens geklärt sind, wir wissen, woher wir kommen, wozu wir da sind und wohin wir gehen, gerade darum haben wir jetzt den Rücken auch wirklich frei, um uns mit Leidenschaft für den Herrn einzusetzen.
Und wenn wir manchmal kaputt sind deswegen und uns ein bisschen überfordert fühlen, dann ist das auch nicht so schlimm. Das ist eigentlich Grund zur Dankbarkeit, dass man sagen kann: Mensch, du darfst dich für den Herrn sogar ein bisschen kaputt machen.
Und Paulus sagt: Kauft die Zeit aus. Nimm deine ganze Zeit zusammen und stelle sie Gott zur Verfügung. Und das heißt auch: Pass auf, dass du sie nicht verplemperst, und pass auf, dass du sie nicht verschwendest im alltäglichen Trubel deiner Tage.
Je älter die Menschen werden, ich denke, das haben Sie auch schon festgestellt, wenn Sie es selbst erlebt haben oder von anderen gehört haben, umso mehr klagen sie, wie schnell ihnen die Zeit davonläuft. Es gibt ein interessantes Lied von Jörg Swoboda, dem Pfarrer aus Sachsen, der sagt:
Ich weiß nicht, wie es dazu kam, ich fing zu rechnen an
und fragte mich, wie lange ich noch leben kann.
Ist man gerade zwanzig, wer regt sich da groß auf,
ganz locker schlägt man eben noch zwanzig Jahre drauf.
Dann stockte doch mein Atem, denn vierzig ist nicht viel.
Zum Glück war alles nur Gedankenspiel.
Mit dreißig konnte ich noch entspannt die Zukunft vor mir sehen,
denn sechzig werde ich sicher, was soll schon groß geschehen.
Wie gut, wenn man sein Alter getrost verdoppeln kann.
Zwar gibt es Fragezeichen, doch rührt man nicht daran.
Das wird so weitergehen und bleiben, ja und ja,
so fühlte ich mich, als ich dreißig war.
Mit vierzig plötzlich aus dem Stand sprang mich der Zweifel an,
ob ich mit Müh und Not auch achtzig werden kann.
Man hofft und schiebt die Grenze für sich noch mehr hinaus,
obwohl für alle feststeht: Das Leben ist nur aus.
Das war mir klar, doch machte ich ganz auf Zuversicht
und zwang mein Herz, doch Ruhe fand ich nicht.
Wie man's auch immer dreht und sieht, am Schluss hilft keine List,
kein Rechnen nützt, wenn man schon über fünfzig ist.
Der einzig wahre Trost ist, dass Gott mich ewig hält,
weil keines von seinen Kindern aus seinen Händen fällt.
Mein Gott, ich will bereit sein und gehen zu jeder Frist,
du weißt, wann meine Zeit gekommen ist.
Je älter ich werde, umso schneller läuft's.
Ein weiser Mensch, also einer, der sein Leben bewusst unter Gott lebt, der kann aber auch schon in jungen Jahren den Wert seiner Zeit einschätzen. Das ist eben der Unterschied. Ein Weiser weiß, dass mein Leben, meine Zeit ein großes Geschenk ist, meine Zeit eine einzige günstige Gelegenheit, um Gott zu dienen.
Es gibt dafür ein wunderbares Beispiel von Jonathan Edwards, dem großen Philosophen und Theologen und Erweckungsprediger des 17. Jahrhunderts. Und Jonathan Edwards schrieb, nachdem er zum Glauben gekommen war, kurz vor seinem zwanzigsten Geburtstag seine sogenannten Resolutions auf. Das würden wir sagen: Es sind Vorsätze, gute Vorsätze, eine ganze Reihe. Er hat sie nummeriert, war ein ganz systematischer Typ.
Und Vorsatz Nummer 17 des Zwanzigjährigen lautet: Entschluss, niemals einen Moment meiner Zeit verlieren, ohne ihn auszukaufen, in der ergiebigsten Weise, wie immer es gehen mag. Also niemals einen Moment meiner Zeit verspielen, sondern jeden Moment auskaufen in der ergiebigsten Weise, so gut es geht. Das wollte er: disziplinierter Umgang mit seiner Zeit. Edwards wusste schon mit zwanzig Jahren, wie kostbar Zeit ist. Kairos: günstige Gelegenheit.
Nun ist es hochinteressant: Die griechische Mythologie hat ja für alle Lebenslagen Götter erfunden. Und so hat die griechische Mythologie auch einen Gott der günstigen Gelegenheit. Und was meinen Sie, wie der heißt? Natürlich Kairos. Logisch.
Und später hat dann ein Bildhauer namens Lysippos von diesem Gott Kairos eine Statue entworfen, ein Götterbild. Und jetzt versuchen Sie mal, sich vorzustellen, wie dieser Kairos aussieht. Das ist ein Jüngling, der hat an den Füßen Flügel und vorne an der Stirn eine große Haarlocke, und hinten am Hinterkopf ist er fast kahl. Und auf dem Sockel findet sich folgende Aufschrift:
Wie lautet dein Name?
Mein Name ist Kairos, Gelegenheit.
Warum hast du Flügel an den Füßen?
Weil ich so schnell vorübergehe.
Und warum trägst du eine Locke an der Stirn?
Damit Menschen nach mir greifen können, wenn ich vorüberkomme.
Und warum bist du so kahl am Hinterkopf?
Damit mich niemand halten kann, wenn ich vorübergegangen bin.
Verstehen Sie, das ist Kairos. Und daher kommt ja auch unser Ausdruck: Man muss die Gelegenheit beim Schopf packen. Eigentlich müsste man sagen: Man muss die Gelegenheit bei der Locke packen. Vorne hat er die Locke, und hinten ist er kahl. Und wenn er vorbei ist, ist er vorbei, und man kann ihn nicht noch hier an der langen Mähne irgendwie wieder zurückziehen. Das ist Kairos. Das ist die günstige Gelegenheit. Flügel: Ich gehe schnell vorbei. Die Locke: damit man mich immer packen kann. Und der kahle Hinterkopf: Denn wenn ich vorbei bin, bin ich vorbei.
Was für ein Bild! Verstehen Sie, warum Paulus hier vom Kairos spricht? Er sagt: Du, die Zeit deines Lebens, die Gott dir schenkt, sie ist eine große Gelegenheit, ihm zu dienen und zu seiner Ehre zu leben, Tag für Tag. Aber pass auf: Diese Zeit ist begrenzt, und nichts, was du jetzt versäumst, wirst du in der Ewigkeit nachholen können. Du kannst deine Zeit auch nicht verlängern, und du weißt nicht einmal, wie viel dir davon noch zur Verfügung steht.
Selbst der reichste Mann kann sich für sein Geld keine Zeit kaufen. Und wenn man manchmal so in der Zeitung liest oder in der Tagesschau hört, dass ein reicher Mann gestorben ist, dann muss ich manchmal denken: Was hätte der gegeben, wie viel von seinem Geld hätte er gegeben für ein, zwei Jahre mehr? Wie viel Villen hätte er verkauft, wie viel Yachten, wie viel Ländereien? Nur um ein oder zwei Jährchen mehr zu kriegen. Aber das kriegt er nicht, für kein Geld der Welt.
Und darum sagt Paulus: Du, nutze deine Zeit. Und lass dich nicht ablenken. Und lass dich nicht einschläfern. Und lass dich nicht einlullen von tausend Nebensächlichkeiten.
Jeder von uns hat ja so bestimmte Hobbys, und ich denke, dass Gott uns das auch gönnt, natürlich. Aber gerade an den Stellen unserer Hobbys müssen wir besonders gut aufpassen, dass sie uns nicht mehr Zeit wegnehmen, als wir verantworten können vor Gott.
Im Himmel wird es mal uninteressant sein, wie viele Tausend Briefmarken du gesammelt hast und ob die in Alben schön geordnet sind. Im Himmel wird es uninteressant sein, wie viele Tore du beim Fußball geschossen hast und wie viele Meisterschaften errungen. Im Himmel wird es uninteressant sein, wie die Gräslein in deinem Garten geordnet oder geschnitten waren. Oder wie viel Unkraut dazwischen gewuchert hat. Das wird egal sein. Wie viele Kratzer dein Auto hatte. Wie viele Konzerte du besucht hast, um deine Bildung zu fördern. Wie viele unwichtige Bücher du geschrieben hast, vielleicht. Das wird egal sein.
Gott sagt: Nutze deine Zeit. Sieh, welche Gelegenheiten Gott dir damit gibt, und frage dich, was du damit machst. Das gilt für jeden einzelnen Christen. Aber das gilt auch für jede Gemeinde als Ganze.
Jetzt gibt Gott uns Freiheit, jetzt gibt Gott uns Gelegenheit. Ich sage das hier mit aller Vorsicht: Wenn wir heute die Gemeinde zur Besichtigung neuer Räume einladen, dann tun wir das als Ältestenkreis, weil wir der Überzeugung sind, dass Gott uns hier einen Kairos geschenkt hat. Viele Mitarbeiter merken: Wir brauchen eine vorübergehende Heimat für unsere Gemeinde, wir brauchen Räume. Auch für die Kindergruppen. Wir wissen nicht, wie lange die Möglichkeiten hier noch bestehen, und wir merken manche Einschränkungen. Wir haben Verantwortung für die Zukunft unserer Gemeinde. Jetzt bietet sich eine Gelegenheit.
Ich sage Ihnen ganz deutlich: Ich habe diesen Predigttext nicht für heute herausgesucht, das hätte ich nicht gewagt. Er war einfach dran, weil wir in der Predigtreihe jetzt an dieser Stelle angekommen sind. Aber als ich an diesem Text gearbeitet habe, habe ich mich gefragt: Kann das wirklich Zufall sein?
Wir sind jedenfalls überzeugt, dass diese neuen Räumlichkeiten für uns ein Kairos sein können, eine Gelegenheit, Gott zu dienen, eine Gelegenheit, den Bau seiner Gemeinde zu fördern. Klar, Gott ist nicht auf neue Räume angewiesen. Gott kann alles unter allen Umständen. Aber wenn er es uns jetzt schenken wollte, vielleicht dass er uns helfen will, auf diesem Wege auch eine Sturmburg zu errichten, hier mitten in der Landeshauptstadt.
Die bösen Tage und die offene Gnadenzeit
Kauft die Zeit aus, sagt Paulus. Und dann fügt er eine Begründung hinzu, die auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt. Er sagt nämlich: „Kauft den Kairos aus“, und dann wörtlich: „Denn es sind böse Tage.“
Und wir fragen zurück: Ja, wie können böse Tage eine gute Gelegenheit bieten? Nun, wir müssen das richtig übersetzen. Man kann es so übersetzen: Gerade weil die Tage böse sind, ist es umso nötiger, dass ihr die Zeit auskauft.
Was sind schändliche, böse Tage? Es sind Tage, in denen der Böse sich austobt und darum auch das Böse sich breitmacht. Der altböse Feind hält die Menschen gefangen in der Gottlosigkeit. Das macht das Neue Testament allzu deutlich, was der Teufel tut.
Und wenn Gott jetzt durch Paulus sagen lässt: Kauft die Zeit aus, denn es sind böse Tage, dann steckt darin eine wunderbare Verheißung. Haben Sie das gehört? Dann heißt das nämlich: Mitten in diesen bösen Tagen schenkt Gott immer noch günstige Gelegenheit. Kairos mitten in den bösen Tagen, Licht mitten in der Finsternis, das heißt das hier.
Und darum ist diese günstige Gelegenheit Gnadenzeit, Zeit zur Umkehr. Für uns Christen bedeutet das Kairos zum Evangelisieren. Kairos, das Evangelium hineinzutragen in diese Stadt. Und für die Nichtchristen entsteht dann dadurch der Kairos zum Umkehren, der Kairos, sich zu bekehren, den Ruf Gottes zu hören und ihm zu antworten mit Buße und Glauben.
Halten wir es also fest: In diesem Begriff Kairos steckt eine große, große Verheißung, aber auch zugleich eine Warnung. Denn die Gelegenheit geht irgendwann vorüber, und niemand weiß, wie viel Zeit ihm bleibt.
Luther sprach vom Platzregen, und er sagt: Wenn der Platzregen kommt, dann müssen wir die Eimer aufstellen. Und irgendwann ist er vorübergezogen. Leben, als wäre es der letzte Tag, das könnte eine Überschrift über diesen Text sein. Leben, als wäre es der letzte Tag.
Ein lieber Studienfreund und Glaubensbruder, der aus dem Badischen kam, ging im Vikariat nach Brasilien. Er diente Jesus dort mit seiner ganzen mitreißenden Persönlichkeit, mit brennendem Herzen. Und dann wurde er plötzlich heimgerufen, mitten aus der Arbeit heraus, ganz früh. Er hinterließ eine Frau und einen kleinen Sohn. Wir waren wie geschockt, und wir verstanden Gottes Personalplanung nicht mehr.
Und doch war uns allen, die wir ihn gut kannten, ihn gern gehabt und mit ihm zusammengearbeitet hatten, ganz klar: Sein Leben war erfüllt. Er hatte dem Herrn gedient mit all seiner Kraft. Er war uns in mancher Hinsicht ein Vorbild gewesen mit seiner Hingabe. Und dann hat der Herr ihn gerufen.
Und wir haben gesehen, was uns wirklich zur Verfügung steht, ist immer nur der heutige Tag. Nicht mehr, nur heute. Im Hebräerbrief heißt es: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“ Immer nur heute. Und Paulus sagt im 2. Korintherbrief, Kapitel 6, Vers 2: „Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils.“ Jetzt ist der Kairos, hätte er sagen können.
Ich las von einer Familie aus Uganda, einem Pfarrer mit seiner Frau und seinen Kindern. Sie waren während der brutalen Christenverfolgung in Uganda nur knapp dem Tode entronnen. Mit Hilfe von Freunden war ihnen die Flucht gelungen in die USA. Und eines Tages, sie waren schon eine ganze Weile in Freiheit und im Westen, da sagte seine Frau: Du, morgen möchte ich in die Stadt fahren und ein paar Kleider für die Kinder kaufen.
Und unmittelbar, nachdem sie das gesagt hatte, brach sie in Tränen aus. Warum? Sie konnte sich gar nicht beruhigen. Warum nun? Sie hatte jahrelang unter dieser direkten Todesbedrohung gelebt. Und diese Bedrohung war so akut gewesen, dass sie gar nicht mehr gewagt hatten, das Wort morgen überhaupt in den Mund zu nehmen.
Und das wurde ihr bewusst, jetzt in dieser Situation, als sie so ganz sorglos sagen konnte: Morgen, morgen fahren wir und kaufen Kleider. Ihre schlimmen Erfahrungen hatten diese Frau gezwungen, etwas zu erkennen, was aber im Grunde für jeden von uns gilt: Es gibt keine Garantie für einen Morgen, für keinen von uns.
Der zweite Auftrag: Gottes Willen erkennen und tun
Und darum möchte ich sie noch einmal fragen: Wie sieht Ihr Leben aus? Im Licht dieser Worte von Paulus: Stellen Sie wirklich Ihr Leben ganz in den Dienst Gottes, oder ist Ihr Leben angefüllt mit lauter verpassten Gelegenheiten?
Es gibt so viele Christen, deren Leben eine einzige Ansammlung verpasster, verschlafener, abgebrochener Gelegenheiten ist, Jesus zu dienen. Sie vertun so viel Zeit, und vieles bleibt unvollendet in ihrem Leben, weil sie die Zeit nicht auskaufen. Ich denke, wenn wir unser Leben kritisch betrachten, wird jedem von uns genügend einfallen. Wie gut ist es, dass es Vergebung gibt, und dass wir das dem Herrn sagen können und dass er wieder neu mit uns anfängt.
Aber wissen Sie, das wird uns manchmal so deutlich, gerade wenn es um die Erziehung der Kinder geht: wie die Zeit wegläuft und wie sie wachsen und größer werden und es gar nicht mehr so viele Jahre sind, bis sie aus dem Haus sind. Und ich weiß, in vielen Interviews haben Politiker gesagt: Wenn ich irgendetwas daran bedaure, dass ich so häufig weg war, dann ist es das, was ich am meisten bedaure, dass ich so wenig meine Kinder gesehen habe, dass ich so wenig mit ihnen sprechen und für sie da sein konnte.
Ich denke, das müssen wir uns alle immer wieder sagen lassen: Jetzt ist der Kairos, jetzt ist die günstige Gelegenheit, ihnen Gutes zu tun. Jetzt ist der Auftrag da, sie zu fördern, mit ihnen zu beten, mit ihnen über den lebendigen Gott und seinen Plan mit ihrem Leben zu sprechen. Jetzt ist die Zeit dafür da, und jetzt sollen wir sie nutzen.
Melanchthon, der große reformatorische Theologe, führte jeden Tag, so heißt es, eine Liste, in die er jede verschwendete Stunde eintrug. Und am Abend jeden Tages ging er dann mit dieser Liste vor Gott auf die Knie und bat um Vergebung. Auch eine interessante Möglichkeit. Was würde auf Ihrer Liste stehen, was würde auf meiner Liste stehen? Wie viel Zeit verplempern wir vor dem Fernseher? Oder mit irgendeiner belanglosen Lektüre? Wie viele Gelegenheiten verpassen wir, verpassen wir und verpassen wir?
Darum lasst uns doch diesen Aufruf von Paulus wirklich als einen Anruf des lebendigen Gottes hören. Lasst uns weise werden, lasst uns unsere Zeit so nutzen, wie der Herr es will. Und wenn sich das uns auf das Herz legt, wie eine heilsame Last, dann fragen wir weiter: Wie kann ich meine Zeit am besten nutzen? Herr, zeige mir, wie das geht. Wie soll ich sie füllen?
Und dann antwortet Paulus uns mit dem zweiten Auftrag, den wir jetzt nur noch kurz betrachten werden. Dieser zweite Auftrag lautet: Suche Gottes Willen. Der erste Auftrag: Nutze deine Zeit. Und der zweite Auftrag: Suche Gottes Willen.
Und sehen Sie, wie diese beiden Verse zusammengehören: In Vers 17 sagt Paulus darum, eben weil ihr die Zeit auskaufen sollt: Werdet nicht unverständlich, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Je mehr ich den Punkt eins begreife, umso wichtiger wird mir der Punkt zwei. Je deutlicher ich die Kostbarkeit der Zeit erkenne und ihre Vergänglichkeit und die Dringlichkeit, sie zu nutzen, umso mehr werde ich danach trachten und fragen: Herr, wie kann ich sie mit deinem Willen füllen?
Suche Gottes Willen, lebe, als wäre es der letzte Tag. Allerdings: Wenn einer die Dringlichkeit begreift, dann besteht oft die Gefahr, dass er anfängt, nur noch Betrieb zu machen, nur noch in Panik zu geraten und zu hetzen. Ich weiß nicht, ob Sie morgens mal verschlafen hatten vor der Schule und plötzlich merken: Meine Zeit! Der Lehrer kommt schon gleich! Und dann wurde nur noch rasend aufgestanden, irgendein trockenes Brot in den Mund geschoben, aufs Fahrrad geschwungen, losgerast und dann mit hechelnder Zunge vielleicht eine Viertelstunde nach dem Klingeln endlich angekommen.
Und so geht es manchen Menschen, wenn ihnen klar wird, oder manchen Gemeinden: Wir müssen was tun, wir müssen was tun! Dann sind sie so wie ein Dampfkessel mit Überdruck, hektisch, ruhelos, gejagt vom schlechten Gewissen: Ich habe viel zu wenig getan, da liegt noch so viel Arbeit. Aber hier gilt wirklich, dass Hast ein schlechter Ratgeber ist. Und deswegen sagt Paulus: Leute, werdet nicht unverständlich, wenn ihr jetzt die Konsequenzen ziehen wollt, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Das heißt nicht, dass wir einfach blind drauflos agieren, hier noch ein Seminar und dort noch eine Aktion und da noch ein großes Projekt, sondern dass wir verstehen, was der Wille des Herrn ist. Es ist auffällig, wie ausführlich Paulus hier formuliert: Darum werdet nicht unverständlich, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und das sollte unser Herzenswunsch sein, als Christen, immer mehr. Was Jesus uns als Gebet im Vaterunser vorgelegt hat: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Dein Wille geschehe, Herr, in meinem Leben.
Diese Frage sollten wir regelmäßig bedenken, sorgfältig bedenken: Suche Gottes Willen. Und wir werden am nächsten Sonntag auf diesen Vers noch einmal zurückkommen und dann ausführlicher über die Frage sprechen: Wie erkenne ich Gottes Willen für mein Leben? Wie erkenne ich Gottes Willen für mein Leben? Darum wird es am nächsten Sonntag noch einmal gehen.
Heute möchte ich zum Schluss nur das noch festhalten: Wir können sagen, grundsätzlich ist der Wille Gottes in der Bibel aufgeschrieben. Da erfahren wir die großen Linien seines Willens. Das ist das eine. Natürlich gibt es viele einzelne Fragen, die in der Bibel nicht beantwortet sind. Aber da gibt es dann prinzipielle, biblische Prinzipien, die wir auf diese Fragen anwenden können.
Ganz einfaches Beispiel: Da sucht einer eine Ehefrau. Und er kann sich nicht so recht zwischen Mirinda, Tanja, Amalie oder Christine entscheiden. Er wird kaum in der Bibel eine Antwort finden, welche der vier er nun nehmen soll. Aber die Bibel wird ihm die richtigen Prinzipien geben. Sie wird ihm sagen: Auf alle Fälle musst du eine Frau nehmen, wenn du Christ bist, die eine Christin ist. Auf alle Fälle musst du sie nach dem Kriterium aussuchen, ob sie bereit ist, mit dir eine Ehe zu leben, in der ihr gemeinsam dem Herrn dient. Das ist das Prinzip. Und danach kann er dann überlegen, für welche der vier er sich entscheidet und welche vielleicht auch noch etwas besser zu ihm passt.
Aber das ist ganz typisch: Die Bibel gibt uns nicht auf jede einzelne Lebensfrage eine direkte Antwort, aber sie gibt uns die Prinzipien deutlich vor, nach denen wir dann an die einzelnen Lebensfragen herangehen können, dass wir beten, dass wir auch erfahrene Christen um ihren Rat fragen und dann gute Entscheidungen treffen können. Aber suche den Willen Gottes, das Entscheidende. Das Entscheidende ist unsere Grundhaltung: Hast du Verlangen, den Willen Gottes zu erkennen, und bist du bereit, den Willen Gottes zu tun?
In Johannes 7,17 sagt Jesus einmal: Wenn jemand Gottes Willen tun will, dann wird er inne werden über meine Lehre von Gott. Also: Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wer bereit ist, anzufangen mit dem, was er schon erkannt hat vom Wort Gottes und dem Herrn an diesen Punkten gehorsam zu sein, der wird, so sagt Jesus, immer mehr Durchblick kriegen. Wer bereit ist, den Willen zu tun, der wird Schritt für Schritt wachsen, er wird Gottes Willen besser verstehen, er wird Gottes Wort besser verstehen, er wird die Zusammenhänge immer besser verstehen und immer klarer auch das Wort Gottes anwenden können auf seinen Alltag.
Gottes Willen: Wenn du deine Zeit nutzen willst, suche seinen Willen von ganzem Herzen. Damit kommen wir zum Ziel unserer heutigen Predigt.
Liebe Gemeinde, es ist aufregend und spannend zu sehen, wie ernst der große heilige Gott dein kleines Leben und mein kleines Leben nimmt. Wir denken manchmal: Ach, es kommt nicht so drauf an. Ja, Hauptsache, wir sind bekehrt, und Gott hat so viele Kinder in dieser Welt, die ihm dienen, und wir schwimmen ebenso mit und machen unseren Weg, aber es kommt nicht so drauf an. Es kommt nicht so drauf an. Hauptsache, wir bleiben im Glauben und kommen einigermaßen durch, dann ist schon okay.
Hier in diesem Bibeltext heute Morgen sagt Gott uns etwas anderes. Er sagt: Du, es kommt drauf an. Es kommt auf dein Leben an. Sieh sorgfältig darauf, wie du dein Leben führst, sorgfältig! Nicht als Unweiser, sondern als Weiser! Gott sagt: Du, ich nehme dein Leben so ernst, dass ich es einem letzten Urteil auch in der Ewigkeit unterziehen werde. Dann geht es nicht mehr um gerettet oder verloren. Du bist ja mein Kind, du bist gerettet. Aber ich werde noch ein letztes Urteil über dein Leben sprechen, ich werde deine Lebensbilanz noch einmal würdigen.
Gott sagt: Du, ich nehme dein Leben so ernst, dass ich dir hier durch den Apostel Paulus das wirklich ins Herz schreiben lasse, dass du sorgfältig darauf achtest, wie du dein Leben führst. Es kommt darauf an. Und darum sieh zu, dass du deine Zeit richtig nutzt, darum sieh zu, dass du deine Prioritäten richtig setzt, und darum frage dich, wie du mit der Fülle an Zeit, die der Herr dir gibt, Tag für Tag, Jahr für Jahr, wie du damit umgehst. Und suche meinen Willen, sagt Gott, suche meinen Willen. Und wann immer ich dich dann heimrufe, ob in jüngeren oder in älteren Jahren, wirst du getrost gehen können, weil du weißt, du hast deinen Auftrag erfüllt und bist ein treuer Knecht gewesen.
Ein abschließendes Vorbild der Hingabe
Ich schließe mit Florence Nightingale, jener berühmten Krankenschwester, die im neunzehnten Jahrhundert viele verwundete Soldaten, zum Beispiel im Krimkrieg, gepflegt und ihnen geholfen hat.
An ihrem dreißigsten Geburtstag schrieb Florence Nightingale in ihr Tagebuch: „Heute bin ich dreißig; in demselben Alter hat Christus seine große Aufgabe begonnen. Ab heute keine Kindereien mehr und kein Vertun von Zeit, Herr: Lass mich jetzt nur an deinen Willen denken und tun, was du von mir erwartest. Dein Wille, Gott, dein Wille!“
Jahrzehnte später, gegen Ende ihres Lebens, wurde Florence Nightingale dann gefragt: „Sagen Sie, was ist das Geheimnis, was ist das Geheimnis Ihres Lebens? Warum konnten Sie so wirkungsvoll von Gott als sein Werkzeug eingesetzt werden?“ Da antwortete Florence Nightingale: „Ich habe nur eine Erklärung neben der Güte Gottes, und das ist diese: Ich habe nichts vor Gott zurückgehalten.“
Und sehen Sie, das ist das herausragende, vornehmste Kennzeichen der Weisen, derer, die Jesus von Herzen nachfolgen: dass wir nichts vor Gott zurückhalten, dass wir ihm alles zur Verfügung stellen und seinen Willen tun. Dazu gebe er uns die Kraft. Amen.

