Einführung in eine besondere Bibellektüre
Ich habe eine ganz spezielle Art, meine Bibel zu lesen, und möchte kurz zwei, drei Sätze dazu sagen.
Ich nutze immer ein Jahresbuch. Das bedeutet, ich beginne im Januar damit, ein Buch der Bibel auszuwählen, aus dem ich dann das ganze Jahr über lese. Eigentlich lese ich jeden Tag aus diesem Buch und arbeite es mir gründlich erarbeitet.
Mein Ziel ist es, so, wie mir das vor gut zwanzig Jahren jemand gesagt hat, innerhalb eines Jahres zum Meister eines Buches zu werden. Tatsächlich predige ich dann, wenn ich im Januar anfange, mir das Buch zu erarbeiten, ab Mai aus genau diesem Buch. Ich predige also immer von Mai bis Mai aus diesem Jahresbuch.
Egal, wo ich bin – ob auf Jugendcamps, bei Humiko, an Tagen mit den Eltern unserer Mitarbeiter, in Jungschaustunden oder anderswo – ich versuche immer, dieses Buch anzuwenden und etwas daraus weiterzugeben.
Gerade wenn man in der islamischen Welt oder an anderen Orten unterwegs ist, muss man oft spontan reagieren. Ich habe festgestellt, dass es mich sehr segnet, in einem Buch zu leben.
Mittlerweile habe ich sogar angefangen, für manche Bücher zu träumen. Vor etwa einem oder zwei Jahren habe ich den Sacharja durchgearbeitet. Dabei hatte ich zumindest eine Nacht lang sehr lebhafte Träume, in denen diese Person eine wichtige Rolle spielte. So bin ich richtig in das Leben von Sacharja eingestiegen – das war ganz großartig.
Das Markus-Evangelium: Ein dynamischer Beginn
Das Buch, das ich jetzt gerade predige, ist das Markus-Evangelium, und es ist ein fantastisches Evangelium. Wenn man in das Markus-Evangelium einsteigt, geht es sofort zur Sache. Die anderen Evangelien haben oft eine Weihnachtsgeschichte, andere Ereignisse vorweg oder ein Geschlechtsregister. Bei Markus hingegen beginnt alles direkt.
Markus fängt mit Johannes dem Täufer an. Ganz schnell werden die Versuchung und die Taufe Jesu abgehandelt – in nur dreizehn Versen. Dann geht es sofort los mit der Auseinandersetzung: Jesus predigt, Jesus heilt.
Wenn man die ersten Kapitel des Markus-Evangeliums liest, ist es faszinierend zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit Markus den Dienst von Jesus beschreibt. Da wird ein wahres Feuerwerk abgebrannt, wie mir jemand gesagt hat. Eine Heilung folgt der nächsten. Jesus betet für jemanden, und dieser wird gesund. Dann kommt jemand, dem er Dämonen austreibt, die Dämonen verschwinden. Danach folgt die Speisung der Viertausend, dann die Speisung der Fünftausend. Wieder Dämonenaustreibungen, erneut Heilungen. Fast keine langen Gespräche mit den Jüngern – alles geht zack, zack, zack.
Das Lieblingswort von Markus in diesen ersten acht Kapiteln ist das Wort „sofort“. Wer die Bibel liest, kann das gerne unterstreichen. Nehmt euch das Markus-Evangelium und markiert das Wort „sofort“. Dadurch bekommt das ganze Evangelium eine große Geschwindigkeit.
Alles geschieht sofort: Jesus rudert sofort auf die andere Seite, sofort folgen die Menschenmengen, sofort beginnt er wieder zu predigen, sofort wird jemand gesund. Man könnte fast das Lied „Atemlos“ singen. Das mache ich jetzt nicht – atemlos durch Stuttgart –, aber es war ja Galiläa. Von daher hat man den Eindruck, Jesus rennt.
In der Bibel steht sogar zweimal, dass Jesus keine Zeit zum Essen hatte. Sein Dienst war so voll. Markus beschreibt Jesus als jemanden, der eigentlich keine Zeit hat. Es wirkt total kraftvoll. Jesus gelingt alles. Es gibt keine Wolke, keine schwere Situation. Jesus tut etwas, Jesus sagt etwas, und es geschieht. Man bekommt den Eindruck: Wow, wer ist dieser Jesus?
Die Wende im Dienst Jesu
In Kapitel 8, ungefähr in der Mitte des Markus-Evangeliums, das insgesamt sechzehn Kapitel umfasst, kommt Jesus zu den Jüngern und sagt: „Sag mir einfach mal, wer ich bin.“
Daraufhin antwortet Petrus: „Du bist der Christus.“ Jesus freut sich und sagt: „Jawohl, das ist genau richtig. Ich bin der verheißene Messias, der, auf den ihr hunderte, ja tausende von Jahren gewartet habt. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen.“
Dann beginnt Jesus zu erklären: „Aber dieser Christus wird leiden.“ Er spricht über sein Leiden und seinen eigenen Tod.
Petrus nimmt ihn daraufhin beiseite, legt den Arm um Jesus und sagt: „Also, Jesus, das war Quatsch, was du gerade gesagt hast. Das wird niemals passieren.“
Daraufhin tadelt Jesus Petrus sehr streng und sagt: „Geh hinter mich, Satan! Du willst den Weg Gottes verhindern.“
An dieser Stelle stellt Jesus seinen Dienst in der Mitte des Markus-Evangeliums komplett um. Er kümmert sich nun mehr um die Jünger und versucht ihnen zu erklären: „Leute, der Christus, den ihr im Kopf habt, der nur Wunder tut, hat auch eine zweite Seite. Ich habe alle Macht, aber ich werde darauf verzichten. Ich werde sterben, ich werde leiden und ich werde verworfen werden müssen.“
Dann nimmt er sich zwei Kapitel Zeit, um die Jünger intensiv auf das vorzubereiten, was kommen wird. Viele von ihnen verstehen vieles davon nicht.
Die drei Jahre des Wirkens Jesu werden in zehn Kapiteln zusammengefasst. Das ist ein enormes Tempo. Ab Kapitel 11 beginnt die letzte Woche in Jerusalem. Dort steht das Passafest an. Für diese letzte Woche sind sechs Kapitel vorgesehen, für die drei Jahre davor zehn Kapitel.
Man erkennt daran schon, welchen Schwerpunkt Markus setzt. Er will Jesus nach Jerusalem bringen. Später werden wir noch sehen, wohin er eigentlich will. Wir werden das noch genauer betrachten: Er will eigentlich ans Kreuz.
Jesus in Jerusalem und Bethanien
Dann kommt Jesus in Kapitel elf mit dem Hosianna nach Jerusalem, und alle jubeln ihm zu. Am Abend geht er kurz in den Tempel, danach zieht er zur Nacht nach Bethanien hinaus.
Hier setzt unser Text ein, der tatsächlich auch etwas mit Pflanzen zu tun hat. Vielleicht hast du deshalb die Fragen gestellt. Ich habe gesagt: Wir werden nämlich gleich von einer Pflanze lesen.
Jesus ist in Bethanien. Bethanien liegt ungefähr drei bis vier Kilometer von Jerusalem entfernt. Man verlässt Jerusalem, geht zunächst den Ölberg hinunter ins Tal, dann wieder hinauf. So liegt Bethanien etwa drei bis vier Kilometer außerhalb von Jerusalem. Es ist ein kleines Dorf.
In der letzten Woche, in der das Passafest gefeiert wird, kehrt Jesus jeden Abend nach Bethanien zurück – bis zum letzten Abend. An diesem letzten Abend ist er dann auf dem Ölberg und betet im Garten Gethsemane. Dort wird er verhaftet, und dann ist alles vorbei.
Doch an den Abenden davor geht er nach Bethanien hinaus. Dort hat er einige Freunde: Lazarus mit Maria und Martha wohnen dort. Außerdem lebt dort Simon, der Aussätzige genannt wird. Das ist die Geschichte, in der eine Frau ein Alabasterfläschchen mit Öl über Jesus ausgießt. Simon wohnt mit seiner Familie in Bethanien.
Jesus hat Freunde, und jeden Tag in dieser letzten Woche verlässt er Jerusalem, um nach Bethanien zu gehen.
Die Feigenbaum-Geschichte und ihre Bedeutung
Unser Text beginnt mit dem ersten Vers aus Markus 11, Vers 12. Dort heißt es: „Und als sie am folgenden Tag von Bethanien weggegangen waren, hungerte Jesus.“
Jesus ist also mit seinen Jüngern unterwegs. Sie verlassen Bethanien – es wird nicht genau angegeben, zu welcher Uhrzeit, vielleicht am Morgen. Nach zwei, drei, vier Kilometern hat Jesus Hunger. Ob er ohne Frühstück losgelaufen ist, weiß man nicht. Bei Maria und Martha im Haushalt kann man sich das kaum vorstellen, aber so steht es da: Jesus hat Hunger.
Dann überlegt er sich etwas. Es heißt: „Und als sie vom Weiten einen Feigenbaum, der Blätter hatte, sahen, da ging Jesus hin, ob er was an ihm fände.“ Als er zu dem Baum kam, fand er nichts als Blätter.
Eine kuriose Begründung folgt: Es war gar nicht die Zeit für Feigen. Das klingt merkwürdig. Jesus hat Hunger, sieht einen Feigenbaum mit Blättern, läuft hin und sucht nach Feigen. Doch er findet keine. Die Erklärung lautet, dass es nicht die Zeit für Feigen ist.
Ich habe mir das so vorgestellt: Wenn ich im Februar zum Kirschbaum gehe und Süßkirschen pflücken will, klappt das auch nicht. Hier sind immerhin schon die Blätter da, aber es ist noch nicht die Zeit für Feigen.
Als ich das Markus-Evangelium vor etwa einem Jahr zum ersten Mal gelesen habe – ich habe es fast jeden Tag gelesen – habe ich mir an dieser Stelle ein Fragezeichen gemacht. Ich habe mich gefragt: Was soll diese Geschichte?
Nun, man muss hier ein bisschen Gärtner werden und sich mit Pflanzenkunde beschäftigen. Bei Feigenbäumen ist es nämlich so: Wenn sie ihre Blätter bekommen, dann bilden sie eine sogenannte Vorfrucht. Das ist ein kleiner Knubbel, den man auch essen kann.
In der Regel sind diese Knubbel da, wenn der Feigenbaum seine Blätter hat. Bevor später die richtig leckere, süße, saftige Feige wächst, die man dann verwendet, einkocht oder so isst, gibt es diese Vorfrucht.
Diese Vorfrucht kann man gut essen, sie schmeckt ein bisschen süß. Ich habe sie selbst nie probiert, aber ich habe davon gelesen. Jesus geht also zu diesem Baum, und ich glaube, er will diese Frucht sehen. Es ist nicht die Zeit der großen Feigen, aber die Zeit der kleinen Knubbel ist da.
Die armen Leute haben diese Knubbel gepflückt und gegessen. Wenn ein Feigenbaum diese Knubbel nicht hatte, dann wuchs später auch keine richtige Frucht.
Jesus schaut also, ob er etwas findet, aber er findet nur Blätter. Nicht einmal die kleine Frucht ist da. Das bedeutet: Dieser Feigenbaum wird später keine Frucht tragen. Es ist nichts dran, es hängt nichts dran.
Dann wird es brutal. Jesus findet nichts und spricht: „Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen.“ Seine Jünger hören das. Jesus legt sozusagen einen Fluch auf den Baum und sagt: „Niemals mehr soll jemand von dir essen, du hast keine Frucht gebracht.“
In Vers 20 sehen wir den nächsten Tag. Früh morgens geht Jesus mit seinen Jüngern wieder an dem Feigenbaum vorbei. Der Tag ist angebrochen, und als sie an dem Feigenbaum vorbeikommen, ist er verdorrt bis zu den Wurzeln.
Hier haben wir also eine Feigenbaumgeschichte. Inmitten dieser Geschichte folgt die sogenannte Tempelreinigung, die wir uns gleich anschauen werden.
Wir haben also sozusagen ein Feigenbaum-Sandwich: Oben der Feigenbaum, der keine Frucht bringt und auch keine Frucht bringen wird. Jesus sagt, der Baum ist nichts wert, weil er keine Frucht hat. Bei dir hängen zwar die Blätter, aber mehr nicht.
Die Tempelreinigung und ihre Hintergründe
Und jetzt kommt die Tempelreinigung. Ich habe lange überlegt, und wir werden jetzt kurz durchgehen, was die Tempelreinigung eigentlich mit dem Feigenbaum zu tun hat. Es muss ja einen Zusammenhang zwischen diesen Geschichten geben.
Bei der Tempelreinigung heißt es: „Und sie kommen nach Jerusalem, und er trat in den Tempel und begann, sie hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften. Die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. Er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug. Und er lehrte und sprach zu ihnen: ‘Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Nationen? Ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht.’“
Die hohen Priester und die Schriftgelehrten hörten das und suchten, wie sie ihn umbringen könnten. Sie fürchteten sich jedoch, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre. Man kann sich das gut vorstellen. Als es Abend wurde, gingen sie aus der Stadt hinaus und liefen wieder nach Bethanien.
Ihr Lieben, so eine Geschichte von Jesus, in der er so energisch wird, kann man, glaube ich, nur verstehen, wenn man begreift, was die Schriftgelehrten, Pharisäer und Priester aus dem Tempel gemacht haben. Ich will euch das mal erklären.
Stellt euch vor, ihr seid zum Passafest unterwegs. Da sind ungefähr zweieinhalb Millionen Menschen unterwegs. Sie kommen aus dem ganzen Land Israel und strömen nach Jerusalem. Jeder will in dieser Woche im Tempel ein Opfer darbringen.
Jetzt haben die Leute für die Opfer ihre eigenen Tiere mitgebracht – vielleicht ein Schaf oder, wenn sie arm waren, eine Taube oder etwas anderes. Sie kommen nach Jerusalem, drängeln sich durch und stehen vor dem Tempel. Dort sind Türen wie hier, und sie müssen in den Vorhof der Nationen. Das ist der ganz große Hof, in dem viele Menschen Platz haben.
Aber in diesem Vorhof ist es sehr voll, weil dort viele Leute stehen, die Tiere verkaufen, und weil die Geldwechsler dort sind. Man muss nämlich, wenn man den Tempelplatz betritt, schon mal einen halben Tageslohn als Tempelgebühr bezahlen, damit man überhaupt hineinkommt. Das bedeutet, die Priester haben enormes Geld verdient. Bei Millionen von Leuten, die in den Tempel mussten, haben sie einen halben Tageslohn pro Person eingestrichen.
Dann kommt noch hinzu, dass dort vielleicht ein armer Bauer steht. Je nach seinem Einkommen musste er auch ein Opfer mitbringen. Er hat eine Taube im Arm, die er schlachten lassen will. Dann kommt er zum Tempel, und dort stehen sogenannte Inspektoren. Diese Inspektoren schauen sich die Taube an und sagen: „Boah, diese Taube geht gar nicht zum Opfern. Du musst dir eine neue Taube kaufen – hier im Tempel.“
Da sind dann die Taubenverkäufer im Vorhof der Nationen. Das geht natürlich nicht mit deinem eigenen Geld, sondern du musst eine Tempelwährung kaufen, mit der du das bezahlen kannst. So hat der arme Bauer vielleicht seine eigene Taube freigelassen oder weiß nicht, was er damit gemacht hat. Dann geht er in den Tempel, muss die Gebühr bezahlen, diesen halben Tageslohn, dann muss er zu einem Taubenverkäufer gehen, eine Taube kaufen, mit der er opfern kann, und vorher noch Geld wechseln, um das bezahlen zu können.
Da merkt man, was das für ein Unternehmen gewesen ist. Die Pharisäer, Schriftgelehrten und Priester haben daraus ein Geschäft gemacht. Es ging nicht mehr um Gottesdienst, sondern um Business. Sie haben etwas Gutes völlig ins Gegenteil verkehrt und kaputt gemacht.
Dann steht hier ein interessanter Vers: „Und er erlaubte nicht mehr, dass jemand ein Gerät quer durch den Tempel trug.“ An beiden Seiten des Tempels gab es Tore. Auf der einen Seite ging es in die Innenstadt, auf der anderen Seite zum Ölberg heraus, nach Bethanien und so weiter.
Stellt euch vor, da sind zwei Millionen Menschen in Jerusalem. Sie kaufen alles Mögliche ein, sind auf dem Markt und so weiter. Wenn sie auf dem normalen Weg nach Bethanien und zum Ölberg gehen wollten, wo die meisten während des Passamals übernachteten, mussten sie einen ziemlichen Umweg machen. Sie gingen ganz um Jerusalem herum, viele Kilometer, zogen einen großen Bogen und kamen schließlich wieder dort an, wo sie geschlafen hatten – mit all ihrem Gepäck und ihren Einkäufen.
Was haben die Leute gemacht? Sie dachten: „Wow, geschickt! Wir nehmen eine Abkürzung und laufen einfach durch den Tempel.“ So gingen sie durch das eine Tor hinein und durch das andere Tor wieder hinaus.
Stellt euch vor, das würde hier passieren: Wir haben diese beiden Tore offen, und Tausende von Menschen laufen ständig mit ihrem ganzen Gepäck hin und her. Das soll aber der Gebetshof für die Nationen sein, wo alle Völker, also auch die Heiden, kommen – nicht nur die Juden. Das ist der Platz, um den es geht.
Und jetzt laufen die Leute ständig von rechts nach links. Der Taubenverkäufer sagt: „Die Taube kostet so viel.“ Könnt ihr euch das vorstellen? Sie haben eine gute Sache Gottes völlig ins Gegenteil verkehrt.
Und wie nennt Jesus das? Er nennt es die Räuberhöhle: „Ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“
Wie sieht dieser Tempeldienst von außen aus? Nehmt mal eine Helikopterperspektive ein. Von oben sieht es so aus: Da tobt das Leben, es brummt, Tausende, Zehntausende sind da. Es wird viel Geld umgesetzt, es ist richtig viel los, es herrscht Aktionismus. Es ist nicht langweilig, sondern laut und geschäftig.
Ihr Lieben, wenn man aber genauer hinschaut, merkt man, dass da nur noch Blätter hängen. Von außen sieht es gut aus, aber von innen ist es hohl geworden. Es ist fruchtlos, niemand kann mehr beten. Es ist eine Räuberhöhle geworden.
Persönliche Reflexion und Gemeindeentwicklung
Als ich an dieser Stelle im Markus-Evangelium war und es für mich studiert habe, kamen mir fast die Tränen. Ich habe mich gefragt, Matthias, wo hängen bei dir Blätter, die nach außen gut aussehen, aber innen hohl sind? Wie sieht meine eigene Gemeinde aus? Hängen dort nur Blätter oder gibt es auch echte Frucht?
Wir alle kommen aus der Corona-Zeit. Ich reise viel herum und habe den Eindruck, dass die Gemeinde Jesu in Deutschland während Corona extrem gelitten hat. Vielleicht hängen an mancher Stelle mehr Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen am Baum, oder es gibt viele Theorien, aber keine echte Frucht. Gemeinden sind leerer geworden.
Ich habe mich gefragt: Matthias, wie ist es mit deiner Gebetsfrucht, wenn es ein Bethaus sein soll? Bist du zu beschäftigt, hast du Aktivismus an diese Stelle gesetzt, oder lebst du noch aus einer inneren Beziehung heraus? Hängt die Beziehungsfrucht zu Jesus, die du pflegst, wirklich am Baum, oder bist du nur beschäftigt?
In der Gemeinde kommen die Leute, wir haben viele Kleingruppen oder andere Angebote. Ich selbst habe mein Leben vollgepackt und freue mich darüber, viel zu tun zu haben. Aber wie steht es um meine persönliche Identitätsbeziehung zu Jesus? Meine Nachfolge besteht nicht nur darin, theologische Wahrheiten vor Augen zu haben und daran festzuhalten.
Vielleicht haben wir uns in den letzten Jahrzehnten zu sehr auf Begriffe wie Bekehrung und Wiedergeburt konzentriert – wenigstens sind wir da drin oder dabei gewesen. Ihr Lieben, es geht nicht nur darum, dabei zu sein. Es geht nicht nur darum, ein Baum zu sein, an dem Blätter wachsen. Es geht um Frucht. Es geht um Frucht, die Jesus sehen will. Es geht um Nachfolge.
Hängt diese Beziehungsfrucht an meinem Baum? Von ihr lebe ich und aus ihr gestalte ich alles. Hängt die Frucht des Gebens an meinem Baum? Die Bibel sagt: Gib, und dir wird gegeben. Die Pharisäer, die Schriftgelehrten und Priester haben das nicht getan. Sie haben genommen. Das war eine Räuberhöhle, sie haben für sich genommen.
Sie haben genau das Gegenteil von Geben und Segnen getan. Das, was ihr mit der Iumikum macht, ist anders: Ihr gebt und segnet. Ihr gebt von euch weg!
Lieben, warum gehen wir in die Gemeinde? Warum gehen wir in die Gemeinde, warum machen wir Dinge? Ich habe mal Leute gefragt: Warum gehst du in die Gemeinde? Die meisten antworteten, um gesegnet zu werden. Ist das falsch? Fast niemand sagte: Ich gehe in die Gemeinde, um zum Segen für andere zu werden. Und wenn du zum Segen für andere wirst, wirst du selbst am meisten gesegnet. Das ist das Coole daran. Das ist keine Taktik, sondern Gottes Wort.
Hängt die Frucht des Gebens wirklich an unserem Baum? Sind wir für andere da, geben wir Zeit, unsere Fähigkeiten und das, was wir an Gütern besitzen? Hängt die Frucht des Gehens an unserem Baum? Gehen wir zu anderen, um sie mit der guten Botschaft bekannt zu machen?
Wir sind hier auf der Iumikum, der Jugendmissionskonferenz. Brigitte ist seit 32 Jahren im Dienst – ich habe großen Respekt davor, 32 Jahre durchgehalten und immer noch dabei, immer noch Jesus hinterher.
Wie steht es mit der Frucht des Gehens? Warum sinkt die Zahl der Menschen, die wir in Missionen senden? Sie steigt nicht von Deutschland aus. Die Schweiz hat fast genauso viele Missionare gesandt wie wir in Deutschland. Warum ist das so? Hängt die Frucht des Gehens?
Das ist ein weites Thema. Ich habe einmal eine Situation erzählt: Ich war in einer Gemeindeleitung, die eine junge Frau hatte, die mit uns ausreisen wollte. Ich hatte ein Gespräch mit dieser Gemeindeleitung. Ich sage nicht, wo und wer.
Sie sagten zu mir: Matthias, du hast eine Stunde. Du kannst uns erzählen, wer Frontiers ist, wie wir arbeiten und all diese Dinge. Aber wir möchten, dass du drei Fragen beantwortest.
Die erste Frage war: Was wird uns das als Gemeinde an Finanzen kosten? Wenn diese Frage kommt, habe ich immer ein Grummeln im Bauch. Ich denke dann: Wenn die erste Frage nicht lautet, wie können wir zum unerreichten Evangelium beitragen, wie können wir beten, wie können wir diese Person in der Vision unterstützen – sondern es geht zuerst um Finanzen –, wie steht es dann mit der Frucht des Gebens an unserem Baum?
Die zweite Frage war: Matthias, könnt ihr uns als Frontiers die Sicherheit unserer Mitarbeiter garantieren? Boah, nicht mal Jesus macht das! Ich war verzweifelt. Ich holte meine Bibel heraus und sagte: Lasst uns mal die Apostelgeschichte aufschlagen und lesen, was alles passiert ist.
Wer hat versagt, dass Paulus im Gefängnis ist? Wer hat versagt, dass Stephanus gestorben ist? Wie ist das damit? Ihr Lieben, wo das Evangelium hinkommt, erleben wir all das, was in der Apostelgeschichte steht.
Hängt die Frucht an unserem Baum, dass wir bereit sind, unsere Sicherheit aufzugeben und im Glauben auf Jesus zu vertrauen? Jesus, der alles verlassen hat, ja, den Vater verlassen hat, menschengleich geworden ist und Knechtsgestalt angenommen hat.
In Philipper 2 steht, dass er Sklave geworden ist. Jesus hat sich so erniedrigt für diesen Dienst. Und wisst ihr, was da auch steht? Dieselbe Gesinnung soll auch in euch sein: Diener werden.
Wir haben mit der Gemeindeleitung darüber gesprochen, was das bedeutet. Ich kann euch keine Garantie geben. Ich kann auch nicht garantieren, dass ich heute Abend sicher nach Hause nach Hannover komme. Diese Garantie habe ich nicht.
Am Donnerstag war ich auf einer Beerdigung. Eine 34-jährige Frau wurde beerdigt. Sie war drei Wochen erkältet, hatte einen Tag Immunschwäche, der Körper hat nicht mehr gekämpft. Krankenhaus, Antibiotika – alles vorbei.
Ihr Lieben, ich saß da und dachte: Hätte auch ich sein können. Ich habe diese Garantien nicht. Aber was ich tun kann, ist, darauf zu achten, dass ich Frucht an meinem Baum bekomme.
Die dritte Frage dieser Gemeindeleitung ging wieder um Geld und Sicherheit. Sie hat mich völlig fertiggemacht. Die dritte Frage war: Matthias, ist es nicht viel besser, wenn ihr als Frontiers in Zukunft mit Christen aus Südamerika, Afrika und Asien arbeitet? Die haben nicht so viel zu verlieren wie wir.
Habt ihr das verstanden? Ich dachte erst, ich habe die Frage nicht richtig verstanden. Ich bat darum, sie noch einmal zu wiederholen. Dann sagten sie: Wir haben in Deutschland so viel, wir müssen so viel aufgeben. Das muss ein Christ aus Südamerika gar nicht, weil er nicht so viel besitzt.
Herr, ich bin danach nicht mit der Frau ausgereist. Es wurde nichts daraus. Der Abend war hart. Ich saß im Auto auf der Rückfahrt, ich habe geweint. Der, der mit mir gefahren ist, hat auch geweint. Wir haben gebetet.
Ich sagte: Immerhin hat diese Gemeindeleitung mal ausgesprochen, dass wir alle so viel haben. Wir haben ein Problem mit Loslassen, mit der Frucht des Loslassens und des Gehens – von Karriere, Geld, Haus und vielem mehr.
Ihr Lieben, diese Frucht hängt bei mir oft auch nicht am Baum. Dort hängen vielleicht Blätter, die gut aussehen, aber ich habe sie nicht wirklich da hängen und lasse sie los.
Arbeitet lieber mit Christen aus Südamerika, Asien und Afrika, die weniger zu verlieren haben als wir.
Ein Feigenbaum, an dem immer nur Blätter hängen, ist Unsinn. Und ein Nachfolger Jesu, der keine Frucht trägt oder an dem wenig oder nichts hängt, ist kein echter Nachfolger. Das ist das, was Jesus in den Sendschreiben als lau bezeichnet. Er sagt, solche werden ausgespien.
Wege zur Fruchtbarkeit im Glaubensleben
Das ist die gute Frage: Wie bekommen wir denn die Frucht zurück in unser Leben? Nun, das ist ein langes Thema, aber ich möchte zwei Dinge aus unserem Text ansprechen.
Wie bekommen wir Frucht zurück? Ihr Lieben, das eine, und da bin ich fest überzeugt, ist: Jesus räumt hier auf. Jesus schmeißt raus, Jesus schmeißt um. Ich bin fest überzeugt, dass wir Dinge in unserem Leben umschmeißen müssen. Wir müssen vielleicht unsere Prioritäten ändern. Da müssen wir umschmeißen. Vielleicht müssen wir manches mehr wegschmeißen.
Ich mag mein Handy, ich liebe es, nachzuschauen, wie Werder Bremen gespielt hat. Ja, grün. Aber bin ich jetzt davon abhängig und schaue ständig nach? Daddel ich ständig damit herum? Schaut man mal, wie viel Zeit wir dafür verwenden. Ist das eine Frucht, die bei uns am Baum hängt – mit diesem Ding hier? Ich muss euch bekennen, ich bin da auch nicht immer großartig mit dem Teil.
Und dann nimmt es so viel Zeit in Anspruch. Sollten wir das nicht umschmeißen, so wie Jesus die Wechselleute und Taubenhändler umschmeißt? Was machen wir mit dem Handy und vielen anderen Dingen? Was machen wir mit der Freizeitgestaltung? Sollten wir da nicht auch Dinge rausschmeißen?
Es gibt eine Studie, die zeigt, dass der normale Deutsche am Montag müder zur Arbeit kommt, als er am Freitag ins Wochenende geht. Glaubt ihr das? Weil er nämlich so mit Freizeitstress belastet ist – mit all dem, was er am Wochenende machen muss und wie voll das alles ist – dass er montags müde zur Arbeit geht.
Ich glaube, das macht vor der Gemeinde auch keinen Halt. Dann müssen wir etwas rausschmeißen, umschmeißen, ändern. Wir müssen den Geist Gottes reinlassen, damit das nicht so weitergeht. Wir müssen Dinge verändern, Dinge rausschmeißen und kürzen.
Vielleicht müssen wir auch unsere Beziehungen verändern. Vielleicht haben wir Beziehungen, die uns überhaupt nicht guttun, die uns immer runterziehen, die uns fertig machen, die uns immer ins Negative bringen.
Rick Warren, einer der großen amerikanischen Pastoren der Saddleback Church mit Vision – ich weiß nicht, ob ihr seine Bücher gelesen habt – wurde in einem Interview gefragt, was einer seiner größten Fehler gewesen sei. Er sagte: „Ich habe mich mit Leuten umgeben, die mich immer runtergezogen haben, die mich nicht inspiriert haben, Jesus nachzufolgen und mit Vision voranzugehen.“
Ich glaube, da müssen wir auch den Mut haben, manchmal Freunde rauszuschmeißen, weil sie uns einfach nicht guttun und an der Nachfolge hindern.
Wir erleben gerade, dass junge Leute sich vernetzen, die alle in Richtung Mission unterwegs sind. Sie gestalten zusammen Gebetsnächte. Mit 25 jungen Leuten eine Nacht durchzubeten, von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens, mit Leidenschaft dabei zu sein, die alle das wollen, die alle knien und diese Anliegen zu ihren eigenen machen. Wisst ihr, wie viel Kraft das gibt?
Wenn du da Leute hast, die sagen: „Ach nö, ach komm jetzt, schon so spät, elf Uhr, morgen muss ich das und jenes machen“, dann glaube ich, wir müssen aufräumen – auch in Beziehungen.
Vielleicht müssen wir uns auch von Freund oder Freundin trennen, die diesen Weg mit Jesus gar nicht mitgehen. Vielleicht denkt ihr: „Ja, ich will eigentlich Richtung Mission, aber meine Freundin oder mein Freund will das nicht.“ Wie soll das weitergehen, wenn du deine Berufung hast? Wie soll das weitergehen?
Vielleicht müssen wir den Mut haben, an der Stelle auch das eine oder andere umzustossen, wie Jesus aufzuräumen und es zu verlassen. Es gibt viele Bereiche, in denen wir konsequent sein müssen.
Die Bedeutung des Bethauses und der Beziehung zu Jesus
Ein letztes noch: Dieser Bibeltext zitiert einen Vers aus dem Alten Testament. Es ist der Vers mit dem Bethaus. Schon in Jesaja steht, dass Gott sagt, sein Haus müsse ein Bethaus für alle Nationen sein.
Im Alten Testament waren es also nicht nur die Juden. Gott hatte schon damals eine große Liebe für die Nationen und sagte, sie sollten zum Beten kommen.
Wir könnten das Wort „Beten“ hier genauer untersuchen. Es ist ein ganz faszinierendes Wort. In diesem Bethaus ist alles enthalten: Beten, Seufzen, Klagen, Fürbitte, Lobpreis – alles ist inbegriffen. Und genau das sollen die Nationen tun. Sie sollen diese Beziehung pflegen.
Im Neuen Testament wird dieser Vers an dieser Stelle zitiert. Es geht um eine Zielverfehlung von Gottes Haus. Es sollte ein Beziehungshaus mit Jesus sein.
Als ich das noch einmal neu verstanden hatte, dachte ich: Okay, es geht in erster Linie um meine Beziehung. Ich muss Jesus kennen. Ich muss mit ihm reden, und er redet mit mir.
Wenn ich sage, ich habe eine Beziehung zu meiner Frau, aber kaum mit ihr rede, oder ich sage, ich habe eine Beziehung zu meinen Kindern, aber rede nicht mit ihnen, dann stimmt etwas nicht. Vielleicht singe ich nur. Ja, ich glaube, wir müssen zurückkommen zu diesem „Wir“. Jeder von uns ist ein Bethaus.
Ihr seid der Tempel des Heiligen Geistes, wenn ihr Jesus kennt und ihm nachfolgt. Ihr seid ein Bethaus in euch selbst. Ihr pflegt diese Beziehung zu Jesus. Ihr seid Beter, ihr redet mit ihm.
Und vielleicht, wenn es einem selbst schwerfällt, tut man sich mit anderen zusammen und tut es gemeinsam. Ja, man ringt mit Jesus und pflegt diese Beziehung.
Ich glaube, das ist es, was Jesus will. Diese Priester und Schriftgelehrten hatten die Beziehung zu Gott verlassen. Deshalb ist Jesus so hart. Er muss sagen: „Da hängen von euch noch die Blätter.“ Es sieht von außen gut aus, aber innen ist es hohl geworden.
Aber das muss nicht so bleiben. Ihr könnt heute anfangen zu sagen: Ich werfe Sachen raus und komme zurück zu dieser Liebesbeziehung zu Jesus. Diese Intimität mit ihm pflegen, mit ihm reden und mein Leben neu auf ihn ausrichten.
Das tun, was wirklich zählt in diesem Leben. Das ist weder Geld noch irgendwelche anderen Dinge. Sondern wir wollen zum Segen werden für die Nationen. Es soll ein Bethaus sein für die Nationen.
Schlussgebet und Segenswunsch
Ich wünsche euch viel Gnade und bete weiterhin für euch. Jesus, du bist hier sehr konsequent und auch hart mit dem Feigenbaum, ebenso mit den Leuten im Tempel. Du hast nicht mehr viel geredet, sondern gehandelt.
Ja, bei dieser Konsequenz stockt mir ein bisschen der Atem, Jesus. Ich möchte beten, dass du jeden segnest, der hier zuhört, auch mich. Segne uns, damit wir konsequent in unserem Leben sind und aufräumen. Vielleicht denken heute alle an einen Punkt, den sie verändern oder aufräumen müssen.
Vielleicht ist es das Handy, vielleicht eine Beziehung oder der Umgang mit Geld – ich weiß es nicht genau, Jesus. Schenke uns Gnade, damit wir uns einen Punkt vornehmen und sagen: „Da will ich anders werden.“ Lass uns Menschen sein, die auf die Knie gehen, ringen und die Beziehung zu dir pflegen.
Lass uns hier 300 Bethäuser werden, jeder für sich und alle miteinander, um diese Beziehung zu dir zu pflegen, dich ins Zentrum zu stellen und das zu tun, was wirklich zählt.
Jesus, wir sagen dir neu, dass wir uns nach Frucht an unserem Lebensbaum sehnen. Wir wollen keinen bloßen Schein, der nach außen hin nett aussieht. Das wollen wir nicht als Einzelperson und auch nicht als Gemeinde.
Jesus, schenke uns Gnade zur Veränderung. Es ist so großartig, dass das möglich ist. Du hast gesagt: Nicht durch Macht und Kraft, nicht durch das, was euch möglich ist, sondern durch meinen Geist soll es geschehen.
Jesus, schenke uns dazu Gnade. Wir danken dir so sehr, dass du da bist. Deshalb gibt es Hoffnung für jeden von uns. Dir sei die Ehre. Wir beten dich an, du bist unser Herr. Danke für das Geschenk, dich zu kennen. Dafür hast du gesorgt. Amen.
