Ein kurzer Einstieg mit einer bekannten Geschichte
Ich habe Matthias darum gebeten, er soll eine möglichst kurze Vorstellung machen. Genauso kurz wird auch meine Predigt gleich sein.
Ei, Grossmutter, was hast du für grosse Ohren, dass ich dich besser hören kann! Ei, Grossmutter, was hast du für grosse Augen, dass ich dich besser sehen kann! Ei, Grossmutter, was hast du für ein entsetzlich grosses Maul, dass ich dich besser fressen kann!
Damit sprang der Wolf aus dem Bett auf das arme Rotkäppchen und verschlang es.
Der Herr Jesus hat recht wenig über Wölfe bei Oma gesprochen, dafür aber sehr viel über Wölfe in der Gemeinde. Matthäus 7: Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reissende Wölfe sind.
Solche Wölfe lauern in der Gemeinde in Ephesus. Sie sind Betrüger, sie haben den äusseren Schein der Gottesfurcht, doch ihr Wort frisst andere auf, es stürzt den Glauben um. 2,1 Paulus sagt Timotheus: Timotheus, du bist Streiter Jesu Christi, du bist Jesu Soldat. Als Jesu Soldat, Timotheus, wie wirst du Jesu Gemeinde schützen? Wie wirst du für die Sache, für die Gemeinde des Herrn kämpfen?
Das ist nicht nur Timotheus’ Kampf. In 3,13 sagt Paulus: Böse Menschen und Betrüger werden es immer schlimmer treiben. Durch die ganze Kirchengeschichte hindurch, auch heute.
Was Timotheus hören müsste, müsste also seine Gemeinde hören. Und was sie hören müssten, müssen alle Gemeinden hören, müssen wir hören.
Was machen wir, damit Gottes Gemeinde keine Imbissbude für Wölfe wird, sondern Weideplatz für Jesus’ Schafe bleibt? Wie sollen wir kämpfen für die Gemeinde Christi, jetzt in unserer Generation, aber auch in den Generationen, die nach uns kommen?
Zuallererst geht es hier um die Worte, die wir sagen sollen. Vers 14 bis 15: Teile das Wort recht. Teile das Wort recht. Jesu Soldaten schützen Jesu Gemeinde mit Jesu Worten.
Schaut mit mir auf Vers 14: Bring dies in Erinnerung und bezeuge ernstlich vor dem Herrn, dass man nicht um Worte streiten soll.
Also müssen es die Männer hören. Sie müssen daran erinnert werden, jene Männer, die Timotheus in Kapitel 2, Vers 2 als Bibellehrer und Älteste ausbilden soll. Nicht nur aber diese Männer, sondern die ganze Gemeinde muss daran erinnert werden. Die ganze Gemeinde muss das hören, weil die ganze Gemeinde Gottes Wort weitersagen darf.
Man sagt ja immer wieder: Jeder Christ ein Gitarrist. Den Spruch mag ich nicht, weil er mir mein Heil abspricht. Ich kann Gitarre fast so gut spielen, wie Matthias singen kann, und ich singe noch schlechter als Matthias.
Jeder Christ ein Gitarrist? Jeder Christ ein Wortsprecher ist? Ja, ich weiss, es reimt sich ab, es ist kein Deutsch, aber das ist egal.
Jeder Christ darf Gottes Wort weitersagen. Einige von uns hier auf der Kanzel, alle von uns in Kleingruppen in der Gemeinde oder bei der Jugendarbeit oder Kinderarbeit oder beim Seniorenkreis oder über WhatsApp mit Freunden oder bei einer Tasse Kaffee, online oder offline: Jeder Christ darf das Wort seines himmlischen Vaters reden.
Aber wie sollen wir reden? Vers 14: Streite nicht um Worte.
Paulus meint hier vor allem seine Worte in seinen Briefen und Predigten, in seiner Verkündigung. Das sind die gesunden Worte, die Paulus von dem Herrn Jesus empfangen hat und dann weiter verkündet, als Evangelium der Verheissung des Lebens.
So hat ja dieser Brief angefangen: Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen. Gott hat Paulus geholt, Gott hat ihn berufen, Gott hat ihn als Apostel Jesu eingesetzt, so dass Paulus’ Worte in unserer Bibel, in seiner Verkündigung, Gottes Worte sind.
Die Lehre von Paulus ist also nicht wie ein Käsebuffet, wo man vielleicht den Cheddar nimmt, weil er lecker ist, und Gruyère zu sich nimmt, das ist auch lecker, aber wo man den Schimmelkäse unberührt auf dem Brett liegen lässt, weil er mir nicht schmeckt. Paulus’ Worte sind Gottes Worte, ob sie mir schmecken oder nicht.
Sie sind uns nicht gegeben, damit wir um sie streiten, als ob wir besser wüssten. Sie sind uns gegeben, damit wir sie beherzigen und weitersagen.
Und das sagt Paulus immer wieder durch diesen Brief hier. In Vers 14: Timotheus, erinnere die Gemeinde an Gottes Wort. Aber schau zurück auf 1,13: Halte dich und halte die Gemeinde an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast. Dann in 2,2: Was du von mir gehört hast, vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, andere zu lehren. 2,8: Halte in ihrem Gedächtnis Jesus Christus nach meinem Evangelium. Vers 11: Denk an das glaubwürdige Wort. Es gibt ein Wort von dem Herrn, das gesagt werden muss.
Und wir müssen das hören, weil die Versuchung gross ist, einen anderen Wortdienst zu treiben, ob auf der Kanzel oder in Kleingruppen oder privat. Einen anderen Wortdienst zu treiben, ein Wort zu reden, das kein Leid mit sich bringt, ein Wort zu reden, das nicht von der Verheissung des Lebens spricht, sondern das uns jetzt alles gibt. Ein Wort, das nicht von Gottes Gericht spricht oder von der heiligen Berufung, die Gott uns gegeben hat. Ein Wort, das mich einfach so lässt, wie ich bin. Ein Wort für Kitzelohren.
Ein solches Wort darf Timotheus nicht verkünden. Gott offenbart sich durch sein Wort, durch die Apostel. Und sein Wort ist unser einziger Schutz und unsere Waffe gegen Satans Angriffe und die Verwirrungen von Irrlehren und auch gegen unsere eigenen sündigen Wünsche.
Von daher: Bezeuge dies ernstlich vor dem Herrn. Streite nicht um Worte. Leben und Tod hängen von unseren Worten ab.
Schaut, wie Vers 14 zu Ende geht: Wenn wir Gottes Wort abstreiten, um ein anderes Wort zu reden, verwirrt es unsere Zuhörer wortwörtlich. Es ist zu nichts nütze als zur Zerstörung der Zuhörer.
Stell dir mal vor, du darfst ein grosses Haus demolieren, und du darfst es, und es ist nicht dein Haus. Okay, das ist ein sehr schöner Tagtraum, den wir uns jetzt gönnen dürfen. Wie willst du dieses grosse Haus demolieren? Dynamit, Abrisskugel, Studenten einladen für eine Studentenparty, kleine Kinder aus dem Schäfchenraum holen und dann einfach unbeaufsichtigt spielen lassen. Also, es wäre schon effektiv. Oder untergräbst du das gesamte Fundament leise und unauffällig mit Fragen, so dass das Wort beziehungsweise das Haus langsam aber sicher zusammenfällt?
Ob laut oder leise: Wenn ich die Bibel abstreite, zerstöre ich meine Zuhörer. Das ist das, was Paulus sagt.
Deswegen muss Timotheus neue, treue Wortdiener ausbilden, in 2,2 ausbilden, damit sie Gottes Wort recht teilen. Deswegen muss Timotheus selbst Gottes Wort der Wahrheit verkünden. Schaut mit mir Vers 15 an: Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt.
Das Wort richtig weitergeben
Ich habe vor Jahren ein Video gesehen, in dem eine Frau mit ihrem Vater redet. Sie fragt ihn: Ja, Papa, wie gefällt dir eigentlich das, was wir dir neulich geschenkt haben?
Ach ja, es ist ein ganz tolles Ding, nutze ich jeden Tag.
Ah, schön. Freut mich, dass du das Tablet gut nutzen kannst.
Und dann zoomt die Kamera aus, und da ist der Vater am Spülbecken. Er schnippelt Karotten auf einem iPad.
Einige von euch denken: Nur dazu sind iPads geschaffen. Ihr könnt denken, wenn ihr wollt. Der Vater hat den Tabletzweck entfremdet und für ein anderes Ziel gebraucht.
Und das ist das, was einige in Ephesus mit Gottes Wort gemacht haben. Timotheus, folge denen nicht nach. Bleib doch bei Gottes Wort, teile es recht, verdrehe es nicht, um das zu sagen, was du sagen willst, oder noch schlimmer: das zu sagen, was deine Zuhörer hören wollen. Sage nicht das, was Kitzelohren hören wollen. Teile es, wie Gott es gemeint und gesagt hat.
Ein Freund von mir lehrt oft in Gemeinden in Uganda und hat mir neulich erzählt, dass Gemeinden dort oft schutzlos gegenüber Irrlehren sind. So viele Prediger und Wortdiener nehmen Bibelverse einfach aus ihrem Zusammenhang heraus und hängen dann ihre eigenen Gedanken daran. Und weil so viele das machen, fällt es der Gemeinde unheimlich schwer zu erkennen, ob das, was gesagt wird, wirklich Gottes Wort ist oder nicht. Sie merken es nicht so schnell, wenn Gottes Wort missbraucht und zweckentfremdet wird.
Mein Freund hat dann gemeint: Es ist nicht genug, dass wir aus der Bibel lehren. Jede Irrlehre kann das auch. Wir müssen Gottes Wort recht teilen. Wir müssen der nächsten Generation lernen, wie man die Bibel liest, wie man sie recht teilt. Die nächste Generation braucht das Evangelium von uns, aber sie braucht nicht nur das Evangelium von uns. Sie braucht von uns auch das Werkzeug, dieses Wort zu lesen und recht zu teilen, damit sie hier drin das Evangelium für sich selbst finden und damit sie es dann auch der Generation nach ihnen weitergeben können.
Die Irrlehrer in Ephesus hatten ein falsches Evangelium, weil sie das Wort falsch geteilt haben. Daher: Timotheus, teile das Wort der Wahrheit recht. Sage, was Gott sagt. Aus dem Grund, aus dem Gott es sagt, so wie Gott es sagt, so oft Gott es sagt. Timotheus, das ist deine Priorität Nummer eins.
Ein solcher Wortdienst bleibt weder schmerzfrei noch fruchtfrei, denn Gottes Wort ist nicht gekettet, Vers 9. Gott spricht durch sein Wort heute noch. Er spricht überall auf der Welt um seiner Auserwählten willen, so dass wir die Herrlichkeit erlangen, die in Christus Jesus ist, die Errettung mit ewiger Herrlichkeit.
Daher, Timotheus, gib nicht auf. Rede Gottes Wort weiter, teile es recht. Daher, meine lieben Geschwister, wo auch immer du dabei bist, das Wort auszuteilen: Gib da nicht auf, teil es recht und teil es weiter. Und dann kannst du dankbar einschlafen. Du brauchst dich nicht zu schämen, sagt Paulus.
In Leipzig, in der Leipzig English Church, wo ich dienen darf, bin ich meistens in den Abendgottesdienst eingeteilt. Und nach dem Abendgottesdienst habe ich etwa dreißig bis vierzig Minuten Spazierweg zurück nach Hause. Manchmal gehe ich diesen Weg zurück und grüble nur über die Predigt. Ich rufe meine Frau an, und sie fragt: Wie war es? Und ich sage: Ja, das war schön, und das war schön, aber ich befürchte, ich hätte die Predigt viel besser machen können. Ich hätte vielleicht lebendiger und lauter predigen sollen oder bessere Veranschaulichungen bringen sollen.
Und nachdem sie sehr geduldig meinen Blödsinn angehört hat, sagt meine Frau zu mir: Ja, aber hast du Gottes Wort recht geteilt?
Ja, so gut ich konnte.
Dann vertraue Gottes Wort, komm nach Hause und geh schlafen, du Pappnase.
Meine Frau darf so mit mir reden, weil sie mich liebt. Teil das Wort recht aus, schäme dich nicht, und dann mach ein Nickerchen. Teile das Wort recht aus, da brauchst du dich nicht zu schämen, nicht nur am Ende des Tages, sondern auch am Ende aller Zeit.
Paulus spricht in diesem Brief von dem Tag, an dem der Herr Jesus zurückkommt, um die Lebenden und die Toten zu richten, Kapitel 4. Und an dem Tag, an dem wir vor dem Herrn stehen, werden wir es nicht bereut haben, uns an das Muster der gesunden Worte gehalten zu haben. Ohne seine große Gnade wird der Herr Jesus uns dann eine Krone der Herrlichkeit aufsetzen, uns und allen, die seine Erscheinung lieben.
Wie kämpfen wir? Teile das Wort recht.
Und das ist so wichtig, weil es auch Worte gibt, die wir vermeiden müssen. Und das ist die nächste Schlagzeile für uns, Verse 16 bis 21: Meide nichtige Schwätzereien.
Was sind nichtige Schwätzereien? Sagt Paulus hier, dass wir nichts mit Flachwitzen zu tun haben dürfen? Nein, sonst dürfte Alex Reindl nie wieder Witze machen. Ihr Lieben, seine Witze werden besser. Rudi Tissen gibt ihm Tipps. Ich habe mich so gefreut, dass Alex vor mir gepredigt hat.
Paulus gibt uns ein Beispiel von nichtigen Schwätzereien in diesem Kapitel, in den Versen 17 bis 18. Schaut mit mir Verse 17 bis 18 an: Hymenäus und Philetus sind von der Wahrheit abgeirrt, indem sie behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen.
Was macht nichtiges Schwätzen, was ist es? Es verdreht die Bibel. Es deutet die Botschaft der Bibel um, so dass sie das sagt, was Kitzelohren hören wollen. Hymenäus und Philetus lehrten wohl, dass die Auferstehung schon geschehen ist. Nicht Jesu Auferstehung, die ist schon geschehen, sondern unsere Auferstehung. Und sie haben wohl so geredet, dass, weil wir mit Jesus auferstanden sind, wir dann völlig erneuert sind, unsere Herzen völlig neu gemacht sind, so dass wir nicht mehr gegen die Sünde kämpfen müssen. Wir müssen nicht mehr Gottes heiligem Ruf nachfolgen. Unsere eigenen Wünsche sind schon heilig und gut. Wir können machen, was wir wollen, und wir müssen nicht auf die Verheißung des Lebens warten.
Nichtiges Schwätzen verspricht uns für heute, was der Herr Jesus in seiner Weisheit für seinen Tag, für den letzten Tag, aufhebt. Nichtiges Schwätzen ist ein Evangelium ohne Selbstverleugnung, ohne Leid. Ein Evangelium, wodurch ich nicht warten muss.
Was soll Timotheus damit machen? Vers 16: Meide unheilige, nichtige Schwätzereien. Vers 19: Wende dich ab von der Ungerechtigkeit. Vers 21: Reinige dich von solchen Dingen.
Nichtiges Schwätzen verkleidet sich als Wasser, ist aber nur Gift. Solche Lehren versprechen Freiheit, Vers 16, sie fördern nur noch mehr die Gottlosigkeit. Wie Sauerstoff für Feuer ist nichtiges Schwätzen für Gottlosigkeit. Sie versprechen Fortschritt und Freiheit, doch Vers 18: Es stürzt den Glauben etlicher um. Sie versprechen Erfüllung, doch Vers 17: Ihr Wort frisst um sich wie ein Krebsgeschwür. Wie ein Tumor, der dich und mich umbringen will.
Dieses unheilige Geschwätz frisst Christen auf, frisst Gemeinden auf. So war es in Ephesus. Es hat den Glauben etlicher umgestürzt. Es fördert die Gottlosigkeit. Und daher sagt Paulus: Meide es. Schneide es aus deinem Leben weg, weg von den Bücherregalen, aus deiner Spotify-Playlist, aus deinen sozialen Medien.
Und Paulus bekräftigt diesen Aufruf, indem er Timotheus an 4. Mose 16 erinnert. In 4. Mose 16 rebellierten einige Priester gegen Gott, indem sie Mose und seine Lehre ganz bewusst ablehnten. Und Gott sagte dann zum ganzen Volk: Weicht doch von den Zelten dieser gottlosen Menschen und rührt nichts an von allem, was ihnen gehört, damit ihr nicht weggerafft werdet wegen aller ihrer Sünden.
Hab nichts mit ihnen zu tun, denn Gott wird sie richten. Was muss Timotheus daraus lernen? Vers 19: Jeder, der den Namen des Christus nennt, wende sich ab von der Ungerechtigkeit. Da sind die Irrlehrer und ihre Schwätzereien gemeint. Timotheus hat nichts mit ihnen zu tun. Gott wird sie richten.
Meide nichtige Schwätzereien.
Bei uns zu Hause gibt es viele unterschiedliche Gefäße, und ich möchte, dass wir uns gemeinsam zwei davon vorstellen. Ich wollte sie nicht in dem Koffer mitbringen, das wäre dann zu schwer gewesen, aber zwei Gefäße: eins ist ein Weinglas, eins ist ein Töpfchen. Eins gehört auf den Esstisch, eins gehört auf den Boden. Eins gehört vielleicht ins Wohnzimmer, eins gehört ins Badezimmer. Aus einem trinkt man. Na, das könnt ihr selbst zusammenreimen.
Und das ist das Bild hier in Vers 20: Goldene und silberne Gefäße sind für Mahlzeiten, hölzerne und irdene Gefäße für Klozeiten. Vers 21: Wenn nun jemand sich von solchen reinigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und dem Hausherrn nützlich, zu jedem guten Werk zubereitet.
Wie soll Timotheus für Gottes Gemeinde kämpfen, als Soldat Jesu? Meide ungerechte Irrlehrer. Oder im Bild hier von Vers 20 und Vers 21: Nimm deinen Kopf aus der Kloschüssel.
Paulus nennt Namen: Hymenäus, Philetus. Das waren wohl bekannte Persönlichkeiten, die Paulus nennt. Er dachte, dass es angebracht war, dass die Gemeinde wusste, wer genau hinter diesen Schwätzereien steht. Bekannte christliche Lehrer mit Einfluss und Charisma, viele hörten, was sie sagen. Doch was sind sie? Vers 21: Sie sind Gefäße zur Unehre. Vers 18: Sie sind von der Wahrheit abgeirrt. Sie sprechen immer noch vom Evangelium, aber ihr Evangelium ist nicht mehr Paulus’ Evangelium. Es ist nicht mehr das Evangelium der Verheißung des Lebens. Es ist nicht mehr das Evangelium, wo Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um dem Tod die Macht zu nehmen und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht zu bringen.
Am gefährlichsten sind immer die Irrlehrer gewesen, die einst die Wahrheit bekannt haben: Autoren, Prediger, Podcaster mit evangelikalen Wurzeln und einem bibeltreuen Ruf, die sich jetzt aber davon abgeirrt haben. Ihre Worte fressen wie ein Krebsgeschwür um sich.
Und als die Gemeinde in Ephesus quasi über Timotheus’ Schulter diesen Brief mitbekommen hat, mitgehört hat, da müssen sie sich dann wohl gefragt haben: Wen höre ich eigentlich zu? Wer prägt mein Herz? Teilt diese Person das Wort recht?
Das sind gute Fragen für uns. Wenn die Leute, denen wir zuhören, das Wort Gottes nicht recht teilen, dann führen sie uns nicht in die Frömmigkeit und Gottesfurcht, sondern nur in die Gottlosigkeit. Sie tun uns nichts Gutes, sie verunreinigen uns. Und vielleicht müssen einige von uns hier hören: Nimm deinen Kopf aus der Kloschüssel.
Reinige, sagt Paulus, reinige dich von deren Ungerechtigkeit, und dann bist du geheiligt, dann bist du dem Hausherrn nützlich, dann kannst du als treuer Soldat weiterkämpfen.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob jemand vertrauenswürdig ist, frag deinen Pastor, frag jemanden, von dem du weißt, dass er oder sie das Wort recht teilt. Gott hat uns nicht allein gelassen in Jesus, er hat uns zusammen in Jesus gesetzt, zusammen in Ortsgemeinden, damit wir uns umeinander kümmern. Meide nicht die Schwätzereien, halte sie fern von deinen Ohren, denn Gott hat etwas viel Besseres für deine Ohren, etwas viel Besseres. Gott hat sein heiliges Wort für deine Ohren, sein Wort, das uns nur Gutes tut. Es fördert nur die Gottesfurcht in uns. Es fördert unsere Heiligung, es stärkt unseren Glauben.
In diesem Wort spricht der Herr zu uns, und er setzt uns auf den festen Boden des Herrn Jesus Christus. Er sagt uns: Ich habe meinen Sohn in die Welt gesandt, um Sünder zu retten. Er ist am Kreuz gestorben, um dem Tod die Macht zu nehmen. Er ist auferstanden als König aller Könige. Er hat für dich Licht und Leben und Unvergänglichkeit gebracht. Er ist voller Gnade für dich. Er bringt Rettung mit ewiger Herrlichkeit zu allen Auserwählten Gottes, so dass, wenn du Jesus Christus vertraust, er dir beistehen wird. Er wird dich in seinem Dienst stärken, dich aus dem Rachen des Löwen befreien, von jedem boshaften Werk erlösen und dich in sein himmlisches Reich setzen. Und dann wird er auf deinen Kopf eine Krone der Gerechtigkeit setzen.
Gott will, dass unsere Ohren und unsere Herzen von seinem Sohn erfüllt werden durch sein heiliges Wort. Meide nichtige Schwätzereien, meide die, die sagen, es gibt eine Krone jetzt und kein Kreuz. Denn Paulus hat das so häufig betont, nicht wahr? Das haben wir schon gehört in den vorherigen Predigten. Ein guter Soldat Jesu Christi wird leiden, 2, Vers 3: Du nun erdulde die Widrigkeiten als ein guter Streiter Jesu Christi.
Aber dann, Vers 19, dieses wunderbare Wort des Zuspruchs mitten in diesen Widrigkeiten, mitten in der Gemeinde, wo es Betrüger gibt, wo es Menschen mit einem äußeren Schein der Frömmigkeit gibt, die aber den Glauben von anderen umstürzen: Da in diesen Widrigkeiten bleibt der feste Grund Gottes bestehen und trägt dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.
Vertraust du Jesus, gehörst du ihm. Jesus kennt dich. Jesus hat dich erkauft und in seine Familie gesetzt. Jesus schaut nie von dir weg. Er bewahrt dich jetzt unter dem Kreuz und bringt dich zu der Krone danach. Er hält, was er dir versprochen hat, und genauso treu, wie er zu dir ist, ist er zu allen seinen Kindern.
Daher, Timotheus, teile das Wort recht, meide nicht die Schwätzereien.
Und zuletzt, Verse 22 bis 26: Befreie die Gefangenen, befreie die Gefangenen.
Diese nichtigen Schwätzereien sind nicht bloß Krebsgeschwür, sie sind auch wie Fallstricke, Fallen, die mit eisernen Zähnen zusammenbeißen und Gemeindemitglieder festhalten, nicht loslassen. Einige in der Gemeinde in Ephesus haben wohl gemeint, dass sie frei waren, weil sie der Lehre von Hymenäus und Philetus gefolgt sind. Und sie müssen erkennen, dass sie doch gefangen sind. Das zu tun, was mein sündiges Herz will, ist keine Freiheit.
Und mit Gottes Hilfe soll Timotheus sie befreien. Aber der Befreiungsansatz und Einsatz fängt nicht bei denen an, es fängt bei Timotheus an. Habt ihr das gesehen? Schaut auf Vers 22 mit mir: So fliehe nun die Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe und dem Frieden nach, zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen.
Häufig, wenn wir an Jugendsünden denken, denken wir an sexuelle Unzucht. Aber die Jugendsünden, von denen Paulus hier spricht, sind vielmehr Streitsüchtigkeit, Selbstgerechtigkeit, liebloses Rechthaben. Solche Jugendsünden muss Timotheus fliehen. Er muss sehen: Sie sind keine Haustiere, die man ruhig mal füttern darf, sie sind Löwen. Was macht man mit Löwen? Man läuft weg, das wüsste der schon. Fliehe sie.
Wieso? Weil Timotheus Diener des Herrn ist, und er muss als Diener des Herrn wie sein dienender Herr sein. Wie ist der Herr Jesus mit uns, mit dir? Er ist nicht streitsüchtig, er ist nicht selbstgerecht, er ist nicht lieblos, sondern der Herr Jesus ist sanftmütig, gnädig, geduldig.
Also sagt Paulus: Timotheus, steig nicht in jede Streitfrage ein. Wie Kenneth vorhin gesagt hat: Sei der Typ, bei dem Streiten eher aufhört als in Flammen aufbricht. Fliehe deine Jugendsünden und verbringe ganz konkret deine Zeit mit Glaubensgeschwistern, die Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden nachjagen und den Herrn aus reinem Herzen anrufen. Tu das, und dann kümmere dich um die Gefangenen.
Vers 23: Törichte und unverständliche Streitfragen aber weise zurück, da du weißt, dass sie nur Streit erzeugen. Einige Gespräche in unseren Gemeinden sind wohl nur dazu da, dass irgendjemand außer Jesus das letzte Wort haben kann, dass ich recht haben kann, dass ich das Streitgespräch gewinne. Solche Gespräche sind töricht, unverständlich. Timotheus, halt dich daraus, weise sie zurück.
Paulus redet hier in erster Linie von Gesprächen in der Gemeinde. Die Frage, die uns wohl dann sofort auftaucht: Aber was ist mit online öffentlicher Zurechtweisung? Hat seinen Platz, aber vielleicht, vielleicht, vielleicht müssen bei so vielen von uns hier auch einige von uns darüber nachdenken, die Finger weg von der Tastatur zu lassen. Wo bringst du mehr Zeit, wo bringst du dich mehr ein? Hat Alex uns gestern gefragt: online oder in deiner Ortsgemeinde?
Fliehe deine Jugendsünden, jage Frieden zusammen mit allen nach, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen.
Und wenn Timotheus denn zu den Gemeindemitgliedern kommt, die in diesen Fallen stecken, wie soll er mit ihnen reden? Ha, du schon wieder, genau wie ich es erwartet habe. Typisch, oder? Du lernst wohl nie.
Krass, nein! Vers 24: Ein Knecht des Herrn soll aber nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten.
Ein Freund von mir pflegt zu sagen, dass er, wenn er Gemeindemitgliedern oder Menschen widersprechen muss, weil sie sich dem Evangelium widersetzen, zwei Ziele hat: Erstens, dass bis zum Ende des Gesprächs sein Gesprächspartner weiß, dass mein Freund denkt: Du hältst dich nicht an dem Muster der gesunden Worte, du liegst falsch. Und zweitens, dass der Gesprächspartner weiß: Ich habe dich lieb, ich liebe dich.
Und das ist die Einstellung von Vers 24, nicht wahr? Das ist der Charakter unseres Herrn. Wissen die Leute, die wir lehren wollen, die in Fallstricken festgefangen sind, wissen sie, dass wir sie lieben? Können sie es uns abschmecken? Unser Charakter ist genauso wichtig wie unsere Überzeugung.
Wir sind Streiter Jesu Christi, Jesu Soldaten. Wir sind nutzlose Streiter, wenn wir für Jesu Wahrheit stehen, aber nicht für seine Liebe. Oder wenn wir für seine Liebe stehen und nicht seine Wahrheit. Jeder Mensch, dem wir begegnen, der gerade in Satans Fallstricken gefangen ist, ist ein Mensch, zu dem der Herr Jesus uns führt, damit dieser Mensch Gottes Wort hören kann und Gottes Liebe durch uns erfährt.
Ich bin auch versucht, in Streitfragen einzusteigen. Ohne davor bei mir selbst zu schauen, ohne davor erneut in mein Herz zu schauen und von Selbstgerechtigkeit und Jugendsünden zu fliehen, ohne davor Glauben, Liebe, Frieden und Gerechtigkeit mit meinen Geschwistern nachzujagen, bin ich auch versucht, in Streitfragen einzusteigen, ohne davor zu beten: Herr Jesus, bitte hilf mir jetzt, deine Wahrheit und deine Liebe zu verkörpern, so dass der Mensch, mit dem ich gleich rede, dich besser kennenlernt.
Ein Knecht des Herrn muss milde gegen jedermann sein, denn so ist Jesus. Jesus ist sanftmütig und mild im Herzen, auch mit seinen Feinden. Ich staune immer wieder in einem Evangelium, wo steht, dass, als Judas zu Jesus kommt, im Garten Gethsemane Jesus sich von Judas küssen lässt. Was für eine Selbstbeherrschung, was für eine Sanftmut, was für eine Milde von unserem Retter.
Und wenn wir falsch liegen, macht Jesus uns nicht klein, er beschämt uns nicht, er lacht uns nicht aus. Er weist uns freundlich, geduldig, sanft zurecht. Er bleibt treu.
Paulus sagt Timotheus: Befreie die Gefangenen. Weise die Widerspenstigen mit Sanftmut zurück. Es ist nicht dein Ziel, Timotheus, Menschen zu beschämen oder Argumente zu gewinnen. Du sollst Menschen befreien mit Gottes Hilfe, so dass du dann mit ihnen danach aus reinem Herzen den Herrn anrufen kannst.
Liebe und Wahrheit zusammen, das müssen wir lernen zu verkörpern. Denn wo sonst wird die Generation nach uns das lernen? Von den Kulturkämpfen bei YouTube? Von unseren Politikern? Nie im Leben.
Ich habe mal einen Prediger gehört, der von einem Gebet gesprochen hat, das mich gefesselt hat. Er hat gesagt, er betet, dass die Generation, die nach ihm kommt, fester in Gottes Wort steht und freundlicher Gottes Liebe ausstrahlt, als er und seine Generation es bis dahin schaffen konnten. Das ist ein gutes Gebet, oder? Dass die Leute, die der Herr nach uns beruft, noch fester in Gottes Wort stehen, als wir es geschafft haben, und noch freundlicher und sanftmütiger seine Liebe ausstrahlen, als wir es geschafft haben.
Geistlicher Krieg tobt in unseren Gemeinden. Der Teufel hält Menschen in seinen Lügen gefangen, aber Gott befreit Gefangene. Verse 25 und 26: Wir weisen zurecht im Gebet, dass Gott noch Buße zur Erkenntnis der Wahrheit geben möchte, damit sie wieder nüchtern werden, aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen.
Es hängt alles von Gott und seiner Gnade ab. Es hängt nicht von uns ab, und das ist so gut, weil Gott so viel gnädiger ist, als wir sind.
Aber Timotheus, gib die Gemeinde nicht auf. Timotheus, fass Mut. Timotheus, Gott setzt Gefangene frei, und er gebraucht dich dafür. Timotheus, teil das Wort weiter, meide die nichtigen Schwätzereien und teile das Wort recht. Denn wenn du das tust, wird Gott durch dich reden und Gefangene befreien. Und Gott macht das heute noch. Und er wird es machen bis zu dem Tag, wo der Herr Jesus zurückkommt und wir alles bekommen, was er uns verheißen hat.
Wie sollen wir kämpfen? Teile das Wort recht, meide die Schwätzereien und dann befreie die Gefangenen.
Ein abschließendes Gebet
Lasst uns beten!
Himmlischer Vater, wir danken dir für die Gnade, die in Christus Jesus ist und die uns stärkt, damit wir dir als deine Streiter, deine Soldaten, dienen.
Vater, wir bitten dich, dass wir so dienen und so für deine Gemeinde kämpfen, wie es dir gefällt und wie es den Charakter unseres lieben Heilands widerspiegelt. Gib uns Gnade, damit deine Gemeinde dir zur Ehre lebt, jetzt in unserer Generation und in den Generationen nach uns.
Und Herr, wir beten auch darum, dass die Menschen, die du nach uns berufen wirst, noch fester in deinem Wort stehen, als wir es bisher geschafft haben, und dass sie deine Liebe noch freundlicher ausstrahlen, dir zur Ehre.
In Jesu Namen beten wir.

