Einleitung
Es ist bei uns so Brauch, dass wir am Neujahrstag als Predigttext die
Jahreslosung nehmen.
Und wie es eben in diesem Lied geheißen hat, so stimmt's auch: Jesus soll
die Losung sein. So hat dieses Lied begonnen, die Jahreslosung steht im
Römerbrief Kapitel 6 im letzten Vers, Vers 23.
Römer 6 Vers 23: Die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus
Jesus, unserem Herrn.
Es ist immer so, wenn ein solches Wort herausgegriffen wird, dann muss man
meist verkürzen, man sieht dies schon daran, dass das Aber" meist
wegfällt, denn dieses Wort der Losung ist ja ganz eng mit dem vorangehenden
Satzteil verknüpft, der aber meist in der Jahreslosung nicht zitiert wird
und der doch so wichtig ist zum Verständnis. Der Sünde Sold ist der Tod,
die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn."
Liebe Schwestern und Brüder, wenn man jetzt sich so anhört, was an
Prognosen gegeben wird für das neue Jahr, man kann schon sagen, es ist
kennzeichnend, dass viel Pessimismus verbreitet ist, obwohl es uns doch
sehr gut geht. Ich kenne kaum einen Landstrich auf der Welt, wo man sagen
kann, es geht den Menschen so gut und sie haben so viel Frieden, aber
überall hört man besorgte Stimmen, und alle blicken ängstlich in die
Zukunft. Das ist interessant, ich hab zufällig bei der Vorbereitung zur
Predigt in einem Büchlein geblättert, und dann dachte ich, Mensch, das ist
aktuell! Da stand drin: Wie heute allgemein die Zukunftserwartungen sehr
schlecht sind und die meisten sogar von der Dämonie der Weltgeschichte
sprechen, und dann stand da eine Menge drin, wie die Atomforscher selbst
pessimistisch die Zukunft beurteilen. Und mit schlechtem Gewissen an ihre
Erfindung denken. Ich hab gedacht, wann war denn das, stand drin: 1962
gedruckt. Man merkt, das geht schon weit zurück. Wahrscheinlich war der
große Fortschrittsoptimismus schon vor dem ersten Weltkrieg in sich
zusammengebrochen. Vielleicht war das um die Jahrhundertwende noch da, dass
die Menschen meinten, jetzt beginnt ein neues Jahrhundert. Es sind lauter
ängstliche Stimmen um uns her, und besorgte Stimmen. Und wenn man dann
unter vier Augen miteinander redet, da bin ich immer wieder betroffen, wie
viel Leid und Schweres Sie alle zu tragen haben. Dass die Krankheit doch so
schwer ist, oder Sie so viel Ärger haben mit Ihren Kindern. Oder berufliche
Sorgen, dass die Überforderung im Beruf so groß ist, dass man gar nicht
mehr fertig werden kann, dass seelische Leiden immer mehr um sich greifen,
ich könnte die Kette beliebig fortsetzen, was an Schwerem auf Menschen
liegt, so dass ich sage: Ich blicke mit großen Sorgen in dieses Neue Jahr
1987. Ich weiß nicht, wie es werden wird. Und jetzt will ich einen anderen
Ton anstimmen, weil also die Menschen so sorgend in die Zukunft blicken,
muss ich Ihnen sagen, dass glaubende Leute fröhlich in die Zukunft blicken.
Und der ganze Ton dieser Predigt soll nur Freude sein. Wir sollten als
Christen nicht noch heute Negatives hineintragen. Die Leute haben viel zu
viel schon selber vor Augen und sie wissen um all die Bedrohungen. Wir
sollten etwas mitteilen von der Kraft und Freude, die uns Zuversicht gibt
für das Neue Jahr. Und ich muss sagen, wir können uns als Christen freuen
auf dieses Jahr. Es wird ein reiches, ein gesegnetes, ein schönes Jahr
werden, was auch kommen mag.
Ein Jahr unseres Herrn Jesus Christus. Wo er uns vielfach begegnen will,
Jesus soll die Losung sein. Ich habe drei Gedanken, die ich Ihnen ein wenig
näher ausführen will.
Wir erwarten viel
Der erste: Wir erwarten viel. Wir erwarten viel.
In den USA soll ein Schafzüchter, wie man erzählt, namens Yates gelebt
haben. Ein armer Mann, er hat nicht viel verdient, und das ist schon lange
her. Der Ertrag von seiner Schafzucht warf nicht genug ab, um seine große
Familie zu ernähren und so bekam er auch aus der Armenpflege noch etwas,
damit er überhaupt über die Runden kam. Und eines Tages rückten Bohrleute
und Geologen an und die sagten, sie wollten auf seinen Grundstücken einmal
Versuchsbohrungen unternehmen. Er hat eingewilligt, was soll ihm das auch
viel schaden, sie wollten ja auch alles erstatten, was an Zerstörung
angerichtet wurde. Und dann wurde man fündig. Öl. Und wie! Dieser Yates
soll einer der reichsten Männer der Vereinigten Staaten geworden sein. Noch
dreißig Jahre nach der Entdeckung der Ölquellen hat man die Erträge, dieser
Ölquellen weiter steigern können. Immer mehr Öl floss aus diesen
Grundstücken, die vorher nicht genug abwarfen, um eine Familie zu ernähren.
Da wollte ich dies zum Bild nehmen für das, was wir für das Neue Jahr
erwarten. Wir wollen gar nicht von dem reden, was Sie jetzt alles erzählen
könnten. Vom kümmerlichen Ertrag, von der schweren Arbeit, von den Sorgen,
die Sie haben, von den Belastungen, die Sie an Ihrem Körper spüren, unter
Krankheit leiden, ja wie, was heißt das, dass man da bohren kann, und dass
man da Schätze heben kann, und dass man da plötzlich fündig wird. Wir reden
so oft davon, dass es uns fast schon geläufig ist, und man gleich
abschaltet, ja, jetzt spricht der wieder davon, dass man eben bei Jesus
-ja, was denn? - dass man das Leben gewinnt! Das völlig neue Leben! Das das
alte ganz in den Schatten stellt. Ja, was ist denn der Unterschied jetzt?
Die meisten Christen machen einen großen Fehler. Sie nehmen ein Stück vom
Evangelium in ihr Leben hinein und behandeln es so, wie man ein Stück
Religion behandelt. Das heißt, sie leben so weiter wie vorher, sie sagen
nur: Ich bete halt noch, lese in der Bibel, ich bemühe mich, und das ist
die Garnierung, die fromme Garnierung ihres Lebens. Aber was hier der
Paulus im Evangelium beschreibt, und was in dieser Jahreslosung anklingt,
ist ja etwas völlig anderes. Da wird erzählt, dass Menschen an einem großen
und tiefen Graben stehen. Haben Sie einen solchen Graben überhaupt in Ihrem
Leben, keinen Sie den? Einen Graben, wo Sie sich sagen: Der hat mein Leben
getrennt und geteilt, an diesem Graben hat sich mein Lebensschicksal
verändert. Und das steht ja in diesem sechsten Kapitel drin. Mein altes
Leben ist an ein Ende gekommen. Was meint er denn da? Wir verstehen, wenn
einer heute vielleicht in schlimme Abhängigkeit von Süchten geriet, oder
schwer kriminell war, dass wir sagen, das Leben, das braucht'n Bruch. Aber
dass das Leben von uns Bürgern genau so'n Bruch braucht vor Gott, dass das
alte Leben, wie sagt Paulus dort im sechsten Kapitel, begraben sein muss
unterm Kreuz Jesu. Ja, was meint er denn damit? Und ich muss Sie kurz in
diese Gedanken des Paulus einführen, weil die so wichtig sind für uns. Er
sagt ja, dass das normale, alltägliche Leben, also unsere Berufsaufgaben
und unser Familienleben, all das, was wir produzieren im Eifer, im
aufrichtigen Bemühen, dass das nur den Tod am Ende mit sich bringt. Das ist
ja schwer, auch all das Liebe und das Schöne, das wir einander schenken, am
Ende bringt's nur den Tod. Es passiert ja auch bei Ihnen, dass Sie
plötzlich an einem Sterbebett sitzen. Da hat erst in diesen Tagen wieder
eine Krankenschwester erzählt, wie es ihr erst wieder beim Sterben eines
lieben Menschen aufgegangen sei, dass eigentlich alles, ein schönes
Eheleben, und die Familie abbricht, in den Tod hinein. An diesem Erleben,
und darüber müssen wir kurz uns besinnen, an diesem Erleben wird es
deutlich, dass das doch eben alles doch ein Ende hat, obwohl manchmal, bei
dem Begräbnis, bei den Nachrufen so Worte gemacht werden: Wir werden ihn
nie vergessen!" Doch! Da bricht alles ab. Mein Leben hört auf, und ich muss
einmal über diese Todesschwelle hinweg und merken, das ist ein Abgrund, in
den ich stürze. Paulus sagt nur: Das Christenleute zu Lebzeiten an diesen
Punkt, an diesen Graben kommen. Ihr altes Leben begraben, und nichts mehr
davon erwarten, weil sie wissen, dass was aus allem heraus kommt, ist der
Tod, ist der Sold, der da ausbezahlt wird. Das, was die Quittung ist, das
Ergebnis von allem. Und Paulus spricht immer wieder, dass, immer wieder
davon, dass der Hintergrund dieses Geschehens, die Sünde sei. Und da denkt
er nicht an irgendwelche Einzelverfehlungen, sondern er meint mit Sünde
unsere ganze Gottferne, in der wir leben. Wir sind doch in diese Welt
hineingestellt so fern von Gott, und aus all dem, was wir mit bester
Absicht planen und schaffen, das bringt doch nur den Tod mit sich, das
macht ja dieses Neue Jahr für viele Menschen so enttäuschend. Und es
wundert uns gar nicht, dass auch die Verantwortlichen in Wirtschaft und in
der Politik und in der Kunst das alles so pessimistisch sehen. Wir Christen
wissen nur die Ursache. Weil Gott so fern gerückt ist in unserem Alltag,
versinken wir in der Traurigkeit. Darum ist das alles auch so schwer, darum
werden wir mit den Berufslasten nicht mehr fertig, darum wachsen uns die
Probleme über den Kopf. Darum sind die Eheschwierigkeiten kaum mehr zu
lösen. Und wir wollen alle nur das Beste. Es ist niemand da, der nicht das
Beste will, und wir bringen es einfach nicht fertig, wir mühen uns, und
schaffen's nicht. Und am Ende kommt nur der Tod. Es ist doch hoffnungslos
traurig. Das ist der Graben, von dem Paulus spricht. An diesem Graben
stehen Christen und legen ihr altes Leben hinein, und sie empfangen das
neue Leben von Jesus Christus. Die Gabe aber, die Gabe Gottes aber ist das
ewige Leben in Christus Jesus. Neues Leben. Jetzt möchte ich so sagen: Ein
ganz verändertes Tun, diese 365 Tage dieses Jahres 1987 sollen wirklich
Ihnen neu geschenkt sein als Gabe Gottes in Christus Jesus. Wo Sie sagen:
Ich möchte all die Schwierigkeiten, die mich dort erwarten, in Jesus
Christus neu entdecken. Mir hat in diesen Tagen gefallen, wie eine
Auslegung zur Jahreslosung ein Bild gebraucht. Ich suche immer verzweifelt
Bilder, weil ich meine, in so einer Predigt vergisst man so viel wieder,
und vielleicht kann man ein paar Bilder gebrauchen. Da stand drin, dass man
aus dem Teufelskreis ausbrechen kann. Genau das meint Paulus. Aus dem
Teufelskreis ausbrechen, der Schwermut und der Traurigkeit, indem ich sage:
Ich schaff das nicht selber! Ich empfange das Leben neu von dir, Jesus
Christus, ich will all die Schwierigkeiten neu lösen, in deiner Kraft, und
ich erwarte, dass du, Jesus, mein Herr bist, auch dort im Neuen Jahr, wo
ich mutlos bin und nicht mehr weiter weiß.
Das war der erste Gedanke: Wir erwarten viel. Wir erwarten viel. Die Gabe
aber, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem
Herrn.
Es handelt sich um eine sprudelnde Quelle
Den zweiten Gedanken, den ich Ihnen weitersagen will zur Jahreslosung, der
heißt: Es handelt sich um eine sprudelnde Quelle. Was ist eigentlich Leben?
Wir tun ja etwas schwer bei solchen Worten, die sind so, wie sagen wir,
abstrakt, so kühle Begriffe, Denkbegriffe. Man kann ja das Leben nicht im
Reagenzglas erschütteln. Was ist Leben? Und doch ist das Leben etwas
ungemein Anschauliches. Beobachten Sie einmal all das, was wir von der
Entstehung der Welt wissen. Und da wird erzählt, dass irgendwann, wie sagen
da die Naturforscher, aus der Ursuppe, oder aus dem Urknall heraus, Leben
entsteht. Immer wieder faszinierend, genau weiß man's ja immer nicht, was
war denn das Geheimnis, dass plötzlich Leben entsteht? Dass dann wieder
eine Zellteilung kommt, das kann man ja schon verstehen, aber wo kommt
eigentlich das Leben her? Und da gehen ja manche heute so weit, dass sie
sagen, das sind solche Kräfte der Evolution, die haben in sich eine solche
Kraft, dass sie sich gegen alle Widerstände durchsetzen. Und sie
produzieren immer neue Formen der Schönheit in der Natur. Es ist fast
unerschöpflich, was diese Anhänger der Evolution, dieser Schöpfungskraft
zutrauen. Eine unermessliche Kraft. Nur glaubende Menschen sagen, dass das
aus Zufall kommt, das kann nicht, das kann ich nicht fassen. Sondern, ich
kann das nur verstehen, dass das die Gabe Gottes ist, das Leben. Ungeheuer,
die Vielfalt der Tierwelt, die Unendlichkeit des Weltalls, dessen Ende man
nie erkennen kann, Leben, das Gott schafft. Aber selbst dieses herrliche
Leben in der Natur ist totes Leben. Es ist eine vergehende Welt. Und die
Römer, an die Paulus damals diesen Brief geschrieben hat, die waren so
gefangen von dieser welt, die lebten ja die Lust bis zum Exzess, sie
wollten Leben haben und sie tranken, was diese Welt ihnen bot. Und Paulus
sagt: Das mein ich nicht. Ich meine das neue Leben aus Gott. Und das ist
noch mehr die Fülle. Wir denken immer wieder, wenn wir von Jesus reden, da
reden wir immer von so einem religiösen Chiffre-Begriff. Und wir... Eine
Chiffre, ein Geheimzeichen, so ein Symbol, und wir denken gar nicht daran,
dass in Jesus die neue Kraft in unser Leben kommt. Natürlich, da lösen sich
die Probleme – selbst einer leidvollen Ehe. Und das, was wir immer wieder
erleben, wenn junge Menschen mit ihren Eltern und mit ihrem eigenen Leben
im Streit liegen, und plötzlich das neue Leben von Jesus als Gabe annehmen,
dass ihr Leben total umgewandelt wird, das kann man nicht mehr beschreiben,
das ist wie ein umgedrehter Handschuh, total verändert, Leben, kennen Sie
dieses Leben? Ich habe ja das Vorrecht, immer wieder Menschen bis hinein in
die letzten Stunden ihres Lebens zu begleiten, und wo man dann das erlebt,
da geht man selbst hin und sagt, ich hab so Angst, ich kann doch gar nichts
geben, und dann merkt man, wie Jesus Leben gibt, ewiges Leben, das auch im
Tod nicht zerbricht, dass einer fröhlich und zuversichtlich einschläft.
Leben ist ja viel mehr, das richtet plötzlich Gebeugte und Mutlose auf, das
ist eine sprudelnde Quelle, die man anbohren muss, wie auf jenem kargen
Farmgrundstück, von dem diesen Mister Yezin in den USA, wo man bohren kann,
mitten im Alltag. Bohren Sie so im Neuen Jahr. Gerade dann, wenn Sie mutlos
sind, wenn Sie nachts nicht schlafen können, wenn die Sorgenberge Sie
niederdrücken, wenn Sie enttäuscht sind, weil Sie selbst das nicht mehr
schaffen, was vor Ihnen steht. Das Leben, das ewige Leben, die Fülle, die
ist Gabe Gottes. Die können Sie nicht erzwingen. Die können sie nur
erbeten. Die können Sie sich nur schenken lassen. All das, was sie mit
Ihren Muskeln erarbeiten, ist der Tod. Aber die Gabe Jesu, das ist Leben.
Leben ohne Ende. Leben aus Gott in der ganzen Fülle. Und ich hätte jetzt
Ihnen am liebsten um der Anschaulichkeit willen das wieder erzählt, wie es
uns in den Geschichten des Neuen Testaments erzählt wird. Wo Menschen
kommen, deren Leben völlig zerstört war. Die Empfindungen verloren hatten
für Leben, die nicht mehr lachen konnten, und denen Jesus das Leben gibt.
Christen sind lebensbejahende Leute. Und sie gehen fröhlich in das Neue
Jahr. Sie reden nicht von dem, was an Schwerem vor ihnen liegt, sie freuen
sich, dass sie einen Herrn haben, der über allen Nöten dieser Welt steht,
der heute und in alle Ewigkeit regiert.
Nicht etwas vom Leben haben, alles vom Leben haben
N' Dritten Gedanken möchte ich Ihnen zu dieser Jahreslosung noch mitgeben.
Nicht etwas vom Leben haben, alles vom Leben haben. Nicht etwas vom Leben
haben, alles vom Leben wollen wir, das Ganze. Jetzt muss ich doch noch ein
wenig Sie bitten, diese biblischen Gedanken auch zu verstehen, denn da
liegt wirklich das gefangen drin. Sie können diesen Gottesdienst hören, Sie
können sagen, das war wirklich schön, was er positiv geredet hat. Und Sie
gehen doch leer hinaus. Es war nur ein Stück Religion. Die Frage ist, ob
sie das Leben empfangen. Und hier muss ich sie noch einmal an diesen Graben
führen, von dem Paulus in Römer sechs redet. Da spricht er, wir sind mit
Christus begraben, unser Leben ist gestorben mit Christus, er erinnert an
das Taufgeschehen, ich meine, unsre Kindertaufe gibt das sowieso nicht
wieder. Aber ich denke auch nicht, dass das des Rätsels Lösung ist, dass
wir uns nochmals taufen lassen. Sondern das Entscheidende wird sein, dass
wir mit Christus das alte Leben zu Ende führen, und sagen: Herr Jesus, ich
bin viele Jahre gewandert, bis ich wirklich begriffen habe, ich kann dieses
Leben auch nicht mit meinem frommen Bemühen und mit meiner Anstrengung
gewinnen. Ich muss einfach an diesem Anfang des Jahres vor dir
kapitulieren. Manchmal lernen wir ja diesen Schritt über den Graben erst
durch ganz schwere leidvolle Erlebnisse. Wo wir ganz am Ende sind, wo wir
verzweifelt fragen, warum lässt Gott mich so auflaufen an der Wand? Oder
wir lernen es manchmal erst in schwerer Krankheitsnot. Wir sagen: Ich
kann's nimmer, die Ärzte wissen es nimmer. Ich bin gestorben, sagt Paulus.
Mit meinem alten Ich traue ich mir gar nichts mehr zu. Der Paulus war ja so
ein cleverer Intelligenzmann, der auf der Universität in Jerusalem studiert
hat, der gebildet war, und der sagte: Ich komm nicht mehr von meiner alten
Intelligenz her, sondern ich rechne entscheidend mit dieser Gabe Jesu. Das
will ich nach Rom bringen, dass ich die Kraft des Evangeliums, die Kraft
Gottes, die selig macht. Die Menschen neu schafft. Und jetzt wird er ganz
praktisch: Wie wird das dann bei uns, dass wir dies neue Leben auch ganz
ergreifen. Da spricht ja Paulus noch einmal von der Sünde. Wir hatten es
doch vorhin gesagt, dass Sünde meint, diese Trennung von Gott, dieses Leben
ohne Gott, dieses irdische Leben fernab von Gott, und doch klingt damit an,
dass damit in dem Augenblick, wo ich mit Sünde breche, und das neue Leben
beginne, dass ich teilhabe an der herrlichen Gabe Jesu. Und wir kennen das
ja aus dem Gespräch mit jungen Menschen, und mit anderen, dass wir sagen:
Fang doch einmal an, geh mit Jesus, und jetzt brich durch – durch die Macht
der Finsternis, die dein Leben bindet. Das ist ja so schwer. Dass dieser
Raum fern von Gott nicht einfach ein luftleerer Raum ist. Wenn wir von Gott
davonlaufen, dann sind da ja wirklich, so wie die Menschen heute entdecken,
dämonische Mächte, die uns binden. Und wenn man einmal anfängt, das wissen
Sie aus Ihrem Leben, ohne Gott zu leben, dann wird das im Nu die
Gewohnheit. Man kann sich so leicht von Gott abwenden, man kann sein Gebot
brechen, man kann über sein Gewissen sich hinwegsetzen, und dann spürt man
auch gar nichts mehr, und dann ist man gefangen in dieser Todeswelt, und
genau so sagt Paulus: Wenn du jetzt heraustreten willst, dann brich doch
einfach einmal. Und das wunderbare geschieht da, wo ich breche mit der
Sünde. Da, wo einer anfängt, ob er nun in der Sucht, in der Bosheit, in der
Unehrlichkeit, oder in der Unwahrhaftigkeit gebunden ist, und Jesus die
Befreiung schenken lässt. In dem Augenblick erlebt er doch wirklich: Ich
komm zur Lebensfülle. Da bricht doch die Freude an. Die Sünde hat noch nie
einen glücklich gemacht, weil sie immer nur den Tod als Sold ausbezahlt.
Leben, Freude, gibt es wirklich nur, wo man Jesu Befreiung an sich
geschehen lässt. Wo man Sünde bekennt und ans Licht bringt, das ist der Weg
fürs Neue Jahr. Da empfangen wir die Fülle des Lebens. Und das gilt auch
für die Alten unter uns, dass sie teilhaben an dieser Vitalität. Vorhin hat
jemand beim 'reingehen in den Gottesdienst gesagt: Ich bin 87. Das ist doch
schön, wenn die Vitalität uns bis ins Äußere erfüllt. Aber, Herr, ich will
noch viel mehr haben von dir. Paulus spricht in diesen umliegenden Versen
davon, dass wir unsre Glieder zum Dienst für den Herrn Jesus hergeben
sollten. Da geschieht die Befreiung. Wenn dann unser Leben Gott
verherrlichen darf, und wenn wir mit all den irdischen Verrichtungen, in
denen wir tätig sind, in all den Aufgaben, in denen wir arbeiten, Gott zur
Ehre leben, alles, was wir tun, tun wir im Namen Jesu und danken Gott, dem
Vater durch ihn. Ich wünsche Ihnen dieses reiche Leben, dass Sie es in
diesem Neuen Jahr vom ersten bis zum letzten Tag, von der ersten bis zur
letzten Stunde auskosten als Gabe Gottes in unserm Herrn Jesus Christus.
Amen.

