Einführung: Der Preis der Nachfolge
Musstest du schon einmal richtig für etwas bezahlen? Eine Entscheidung, für die du vielleicht dankbar warst und von der du weißt, dass sie die richtige war, die aber auch wirklich etwas gekostet hat.
Als ich früher noch als Verkäufer gearbeitet habe, war ich immer dankbar, wenn mich jemand gefragt hat: „Was kostet das?“ Dann wusste ich, dass die Person wirklich darüber nachdenkt.
Ist dir eigentlich bewusst, welchen Preis Millionen von Christen heute zahlen müssen, um Christ zu sein? Und glaubst du, sie tun das leichtfertig?
Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge: Wir steigen tiefer in die Bibel ein, wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können, und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.
Zu alldem gibt es Dutzende kostenfreie Tools. Es gibt Hörbücher, Online-Kurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst.
Zur Transparenz: Finanziert wird all das hier durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, weil dieses Projekt langsam Fahrt aufnimmt.
Damit willkommen zur neuen Videoreihe über die Sieben Sendschreiben der Offenbarung. In sieben Videos schauen wir uns die Sieben Sendschreiben der Offenbarung an – jeden Freitagnachmittag eines.
Dabei erkläre ich jedes Sendschreiben am Urtext so bibeltreu wie möglich und zeige, was du und ich daraus lernen können und praktisch für unser Glaubensleben als Christen umsetzen können.
Hintergrund und Aufbau der Offenbarung
Zum Hintergrund
Das letzte Buch der Bibel ist die sogenannte Offenbarung. Sie besteht aus zwei großen Teilen: Kapitel 1 bis 3 bilden die Einleitung, enthalten die Charakterisierung und die Sendschreiben. Die Kapitel 4 bis 22 enthalten Prophezeiungen, die viel Bibelkenntnis voraussetzen. In ihnen geht es um die Zukunft, die letzten Jahre der menschlichen Zivilisation, ein kommendes Friedensreich, das Jüngste Gericht, die Hölle und die Ewigkeit.
Die Sendschreiben sind kurze, prägnante Briefe, die der auferstandene Jesus diktiert hat. Sie sollten an christliche Gemeinden in der heutigen Türkei geschickt werden – von den beiden Metropolen Ephesus und Pergamon bis hin zu den Nebenstädten. Fast jedes dieser Sendschreiben enthält Lob für die jeweilige Gemeinde, Kritik und eine Aufgabe. Historisch spricht einiges dafür, dass diese Sendschreiben tatsächlich an die Leiter der sieben Gemeinden übergeben und dort öffentlich verlesen wurden.
Spannender ist jedoch, dass diese sieben Sendschreiben schnell und weit über die ursprünglichen sieben Gemeinden hinaus verteilt, regelmäßig gelesen und weiterverbreitet wurden. Zusammen mit dem allgemeinen, tiefgründigen Charakter der Offenbarung legt das nahe, dass es unter der Oberfläche um weitaus mehr geht als nur um Arbeitszeugnisse für türkische Frühkirchen.
Im Laufe der Jahrhunderte gab es zahlreiche wertvolle und gute Auslegungen dieser Sendschreiben. Auch wenn Details unterschiedlich interpretiert werden, sind sich viele kundige Exegeten darin einig, dass hier sieben verschiedene Gemeindementalitäten beschrieben werden. Vereinfacht gesagt handelt es sich um sieben Arten von Menschen, die sich selbst als Christen bezeichnen.
Das bedeutet, Jesus hält uns damit – mit unseren aktuellen Stärken, Schwächen und den Bereichen, an denen wir arbeiten sollten – einen immens wertvollen Spiegel vor. Dieser Spiegel soll dich und mich wachrütteln.
Insgesamt nimmt die Offenbarung kein Blatt vor den Mund. Deshalb sollten wir uns beim Lesen und Hören dieser sieben Sendschreiben ganz selbstkritisch fragen: Was findet Jesus an deinem Glaubensleben gut? Wo ist deine Beziehung zu Gott angreifbar? Und worauf kannst du in den kommenden Wochen besonders den Fokus legen?
Die Frage, die sich dir stellt, lautet also: Was für ein Sendschreibentyp bist du?
Aufruf zur Unterstützung und Einführung in Smyrna
Bevor wir starten, kann die Community hier kurz dabei helfen, dass solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben.
Wenn du gerade auf Instagram bist, tippe einfach schnell zweimal auf dein Handy, um das Video zu liken. Auf YouTube kannst du das Video ebenfalls liken.
Wenn du die Glocke unter dem Video aktivierst, erhält YouTube ein Signal. Dadurch werden auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte angezeigt, die sie ansprechen könnten. Das ist eine starke Möglichkeit.
Deshalb lass uns die Glocke gerne nutzen, solange wir können. Vielen Dank!
Damit kommen wir zum heutigen Sendschreiben von Smyrna.
Historischer Kontext der Gemeinde Smyrna
Kurzer historischer Hintergrund, um das für dich anschaulicher zu machen:
Weißt du, diese sieben türkischen Gemeinden, die sieben Gemeinden der sieben Städte, sind durch ein Straßennetzwerk verbunden. Deshalb war es häufig möglich, in weniger als zwei Tagesreisen von A nach B zu gelangen. Nachrichten konnten per Post, also sozusagen per Pferd, noch viel schneller von A nach B gesendet werden.
All das spielte sich in der heutigen Türkei ab, die damals sozusagen ein Bundesstaat im Römischen Reich war. Ganz vereinfacht ausgedrückt, hieß diese Provinz Asia. Aus diesem Grund nennt man diese Gegend in der Türkei heute noch manchmal Kleinasien.
Die Stadt Smyrna war übrigens angeblich der Geburtsort von Homer. Er schrieb die Ilias, die von den Eroberungen der Stadt Troja handelt, und die Odyssee. Architektonisch und vom Design her muss die Stadt Smyrna wirklich sehr schön und optisch ansehnlich gewesen sein.
Gelegen war Smyrna an einer Handelsstraße, die von Rom über Smyrna nach Persien bis hin nach Indien führte. Smyrna war wirtschaftlich vielleicht nicht die Topmetropole, aber immer noch sehr gut dabei. Im Vergleich zu Pergam und Ephesus war es jedoch etwas weniger bedeutend.
Zwei Dinge an Smyrna waren bemerkenswert:
Erstens wurde die Stadt durch Gilden reguliert. Das kennen manche vielleicht von Mittelalterspielen oder aus Geschichtsbüchern. Ganz grob vergleichbar ist das mit den allerersten Gewerkschaften, die damals in Großbritannien entstanden sind. Diese Gilden bestimmten das Stadtleben und das wirtschaftliche Zusammenleben stark.
Man konnte also, übertrieben gesagt, keinen Finger rühren, wenn eine Gilde nicht damit einverstanden war. Das führte häufig zu einer Art starker Vetternwirtschaft, ähnlich wie das heute noch manchmal in den neuen Bundesländern üblich ist. Das bedeutete, wenn du in Smyrna aus irgendwelchen Gründen in Ungnade bei deiner Gilde, deiner Gewerkschaft oder deiner Belegschaft gefallen bist, hattest du ein echtes Problem, in der Stadt Fuß zu fassen oder dich überhaupt zu etablieren.
Zweitens gab es eine Menge Wissenstransfer. Durch die ganzen Nachrichten, die aus dem Orient durch Smyrna Richtung Rom und wieder zurück flossen, gab es Bibliotheken. Smyrna war damals so etwas wie ein Zentrum für Wissenschaft und Medizin.
Alles schön und gut, denkst du dir vielleicht, aber das muss ja alles irgendwo herkommen. Wer bezahlt denn das alles? Die Antwort ist Rom. Die Gunst von Rom, die Gunst des römischen Kaisers und des römischen Imperiums war für die Stadt Smyrna ganz, ganz wichtig.
Sie hatten eine kleine, aber heute würde man fast sagen fanatische Gruppe, die den Kaiser von Rom fanatisch verehrte – und das auch religiös.
Warum eigentlich den Kaiser? Du kannst heute ungefähr nach Nordkorea schauen, wo Kim Jong-un oder sein Vater Kim Jong-il absolute Herrscher sind, die teilweise als Gottheiten verehrt werden. In manchen nordkoreanischen Schulbüchern lernen die Kinder, dass, wenn sie Kim Jong-un oder Kim Jong-il nicht anbeten, zum Beispiel die Sonne nicht aufgehen würde.
Ähnlich fanatisch waren damals manche Menschen darauf versessen, dass der Kaiser von Rom absolut angebetet werden sollte. Was auch immer es war – ob das Geld war, die kulturellen Einflüsse oder politische Gründe, um dem Kaiser zu dienen – fest steht: Damals hatten sie keinen Nerv für Christen. Gar nicht.
Polycarp von Smyrna und die Verfolgung der Christen
Hast du schon einmal von Polycarp von Smyrna gehört? Polycarp ist ein wichtiger Zeitzeuge der frühen christlichen Geschichte, weil er wahrscheinlich der Assistent eines der bedeutenden Apostel war. Deshalb wurde er später häufig um Rat gefragt, wenn man wissen wollte, ob eine bestimmte Lehre der reinen christlichen Lehre entsprach oder nicht.
Jedenfalls weigerte sich Polycarp damals, dem Kaiser zu opfern. Als Strafe dafür wurde er im Zirkus bei lebendigem Leib geröstet. Doch selbst nachdem man ihn angebrannt hatte, war er immer noch bei Bewusstsein und nicht tot. Schließlich wurde er erstochen.
Man sieht also, dass es mit den Bewohnern, den Obrigkeiten und den Stadtverwaltern von Smyrna nicht gut Kirschenessen war.
Lob für die Gemeinde Smyrna
Wofür werden die Christen in Smyrna jetzt gelobt? Jesus sagt zu ihnen: „Ich kenne deine Taten.“ Das bedeutet, es muss eine Form von sichtbaren Taten gegeben haben, die er wahrnimmt. Man kann erkennen, dass sich Menschen engagieren und versuchen, in der irdischen Welt Gutes zu tun. Zum Beispiel durch soziales Engagement, Hilfe für Arme, Unterstützung von Bildungs- und Pflegeeinrichtungen oder finanzielle Hilfe. Diese guten Taten kennt und sieht Jesus, und er lobt sie dafür.
Dann sagt er weiter: „Ich kenne deine Drangsal, ich kenne deine Bedrängung.“ Das heißt, es muss bereits eine Form von Bedrängung vorhanden gewesen sein. Später eskalierte die Situation in Smyrna komplett, aber schon in den Neunzigerjahren waren die Anfänge dieser Bedrängung sichtbar. Jesus sagt außerdem: „Ich kenne deine Armut, du bist aber reich.“
Woher die Armut kam, kann man sich leicht vorstellen: Wer Christ war, wurde damals in den Gilden oft nicht akzeptiert. Die Gilden waren wirtschaftliche Zusammenschlüsse, und wenn man dort nicht mitspielen durfte, bedeutete das eine Art Wirtschaftsboykott. Jeder kann sich vorstellen, wie schwer es ist, wenn man als Selbstständiger nicht seiner Tätigkeit nachgehen kann.
Jesus sagt also: „Ich kenne all diese Dinge. Ich kenne deine Werke, dass du dich trotz Armut, Bedrängnis, Mobbing und allen Ungerechtigkeiten und Widrigkeiten engagierst.“ Er betont: „Ich kenne auch deine Armut, aber du bist reich.“ Das heißt, die Christen in Smyrna verleugnen ihren Glauben nicht, auch nicht in schwierigen Zeiten.
Jesus fährt fort: „Ich kenne die Lästerungen.“ Das bedeutet, es gibt Beschimpfungen und Schmähungen. Es geht nicht nur darum, dass hinter dem Rücken getratscht wird, sondern dass offen gegen Christen Politik gemacht wird. Es wird noch genauer ausgeführt: „Ich kenne die Lästerungen von denen, die sagen, sie wären Juden und sind es nicht.“
Das ist ähnlich wie in vielen Religionen, besonders im Christentum, wo sich manche so nennen, aber mit dem Herzen und im Alltag ganz anders leben. Weiter heißt es dort: „Sie sind eine Versammlung des Satans.“ In manchen Übersetzungen steht vielleicht „Synagoge des Satans“. Ob das die perfekte Übersetzung ist, kann man diskutieren, denn „Synagoge“ ist griechisch und bedeutet „Versammlung“. Daher lassen wir das vorerst offen.
Gedanken zur "Versammlung des Satans"
Was könnte das jetzt bedeuten?
Na ja, pass auf: Auf das Wesen des Satans gehen wir heute nicht ein, sondern in einem der nächsten Videos. Drückt gerne die Glocke, dann wird das Video über den Satan auch angezeigt.
Um es ganz kurz zu machen, hier zwei Gedankenanstöße dazu: Die Versammlung des Satans bedeutet, wenn Menschen sich bewusst dem Evangelium entgegenstellen. Das heißt, wenn Menschen bewusst das Gegenteil von dem tun, worum es im Christentum geht.
Zum Beispiel gibt es zwei ganz große Heresien im Christentum: Entweder man macht aus Jesus nur einen Menschen und spricht ihm seine Gottheit ab – das funktioniert nicht. Oder man baut Werkgerechtigkeit ein, nach dem Motto: Ja, du kannst gerettet werden, aber du brauchst Jesus plus irgendetwas, was du tust. Und wenn dir das fehlt, kannst du nicht in den Himmel kommen.
Das ist in gewisser Weise eine Art Selbsterlösung. Das ist ja der Unterschied des Christentums zu so ziemlich allen Weltreligionen, die es überhaupt gibt. In den großen Weltreligionen geht es immer darum, wie ein Mensch sich selbst erlösen kann, wie er zu Gott kommen kann, ins Jenseits oder ins Nirwana eingehen kann, was man tun muss, welcher Weg dahin führt usw.
Im Christentum geht es im Kern darum, dass du selbst nichts dafür tun kannst, sondern dass Gott das schon getan hat. Es liegt eigentlich nur noch an dir, das anzunehmen. Denn wenn ich an Selbsterlösung glaube, habe ich die Illusion, dass wir selbst über unser ewiges Schicksal entscheiden könnten. Jesus macht das sehr deutlich: Das kann nur Gott sein.
Das heißt, bei der Werkgerechtigkeit geht es am Ende darum, dass wir uns ein Stück weit zu Gott machen. Beides – das Verneinen von Jesu Gottheit und die Werkgerechtigkeit – hat eine gemeinsame Einflugschneise: Wir denken, wir können mit den Heiligen Schriften machen, was wir wollen.
Wir können ihnen Dinge hinzufügen, wie wir wollen. Wir können zum Beispiel den Wachtturm hinzufügen, das Buch Mormon, kirchliche Traditionen oder wir denken, wir können ihnen etwas wegnehmen. Das ist im liberalen Christentum ein großes Problem. Dort wird oft nur die Hälfte der Bibel als gültig angesehen, oder man sagt, das und das sei übertragen gemeint und so weiter.
All das hat denselben Infekt: Es entkräftet die Heiligen Schriften. Und das führt zu Abwägungen, die wiederum zur Heresie führen.
Praktische Hilfsmittel und Einladung zur Vertiefung
Bevor wir zu dem kommen, was Jesus diesen Christen mit großem Nachdruck rät, um bei alldem den Überblick zu behalten und tiefer einzusteigen, kannst du dir sehr gern diese schöne Übersicht über die sieben Sendschreiben der Offenbarung gratis mitnehmen.
Dort findest du eine kurze, einfache Erklärung der Offenbarung sowie eine Übersicht über alle sieben Sendschreiben. Du kannst sie gern für deinen Hauskreis, Jugendstunden, Katechismus, Konfirmanden- oder Religionsunterricht verwenden.
Dank der Hilfe aller Menschen, die hier mitspenden – vielen Dank – konnte ich diese Übersicht erstellen. Jetzt kann ich sie öffentlich und vor allem kostenfrei verschenken.
Also nimm sie dir gern mit über den Link unter diesem Video, solange es möglich ist.
Keine Kritik an Smyrna – eine Gemeinde in Verfolgung
Wofür wird die Gemeinde in Smyrna jetzt kritisiert? Nichts, nichts, gar nichts. Es gibt keine Kritik. Zusammen mit Philadelphia ist Smyrna die einzige Gemeinde, der der sieben Briefe erwähnt, die nicht kritisiert wird.
Weißt du warum? Weil sie verfolgt wird. Ist das also die Belohnung dafür, wenn du als Christ verfolgt wirst, dass du nicht kritisiert wirst? Nein, vielmehr bringt die Verfolgung nur ans Licht, wie fokussiert die Christen in Smyrna sind.
Warum? Weil eine verfolgte Gemeinde immer eine reine Gemeinde sein wird. Warum? Weil du nur Menschen dabei hast, die wissen, worum es geht, warum sie dabei sind und warum sie sich darauf einlassen.
Christenverfolgung ist etwas, das gerade heute Abend überall auf der Welt stattfindet. Es gibt einen Bericht, der auf das britische Außenministerium zurückgeht. Dieser bezeichnet das Ausmaß der weltweiten Christenverfolgung inzwischen als genozidartig. Er stellt außerdem fest, dass Christen nach absoluten Zahlen die meistverfolgte Religionsgemeinschaft weltweit sind – auch im einundzwanzigsten Jahrhundert.
Falls du mehr über dieses extrem wichtige Thema wissen möchtest, empfehle ich dir mit großem Nachdruck, den Kanälen von Open Doors zu folgen. Open Doors findest du auf Instagram und YouTube. Sie haben einen sehr guten Newsletter und auch eine Website. Dort bringen sie regelmäßig kostenfreie Materialien heraus.
Ich mache jetzt einfach unbezahlte Werbung für sie, kann dir das aber nur mit ganz großem Nachdruck empfehlen. Schau dir an, was Open Doors zu bieten hat.
Glaubst du nämlich, dass jemand leichtfertig Christ wird, wenn ihm solche großen Verfolgungswellen drohen?
Kontrast zur Situation der Christen in Deutschland
Ein Kontrast dazu zeigt sich in Deutschland. Als Anfang 2020 die erste Corona-Welle und der Lockdown begannen, legte diese erste Welle neben vielen anderen Dingen die Probleme vieler Christen in Deutschland wie unter einem Brennglas offen. Viele Kirchen und Gemeinden waren vollkommen und heillos überfordert damit, plötzlich digitalisieren zu müssen.
Noch bedeutsamer ist, dass sich unter vielen Predigern in zahlreichen Gemeinden eine echte Angst breitgemacht hat. Sie bemerkten, dass häufig mehr als 80 Prozent von allem, was sie das ganze Jahr über tun, und das ist meist das Drumherum des Christentums, worum es im Kern gar nicht geht, sich gar nicht digitalisieren lässt. Diese Prediger befürchteten, dass ihnen ihre Gemeinden wegbrechen könnten.
Und genau das ist häufig passiert. Es ist nicht nur so, dass viele Ersatzangebote nur spärlich angenommen wurden. Noch viel aussagekräftiger ist, dass sich viele Gemeinden bis heute, also nach der ersten Welle und inzwischen der vierten Welle, nicht erholt haben. Viele Gemeinden liegen brach.
Was meine ich mit dem Drumherum? In einer Untersuchung unter Mitgliedern von Gemeindekirchenräten – das sind Älteste im landeskirchlichen Kontext – wurde deutlich, dass das Soziale für sie die wichtigste inhaltliche Dimension der Gemeindearbeit ist. Das Soziale ist das Wichtigste, worum es im Christentum geht, sagen sie. Das ist doch spannend, oder? Weniger als einer von sieben Mitgliedern von Leitungsräten interessiert sich für religiöse Bekenntnisse oder gar dafür, anderen Menschen von Jesus zu erzählen.
Das wirklich Traurige, wenn ich eine anschließende Kritik äußern darf, ist: Nach meiner Wahrnehmung haben viele große Kirchen in den letzten zwei Jahren versucht, Menschen um jeden Preis für sich zu gewinnen. Sie sind dem Zeitgeist nachgefolgt und haben versucht, große politische Strömungen in sich aufzunehmen oder ihnen nachzulaufen. Das hat nachweislich nicht einmal funktioniert.
Viele große Kirchen möchten gern die Anerkennung der Welt haben. Sie sind sehr stark auf Menschenliebe fokussiert. Aber das Traurige ist, dass selbst das nach hinten losgeht. Weltweit nimmt die absolute Zahl der Christen jedes Jahr zu, nur in Westeuropa nicht. In Deutschland schrumpft sie sogar.
Global gesehen stoßen Christen auf Widerstand, die christliche Botschaft ist unbeliebt, und Christen werden verfolgt. Hier in Deutschland hingegen ist die Kirche nicht nur akzeptiert, sondern gesellschaftlich aufgesogen. Sie wird sogar staatlich gefördert.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir so gut wie alle Freiheiten, Gelder und Möglichkeiten, um das Evangelium zu verkünden. Trotzdem sind unsere Kirchen leer. Seit Jahren, ob Welle eins oder Welle vier, haben wir mehr Austritte als Eintritte. Und schon vor Corona war das so.
Weniger als einer von fünfundzwanzig evangelischen Kirchenmitgliedern besucht regelmäßig Gottesdienste. Und bei Leuten unter fünfunddreißig Jahren sind es weniger als einer von hundert evangelischen Kirchenmitgliedern, die regelmäßig Gottesdienste in ihrer eigenen oder anderen Gemeinden besuchen. Das sagt alles.
Um mehr über die Situation von Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erfahren, gibt es auf diesem Kanal eine eigene Videoreihe. Drücke gerne die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
Der Auftrag Jesu an Smyrna: Fürchte dich nicht
Welchen Auftrag gibt Jesus jetzt der Gemeinde in Smyrna? Zunächst sagt er: Fürchte nichts von dem, was du erleiden wirst.
„Fürchte dich nicht, hab keine Angst, ich bin bei dir.“ Ja, es gibt unangenehme Dinge, die auf dich zukommen. Aber du hast es selbst in der Hand, ob du dich zusätzlich mit Furcht belasten willst oder nicht. Jesus sagt ganz deutlich: Fürchtet euch nicht vor Menschen, die nichts tun können, als eurem Körper etwas anzutun. Fürchtet euch vor Gott.
Gottesfurcht statt Menschenfurcht, Gottesliebe statt Menschenliebe. Fürchtet euch vor Gott, der die Fähigkeit und die Macht hat, Körper und Seele in die Hölle zu werfen. Jesus sagt: Fürchtet euch nicht vor dem, was ihr erleiden werdet. Das heißt, es wird noch schlimmer werden als das, was ihr jetzt gerade erleidet. Aus säkularen historischen Büchern wissen wir, dass das tatsächlich passiert ist.
Er sagt: Siehe, der Teufel – auf den Teufel werden wir nächstes Jahr ganz in Ruhe eingehen – wird etliche von euch ins Gefängnis werfen. Gefängnisse damals, Ende des ersten Jahrhunderts, waren anders als heute. Man müsste jetzt prüfen, ob das in Smyrna großartig anders war. Ich tippe mal auf nein.
Gefängnisse damals waren in der Regel nicht klimatisiert, man bekam nicht zwei oder drei Mahlzeiten am Tag und Ähnliches. Es waren eher Todeszellen. Das war nicht wie Untersuchungshaft. Wenn du ins Gefängnis kamst, gingst du eigentlich hinein, um zu sterben. Du hattest keine lange Lebenserwartung. Die wenigsten Menschen, die in Gefängnissen waren, kamen wirklich heil und lebendig wieder heraus.
Der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet. Könnte das bedeuten, dass das eine Möglichkeit ist, um herauszufinden, wer wirklich zu Jesus gehört und wer nicht? Ich weiß es nicht, es steht nur dort. Und dort werdet ihr Drangsal haben, zehn Tage lang.
Jesus sagt zum Abschluss: Sei getreu bis in den Tod, dann will ich dir die Krone des Lebens geben. Sei getreu! Das heißt, das Motto an die Christen in Smyrna lautet: Halte durch!
Auch wenn du jetzt vielleicht gerade an deinem Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Uni Diskriminierung erlebst – wir wollen hier nicht einmal von Verfolgungen sprechen – aber wenn du benachteiligt wirst und merkst, dass bestimmte Dinge sozial schwierig sind, wenn du teilweise ausgegrenzt wirst, Mobbing erleben musst oder Lästereien ausgesetzt bist: Ich glaube, ich könnte eine Menge Leute hier, mich eingeschlossen, eine Menge Geschichten erzählen.
Halte durch! Christsein ist keine kurzfristige Aktion. Es ist kein Aktionismus, bei dem du dich ausbrennst oder Ähnliches. Christsein ist eine Lebenshaltung, bei der es darum geht, dich dauerhaft einzurichten.
