
Lukas 22,54-71: "Versagen und trotzdem von Gott geliebt werden"
Lukas 22,54-22,7109.12.2012
Serie•Teil 48 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Ein persönlicher Einstieg in das Thema Zeugnis
Ich möchte in der Tat weitermachen im Lukasevangelium. Wir sind in Kapitel 22, ab Vers 54, und ich möchte mit einem Bekenntnis einsteigen.
Das Bekenntnis geht etwa so: Es gibt einen christlichen Slang, und im christlichen Slang spricht man von Zeugnis geben. Wenn man Zeugnis gibt, dann hat das überhaupt nichts mit Schulzeugnis oder Arbeitszeugnis zu tun. Wer Zeugnis gibt, erklärt dem anderen nicht, was er in Mathe hatte oder ob er in Latein durchgekommen ist oder wie das war bei der Ausbildung.
Wer Zeugnis gibt, wenn wir als Christen davon reden, dass ein Christ Zeugnis gibt, dann redet er mit anderen Menschen davon, wie er selber Christ geworden ist. Also: Mein Zeugnis, das ist meine Bekehrungsgeschichte, meine Geschichte, wie Gott mich gefunden hat. Das heißt, wenn wir als Christen davon reden, ich gebe Zeugnis, dann geht es darum: Wie hat Gott das angestellt, dass ich Christ geworden bin?
Das Zeugnis geben, also dem anderen davon zu erzählen, wie man Christ geworden ist, gehört tatsächlich zum Christsein dazu. Jesus sagt in Apostelgeschichte 1,8: Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein.
Es ist oft eine falsche Vorstellung in unserem Kopf: Ich kann mich erst dann mit Menschen über Gott unterhalten, wenn ich auf jede Frage eine Antwort habe. Die wirst du nie kriegen, du kannst dich anstrengen, wie du willst. Es wird immer eine Frage geben, wo du sagst: Darüber habe ich noch nie nachgedacht.
Was jeder kann und was jeder soll, ist ein Zeuge sein, ein Zeuge von dem, was Gott in seinem Leben gemacht hat. Das erwartet Jesus von seinen Leuten.
Jetzt ist das nur so: In meinem Fall, und das mag jetzt den einen oder anderen überraschen, fällt mir das gar nicht so leicht. Ja, es gibt Tage, da fällt es mir ein bisschen leichter, aber im Großen und Ganzen ist das etwas, was mir schwerer fällt. Ich weiß, dass es irgendwie wichtig ist, dass ich mich zu Jesus stelle.
Als Student hatte ich, ich habe ja Biochemie studiert, so einen Laborplatz, wo ich meine Experimente gemacht habe, und ich dachte: Es ist doch toll, wenn ich Zeugnis geben möchte, dann klebe ich so eine christliche Postkarte dran, damit man wenigstens sieht, da ist was. Später dann hatte ich in meiner Studentenbude, die hatte nur acht Quadratmeter, aber es waren zwei richtig fette, große Carvol-Postkarten, ja, diese hässlich-kitschigen mit einem Bibelfers drauf. Das war mein Empfinden von Zeugnis geben.
Später, als ich geheiratet hatte, haben wir uns mehr getraut. Wir haben Leute eingeladen, haben in Zeitungen schon mal zu einem Bibelkreis auch eine Annonce aufgegeben. Wir wollten Zeugen sein. Aber die ganze Zeit ist mir das nicht leicht gefallen. Es war immer mit einer ordentlichen Portion Überwindung verbunden.
In den letzten Jahren, und das hat mir der Text heute klar gemacht, herrscht in diesem Bereich bei mir eher Flaute. Das ist so eine Mischung aus vielleicht Mutlosigkeit, Resignation, und ich habe natürlich immer eine gute Ausrede. Meine Ausrede ist: Ich mache ja so viel an anderer Stelle für Gott, dass ich vielleicht mit diesem Zeugnisgeben so ein bisschen geringer fahren kann.
Vor zwei Wochen hat ein Freund eine Party geschmissen und seine Freunde eingeladen, und ich bin auf diese Party gegangen. Sonntagabend, ich war total fertig, und ich wusste, er würde sich wünschen, dass ich mit seinen Freunden irgendwie ins Gespräch über Gott komme. Und ich hatte keine Lust. Ich war einfach knülle. Und das ist auch nicht passiert. Und ich dachte danach: Irgendwie war das ein blöder Abend. Da hätte irgendwie noch mehr drin gewesen sein können, aber ich hatte irgendwie keinen Antrieb, jetzt mit Leuten über Gott zu reden.
Ich habe diese Lustlosigkeit in meinem Leben, und sie plagt mich.
Ich habe im Frühjahr eine Biografie gelesen von Bill Bright, Gründer von Campus für Christus, toller Mann, zusammen mit seiner Frau absolut Großartiges geleistet. Und dann schlägt man irgendwann diese Biografie zu und ist einerseits, also mir geht das so, ich bin einerseits begeistert und andererseits bin ich deprimiert. Ich bin begeistert, dass Gott in einem Leben so viel erreichen kann, und dann habe ich da so jemanden vor mir, der in diesem Buch, wenn das wahr ist, anscheinend zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die richtigen Worte auf den Lippen hatte, um mit anderen Menschen über Gott zu reden, wo dann Leute sich auf dem Flug von Los Angeles nach New York gleich dreimal bekehren.
Und ich schlage das Buch zu und denke mir: Jetzt sitze ich hier. Ich habe das in der Hotellobby zu Ende gelesen, und neben mir sitzt einer, den könnte ich jetzt ansprechen, und irgendwie weiß ich nicht, wie es geht, und irgendwie fühle ich mich auch gar nicht danach.
Ich habe einen Freund, der hat mir erzählt: Weißt du, Jürgen, wenn ich irgendwo bin, dann unterhalte ich mich mit jedem über das Evangelium. Ich dachte: Wie machst du das denn? Na ja, schau, ich habe letzte Woche eine Schrankwand second hand erworben, und dann habe ich die abgeholt. Und dann bin ich da rein, und da haben wir uns gleich über den Herrn Jesus unterhalten. Ich dachte mir: Wie machst du das? Du kennst denjenigen nicht. Als wenn ich eine Schrankwand second hand kaufe und ich hole die ab, da kenne ich nie das Evangelium.
Das ist doch ganz einfach, du brauchst doch nur einen Gürtel. Einen Gürtel? Ja, schau, ich mache dann hoch, ich habe einen Gürtel dabei, Gürtel habe ich immer dabei, und dann sage ich zu dem: Sehen Sie, was das ist? Ja, es ist ein Gürtel. Woraus ist der Gürtel? Na, aus Leder. Was muss man tun, damit so ein Ledergürtel entsteht? Da muss ein Tier für geschlachtet werden. Und sehen Sie, genauso wie das Tier für den Gürtel gestorben ist, ist Jesus für ihre Sünden gestorben.
Ich gebe zu, dass ich diesen Mann bewundere. Jahr für Jahr kommen durch ihn wahrscheinlich über ein Dutzend Leute zum Glauben. Aber ich könnte das nicht. Also, ich kann das nacherzählen, ja, aber ich weiß nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn ich da jetzt was sagen würde: Ich habe einen Gürtel. Ich habe einen Gürtel, aber die Übertragung ist einfach unglaublich schwer.
Und ich ahne mal, dass es vielen von euch genau so geht. Wir kennen, und ich will das jetzt nicht abfällig sagen, aber ich benutze mal diesen Begriff durchaus bewundernd: Wir kennen diese Superchristen, die anscheinend bei jeder Gelegenheit mit ihren Freunden, Arbeitskollegen, mit Leuten auf der Straße über Gott reden. Und wenn sie uns von ihren Heldentaten berichten im Hauskreis oder wenn wir darüber lesen in Büchern, dann hören wir auf, stumm. Dann hören wir auf zu reden, dann werden wir stumm, weil alles, was wir vielleicht in der letzten Woche geschafft haben, war, einem Arbeitskollegen so ganz vorsichtig anzudeuten, dass wir am Sonntag in den Gottesdienst gehen. Ja, und das war es dann auch.
Oder wir haben vielleicht still und heimlich in der Kantine vorm Essen so ein Millisekundengebet gewagt: Augen zu, runter, wieder hoch, irgendwie sowas. Und wir denken: Boah, weiter traue ich mich im Moment nicht.
Vielleicht sind wir einfach solche Normalos. Und wenn du so ein Normalo bist, der in Situationen hineinschlittert, wo er innerlich merkt: Jetzt möchte der Geist Gottes, dass ich was sage. Und in dem Moment, wo du diesen Druck spürst, und dieser Druck ist gut, ich will den nicht schlecht machen heute, aber du spürst diesen Druck, und dein Mund wird trocken, und du weißt, es wäre eigentlich dran, sich jetzt als Christ zu outen, und du schluckst und du schluckst noch mal, und beim dritten Mal Schlucken ist die Gelegenheit vorbei, und du ärgerst dich.
Wenn du so jemand bist, der das kennt, dann möchte ich dir heute einen Text zeigen von einem Normalo, der versagt, und davon, wie der, der nicht versagt hat, mit diesem Normalo umgeht. Und ich möchte dich gerne ermutigen, wenn du so ein Normalo bist, dich selber nicht darüber fertig zu machen, sondern eine Lektion zu lernen.
Und die eine Lektion, um die es heute geht, ist ganz simpel. Sie heißt: Wenn wir untreu sind, bleibt Gott treu. Das ist die Lektion für heute Morgen.
Und wir starten in Lukas Kapitel 22, Vers 54. Es könnte nicht dunkler sein, sowohl moralisch als auch von der Umgebung an sich, es ist nämlich Nacht. Die Jünger sind davon gelaufen, Jesus wird von seinen Gegnern heimlich gefangen genommen und in so eine Art Privatgefängnis geführt. Da heißt es: Sie ergriffen ihn aber und führten ihn hin und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters.
Alle Jünger sind weg, nein, mindestens einer, vielleicht sogar noch ein anderer, nur nicht in dem Text, die folgen ihm. Petrus aber folgt ihm von Ferne. Und man kann sich das vorstellen: Da gibt es diese Gruppe der Soldaten, die führen Jesus ab, die Jünger sind erst mal in der Dunkelheit verschwunden, und dann, so im sicheren Abstand, läuft Petrus hinterher, um zu sehen: Wo bringen sie Jesus hin? Und er sieht: Aha, in das Haus des Hohen Priesters.
Und Häuser in der damaligen Zeit, das sind Häuser, die hatten oft einen Innenhof, also waren außen herum gebaut, man konnte da reingehen, und innen drin konnte man sich dann hinsetzen. Petrus schafft es bis in diesen Innenhof und setzt sich dahin.
Petrus ist toll an der Stelle, weil er sich traut mitzugehen. Problem: Petrus hat eine ganz wichtige Lektion noch nicht gelernt. Er weiß immer noch nicht, wie man geistlich kämpft.
In der Geschichte davor, die wir das letzte Mal betrachtet haben, wenn ihr euch erinnert, da ist ein Ohr abgeschnitten worden. Da war Petrus der, der dachte: Haha, Krieg! So mit dem Schwert, so ein Ohr ab! Das war so die Art, wie er sich Verteidigung des Glaubens vorgestellt hat. Dass Jesus nie in diese Richtung gedacht hat, dass für Jesus die Verkündigung des Glaubens mit Waffengewalt nie auch nur im Ansatz eine Option war, merkt man daran, wie Jesus auf diesen Akt des Glaubens reagiert. Er heilt das Ohr, und er sagt: Steckt das Ding weg!
Petrus hat an dieser Stelle, wenn er in den Hof des Hohen Priesters tritt, noch nicht verstanden, wie man geistlich kämpft, auf welcher Ebene dieser Kampf stattfindet. Und wir wissen auch: Er hat ein Stück zu wenig gebetet und er hat ein Stück zu wenig sich vorbereitet, sodass das jetzt, was als Nächstes kommt, für ihn ein absolutes Fiasko wird. Es ist wirklich Sündigen mit Ansage. Jesus hatte ihm das vorher schon gesagt: Du wirst mich, bevor der Hahn kräht, dreimal verleugnen.
Und deswegen ein kurzer Blick auf die Frage: Wo findet eigentlich geistlicher Kampf statt? Und wir müssen dazu in den zweiten Korintherbrief, Kapitel 10 schauen, 2. Korinther 10,3-5. Da beschreibt uns Paulus nämlich, wo eigentlich gekämpft wird. Und es ist eben nicht mit Waffengewalt. Der eigentliche geistliche Kampf findet in unserem Kopf statt. Es ist ein Kampf, der sich um Gedanken dreht, genau genommen um die Frage: Glaube ich und verwende ich die Wahrheit oder glaube ich und verwende ich die Lüge?
Paulus formuliert folgendermaßen, 2. Korinther Kapitel 10, die Verse 3 bis 5: Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, also obwohl wir auf dieser Welt leben, ganz normal mitleben, ja, jeder von uns hat so Fleisch zum Anfassen, ja, wir sind alle noch nicht so Geistwesen oder werden wir auch nie, aber ist egal, also: Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch. Also, ich springe jetzt nicht runter auf Jens zu, packe ihn so von hinten, werfe ihn auf den Boden und sage: Gewonnen.
Wir hatten gestern Jugendstunde, und wir haben manchmal so Jungs, die sich so ein bisschen kappeln, wo einer wissen will, ob er stärker ist als der andere. Die haben sich da drei Minuten lang so im Würgegriff gehabt und haben versucht, den runterzudrücken, und ja, das ist im Fleisch kämpfen. Und Paulus sagt: Das ist nicht die Art, wie wir kämpfen, das hat nichts mit dem zu tun, was unser Leben betrifft.
Wo kämpfen wir denn? Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch, denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich. Es ist nicht eine Faust, nicht ein Schwert, nicht ein Revolver, nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen.
Was für Festungen? Von Festungen. So zerstören wir Vernunftslügen, merkt ihr, es hat etwas mit dem Kopf zu tun. Es sind Gedankenfestungen, es sind Gedankenkonstrukte, es sind Lügengebäude, die es zu zerstören gilt. Wir zerstören Vernunftslügen und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi.
Geistliches Leben, geistlicher Kampf findet im Kopf statt. Und unsere Gegner, das sind die Gedanken, die wir denken, das sind die Gedanken, mit denen wir konfrontiert werden, wo andere uns dazu bringen wollen, diese Gedanken zu denken, wo Umstände uns in Versuchung führen, weil sie uns manipulieren wollen, weil sie uns dahin bringen wollen, das, was eigentlich falsch ist, für die naheliegende und leichteste und beste Option zu halten, so wie bei Petrus.
Petrus sitzt jetzt da, und jetzt beginnt ein echtes Problem in seinem Leben. Es geht nämlich weiter, und ich lese Lukas 22, ab Vers 55: Als sie aber mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus in ihre Mitte. Es sah ihn aber eine Magd bei dem Feuer sitzen und blickte ihn scharf an und sprach: Auch dieser war mit ihm. Also auch der da hat zu Jesus gehört.
Er aber leugnete und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. Erste Verleugnung.
Und kurz danach sah ihn ein anderer und sprach: Auch du bist einer von ihnen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin’s nicht. Zweite Verleugnung.
Und nach Verlauf von etwa einer Stunde behauptete ein anderer und sagte: In Wahrheit, auch dieser war mit ihm, denn er ist auch ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Dritte Verleugnung.
Es kann sein, dass ihn zuerst sein Gesicht verrät, er sieht so aus wie einer, den man schon mal im Dunstkreis von Jesus gesehen hat. Dann verrät ihn vielleicht sein galiläischer Akzent. Die Galiläer haben ein bisschen anders geredet als die Juden, die so im südlichen Bereich wohnten. Und konfrontiert mit der Wahrheit, du gehörst doch dazu, oder? Flüchtet er sich zur Lüge. Er sagt: Frau, ich kenne ihn nicht. Lüge. Natürlich kennst du ihn. Mensch, ich bin’s nicht. Doch, du gehörst dazu. Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Doch, du weißt ganz genau, was der andere sagt.
Dreimal, dreimal verleugnet Petrus Jesus, und er verwendet eine Lüge, weil ihm die Wahrheit zu gefährlich erscheint. Dreimal, und während er noch redet, heißt es dann: Und sogleich, während er noch redete, krähte der Hahn.
Wisst ihr, was hier passiert? Hier versagt ein Normalo. Einer, der das Richtige tun wollte. Ein paar Stunden vorher, wo Jesus ihm sagt: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verlassen. Warum sagt Jesus das? Weil Petrus ihm sagt: Ich werde dich nicht verlassen, ich werde zu dir stehen, egal was es mich kostet, ich bin bereit, für dich in den Tod zu gehen. Selbstüberschätzung.
Er will aber trotzdem das Richtige tun. Aber er schafft es nicht. Er schafft es einfach nicht. Lüge in so einer Umgebung, du hast vielleicht die halbe Nacht nicht geschlafen, du merkst, es ist ganz, ganz brenzlig die Situation, du hast dich weit vorgetraut, du bist nicht wirklich auf die Situation vorbereitet, du weißt auch noch nicht, wie man geistlich kämpft. Lüge erscheint so attraktiv, so richtig. Und deswegen sagt er: Ich gehöre nicht dazu.
Er gehört nicht dazu, weil er Angst hat. Angst hat vor den Konsequenzen. Und ich glaube, das geht uns nicht anders, wenn wir uns als Christen outen beziehungsweise wenn wir es nicht tun. Warum tun wir es nicht? Weil wir irgendwie Angst davor haben, dass ich, wenn ich mich als Christ offenbare, in der Klasse gemobbt werde, dass meine Arbeitskollegen mich vielleicht in so eine Schublade Komiker stecken oder dass meine Nachbarn mich meiden.
Und das Problem ist: Das kann tatsächlich passieren. Das ist wirklich so. Wenn du bereit bist, dich zur Wahrheit zu stellen, womöglich zu einer unbequemen Wahrheit, dann wirst du für Leute unbequem. Und an der Stelle kann es dann sein, dass Leute denken, es wäre gut, wenn wir den loswerden. Wenn wir nicht länger mit dem noch mal zusammen sind.
Wisst ihr, wer so ein Unbequemer ist, der sich immer auf die Seite der Wahrheit stellt und nicht davon lässt, egal was es ihn kostet? Jesus ist so ein Unbequemer.
Und jetzt schauen wir die gleiche Situation. Eben noch waren wir draußen im Hof, jetzt werfen wir einen Blick, und wenn wir jetzt einen Kameramann hätten, dann würde das jetzt so die Kamera würde rüberschwenken. Und wir schauen uns jemand anders an, nicht mehr Petrus, sondern Jesus. Was passiert eigentlich mit Jesus in dieser Zeit?
Vers 63: Und die Männer, die ihn festhielten, verspotteten und schlugen ihn. Und als sie ihn verhüllt hatten, kennt ihr diese Bilder von Guantanamo-Gefangenen, wo man so einen Sack über den Kopf macht? Genau das passiert hier: Sack über den Kopf! Und nachdem sie ihn verhüllt hatten, fragten sie ihn und sprachen: Weissage, wer es ist, der dich schlug. Und vieles andere sagten sie lästernd gegen ihn.
Jesus ist in der Hand von grausamen und von absolut rücksichtslosen Wächtern, denen die Wahrheit sowieso egal ist, für die Religion immer schon gut war für einen billigen Witz, für einen bösen Spott. Und das ist genau das, was Jesus kriegt: Spott und Schläge. Und das ist das, was Jesus einstecken muss, während er worauf wartet? Auf Tagesanbruch.
Denn wenn der neue Tag beginnt, also etwa um sechs Uhr, da will man ihn vor den Hohen Rat führen. Der Hohe Rat ist der oberste Gerichtshof, so nahe Bundesgerichtshof. Da haben die ganzen hohen Herren sich entschieden: Wir nehmen uns Jesus vor, wir wollen ihn verurteilen.
Und die Juden durften das. Die durften in gewissem Maß in ihrem eigenen Land, obwohl die Römer dort Besatzungsmacht waren, sie durften in gewissem Maß tatsächlich selber Urteile fällen. Nicht die Todesurteile, deswegen muss man später ja auch noch weiterziehen zu Pilatus, aber man durfte schon mal so eine Art Vorverurteilung abhalten. Und das passiert hier.
Vers 66: Und als es Tag wurde, versammelte sich die Ältestenschaft des Volkes, Hohepriester wie Schriftgelehrte, und führten ihn hin in ihren Hohen Rat.
Jetzt steht Jesus da. Du bist übernächtigt, du bist eine Nacht lang misshandelt worden, und jetzt am nächsten Morgen stehst du vor einem Gericht, wo du ganz genau weißt: Sie haben alles vor, nur eines nicht, dich gerecht abzuurteilen. Du wirst keinen fairen Prozess kriegen, nicht im Ansatz. Das Urteil ist schon gefällt. Es geht nur noch darum, wie man es halbwegs legal, so dass nicht jeder ohne hinzuschauen weiß: Das ist doch eh hier alles Fake, halbwegs legal muss das Ding über die Bühne gehen. Das war es aber auch schon.
Da steckt Jesus drin. Und die Frage ist: Wie wird sich Jesus in einer solchen Situation verhalten? Er weiß, was auf ihn zukommt. Wird er zur Wahrheit stehen? Oder wird er sich zu einer ganz einfachen, billigen Lüge flüchten?
Es wäre so leicht gewesen, wenn Jesus gesagt hätte: Haha, war alles nur ein Scherz, ja, ich bin gar nicht der Messias, und das mit Gottes Sohn, ich bitte euch, ja, wer kann denn sowas behaupten, ja, ich wollte eigentlich nur so ein bisschen predigen, ein bisschen für die Liebe sein, ein paar Leute heilen, hier und da mal einen Dämon austreiben, alles ist gut. Wenn Jesus das gemacht hätte, dann wäre er frei gewesen. Dann wäre er nicht ans Kreuz gekommen, dann hätte er nicht sterben müssen. Er hätte nur eine kleine Lüge verwenden müssen, eine ganz kleine. Nur das macht er nicht.
Vers 67: Er steht vor dem Hohen Rat, und sie sagten: Wenn du der Christus bist, so sage es uns. Na, bist du der Messias, der Christus? Und Jesus sprach zu ihnen: Wenn ich es euch sage, so würdet ihr nicht glauben.
Merkt ihr, was Jesus weiß, was in anderen Leuten vorgeht? Er kennt das Herz. Er weiß: Wenn ich es hier sagen würde, ihr würdet es eh nicht annehmen. Und noch mehr, Vers 68: Wenn ich aber fragen würde, wenn ich auf das Recht als Angeklagter bestehe, die Anklage zu hinterfragen, meine Ankläger zu befragen, womöglich die Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen, so würdet ihr mir nicht antworten. Ihr habt doch überhaupt kein Interesse daran, zu wissen, wo die Wahrheit ist.
Und deswegen ist Jesus einfach ehrlich. Und dazu gehört für mich unglaublich viel Mut. Wir sind in einer Situation, wo andere bereit sind, das Recht zu verdrehen, damit du draufgehst. Und du weißt: Der nächste Satz, obwohl er wahr ist, der nächste Satz, im wahrsten Sinne des Wortes, du redest dich um Kopf und Kragen. Und was sagt Jesus? Von nun an aber wird der Sohn des Menschen, und das ist ein Messias-Titel, wird der Sohn des Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes.
Sie hören das und sie versuchen, das zu packen, und fragen noch mal nach. Sie sprachen aber alle: Du bist also der Sohn Gottes! Und wer sich mit diesem Begriff schon beschäftigt hat, der weiß, dass hinter dem Begriff Sohn Gottes der Anspruch steckt, gottgleich zu sein. In Johannes 5 unterstellt man das Jesus und will ihn daraufhin umbringen. Das heißt, was sie ihn hier fragen, ist nichts anderes als: Machst du dich hier jetzt an dieser Stelle tatsächlich zu Gott?
Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt, dass ich es bin. Das ist eine etwas merkwürdige Formulierung, wir würden es heute anders ausdrücken. Wir würden sagen: Ja, richtig, genau so ist es. Genau das bin ich. Ihr habt das genau richtig auf den Punkt gebracht, genau das, genau das meine ich, ich bin der Sohn Gottes.
Und das Verrückte ist: Sie hören die Wahrheit. Und was sagen sie? Was brauchen wir noch Zeugnis? Ja, was brauchen wir noch Zeugen? Lasst uns die Sache hier abkürzen! Denn wir selbst haben es aus seinem Mund gehört.
Ja, was haben wir denn gehört? Wir haben gehört, dass Jesus, der der Messias ist, sagt: Ich bin der Messias, und dass Gott sagt: Ich bin Gott. Super! Gott steht dazu, und der Vorwurf der Gotteslästerung ist so absurd, weil Gott kann nicht Gott lästern dadurch, dass er sagt: Ich bin Gott. Nur, die Wahrheit interessiert einfach keinen. Die Wahrheit stand überhaupt nicht zur Debatte. Es ging von Anfang an um eine Sache: Der Kerl muss weg.
Und für mich ist Jesus in der Situation ein Held. Unter solchem Druck weiterzumachen und bis zum Äußersten zu gehen, er war zu diesem Zeitpunkt wenigstens 24 Stunden auf den Beinen. Überlegt euch mal das emotionale Auf und Ab dieser letzten 24 Stunden. Du feierst auf der einen Seite das Passa mit deinen Jüngern, und du hast wirklich die Freude, mit deinen Jüngern noch mal richtig zu feiern. Und dann fällst du in Gethsemane in ein tiefes Loch, wo du darum ringst, dass Gott dir die Kraft gibt, ein Ja zu finden zu dem Kelch des Leides. Und dann wirst du gefangen genommen, dann wirst du gefoltert, und dann kommt dieses Gericht, und du stehst die ganze Zeit, du fällst nicht um, und du bleibst hammerhart einfach bei der Wahrheit.
Mich fasziniert das, ich kann das nicht anders formulieren, mich fasziniert das sogar absolut, und ich merke, wie gefährlich es ist, die Wahrheit zu sagen. Aber das ist jetzt nicht unser Thema. Mein Thema heute Morgen soll sein: Ich habe hier so einen Überflieger. Ich habe hier so einen, den du unter Druck setzen kannst. Wenn du dir ein Bild brauchst, kennt ihr diese Nussknacker, wo man nicht so draufhaut, sondern langsam zudreht? Du steckst diese Walnuss rein und hast hinten so ein Krr, Krr, Krr, Krr, und dann bist du durch. Das ist mit Jesus passiert. Er wird unter Druck gesetzt, und dann dreht einer ganz langsam zu. Und egal, wie hoch der Druck ist, du kriegst ihn nicht geknackt. Und selbst wenn du ihn zum Tode verurteilst, er bleibt bei der Wahrheit.
Die Frage ist: Wie geht so einer, den du nicht kleinkriegst, wie geht der mit Menschen um, die schon in einer ganz anderen Situation, wo es um viel weniger geht, zusammenbrechen, es nicht schaffen, ihn einfach zu verleugnen? Wie geht Jesus mit Petrus um?
Was mich dabei fasziniert, und es ist wirklich absolute Faszination, ist, dass Jesus nicht nur sich selber treu bleibt, dass Jesus nicht nur der Wahrheit treu bleibt, dass Jesus nicht nur seiner Berufung treu bleibt, sondern dass Jesus auch Petrus treu bleibt.
Wisst ihr noch, der Hahn kräht, und jetzt springen wir noch mal zeitlich kurz zurück. Der Hahn kräht, was passiert jetzt? Lukas 22,61: Und der Herr, ja, wir haben da hinten Petrus am Feuer, oder nehmen wir das hier, das passt ganz gut, ja, Jesus sitzt hier am Feuer, und er verleugnet ihn und verleugnet ihn und verleugnet ihn und verleugnet ihn, und denkst dir: Boah, stimmt, da war was.
Kannst du dir vorstellen, wie das geht, wenn du sündigst und sündigst und sündigst und sündigst und mit einem Mal wachst du aus der Sünde auf und denkst: Was habe ich da eigentlich gemacht? Wenn so ein eiskalter Schauer dir das Rückenmark runterläuft und du dich im Innersten erschrickst: Wie konnte ich nur? Das passiert ihm.
Und in diesem Moment lesen wir: Es krähte der Hahn, und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an. Du sitzt da, du erschrickst. Und du siehst, wie Jesus dich einfach nur anschaut. Jesus schüttelt nicht mit dem Kopf, Jesus macht ihm keine Vorwürfe, Jesus schreit nicht durch den Raum: Wie konntest du bloß, das habe ich dir doch vorher gesagt, hättest du nicht mal ein bisschen aufpassen können, wer bist denn du hier überhaupt? Er schaut ihn nur an. Und dieser eine Blick, den Jesus auf ihn wirft, dieser eine Blick, der reicht.
Jesus macht ihm auch später keine Vorwürfe. Wenn wir die Geschichte weiterlesen, werden wir feststellen, das Einzige, was Jesus macht, ist: Er fragt ihn, sag mal Petrus, hast du mich lieb? Und das fragt er ihn wie oft? Für jede Verleugnung einmal. Hast du mich wirklich lieb? Ja, ja. Bist du sicher, dass du mich lieb hast? Ja, ich hab dich lieb.
Warum fragt Jesus diesen Petrus später, ob er ihn lieb hat? Ganz einfach, weil für Gott Liebe wichtiger ist als Sündlosigkeit. Ganz wichtiger Punkt: Für Gott ist Liebe wichtiger als Sündlosigkeit. Wenn wir lieben, an der Stelle kommt Gott mit uns ans Ziel.
Was Gott nicht macht, ist, einem Petrus Vorwürfe. Und es reicht auch, dass er ihn anschaut, denn in diesem Moment zerbricht Petrus. Vers 62, oder erst noch mal Vers 61, heißt es dann: Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an, und Petrus gedachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
Gebrochen! Da hatte einer die Chance, zu seinem Herrn zu stehen, oder er hat es nicht geschafft. Und du möchtest wissen, wie der Held mit dem Versager umgeht? Das kann ich dir sagen: Er schaut ihn an, und es reicht. Er macht ihm keine Vorwürfe.
Und wir werden sogar noch einen Schritt weitergehen. Jesus bleibt sich selbst, der Wahrheit, seiner Berufung und Petrus treu, und er bleibt ihm nicht nur treu, sondern er kann an der Stelle an Petrus glauben, wo Petrus nicht mehr an sich selber glauben kann. Wo für Petrus alles zusammenbricht, an der Stelle ist für Jesus noch lange nicht aus.
Wenn Petrus in diesem Moment gefragt worden wäre: Sag mal Petrus, wie stellst du dir deine geistliche Zukunft vor? Dann hätte Petrus gesagt: Für mich gibt es keine Zukunft. Wie? Ich habe alles falsch gemacht. Und wir wissen alle: Keine zwei Monate später steht derselbe Petrus mitten in Jerusalem und hält eine Predigt mit so viel Toughness und mit so viel Mut und mit so viel Durchblick, dass 3000 Leute auf der Stelle sagen: Wenn du recht hast, und du hast recht, weil wir wissen nicht mehr, was wir sagen sollen, hey, wir wollen uns taufen lassen. Keine zwei Monate später. Aber in diesem Moment, in diesem Moment ist es ein kleines Häufchen Elend.
Ich wollte euch den Leitvers zeigen, der für mich heute Morgen einfach wichtig ist, damit wir begreifen, was für einen grandiosen Gott wir haben. Es heißt in 2. Timotheus 2,13, und es ist ein so wichtiger Vers, wenn ihr Bibelferse auswendig lernt, nehmt ihn mit rein: Wenn wir untreu sind, er bleibt treu. Wenn wir untreu sind, er bleibt treu. Begründung: Denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
Gott kann sich nicht verleugnen. Was heißt das? Gott ist ein Gott der Liebe. Liebe nach 1. Korinther 13 zeigt sich darin, dass die Liebe glauben kann. Die Liebe glaubt alles. Liebe heißt: Ich sehe in dem anderen etwas, was der andere vielleicht selber nicht einmal sehen kann. Das ist Liebe.
Und das ist das, was Gott tut in diesem Moment. Er schaut Petrus an, und er sieht in Petrus etwas, was Petrus selber nicht sehen und nicht glauben kann, und er eröffnet ihm damit eine Zukunft. Was für ein Gott!
Mich fasziniert das. Ich hoffe, dass ihr ein Stückchen angerührt seid. Ich hoffe, dass es euch mindestens so packt wie mich, dass ich sage: Wow, ich habe einen Gott, der, wenn ich untreu bin, wenn ich versage, wenn ich es nicht bringe, dann nicht sich zurückzieht und sagt: Na, dann mache ich es halt mit einem anderen, sondern der sagt: Ich kenne dich. Ich kannte deine Sünde, bevor du sie getan hast.
Jede Sünde, die wir tun, ist Sünde mit Ansage. Nur, dass der Herr Jesus uns nicht jede Sünde mit einem halben Tag vorher schon mal so verkündigt mit so einem Zettel vom Himmel. Stell dir vor, du hättest jeden Morgen an deinem Kühlschrank so einen Zettel, da steht drauf: Deine Sünden für heute. Jesus kann das, er macht es nur nicht. Aber er weiß, was du tun wirst, wenn du erschrocken, zerbrochen am Boden liegst und dir denkst: Wie kann das nur sein, dass ich genau das heute von mir aus schon wieder gemacht habe? Einen erschrickt das nicht. Und das ist Gott. Der wusste das vorher. Der wusste das schon, als er zu dir und deinem Leben Ja gesagt hat.
In dem Moment, wo du auf deine Knie gegangen bist, deine Hände gefaltet hast und gesagt hast: Herr, ich möchte, dass du in mein Leben kommst und mir meine Schuld vergibst, in dem Moment hat Gott sämtliche Sünden gesehen, die in deinem Leben noch kommen würden. Und sein Ja ist, wie die Bibel es sagt, ein Ja und Amen. Da kommt nicht noch etwas hinterher, da gibt es nichts Kleingedrucktes.
Und wenn Gott sich einmal in seiner Treue zu dir stellt, dann tut er das als einer, der, wenn wir untreu sind, er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
Das heißt jetzt nicht, dass du sagen kannst: Ja super, dann brauche ich ja nie wieder Zeugnis geben, ich hatte eh auch so gar keine Lust, und ich ... Ne, wir sollen weiterhin Zeugen sein. Ich lasse das schon. Die Bibel ist voll davon, dass, wenn Leute uns fragen: Sag mal, bist du Christ?, dass wir uns trauen, Stellung zu beziehen. Die Bibel sagt, wir sollen in Weisheit mit Leuten umgehen, die Gott nicht kennen, wir sollen die Zeit auskaufen, wir sollen Zeugen sein.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt, bitte nicht, dass jetzt jemand hört: Ich muss ja gar nichts mehr sagen, ich kann so easy busy durchs Leben gehen, jede Sünde ist vergeben, alles ist klar. Das wollte ich nicht sagen. Ich rede zu denen, die sagen: Ich möchte das, was wir vorhin im Lied gesungen haben, ja, ich habe mein Leben genommen und ich habe es Gott auf den Altar gelegt, und ich möchte mit und für diesen Gott leben. Aber es gibt Momente in meinem Leben, da schaffe ich das nicht.
Und dann brauchen wir diese ganz sichere Gewissheit, dass wir im Himmel einen treuen Hohen Priester haben, der genau dann für uns eintritt, wenn wir Mist bauen, wie er das bei Petrus tut.
Und deswegen kann Paulus auch diese lustige Frage stellen in Römer 3,3, wo er sagt: Was denn, wenn einige untreu waren, wird etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben? Glaubst du wirklich, dass deine Untreue, dein klein bisschen untreu sein in deinem Leben, diese kleine Pillepalle-Sünde, die du da begangen hast, dass das die Treue Gottes aufhebt? Haha, wird nie passieren. Die Untreue des Volkes Israel hat das nicht geschafft. Und die waren wesentlich härter drauf als ihr alle zusammen. Und an der Stelle bleibt Gott treu. Wie viel mehr in unserem Leben?
Und wisst ihr was? So ein Text, wie wir ihn heute betrachten, zusammen mit 2. Timotheus 2,13, macht mir Mut. Macht mir Mut, weil ich mich in puncto Zeuge sein oft wie so ein Petrus fühle und dann mir die Frage stelle: Kann Gott mit mir eigentlich noch was anfangen? Und die Antwort lautet: Ja. Und diese Antwort müssen wir jedes Mal hören, wenn wir Fehler machen.
Also warum macht Gott mit einem Petrus weiter? Die Antwort lautet: Weil Gott treu ist. Und obwohl für diesen Petrus eine Welt zusammenbricht, als er da heulend aus dem Hof rausläuft. Die Welt, die da zusammengebrochen ist, er dachte: Ich bin der Überflieger, ich bin der Starke, ich bin der Treue. Dann stellt er fest: Ich bin weder ein Überflieger, ich bin eher so ein bisschen unterdurchschnittlich, ich bin auch nicht stark, sondern schwach, und ich bin untreu. Da bricht eine ganze Welt für ihn zusammen.
Und ich wünsche dir nicht, dass deine Welt zusammenbricht. Aber ab und zu ist das eine ganz heilsame Erfahrung, wenn wir begreifen, wer wir wirklich sind. Wenn Gott es erlaubt, dass unsere Welt und unsere Selbstüberschätzung sich in eine echte Selbsterkenntnis verwandelt und wir begreifen, dass wir nicht die Tollen sind. Aber dieser Moment wird für dich nur dann zum Segen, wenn du gleichzeitig begreifst, dass im Himmel einer sitzt, der ein Ja zu dir hat, obwohl du gerade Mist baust.
Und deswegen ist das so wichtig. Ich möchte euch heute Morgen in einem doppelten Sinn herausfordern. Ich möchte euch auf der einen Seite herausfordern, darüber nachzudenken, was könnt ihr nächste Woche tun, um wirklich offensiv euer Christsein zu leben. Und ich möchte gerade die Männer herausfordern, ich habe manchmal den Eindruck, Frauen tun sich da ein bisschen leichter, ich möchte uns Männer herausfordern: Was können wir mehr tun, um Zeugen zu sein, als einen Fisch am Auto durch die Gegend zu fahren? Dass wir uns da in der nächsten Woche ehrlich mal Gedanken machen: Wie kann ich dazu stehen?
Und zweitens: Ich wünsche mir, dass wir uns in der nächsten Woche erlauben, zu versagen. Ich wünsche mir, auch wenn sich das komisch anhört, dass wir uns das erlauben, Versager zu sein. Nicht als solche, die mit der Treue Gottes spielen, okay, wir machen mit Gott keine Spielchen, aber als solche, die wissen, dass Gott zu mir steht, dass Gott mich kennt und dass Gott in meinem Leben die Zeit mir gibt, die ich brauche, um das zu lernen, was es zu lernen gilt.
Ein Petrus durfte versagen, und ein Petrus durfte siegen, und beides wünsche ich uns in der nächsten Woche.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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