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Kinder: ehrt eure Eltern

Epheser 6,1-307.10.2018
Serie•Teil 4 / 7Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen
Eltern ehren, auch wenn’s schwierig ist? Paulus macht klar: Gehorsam ist mehr als Pflicht – es ist eine Entscheidung, die Familie heilt und deinen Glauben im Alltag sichtbar macht.

Ein Blick auf alte Klagen über die Jugend

Die heutige Jugend hat den Ernst des Lebens nicht begriffen. Früher war einfach alles besser.
Ein bekannter Mann meinte, die Jugend liebe heutzutage den Luxus, sie habe schlechte Manieren, verachte die Autorität, habe keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatze, wo sie arbeiten sollte. Sie widerspreche ihren Eltern und tyrannisiere ihre Lehrer. Schlimm, die heutige Jugend.
Entschuldigung, da habe ich mich im Jahrtausend geirrt. Das war vor circa zweitausendvierhundert Jahren. Der griechische Philosoph Sokrates hat das wohl gesagt. Natürlich können wir das nicht einfach auf unsere Jugend heute anwenden.
Aber ein anderes Zitat ist mir noch über den Weg gelaufen. Da heißt es: Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos, die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern, das Ende der Welt ist nahe. Das ist ja schon ein bisschen dramatisch, finde ich, sehr dramatisch. Aber auch das muss ich euch sagen: Dieses Zitat ist nochmals 1600 Jahre älter als das letzte. Es ist eine Keilschrift aus Ur in Chaldäa, um 2000 vor Christus. In jener Zeit muss Abraham dort aufgewachsen sein.
Verlassen wir das Altertum wieder und gehen nochmals in die Antike zurück. Hören wir, was der Philosoph Aristoteles über die Jugend sagt:
Was die jungen Leute angeht, so sind sie heftig in ihrem Begehren und geneigt, das ins Werk zu setzen, wonach ihr Begehren steht. Von den leiblichen Begierden sind es vorzugsweise die des Liebesgenusses, denen sie nachgehen; in diesem Punkt sind sie alle ohne Selbstbeherrschung. Sie sind zornmütig und leidenschaftlich, auffallend in ihrem Zorne. Auch sind sie nicht imstande, ihren Zorn zu bemeistern, denn aus Ehrgeiz ertragen sie nicht, sich geringschätzig behandelt zu sehen, sondern sie empören sich, sobald sie sich beleidigt glauben. Wenn ich die junge Generation anschaue, verzweifle ich an der Zukunft der Zivilisation.
400 vor Christus. Aber wir sind immer noch da.
Und zum Schluss noch ein kurzer Ausflug ins Mittelalter. Im Jahr 1274 nach Christus schrieb ein Mönch namens Peter: Die Welt macht schlimme Zeiten durch. Die jungen Leute von heute denken an nichts anderes als an sich selbst. Sie haben keine Ehrfurcht vor ihren Eltern oder dem Alter, sie sind ungeduldig und unbeherrscht. Sie reden so, als wüssten sie alles, und was wir für weise halten, empfinden sie als Torheit. Und was die Mädchen betrifft: Sie sind unbescheiden und unweiblich in ihrer Ausdrucksweise, ihrem Benehmen und ihrer Kleidung.

Warum Paulus die Kinder direkt anspricht

Wir sehen, dass junge Leute zu allen Zeiten für Erwachsene ein Problem und eine Herausforderung waren. Und wer noch mehr von solchen Zitaten möchte, hat noch ein Blatt ausgedruckt, das hinten aufliegt. Dort kann man sich dann noch ein wenig in die Geschichte vertiefen.
Erwachsene neigen offensichtlich dazu, zu meinen, sie seien in ihrer Jugend anständiger gewesen. Wie auch immer, jedenfalls kann es uns nicht erstaunen, dass Paulus nicht nur zum Verhältnis der Ehepartner zueinander etwas sagt, sondern auch den Kindern direkt Anweisungen gibt, wie sie sich gegenüber den Eltern verhalten sollen.
Er schreibt: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es der Gemeinschaft mit dem Herrn entspricht, denn so ist es recht. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, ist das erste und grundlegende der Gebote, die das Verhalten der Menschen untereinander betreffen. Darum folgt ihm auch eine Zusage: Dann wird es dir gut gehen, und du wirst lange leben auf dieser Erde.
Vom Altertum bis heute gibt die Jugend immer wieder Anlass zur Sorge. Das Problem finden wir auch in der Bibel, denn für Paulus war der Ungehorsam der Kinder gegenüber ihren Eltern ein Zeichen der gottlosen Gesellschaft. Im Motiv schreibt er, die Menschen werden ihre Mitmenschen beleidigen und ihren Eltern nicht gehorchen. Wie wir gesehen haben, stand Paulus mit einer solchen Beurteilung der damaligen Gesellschaft nicht allein.
Ungehorsame Kinder werden bis heute von den Leuten negativ wahrgenommen, egal welchen Glaubens sie sind. Christliche Familien sollen sich gerade darin unterscheiden, dass die Kinder gehorchen. Doch Paulus fordert nicht die Eltern auf, sie sollen die Kinder so erziehen, dass sie ihnen gehorchen. Das würden wir erwarten, das würden wir tun. Es gäbe dazu auch grundlegende Maßnahmen in der Erziehung, die unsere Kinder dahin bringen, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie uns gehorchen. Doch das macht Paulus eben gerade hier nicht.
Würde er uns solche Erziehungsmethoden weitergeben, würden sie garantiert nicht mehr in unsere Zeit und in unsere Art des Lebens passen. Sie wären heute nicht anwendbar. Dazu sage ich dann im nächsten Teil dieser Reihe noch etwas.

Gehorsam als persönliche Entscheidung vor Gott

Paulus fordert erstaunlicherweise nicht die Eltern auf, die Kinder zum Gehorsam zu erziehen, sondern er richtet sich direkt an die Kinder: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, so möchte es der Herr, dem ihr gehört.
Er nimmt die Kinder in die Verantwortung. Deshalb können wir davon ausgehen, dass es sich hier um ältere Kinder handeln muss, die in der Gemeinde Jesu leben. Sie sollen freiwillig und aus Überzeugung ihren Eltern gehorchen, denn so möchte es Gott.
Das ist der grundlegende Ansatz des Paulus im ganzen Abschnitt, den wir jetzt schon in dieser Predigtreihe angeschaut haben. Paulus richtet sich immer an die Leute, und er appelliert immer an ihre Freiwilligkeit, an ihre Entscheidung, die Verantwortung zu übernehmen. Weder der Mann muss dafür sorgen, dass sich die Frau unterordnet, noch muss die Frau dafür sorgen, dass der Mann sich ihr hingibt wie Jesus selbst, der sein Leben für sie gegeben hat. Da soll jeder für sich aus Überzeugung das tun.
Der Gehorsam der Kinder gegenüber den Eltern ist in den Augen des Paulus zuerst einmal eine Angelegenheit zwischen dem Kind und Gott. Den Kindern in der Gemeinde in Kolosse schreibt er, dass der Herr, dem ihr gehört, Freude daran hat. Gott freut sich darüber, wenn ihr euren Eltern gehorcht.
Aber Paulus erwähnt noch einen anderen Gedanken, weshalb er den Gehorsam für wichtig hält. Und das begleitet uns durch die ganze Serie hindurch. Und wenn etwas hängen bleibt durch die Serie, dann finde ich, ist das doch kein unwichtiger Gedanke: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, denn so ist es recht. So gehört es sich in der Gesellschaft, sagt er damit.
Das wird von allen Leuten als richtig erachtet, wenn Kinder ihren Eltern gehorchen. Und wenn sich nun die christlichen Kinder daran halten, dann geben sie gegenüber den Nichtchristen ein hervorragendes Zeugnis über den christlichen Glauben. Die Leute können dann nichts sagen: Seht die Kinder der Christen, sie sind genauso ungezogen wie alle anderen. Sie sprechen zwar von Liebe, Frieden und Versöhnung, aber im praktischen Leben hat das null Auswirkung. Kein Unterschied.
Aber wenn die Kinder freiwillig, ohne Gewaltandrohung, gehorchen, dann werden die Leute erstaunt sein. Sie werden sehen, dass die Botschaft des Evangeliums positive Auswirkungen bis hinein in unsere Familien hat.

Jesu Vorbild und die Grenzen des Gehorsams

Übrigens ist Jesus das beste Vorbild für Kinder. Mit zwölf Jahren mussten ihn seine Eltern suchen und fanden ihn im Tempel in Jerusalem. Erleichtert machten sie sich auf den Heimweg. Lukas berichtet darüber, dass Jesus mit seinen Eltern nach Nazaret zurückkehrte und ihnen gehorsam war. Obwohl er Gottes Sohn war, gehorchte er seinen irdischen Eltern.
Doch Jesus machte später auch deutlich, dass es Grenzen des Gehorsams gibt. Er sagt: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. Jesus sah sogar einen großen Verdienst darin, wenn jemand sein Elternhaus verlässt, denn er sagt: Und jeder, der um meines Namens willen Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder und Äcker zurücklässt, wird alles hundertfach wiederbekommen und das ewige Leben erhalten.
So kann Paulus nicht gemeint haben, dass Kinder in den großen Entscheidungen des Lebens den Anweisungen der Eltern folgen müssen. Mit dem, was Jesus sagt, ist ja auch schon die Grenze gezogen, bis wann Kinder den Eltern gehorchen sollen, nämlich solange sie bei ihnen wohnen. Ich weiß nicht, wie es bei jemandem ist, der verheiratet ist, eine Familie hat und noch den Eltern gehorchen will, also alles machen soll, was die Eltern sagen, und sich immer bei Mutter oder Vater melden muss, wenn etwas entschieden werden soll.
Damit wird deutlich, dass es Paulus hier um den guten Eindruck der Christen in der Gemeinschaft oder in der Gesellschaft geht. Die Christen sollen einen guten Eindruck machen, damit Gott geehrt wird und die Menschen sich für das Evangelium öffnen. Das ist einer der fundamentalsten Punkte überhaupt. Für mich ist das, wenn ich sehe, wie Paulus argumentiert, das allerhöchste Prinzip, das er anwendet. Wir sollen so leben, dass das Evangelium durch unser Leben nicht in Verruf kommt. Wir sollen als Christen ein gutes Beispiel sein.

Das Gebot der Ehre und seine praktische Weite

Und Paulus erweitert die Aufforderung an die Kinder zum Gehorsam gegenüber den Eltern, indem er diese Anweisung an das fünfte Gebot bindet. In der katholischen und lutherischen Tradition ist es das vierte Gebot: Ehre deinen Vater und deine Mutter.
Gehorsam ist aber nur ein Aspekt davon, wie man seine Eltern ehren kann und soll. Doch indem sich Paulus auf dieses Gebot bezieht, weist er auf die Grundhaltung hin, mit der Kinder gehorsam sein sollten. Das fünfte Gebot verlangt nicht, dass man die Eltern fürchten sollte, so wie Paulus den Ehefrauen sagt, sie sollen ihren Mann fürchten oder Ehrfurcht vor ihm haben. Eltern soll man ehren; das ist auch im griechischen Text ein anderes Wort. Man soll ihnen besondere Achtung und Wertschätzung entgegenbringen.
Damals gab es noch keine Altersvorsorge, und die Fürsorge für die Eltern, wenn sie alt waren, oblag den Kindern. Die Pharisäer und Schriftgelehrten fanden jedoch einen Weg, wie sie diesen praktischen Teil des fünften Gebotes umgehen konnten. Deshalb sagte ihnen Jesus, sie seien Heuchler, und begründete das so: Ihr lehrt, man könne zu seinem Vater oder zu seiner Mutter sagen: Alles, was ihr eigentlich von mir als Unterstützung zusteht, alles, was ich eigentlich tun müsste, erkläre ich zur Opfergabe. Ich gebe es also als Opfer im Tempel. Und dann braucht man seine Eltern nicht mehr zu unterstützen.
Damit habt ihr, euren eigenen Vorschriften zuliebe, das Wort Gottes außer Kraft gesetzt, wirft ihnen Jesus vor. Das ist so, als wenn ich euch heute sagen würde: Wenn ihr fünf Prozent eures Lohnes für das Reich Gottes spendet, dann seid ihr dadurch von der Verpflichtung befreit, euch um eure Eltern zu kümmern. Ihr müsst sie nicht mehr besuchen und euch auch nicht erkundigen, wie es ihnen geht. Ihr könnt sie als inexistent betrachten. Ihr habt mit diesen fünf Prozent euren Auftrag erfüllt. Das ist das, was die Pharisäer machten. So haben sie das fünfte Gebot quasi aus den Angeln gehoben.
Jedenfalls ist die Anweisung von Paulus für die Kinder, die noch bei ihren Eltern leben, klar: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es der Gemeinschaft mit dem Herrn entspricht; denn so ist es recht, so gehört es sich, so wird es jeder, der in der damaligen Gesellschaft lebt, für richtig halten.
Nun fügt Paulus einen Gedanken hinzu, der aufhorchen lässt: Ehre deinen Vater und deine Mutter, das ist das erste Gebot, das mit einer Zusage verbunden ist. Das ist das erste Gebot des zweiten Teils der Zehn Gebote, bei dem gesagt wird, welche Verhaltensregeln im gegenseitigen Miteinander im Volk Israel gelten sollten. Es ist das erste Gebot in dieser Reihe, das man halten soll. Wer dieses fünfte Gebot ernst nimmt und seinen Eltern Ehre erweist, wird dafür von Gott belohnt werden, denn dieses Gebot ist mit einem direkten Versprechen verbunden.

Die Verheißung von langem Leben

Im Alten Testament, wo das Gebot zum ersten Mal niedergeschrieben wird, also dort, wo Gott am Berg Sinai die zehn Gebote gab, lautet das Gebot so: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebst in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.
Ein sehr erstaunliches Versprechen, finde ich. Langes Leben im Land, das Gott dem Volk Israel geben wird. Sie hatten das Land damals ja noch nicht. Als Gott dem Volk Israel die zehn Gebote gab, befanden sie sich auf dem Weg in dieses Land, das er ihnen versprochen hatte.
Für ein langes Leben lohnt es sich also doch irgendwie, denken wir, den Eltern Ehre zu erweisen.
Paulus zitiert im Epheserbrief dieses Gebot aus der Septuaginta. Die Septuaginta ist die griechische Übersetzung des Alten Testaments. Das Alte Testament ist in Hebräisch und Aramäisch geschrieben. Dann kam eine Zeit, in der die Juden selbst nicht mehr Hebräisch lesen konnten und zum Teil auch gar nicht mehr Hebräisch sprachen. Dann hat man dieses Alte Testament ins Griechische übersetzt. Das ist die Septuaginta, das griechische Alte Testament.
Das war dann auch der Grund, warum sich der Glaube so schnell verbreitete. Denn als Jesus gekreuzigt wurde, war Griechisch immer noch eigentlich die Hauptsprache, so wie heute Englisch oder noch verbreiteter. Es war alles auf Griechisch, und so hatte jeder Zugang zur Offenbarung.
Und wir können feststellen, das finde ich sehr interessant: Im Neuen Testament, im Hebräerbrief, dort habe ich wirklich alles durchgesehen, kann man mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass der Hebräerbriefschreiber alle Zitate aus der Septuaginta genommen hat. Dieses Zitat hat Paulus ebenfalls aus der Septuaginta genommen. Die ersten Gemeinden, die ersten Christen, zitierten eigentlich aus der Septuaginta und nicht aus dem hebräischen Text, eher selten.
Und da gibt es einen kleinen Zusatz in der Septuaginta: Dann wird es dir gut gehen, und du wirst lange auf der Erde leben. Das Leben wird also nicht nur lang sein, denn was sagt man von einem schlechten langen Leben? Es wird vielmehr ein gutes, langes Leben sein, wenn man sich an dieses Gebot hält.
Gott versprach ein langes Leben im zukünftigen Land Israels. Diesen Teil ließ Paulus weg, also diesen Zusatz mit dem Land, das ich euch geben werde, und hat es dann praktisch auf alle Christen angewandt, egal in welchem Land sie leben: Du wirst lange auf dieser Erde leben.
Er hat dann einfach das, was in der Septuaginta noch folgt, weggelassen. Eigentlich erstaunlich von Paulus, dass er das so sagt, denn er legte ja nie großen Wert auf langes Leben in dieser Welt, auf dieser Erde. Man kann nicht sagen, er habe das ewige Leben gemeint. Nein, er hat nicht das ewige Leben gemeint. Er schreibt ausdrücklich Erde. Er meint diese Erde, auf der wir jetzt stehen, nicht das ewige Leben.
Paulus lebt mit dem Bewusstsein, dass Jesus nächstens kommen wird und die Christen zu sich holen wird. Dass langes Leben für ihn wichtig gewesen wäre, war nicht die Perspektive von Paulus. Es war ihm nicht wichtig, möglichst lange auf dieser Erde hier, wo wir sind, zu leben.
Vermutlich ging es Paulus auch gar nicht darum, dass die Christen möglichst lange auf dieser Erde leben. Er wollte damit einfach die Wichtigkeit dieses Gebotes unterstreichen. Und wie konkret sich dieses gute und lange Leben in unserem Leben auswirken kann, das ist natürlich die Frage, die ihr jetzt beantwortet haben wollt. Darauf möchte ich gar nicht eingehen.
Was ich euch nämlich diesbezüglich erklären würde, wäre zu kompliziert, und am Schluss meiner Erklärung würdet ihr vielleicht schlafen. Und wir wüssten trotzdem nicht, ob man das so verstehen soll, wie ich es euch erklären würde. Das kann ich jetzt gleich lassen. Sturm im Wasserglas.
Ich glaube auch, dass Paulus nicht beabsichtigte, dass wir uns über dieses längere Leben Gedanken machen. Paulus wollte damit einfach einzig und allein die Wichtigkeit hervorheben, die dieses Gebot hat.

Eltern ehren in schwierigen Beziehungen

Was er von den Kindern verlangt, ist nicht seine persönliche Meinung. Gott selbst legt größten Wert darauf, und das will er mit Nachdruck sagen: Gott legt größten Wert darauf, dass wir als Kinder unseren Eltern gehorchen und generell, dass wir ihnen Ehre erweisen.
Wenn die Kinder noch bei den Eltern sind, dann erweisen sie ihren Eltern Ehre, indem sie gehorchen. Heiraten sie oder ziehen sie fort, sind sie nicht mehr zum Gehorsam gegenüber den Eltern verpflichtet. Aber wenn wir von den Eltern wegziehen, dann sind wir von der Verpflichtung, unseren Eltern Ehre zu erweisen, nicht entbunden. Wir können uns dieser Aufgabe nicht entledigen, so wie es die Pharisäer und Schriftgelehrten taten.
Damit öffnet sich für uns ein weites Feld von Fragen: Wie sollen wir unseren Eltern Ehre erweisen? Haben wir sehr nette und tolle Eltern? Dann ist das kein Problem. Dann sagen wir: Ja, super, klar, ich habe so tolle Eltern. Ich freue mich immer, ich telefoniere gern mit ihnen, ich spreche gern mit ihnen, und mir ist wichtig, was sie sagen, weil sie mir immer einen guten Rat geben. Kein Problem.
Schwieriger ist es, wenn wir Eltern haben, die uns beleidigen, die uns verletzen oder gar verstoßen. Dann ist es nicht mehr so ein schönes Gebot. Wie sollen wir dann, oder müssen wir überhaupt solchen Eltern Ehre erweisen?
Und wenn ja, wie soll das geschehen? Ja, wir müssen diesen Eltern Ehre erweisen. Eltern sind eben Eltern. Den Eltern Ehre erweisen heißt zwar nicht, dass wir uns von unseren Eltern tyrannisieren lassen müssen. Sie können mit uns nicht einfach machen, was sie wollen, auch nicht einfach über uns verfügen. Aber wir müssen sie ehren, trotz allem.
Ich weiß selbst, wie es ist, wenn ein Elternteil nichts mehr von einem wissen möchte, wenn der Kontakt abgebrochen wird. Und ich weiß, wie schwierig es ist, sich wieder anzunähern. Drei Punkte möchte ich erwähnen, die mir geholfen haben.
Erstens habe ich realisiert: Es ist nicht meine Aufgabe, meine Eltern zu erziehen oder ihnen Vorschriften zu machen. Sie sind für ihr Leben selbst verantwortlich, nicht ich. Sie treffen ihre eigenen Entscheidungen.
Zweitens hatten meine Eltern auch Eltern, die ihnen vielleicht nicht das geben konnten, was sie gebraucht hätten. Und so können auch meine Eltern Opfer ihrer Herkunft sein. Sie sind also nicht nur Täter, die mich vielleicht verletzt oder verstoßen haben, sondern sie sind gleichzeitig auch immer Opfer ihrer eigenen Geschichte.
Und drittens habe ich verstanden, dass es meine Aufgabe ist, einfach da zu sein und dort zu unterstützen, wo es möglich und erwünscht ist. So denke ich, kann ich in einer schwierigen Eltern-Kind-Beziehung den Eltern Ehre erweisen, wenn das möglich ist und sie das zulassen.
Es gibt aber keine allgemeingültigen Rezepte. Jede Beziehung und jede Situation ist anders. Wir hätten immer gern so eine Art Betriebsanleitung, die garantiert funktioniert. Sag uns doch jetzt mal ganz praktisch, was ich machen muss, wie ich mich meinen Eltern gegenüber verhalten soll, das will ich jetzt gerade wissen. Aber das gibt es nicht. Es gibt kein Rezept, nicht in Bezug auf Beziehungen. Zu verschieden sind wir Menschen, zu komplex, zu speziell alle Situationen.
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als mit Gott ins Gespräch zu kommen, um herauszufinden, wie wir uns in unserer speziellen Situation gegenüber unseren Eltern verhalten sollen, damit wir ihnen die Ehre erweisen, die Gott gerne möchte. Selbstverständlich kann man auch ein sehr sorgsames Gespräch suchen, zu dem ich natürlich auch gerne bereit bin.
Den Willen Gottes zu tun, das ist eben nicht immer einfach. Aber es lohnt sich, wenn wir die Anweisungen ernst nehmen und überlegen, wie wir sie praktisch ausleben können.

Ein abschließender Blick auf die Verantwortung der Kinder

Zur Erziehung der Kinder äußert sich Paulus auch. Damit werden wir uns im nächsten Teil dieser Serie beschäftigen. Es ist auch ein ganz interessanter Satz, den er dort sagt, wenn man ihn genau anschaut.
Hier fordert Paulus zuerst die Kinder auf. Sie sollen sich entscheiden, den Eltern zu gehorchen. Dadurch sollen sie sichtbar werden lassen, wie die Botschaft von Jesus Christus Menschen verändert.
Paulus begründet diese Forderung mit dem fünften Gebot, das eigentlich noch eine viel weitere Bedeutung hat. Denn in diesem Gebot geht es nicht nur um Gehorsam gegenüber den Eltern. Sind die Kinder erwachsen und nicht mehr unter der Obhut der Eltern, verliert das fünfte Gebot nicht an Bedeutung. Die Eltern zu ehren wird dann durch andere Verhaltensweisen Ausdruck finden.
In einem Leserbrief war Folgendes zu lesen:
Niemand auf der Welt ist verzweifelter als ich. Für alles hatte ich Zeit, nur meine lieben alten Eltern habe ich nie besucht. Ich ließ sie allein, und trotzdem hatten sie mich lieb. Nun ist es zu spät, um ihnen auch nur eine kurze Stunde des Glücks zu ermöglichen. Ich war zu selbstsüchtig und zu beschäftigt, um etwas zu verschenken. Wenn ich nun an ihrem Grab stehe, frage ich mich, ob Gott mir je das Herzeleid verzeihen wird, das ich ihnen zugefügt habe. Bitte drucken Sie diesen Brief ab, damit die Menschen, die ihre Eltern noch haben, daran denken, dass sie sie besuchen und ihnen ihre Liebe und Achtung zeigen sollen, solange es noch Zeit ist.
Paulus schreibt: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es der Gemeinschaft mit dem Herrn entspricht; denn so ist es recht. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Das ist das erste und grundlegende der Gebote, die das Verhalten der Menschen untereinander betreffen. Darum folgt ihm auch eine Zusage: Dann wird es dir gut gehen, und du wirst lange auf dieser Erde leben.
Ich bete mit:
Ich möchte dir danken, Herr, für dein Wort. Es fasziniert mich, in was für einer Schlichtheit Paulus diese wichtigen Themen anspricht, die bis heute für uns von Bedeutung sind und uns helfen, uns in unserem Leben zu orientieren und zu entdecken, was dir gefällt. Du siehst, dass wir nicht alle tolle Familienhintergründe haben, nicht alle vorzeigbare Beziehungen mit unseren Eltern. Und lass uns darin doch erkennen, was wir als Christen tun sollen, was dir gefällt, dass wir sehen, wie wir unsere Eltern ehren können, so wie es noch möglich ist. Danke einfach für dein Wort, für die Orientierung, die wir darin haben. Amen.