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Der Dreieine in unserer Glaubenserfahrung

21.02.2026
SerieTeil 4 / 4E21 Regionalkonferenz Südwest 2026
Warum kreisen wir so oft um uns selbst, obwohl Gott Vater ist? Die Frage ist nicht, ob du ihn hörst – sondern ob der Lärm in deinem Leben ihn übertönt.

Einleitung und Bild der Lautstärke

Ich danke euch ganz herzlich für die vierte und letzte Runde an einem langen und sehr, sehr schönen, sehr erfüllten Tag, wie ich finde.
Unsere zwei Kinder sind sechs und drei Jahre alt, und sie haben zu Hause so einen ganz, ganz modernen CD-Player, der ist so würfelförmig. Alles, was in Waldenbuch quadratisch ist, ist praktisch und sehr, sehr gut. Und auch diese Box, die Sie zu Hause haben, der Toni, Ihre Toni-Box: Auf diese Toni-Box stellt man kleine Figuren, und dann kommt Musik oder irgendein Hörspiel.
Unsere Kinder haben auch solche Figuren, auf die man Lieder drauf machen kann, und dann können sie die anhören. Unsere Tochter hat eine mit Lobreisliedern, und die hört sie richtig, richtig gerne. Ich bin im Wohnzimmer und lese ein Buch, meine Tochter ist in ihrem Zimmer, hört diesen Toni und singt mit. Während ich lese, ruft sie: Papa! Und ich rufe zurück: Ja, Haddassa, was ist los? Und sie ruft wieder: Papa! Und ich rufe wieder zurück: Haddassa, was ist los? Ich bin da.
Dritte Runde: Papa! Und mir wird klar, dieses Mädchen hätte Zugang zu mir, ich bin da, ich höre sie, ich antworte, aber ihre Welt ist so laut. Sogar mit Lobpreismusik so laut, dass sie den Papa nicht hört.
Vielleicht müssen wir die Welt um uns regelmäßig etwas leiser drehen, um mehr von dem zu erkennen, von dem wir jetzt in dieser vierten und letzten Einheit hören werden.

Der Rahmen der letzten Einheit

Der Dreieine in unserer Glaubenserfahrung
Deine Beziehung zu Gott und deine ganz praktischen Glaubenserfahrungen werden sich vertiefen, je mehr du über deine Beziehungen zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist nachdenkst und Erfahrungen in diesem Sinne auch machst und erlebst.
Wichtig, gleich zu Beginn: Glaubenserfahrungen selbst, die du im Alltag machst, sind kein gutes Fundament für den Glauben. Ein gutes Fundament ist das Wort Gottes, das Evangelium, sind die Zusagen Gottes, die wir heute Morgen zusammengefasst gehört haben, und das, was Gott für uns tut in seiner großen Gnade. Das ist ein Fundament. Deine Erfahrungen sind das, was auf diesem Fundament gebaut werden darf. Die Erfahrung sollst du machen, die Folgen selbst sind aber kein Fundament.
Ich will dich einladen, ein viertes und letztes Mal deine Bibel mit mir in Galater 4,6 aufzuschlagen. Peter hat es schon angekündigt: Galater 4,6, den werden wir uns angucken. Und lasst uns noch einmal auch vor Augen halten, dass auch das Aufschlagen der Bibel etwas mit der Trinität zu tun hat und auch darüber staunen.
Warum? Weil der Vater der Geber der Schrift ist. Der Sohn ist das Thema der Schrift, und der Heilige Geist ist der Weber der Schrift.
Geber, Thema, Weber, Trinität.

Der Vater als Quelle von Fürsorge

 Galater 4
Paulus schreibt in diesem Brief viel über das Gesetz und über die Gnade. In Galater 4 geht es um Adoption. Es geht um die Zeit, als sie erfüllt war, als Gott seinen Sohn sandte. Und es geht darum, wie Gott seine Kinder adoptiert und sie auch zu Erben macht.
Dann heißt es in Vers 6: Weil ihr aber nun seine Söhne und Töchter seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater.
Weil ihr aber nun seine Söhne und Töchter seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater.
Wenn man das Thema Dreieinigkeit hat, ist das für mich eine Vorlage gewesen, drei Punkte zu machen. Wir gehen entlang von Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Das Erste: Gott der Vater – die Erfahrung seiner Fürsorge.
Das Zweite: Gott der Sohn – die Erfahrung seiner Nähe.
Das Dritte: Gott, der Heilige Geist – die Erfahrung einer neuen Sehnsucht.
Fürsorge, Nähe, Sehnsucht.
Gott der Vater, die Erfahrung seiner Fürsorge: Galater 4,6. Weil ihr seine Söhne und Töchter seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen.
In diesem einen Vers wird Gott als der Vater für seine Kinder bezeichnet, für Christen. Und im selben Atemzug auch als Vater für Jesus selbst. Vater für Jesus aufgrund einer ewigen göttlichen Einheit, wie wir heute gehört haben. Vater für uns aufgrund einer ewigen göttlichen Gnade.
So werden wir seine Kinder wegen seiner Gnade.
Ich selbst bin mit dem Gebetsbeginn aufgewachsen: „Lieber Vater im Himmel.“ Und ich würde behaupten, dass ich jahrelang nicht wirklich verstanden habe, was das tatsächlich bedeutet. Und ich wage nicht zu sagen, dass ich es schon ganz verstanden habe. Ich bin noch dabei.
Aber ich glaube, es gibt sehr viele ängstliche Menschen, für die dieses „Lieber Vater im Himmel“ Worte waren, die wir uns angucken werden, die aber eigentlich fremd für sie waren. Ich weiß nicht, ob du vielleicht bis heute dazugehörst. Dann denk über das nach, was wir uns jetzt angucken wollen.
Und auch für mich und für dich, wenn du mit Jesus lebst, gilt: Wir wollen darüber staunen, was es heißt, sagen zu können, dass Gott dieser Vater ist.
J. I. Packer schreibt in seinem Must-Read-Buch Gott erkennen Folgendes. Er fragt: Was ist ein Christ? Man kann viel darauf antworten, aber die schönste Antwort, die ich kenne, ist diese: Ein Christ ist jemand, der Gott zum Vater hat.
Und weiter schreibt er: Wenn du beurteilen willst, wie gut ein Mensch das Christentum versteht, dann finde heraus, wie viel er sich aus dem Gedanken macht, Gottes Kind zu sein und Gott als seinen Vater zu haben. Wenn dies nicht der Gedanke ist, der seine Anbetung, seine Gebete und seine ganze Lebensauffassung antreibt und steuert, bedeutet das, dass er das Christentum nicht sehr gut versteht.
Wie viel machst du dir mitten im hektischen Alltag aus dem Gedanken, dass du als Kind Gottes den lebendigen Gott als Vater hast? Dass Christsein auf tiefster Ebene ein Adoptiertsein bedeutet, ein Adoptiertsein, das aus dem Herzen des Vaters in Ewigkeit schon entsprungen ist, auch das haben wir gehört.
Wie viel macht das mit uns in einem vollen Alltag, der uns ablenkt?

Staunen, Sünde und die Rückeroberung des Blicks

Ihr Lieben, wir haben heute viel über Staunen gesprochen, und ich will das auch noch einmal kurz tun.
Warum es uns packen darf, wie Gott ist
Die Dreieinigkeit ist keine mathematische Formel, die wir lösen müssen. Die Dreieinigkeit ist ein göttliches Wunder, über das wir staunen dürfen. Sie zeigt uns Gott so, wie wir ihn heute auch vorgestellt bekommen haben: einen Gott, den wir in keine Kategorienliste einordnen können. Gott passt auf keine Liste. Gott schreibt die Listen, die es gibt.
Und je mehr wir das sehen und begreifen, desto mehr dürfen wir darüber staunen, dass Gott uns nicht langweilig zurücklassen kann.
Adam Ramsey schreibt: Es ist wahrscheinlicher, dass eine Bulldogge Bachmeister oder ein Kaktus die Quantentheorie begreift, als dass wir in diesem Leben oder in der Ewigkeit die Tiefen des Göttlichen ergründen. Niemand, der auch nur einen flüchtigen Blick auf diesen Gott erhascht, geht mit Überheblichkeit auf ihn zu oder gähnend von ihm weg. So ist Gott nicht.
Und wir würden gerne alle so einstimmen und sagen: Ja, so staune ich die ganze Zeit über ihn.
Das Problem in dieser Welt ist, dass Sünde genau dieses Staunen bricht und den Blick auf uns selbst lenkt. 2. Korinther 5,15: Er ist für sie gestorben, damit sie nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferweckt worden ist.
Für sich selbst leben, das ist der Punkt. Wir leben für uns selbst in dieser Sünde, weil wir über uns selbst staunen. Sünde erobert und verwirrt unser Motivationssystem im Herzen. Sünde verändert, wie unser Herz liebt und staunt.
Wir wurden dazu geschaffen, bewegt zu werden von der Größe Gottes. Aber Sünde lässt uns staunen über unsere kleine egoistische Agenda, die wir auch noch lieben. Wir lieben sie auch noch. Alles ist verdreht.
Das heißt: Im Glauben zu wachsen bedeutet jetzt, dass das Staunen über Gott Schritt für Schritt zurückerobert wird, in der Nachfolge, in der Nachfolge von Jesus.
In Galater 4 haben wir gelesen, dass der Vater uns mit dem Geist seines Sohnes versorgt. Das ist so eine schöne Beschreibung, wie das in Galater 4 aufgeschrieben wurde, wie Gott es hat aufschreiben lassen. Der Vater hat uns mit dem höchsten Gut im Universum versorgt. Das ist wahre Fürsorge. So ist der Vater. Er versorgt dich mit dem höchsten Gut im Universum, und das ist Jesus, nicht Silber und Gold. Es ist das kostbare Blut, das für dich vergossen wurde.
Und wenn der Vater dich damit versorgt, wird er dich auch mit allem anderen versorgen, was du wirklich brauchst, um ein Leben zu leben, ihm zur Ehre und anderen zur Freude.
Und dafür diese Liebe immer mehr zu sehen und zu staunen.
John Owen ermutigt uns, unsere Vorstellungskraft zu nutzen. John Owen fordert uns dazu auf, etwas vorzustellen, das von liebevoller und zärtlicher Natur ist, und es dann ohne alle Unvollkommenheiten vorzustellen. Das Erste kann ich sehr schnell. Ich kenne Menschen, die sind wirklich so liebevoll. Da denke ich an den Menschen, der mir am allernächsten steht. Und dann sagt er: aber jetzt ohne alle Unvollkommenheiten.
Und so beginnen wir ein Bild von der Liebe des Vaters zu bekommen. John Owen schreibt: Er ist Vater, Mutter, Hirte, eine Henne über ihre Küken.

Die Fürsorge des Vaters in Bedrohung und Zuflucht

Jetzt kommt aber eben diese Lüge des Verführers in die Welt. Und die Lüge des Verführers war am Anfang der Bibel nicht, dass dieser Vater nicht existieren würde. Die Lüge war, dass dieser Vater dich nicht versorgen kann, dass er ein schlechter Vater für dich ist. Dass du es dir letztendlich selbst in dir suchen und finden musst, das ist die Lüge, die reingekommen ist, und die Auswirkungen reichen bis heute. Wir zweifeln an der Fürsorge Gottes, auch im Alltag.
Jetzt kommen wir zu dieser Glaubenserfahrung mit dem Vater. Wenn mein Sohn einen Albtraum hat, im Schlaf schreit und ich in sein Zimmer renne, mich über ihn beuge, ihn an den Schultern fasse, ihn ganz leicht rüttele und ihn wecke. Er hat einen Albtraum von Monstern unterm Bett. Und ich wecke ihn, dann wird er kurz brauchen, um zu realisieren, dass das nur ein Traum war. Und er schaut in das Gesicht, das über seinem Gesicht steht. Ich hoffe, dass das nicht zu arg gruselig ist, sondern ihm zeigt: Papa ist da. Und das war nur ein Traum. Und gleich können wir beide wieder lächeln.
Diese Bedrohungen in dieser Welt, die auf dich im Alltag zurollen und dich zweifeln lassen an der Fürsorge Gottes, ihr Lieben: Erstens glaube ich, dass ganz viele dieser Bedrohungen nur Träume sind. Was wäre, wenn? Was, wenn der denkt? Was, wenn das morgen passiert? Das sind Sachen, die wir uns zusammenspinnen. Und dann schauen wir in das Gesicht Gottes, des Vaters, wenn wir die Bibel aufschlagen. Ich glaube, ganz viel davon ist einfach ein Albtraum. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, weil ich weiß, dass du weißt, wie es ist, wenn solche Bedrohungen und solche Angriffe und solches Leiden keine Träume, sondern Realität sind. Und du unter der Schuld eines anderen oder von dir selbst leidest. Oder Dinge, die du nicht in der Hand hast, dich bedrohen. Die sind real, das ist vollkommen klar. Aber die Lüge ist, dass das alles ist, dass das die ganze Wahrheit ist. Und das stimmt nicht. Es ist nicht die ganze Wahrheit.
Deswegen müssen wir geschüttelt und berührt werden vom Wort Gottes. So wie wenn der Papa meinen Sohn aufweckt und in sein Gesicht schaut und er in das fürsorgliche Gesicht seines Vaters schaut. Vom Wort Gottes: So ist dein Vater.
Jesus macht es an einer Stelle auch so, dass er einmal sagt: Schaut euch doch einfach mal die Blumen an. Schaut euch die Vögel an. Und er sagt: Euer Vater, euer Vater, der weiß doch, dass ihr das alles an Essen, Trinken und Kleidung braucht. Der Punkt ist klar: Wir müssen uns keine Sorgen machen, weil die Welt voller Hinweise darauf ist, dass sich unser himmlischer Vater höchstpersönlich kümmert. Wir leben in einer Welt, überall wo du hinschaust, die geprägt ist vom Vater. Und wenn Gott, wenn Jesus auf die Blumen zeigt und sagt: Schau dir die Blumen an, sei dir gewiss, der schönste Strauß ist das Wort Gottes. Dein Vater weiß doch, dein Vater weiß doch.
Es ist nie die ganze Wahrheit, wenn dich die Bedrohungen überrollen. Ich glaube, dass das tiefere Problem von all dem ist, dass wir uns selbst in dieser Welt zu wichtig nehmen, dass wir in einer Kultur leben, die den Menschen viel zu wichtig macht. Unsere Ängste und Sorgen wachsen in einem Garten der Ungewissheit, und meine Angst rührt meistens daher, dass meine Gedanken sich zu sehr um mich selbst kreisen, weil ich eigentlich wieder ungewiss geworden bin.
Wir leben in einer Welt der Selbstfürsorge, Selbstakzeptanz, Selbstliebe und Selbstverwirklichung, ganz zu schweigen von Selbstfindung. Wir sind besessen von uns selbst, und der Gott des Egoismus, der muss entthront werden. Denn für den Egoismus ist das eine angreifende Botschaft zu hören: Es gibt einen Gott, einen Vater von außerhalb, der es besser weiß für dein Leben, Simon. Und dann drehe ich mich um mich selbst, und der Kampf, und es guckt gar nicht mehr auf diesen Vater, der sagt: Schau mir ins Gesicht.
Um diese wachsenden Sorgen zu bekämpfen, die in Form unterschiedlichster Bedrohungen auf uns zurollen, muss unser Glaube tief verwurzelt sein in einer Gewissheit: Gott ist mein Vater. Und diese Tatsache, und darüber bin ich sehr dankbar, die bleibt auch dann bestehen, wenn wir als seine Kinder daran zweifeln, versagen, uns gewiss zu sein darin.
Es gibt eine ungeschriebene Regel in Disneyland. Ich weiß nicht, wer von euch schon mal im Disneyland war oder Disney World, vielleicht auch schon manche. Es gibt eine ungeschriebene Regel für die Schauspieler, die in diesen Kostümen der Disney-Charaktere stecken. Und die Regel besagt: Wenn dich ein kleines Kind umarmt, umarmst du es liebevoll zurück, und du lässt erst dann los, wenn das Kind den Griff lockert. Als ich das gehört habe, dachte ich: Das ist zuckersüß, wirklich. Ich bin so froh, dass Gott nicht so ist. Wenn sich mein Griff lockert, weil meine Arme müde werden, wenn Sünde mich zurückzucken lässt, dann hält er immer noch. Dann hält er immer noch. So ist der Vater, so ist er.
Und es ist die Glaubenserfahrung mit dem Vater, dass er für dich sorgen wird, dass er dir, weil er dich mit dem Höchsten bereits versorgt hat, mit seinem Sohn. Und ihr Lieben, das immer mehr zu sehen bedeutet auch, dass wir uns nicht in den Augen der Glaubwürdigkeit verlieren. Zu glauben und zu wissen, dass Gott ein Vater ist, der souverän ist, absolut souverän ist, und der seine Kinder auch nicht an Orte führt, an die sie in seinen Augen irgendwie nicht sein sollten.
Natürlich kann ich Entscheidungen treffen, ich kann an Orte gehen, an denen ich nicht sein sollte. Mir geht es aber jetzt gar nicht so sehr um eigenentschiedene Sünde, sondern um Orte, wo wir uns echt fragen: Wo ist Gott? Ist er dieser Vater? Und ich will dir sagen: Die in menschlichen Augen gefährlichsten Orte werden zu den sichersten Orten, wenn der fürsorgliche Vater da ist. Wenn das stimmt und Realität ist, dann werden scheinbar gefährliche Orte zu sicheren Orten.
Paulus sitzt im Gefängnis, das ist ein gefährlicher Ort, aber er kann von Freude und Frieden sprechen, weil sein Vater voller Fürsorge ist. Ich bin davon überzeugt, dass, als Daniel in der Löwengrube war, das der gefährlichste Ort in der ganzen Stadt war. Aber ich glaube, Daniel hat besser geschlafen als der König in seinem Palast in der Nacht, weil auch der gefährlichste Ort zu einem sicheren wird, wenn der souveräne Vater weiß, was er tut und weiß, wo er dich hinführt und keinen Fehler macht.
Der gute Hirte im Psalm 23, der guckt nicht die Wände hoch im Todestal und denkt sich: Oh, was haben wir hier gemacht, da wollte ich gar nicht mit dir hin, Schaf, wir müssen hier raus. Da steht, er geht mit durch, weil der Vater so ist, weil der Vater so ist. Deswegen ist unser Wohlergehen und dieser Friede nicht davon abhängig, wo wir sind und zu welcher Zeit wir leben, sondern von einem fürsorglichen, liebenden Vater, der weiß, wo er uns hinstellt.
Und jetzt zum Schluss von diesem Vaterpunkt: Wir haben über Bedrohungen gesprochen, aber der Punkt ist ja der, wenn Bedrohungen anrollen, egal in welcher Form, das weißt du am besten bei dir im Alltag, dann ist ja die Frage, wohin wir gehen in diesen Momenten, also wo suchen wir Zuflucht? Das ist eine wichtige Frage. Warum? Weil wir ohne nachzudenken immer Zuflucht suchen. Du kannst dich in Apps ablenken und eigentlich da Zuflucht suchen, weil du dich mit dem Problem nicht beschäftigen willst. Du kannst Überstunden machen, und das ist deine Zuflucht. Geld kann deine Zuflucht werden, Sex kann deine Zuflucht werden und so weiter.
Und wenn ich dich frage, was ist dein Zufluchtsort, dann bin ich mir sicher, dass du weißt, was du sagen musst. Aber wenn ich dich frage: Wer ist dein funktionaler Zufluchtsort? Wo gehst du wirklich hin? Was werde ich dann sagen? Wenn wir Gott aufsuchen in dieser Zuflucht und nach ihm schreien, zeigt das, dass er unser Vater ist.
Der amerikanische Theologe Russell Moore beschreibt das, als er mit seiner Frau in Russland ist, um in einem Waisenhaus zwei kleine Jungs zu adoptieren, einjährig. Und er beschreibt, dass in diesem Waisenhaus die Kinder, die Kleinkinder, verlernt haben zu schreien, weil auf ihr Schreien keine Liebe erwidert wird. Es wird nicht mit Liebe erwidert. Es war ein sehr stilles Waisenhaus. Sie verbringen mit zwei Jungs, einjährig, eine Woche Zeit, spielen mit ihnen, nehmen sie auf den Schoß, beten mit ihnen, singen Lieder, lesen ihnen etwas vor, sind einfach da.
Nach einer Woche wissen sie, müssen sie in die USA zurück, um die Papiere fertig zu machen. Und sie zitieren das, Peter hat es vorhin schon vorgelesen, sie zitieren das, was Jesus gesagt hat. Sie sagen zu den Kindern: Wir werden gehen, aber wir kommen wieder, um euch zu uns zu holen. Wir lassen euch nicht als Waisen zurück. Zu zwei Einjährigen. Und sie laufen den Flur entlang, beschreibt Russell Moore, und auf einmal zerreißt ein Schrei die Stille. Und einer der Jungs schreit, und Russell Moore sagt, das war das schlimmste Geräusch in seinem Leben und gleichzeitig das schönste, weil in dem Moment bin ich Papa geworden. Weil er gesagt hat: Diese Kinder haben eine Woche erlebt, dass wir sie lieben, und sie konnten nichts dafür tun. Und dieser Junge hat es verstanden und schreit und zeigt: Du bist mein Papa, wo gehst du hin?
Durch das Schreien, durch das Zufluchtssuchen drücken wir aus, dass er unser Vater ist. Lasst uns nicht dafür, uns schämend, dass wir Zuflucht suchen beim Vater. Psalm 62,9: Schüttet euer Herz vor ihm aus, Gott ist unsere Zuflucht. Ich will ergänzen: Schüttet euer Herz vor eurem Vater aus, der Vater ist eure Zuflucht. Das ist die Erfahrung eines fürsorglichen Vaters mit diesem Vater.

Die Nähe des Sohnes in der Gemeinschaft

Zweitens: Gott der Sohn, die Erfahrung seiner Nähe.
 Galater 4,6: Weil ihr aber nun seine Söhne und Töchter seid, sandte Gott, der Vater, den Geist seines Sohnes in unsere Herzen.
Ihr Lieben, was brauchen wir alle nicht? Wir brauchen keine Selbstoptimierung. Wir brauchen kein besseres Verhalten. Wir brauchen radikale Erneuerung. Jesus kam nicht, um ursprünglich gute Menschen wieder gut zu machen. Er kam, um tote Menschen lebendig zu machen. Und deswegen brauchen wir ein neues Herz. Wir brauchen diesen Gott, diesen Geist in unseren Herzen. Wir benötigen ein Herz von Christus. Und dieses neue Leben, das der Geist gibt, ist das Leben des Sohnes, denn der Geist ist der Geist des Sohnes.
Das ist so schön in diesem Vers. Es ist der Geist des Sohnes. Und deshalb gibt er den Kindern Gottes den Herzschlag seines Sohnes, des Sohnes Gottes, damit sie unter anderem sein Mitgefühl und seine Liebe für diese Welt teilen.
Der zweite Punkt lautet also: die Erfahrung seiner Nähe. Jesus, der Sohn, Gott der Sohn, ist der, der einen Körper annahm, um physisch nahe zu sein. Um uns physisch nahe zu sein und um zu leben, zu sterben und aufzuerstehen zu unserer Errettung.
 Johannes 1: Das Wort wurde Fleisch. Das ist das höchste Kompliment, das der menschliche Körper jemals bekommen hat: dass Gott Mensch wird, physisch.
Wie erfahren wir jetzt diese Person der Dreieinigkeit in unserem Glaubensleben? Wie können wir gerade ihn, den menschgewordenen Gott, erfahren? Noch einmal: Es ist der Geist des Sohnes, der unsere Herzen bewohnt, nicht auf Miete, sondern in einer Eigentumswohnung. Er bleibt da. Er ist da, sodass Paulus sagen kann: Das bin gar nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Das haben wir ja vorhin auch gehört. Jesus sagt: Ich gehe, ich komme wieder, ich sende den Geist, ich bin da. Christus lebt in mir.
Das heißt, durch die Menschwerdung Gottes kommt Jesus in eine Welt voller Menschen, die die Gemeinschaft von Menschen brauchen. So sind wir ausgelegt, so hat Gott uns in der Genesis auch geschaffen. Nachdem er den ersten Menschen geschaffen hat, war etwas nicht gut. Das heißt nicht, dass die Schöpfung nicht gut war in dem Sinn, sondern dass sie noch nicht fertig war. Sie war noch nicht vollendet. Deswegen kommt der zweite Mensch. Weil wir Gemeinschaft brauchen.
Jesus berührte Menschen. Er aß mit ihnen, er blickte ihnen in die Augen, er war ihnen körperlich so nah. Jetzt ist Jesus körperlich nicht mehr unter uns, aber sein Geist lebt in uns. Und wir haben Körper, und unsere Glaubensgeschwister haben auch welche. Ganz neue Informationen für uns alle. Wir haben Körper, und Christus lebt in uns. Und der Sohn erinnert uns daran, dass wir uns gegenseitig brauchen als physische, körperliche Menschen: in einem Wort der Ermutigung, in einem gebackenen Brot, das wir vorbeibringen, in einer Tür, die wir aufmachen, um eine Familie zum Essen einzuladen.
Um zu gedeihen und zu wachsen, müssen wir verwurzelt sein in intimen, physischen Beziehungen.

Gemeinde, Freundschaft und die Antwort auf Einsamkeit

 Kolosser 1 hatten wir heute auch schon mal, Kolosser 1,18. Jesus ist der Kopf des ganzen Körpers, nämlich der Gemeinde.
Jesus ist, wenn wir bei diesem Körperbild bleiben, der Kopf, das Gehirn, die Schaltzentrale, das Cockpit. Ganz einfaches Beispiel: Der linke Ellbogen juckt. Das wird ans Gehirn geschickt, das Gehirn registriert das. Was macht das Gehirn nicht? Es schickt nicht einfach einen Botenstoff herunter, um das Jucken zu beenden. Das Gehirn sagt der rechten Hand: „Geh zum linken Ellbogen und kratz ihn.“
So funktioniert das mit dem Körper, und ich glaube, so funktioniert das auch mit der Gemeinde. Der Kopf, Jesus, lebt durch den Geist in uns und sagt: Geh zu dem Bruder, geh zu der Schwester, sei Ermutigung, sei da, physisch.
Deswegen ist auch der Gottesdienst, wir werden nicht lange darüber nachdenken, aber es ist ein so wunderbar von Gott gelenktes Ereignis, in dem wir den Götzen dieser Welt und dieser Zeit den Kampf ansagen. Hier kommen Menschen zusammen, hier finden wir Ruhe für unsere Seelen, und hier merken wir: Das sind keine Scheinbeziehungen, wie sie uns andauernd durch Mikrochips und Glas vermittelt werden. Das ist nicht Schein, das darf echt werden.
Gott errettet dich individuell, aber dein geistliches Leben wird nicht allein geführt. Er rettet dich in eine Gemeinschaft hinein. Christsein ist immer persönlich, aber nie privat. Christsein ist immer persönlich, aber es ist nie privat.
Und deswegen wollen wir uns nicht nur von ihm gebrauchen lassen. Es ist spannend, dass Christus, wenn er in uns lebt, dass wir gewissermaßen Jesus mit uns nehmen, auch an Orte. Wenn ich einen Bruder umarme, wenn ein Bruder mich umarmt, dann will ich sagen: Dann umarmt mich Jesus. Wenn eine Schwester am Krankenbett sitzt, die Hand nimmt und betet, dann tut das Jesus. Wir bringen Jesus an diese Orte, nicht, dass er nicht schon da war, ihr wisst, was ich meine.
Und deswegen brauchen wir diese Gemeinschaft. Jacey Ryle schreibt: Diese Welt ist voller Leid, weil sie voller Sünde ist. Es ist eine dunkle Welt, es ist eine oft einsame Welt, es ist eine Welt, die dich enttäuscht, und der schönste Lichtstrahl hier ist ein Freund.
Unsere Gemeinden sind alle voller Freundlichkeit, das glaube ich, aber sind sie auch voller Freundschaften? Sie sind voller Freundlichkeit, aber sind sie auch voller Freundschaften?
John Bunyan schreibt in der Pilgerreise eine Szene zwischen Christian und Ahnungslos, und Christian sagt zu Ahnungslos: Komm mit uns, gehen wir zusammen in dieser einsamen Gegend. Wie geht es dir? Wie steht es jetzt zwischen Gott und deiner Seele? Wie geht es dir? Besteht es gerade zwischen dir und Gott? Das sind Jesusfragen von Jesusmenschen an Jesusmenschen.
Das Thema der Einsamkeit, auch hier wollen wir nicht zu lange stehenbleiben, aber das Thema der Einsamkeit ist überall zu hören und zu lesen. Wir leben in einer Welt der virtuellen Beziehungen. Und wenn ich krank bin, dann kann mein Freund aus Idaho mir gute Besserung wünschen, aber er kann nicht an meinem Bett sitzen, für mich beten, die Hand auf meine Schulter legen und mir danach einen richtig leckeren Kamillentee machen. Das kann er nicht, weil er weit weg ist. Virtuelle Beziehungen werden das nie ersetzen können.
Und ich befürchte, dass irgendwann die Zeit und Energie, die wir in Online-Kontakte investieren, auf Kosten der Fähigkeit gehen, den Nachbarn besser kennenzulernen und ihnen auch Jesus und das Evangelium zu bringen. Das ist das, was die Menschen brauchen. Ich glaube, dass jede einsame, isolierte Person in unserem Umfeld eine Tür entfernt davon ist, die Familie Gottes kennenzulernen und durch Gottes Gnade auch zu dieser Familie zu gehören.
Es ist die offene Tür der Gastfreundschaft, der Freundlichkeit, der Großzügigkeit, der Nächstenliebe, der Empathie, der Verletzlichkeit, der Leidenschaft und Barmherzigkeit, und es ist fast unmöglich, digital diese Tür zu betreten. Das ist physisch, das ist physisch.
Ironischerweise liegt die Lösung für dieses Einsamkeitsproblem, dazu einfach dieser letzte Gedanke, ironischerweise liegt sie darin, dass wir lernen müssen, mehr und besser allein zu sein. Die erste Lösung für Einsamkeit ist nicht, gleich unter Menschen zu gehen. Die erste Lösung ist es, mit Intention allein, einsam, zweisam mit dem Vater zu sein. Jesus hat es genau so gemacht. Das war auch ein Vorbild als Mensch auf der Welt. Er hatte Zeit mit seinem Vater.
Wir brauchen so viel mehr als nur Zeit ohne Handy, so viel mehr. Wir brauchen Zeit mit dem Vater, weil das die Gemeinschaft ist, für die wir geschaffen worden sind. Und dann brauchen wir Gemeinschaft mit Menschen, die das auch tun und die dich ermutigen, genau das zu tun.
Aber ihr Lieben, das ist alles, und alles sind Erfahrungen, die wir machen können. In all dem will ich sagen: In aller geschwisterlichen Gemeinschaft kann dir keiner ein Freund sein, wie es Jesus selber geworden ist für dich. Das kann keiner schaffen. Und leg auch nicht die Erwartung an Menschen, das zu schaffen. Erwarte das nicht von ihnen.
Jesus ist das. Jesus ist der ultimative Freund, der uns, so schrieb Keller, immer herein und niemals im Stich lässt. Jesus ist der Freund mit wahrer Liebe, weil wahre Liebe hinabsteigt, nicht hinaufsteigt. Und Jesus ist der Freund, der nicht im Sehen, sondern im Glauben ergriffen wird, auch wenn er durch Geschwister zum Greifen nahekommt.
Aber der Sohn ist die wahre Erfüllung unserer Herzenssehnsucht nach Gemeinschaft, weil der Sohn uns in die Gemeinschaft mit dem Vater führt, für die du geschaffen worden bist. Er ist die Erfüllung davon, von dieser Sehnsucht. Weil die ganze Welt mit offenen Armen auf dich wartet, aber nur einer wartet da mit durchbohrten Händen auf dich. Das ist nur einer, das ist der Sohn, das ist Gott, der Sohn. Er ist diese Erfüllung.

Der Geist und die neue Sehnsucht

Drittens und letztens: Gott, der Heilige Geist, und die Erfahrung einer neuen Sehnsucht. Galater 4,6.
Weil ihr aber nun seine Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt. Er ruft: Aber Vater. Es ist der Geist des Sohnes, und es ist derselbe Geist, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Römer 8,11.
Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.
Gott, der Heilige Geist, lebt in den Kindern Gottes. Er bewirkt, dass wir überhaupt nach Jesus fragen. Er bewirkt, dass wir ihm glauben. Er bewirkt, dass wir ihm folgen, und er bewirkt auch, dass wir ihm gehorsam sind. Und dabei geht es nicht zuerst um irgendwelche Gebote, die eingehalten werden sollen, sondern um das Motiv, das dahintersteckt.
Und jetzt kommen wir zu dieser neuen Sehnsucht.
Du und ich, wir brauchen den Geist nicht, um ein besseres Leben zu leben. Das kann auch jemand mit Anstrengung ohne den Geist. Wir brauchen den Geist, um ein übernatürliches Leben zu leben. Wir brauchen den Geist, um eine Sehnsucht zu haben, die uns die Welt nicht geben kann und die auch nicht gestillt wird.
Das heißt: Wir brauchen den Geist nicht, um nach außen hin anders zu sein, sondern um innen anders zu werden. Um neu zu wollen, neu zu lieben, neu in eine Richtung zu gehen und Gott zu greifen. Wir brauchen diese neue Sehnsucht, die aus uns selbst, aus der Natur, nicht erwächst.
Michael Reeves schreibt: „Der Geist verändert uns, indem er das umgestaltet, was wir genießen. Er verändert unseren Geschmack, so dass wir, die wir einst die Sünde genossen haben, nun eine größere Freude an Gott finden. Und dieser Wandel führt dazu, dass sich unser Wollen ändert und deshalb auch das Verhalten.“
Kannst du dir gerade im Mund vorstellen, wie es ist, morgens aufzustehen und einen frisch gepressten Orangensaft zu trinken? Oh, richtig gut! Kannst du dir auch vorstellen, wie es ist, dir direkt davor die Zähne geputzt zu haben und dann den Orangensaft zu trinken? Ich habe es als Kind einmal so kennengelernt, wie man schmeckt: super eklig.
Es ist derselbe Orangensaft, aber auf einmal war das, was süß war, jetzt bitter. Und das tut der Heilige Geist. Was du vorher genossen hast, wird bitter, weil du etwas Neues genießt. Weil du eine neue Sehnsucht hast. Weil du neu willst, neu liebst.
Und die Frage ist, und das ist ja der dritte Punkt: Wie erfahren wir jetzt den Heiligen Geist mit diesen Sehnsüchten? Er schenkt uns auf einmal neue Sehnsüchte, und zu denen gehört es auch, ein Leben zu führen, das Gott ehrt und Jesus, dem König, dient. Und ohne den Heiligen Geist würden wir es gar nicht erkennen, dass der einzige Applaus, der wirklich zählt, von durchbohrten Händen kommt. Ohne den Geist würden wir das gar nicht sehen.
Okay, wir haben diese Sehnsucht. Und wenn ich dich jetzt fragen würde: Welche großen Taten gehören jetzt zu den Erfahrungen mit dem Geist? An welche Glaubenserfahrung kannst du dich aus der letzten Woche erinnern, wo du den Geist voll erlebt hast? Und ich glaube, ganz viele denken in dem Moment ganz schnell: Boah, ich weiß gar nicht, ich habe gar nicht so große Wunder erlebt. Also ich kann die Sprache meines Nachbarn, der nicht meine Sprache spricht, immer noch nicht sprechen. Und dieser Mensch ist immer noch krank, und ich habe das diese Woche gar nicht erlebt.
Ich glaube, dass es so irreführend ist, so zu denken, weil alles Gute, was wir durch Gottes Gnade tun, ein Werk des Geistes ist. Wenn du glaubst, dass Jesus der Sohn Gottes ist und auferstanden ist, erfährst du die Kraft des Geistes. Wenn du den Tag, der vor dir liegt, bewusst in die Hände des Vaters legst, erfährst du die Kraft des Geistes. Wenn du eine Freude am Evangelium hast, erfährst du die Kraft des Geistes. Wenn du das Evangelium mit jemandem geteilt hast, der Jesus nicht kennt, erfährst du die Kraft des Geistes. Wenn du nur eine kleine, wachsende Blume der Nächstenliebe in deinem Herzen hast, erfährst du die Kraft des Geistes. Wenn du einem Bruder Mut zusprichst, weil er den Weg verloren hat, erfährst du die Kraft des Geistes. Wenn du auf eine Versuchung hereinfällst und bekennst, erfährst du die Kraft des Geistes. Und auch dann, wenn du der Versuchung nicht nachgehst und Nein gesagt hast, erfährst du die Kraft des Geistes.
Ich frage mich, ob wir in dieser sensationshungrigen Welt, in der so viel Wunsch nach großen Wundern besteht, verlernt haben zu definieren, was in Gottes Augen groß und vom Geist gewirkt ist. Und wenn der einzelne Mensch, ein kleines Kind, für mich nicht mehr groß ist, weil ich ja den großen Unterschied machen will, und weil einfache, kleine Treue im Alltag für mich nicht mehr geistgewirkt ist, ihr Lieben, dann haben wir verlernt zu sehen, was in Gottes Augen groß ist.
Es ist der Vater, der das Kleine sieht. Und ohne die Kraft des Geistes würden wir gar nichts sehen.

Sehnsucht nach der Ewigkeit und Schlussgedanken

Ihr Lieben, mein letzter Gedanke, und der passt gut zum Ende:
Der Heilige Geist schenkt eine neue Sehnsucht, und es ist auch die Sehnsucht nach der Ewigkeit. Ich bin einunddreißig, viele Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht, aber eine mache ich immer mehr: Wenn ich auf mich gestellt wäre, ganz allein, würde ich diese Welt nicht mehr loslassen wollen.
Paulus beschreibt es mal so oder so ähnlich in Kolosser 3,1-2. Da ihr nun also zusammen mit Christus auferweckt worden seid, solltet ihr euch ganz auf die himmlische Welt ausrichten, in der Christus auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite sitzt. Richtet eure Gedanken auf das, was im Himmel ist, nicht auf das, was zur irdischen Welt gehört.
Ich sehne mich viel, viel, viel zu selten nach diesem Ort, und ich will den Mut machen, um Heimweh zu beten. Wir klammern so sehr. Jonathan Edwards betet: Herr, stempel mir die Ewigkeit auf meinen Augapfel. Und jemand hat mal formuliert, das hat mich sehr überführt: Wir sind superschnell daran, den Himmel der Hölle vorzuziehen, sofort. Aber sind wir auch bereit, den Himmel der Erde vorzuziehen?
Der Heilige Geist lässt mich nicht irgendwie die Zeit hier vergessen. Paulus war sich völlig sicher: Ich habe hier einen Auftrag, das ist völlig klar. Aber was er tut, ist, dass er uns eine Sehnsucht weckt, in uns eine Sehnsucht weckt, die sich nach Jesus ausstreckt und nach dem Ort, wo er ist. Ich weiß, er ist da. Aber Jesus sagt: Ich werde wiederkommen, ich werde euch zu mir holen, und wir werden ihn sehen, wie er ist.
Und ohne sein Wirken, ohne den Heiligen Geist, hätte ich da keine Sehnsucht nach diesem Ort. Jedes Mal, wenn du dich nach dem Himmel sehnst, ist das etwas, was der Geist bewirkt. Denn diese Welt und alles, was zu ihr gehört, ist wie ein Magnet, der uns nach unten zieht. Aber der Heilige Geist zeigt uns auch diesen anderen Ort.
Im puritanischen Gebetsbuch Im Tal der Weitsicht heißt es an einer Stelle: O heiliger Geist, ja, Sie haben das so geschrieben: O heiliger Geist, du hast mich geliebt und bist in mein Herz eingedrungen, du hast dort ewiges Leben hineingepflanzt, hast mir die Herrlichkeit Jesu offenbart. Du bist da eingedrungen, Eigentumswohnung, und du hast die Ewigkeit in mein Herz eingepflanzt. Das tut er. Es ist eine Glaubenserfahrung mit dem Geist.
Ihr Lieben, ihr erinnert euch an den Anfang, ihr erinnert euch an die quadratisch-praktisch-gute Tonybox und die Musik, die meine Tochter gehört hat. Meine Tochter Hadassah hat laut aufgedreht. Ich war da, aber ihre Welt war so laut. Der fürsorgliche Vater ist immer da und hört deinen Schreien, der Sohn ist immer da und will dir in deinen Geschwistern begegnen. Der Geist ist immer da, schenkt dir die Kraft, Gottes Worte anzuwenden und dich nach der Ewigkeit aufzustrecken.
Aber so oft hemmen wir diese Glaubenserfahrung, weil wir uns ablenken, fernbleiben, laut aufdrehen, die Geschäftigkeit suchen. Und jetzt tut es weh: Wir können uns auch mit frommem Engagement laut aufdrehen. Die Musik, das war Lobpreismusik. Lobpreismusik hat den Papa übertönt. Und wir können uns reinknien und noch mehr für Jesus machen, und eigentlich wollen wir gar nicht über unsere Beziehung mit dem Vater gerade nachdenken, weil es so wehtut, weil wir wissen, dass wir wieder zu den Schweinen gerannt sind. Und mach ein bisschen leiser.
Was sollten wir stattdessen tun? Dem Vater in seinem Wort ins Gesicht schauen, die Hand des Sohnes in unseren Geschwistern ergreifen und uns an dem Eigentumsbesitzer unseres Herzens erfreuen und an der neuen Sehnsucht, die er dir und mir schenken möchte. Vielleicht müssen wir wieder ein bisschen leiser sein.
Ich bete mit uns zum Schluss:
Vater, wir beten, dass dein Heiliger Geist dein Wort gebraucht, um uns deinen Sohn zu zeigen, bis wir eines Tages bei dir angekommen sind, damit wir dort sind, wo du bist. Und ich bete, Jesus, dass du uns dein Wort, das wir heute aufgeschlagen haben, und alles, was wir gehört haben, was von dir kam, wie ein Pfeil mit Widerhaken in unser Herz schießt, damit es dann nicht mehr so schnell rausgeht. Amen.