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Die bessere Offenbarung

Jesus - einfach besser (1/8)
Hebräer 1,1-307.04.2020
SerieTeil 1 / 8Jesus - einfach besser (Hebräerbrief)
Jesus ist mehr als ein gutes Vorbild: Er zeigt, wer Gott wirklich ist. Und er spricht nicht nur von außen zu dir – durch ihn wird Gott mitten im Alltag greifbar.

Einleitung und Ziel der Reihe

Herzlich willkommen! Sie können gerade zwar nicht zu uns ans BSK kommen, aber deshalb kommen wir jetzt zu Ihnen nach Hause.
Mein Name ist Dominik Kramer, und ich bin Fachbereichsleiter und Dozent für praktische Theologie am Bibelstudienkolleg. Ich freue mich darauf, dass wir uns jetzt gemeinsam auf die Reise machen.
Wir wollen gemeinsam einen Blick in den Hebräerbrief werfen: Jesus einfach besser. Das ist das Thema, mit dem wir uns jetzt in den nächsten Tagen und Wochen gemeinsam beschäftigen wollen. Wir wollen acht Einheiten zu diesem Thema haben und jeweils immer ungefähr eine halbe Stunde mit dem Fokus darauf, dass Jesus besser ist. Und ich freue mich schon sehr, wenn Sie mit dabei sind und wir diesen ausflugenden Hebräerbrief gemeinsam gestalten können.
Was machen wir nicht? Wir wollen uns in Bezug auf den Hebräerbrief jetzt nicht mit der Verfasserfrage beschäftigen: Wer hat den Hebräerbrief geschrieben? Wir haben ja die Situation, dass zu Beginn des Hebräerbriefs kein Name, kein Autor dabei steht und es so verschiedene Positionen gibt, die sagen: War es vielleicht Paulus, war es vielleicht Apollos oder sonst jemand anderes? Mit dieser Frage wollen wir uns nicht beschäftigen.
Wir wollen auch nicht den Hebräerbrief bis ins Detail auslegen. Wir wollen nicht Vers für Vers durch den ganzen Hebräerbrief gehen, dazu würde die Zeit auch gar nicht ausreichen. Im Gegenteil: Wir werden den Schwerpunkt vielmehr sogar nur auf die Kapitel 1 bis 11 legen.
Mein Ziel ist es, dass wir Jesus im Hebräerbrief entdecken: Jesus einfach besser. Genau das ist auch das Thema, mit dem wir uns eben diese Tage und Wochen gemeinsam beschäftigen wollen.

Der Hebräerbrief als Weg zum Verständnis des Alten Testaments

Ich möchte aufzeigen, wie wir aus dem Hebräerbrief lernen können, das Alte Testament richtig zu verstehen und einzuordnen.
Wenn es heißt, Jesus ist einfach besser, dann bedeutet das nicht, dass die Dinge, die im Alten Testament waren, und die uns gerade im Hebräerbrief auch beschrieben werden, schlecht waren. Nein, darum geht es nicht. Es geht darum, dass das, was im Alten Testament war, natürlich gut war: all die Einrichtungen, all die Dinge, die Gott dort eingesetzt hat. Aber Jesus ist noch besser. Warum? Weil Jesus die Erfüllung des Alten Testaments ist.
Die Dinge, die es im Alten Testament gab, sind im Prinzip nur Vorschattungen, Vorbilder auf Jesus. Und genau so wollen wir auch an den Hebräerbrief herangehen, weil der Hebräerbrief uns das genau so beschreibt.
Das bedeutet ganz konkret: Das Kommen Jesu ist keine Weiterentwicklung alttestamentlicher Gedanken, so nach dem Sinn, dass es im Alten Testament eben noch ein unausgereiftes theologisches Konzept gab und dann kam Jesus und hat es verbessert. Oder es heißt auch auf der anderen Seite nicht, dass Jesus das Alte Testament, weil es eben nicht ausreichend war, ersetzt. Nein, es geht schlicht und einfach darum, dass Jesus die Erfüllung des Alten Testaments ist.
So wie Jesus ja auch in der Bergpredigt sagt: Ich bin nicht gekommen, das Gesetz abzuschaffen, sondern zu erfüllen. Genau darum geht es. Und genau darum wollen wir uns jetzt auch in den nächsten Wochen drehen.

Überblick über die Themen der Reihe

Wir wollen uns verschiedene Aspekte anschauen, was es heißt, dass Jesus besser ist. Und dazu könnt ihr euch hier eine kleine Übersicht über die einzelnen Themen ansehen, die wir in den nächsten Wochen gemeinsam anschauen wollen.
Teil eins: Jesus, die bessere Offenbarung. Teil zwei: Jesus, der bessere Botschafter. Teil drei: Jesus, der bessere Mose. Teil vier: Jesus, die bessere Ruhe. Teil fünf: Jesus, der bessere Hohepriester. Teil sechs: Jesus, der bessere Bund. Teil sieben: Jesus, das bessere Opfer. Und dann in Teil acht: Jesus einfach besser.
Und jetzt: Was hat das alles, was wir hier gesehen haben, dass Jesus besser ist, für Konsequenzen? Mit diesen Themen wollen wir uns in den nächsten Wochen beschäftigen. Und wir werden sehen, dass es beim Vergleich zwischen Altem und Neuem Testament immer darum geht, dass Gott Dinge einrichtet, die letztendlich für den Menschen verstehbar sind. Er setzt also irdische Güter ein, die wir Menschen sehen, anfassen und begreifen können, um uns damit geistliche Wahrheiten, die dahinterstehen, zu verdeutlichen.
Das heißt: Die Dinge im Alten Testament waren notwendig, damit Gott sich Stück für Stück offenbart und uns auf Jesus vorbereitet. Aber das Eigentliche, worum es geht, war von Anfang an Jesus.

Das Grundprinzip von Schatten und Erfüllung

Das wird auch im Hebräerbrief deutlich. Ich möchte das einmal an einem Beispiel zeigen. Schlagen wir gemeinsam Hebräer 8 auf.
In Hebräer 8,5 lesen wir Folgendes: Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte. Da sprach er: Dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.
Hier ist von dem Abbild und dem Schatten des Himmlischen die Rede. Und ein Kapitel weiter, in Hebräer 9,11, lesen wir dann: Christus aber ist gekommen als ein Hoher Priester der zukünftigen Güter durch die größere und vollkommenere Stiftshütte, die nicht mit Händen gemacht ist, das ist: die nicht von dieser Schöpfung ist.
Wir sehen also den Unterschied zwischen der irdischen Stiftshütte, die Mose nach dem Abbild der himmlischen machen sollte, und der eigentlichen, der wahren Stiftshütte, für die Jesus gekommen ist. Und nach diesem Prinzip ist der ganze Hebräerbrief aufgebaut: Es wird immer wieder aufgezeigt, was irdisch und sichtbar ist auf der einen Seite und was in Jesus das Eigentliche ist auf der anderen Seite.
Ganz konkret heißt das: Gott offenbarte sich schon im Alten Testament, aber im Neuen Testament offenbarte er sich selbst in Jesus. Gott forderte schon im Alten Testament Opfer, Tieropfer zur Vergebung der Sünden, aber nur das Opfer des Sohnes war ein Opfer, das wirklich Sünden vergeben konnte.
Gott führte auch schon das Volk Israel in die Ruhe des Landes Kanaans hinein, aber diese Ruhe war nur vergänglich. Die eigentliche, die wahre Ruhe finden wir allein bei Jesus.
Das ist das Prinzip des Hebräerbriefs.

Der erste Abschnitt des Hebräerbriefs als Schlüssel zur besseren Offenbarung

Wir starten nun mit dem ersten Teil unserer Reihe „Jesus, die bessere Offenbarung“. Dazu möchte ich die ersten vier Verse des Hebräerbriefs gemeinsam mit euch lesen:
Nachdem Gott vor Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort. Er hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.
Wir sehen hier, wenn wir genau hinsehen, zu Beginn des ersten Verses vier Dinge, die früher waren und jetzt anders sind.
Zum einen ist da das erste Wort, das wir hier lesen: vor Zeiten, früher. Gott hat vor Zeiten gesprochen. Gott hat als zweiten Punkt auf vielerlei Art und Weise gesprochen. Das bedeutet ganz konkret, dass Gott verschiedene Dinge gebraucht hat, um zu Menschen zu sprechen, sei es zum Beispiel durch Träume, durch Visionen, er hat Propheten eingesetzt und so weiter.
Das Dritte ist ganz konkret, dass er dann sagt, er hat zu den Menschen durch die Propheten gesprochen. Und als vierten Punkt: Er hat zu den Vätern gesprochen.
Der Gegensatz nun ist: Jetzt, heute, in dieser letzten Zeit hat Gott eben nicht mehr durch die Propheten gesprochen, sondern er hat durch den Sohn gesprochen. Er hat nicht mehr auf vielerlei Art und Weise zu den Menschen gesprochen, sondern er spricht auf diese eine Art und Weise, dass er sich selbst uns offenbart. Und er hat eben nicht zu den Vätern gesprochen, sondern heute spricht Gott zu uns.
Es ist eine ganz andere Qualität der Offenbarung Gottes.

Warum Gott spricht und wie Gemeinschaft entsteht

Und wenn wir jetzt vom Reden Gottes sprechen, wenn es darum geht, dass Gott zu Menschen spricht und dass diese Art des Redens Gottes besser ist als früher, dann müssen wir uns zunächst einmal die Frage stellen: Warum spricht Gott überhaupt zu uns Menschen? Was ist das Ziel des Redens Gottes?
Da können wir uns überlegen, was generell das Ziel des Redens ist. Warum kommunizieren wir miteinander? Was ist das Ziel? Zum einen rede ich mit jemandem, um mich ihm mitzuteilen, um dem anderen etwas über mich zu sagen. Es geht darum, dass ich mich dem anderen offenbaren möchte. Und auch das tut Gott.
Wir lesen in Römer 1,20, dass der Mensch allein aus der Schöpfung erkennen kann, dass die Welt eben nicht aus dem Nichts entstanden ist, sondern dass es einen Schöpfer geben muss. Und wenn wir in die Schöpfung schauen, dann stellen wir auch fest, dass wir aus dieser Schöpfung sicherlich auch Eigenschaften Gottes ableiten können: dass er ein kreativer Gott ist, dass er sehr auf das Detail achtet, dass er ein liebevoller Gott ist.
Und doch sagt uns die Schöpfung auf der anderen Seite relativ wenig über das Wesen Gottes, darüber, wer Gott ist und wie Gott ist. Dafür muss sich Gott uns selbst offenbaren. Gott muss mit uns Menschen sprechen, er muss mit uns kommunizieren, damit wir ihn verstehen können. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite ist, dass Kommunikation auch immer eine Form von Gemeinschaft ist. Gerade in einer Zeit, in der Gemeinschaft nicht so ohne Weiteres möglich ist, wo es gewisse Auflagen gibt, dass man eben nicht soziale Kontakte wahrnehmen darf, merken wir wieder, wie wichtig soziale Kontakte sind. Natürlich können wir uns mit digitalen Möglichkeiten aushelfen, mit Skype oder mit anderen Videokonferenzmöglichkeiten, mit dem Telefon, aber das ersetzt nicht die persönliche Begegnung. Und umso länger wir das machen, umso mehr merken wir, dass wir auf die persönliche Begegnung angewiesen sind.
Auch das spielt eine Rolle, warum Gott mit uns Menschen redet: weil er Gemeinschaft haben will.

Vom früheren Reden Gottes zur Gegenwart in Christus

Was heißt das jetzt ganz konkret? Was ist jetzt der Unterschied zwischen dem Früher und dem Heute?
Früher sprach Gott in der Regel durch Vermittler, durch Propheten, durch Träume. Er sprach vielleicht auch durch eine Stimme, die vom Himmel kam. Aber heute spricht Gott durch seinen Sohn Jesus.
Früher hat Gott Möglichkeiten der Begegnung geschaffen. Diese Möglichkeiten waren aber immer an Voraussetzungen geknüpft. Eine solche Begegnung konnte nur im Tempel, in der Stiftshütte, stattfinden. Und immer nur dann, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllte. Wenn man zum Beispiel Priester war, wenn man die Reinheitsvorschriften eingehalten hatte, dann war die direkte Begegnung mit Gott möglich.
Heute können wir ganz einfach in Jesus Gemeinschaft mit Gott haben. Das heißt: Früher war Gott auf Mittelsmänner angewiesen, und heute tritt er in Jesus persönlich mit uns in Kontakt.
Nun kann man natürlich einwenden und sagen: Moment mal, heute? Ich spreche die ganze Zeit vom Heute, aber die Zeit, in der Jesus da war, ist doch zweitausend Jahre her. Natürlich konnten die Jünger sagen: Wir sehen Jesus jetzt, wir können jetzt wirklich erleben, wie Gott ist. Zu ihnen konnte Jesus ja auch sagen: Wer mich sieht, der sieht den Vater.
Aber Jesus ist mittlerweile gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Und wir sehen ihn doch gar nicht mehr, er ist doch gar nicht da.
Der entscheidende Punkt ist, dass Jesus durchaus da ist. Er hat, bevor er gegangen ist, versprochen, dass er durch seinen Geist in uns lebt. Christus in uns – darum geht es. Jesus lebt jetzt durch seinen Heiligen Geist in uns, und so ist auch für uns heute Gemeinschaft möglich.
Oder was heißt möglich? Gemeinschaft mit Gott ist dadurch nicht einfach nur eine Möglichkeit, sondern es ist eine ständige Realität. Gott ist in Jesus da, er lebt in uns.

Der Heilige Geist als Schlüssel zum Verstehen der Schrift

Und das Zweite in Bezug auf die Offenbarung durch Jesus: Durch den Heiligen Geist in uns sind wir in der Lage, das Wort Gottes zu verstehen. Das ist ja ganz spannend.
Wir lesen dazu in 2. Timotheus 3,16, dass die ganze Schrift vom Heiligen Geist eingegeben wurde. Dort steht das griechische Wort Theopneustos, also so viel wie „von Gott gehaucht“ oder besser gesagt „von Gott geatmet“. Es wurde vom Geist eingegeben. Das heißt: Der Autor der Bibel ist der Heilige Geist.
Wenn wir nun in 1. Korinther 2 gehen, lesen wir dort wiederum, dass der natürliche Mensch geistliche Dinge nicht verstehen kann, sondern dass nur der geistliche Mensch geistliche Dinge verstehen kann. Das heißt, es braucht wiederum den Heiligen Geist, damit wir als Menschen geistliche Dinge überhaupt wahrnehmen können.
Der Heilige Geist ist somit der Autor der Bibel, und er ist auch derjenige, der uns die Schrift öffnet. Er hat die Schrift inspiriert, eingegeben, und er illuminiert sie, das heißt, er erleuchtet sie uns auch, damit wir verstehen, was in der Bibel steht.
Das heißt, auch hier wieder ist der Heilige Geist, Christus in uns, das Mittel dazu, dass wir Gott besser erkennen dürfen. Das ist ein Zeichen der besseren Offenbarung: dass wir eben keinen Mittelsmann mehr brauchen, dass wir niemanden mehr brauchen, der uns erklärt, wie etwas zu verstehen ist, sondern dass jeder selbst an die Bibel herangehen kann, sie lesen kann und sie verstehen kann, wenn der Heilige Geist an ihm wirkt.
Und natürlich sind die Lehrer jetzt auch nicht ganz überflüssig. Ich würde mir ins eigene Fleisch schneiden, wenn ich sage, wir brauchen keine Lehrer mehr. Das ist natürlich hilfreich. Aber nicht dadurch, dass ich Ihnen jetzt erkläre, was im Hebräerbrief steht, können Sie geistliche Zusammenhänge verstehen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes. In der Hoffnung natürlich, dass er auch mich gebraucht, aber auch in der Hoffnung, dass Sie sich daheim hinsetzen und danach die Bibel weiterlesen, damit Sie prüfen, ob das, was ich sage, auch wirklich stimmt.
Und in diesem Prozess, das garantiere ich Ihnen, ist der Heilige Geist am Wirken.

Der Inhalt der Bibel und das Zeugnis von Christus

Jetzt haben wir also gerade gesehen, dass der Heilige Geist die Bibel inspiriert hat und dass er uns dabei hilft, die Bibel zu verstehen. Jetzt stellt sich natürlich die große Frage: Worum geht es in der Bibel? Was ist der Inhalt der Bibel?
Und Jesus selbst gibt die Antwort darauf. In Johannes 5,39 sagt er zu den Pharisäern: Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind es, die von mir zeugen. Jesus macht deutlich, dass die Schriften von ihm zeugen.
Bei den Emmausjüngern in Lukas 24 lesen wir das Gleiche. Dort legt Jesus ihnen die Schriften aus, das Alte Testament, und zeigt auf, dass es um ihn geht.
Das Ziel der Bibel ist es, Jesus zu verherrlichen. Und in Johannes 16 lesen wir, dass auch das Ziel des Heiligen Geistes ist, Jesus zu verherrlichen.
Hin und wieder wird ja Bibel und Heiliger Geist gegeneinander ausgespielt, so nach dem Motto: das Wort auf der einen Seite, der Geist auf der anderen Seite. Manchmal sogar nach dem Motto: Ja, das ist der Buchstabe, der tote Buchstabe, und der lebendige Geist. Aber das ist biblisch gesehen völliger Unsinn.
Wort und Geist gehen Hand in Hand. Sie haben beide das Ziel, Jesus großzumachen. Sie wollen uns zeigen, wer Jesus ist. Und dann gilt wieder das Gleiche, was wir gerade schon bezüglich der Jünger gesagt haben: Wer mich sieht, sagt Jesus, der sieht den Vater.
Wenn wir den Sohn erkennen, dann erkennen wir auch, wer der Vater ist. Gott offenbart sich.

Wer der Sohn ist: Mensch und Gott zugleich

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wer ist dieser Sohn? Auch darauf gibt uns der Hebräerbrief zu Beginn eine sehr interessante Antwort. Er zeigt uns verschiedene Aspekte davon, wie der Sohn ist. Und es ist sehr spannend, wenn wir hier genauer hinschauen, wie Jesus beschrieben wird.
Da heißt es zum einen, Jesus ist der Erbe. Er ist der, der alles ererben wird. Dann heißt es, dass durch ihn die ganze Welt gemacht wurde. Er ist sozusagen der Schöpfer dieser Welt. Wir lesen außerdem davon, dass er der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild des Wesens Gottes ist. Des Weiteren lesen wir, dass er alles durch sein Wort erhält, dass durch ihn die Sünden vergeben wurden, dass er zu Recht in der Majestät sitzt und dass er viel höher als die Engel geworden ist.
Was heißt das? Wenn wir uns diese sieben Aspekte einmal genauer anschauen, dann stellen wir fest, dass hier zwei wesentliche Aspekte der Person Jesu deutlich gemacht werden. Zum einen wird uns Jesus hier als der vollkommene Mensch beschrieben, und zum anderen als der vollkommene Gott.
Wir haben Eigenschaften, die ihn als den Menschen beschreiben. Diese gelten auch für uns, wenn wir mit Jesus leben. Sie sind uns ebenfalls verheißen. Auf der anderen Seite haben wir Eigenschaften, die so weit von uns entfernt sind, dass wir Menschen damit nichts zu tun haben. Sie können nur die Gottheit Jesu beschreiben.

Jesu Menschsein als Vorbild und Verheißung

Zum einen heißt Jesus der Erbe. Dass Jesus der Erbe ist, zeigt die Menschheit Jesu, weil auch wir, Römer 8,17, mit Jesus miterben dürfen. Das heißt: Das, was hier über Jesus geschrieben wird, gilt auch für uns. Wir sind Miterben Christi.
Dann heißt es, dass Jesus der Abglanz und das Ebenbild Gottes ist. Der eine oder andere denkt wahrscheinlich gleich an 1. Mose 1,27, wo es heißt, dass wir Menschen zum Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Wenn man genauer hinschaut in unserem Leben, dann stellt man fest: Na gut, das mit dem Ebenbild mag schon stimmen, aber es ist nicht so ganz ein vollkommenes Ebenbild. Wir sind schon sehr unvollkommen, unperfekt.
Aber wenn wir ins Neue Testament gehen, dann sehen wir, dass es dort heißt, dass Jesus das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, zum Beispiel in Kolosser 1,16 oder eben in der Hebräerstelle, die wir hier haben. Und wir lesen auch in 2. Korinther 3,18, dass wir durch den Geist in das Bild Christi verwandelt werden. Das heißt: Der Heilige Geist in uns, Christus in uns, möchte uns verändern, damit auch wir seinem Bild gleichgestaltet werden.
Letztendlich könnte man sogar sagen, dass Gott den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen hat, dass das ein Ziel war, der Zweck, der Sinn des Lebens: dass wir Ebenbilder Gottes werden. Aber wir sind nicht in der Lage dazu. Wir können uns anstrengen, wir können probieren, was wir wollen, wir schaffen das nicht. Wir brauchen den Geist Gottes in unserem Leben, der uns verändert, damit wir zum Ebenbild Gottes werden können, damit wir in das Bild Jesu verwandelt werden.
Und ein dritter Aspekt an dieser Stelle: Wir lesen, dass es heißt, Jesus sitzt zur Rechten Gottes, er regiert mit der Majestät. Und das Coole ist: Auch über uns Menschen wird genau das berichtet. In der Offenbarung heißt es, dass wir mitregieren dürfen, mit Jesus. Dass wir nicht einfach nur in den Himmel kommen dürfen und dort vor uns hin leben, sondern dass wir dort mitregieren werden. Auch das zeigt wieder diese menschliche Seite, dieses Vorbild Jesu, dass er sozusagen der Erste ist unter Brüdern, wie es uns auch im Römerbrief beschrieben wird.
Und zu guter Letzt ist davon die Rede, dass er höher geworden ist als die Engel. Und wenn wir uns nächstes Mal damit beschäftigen und uns dieses Thema der Engel anschauen, was ja dann in Hebräer 1,5 und folgende noch genauer kommt, dann wird man feststellen, dass das interessanterweise auch für uns gilt, dass auch wir höher sein werden als die Engel.
Das ist also so diese eine Seite, wie Jesus uns hier vorgestellt wird: eine, kann man sagen, menschliche Seite von ihm. Aber nicht einfach nur menschlich, sozusagen der Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen, sondern Jesus repräsentiert hier den vollkommenen Menschen. Er repräsentiert hier den Menschen, wie Gott sich Menschsein gedacht hat.

Jesu Göttlichkeit als Ursprung und Vollendung

Und gleichzeitig repräsentiert Jesus auch Gott. Er repräsentiert eine Seite an sich, die wir Menschen nie so erreichen können, nämlich dass er auch gleichzeitig wahrer Gott ist.
Es beginnt damit, dass es heißt, dass durch ihn die Welt geschaffen wurde. Jesus ist nicht einfach ein Geschöpf Gottes. Jesus kam nicht erst in Bethlehem zur Welt und war vorher noch nicht da. Nein, Jesus ist der allmächtige Gott, der die Welt erschaffen hat.
Auch wenn wir in 1. Mose 1 nichts von Jesus lesen, so wird es doch im Neuen Testament immer wieder bezeugt, im Hebräerbrief, in Kolosser 1, in Johannes 1, im Prolog, wo es genau darum geht, dass durch das Wort alles entstanden ist. Jesus ist der Schöpfer, er ist der allmächtige Gott.
Ein zweiter Aspekt ist: Es heißt hier, Jesus trägt alles durch sein Wort. Das müssen wir uns einmal vorstellen. Er trägt alles durch sein Wort. Ohne das Wort, ohne dass er das alles tragen würde, würde die ganze Welt in sich zusammenfallen.
Jesus erschafft also nicht nur, sondern er erhält auch die ganze Schöpfung, und beides einfach durch sein Wort. Er hat die ganze Welt aus dem Nichts erschaffen. Er hat gesprochen, und es wurde. Und genauso erhält er auch die Schöpfung.
Welcher Mensch könnte das von sich behaupten? Auch wir, wenn wir einmal vollkommen bei Gott sind, haben nicht diese Macht, alles zu halten, alles zu tragen. Nein, das kann nur Jesus, der wahre Gott.
Und ein ganz wichtiger und letzter Punkt: Er hat die Reinigung von den Sünden vollbracht. Jesus ist gekommen, um die Welt zu erlösen. Er ist gekommen, um uns zu erlösen, damit wir, wenn wir an ihn glauben, gerettet werden, damit die Sünden vergeben werden, damit er in unser Leben einzieht durch den Heiligen Geist, in uns lebt, uns verändert, uns umgestaltet und uns ihm ähnlicher macht.
Auch hier wird wieder deutlich: Das kann kein Mensch sein, denn kein Mensch kann Sünden vergeben. Da sehen wir ja das Problem, das die Pharisäer mit Jesus hatten, das die Schriftgelehrten mit Jesus hatten. Sie sagten: Was bildet der sich ein, dass er sagt, er vergibt hier Sünden? Das kann doch nur Gott.
Und damit hatten sie absolut recht. Aber Jesus ist der wahre Gott.

Christus in uns als bleibende Offenbarung

Jesus ist die bessere Offenbarung. Er ist wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Er hat sich den Jüngern damals vor zweitausend Jahren offenbart, indem er in diese Welt gekommen ist. Die Menschen konnten ihn anfassen, die Menschen konnten mit ihm essen. Sie konnten erleben, wie er sich mit anderen Menschen unterhält, wie er mit ihnen umgeht und wie er sich in bestimmten Situationen verhält. Sie konnten erleben, wie Gott ist.
Und gleichzeitig können wir das heute auch noch. Denn Jesus ist nicht gegangen, um uns hier allein zurückzulassen. Er hat seinen Geist gesandt: Christus in uns.
Paulus spricht im Kolosserbrief davon, dass es seine Aufgabe ist, das Geheimnis in aller Welt zu verkündigen. Das Geheimnis, das seit Ewigkeiten verborgen war, nämlich genau dieses Geheimnis: Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit. Christus in uns, die bessere Offenbarung.
So möchte ich dich jetzt bitten, dass du dich uns offenbarst, dass du dich uns zeigst, dass wir dich erkennen können, weil du in uns lebst. Amen.
Ich bedanke mich ganz herzlich für eure Aufmerksamkeit. Schön, dass ihr bis zum Schluss jetzt auch dabei wart, und ich freue mich auch schon, mit euch gemeinsam den nächsten Teil dann anzuschauen: Jesus, der bessere Botschafter.
Wer sich für die Arbeit von BSK interessiert, vom Bibelstudienkolleg, der darf gern auch auf unsere Homepage gucken. Und natürlich dürft ihr uns als Bibelschule auch gerne unterstützen, im Gebet oder auch finanziell. Ich würde mich freuen, wenn wir uns auch mal hier am BSK sehen würden, sobald das natürlich möglich ist.
Ansonsten wünsche ich Ihnen allen noch einen wunderschönen Tag. Machen Sie es gut, bis zum nächsten Mal, ciao!

BibelStudienKolleg