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2. Johannes Teil 2/5

Thumer Tage 2026
19.10.2026
Serie•Teil 2 / 52 Johannes
Jesus ist nicht nur ein Vorbild, sondern der einzigartige Sohn Gottes. Wer ihn kleinredet, verpasst den Vater selbst – und damit die Frage, die über alles entscheidet: Leben oder Leere?

Einleitung und Anlass des Nachdenkens

Der zweite Johannesbrief
Tumartage, 2026
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch: dein geistlicher Impuls für den Tag.
Ich habe Urlaub und deshalb ein paar Gedanken zum zweiten Johannesbrief.

Der Gruß als Zusage von Gottes Nähe

Vers drei: Mit uns also. Das ist ganz spannend, dass sich Johannes hier mit einbezieht. Mit uns wird sein: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater. Erst einmal nur bis dahin.
Wir sind hier noch bei den Grüßen, und er sagt jetzt: Hey, was wünsche ich uns? Was begleitet uns immer, wenn wir als Gläubige unterwegs sind? Nun, da ist erstens Gnade. Das ist diese bedingungslose Fürsorge Gottes für mein Leben. Da ist ein Gott, der mein Leben kennt, der weiß, was ich brauche, und der sagt: Hey, du darfst jeden Tag von mir das empfangen, was du brauchst. Ich liebe dich. Das ist die Botschaft Gottes. Ich will mit dir sein. Ich möchte dich beschenken, möchte dich beschenken, weil wir einem Gott folgen, der ein barmherziger Gott ist.
Gnade, Barmherzigkeit und ein Gott, der Frieden gemacht hat. Und dieses Wort, das hier mit Friede übersetzt wird, meint ein bisschen mehr als nur so ein ruhiges Gefühl. Das will sagen, es ist eine versöhnte Gemeinschaft mit Gott. Ich darf wissen, dass der Gott, der mir gnädig und barmherzig begegnet, der sich unverdient jeden Tag meiner erbarmt, mit dem bin ich im Frieden. Ich bin versöhnt. Ich bin Family, ich gehöre dazu. Da steht nichts zwischen ihm und mir.
Ja, aber was ist mit meiner Sünde? Nun, wenn du sündigst, was machen wir? Wir bekennen sie. Und was ist Gott? Treu und gerecht. Und was macht er dann? Er vergibt uns unsere Sünde. Da versteht er: Du kannst diesen Frieden natürlich kaputt machen, aber eigentlich ist alles getan. Und das, was Johannes hier betont, ist: Es ist ein Friede von Gott, dem Vater. Und jetzt wird es ganz spannend: und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters.

Die besondere Formulierung über den Sohn

Merkt ihr, was hier steht? Das ist ein ganz merkwürdiger Anfang in einem Brief, eine ganz merkwürdige Formulierung: von Gott dem Vater und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters.
Warum diese merkwürdige Formulierung „Sohn des Vaters“? Die Antwort ist natürlich naheliegend, weil es hier um eine Warnung geht. Es geht um die Warnung vor Leuten, die den Sohn nicht mehr Sohn sein lassen, die Jesus seine einzigartige Stellung streitig machen, die er beim Vater hat. Später wird er sagen, dass sie in ihrem Denken über Jesus weitergehen, eigene Ideen einbringen und behaupten: Ja, früher haben wir das so geglaubt, aber heute wissen wir, dass Jesus natürlich nur ein guter Mensch war, nur ein Vorbild im Glauben, nur irgendein Blödsinn.
Und deswegen wirft er von Anfang an, wenn man so will, diese Formulierung hier in den Ring: dem Sohn des Vaters. Dieser Begriff „Sohn“ ist bei Johannes weniger ein Titel. Vielmehr beschreibt der Begriff die einzigartige Identität, die Jesus hat, und die einzigartige Beziehung, die Jesus von Nazaret zu dem Vater im Himmel hat.

Was den Sohn einzigartig macht

Und ich möchte euch ein paar Dinge dabei zeigen, weil sie wichtig sind. Was macht den Sohn so einzigartig?
Erster Punkt: Der Sohn ist präexistent. Das heißt, Johannes beginnt, wenn man das Johannesevangelium liest, im Blick auf den Herrn Jesus nicht bei der Geburt, sondern ganz am Anfang: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Da fängt das an. Der Sohn entsteht nicht irgendwann später, sondern dort, wo Gott ist. Dort ist bei Gott Gott das Wort. Und Gott, das Wort, wird Mensch. Das heißt, der Sohn ist so einzigartig, weil er aus der Ewigkeit, aus der Beziehung und aus der Begegnung mit Gott heraus in diese Welt kommt.
Der zweite Punkt ist, dass der Sohn einzigartig ist, weil der Vater ihn gesandt hat. Wir alle kennen Johannes 3,16, oder? So hat Gott die Welt geliebt, genau. Was steht? Lassen Sie uns mal Johannes 3,17, den nächsten Vers, anschauen. Da heißt es: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt. Der Sohn ist gesandt. Das ist das, was ihn so einzigartig macht. Er ist nicht nur präexistent, sondern er kommt gesandt vom Vater. Er wird gesandt, nicht um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten.
Im ersten Johannesbrief ist das ganz ähnlich formuliert. Man könnte sagen, die Sohnschaft wird bei Johannes immer missionarisch gedacht. Der Sohn kommt vom Vater in die Welt, um Gottes Rettungswillen sichtbar zu machen.

Offenbarung, Einheit und Leben

Dann war der Sohn also präexistent. Er wird vom Vater gesandt, und der Sohn offenbart den Vater. Bei Johannes kann niemand den Vater richtig erkennen, wenn er am Sohn vorbeigeht. Der Sohn macht den Vater sichtbar, und zwar nicht äußerlich, sondern von seinem Wesen her, durch seine Worte und durch seine Werke.
So kann man in Johannes 14,9 sehen: Da kommt Philippus und sagt: Zeige uns den Vater. Was sagt Jesus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Das bedeutet nicht, dass Jesus mit dem Vater als Person identisch wäre, sondern dass der Vater sich im Sohn vollkommen offenbart. Wer Jesus hört, der hört den Gesandten des Vaters, und wer Jesus ablehnt, der lehnt den Vater ab.
Der vierte Punkt ist also: präexistent, vom Vater gesandt, er offenbart den Vater. Und dann der vierte Punkt: Er handelt in Einheit mit dem Vater. Das merkt man ganz stark in Johannes. Da heilt Jesus jemanden am Sabbat, wird dafür angegriffen, und dann sagt er einen Satz: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Hammer! Und die Leute verstehen das sofort richtig: Da macht sich einer Gott gleich, da macht sich einer mit Gott gleich.
Und dann sagt er, der Sohn kann nichts tun außer das, was er den Vater tun sieht. Er tut nichts von sich selbst. Da gibt es in dem, was Jesus tut, keinen Unterschied zu dem, was der Vater tun würde. Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tun möchte. Und dann geht das noch weiter: Der Vater macht lebendig, und der Sohn macht ebenso in gleicher Weise lebendig. Der Vater richtet, und hat das Gericht dem Sohn übergeben. Und dann heißt es: Alle sollen den Sohn so ehren, wie sie den Vater ehren.
Merkt ihr, da ist kein Unterschied zwischen den beiden. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht hier den Vater und irgendwo da unten den Sohn sehen. Das muss auf eine Ebene gezogen werden. Und es geht so weit, dass der Sohn Leben schenkt. Johannes beschreibt ihn nicht nur als Lehrer, der Sohn ist der Lebensspender. Er empfängt vom Vater, und was er empfängt, gibt er an die Menschen weiter. Und deswegen ist gerade bei Johannes der Begriff Sohnschaft so eng mit dem Begriff ewiges Leben verbunden.

Die Heilsbedeutung des Glaubens an den Sohn

An den Sohn zu glauben, das ist keine Randfrage, bei der man sagen könnte: Ja, nice to have. Nein, das ist heilsentscheidend. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet, heißt es in Johannes 3,18. Und wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet. Warum? Weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.
Oder 1. Johannes 5,12: Wer den Sohn hat, hat das Leben, ganz genau. Wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.
Merkt ihr: Christologie ist nicht einfach eine Frage dogmatischer Präzision, also irgendein theologisches Nebenthema. Nein, es geht um die Frage: Habe ich Gott? Richtig über Jesus zu denken, das ist mit das Entscheidende, was wir in diesem Leben auf die Reihe kriegen müssen. Und wenn wir uns an dieser Stelle irren, dann ist das einfach richtig gefährlich.
 1. Johannes 2,23: Wer den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht, heißt es dort. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater.
Merk dir das: Wenn du sagst, mit diesem Jesus kann ich nichts anfangen, so ein bisschen gottgläubig bin ich schon, aber dieser Jesus, ganz ehrlich, da weiß ich noch gar nicht, was ich mit dem anfangen soll, dann ist das nicht egal. Und ich weiß, wovon ich rede, weil ich am Anfang meines Glaubenslebens lange gebraucht habe, um diesen Jesus auf die Reihe zu kriegen. Das mit Gott, dem Vater und Schöpfer und so, das war relativ schnell gegessen. Aber was sollte immer dieser Jesus?
Irgendwann wurde mir das klar: Ich darf den nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, ganz genau.

Der Sohn als einzigartige Person und Gottes Offenbarung

Der Sohn ist der einzige Sohn oder der einzigartige Sohn. Das steht im Johannesevangelium. Dort begegnet uns das Wort monogenes. Es bedeutet der einzige Sohn, vielleicht besser übersetzt: der einzigartige Sohn. Er ist der, der gekommen ist, um den Vater zu offenbaren. Er ist Gott im Fleisch.
Deswegen wird auch im Neuen Testament unterschieden, einerseits zwischen Jesus und seiner Sohnschaft und andererseits uns, die wir Kinder Gottes sind. Das ist nicht dasselbe. Es gibt nur einen Sohn Gottes. Wir werden durch den Glauben und durch die Wiedergeburt Kinder Gottes. Aber wir sind nicht in dem Sinne Sohn Gottes, als der einzigartige Sohn Gottes, wie Jesus das ist.
Und so sehr wir ihn zusammen anschauen, den Vater und den Sohn, genauso müssen wir sie auch wieder unterscheiden. Der Sohn ist also nicht einfach nur eine Erscheinungsform des Vaters, sondern das sind zwei unterschiedliche Personen. Es gibt den Sohn als Person, und es gibt den Vater als Person.
Und jetzt, für euch, kann man das mal kurz so sagen: Natürlich sind diese Beschreibungen Quatsch. Sie müssen Quatsch sein, weil wir Menschen sind. Menschen können Gott nicht denken, das ist euch bestimmt schon einmal aufgefallen. Du kannst Gott nicht denken, es geht nicht. Denn Gott ist in seiner Göttlichkeit ja kein Mensch, wir können aber nicht höher denken als bis zu dieser Stufe Mensch. Versteht ihr?
Nehmen wir an, du hast einen Wellensittich zu Hause. Dann kann ein Wellensittich nur bis zur Stufe Wellensittich denken. Wenn du jetzt einem Wellensittich erklären willst, wie man, was weiß ich, in der Bibel liest, dann kriegt er das nicht mehr mit. Das ist nicht mehr seine Ebene. Dafür hat er keine Worte, kein Verständnis, das kann er einfach nicht denken.
Und so können wir aus einer menschlichen, geschöpflichen Perspektive Gott nicht denken. Wir können nur dort, wo Gott sich uns offenbart, mit Worten, die für uns Sinn machen, also mit menschlichen Worten, Gott beschreiben. Und deswegen offenbart sich Gott mit der höchsten Form von Wesen, die wir gerade noch verstehen. Das ist eine Person, wie wir es selber sind, und sagt: Damit fangen wir an. Das kann ich euch zumuten, weil das versteht ihr.

Das Geheimnis der göttlichen Einheit

Und deswegen haben wir drei Personen, die sich in der Bibel offenbaren. Das können wir gerade noch denken, auch wenn sie irgendwie doch eins sind.
Und wenn du sagst: „Ich verstehe das nicht“, dann ist das genau der Punkt. Denn wenn du es verstehen könntest, dann wäre das, was du da verstehst, kein Gott. Das wäre ein Konstrukt deiner Fantasie, aber nicht mehr. Gott muss für uns immer ein Stück geheimnisvoll bleiben, weil er Gott ist.
Und da, wo wir etwas über ihn verstehen, ist das Offenbarungswissen, das er uns schenkt. Wir müssen in den Beschreibungen stehenbleiben. Und deswegen sagen wir, wir haben es hier mit zwei Personen zu tun: Da gibt es die Person des Sohnes und die Person des Vaters. Und es gibt den echten Unterschied zwischen Vater und Sohn. Da spricht der Sohn zum Vater, merken Sie: zwei Personen. Und sie bezeichnen sich als zwei Zeugen, das ist ganz spannend. Dann denken Sie: Ja, interessant. Und doch sind sie irgendwie eins. Zwei und doch eins – und das macht die Sache so spannend.
So eins, dass der Herr Jesus in Johannes 10 sagen kann: „Ich und der Vater sind eins.“ Oder an anderer Stelle ebenfalls in Johannes 10: „Der Vater ist in mir, und ich bin im Vater.“ Wenn ihr das einmal studiert, dann werdet ihr feststellen: Manche Stellen im Johannesevangelium zeigen ganz deutlich zwei Personen. Ja, und manchmal flutscht das so ineinander.
Und wenn ihr einmal die Offenbarung lest, müsst ihr darauf achten: Da habt ihr auch beides. Ja, manchmal sind es zwei. Und manchmal flutscht das so ineinander, und man denkt sich: Was denn jetzt genau?
Und diese Spannung müssen wir aushalten, weil wir Gott in letzter Konsequenz nicht denken können.

Schlussgedanke und Segenswort

Und jetzt können wir uns diesen Sohnbegriff vorstellen: dass es da einen gibt, der vom Himmel her kommt, weil er präexistent gelebt hat. Er wird vom Vater gesandt, offenbart den Vater und handelt in Einheit mit dem Vater. Er schenkt Leben, er schenkt ewiges Leben. Er ist der einzigartige Sohn, einerseits vom Vater klar unterschieden als Person und andererseits doch auf eine wahnsinnige Art zugleich eins mit dem Vater.
Dieser Sohnbegriff ist natürlich umkämpft.
Das war’s für heute? Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Gehörte nachzudenken. Wo spricht der Brief in dein Leben hinein?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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