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Gebet als Schule des Glaubens
Psalm 85 soll heute unser Predigttext sein, Psalm 85.
Es ist ja gut, dass wir den Zeugen des Glaubens auch beim Gebet zuschauen dürfen. Dann können wir viel von ihnen lernen.
Herr, du bist vormals gnädig gewesen deinem Land und hast die Gefangenen Jakobs erlöst. Du hast die Missetat vormals deinem Volk vergeben und alle seine Sünde bedeckt. Du hast vormals all deinen Zorn fahren lassen und dich abgewandt von der Glut deines Zorns.
Hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns. Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für? Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann?
Herr, erweise uns deine Gnade und gib uns dein Heil.
Könnte ich doch hören, was Gott daher redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, damit sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue, dass uns auch der Herr Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe, dass Gerechtigkeit vor ihm hergehe und seinen Schritten folge.
Herr, lehre uns beten! Amen!
Wenn das Ich zu schwer wird
Da ist so ein kleiner Kerl die Straße entlang gelaufen, und er war unheimlich fröhlich. Er hat immer vor sich hin gesagt, das war seine Freude, und daran hat er sich gehalten.
Die Geschichte von der Eisenbahn kennen Sie sicher. Mein Vater hat den Kopf zwischen die Puffer reingebracht. Die Puffer haben sich verbogen, mein Vater hat nichts gemacht. Das ist die Freude eines jungen Kerles, der sagt: Mein Vater, der ist so groß, der hat solch einen schwäbischen Dickschädel. Den kann keiner wegdrücken, der ist stark und groß.
Ich hätte gern so einen Schädel, nicht bloß, um anderen eine Last zu sein und ihnen auf die Nerven zu fallen, sondern weil man so viel tragen muss. Ich denke manchmal, dass viele von Ihnen sich so zurückgeflüchtet haben in ihr innerstes Ich, einfach weil sie die Welt um sich her nicht mehr auf ihrem Rücken aushalten können. Es ist eine schwere, unheimliche Last geworden.
Das, was Sie hören an Leiden, an Nöten, an Bösem, was geschieht, an schwerer Traurigkeit, das sind ja Erlebnisse, die man gar nicht mehr verarbeiten kann. Und das, was man heute noch täglich in der Zeitung liest, was man hört über die Zukunftsentwicklungen der Welt, ich meine immer wieder diese Ich-Gebundenheit, die ist eine Fluchtbewegung in unserer modernen Zeit. Lass mich doch mit der Welt in Ruhe, ich ertrage das gar nicht mehr. Ich habe ja so viel an mir selber zu tragen.
Ob das nicht heute Morgen Ihre Lage ist, dass Sie sagen: Ich sehe nicht mehr weiter. Meine Kinder, meine Einsamkeit, meine eigene Gesundheit ist mir zum Problem geworden, ich werde nicht mehr damit fertig.
Der Glaube als Aufbruch aus der Enge
Da geschieht etwas ganz Großes, wenn Sie heute im Glauben auf den lebendigen Gott schauen können. Das ist ja das wirklich Fühlbare, Spürbare des Glaubens. Ich sehe den lebendigen Gott bei mir, ich gehöre zu ihm, sein Wort wird mir lebendig. Ich kann das fassen, dass ich aufatmen kann und heraustrete aus meiner Traurigkeit, meine Ichgebundenheit überwinde.
Das fehlt heute ganz arg an Menschen, die heraustreten aus ihrem Ich und wieder die Welt sehen, die Menschen auf sie zugehen können, ihnen beistehen, hören, was andere bedrängt. Das wird ein Kennzeichen unseres Glaubens sein, ob wir Weltverantwortung wahrnehmen können. Wir sollen noch Weltverantwortung wahrnehmen, wie soll denn das geschehen können? Wir sind doch selbst schon mit uns so beschäftigt. Wir werden ja mit uns schon gar nicht fertig durch den Glauben, weil wir wissen, dass der mächtige Gott an den Hebeln der Weltgeschichte sitzt und über dieser Welt das letzte Urteil nicht gesprochen ist.
Gott kann alles wenden, alles, was Sie heute Morgen bedrängt. Er kann die Situation herumdrehen, die Sie so bedrückt. Er kann Ihnen Ihre Zukunft hell machen. Und überall in der Welt, wo wir meinen, es sei so finster und so unheimlich, dort kann dies geschehen.
Wie denn? Wie können wir denn etwas erreichen, wie können wir denn hineingreifen in das Geschehen? Durch das Gebet. Es war auf dem Höhepunkt der Katastrophe des Dritten Reiches, als Reinhold Schneider diesen berühmten Vers gedichtet hat: Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten.
Man macht ja heute bei den Spöttern des Glaubens so leicht einen Gegensatz, als ob Beten und Tun, Beten und Arbeiten ein Gegensatz wäre. Ist doch überhaupt kein Gegensatz, sondern in dieser Welt ist man ja resigniert, da hat man keinen Mut mehr, da sagt man: Was soll ich denn noch tun? Ich weiß ja gar nicht mehr, wo ich weitermachen soll. Durch das Beten haben wir wieder Mut.
Durch das Beten haben wir Mut, weil wir wissen, wir haben Gott zum Beistand, den, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden. Der wird doch auch mir den Weg bahnen können, wo ich weiterkomme.
Hören, beten, hoffen
Und jetzt möchte ich, dass Sie wieder anfangen, die Bibel zu lesen und hinzuhören, was Gott für Pläne hat. Ich muss immer mit dem Kopf schütteln, wenn ich in diesen Tagen Christen treffe, die mir sagen können, dass in wenigen Monaten oder Jahren der Weltuntergang kommt. Wir wollen bereit sein, es könnte ja meine eigene Todesstunde heute noch kommen. Da soll nicht die Frage sein, dass wir nicht bereit sind.
Hat Gott nicht über unserer Welt noch Gedanken des Friedens? Wartet er nicht noch geduldig darauf, dass sich einige bekehren lassen? Es ist doch nicht so, dass in dieser Welt einfach nur die dunklen Mächte triumphieren können. Wenn ich die Bibel richtig verstehe, und davon bin ich überzeugt, dann steht dort, dass Gott noch nichts zerstören will, bis heute noch nichts. Sein Gnadenbund ist doch noch da, er gilt für vier Milliarden Menschen.
Und wenn heute Boten des Evangeliums, Täter der Gerechtigkeit und der Liebe, in die Welt hinausgehen, dann hat das Sinn. Wenn Sie sagen: Ich plane für mein Leben, ich kann das nicht mehr hören, wenn junge Leute sagen: No future, ich habe keine Zukunft mehr. Junge Christen haben Zukunft. Sie müssen sagen: Vor mir sind die Wege geebnet. Aus dem Gebet heraus weiß ich, dass Gott mich braucht. Er braucht tüchtige Leute, begabte Leute, Leute, die etwas arbeiten können.
Und gerade wenn in der Welt alles Böse triumphiert und wir wissen: Ich kann dagegen nichts ausrichten, dann ist es doch Gott ein kleines, dem Teufel den Mund zuzustopfen und seine Hände zu binden. Darum habe ich heute für Sie diesen Psalm gewählt, damit wir wieder lernen zu beten. Wenn Sie einmal bei sich jetzt kritisch kontrollieren, wie viel Zeit Sie auf das Gebet verwenden, dann werden wir uns alle schämen müssen. Wir setzen es stillschweigend voraus, aber Gott sagen wir es gar nicht mehr.
Sie wissen auch, wie mickrig klein unsere Gebetsversammlungen sind. Und dann wundern wir uns, wenn so wenig geschieht und wir so wenig erreichen. Wenn wir erleben, dass in unseren Medien eine Verherrlichung des Okkultismus geschieht, wenn wir sehen, wie junge Leute weggeführt werden von Süchten und Trieben, von der Wahrheit, dann betet doch! Ihr habt doch die stärkste Macht, die man je haben kann. Gott will gebeten sein, und auf das Gebet seiner Leute will er handeln.
Er hat noch Pläne mit dieser Welt, sonst hätte er sie schon längst vernichtet. Er will noch viel tun, und er will noch Neues schaffen. Er will erneuern, und er will sein Reich bauen in dieser Welt.
Schuld bekennen und Gottes Zorn ernst nehmen
Aber für dieses Gebet können wir ganz praktisch aus diesem Psalm einiges lernen.
Zuerst beten die Chorgruppe der Kinder, die Söhne Koras, die im Tempelgottesdienst auftrat: Willst du ewiglich über uns zürnen? Das können sie für ihr Gebet übernehmen. Zuerst kommt: Herr, willst du ewiglich zürnen?
Ich habe immer wieder den Eindruck, bei uns sei noch alles so verankert. Das ist auch oft in Predigten zu hören, als das große Fragen des modernen Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, mit dem typischen Beispiel von Borchert, der durch den Unteroffizier Beckmann mit seiner Gasmaskenbrille fragen lässt, als er aus der Kriegsgefangenschaft zurückkommt: „Lieber Gott, wo warst du denn?“
Das ist eine Frage des modernen Menschen: Warst du denn da, damals in Stalingrad? Warst du denn da, als die Bomben das Haus zerstört haben, als die eigene Frau begraben werden musste und das Kind tot war? So können wir doch gegen Gott aufbegehren.
Ich habe manchmal den Eindruck, wenn ich staune, wie oft dieses Beispiel in den Predigten vorkommt, wie abgedroschen das allmählich ist. Das wäre schlimm, wenn das uns bewegen würde. Wissen Sie warum? Weil das Schwere, was in der Welt geschieht, Gottes Zorn gerichtet ist. Wir sollten uns beugen unter das Schwere, das geschieht, auch unter die ganze Last unseres eigenen Lebens.
Ich muss ja von meinem Beruf her oft einem Sarg hinterdreinlaufen. Ich nehme manchmal die weiten Wege auf dem Waldfriedhof immer wieder als ein Reden Gottes mit mir: Wir stolzen Leute sind Staub und Asche. Herr, das willst du mir sagen, damit ich mich nicht überhebe.
Dass in unseren Gemeinden wieder diese Beugung drin ist, über die großen Weltkatastrophen, über Unfrieden und Ungerechtigkeit, über den Vormarsch der Gottlosigkeit. Warum hat der Teufel doch so viel Macht, oft bei uns im eigenen Herzen? Wir sollten uns beugen unter das Unheimliche, das geschieht.
Ich kann nicht verstehen, dass Christen in diesen Tagen hinstehen und mit Fingern zeigen: Dort in der Welt ist Böses. In diesem Psalm hat die Beugung und die Buße Vorrang. Und wenn uns Gott noch einmal Erweckung schenken will in unserem Land, dann kann dies nur geschehen, wo wir uns in Buße vor Gott beugen. Auch über das Schlimme, was in der Geschichte unseres Volkes geschehen ist und heute geschieht.
Lesen Sie einmal das Bußgebet in Daniel 9. Daniel war doch ein Bekenner Gottes, aber er stellt sich unter die Untaten her: Wir haben gesündigt. Das, was jetzt geschieht, dass das Heiligtum zerbrochen wird, das ist dein Reden mit uns. Und ich will doch mit keinem heute streiten, ob es einen Zorn Gottes gibt.
Lesen Sie doch Zeitung, dann sehen Sie genug vom Zorn Gottes, dass diese Welt da hingegeben ist in ihres Herzens Gelüste, dass Ungerechtigkeit wütet, Armut und Hunger und Leidenschaft toben, dass Menschen nicht mehr miteinander können, dass Ehen zerbrechen.
Die Bitte um Erneuerung
Ach Herr, der du vormals gnädig gewesen bist deinem Land, das ist das Tönchen, mit dem wir beten. Du hast doch früher auch deinem Volk noch einmal Gnade geschenkt. Und wir können vom Frieden reden. Wenn das die Menschen um uns her heute bewegt, dann wollen wir es tun. Aber mit dem großen Reden, Herr: Du hast einst unserem Volk aus der Katastrophe eines dreißigjährigen Krieges geholfen. Du hast deinen Zorn 1945 von unserem Volk weggenommen und noch einmal einen Aufschwung geschenkt, wie ihn keiner gedacht hätte. Du hast deiner Gemeinde in China noch einmal Freiheit geschenkt, wie wir es in den kühnsten Gebeten nicht haben ahnen können.
Herr, jetzt lass auch in unseren Tagen deinen Zorn weichen! Der Zorn Gottes lastet über uns, über unseren Häusern, über unseren Familien, weil wir die Gebote Gottes brechen, weil wir ihm nur mit halbem Herzen dienen, weil wir uns nicht willig Gott zur Verfügung stellen. Das ist eine Last, die ganz bestimmt am meisten in der Gemeinde anfängt, in unserer evangelischen Kirche, wo wir Buße tun wollen. Herr, lass in deinem Zorn unsere reich gesegnete 450-jährige Geschichte unserer württembergischen Kirche nicht abbrechen in unseren Tagen, wo wir sehen, wie viele sich abwenden von dem Wort Gottes.
Es ist sicher richtig, wenn wir in unseren Tagen ganz konkrete Schuld aufzeigen können, so dieses unsinnige Morden der Kinder im Mutterleib. Aber das könnte uns auch verführen, dass wir immer wieder in einer Selbstgerechtigkeit sagen: Das machen ja andere, das mache ja ich nicht. Dass wir doch sehen, dass die Lauheit dieser Tage, dieser materielle Sinn, so ergriffen hat, dass wir uns oft gar nicht wundern brauchen, wenn unsere Kinder andere Wege gehen.
Herr, nimm deinen Zorn nicht von uns weg, hilf uns, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns. Wir wollen Weltverantwortung wahrnehmen, und wir wollen beten. Aber wir wissen, dass all die schweren, schweren Geschehnisse von Gott zugelassen sind. So unheimlich das ist: Ist denn Gott so gemein? Nein, er stellt uns in unsere Ungerechtigkeit. Wenn wir von der großen Dürre immer wieder hören, die über Afrika hinweggeht, wenn wir von den Unrechtsregimen dieser Welt lesen, ja, dann sehen wir es.
Aber, Herr, nimm doch deine Ungnade weg, sonst wird es keine Erneuerung geben und keine Gerechtigkeit. Das hat Gott getan in der Geschichte seines Volkes so oft und in unserer eigenen Geschichte so oft, in unserer Volksgeschichte. Wir haben erlebt, wie Gott vergibt und heilt. Willst du ewiglich über uns zürnen? So müssen sie beten.
Frieden, der aus Gottes Wort kommt
Und dann das andere: Vers 9. Könnte ich doch hören, was der Herr redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk.
Jetzt kommt ein Umschwung im Gebet. Auf die Klage hin will ich hören. Zum Beten gehört das Hören auf das Wort Gottes. Und ich bin überzeugt, dass Gott, wenn wir beten, uns ganz neu sein Wort, die Bibel, verständlich machen will.
Martin Luther hat zu diesem Psalm 85, den er besonders liebte, sicher auch aus der ganzen Ungewissheit der damaligen Zustände in der Öffentlichkeit heraus gesagt, es sei kein Klagelied, es sei ein Siegeslied. Jedes Klagegebet eines Christen ist, wo es im Glauben geschieht, ein Siegeslied. Denn wir wissen: Ich bleibe nicht stehen beim Klagen, sondern ich darf Gott herbeirufen. Herr, jetzt rede. Was sagt denn Gott? Dass er Frieden zusagte seinem Volk.
Ihr schreckt ja immer als Prediger, wenn es gleich am Anfang des Gottesdienstes heißt, dass ich nicht meine eigenen Gedanken predigen soll, sondern Gottes Wort, wie Reimen sich Stroh und Weizen zusammen. Ich habe Ihnen heute eine Friedensbotschaft: dass Gott sie einhüllen will in seinen Frieden, auch wenn um sie her die ganze Welt zusammenbricht.
Das ist der Friede Gottes, den man haben kann, selbst im Leid, selbst in der Traurigkeit, wo ich weiß: Die starke Hand Jesu hält mich. Und da ist wichtig: Gott rächt an mir mit seinem Zorn nichts mehr. Es ist gebüßt durch das Blut Jesu Christi. Und ich wollte es Ihnen heute in diesem Gottesdienst zusprechen. So wie wir es tun sollen im Auftrag Jesu, so vergebe ich dir alle die Sünde, die du vor Jesus bekennst und die dich reut, weil doch Gott dich sucht und dir seinen Frieden zusprechen will.
Also: Frieden zusagte seinem Volk. Das gilt nicht für jeden. Das gilt für die, die Jesus gehören, für seine Schafe, die zu seiner Herde gehören, die sich ihm verschrieben haben, die sagen: Der Herr Jesus, du sollst mein Herr sein.
Darum noch einmal die Bitte, dass Christen sich nicht noch panisch machen lassen durch eine Weltuntergangsstimmung, die sie meinen, aus der Bibel ablesen zu müssen. Wir wollen, solange die Erde steht, von dem Frieden reden, den uns Gott schenkt, und dann von den Aufgaben, die in dieser Welt noch zu tun sind. Große Aufgaben. Wir wollen sie anpacken. Dann lesen wir jedes Wort der Bibel neu und hören es, wenn Gott sagt: Mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen. Mein Zorn soll nimmer stehen bleiben über dir.
Es gibt ja so viele Resignierte, die sagen: Was hat es denn noch für einen Wert, wenn ich arbeite? In meinem Leben ist sowieso alles falsch, ich habe alles falsch gemacht. Da will ich nichts beschönigen. Wenn sie Schuld sehen, muss die vor Gott bekannt werden. Aber Gott will einen Neuanfang setzen, weil er seinen Zorn wegnimmt und weil seine Gnade wirksam wird. Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Sendung in eine dunkle Welt
Ich suche wieder glaubende Menschen, die in dieser Welt nicht klagen und lamentieren über das Böse, das geschieht, sondern die sagen: Ich gehe hinaus in die Welt, und ich will einmal die Macht des Teufels zerbrechen mit meinem Dienst, weil Gott mich sendet. Ich will sein Reich bauen, auch dort, wo es noch so dunkel ist. Ich will Zeichen wirken.
Ich sprach vor ein paar Tagen mit einem jungen Christen, der sich der Aufgabe verschrieben hat, solche gebundenen jungen Menschen, die arbeitslos sind und von allen Süchten getrieben werden, frei zu machen. Es hat mich gefreut über diesen Glaubensmut, weil der Herr mir seinen Frieden zuspricht: Ich kann wirken und bin brauchbar.
Und jetzt geht es noch weiter in dem Psalm: Seine Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten. Jetzt steht noch etwas da von den großen Plänen, die Gott hat. Das ist Wissen. Über dieser Welt hat Gott noch einige große Dinge, die er verwirklichen will, bevor das jüngste Gericht kommen kann. Und darum wollen wir Menschen sein, die ihre Weltverantwortung wahrnehmen, im Gebet und im Tun.
Wenn wir heute vom Frieden hören, dass uns Gott Frieden zusagt, dann soll immer klar sein, dass es nicht ein fauler Friede ist, so wie wir es auch gesungen haben im Lied von Manfred Siebald. Es gibt ja auch einen Frieden in dieser Welt. Menschen sagen: Wir haben Frieden, wir brauchen kein Evangelium und kein Trostwort und keine Ermutigung. Wir werden mit unserem Leben selber fertig.
Bis 1973 sind sie beschrieben: Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute, sie werden nicht wie andere Menschen geplagt. Sie haben Frieden, sie prangen in Hoffart und hüllen sich in Frevel. Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt, sie achten alles für nichts und reden böse. Sie reden und lästern hoch her. Sie haben Frieden.
Das ist nicht der Friede, den Gott meint. Sondern Gott will in dieser Welt, verborgen in einer Welt, die wirklich natürlich auf das Gericht Gottes zuläuft, noch sein Heil sichtbar werden lassen. Das Alte Testament ist immer die Rettung der Gemeinde Jesu. Christen haben eine Veranlagung, alles zu versinnbildlichen und in Bilder aufzulösen. Wenn Sie das Alte Testament lesen, werden Sie merken, dass Gott auch reale Pläne der Erneuerung hat.
Da ist dieser Zeller, von dem wir das Eingangslied gesungen haben, als Schwabe hinausgegangen in die Schweiz und hat jene Armenanstalt Beugen gegründet. Er, ein junger Mann, und er hat gewusst: Gott will in das Elend dieser Welt hinein Neues bauen. Was denn Neues? Güte und Treue.
Güte können Sie auch übersetzen mit Barmherzigkeit, dass die Liebe Gottes spürbar wird. So war der Impuls der Diakonie, so wurden Zeichen des Reiches Gottes gesetzt. Und Treue heißt doch, dass Gott zu seinen Verheißungen steht und sie erfüllt, buchstäblich, dass man sich darauf verlassen kann und dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Das geschieht ja wirklich nur bei Jesus, dass diese unverbrüchliche Gerechtigkeit und der Frieden zusammenfallen. In dieser Welt gibt es immer nur Frieden, der basiert auf Ungerechtigkeit und auf Macht. Wir wissen ja auch, dass das Einheitsreich des Antichristen nicht das Friedensreich sein wird, wo sich Gerechtigkeit und Friede küssen.
Passen Sie ganz arg auf, dass wir uns nie einen Frieden mit halber Gerechtigkeit erkaufen! Wir wollen Friedensboten sein und wollen dafür eintreten. Manche von Ihnen sind ganz unsicher und sagen: Ich stehe in einem weltlichen Beruf, warum braucht mich da Gott? Da braucht Gott solche Leute, wo sich Frieden und Gerechtigkeit küssen, nicht bloß in der Justiz, in der Verwaltung, in öffentlichen Ämtern, wo sie mit anderen Menschen zusammenkommen.
Das wird man spüren können: Dort ist einer, der aus der Gerechtigkeit Gottes lebt und der im Frieden Gottes steht und der Frieden Gottes schaffen will. Wir wollen wieder heiß darum beten, dass in den großen Nöten unserer Welt wieder etwas sichtbar wird. Unsere Frau Wertz ist zurückgekehrt aus Ghana und hat erschütternd erzählt, wie dort die Ungerechtigkeit grassiert und die Korruption. Wir wissen von Uganda und von so vielen Ländern, wo das Leiden ist.
Herr, lass doch deine Christen noch einmal Versöhnung stiften können. Das ist ein Wort, das sich richtet. Auch daraufhin, dass Christen Verantwortung wahrnehmen aus dem Gebet heraus, im Glauben, weil wir ein großes Ziel haben, dass wir hineingehen in die Dienste, in die Aufgaben. Für uns gibt es nie ein Unmögliches.
Wir sagen nie zu einem Menschen: Dort ist Hopfen und Malz verloren, sondern wir haben eine Hoffnung, von der die Welt nichts weiß. Das beflügelt uns zum Dienst, die Mütter zum Erziehen ihrer Kinder, zum Reden mit Nachbarn und Bekannten. Wenn wir wissen, es gibt eine Veränderung, von der nur das Evangelium sagt, eine Erneuerung, dann wollen wir dienen als Aufgabe, dass Gerechtigkeit vor ihm hergehe und seinen Schritten Folge her.
Wir wollen noch etwas Neues für dich wirken in dieser Welt, in unserer Stadt und in unserem Land. Dazu gebrauche uns. Amen.

