Matthäus 20, die Verse 1 bis 20.
Und es geht um den Dienst für Gott, dass das Adel ist, der uns ganz
unverdient ehrt, dass das Erholung ist, was man für den Herrn tut. -
Erquickung, Freude.
Jesu erzählt also: "Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh
am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er
mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn,
sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und
sah andere müßig auf dem Markte stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch
hin in den Weinberg; ich will euch geben, was Recht ist. Und sie gingen
hin. Abermals ging er aus um die sechste, das ist mittags um zwölf, und um
die neunte Stunde, das ist nachmittags um drei, und tat dasselbe. Um die
elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was
steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand
eingestellt." In der Lutherbibel erklärt und schreibt dort Gerhard Meier: "glatt gelogen". Sie haben ja vorher gemerkt, wo der
Herr gerufen hat. Sie wollten nicht. "Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin
in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu
seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei
den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde
eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die
ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen...", Jesus kennt unser
Herz, und durchschaut es. Es ist ja bei gläubigen Leuten gar nicht besser.
Und Jesus hat das bei seinen Jüngern gesehen. "Und auch sie empfingen ein
jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen
den Hausherrn und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet,
doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze
getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein
Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über
einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem
letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich
will, mit dem, was mein ist?" Siehst du scheel, wissen Sie es noch, die
Jungen, was das heißt, scheel: missmutig dreinblicken, neidisch, geizig,
weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die
Letzten sein.
Da ist wieder der gleiche Vers von unserer Schriftlesung mit aufgenommen.
Viele von Ihnen kennen ja noch dieses Bild vom breiten und schmalen Weg.
Die Frau vom Stuttgarter Zuckerfabrikanten Charlotte Reihlen (1805-1868),
die Mitgründerin der Diakonissenanstalt Stuttgart, die hat das ja malen
lassen nach ihrem Entwurf wurde das gemalt.
Und in unserer Kindheit haben wir das oft studiert. Und da waren vielen von
Ihnen ganz pfiffig, und die haben gesagt: Also, ich würde am liebsten so
lang, wie es irgend geht, den breiten Weg hochgehen. Und erst ganz oben
führt das Brücklein hinüber auf den schmalen Weg und dann noch oben den
Lohn mitnehmen, den es gibt, wenn man mit Jesus geht. Ich hab es oft
gehört, dass mir das Leute erzählt haben, das ist ja ein bestechender
Gedanke, es wäre doch eigentlich schön, wenn ich die ganzen Freuden der
Welt, die Jesus nicht gefallen, auskosten dürfte, und wenn man da oben doch
noch wenigstens, das stimmt, da gibt es ja noch ein Brücklein, ist da noch
so dahingemalt, wo man doch noch auf den schmalen Weg hinübergehen kann.
Aber wissen sie, das Bild ist ja heute nicht mehr in Mode, ganz einfach,
weil es ja viele gibt, Lehrer der christlichen Gemeinde, die heute den
schmalen Weg so breit machen wie eine Autobahn. Dass jeder mitkann, und da
sagen sie, jeder kann kommen, ganz gleich, da gibt's keine Einschränkungen,
man braucht auch die Gebote und den Ruf Jesu gar nicht engherzig verstehen,
ganz gleich, was du tust und machst, Jesus hat dich lieb, und du kannst ja
mitgehen auf diesen weg Jesus nach. Ich weiß, dass das den Beifall der
Zeitungsleute, aller Weltleute, die sind begeistert über so weitherzige
Prediger. Aber ich frag sie, darf man die harten Worte Jesu so einfach nach
unserem Gutdünken umformen. Jesus hat ja selber vom schmalen Weg
gesprochen, vom schmalen Weg der Nachfolge. Und dass es ganz schwer sei,
diesen Weg zu gehen, dass es einen hohen Preis kostet, mit ihm zu gehen.
Also, wenn heute ein Gauner einen Geldschein fälscht mit einem
Farbkopierer, das ist in meinen Augen ein harmloses Verbrechen gegenüber
dem schrecklichen Tatbestand, wenn einer die Worte Jesu verändert. Wenn man
Jesus was in den Mund legt, was er gar nicht gesagt hat, und dann noch
Menschen betrügt am ewigen Heil, wie wollen das Menschen überhaupt
verantworten? Jesus redet unheimlich hart und klar: "Wer mir nachfolgen
will, der soll das Kreuz auf sich nehmen." Und wer mit Jesus siegt, das ist
kein leichter Weg. Und da muss man von vielem sich losreißen und lossagen
und da hat kein Mensch das Recht, den schmalen weg breiter zu machen. Unser
Gleichnis, das Jesus erzählt, das steht im großen Zusammenhang. Ich muss
noch ein bisschen weiter ausholen als in der Schriftlesung. Da war ein ganz
prächtiger Mann aus einem guten Stall, ein reicher, wohlhabender junger
Mann, der ethisch ganz vorbildlich gelebt hat, der sich nichts zuschulden
kommen ließ im Wirtschaftsleben, im Umgang mit seinen Freunden, in der
Familie, der alle seine Pflichten erfüllt hat, ein junger Mann, wie es ganz
wenig gibt, der war zu Jesus gekommen und sagt: Jesus ich würde gerne mit
dir gehen. Ich würde gerne dir nachfolgen. Und Jesus legt den Finger auf
den wunden Punkt und sagt: Wenn du dich nicht lossagst von dem, was dein
Herz besessen hat, kannst du nicht mein Jünger sein. Da ging der junge Mann
traurig weg, denn er hatte viele Güter. Es ist also ganz schwer, mit Jesus
zu gehen. Da fragen Sie sich: Ist es eins richtig, gehen Sie richtig, oder
ist das nur ein Traum im Leben. Setzen Sie das um in der Praxis? Und danach
stellt Petrus die Frage: Meister, wir haben alles verlassen, also, wir
haben das ja nie gemacht. Petrus sagt: Wir haben alles verlassen, und sind
dir nachgefolgt, was kriegen wir jetzt als Belohnung? Was zahlst du uns?
Ich bin so froh, dass die Bibel uns die Apostel nicht als weltferne Heilige
schildert. In der Bibel ist das ganz nüchtern. Das sind Leute, die sich so
natürlich und so echt, das ist doch eine Frage, die jeden bewegt: Lohnt
sich das eigentlich, wenn man mit Jesus geht. Kriegt man dafür etwas? Was
hat man denn von einem Leben mit Jesus. Haben sie sich noch nie gefragt?
Dürfen Sie! Was hat man den von einem Leben mit Jesus? Und die anderen, die
dürfen einfach skrupellos leben, alles genießen ohne irgendwelche
Gewissensbisse, und wir haben doch Dienst für Jesus getan, wir haben Opfer
gebracht, wir haben uns eingesetzt, was wird uns dafür. Die Frage wird
nicht verboten. Die Antwort Jesu ist toll.
Man kriegt viel mehr, als man investiert
Man kriegt viel mehr heraus, als man investiert. Jesus sagt: hundertfacht. Nun, wenn
einer böse ist, das darf man ja ruhig beim Bibellesen, da wird es
interessant, und sagt: Ja, das ist ja alles bloß in der jenseitigen Welt.
Lesen Sie es mal, wie es unser Evangelist Markus angezeichnet hat, er hat
da ganz bewusst auch noch etwas festgehalten, was Jesus auch gesagt hat.
Bei Markus hat Jesus klar gesagt: In dieser Welt sogar kriegt man's
hundertfach zurück. Jesus lässt sich nicht lumpen. Was man für ihn opfert,
kriegt man in dieser Welt vielfältig wieder zurück. Jetzt stehen sie mir
alle vor Augen, jene großen mutigen Leute, die sich eingesetzt haben. Ach,
die Tag und Nacht gewacht haben, bei Kranken, und die nie gefragt haben:
Wann krieg ich Urlaub. Um Jesu willen die Oma gepflegt haben, um Jesu
willen. Und Jesu sagt, wir kriegen es hundertfach zurück. Ich sehe sie vor
Augen, jene Missionare, die hinausgezogen sind, ihre Gesundheit ruiniert
haben, ihre Kinder vielleicht noch in einer fremden Umgebung in der Schule
zurücklassen mussten. Die seelisch gebrochene Leute waren über dem Opfer,
das sie brachten. Wissen sie, es gibt ja immer so Lehren, dass wir unsere
natürlichen Empfindungen abtöten müssten. Der Buddhismus sagt: Du musst all
deine sinnlichen Wünsche betäuben und töten, hat Jesus nie gesagt. Können
sie ja auch nie. Ich kenne Missionare, die schrecklich Heimweh hatten. Aber
die dennoch gehen, weil es der Dienst für Jesus fordert. Und ich glaube gar
nicht, dass der Dienst immer ein Jux ist. Sondern manchmal muss man sich
zusammenreißen, wenn man in der Frühe aufstehen muss, um Jesu willen. Und
ich weiß, dass Besuche bis zum heutigen Tag mir immer wieder schwer fallen.
Und ich bin froh für jede Türe, die nicht aufgeht. Kann ich noch mal gehen.
Man kann ja so viel falsch machen, man ist ja so ungeschickt, man hat eine
natürliche Scheu vor Fremden. Man will ja immer wieder zurückziehen, das
ist unsere natürliche Art. Und darum können Sie jetzt all die großen Opfer
einsetzen, die hier stehen, und wir haben all die natürlichen Empfindungen,
aber wie kriegt man denn dann den Lohn, ist das nicht etwas Falsches
versprochen? Sie kriegen die Erfüllung im Dienst, dass das schön ist. Und
alle, die diesen Weg gehen können, sollen nicht sagen, ich hab zuerst
gemeint, mir ginge im Leben viel verloren, wenn ich diesen Weg gehe. Aber
wenn ich heute zurückblicke, muss ich sagen: Wie viel hat mir Gott
geschenkt. Was habe ich entdeckt, wie habe ich eine Freude und eine
Erfüllung gefunden. Der Herr, der uns geschaffen hat, der uns kennt, der
weiß doch, wo wie glücklich werden, und wo wir reich werden. Und darum ist
es so wichtig, dass sie beim Dienen nicht Klagen und Jammern. Ich möchte
jedem, der sagt: Ich muss im Chor singen, ich muss in der Kinderkirche
mitarbeiten, sagen, lassen Sie die Finger davon. Was Gott mir geschenkt
hat, als junger Schüler, drei Jahre Kinderkirche gehalten, das habe ich
fürs ganze Leben. Ich habe gelernt, frei zu reden, das hätte ich nie ohne
Kinderkirche gelernt, ich bin ein reicher Mensch geworden, was habe ich mit
den Kindern erlebt. Sehen sie, bei jedem Dienst können wir erzählen, wie
sind wir von den missionarischen Einsätzen immer wieder beglückt nach Hause
gegangen. Zitternd sind wir hingegangen, mutlos, und beglückt, erhoben von
der Erfahrung der Größe Gottes zurückgekommen. Und darum soll niemand
missmutig und gezwungen einen Dienst für den Herrn tun. Es wäre ja schade!
Sondern es ist eine Freude, es ist ein Adel, wenn uns der Herr mitschaffen
lässt an seinem Weinberg. Wenn er uns überhaupt braucht. Wir leben heute in
einer völlig verrückten Zeit. Und jetzt möchte ich wieder den jungen
Leuten, die ja hin- und hergerissen werden, sagen, wenn man euch jungen
Leuten sagt: Du musst selber gucken, dass du was für dich selber machst. So
ein Unfug! Ich las dieser Tage in einem Artikel, der gerade publiziert
wurde, von dem größten Medienmacher unseres Jahrhunderts, vor dem die
Präsidenten und Kanzler unserer Republik nur zitterten, der
einflussreichste Mann, und da hat sein Biograph, der siebzehn Jahre mit ihm
gelebt hat, gesagt: Er hat von Anfang an seines Lebens, im Überfluss
gehabt, wovon Millionen nur träumen können. Und dann schreibt er: Ich habe
ihn nie auch nur einen Augenblick glücklich gesehen. In unseren Tagen! In
einer Biographie, die nicht von Christen geschrieben ist. Die Tragik, wer
sich selber nur allein bleibt. Was ist das wunderbar, sie haben einem
anderen Freude gemacht, Sie haben einem andern geholfen! Sie haben sich
verströmt. Die Menschen Erfüllung kann nur kommen aus dem Verströmen im
Dienst für unsern Herrn. Mir sind immer wieder die Leute, die große Opfer
gebracht haben, ich habe Ihnen schon einmal erzählt, was in Livingstones
Biographie geschrieben ist. Vierundvierzigjährig in Cambridge vor den
Studenten, hat dieser Livingstone gesagt, der x-mal Malaria hatte, wo die
ganze Familie drüber kaputtging, der alles nur geopfert hat im Kampf gegen
die schreckliche Sklaverei, der ein Wrack war körperlich, sagt: Ich selber
habe nie aufgehört, mich zu freuen, dass Gott mich in einen solchen Beruf
gestellt hat, die Leute reden von einem Opfer, das ich gebracht haben soll,
weil ich viele Jahre meines Lebens in Afrika war. Kann man das ein Opfer
nennen, womit man Gott doch nur einen kleinen Teil der Schuld bezahlt, die
man nie ganz bezahlen kann, ist das ein Opfer, was uns selbst am tiefsten
befriedigt? Was sind selbst Lohn durch Befriedigung im Innern und eine
herrliche Hoffnung auf die großartige Ewigkeit. Weg mit diesem Wort Opfer,
weg mit diesen Gedanken, es ist ganz und gar kein Opfer, sagt lieber, es
sein ein großes Glück. Sorge, Krankheit, Leid, Gefahr, Entbehrung der
gewöhnlichen Annehmlichkeiten und Freuden des Lebens, das alles mag uns
einen Augenblick unsicher und mutlos machen, aber auch nur einen
Augenblick. All das ist nichts im Vergleich, die nach allem uns und uns für
uns offenbar werden soll. Ich habe niemals ein Opfer gebracht. Ich weiß
nicht, was vor Ihnen an Aufgaben Gottes steht, ganz praktischen Aufgaben im
täglichen Leben, im Jugendkreis, aber greifen Sie die Chance, und Gott will
sie Ihnen schenken, und Gott lässt sich gar nichts schenken, was sie für
andere tun. Und Sie brauchen das nicht tun um der Pflicht willen, weil Sie
nach Lohn fragen, sondern Sie kriegen es vielmals zurück, Sie werden
glücklich werden, und am Ende Ihres Lebens können sie dankbar und fröhlich
zurückblicken.
Und doch regt sich Misstrauen
Und doch regt sich Misstrauen gegen Gott. Jesus erzählt die
packende Geschichte, wenn diese Arbeiter in den Weinberg geschickt werden,
und dann kriegen die ihren Lohn ausgezahlt. Einer der hat grad noch eine
Stunde gearbeitet, und kriegt den gleichen Lohn, wie der, der den ganzen
Tag geschafft hat. Jetzt sagen Sie mal, also, wenn Gott so handelt, dann
empören wir uns mit Recht, und sagen: Also, liebe Leute, das kann doch
nicht die Ordnung der Welt sein, was macht denn da Gott? Er macht doch
alles durcheinander! Jetzt stellen sie sich mal vor, wenn das die Grundlage
der künftigen Tarifverhandlungen bei uns würde. Also, da regt sich die
ganze Welt auf. Wenn der Weigel so sein Steuerpaket schnüren wird, also,
den müssen wir verklagen. Das hat ja keinen Wert! Er muss ja einen
Unterschied machen. Was hat es eingebracht? Leistung muss sich wieder
lohnen, und so weiter. Aber ist Gott ungerecht? Haben Sie das Wort auch
schon gehört: Wie kann Gott das zulassen? Da regt sich ja ganz schnell bei
uns dies Wort, ob Gott ungerecht sei. Wir wären vielleicht auch so clevere
Leute, ich weiß nicht, ob nicht alle auch sagen würden, wenn das die
Grundlage der Entlohnung werden würde, dass wir unsere irdischen Pflichten
in unserem Beruf bloß noch so machen, dass wir die letzte Stunde kommen
bloß kurz vor dem Zahltag und sagen: Das genügt ja! Wenn man nur so
oberflächlich das tut, warum macht denn Gott das völlig anders? Warum
handelt er denn nicht so nach Tarif und nach Leistung? Vor einem Jahr hat
man daran gedacht, wie im Nürnberger Prozess Massenmörder hingerichtet
wurden. Ich habe Ihnen damals die ganzen Stories erzählt, dass da einer
dieser großen Massenmörder des Dritten Reiches im Gebetsgottesdienst
Harmonium gespielt hat und Buße getan hat, da denkt einer: Haja, das ist ja
ein schäbiger, am Ende seines Lebens noch schnell die Gnade Gottes
ergreifen. Und ich, ich hatte ja so viel für meinen Herrn getan, jeden Tag
habe ich angefangen mit der Losung, und Sonntag in die Kirche gerannt, was
habe ich alles für ihn getan, ich habe nie die Ehe gebrochen, ich habe so
viel getan, und da ist so ein Schurke, und der kriegt genauso die Gnade!
Seien Sie mal ehrlich, wenn solch eine Geschichte sich ereignet bei Ihnen
im Umkreis, kommt da nicht was hoch. Warum hat denn Jesus das in uns
gesehen, warum regt sich denn da in uns Misstrauen? Weil ganz tief bei uns
auch bei bekehrten Leuten das alte böse eigensinnige Ich weiterlebt. Und
das muss uns erschrecken. Das Ich, dass wir das nicht ertragen können, dass
wir einfach auf eine Ebene gestellt werden mit all den anderen. Ich, wo
doch so viel für Gott gemacht hat, wie heißt das, in der Hitze des Tages
für Gott gearbeitet, wie viel Jahre meines Lebens habe ich Gott gedient.
Und alle leben wir von der Güte Gottes. Wir singen so oft: Mit ist
Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert, aber wenn wir es
konkret erleben, dass wir genau auf der gleichen Stufe stehen, wie ein
Kinderschänder, der sich noch in der letzten Minute seines Lebens bekehrt,
oder ein Mörder, oder sonst ein Halunke, ein Mafiaboss, dann wollen wir es
plötzlich nicht wahrhaben. Die Dienste unseres Lebens, das war doch
Geschenk Gottes, dass wir was tun dürfen, dass wir nicht müßig am Markte
stehen, ist das nicht schön, dass wir etwas wirken konnten in einer
chaotischen Welt, an einem Weinberg Gottes, wo wir etwas sinnvolles
geschehen ist, wo Frucht heranreift, wo unser Leben brauchbar und wertvoll
wurde? An der Gnade Gottes sind wir doch alle gleich. Regt sich da bei uns
Misstrauen? Dass wir scheel gucken, und sagen, aber der andere, aber ich
bin doch besser, als der andere, ich bin doch mehr als der andere. Ich
kenne kaum einen Hausbibelkreis, wo nicht manche treuen Freunde das immer
wieder zum Anlass nehmen, eine abendfüllende Sitzung aus dieser Frage zu
machen: Ist Gott nicht eigentlich unfair? Wenn da zum Schluss einer kommt
und sich bekehrt. Ich habe viele Dinge gehört, rechtschaffene Christen, die
sagen: dann hätte ich ja auch die Ehe brechen können, dann hätte ich ja
auch jeden Tag das Nachtleben auskosten können, und hätte, dann hätte ich
mich auch in die Sucht verlieren können, und hätte Drogen und den ganzen
Schmutz der Welt... Wissen Sie, was ich dann immer sag? Dann tus doch, du
Esel! Mach's doch, wenn dir's Freude macht, in der Sünde zu leben, aber es
ist noch nie einer in der Sünde glücklich geworden! Es gab genug
Gefühlsaufwallungen, Schwindel, aber noch nie, was will denn dein Leben
reicher machen, die Lüge, Unrecht? Etwas Böses? gibt's doch gar nicht, was
mein Leben weiten könnte, gibt's doch gar nicht, und da kommt auf einmal
zum Vorschein, dass hinter unser bürgerlich-christlichen Existenz, wo wir
manchmal so arg fromm tun, eine geheimes Sehnsucht steckt, oh, wenn ich
auch mal so pervers leben könnte, wie andere. Oh, wenn ich auch mal durch
den Schmutzt waten könnte. Wissen sie, dass das alles Elend ist und
Grausamkeit? Der Herr hat Ihnen doch Güte geschenkt, wenn Sie all das nicht
erlebt haben, was ist da in unserem Kopf bloß falsch gewesen? Und falsch
gelaufen, darf ich Ihnen so ganz praktisch sagen, dass Sie verstehen, was
ich Ihnen sagen will. Siehst du scheel, dass ich so gütig bin? Ihr ganzes
Leben ist nur von der Güte Gottes umfangen. Sie können nur dann gerne
sagen, ach wie wunderbar ist das um mich, so beschenkt.
Hör den Ruf!
Da sind ja ein paar Arbeiter gewesen, die
sagten: Ich wusste gar nicht, dass es da Arbeit gab. Und wir regen uns dann
auf und sagen: Na, die hätten ja auch drauf kommen können, dass es da
vorher auch Arbeit gab! Die haben auch gesehen, wie der uns geworben hat,
die wollten faulenzen. Das ist unsere Rechtschaffenheit, die das immer so
sagt. Nein, man muss aufpassen, es ist ein großes Risiko. Ich habe Ihnen
schon öfter gesagt: Meine Lebenserfahrung als Seelsorger, als einer, der im
evangelistischen Dienst tätig ist, und immer, dass sich ganz ganz wenig
Menschen auf dem Sterbebett bekehren. Ich kann an einer Hand aufzählen, was
ich in vielen, vielen Krankenbesuchen erleben durfte. Niemand verhärtet
sich so gegen das Evangelium, wie der alte Mensch. Gottes größte Gnade,
wenn alte Menschen sich bekehren. Wir haben in unserer Gemeinde viel viel
mehr Bekehrungen junger Menschen als alte Menschen. Man kann den Ruf Gottes
nicht auf die Seite schieben, ungestraft. Und darum ist es so wichtig, dass
man hört. Wenn der Herr ruft, und wen der Herr in seinen Dienst nimmt. Dies
Gleichnis ist ja so, dass es wirklich skandalös ist, wie Jesus das erzählt.
Ich will Ihnen hier zeigen, man muss am Evangelium immer wieder das
Ärgerliche finden, das gegen den Strich unseres Denkens geht, dann kommt
man auf die Sache drauf. Und wenn man dieses chiffrierte Gleichnis, dieses
versteckte Gleichnis kapieren will, muss man die Punkte kriegen, wo man
sich ärgert. Nämlich, warum hat der Herr so eine Form von Gerechtigkeit?
Weil er auf Güte und auf Gnade aufbaut. Und da sind wir alle gleich
Empfänger seiner Güte, und da kann keiner über dem anderen stehen, und da
ist noch etwas, in diesem Gleichnis drin, was uns wirklich ärgert. Da bäumt
sich etwas in uns auf, wo wir wirklich sagen, kann man so reden. Da steht
nämlich das Wort, da fragt der Hausherr, der Verwalter, habe ich nicht
Macht, zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist. Habe ich nicht Macht?
Wie kann man so reden? Ungläubige Weltleute ärgern sich am meisten über so
einen Satz in der Bibel. Wie kann Gott so reden. Ich darf doch tun, was ich
will! Für gläubige Leute ist es der größte Trost. Gott hat seine eigene
Rechtsordnung. Und wir können Gott nicht vor unser Gericht ziehen. Heut
Morgen die Losung, haben Sie die auch schon gelesen? Der, der uns von
Mutterleib bereitet hat, der den Himmel ausspannt, der die Erde erhält. Er
braucht keine Helfer. Wissen sie, wer Gott ist? Was sind wir kleinen Leute.
Der ewige Gott sagt: Ich gebe, aber Sie brauchen sich vor diesem Gott nicht
fürchten. Er hat sich auf Güte und auf Gnade festgelegt. Gott sucht an
Ihnen nicht die Sklavenarbeit. Dieser ewige, mächtige Gott, der sagt: Ich
darf tun, was ich will, und was mein ist. Der hat sich festgelegt, Sie zu
segnen. Er will Sie beschenken und überschütten mit gutem. Dass sie atmen,
ist doch ein Geschenk seiner Güte. Doch nicht, weil Sie so gesund leben,
ist doch nicht wahr. Nur weil es ein unverdientes Wunder der Gnade ist, und
wenn wir für Gott noch etwas wirken wollen und wirken können, ist es
Geschenk seiner Gnade, freuen Sie sich doch einfach. Dieser mächtige Gott
ist da, und meinen sie nicht, sie müssten vor Gott ein Soll erfüllen, und
Gott sei Dank geht es vor Gott nicht nach Tarifen und Leistungen. Wie
gesagt, jede Stunde bleibe ich Gott, seinem Tarif und seinen
Leistungskatalogen fast alles schuldig. Wo haben sie denn alles verlassen
und sind ihm nachgefolgt? Wir sind doch armselige Diener, wir haben doch
nur nicht einmal unsere Schuldigkeit getan. Was ist das für ein Gott, der
seinen Sohn Jesus uns in Liebe schenkt, und sagt: Für dich lass ich ihn
deine Schuld tragen. Sollte er uns in Jesus nun nicht alles schenken, wenn
er uns nun in seine Nachfolge ruft, wenn er sagt: Komm, in meinen Weinberg,
da habe ich Aufgaben für dich, will er doch nicht schikanieren! Es gibt
immer wieder Leute, die sagen: Ich habe keinen Ruf. Jeder Mensch hat einen
Ruf, und sie haben einen Ruf, bloß die Frage, wo will Gott sie hin, hier
oder im Ausland, in der Familie oder in einem weltlichen Beruf, aber Sie
sollen Gott dienen, nicht den Menschen, sie sollen Gottes Eigentum sein,
und der Herr will vor Ihnen vorangehen, er, der sagt: Ich kann doch geben
wie ich will, ein reicher Gott, und er hat niemanden enttäuscht. Und es ist
ein Vorrecht, wenn man ihm dienen darf, er lässt sich nichts schenken. Und
jede Stunde ist schad, die man für sich selber lebt, und die man nicht im
Dienst verströmt. Amen.
