Bibel - Hilfe zum Leben
20.02.2001
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Einleitung und Grundgedanke
Herr Präsident! Ich hoffe, Sie finden es nicht ungebührlich, dass ich jetzt die Frage stelle, was eigentlich das Gemeinsame zwischen einem Kochbuch und der Bibel ist. Denn ich wollte hier gern die These erläutern und vertreten, dass ein Kochbuch unendlich viel gemeinsam hat mit der Bibel, nicht nur ein Kochbuch, auch ein Telefonbuch.
Ich weiß es nicht, es gibt ja so ganz merkwürdige Leute, die lesen abends im Bett zum Einschlafen das Telefonbuch. Das finde ich besonders vorbildlich, weil es natürlich zeigt, dass sie ein hohes Interesse am Menschen haben, wenn man so von A bis Z die ganzen Namen der Stadt durchliest und so.
Aber im Ernst: Ich weiß, es reizt natürlich ein bisschen, solche Vergleiche überhaupt anzustellen, weil jeder dann sagt, der halbwegs religiös sensibilisiert worden ist, irgendwo sagt: Die Bibel ist doch kein Kochbuch, sie ist doch nicht voller Rezepte, so dass man da einfach ein Rezept rausnimmt und dann macht man das so schon. Und ich weiß, natürlich.
Aber am entscheidenden Punkt ist eben doch: Es ist viel eher ein Kochbuch und Telefonbuch als Winnetou 1 oder Goethes Faust. Ich meine, Goethes Faust bildet sehr, was man von Winnetou 1 nicht unbedingt sagen kann, aber wir Älteren, die wir das alle gelesen haben, als es noch kein Internet gab und so, und als man noch nicht Teletubbies hatte und so, dann musste man ja alles selber machen, sich selber vorstellen. Also haben wir alle Rotz und Wasser geheult bei Winnetou 3, als er gestorben ist, und so weiter. Das ist alles ganz schrecklich. Ich meine, die Älteren kennen das. Wir sind ja viel älter, da darf man ja auch mal so ein bisschen Nostalgie machen. Heute weiß ja gar keiner mehr, was das ist, die denken, das wäre eine amerikanische Comicserie.
Aber gut, Bücher sind zur Unterhaltung da oder zur Bildung. Ja, und wenn man ein gutes Buch hat, dann fesselt einen das sehr und dann liest man es gerne. Und das verbindet man normalerweise mit Büchern. Deshalb muss man keinen Vorwurf machen, dass die meisten Menschen an die Bibel so herangehen und sie anfangen zu lesen und sie entweder interessant finden. Und da gibt es einige wenige, die finden die Bibel wirklich interessant als Buch, weil sie natürlich eines der größten Stücke Weltliteratur ist.
Aber wenn ich das richtig einschätze, ich will ja niemandem zu nahe treten, ist das doch nur eine verschwindende Minderheit von Bücherwürmern, von Leuten, die also mit Sprache etwas anfangen können oder vielleicht mit historischen Zusammenhängen etwas anfangen können, die aus diesem Grund von der Bibel fasziniert sind. Die meisten lesen das und sagen: Also ehrlich, das ist so schwierig und ist auch nicht besonders spannend. Und es kommt ja auch ein bisschen darauf an, wo man einsteigt.
Warum die Bibel oft sperrig wirkt
Ich entsinne mich, dass ich als Junge einmal, man hat ja immer so radikale Vorsätze, weil man die ganze Welt eben so kurz verändern will, dachte, das müsse bei mir anfangen. Ich wollte mich gründlich informieren, und dann habe ich also angefangen, die Bibel zu lesen und wollte sie wirklich durchlesen. Weil ich schon ahnte, dass das eine anstrengendere Sache werden würde, habe ich mich dabei ins Bett gelegt.
Das aber war mein Verhängnis, weil ich vorne auf der ersten Seite anfing. Und dann ging das ja auch alles ganz gut mit der Schöpfung, und da kam ich dann auch noch ganz gut zurecht. Aber als das dann weiterging: Kenan war siebzig Jahre alt und zeugte Mahalalel und lebte danach achtundvierzig Jahre und zeugte Söhne und Töchter, und sein ganzes Alter war neunhundertneunzehn Jahre und er starb; Mahalalel war fünfundsechzig Jahre alt und zeugte Jered und lebte danach achtunddreißig Jahre und zeugte Söhne und Töchter, sein ganzes Alter war achthundertneunundneunzig Jahre und er starb; Jered war irgendwo da muss sie eingeschlafen sein, denn man kann ja Pech haben.
Es ist keine Unehre, wenn ich sage: Es ist wirklich nicht das spannendste Stück Literatur, das man in dieser Welt greifen kann. Und jede Zeitung, wenn ich müde bin, merkwürdigerweise, ich bekenne das, vielleicht ist das jetzt der Zusammenbruch eines Mythos für Sie, dann müssen Sie das auch ertragen, also wenn ich müde bin, dann kann ich jede Tageszeitung, jede flache Zeitung noch eben lesen. Aber wenn ich die Bibel lese, dann strengt mich das an, das fällt mir schwer.
Es ist eben doch nicht so leicht und auch nicht so unterhaltsam. Agatha Christie war spannender, ehrlich, oder Pater Braun, oder was man da so greifen kann. Es gibt Heißeres.
Das Prinzip des Anwendens
Aber deshalb sage ich: Das ist doch eher wie mit dem Kochbuch und dem Telefonbuch.
Ein Kochbuch ist natürlich wirklich auch nur für Exoten spannend. Vielleicht gibt es so verrückte Leute, die lesen ein Kochbuch, schauen sich an, was da alles hineingehört, die Grammzahl und das Zeug, und rühren es geistig zusammen. Dann schieben sie es in den Ofen, klappen das Buch zu, und dann sind sie satt. Aber bei den meisten funktioniert das nicht.
Eigentlich ist das Kochbuch auch nicht dazu da, dass man es liest und dabei tiefe Gefühle hat, dass einem beim Lesen die Magensäfte laufen und man dann Feierabend macht und sagt: Das war’s, es hat mich sehr erbaut, es hat mir viel gegeben. Heißt das dann so? Nichts hat es mir gegeben, ich bin hungrig.
Das Ganze ist anders angelegt: Man liest es, nimmt die Sachen wirklich, kocht sie, bringt sie auf den Tisch und isst sie. Dann hat man das Buch schon zugeklappt, und dann lebt man von dem, was man gekocht hat. Und das ist das Leben.
So ist es beim Telefonbuch. Ich meine, ein Telefonbuch ist auch nur für besonders begabte Leute an sich interessante Unterhaltungsliteratur.
Aber ich werde jeden Montagmorgen nie vergessen, als ich vor Jahren in Essen, als wir jung verheiratet waren, morgens aus dem Haus zu einer Veranstaltung und Konferenz war, mich von meiner Frau mit einem Kuss verabschiedete und merkte, dass sie sonst eigentlich nicht so grün und gelb aussieht, wie sie aussah. Da sagte ich: Irgendwas ist doch mit dir. Und während ich das noch fragte, klappte sie mir einfach so zusammen.
Ich legte sie auf die Couch und rannte dann zum Telefon, holte das Telefonbuch und suchte die Nummer des Arztes. Ich wusste, da konnte etwas Gynäkologisches unterwegs sein, etwas Schwieriges. Und ich bekam ihn auch dran. Diese Nummer war die absolut rettende Nummer.
Innerhalb von, ich weiß nicht, 40 Minuten, glaube ich, war meine Frau auf dem Operationstisch mit einer lebensbedrohlichen Eileiterschwangerschaft. Und es ging gerade noch gut.
In dem Augenblick hätte ich weder Goethes Faust noch Agatha Christie gebraucht, noch irgendein anderes Unterhaltungsbuch. Sondern das Einzige, was ich brauchte, war ein stinklangweiliges Telefonbuch, das mir die Auskunft gab über die einzige Nummer, die ich jetzt wirklich brauchte, nämlich die des Arztes, der mir sagen konnte, was passieren musste, damit meine Frau nicht stirbt.
So, das ist das spannendste Buch, das es überhaupt gibt: das Telefonbuch, weil es mir den lebensrettenden Kontakt verschaffte.
Das haben diese Lebensbücher so an sich. Sie sind an sich nicht besonders spannend. Aber wenn man das, was drin ist, anwendet, dann wird daraus Leben. Dann wird es gerettet, dann wird es gestaltet, dann wird es ernährt.
Von der Information zur Lebenspraxis
Nehmen Sie ein Kursbuch. Das ist ja auch so etwas: lauter kleingedrucktes Gewimmel, das flimmert. Und gut, auch da gibt es Leute, die finden es schön, einmal herauszusuchen, wie das wäre, wenn sie von hier nach da und dort umsteigen und wann sie da ankämen. Und zum Schluss sind sie tief befriedigt, dass sie virtuell alle Reisen im Kursbuch gemacht haben.
Aber man kommt nirgendwohin ans Ziel, nur wenn man sich nach dem Kursbuch die Verbindung heraussucht, eine Fahrkarte kauft und wirklich in die Züge einsteigt und so fährt. Also das Anwenden ist entscheidend.
Jetzt nehmen Sie mir bitte nicht krumm, dass ich diese Vergleiche mache. Ich finde sie wirklich treffend. Diese Bibel ist nach meiner Kenntnis, nach meiner Überzeugung, wenn es bei Ihnen anders ist, habe ich überhaupt nichts dagegen. Wenn Sie das für die spannendste Unterhaltungsliteratur halten, dann finde ich es nicht so und bin dann bei denen, die das auch so empfinden.
Für mich ist die Bibel das Buch der Lebenskontakte Nummer eins. Es ist ein wirkliches Gebrauchsbuch. Es ist ein wirkliches Buch, das einem zeigt, wie man ans Ziel kommt, was man zum Leben braucht und wie man weiterkommt. Deshalb ist natürlich auch beim Bibellesen der entscheidende Punkt das Anwenden.
Es ist schön, wenn Sie die Bibel lesen und dabei tiefe Erfahrungen machen und bereichernde Gefühle haben und Sie das sehr, sehr anregt. Das wünsche ich Ihnen auch. Ich finde, so schöne Erfahrungen sind immer besser, als wenn man nichts empfindet. Nur: Das ist überhaupt nicht wichtig. Ob Sie dabei das Prickeln spüren oder nicht spüren, ist völlig nebensächlich. Das gehört ins Unterhaltungsprogramm, und das hat man mal und hat man mal nicht.
Das Wesentliche an der Bibel ist, dass Sie das, was Sie lesen, tun.
Die Bergpredigt als Prüfstein
So hat Jesus das am Schluss seiner Regierungserklärung gesagt, Herr Bergpredigt: Wer diese meine Rede hört und tut sie, den vergleiche ich mit einem klugen Mann, der sein Haus, sein Lebenshaus, auf Fels baut, auf ein Felsenfundament baut. Er sagt: Wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem dummen Mann, der sein Haus auf Sand baut.
Das heißt: Der entscheidende Punkt ist nicht, was ich dazu meine, ob ich mich daran aufrege, ob ich das verstanden habe, ob ich schon alles verstanden habe oder ob ich noch nichts verstanden habe. Das Entscheidende ist, dass ich das, was ich verstanden habe, tue. Sonst bringt es überhaupt nichts und ist, ehrlich gesagt, langweilig. Oder es wird mit der Zeit langweilig.
Wenn Ihnen das alles fremd ist, ist es sehr erstaunlich, wenn Sie die Bibel lesen, wie viel da drinsteht, von dem man nie geglaubt hätte, dass es drinsteht. Und von dem man denkt: Neulich habe ich jemandem erzählt, er habe zitiert, was in der Bibel steht: Du tue Recht und scheue niemand und so. Da habe ich gesagt: Können Sie mir einmal die Stelle zeigen?
Also: Wenn man die Bibel liest, dann staunt man ja oft, was da alles nicht drinsteht, von dem man immer gedacht hat, es stünde da drin. Allein aus informatorischen Gründen kann das schon eine Überraschung sein, und das ist spannend. Nur ist das klar: Wenn man das mit der Zeit ein bisschen besser kennt, reduzieren sich auch diese Überraschungen. Man kennt das dann ein bisschen mehr.
Und trotzdem sage ich Ihnen: Sie kommt einem quer, und sie steht ziemlich struppig im Gelände. Auch in Sachen Information ist sie immer wieder eine Überraschung wert. Nur das ist nicht das Entscheidende. Das Spannende, und zwar spannender als ein Krimi, wird die Bibel, wenn man sie tut.
Das Risiko des Gehorsams
Ich sage bewusst: spannender als ein Krimi. Warum? In jedem Krimifilm haben am Schluss alle Erschossenen, also die Opfer der Mörder, noch ihre Gagen in Empfang genommen. Was will uns das sagen? Das heißt: Das Blut, das da so heftig floss, war alles nur Lebensmittelfarbe.
Und wenn einem das zu spannend ist, dann nimmt man entweder ein Kissen vor den Kopf oder man sagt sich: Das ist ja gar nicht so, das haben die ja nur so gestellt. Insofern kann man jeden Krimi entschärfen.
Nur wenn man das Leben wirklich lebt und das Wort „Du sollst deine Feinde lieben“ anwendet oder schlicht den Satz „Du sollst nicht Verleumdung reden, du sollst nicht unehrlich reden“, dann kann einem heiß werden. Denn in ganz bestimmten Situationen weiß man nicht, wie es ausgeht. Das hat hohes Risiko. Und es ist nicht nur gestellt für einen Film, sondern es ist echtes Leben, durch das man selbst durch muss. Und es kann das Leben kosten. Es ist ein hohes Risiko darin.
Stimmt das, was er sagt? Was ist, wenn ich meinem Feind offen begegne? Nutzt er das aus? Macht er mich fertig? Kann ich das? Was ist das, wenn ich ehrlich lebe?
Das war der kritische Punkt in meinem Leben, als ich als Junge zum Glauben kam. Ich bin tausend Tode gestorben, weil ich dachte: Das geht überhaupt nicht. Wenn ich ehrlich werde, dann fliegt der ganze Laden auseinander. Man hat so ein Netzwerk von Lügen aufgebaut, abgesehen davon, dass man furchtbar vor den anderen blamiert dasteht. Aber auch die Konsequenzen davon, dass man da die geklauten Sachen und so weiter offenlegen muss, wer weiß, wie das dann geht.
Und je älter man wird, desto größer wird das Risiko. Mancher hat sein Lebenswerk beruflich und privat auf Betrügereien aufgebaut. Kann ich wagen, zur Bank zu gehen?
Wahrheit im Alltag
Dann war es wie bei einem Abend, an dem wir über das Evangelium sprachen. In einer Gesprächsrunde sagte plötzlich ein Mann um die vierzig: Ich weiß, was ich zu tun habe. Ich werde meiner Bank einen Brief schreiben und sagen, dass ich das Darlehen für den Bau meines Hauses aufgrund betrügerischer Angaben bekommen habe.
Da wurde es plötzlich sehr still in der Runde. Vorher war heftig diskutiert worden, ob das alles so geht, wie das alles wahr ist und so weiter. Doch dieser Mann hatte begriffen: Ich werde die Wahrheit doch nicht erkennen können, wenn ich der Wahrheit in meinem Leben nicht Raum gebe. Ich kann doch nicht im Kopf die Wahrheit über Gott erkennen und zugleich wie ein Lügner und Betrüger leben.
Aber das wurde spannender als ein Krimi. Das ist wahrscheinlich der kritischste Punkt, denn das ist doch das Problem der Bibel. Das Problem der Bibel ist nicht, dass sie unverständlich ist. Das Problem der Bibel ist, dass man zu viel versteht, wenn man sie liest.
Ich muss ja nicht das tun, was ich nicht verstanden habe. Alles aber, was ich verstehe, das muss ich tun. Und das ist das Problem: Wenn Sie die Bibel lesen, verstehen Sie immer mehr, als Sie an einem Tag in die Praxis umsetzen können. Das ist das Problem mit der Bibel.
Wenn Sie warten wollen, bis Sie den ersten Schritt der Verwirklichung tun, bis Sie alles verstanden haben, dann wird aus Ihrem Leben nichts. Und mit der Bibel werden Sie nirgendwo hinkommen. Sie werden überhaupt zu keinen Klärungen in Ihrer Existenz kommen.
Die Schrift als öffnendes Zeugnis
Es ist immer nach diesem Satz: Der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann, der ja sehr wohl wusste, wovon er redete, wenn er von der Bibel sprach, weil er Atheist gewesen war und nicht sozusagen traditionell mit der Bibel lebte, war bewusst dagegen und kam dann über Freunde, über einen Essener Pfarrer, zum Glauben an Christus. Er war ein Mann, der mit der Bibel zu jeder Zeit seines Lebens Bibelkreise hatte und andere einlud, die Bibel zu lesen.
Das hat die Leute immer gewundert, weil er natürlich ein brillanter Intellektueller war, einer der hochkarätigsten Juristen, die die Republik je gehabt hat. Und eine kritische Journalistin fragte ihn einmal, wie man denn als moderner Mensch die Bibel lesen könne. Da hat er in knapper Art gesagt: Jeder, der die Bibel liest, wird etwas verstehen. Und wenn er es tut, wird weiteres hell. So ist das. Und wenn man es nicht tut, wird nichts weiteres hell, und es wird überhaupt nichts aus dem Leben. Und das ist das Problem der Bibel.
Deshalb verstehe ich, dass ganz viele Leute die Bibel sorgfältig zuhalten, weil sie ahnen, es könnte im Leben ausarten, wenn man sie liest. Es könnte Folgerungen haben. Ich weise sie ausdrücklich darauf hin: Dieser Vormittag könnte mit einigen Unbequemlichkeiten enden, wenn sie sich auf die Bibel einlassen. Das ist das eine.
Der Weg in die Begegnung mit Christus
Trotzdem sagen natürlich viele: Mit Grund. Es ist einfach doch ein altes Buch. Nur gut, das heißt, sagt man sich klar, viel heute ist ein besonderer Zugang dazu. Viele begreifen heute, dass trotz Internet und so die Weisheit dann doch auch gerade aus den alten Schriften kommt. Das ist nicht nur bei der Bibel so. Trotzdem ist es etwas schwer, der Zugang dahin, und manches ist ebenso sperrig.
Wer öffnet mir die Bibel? Wie bekomme ich Zugang zur Bibel? Nun, da will ich Ihnen am besten, anstatt das theoretisch zu erklären, lieber an einem Beispiel zeigen, an einem besonders typischen Beispiel von zwei fast im wörtlichsten Sinne hoffnungslosen Fällen. Leute, bei denen das schon immer sowieso automatisch so gut geht, das sind immer schlechte Beispiele, weil dann jeder sagt: Ja, das war einfach bei denen, bei den guten Voraussetzungen.
Deshalb nehme ich mal zwei hoffnungslose Fälle. Denn da konnte man gar nicht erwarten, dass das noch einmal klappen würde, und zeige Ihnen mal deren Geschichte mit der Bibel, mit dem Zugang zur Bibel und wie ihnen die Bibel geöffnet wurde.
Sie waren hoffnungslose Fälle im wörtlichsten Sinne. Die hoffnungslosesten Fälle sind ja die, die mal große Hoffnungen gehabt haben und diese Hoffnungen dann bitter enttäuscht wurden. Dann hofft man überhaupt nichts mehr, weil man sagt: Nochmal verbrenne ich mir die Finger nicht.
Und die hatten nun alles wirklich in ihrem Leben auf Jesus gesetzt und waren voller Begeisterung mit ihm gegangen. Sie hatten drei Jahre mit ihm gelebt und hatten bis zum Schluss gedacht, das wird die ganz große Sache werden. Und dann war alles durchkreuzt worden, und zwar im wörtlichsten Sinne durchkreuzt: Er wurde gekreuzigt.
Dann hatten sie alles weggeschmissen. Und dann kamen auch noch ein paar Frauen und sagten: Jesus ist auferstanden. Und dann haben sie gesagt: Siehst du, jetzt sehen sie schon Gespenster. Jetzt müsst ihr sehen, dass ihr hier wegkommt, sonst landet ihr in der Psychiatrie. Das ist ja so ein ungesundes religiöses Klima, da muss man ganz schnell eine Fliege machen.
Emmaus als Bild für das Verstehen der Schrift
Und so modern wie die Waren sagten sie: Wir müssen etwas Handwerkliches tun, damit man wieder einen klaren Kopf bekommt. Komm, lass uns ein paar Stunden Distanz gewinnen. Wir haben, ich kenne da jemanden, da werden wir irgendetwas Vernünftiges wieder machen, unserem Job nachgehen.
Und dann sind sie unterwegs von Jerusalem weg in ihren Ort, wo sie unterkommen können, nach Emmaus, so hieß es. Und unterwegs, als moderne Menschen, bearbeitet man ja seine eigenen Enttäuschungen und Frustrationen, indem man darüber redet. Das lernt man in jeder psychologischen Beratung, und das wussten die auch so.
Also reden sie unterwegs über all das, was sie in den letzten drei Jahren gemacht hatten. Das kommt ihnen vor wie ein Albtraum, dass das alles nicht wahr war, und diese ganzen Geschichten werden noch einmal durchgegangen. Und sie reden so heftig darüber, dass sie gar nicht merken, wie ihr Dritter so mit ihnen läuft und zuhört und sich plötzlich einmischt und sagt: Worüber redet ihr denn da?
Dann bleiben sie stehen, gucken ihn etwas erstaunt an und sagen: Wie, bist du der einzige, der hier nicht weiß, was in diesen Tagen in Jerusalem gelaufen ist? Dann sagt er: Was denn? Dann sagen sie: Jesus. Wir dachten, er würde Israel erlösen, aber sie haben ihn gekreuzigt. Das ist nun vorgestern gewesen. Es ist alles durchkreuzt und so weiter.
Totale Hoffnungslosigkeit. Sie bleiben stehen, sie blieben traurig stehen, heißt es da. Diese ganze Enttäuschung, dieser ganze Frust geht ihnen wie Blei in die Knochen und macht sie richtig auch körperlich bewegungsunfähig.
Und dann der Unbekannte, der sich dann später als der auferstandene Jesus zu erkennen gibt, aber sie erkennen ihn nicht, fängt an, mit ihnen sehr kritisch zu reden. Er kritisiert sie, er schimpft sie aus. Er sagt: Ihr Dummköpfe. Es steht wörtlich da: Ihr Dummköpfe, ihr habt verhärtete Herzen, Kardiosklerose haben die, steht da im Griechischen wörtlich. Ihr habt Kardiosklerose, sagt Jesus. Ihr seid zu träge, zu verhärtet, dem zu glauben, was Gott durch die Propheten angekündigt hat. Musste nicht der Messias dies erleiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?
Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift gemeint ist, im Alten Testament, dass in der ganzen Schrift von ihm, vom Messias, gesagt war.
Das Herz der biblischen Botschaft
Dann kommen sie also in die Nähe des Dorfes. Die Leute sind innerlich so berührt, und dann sagen sie: Es wäre dunkel, komm, bleib doch bei uns. Gastfreundschaft ist großgeschrieben. Er ziert sich erst, aber dann lässt er sich einladen und übernimmt die Gastgeberrolle. Er teilt ihnen das Brot, als sie da auf dem Boden sitzen und essen, um die Bastmatte, die den Tisch darstellt. Und dann erkennen sie Jesus. Und dann tritt er zurück aus der Sichtbarkeit in die unsichtbare Welt Gottes.
Und dann kommt der Satz, der mir so wichtig ist: Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg und uns die Schrift öffnete?
Das war der Punkt. Das Geheimnis der Bibel ist der auferstandene Jesus. Das Geheimnis ist nicht, dass sie einen Goldschnitt hat oder dass sie besonders alt ist und besondere Weisheit enthält. Das hat sie alles auch. Sondern das Geheimnis ist, dass, wenn ich die Bibel lese, ich nicht nur mit den Buchstaben der Druckerschwärze und auch nicht nur mit dem Inhalt des Textes allein zu tun habe. Sondern dass der auferstandene, lebendige Jesus selbst diese Bibel als sein Wort, als sein Instrument gebraucht. Er öffnet ihnen die Schrift.
Sie haben überhaupt nichts begriffen. Es war ihnen alles böhmische Dörfer, es war ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Sie verstanden die Bibel nicht, und sie verstanden Jesus nicht, und sie hatten nichts verstanden, obwohl sie drei Jahre mit ihm gelebt hatten. Und erst als Jesus selbst ihnen die Schrift öffnet, das heißt, er geht von Anfang bis Ende durch, Mose und die Propheten, und was erklärt er ihnen eigentlich, was tut er eigentlich, wie öffnet Jesus ihnen eigentlich die Schrift? Es heißt, er erklärt ihnen, dass der Messias, der König Gottes, der die Lösung schaffen soll, leiden musste.
Gottes Geschichte mit den Menschen
Ja, warum musste er das? Wie kann man das an der ganzen Bibel zeigen?
Er zeigt ihnen, dass das Problem, um das es geht, nämlich die Trennung zwischen Gott und Menschen, die Entfremdung, die Feindschaft, der Riss, der da ist, von unserer Seite nicht repariert werden kann. Denn es ist eine Beziehungssache. Gott muss beteiligt sein, und wir kommen nicht mehr dran.
Wir können machen, was wir wollen, auf unserer Seite. Wir können uns neu anziehen, wir können uns anständig benehmen, wir kommen nicht mehr drüber. Das Kernproblem liegt nicht mehr allein in uns. Wir können das nicht in uns lösen, sondern wir müssen rüber. Wir müssen Kontakt zu Gott finden, der ist aber abgerissen. Wir können es nicht machen. Nur Gott selbst kann es machen.
Dann zeigt er, dass die ganze Geschichte von der Schöpfung an eine einzige Bewegung Gottes ist. Dass er zu uns will. Dass er hinein will in diese Welt. Dass er Menschen zum Gegenüber schafft. Dass er seine Boten schickt. Dass er sich Menschen erwählt als seine Werkzeuge. Dass er handelt. Dass er Israel herausführt aus der Sklaverei, sein Volk schafft, dass er mit ihm durch die Geschichte geht.
Sie laufen ihm weg, sie bauen Mist, sie machen alles kaputt. Sie horchen auf alle Stimmen, nur nicht auf Gottes Stimme. Sie sind jedem gehorsam, nur Gott nicht gehorsam, und zerbrechen das Leben und alle Lebenschancen. Und Gott bleibt ihnen, bleibt dran. Er wendet sich zu, er schenkt neue und neue und neue Möglichkeiten.
Und immer wieder passiert es, dass sein Wort, wenn es kommt, unter die Räder kommt. Dass die Gestalt der Propheten unter die Räder kommt. Dass darauf gespuckt wird, dass es zertreten wird, dass es verachtet wird. Er gibt ihnen die Heilige Schrift, sie vergraben sie, sie vergessen sie. Er gibt ihnen seine Lebensgebote, sie richten sich danach, sie wissen es immer besser.
Wir wissen immer besser, wie wir es bis heute immer besser wissen, wie wir glücklich werden. Das war von Anfang an die Geschichte. Dann zeigte er die Geschichte Gottes in dieser Welt, seines Redens, seines Handelns, immer wieder, dass es unter die Räder kam, dass es zertreten wurde. Und Gott gibt in seiner Liebe nicht auf.
Kreuz und Auferstehung als Mitte
Und die Spitzenleistung der Liebe Gottes ist die, dass er in der Schlüsselfigur kommt. Er selbst kommt im Messias, Jesus, und er musste in dieses Leiden gehen. Er musste unter die Lasten gehen.
Gott kommt, um das Problem zu lösen, um die Kluft zu überbrücken, um die Schuld wegzutragen. Und deshalb geht er unter die Lasten, um sie wegzutragen. Er trägt und er trägt und er trägt sie weg. Und so kommt er zum Ziel, das heißt Herrlichkeit.
So bestätigt Gott Jesus, indem er ihn auferweckt von den Toten. So wird er zum Sieger. Der Gekreuzigte wird die Schlüsselfigur. Plötzlich strahlt über diesem furchtbaren Kreuz, über diesem Ende alles denkbaren Lebens, das Licht. Und: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab. So sehr, dass wir deutlich sehen: Als Gott ihn auferweckt, sagt er, er ist es.
Die beiden hatten ja drei Jahre mit Jesus gelebt und hatten das alles miterlebt. Aber zum Schluss am Kreuz, da dachten sie nicht: Wunderbar, er stirbt so herrlich konsequent. Es ist ja ganz traurig, aber es ist so konsequent, wie er gelehrt hat. Wir gründen jetzt die Religion des Christentums, die Religion der Nächstenliebe, mit dem Religionsstifter, der so konsequent gelebt hat und bis ins Sterben hinein zu seiner Lehre gestanden hat.
Das ist alles Quatsch! Niemand hat das gesagt von den Freunden. Sie haben gesagt: Er ist widerlegt! Er hat gesagt, in ihm sei Gott da und er sei der Herr der Welt und er könne es schaffen. Und jetzt ist Tod und Aus. Und wer sich selbst nicht helfen kann, kann anderen nicht helfen.
Da sind sie alle weggelaufen, alle, alle, alle, ohne Ausnahme. Niemand hat gedacht, da könnte man noch was draus machen. Alle fanden: Jesus ist widerlegt, unsere ganze Hoffnung ist vergeblich, unser ganzer Glaube ist im Eimer.
Und erst, als ihnen der Auferstandene begegnet und sie spüren, dass es überhaupt kein Schlusspunkt ist, dass Gott sein Beglaubigungssiegel darunter gesetzt hat, erkennen sie: Dieser Jesus ist die Schlüsselfigur. Er ist Gott selbst. In ihm lernen wir ihn kennen.
Altes und Neues Testament gehören zusammen
Und als sie Jesus begegnen und er ihnen die Schrift öffnet, merken sie, dass beides hier zusammengehört: die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und das Lesen der Bibel, und zwar des Alten Testaments.
Das ist immer so interessant. Leute sagen also: Wenn schon die Bibel ein schwieriges Buch ist, dann ist doch für uns wahrscheinlich das Neue Testament interessant. Da ist doch von der Liebe Gottes und von Jesus die Rede. Das Alte Testament dagegen, das sind dann die mit den schrecklichen blutrünstigen Geschichten.
So haben die Nazis schon gedacht. Das ist aber unausrottbar in Deutschland. Das Alte Testament ist das Buch des jüdischen Rachegottes, und mit diesen schrecklichen blutrünstigen Geschichten ein Gott der Gewalt. Das Neue Testament, das ist die Botschaft der erhabenen Liebe und des Friedens und so.
Das ist natürlich völliger Senf. Im Neuen Testament steht der Satz: Hier habe ich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Liebe. Im Neuen Testament steht der Satz: Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen, denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, was der Mensch sät, das wird er ernten. Das steht im Neuen Testament.
Das ist natürlich alles völliger Unsinn. Wer Gott kennenlernen will, braucht die ganze Bibel. Das sage ich jetzt mal den Christen unter uns. Wer das Alte Testament nicht kennt, kennt Jesus nicht. Er ist nicht zu verstehen ohne die ganze Bibel. Er ist nicht irgendeine Zufallsfigur der Geschichte, wo man das Neue Testament noch als Poesiealbum, als Sprüchesammlung dazunehmen kann fürs Leben, mit ein paar ermutigenden Sätzen.
Sondern es ist das Dokument der Gottesgeschichte. Da stellt sich Gott persönlich vor. Die ganze Bibel ist das Dokument der Selbstoffenbarung Gottes.
Gottes Selbstoffenbarung und der Bund
Von Anfang an lesen wir, dass Gott ein Gott ist, der Kontakt will. Das haben wir gestern schon erwähnt. Ich bin der Herr, ich bin Yahweh, dein Gott. Dein Gott: Das erste Gebot ist ja überhaupt kein Gebot, sondern eine Zusage, ein Geschenk. Ich bin Yahweh, der Gott, der sich mit Namen offenbart, weil er Kontakt sucht. Dein Gott – ich will zu dir gehören.
Er ist ein Gott, der Kontakt will. Und obwohl wir ihm die kalte Schulter zeigen, sucht er die Verbindung. Immer und immer wieder arbeitet er an der Versöhnung, am Schalom, an der Überbrückung dieser Entfremdung. Gott will Kontakt.
Und dann zeigt uns die Bibel auf brutale Weise, wie die Menschen diesen Kontakt zerstören. Da wird überhaupt nichts geschönt. Deshalb ist die Bibel natürlich nicht jugendfrei. Wer nette Geschichtchen haben will, die harmlos und wirklichkeitsfremd sind, der braucht die Bibel nicht. Bewahrt die Kinder vor der Bibel, sie zeigt ihnen die Wirklichkeit.
So schrecklich, wie sie sind: Das ist keine Schrecklichkeit der Weltgeschichte, die passiert, kommt nicht in der Bibel vor. Sie zeigt uns, wie mies wir Menschen sind, wie mies wir miteinander umgehen und mit Gott umgehen, und dass Gott ein heiliger Gott ist, der Gericht hält.
Es wird in der Bibel deutlich gemacht, wie wir den Kontakt zerstören. Und es wird in der Bibel immer wieder deutlich gemacht, entwickelt in der ganzen Geschichte, vor allem von der ersten bis zur letzten Seite, wie Gott seine ganze Majestät und Herrlichkeit investiert zu einem einzigen Ziel: Schalom, Friede.
Gott war in Christus und versöhnte die Welt, den Kosmos, heißt es da im Griechischen, mit sich selbst. Das ist das einzige Ziel, das Gott verfolgt. Er ist ein Gott, der sich selbst investiert in den Brückenbau, in die Versöhnungsarbeit mit uns Menschen und mit dieser Welt.
Deshalb ist im Zentrum dieser Bibel, es läuft darauf zu, die Person des Jesus Christus, in dem Gott Mensch wird, das Kreuz, das bestätigt wird durch die Auferweckung. Er ist das Koordinatenkreuz, der Mittelpunkt der Geschichte.
Gebote als Wegweisung zum Leben
Und dann zeigt uns die Bibel von Anfang bis zum Ende, wie dieser Kontakt gepflegt wird. Wenn ein Mensch das annimmt, wenn er sich mit Gott versöhnen lässt und Vergebung der Trennung und der Sünde empfängt, dann ist das ja ein Anfang.
Jetzt leben wir in diesem Bund, und zwar von Anfang bis Ende so, wie Gott mit Israel den Bund geschlossen hat. Da gibt er ihnen die Lebensregeln, damit das Leben im Bund gelingt. Das sind die Gebote. Er möchte uns ja diesen Bund schenken, damit wir das Leben darin entfalten, damit wir es genießen, damit das Leben darin blüht.
Und das ist wie bei jedem Konstrukteur: Die Konstrukteure wissen am besten, wie das, was sie konstruiert haben, funktioniert. Und deshalb gibt der Schöpfer Wegweisungen.
Lesen Sie mal den 119. Psalm, dann staunen Sie, wie dort der Beter vor lauter Freude von einem Bein aufs andere springt. Es ist eine Kostbarkeit, dass Gott uns im Durcheinander dieser Welt nicht allein lässt, sondern uns seine Wegweisung gibt. Seine Tora zeigt, wie Leben gelingt. In seinen Geboten setzt er uns die Schranken und sagt: Du sollst nicht. Wenn du da durchgehst, geht es in den Abgrund, und du ruinierst dich und die anderen.
„Tu das nicht“, „du sollst nicht“ und Gebote, aber auch positive Wegweisungen, damit das Leben gelingt: Die ganze Bibel ist eine einzige Beziehungsgeschichte, in der Gott sich persönlich vorstellt.
Schluss: Einladung zur Antwort
Wer öffnet mir die Bibel, den Zugang dazu? Zwei hoffnungslose Fälle erleben, wie Jesus, der Auferstandene, ihnen die Bibel öffnet. Das ist bis heute das Geheimnis des Zugangs zur Bibel, aber auch des Lebens mit der Bibel. Ich brauche die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, der mir die Bibel öffnet. Und indem ich die Bibel lese, darf ich darauf rechnen, dass ich ihm, dem auferstandenen Jesus, selbst begegne und er mir die Augen öffnet. Er zeigt mir, wie die Zusammenhänge sind, wer Gott ist und wer ich bin in Beziehung zu Gott. Er zeigt mir auch, wie mein Leben gelingen kann, versöhnt werden kann und warum ich es kaputt gemacht habe, was Gott eigentlich geschenkt hat, und wie es gelingen kann.
Übrigens: Im gleichen Kapitel Lukas 24, wo diese beiden hoffnungslosen Fälle plötzlich staunend sind, heißt es: Es brannte in uns Feuer in ihren Herzen. Sie merkten, da brennt etwas, das ist Feuer. Es wärmt, aber es ist auch verzehrend. Es ist ja immer zweierlei. Im gleichen Kapitel kommt dann noch eine Geschichte. Jesus, der Auferstandene, begegnet dann dem ganzen Kreis der Jünger, und da sagt er es noch einmal: Es muss erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen, so steht geschrieben, dass der Messias leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage und dass das verkündigt wird in seinem Namen, umzukehren zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.
Auch da passiert es im großen Jüngerkreis: Er öffnet ihnen das Verständnis, dass sie die Bibel verstehen. Das Geheimnis dieses Buches ist der lebendige Gott, der sich in Christus offenbart und der uns im auferstandenen Jesus persönlich begegnet. Ohne die Begegnung mit ihm bleibt die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln. Aber die einzige Quelle der Hinführung zu Jesus, der Information über Jesus, ist diese Bibel. Sodass das Miteinander zusammengehört. Wo man in diesen Kreis einsteigt, ist im Grunde ganz egal. Wer die Bibel aufschlägt, darf es in einer Haltung des Gebetes tun. Nicht nur, dass ich hier mit den Buchstaben jetzt interagiere sozusagen, sondern dass ich mich zu Gott wende und sage: Herr, ich lese dieses Wort in der Sehnsucht, dass du dich mir offenbarst. Es ist dein Wort. Öffne du mir die Schrift, öffne du mir mein Verständnis für deine Lebensgeschichte mit der Welt und mit mir.
Jetzt ist die Frage: Warum muss das eigentlich so schriftlich sein? So interessant zu sehen, wie die Bibel entstanden ist. Es sind ja sehr verschiedene Schriften über einen langen Zeitraum. Gott hat ganz, ganz viele verschiedene Weisen, wie er sein Wort durch Menschen uns vollgültig schenkt. Aber beim Propheten Jeremia, da dürfen wir einmal zuschauen, wie Bibel entsteht, wie geschriebene Bibel entsteht. Da heißt es im 36. Kapitel des Propheten Jeremia: Das Wort des Herrn geschah zu Jeremia. Das Wort Gottes ist nicht nur ein Klang, sondern es ist ein Ereignis. Es geschieht, wenn Gott redet. Spüren Sie in ihrem Gewissen, passiert etwas. Nimm eine Schriftrolle und schreibe darauf alle Worte, die ich zu dir geredet habe, über Israel, über Juda, über alle Völker, von der Zeit an, da ich zu dir geredet habe. Vielleicht wird das Haus Juda, wenn sie hören von all dem Unheil, das ich ihnen zu tun gedenke, sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Wege, damit ich ihnen ihre Schuld und Sünde vergeben kann.
Und dann sagt Jeremia seinem Sekretär Baruch, dass er all die Worte aufschreiben soll. Dann wird das wie damals auf eine Schriftrolle aufgeschrieben. Und dann geht Baruch in den Tempelhof und liest das, was Gott noch einmal schwarz auf weiß gegeben hat, öffentlich vor. Die Leute erschrecken, die Regierungsbeamten hören das, der König lässt es sich vorlesen, schneidet dann Stück für Stück diese Rolle ab und verbrennt sie im holzkohlenen Feuer in seinem Wintergarten. So kann man mit der Bibel umgehen. Man kann sie verbrennen, man kann sie in den Schrank stellen und unbeachtet lassen. Das geht alles.
Warum aber lässt Gott sein Wort aufschreiben? Wir sagen: Das gebe ich dir schriftlich. Wenn man etwas schriftlich gibt, heißt das, du sollst es ganz verbindlich haben. Es ist sozusagen notariell, es ist urkundlich, es hat Dokumentcharakter. Ich gebe es dir schriftlich. Und so gibt Gott noch einmal schriftlich, was er durch seinen Propheten schon gesagt hat. Er hat eine verzweifelte Sehnsucht seiner Liebe, die sich daran ausdrückt. Vielleicht heißt es ja: Wird das Haus Juda, wenn sie hören von all dem Unheil, das ich ihnen zu tun gedenke, weil Jeremia Gericht ankündigen musste, sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Wege, damit ich ihnen ihre Schuld und Sünde vergeben kann.
Das ist der Grund, warum Gott uns die Bibel gibt. Er möchte uns seine leidenschaftliche Liebe noch einmal schriftlich geben. Er möchte uns auch schwarz auf weiß geben, dass unser Leben im Gericht Gottes scheitern wird. Wenn wir gegen Gottes Willen und ohne Gott leben, werden wir im Gericht Gottes enden, ob uns das passt oder nicht. Schreib ihm das auf, vielleicht begreifen sie es ja. Er lässt ihnen das ja nicht sagen, um sie abzuschreiben, sondern um sie zu bitten, um zu sagen: Gegen Gott zu leben kann überhaupt nicht gelingen, wer gegen die Wirklichkeit lebt, zerbricht. Und dann hofft er, dass sie, indem er es schriftlich gibt, kapieren, dass es ernst gemeint ist, und sie aufhorchen und sich umkehren von ihrem bösen Weg, damit ich ihnen ihre Schuld und Sünde vergeben kann, sagt Gott.
Das ist der Sinn der Heiligen Schrift, dieses Dokumentes der Offenbarung Gottes: weil Gott es uns noch einmal schriftlich geben will. Er will es uns von außen sagen, gegen allen Zweifeln, da, wo wir ihm noch weglaufen. Natürlich auch denen, die mit ihm gehen, sagt er: Du sollst es wissen, von außen sollst du schwarz auf weiß haben, wie sehr ich dich liebe, dass ich zu dir stehe, dass ich für dich gestorben bin, dass es nicht abhängig von deinen wechselnden Gefühlen und von den schwankenden Ereignissen ist. Es ist dokumentiert, es ist Gewissheit, er spricht es uns zu, er gibt uns eine Urkunde in die Hand. So wie ein Kaufvertrag, so wie grundbuchliche Eintragung, auch mit seinen Geboten sagt er es so. Er gibt sie uns schwarz auf weiß, damit wir im Wirrwarr unserer Zeit, wo wir dauernd immer meinen, wir setzen die Maßstäbe, und die Maßstäbe, die ich selber setze, kann ich natürlich auch wieder verändern.
Alle sind für die Gebote Gottes, nur wenn man damit in Konflikt geraten ist, dann gilt gerade dieses Gebot für mich natürlich nicht. Natürlich sind alle im Prinzip dafür, dass man die Ehen nicht bricht, aber wenn ich fremdgehe und wenn unsere Beziehung auseinandergeht, dann heißt das so, die Ehe brechen, sondern das muss man verstehen, dass die Beziehungskiste so schwierig war, dass jeder es weiß, dass ich nicht in dieser Beziehung bleiben kann und dass ich natürlich ein Recht habe, auszubrechen und eine andere Beziehung einzugehen. Das heißt: In dem Augenblick, wo wir in Konflikt geraten mit den Geboten Gottes, da verschieben wir sie weg, und da sind sie plötzlich nicht mehr Maßstäbe für unser Verhalten. Und deshalb gibt Gott uns sie schwarz auf weiß. 2. Mose 20, 5. Mose 5 können Sie Gebote Gottes lesen. Matthäus 5 bis 7, die Bergpredigt, schwarz auf weiß, damit klar ist: Gott setzt die Maßstäbe. Ein Maßstab, der nicht bleibt, der nicht unabhängig von mir gültig ist, der ist überhaupt nichts wert, den kann ich mir gleich sparen. Denn Maßstäbe sind nur von Bedeutung, wenn ich sie auch ernst nehme, wenn ich in Schwierigkeiten mit ihnen komme. Denn sonst ist das Geschenk sowieso bedeutungslos. Es ist in jeder Weise eine Hilfe, dass Gott uns schwarz auf weiß von außen verbindlich sein will.
Aber ich möchte jetzt zum Schluss nur auf das eine doch noch einmal zurückkommen, zu sagen: Die ganze Leidenschaft Gottes steckt darin. Er gibt sich, er investiert sich selber in Jesus für diese Welt, gibt sich, damit die Brücke wieder gebaut wird, Vergebung der Sünden wirklich wird, möglich wird, geschenkt wird. Sie wissen es aus ihrem eigenen Leben, Sie wissen es, wie es läuft in unserer Zeit. Es war damals nicht anders. Leute zeigen Gott die kalte Schulter, was gar nicht, wovon du redest, was für ein Aufstand hier, ist doch völlig. Und da gibt Gott es uns noch einmal schwarz auf weiß, urkundlich, vielleicht hören sie ja doch und kehren um von ihren bösen Wegen, damit ich ihnen ihre Sünde vergeben kann.
Antwort und persönlicher Schritt
Ich sagte am Anfang: Die Bibel ist ein Lebensbuch, das auf Anwendung drängt. Sie können das jetzt alles hören und dann Ihre Meinung dazu bilden. Sie können sagen: Hat er schön gepredigt, oder war es ein bisschen steil, oder passt mir nicht. Das können Sie alles machen. Das ist mir natürlich auch irgendwie schnuppe, sage ich. Denn ich lebe letztendlich auch nicht davon, was Sie für einen Kommentar dazu geben. Sie haben nichts davon, ich habe nichts davon. Wir haben gemeinsam von dem, was wir heute Morgen getan haben, nur etwas davon, wenn wir es jetzt anwenden.
Wenn wir plötzlich neu begreifen: Dieses Buch brauche ich, Gottes Urkunde für mein Leben. Und wenn ich heute gehört habe, welche Entschlossenheit der Liebe Gottes dahintersteckt, mich zu suchen. Und vielleicht sind einige hier, die sagen: Ja, das will ich jetzt beantworten. Wenn Gott sich so verbindlich erklärt, dann will ich auch verbindlich antworten.
Das ist einer der Gründe, warum ich die Möglichkeit biete, auch aufzustehen, erkennbar zu werden, nicht verborgen zu bleiben in der privaten Heimlichkeit, nach vorne zu kommen, sich hier hinzustellen und mit mir ein Gebet, ein Anfangsgebet, ein Antwortgebet zu beten. Ich möchte Ihnen sehr, sehr Mut machen. Wenn Gott zu Ihrem Gewissen gesprochen hat und Sie spüren, dass er Sie angeredet hat, schieben Sie das bitte jetzt nicht weg.
Und ich sage hier auch noch einmal, dass es genauso wichtig ist. Das war in Israel ja so, das war ja das Volk Gottes. Die kannten das ja eigentlich, die hatten das ja eigentlich, sich alles an den Füßen abgelaufen, schon Schuhe abgelaufen. Die hatten ja schon mal in ihrer Jugend solche Erfahrungen gemacht, aber es war alles in Entfremdung von Gott erstarrt. Da lässt Gott sie durch Jeremia noch einmal rufen, und er hat die Hoffnung.
Manchmal muss man fragen, was schwerer ist: ob Menschen, die mit Christus, mit Gott noch nichts am Hut hatten, endlich umkehren und ihm folgen, oder ob Leute, die mal mit ihm etwas am Hut hatten, sich aber abgewandt haben und nun hart und immun geworden sind gegenüber dem Ruf Gottes. Man kann so viel Christentum in sich reingefressen haben, dass man gegenüber dem Wort und dem Ruf Gottes total taub und unempfindlich wird. Man kann es alles wegpacken, man kann es alles einordnen. Man reagiert nie mehr darauf, man fühlt sich immer auf der richtigen Seite. Man hat alle Weisheit mit Schaumlöffeln gefressen und sortiert alles, was man hört, in die Kisten hinein, die man selber aufbaut, aber lässt nichts mehr an sein Gewissen.
Vielleicht hören sie ja doch, sagt Gott. Vielleicht hören sie ja doch und bekehren sich von ihrem bösen Weg, damit ihnen ihre Sünde und Schuld vergeben werden können.
Wenn Sie Antwort geben möchten, dann bitte ich Sie, das zu tun, indem Sie jetzt gleich, wenn der Chor dieses Lied singt, einfach aufstehen, wo auch immer Sie sitzen, ganz hinten oder ganz vorne. Nachbarn lassen Sie durch. Auch wissen Sie: Wir sind so wichtig vor Gott, dass Äußerlichkeiten wie ein bisschen räumliche Enge und ob der eine oder andere irgendetwas denkt, hier jetzt völlig belanglos sind. Wenn Sie spüren, Gott hat zu Ihnen geredet, kommen Sie, stellen sich mit dazu.
Was wir tun wollen, ist ganz einfach folgendes: Ich möchte Ihnen ein einfaches Gebet vorsprechen, Satz für Satz. Wir wollen danken für die Liebe Gottes, ihm sagen: Ich öffne dir mein Leben, ihm ausdrücklich sagen: Ich bekenne dir meine Sünde. Wir sagen das in diesem Satz, aber jeder ist gebeten, dann in der Stille, die wir halten, namentlich das vor Gott zu bekennen, was ihm in seinem Gewissen brennt, wo er weiß: Das muss raus vor Gott, da brauche ich Vergebung. Danke dafür, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, und sagen ihm ausdrücklich: Unser Leben soll dir gehören, du bist der Herr, entweder zum ersten Mal und ganz neu oder wieder erneuert.
Ich will Ihnen dieses Gebet vorsprechen und werde Sie bitten, es laut als Ihr persönliches Gebet nachzusprechen. Nur darum geht es, und das erkennbar zu machen. Denn Gott hat sich verbindlich erklärt. Und die Verbindlichkeit, die wir suchen, um ihren Beginn, ihre Glaubenserneuerung, ihren Glaubensbeginn zu stärken, unser Weg der Verbindlichkeit, den wir ihm bieten, ist: Tun Sie es vor Zeugen. Denn alles, was wirklich verbindlich und gültig in unserem Leben ist, geschieht vor Zeugen. Deshalb bitte ich Sie um diesen Schritt.
Ich lade Sie herzlich ein, im Namen von Jesus. Jesus, zu dir darf ich so kommen, wie ich bin.
