Einleitung
Das erste Mal in meiner Zeit als Prediger fällt der
Sonntagsgottesdienst auf den 1. August - auf unsern Nationalfeiertag.
Bei einem so bedeutenden Tag kommt man fast nicht drum herum, zu
diesem besonderen Tag einige Gedanken zu äussern.
Ich werde heute Morgen die erste Augustrede meines Lebens halten. Ich
halte sie bewusst für uns als Christen, die Jesus lieben und ihm
nachfolgen. Andere Ansprachen werden heute landauf landab genügend
gehalten.
Unsere Situation als Bürger eines Staates und als Christen soll uns im
Lichte der Bibel heute Morgen beschäftigen.
Drei Aspekte werden wir genauer Betrachten.
I. Das Schicksal Schweizer zu sein
Schweizer zu sein ist ein Schicksal. Keiner von uns kann weder etwas
dafür noch etwas dagegen, dass er Schweizer ist.
Wir wurden in der Regel in diese Nation hineingeboren. Niemand fragte
uns, ob es uns gefallen würde oder nicht.
Jeder von uns hätte theoretisch genausgut in Thailand, in Jugoslawien,
in Amerika, in Südafrika, im Irak oder in Deutschland zur Welt kommen
können. Dann hätte uns das Schicksal getroffen zu diesen Nationen zu
gehören.
Wären wir z.B. in Bosnien geboren, so hätten wir ein schweres
Schicksal zu tragen.
Nun sind wir aber hier in der Schweiz und wir haben im Moment noch ein
gutes Schicksal zu tragen. Aber dass es uns so gut geht ist nicht
unser Verdienst, sondern es ist unser Schicksal, in diesem Land leben
zu können.
Paulus sagt im Bezug auf den Besitz:
Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum werden wir auch nichts
hinausbringen. 1.Tim.6,7.
So kann man durchaus sagen, wir haben kein schweizer Bürgerrecht in
die Welt gebracht - wir haben nichts in die Welt gebracht und wir
bekam das Bürgerrecht der Schweiz.
Jedes Volk wird immer wieder von einem Nationalstolz befallen. Was
schon schreckliche Folgen nach sich zog.
Auch der Schweizer lebt davon, dass es zu Hause immer noch am
schönsten ist. Aber nicht nur der Schweizer ist dieser Überzeugung.
Viele Völker finden es bei sich zu Hause am schönsten. Vor allem die
Völker, denen es gut geht.
Wir Schweizer und ich meine auch schweizer Christen verfallen gerne
einem Nationalstolz. Wir sind stolz Schweizer zu sein, als ob wir dazu
einen Beitrag geleistet hätten.
Wir tun so, als ob es uns so gut geht, weil wir Schweizer eben gute
Menschen sind. Oder gar wegen unserer Präambel in der
Bundesverfassung. Bei alledem vergessen wir zu schnell, dass es in der
Schweiz nicht immer angenehm zu leben war, wie wir meinen.
Wir vergessen, dass es Zeiten gab, wo viele Schweizer aus
wirtschaftlichen Gründen auswandern mussten und die schweizer
Regierung dies finanziell förderte.
Wir vergessen, dass die Täufer, die wohlbemerkt das schweizerische
Bürgerrecht innehatten, in der Schweiz verfolgt wurden, weil sie ihren
Glauben ausleben wollten. usw.
Auf was wollen wir denn eigentlich Stolz sein? Wir sind doch nur in
diese Nation hineingeboren. Wir leben zwischen 60 bis 90 Jahren in ihr
und das nur in einem bestimmten Zeitabschnitt der schweizer
Geschichte. Und wir haben bis jetzt noch einen der besseren Abschnitte
getroffen.
Wer will sich da etwas darauf einbilden Schweizer zu sein? Vielleicht
wegen Willhelm Tell, der von Schiller geschrieben, und von uns als
Nationalheld gefeiert wird, ohne zu wissen ob er wirklich so gelebt
hat.
Anwendung
Paulus sagt den Athenern auf dem Areopag:
Und er (Gott) hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht
gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat
festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen
sollen, Apg.17,26.
Gott hat alles geordnet. Er hat das Menschengeschlecht, die Nationen
gemacht. Er hat festgesetz in welchen Grenzen die Nationen leben
sollen.
Wir haben einfach keinen Grund Stolz zu sein. Nebukadnezar liess sich
zu einem Nationalstolz hinreissen, alles was er erreicht hatte schrieb
er seiner Person zu, so lesen wir im Buch Daniel: Dan.4,25-28.
Wir haben keinen Grund auf uns als Schweizer und auf unsere Schweiz
stolz zu sein. Als Christen sollte dies uns eigentlich völlig klar
sein.
Uns hat einfach das Schicksal getroffen, dass wir in der Schweiz
leben. In einem Land, wo es uns im Vergleich zu anderen Ländern sehr
gut geht.
Uns hat das Schicksal getroffen, dass wir nicht - noch nicht - in
einen Krieg verwickelt sind. Uns hat das Schicksal getroffen, dass wir
nicht in den Krisengebieten von Somalia leben müssen, dass wir nicht
in den Philippinen am Fusse des Vulkans Pinatubo wohnen, dass wir
nicht in einem Gebiet der Hungersnot leben usw.
Dieses Schicksal hätte jeden von uns treffen können, wäre er nicht als
Schweizer in diese Zeit geboren, und uns Schweizer kann noch manches
Schicksal treffen.
Aber nun hat uns das Schicksal getroffen, dass wir die beiden
Weltkriege mehr oder weniger unbeschadet überstanden haben, dass wir
in einem unbeschreiblichen Überfluss und Reichtum leben, dass wir eine
fast optimale medizinische Versorgung geniessen, dass wir unseren
Glauben frei ausleben dürfen usw.
Als Schweizer befinden wir uns, im Vergleich mit der Welt, auf der
Sonnenseite des Lebens.
Darüber können wir nicht Stolz sein. Wir haben wirklich keinen Grund
uns darauf etwas einzubilden.
Die richtige Einstellung von uns heisst einzig und allein:
Dankbarkeit!
Wir sollten einzig und allein dankbar sein. Dankbar, dass wir in
diesem Land leben dürfen. Dankbar, dass es uns so gut geht. Dankbar
für all die Möglichkeiten, die sich uns bieten.
Wir wissen nicht wie lang Gott die Zeit für die Schweiz bemessen hat.
Wie lange wir noch in unseren Grenzen wohnen. Das Schicksal Schweizer
zu sein ist im Moment ein gutes ja gar angenehmes Schicksal, aber es
können noch Zeiten kommen, in denen es ein unangenehmes Schicksal ist
Schweizer zu sein. Aber auch dann sind wir Schweizer.
Der 1. August soll uns Anlass sein, Gott zu danken für den freien und
vielfältigen Lebensraum, den er uns gewährt. Wir sollten uns aber
dafür hüten, die Schweiz und unsere Nation zu verherrlichen.
II. Der Schweiz gestorben sein
Als Christen sind wir zusätzlich in einer besonderen Stellung zu
unserem Staat. Wir sind nämlich gar keine richtigen Schweizer mehr.
Jesus macht dies in seinem Gebet zum Vater deutlich wenn er betet:
Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt; denn sie
sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. / Ich
bitte dich nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie
bewahrst vor dem Bösen. / Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich
nicht von der Welt bin. Joh.17,14-16.
Wenn man die Welt durch Schweiz ersetzt heisst es:
sie sind nicht von der Schweiz, wie auch ich nicht von der Schweiz bin.
Jesus war weder Schweizer noch Weltenbürger. Er war der Sohn Gottes,
der als Jude in diese Welt gekommen ist. Aber er passte nicht in diese
Welt. Er wurde von seinem eigenen Volk verstossen und hingerichtet.
Petrus spricht davon, dass wir Fremdlinge und Pilger sind:
Liebe Brüder, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger: Enthaltet euch
von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, 1.Petr.2,11.
Und Paulus macht es ganz klar, dass es für ihn nur noch eines gibt,
was wirklich zählt, wenn er sagt:
Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres
Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der
Welt. / Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch
Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur. Gal.6,14-15.
durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Damit sagt
Paulus, dass er der Welt gestorben ist. Er rühmt sich nur noch des
Kreuzes Jesu, denn durch diesen Tod Jesu am Kreuz, hat er alles
gewonnen, was man überhaupt gewinnen kann: Er wurde ein neue Mensch -
eine neue Kreatur.
Wenn wir der Welt gestorben sind, so sind wir auch der Schweiz
gestorben. Unser Bürgerrecht ist im Himmel. Dieses Bürgerrecht hat nun
Bedeutung für uns.
Durch unseren Glauben haben wir uns der Welt entfremdet. Wir haben uns
auch der Schweiz entfremdet. Dies fällt uns nur nicht mehr so auf,
weil wir noch in Freiheit unseren Glauben leben können. Aber gerade
die Täufer mussten erleben, dass sie in der Schweiz keine Heimat mehr
hatten, obgleich sie Bürger dieses Landes waren. Weil ihnen aber das
Bürgerrecht im Himmel wichtiger war als das der Schweiz, haben sie
viel Schmerz und Leid auf sich genommen.
Paulus hatte selbst einen ausgezeichneten jüdischen Hintergrund. Er
war Pharisäer aus dem Stamm Benjamin und hätte viel vorzuweisen
gehabt, aber er sagt über seine Vergangenheit:
Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden
erachtet. / Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der
überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen
ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck,
damit ich Christus gewinne. Phil.3,7-8.
Jetzt gibt uns der Staat noch einen gewissen Schutz, den wir in
Anspruch nehmen dürfen, so wie es Paulus tat, als er sich auf sein
römischen Bürgerrecht berufen hatte.
Aber trotzdem, sind und bleiben wir in einer Sonderstellung. Unser
Bürgerrecht ist im Himmel und wir sind auch in der Schweiz als
Schweizer in Wirklichkeit Fremdlinge.
Evangelisation
Wo ist Dein Bürgerort. Bist Du sicher, dass Du zum Schöpfer dieser
Welt gehörst. Das ist eine sehr zentrale Frage, denn Jesus sagt:
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein
Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. / Was hülfe es dem
Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an
seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele
auslöse? Mt.16,25-26.
Das ist nämlich die zentrale Frage: Was geschieht mit meiner Seele?
Die Antwort kann nur Jesus geben. Er ist am Kreuz um unserer Sünde
willen gestorben. Durch den Glauben an ihn bekommen wir ewiges Leben.
Aber wir verlieren auch etwas, wir müssen unser altes Leben loslassen.
Vergängliches müssen wir preisgeben. Verlieren um Jesu willen, damit
wir alles Gewinnen, nämlich das ewige Leben, das über unser Sterben
hinaus Bestand hat.
Gerne zeige ich wie wir dieses ewige Leben bekommen können. Und wie
man praktisch sein Leben um Jesu willen verlieren kann.
III. Der Schweiz verpflichtet bleiben
Wir sind der Schweiz abgestorben und unser eigentlichen Bürgerrecht
ist im Himmel.
Das heisst aber noch nicht, dass wir nicht Schweizer bleiben. Auf
dieser Erde bleiben wir Schweizer und wir bleiben auch der Schweiz
verpflichtet.
Christen stellen sich aufgrund ihrer Bürgerschaft nicht über den
Staat, sondern sie ordnen sich dem Staat unter. Sie sind sozusagen
Doppelbürger, wobei das schweizer Bürgerrecht mit dem Tode erlischt,
aber das himmlische Bürgerrecht mit dem Tode erst recht zum Zuge
kommt.
Christen ordnen sich dem Staat unter und bilden innerhalb vom Staat
keine Opositionsgruppen. Sie wissen, dass Gott die Geschicke dieser
Welt lenkt, ob sie das immer verstehen oder nicht ist nicht von
grosser Bedeutung. Daniel bezeugt über Gott:
Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er
gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand.
Dan.2,21.
Sie fügen sich der Obrigkeit, denn sie ist von Gott gegeben. Petrus
und Paulus machen in ihren Briefen den Gemeinden sehr deutlich, dass
sie sich hüten sollen, gegen den Staat zu oponieren, denn Grund genug
hätte es wohl in jener Zeit gegeben. Aber Paulus sagt beispielsweise:
Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es
ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von
Gott angeordnet.
Was unsere Aufgabe anbelangt, die wir im Staat bestimmt wahrnehmen
sollten, beschreibt Paulus dem Timotheus:
So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte
und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit,
damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller
Frömmigkeit und Ehrbarkeit. 1.Tim.2,1-2.
Anwendung
Gemeinde bildet nie ein Staat im Staat, sondern sie ordnet sich immer
dem gegebenen Staat unter.
Solange der Glaube an Jesus durch das Leben nicht genleugnet werden
muss, halten sich Christen an die staatlichen Ordnungen.
Erst wenn der Glaube an Jesus verleugnet werden müsste, weigern sich
Christen der Obrigkeit Gehorsam zu leisten.
So z.B. als sie aufgefordert wurden dem Kaiser zu opfern.
Unsere Aufgabe im Staat ist die, dass wir für die Obrigkeit beten und
ein vorbildliches Leben führen. Es ist nicht unsere Aufgabe den andern
zu zeigen, dass wir in jeder politischen Frage die einzig richtige
Antwort zu bieten haben.
Wir können in der ganzen Drogenpolitik unsere Meinung haben, aber ob
wir wirklich immer die Richtige Lösung haben, einfach weil wir
Christen sind ist sehr fraglich.
Im unserem Staatssystem dürfen wir mitdenken und mitgestalten, aber
bitte mit der nötigen Vorsicht und Bescheidenheiten. Unsere Aufgabe
bleibt auch in der Demokratie, dass wir der Obrigkeit untertan sind.
Auch in der Demokratie gilt, dass wir für die Obrigkeit beten.
Schluß
Feiern wir heute ruhig unseren 1. August. Aber achten wir darauf, dass
wir nicht der Schweiz, sondern Gott die gebührende Ehre erweisen.
Denn er allein setzt Grenzen und Zeit für eine jede Nation, auch für
unsere Schweiz. Amen
