Serie•Teil 1 / 7Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen
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Einleitung: Freiheit, Auswahl und die stille Gefahr der Vereinzelung
Es gab wohl kaum eine Zeit, in der wir uns in unserer Gesellschaft so frei bewegen konnten, wie das heute der Fall ist. Eingängige gesellschaftliche Normen fallen weg, und das nicht nur in den Städten. Städte waren in den vergangenen Jahrzehnten ja die Garanten dafür, dass man quasi unbeobachtet leben konnte und das tun konnte, was man wollte. Heute ist aber auch in ländlichen Gegenden die Freiheit groß, die Normen sind gefallen.
Unsere individualistische Gesellschaft ermöglicht uns weitgehend ein ungebundenes Leben, solange wir arbeiten und genügend Geld haben. Wir sind mobil, erledigen unsere Einkäufe von zu Hause am PC oder unterwegs am Smartphone, wir schauen Nachrichten und Filme, wann und wo und welche wir wollen. Die Welt scheint sich je länger, desto mehr um uns herumzudrehen. Alles wird uns auf einem Tablett serviert, und zwar dann, wann wir das wollen. Man wartet nicht mehr bis um acht Uhr abends oder halb acht, bis die Nachrichten beginnen, sondern man denkt: Schaue ich nachher. Es wird uns alles serviert.
Selbst Predigten müssen nicht mehr am Sonntagmorgen im Gottesdienst angehört werden. Uns stehen die besten Predigten online zur Verfügung, und wir können sie hören, wann immer wir wollen. Selbstverständlich wählen wir auch das Thema, das wir uns anhören wollen. Vermutlich würden viele Christen sagen, dass man ganz gut ohne Kirche Christ sein kann. Geistliche Nahrung lässt sich ja abrufen, wann immer wir meinen, sie nötig zu haben. So können wir uns auch den manchmal anstrengenden und unangenehmen Verpflichtungen einer verbindlichen Gemeinschaft entziehen. Wichtig ist meine Beziehung zu Gott, dass die funktioniert, das ist wichtig.
Das ist aber ein Trugschluss. Wenn ich mich der christlichen Gemeinschaft entziehe, dann kann meine Beziehung zu Gott nicht wirklich in Ordnung sein. Christen, die meinen, sie könnten ohne christliche Gemeinschaft leben, täuschen sich. Wer auf Dauer als Christ allein unterwegs ist, obwohl er Gemeinschaft pflegen könnte, wird in seinem geistlichen Leben verkümmern, egal wie viele religiöse Rituale er zu Hause pflegt. Vielleicht eignen wir uns hervorragendes theologisches Wissen an, weil wir ja immer die besten Predigten hören, aber wir werden trotzdem innerlich verkümmern.
Glauben muss gelebt werden, und die Gemeinschaft mit anderen Christen spielt dabei eine wichtige Rolle. Ich habe nichts gegen all diese Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen. Ich benutze sie selbst, ich höre auch viele Predigten im Internet. Wir sollten aber das eine tun und das andere nicht lassen.
Der Übergang zur neuen Themenreihe
Mit der Wiedergeburt, also dem Zeitpunkt, an dem wir Christen werden und der Heilige Geist in unser Leben hineinkommt, werden wir Teil der Familie Gottes. Paulus sagt das einmal so: Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist gedrängt.
Das ist nicht nur virtuell gemeint, sondern Paulus meint damit echte, lebendige Menschen, die Christen sind und mit denen wir uns treffen und Leben teilen können. Das Problem, dass Christen die Gemeinschaft mit anderen Christen nicht hoch genug einschätzen, ist kein Problem des 21. Jahrhunderts, kein Problem unserer Technologie. Das kannte man bereits im ersten Jahrhundert, denn im Hebräerbrief lesen wir bereits, also in der Bibel, werden Christen ermahnt, weil wir auch füreinander verantwortlich sind. Wir wollen uns gegenseitig dazu anspornen, einander Liebe zu erweisen und Gutes zu tun. Das kann man natürlich nur in einer Gemeinschaft mit lebenden, echten Menschen.
Und dann sagt er: Deshalb ist es wichtig, dass wir uns in Zusammenkünften nicht fernbleiben, wie einige sich das angewöhnt haben, sondern dass wir einander ermutigen. Und das umso mehr, als wir selbst feststellen können, dass der Tag näher rückt, an dem der Herr wiederkommt.
Also auch damals haben Christen die Gemeinschaft der Christen nicht wirklich geschätzt, oder ernst genommen, oder die Bedeutung davon nicht erkannt. Natürlich gibt es viele Gründe, weshalb man eine christliche Gemeinschaft meiden möchte. Leider kann es auch in einer Kirche hoch hergehen, und Menschen werden unglaublich verletzt. Das wäre jetzt gerade treffend gewesen. Auch Kinder werden verletzt, aber nicht, weil wir ihnen etwas getan haben, sondern weil sie vom Bank fallen.
Wir haben uns unsere Glaubensgeschwister eben nicht selber ausgesucht. Sie sind einfach dazugekommen, weil sie sich entschlossen hatten, Jesus nachzufolgen, und so gehören wir zusammen. Das kann sehr herausfordernd und anstrengend sein. Die neutestamentlichen Briefe geben uns einen ungeschminkten Einblick in die Probleme, Streitigkeiten und Schwierigkeiten in den ersten Gemeinden.
Ich bin immer erstaunt, wie schnell wir von der Urgemeinde sprechen und so tun, als ob die keine Probleme gehabt hätte, als ob die keine Schwierigkeiten zu lösen hätte. Diese Urgemeinde, die wir immer so verherrlichen, die gab es gar nicht. Die Gemeinde hat immer auch Probleme gehabt, schon die Apostel unter sich. Und dann müsst ihr nur die Briefe lesen, den Korintherbrief und den Galaterbrief, und dann wisst ihr, was da los war.
Zum Beispiel schreibt Paulus den Christen in Galatien: Wenn ihr wie wilde Tiere aufeinander losgeht, einander beißt und zerfleischt, und passt nur auf, sonst werdet ihr am Ende noch einer vom anderen aufgefressen. Ja, was meint ihr, weshalb schreibt es Paulus? Weil die alles so gut miteinander hatten? Nein, weil sie Zoff miteinander hatten. Das sollten sie natürlich nicht haben, aber das kann es geben.
Warum Paulus keinen Rückzug empfiehlt
Doch Paulus gab in solchen schwierigen Gemeindesituationen nie den Rat, die Christen sollten sich in ihre vier eigenen Wände zurückziehen und die Gemeinde Gemeinde sein lassen. Rückzug in ein Solochristentum kannte Paulus gar nicht. Vielleicht würde er in bestimmten Situationen raten, sich einer anderen christlichen Gemeinschaft anzuschliessen, aber bestimmt nicht, die Gemeinschaft der Christen mit Christen zu vernachlässigen.
Paulus konzentrierte sich darauf, die Christen auf die wichtigsten Verhaltensregeln aufmerksam zu machen. Schliesslich muss das Leben als Christ eingeübt werden. Gewohnte Verhaltensweisen, die uns antrainiert wurden oder die wir uns angewöhnt haben, müssen vielleicht abgelegt werden. Neue Umgangsformen müssen eingeübt werden.
Im Epheserbrief wies Paulus bereits auf verschiedene Verhaltensregeln hin. In den letzten Serien haben wir das ja angeschaut, und ihr könnt das gern nachhören. Jetzt, an dem Punkt, wo wir im Epheserbrief angekommen sind, ich habe ja den Epheserbrief schon bis zum Kapitel 5,20 behandelt, haben wir quasi den ganzen Epheserbrief lückenlos miteinander angeschaut. Jetzt sind wir an die Stelle gekommen, wo es um die Verhaltensweisen gegenüber den Menschen geht, die uns besonders nahestehen: Ehepartner, Kinder und so weiter.
Deshalb habe ich dieser Serie, die wir heute starten, über den Textabschnitt von Epheser 5,21 bis 6,9 folgenden Titel gegeben: göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen. Wir werden das in sieben Teilen durchgehen. Und ich kann auch sagen: Wer nicht verheiratet ist, wird ebenfalls etwas lernen, wenn es hier um die Ehefrauen geht. Übrigens können auch die Männer da etwas lernen. Es ist gut, wenn sie etwas wissen über die Ehefrauen und Ehemänner, Kinder, Väter gegenüber den Kindern, Arbeitnehmer und Vorgesetzte.
Das sind also sieben Teile. Damit nehmen wir uns Zeit, uns ein bisschen vertiefter mit diesen verschiedenen Beziehungen auseinanderzusetzen.
Der Leitvers für alle folgenden Beziehungen
Das Erstaunliche an diesen Texten, die wir uns ansehen werden, ist, dass sie sehr knappe und prägnante Aussagen machen. Wenn wir uns mit Beziehungen und Erziehungsfragen beschäftigen, lesen wir in der Regel verschiedene Bücher. Paulus beschränkt sich auf ganz wenige elementare Anweisungen, die er dann auch in anderen Briefen eigentlich wiederholt. Er fügt nicht groß Neues hinzu.
Vielleicht dachte er: In der Kürze liegt die Würze. Gewürzt sind die Texte allemal, die wir uns ansehen werden. Und wenn wir ehrlich sind, empfinden wir manches nicht mehr als zeitgemäß und deshalb auch als provokativ.
Heute beginnen wir mit dem ersten Vers dieses Abschnittes. Dieser Vers bildet den Übergang vom letzten Abschnitt zu den Texten, die wir in dieser Serie anschauen werden. Mit diesem Vers gibt uns Paulus das Grundkonzept für Beziehungen jeglicher Art. Alle Texte, die wir in den nächsten Wochen beachten und betrachten werden, müssen von diesem Grundsatz her verstanden werden, den Paulus hier formuliert:
Ordnet euch einander unter, tut es in der Ehrfurcht vor Gott!
Überschrieben habe ich diesen Abschnitt mit: Leute, begegnet euch respektvoll!
Jetzt sind wir da, Punkt eins.
Unterordnung als Ausdruck von Respekt
Vermutlich gefällt uns das erste Wort dieses Verses nicht wirklich gut: unterordnen. Ordnet euch einander unter. Das ist doch wieder mal typisch. Bei Worten, die uns in der Bibel nicht gefallen, fragen wir relativ schnell, welches Wort im griechischen Grundtext steht. Das mache ich natürlich auch. Und wir fragen uns dann, ob man dieses Wort wirklich so übersetzen muss, ob es nicht ein bisschen anders übersetzt werden könnte.
Das ist ein gutes Vorgehen, und jeder geht so vor. Aber ja, man muss es so übersetzen. Es gibt keine Variante. Selbst moderne Übersetzungen verwenden kein anderes deutsches Wort als unterordnen. Es geht im Griechischen nicht anders. Es steht tatsächlich so im griechischen Text: Christen sollen sich gegenseitig unterordnen. Und wenn wir ehrlich sind, geht uns das irgendwie gegen den Strich.
Wir verbinden damit Unterwerfung. Wir befürchten, zu Kopfnickern werden zu müssen, keine eigene Meinung mehr haben zu dürfen, sondern einfach für alles Ja und Amen zu sagen. Das widerstrebt uns, die wir in der Schweiz aufgewachsen sind, besonders, weil wir es gewohnt sind, dass wir uns für unser Recht einsetzen. Das ist nicht in allen Kulturen so.
Ich mag mich noch erinnern, als Lilian und ich früher einmal mit Interrail unterwegs waren. Da hat uns in Rumänien, glaube ich, ein Beamter im Zug das Ticket weggenommen. Und dann bist du natürlich verloren. Dann bist du aufgeschmissen. Ich bin ihm hinterher. Vermutlich wollte er Geld von mir, aber ich wollte ihm keines geben. Ich wollte einfach mein Ticket wieder. Also bin ich dem Herrn hinterhergetigert. Dann holte er die Polizei, und ich als Schweizer dachte natürlich: Ja klar, holen Sie die Polizei, kein Problem.
Aber als wir in Rumänien über die Grenze fuhren, haben wir gesehen, dass ein Grenzbeamter einen Mann im Zug geschlagen hat. Da wussten wir schon: Es ist ein bisschen eine andere Einstellung gegenüber den Obrigkeiten. Wir sind uns gewohnt, uns für unser Recht einzusetzen und zu kämpfen. Und jetzt sollen wir uns unterordnen, unterwürfig leben. Das passt uns nicht.
Die positive Bedeutung von Unterordnung
Das wäre die negative Sicht. Die positive Sicht ist, dass Paulus damit in aller Deutlichkeit sagte, dass Christen über andere keine Macht ausüben sollten. Christen unterdrücken andere Menschen nicht.
So kann jeder Christ von dieser Aufforderung des Paulus profitieren, wenn sich alle daran halten. Im Reich Gottes gelten eben andere Regeln. Jesus sagte: Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Jakobus und Johannes, zwei Jünger von Jesus, wollten sich im Himmel ihren Ehrenplatz sichern. Sie wollten sozusagen schon sicher sein, wo sie dann, wenn sie in der Herrlichkeit sind, sitzen werden. Und so sagen sie zu Jesus: Jesus, wir möchten, dass du uns in deiner Herrlichkeit neben dir sitzen lässt. Den einen an deiner rechten Seite, den anderen an deiner linken Seite.
Wie dreist ist denn das? Die wollten sich die Plätze reservieren. Eigentlich wollte ja ich dort sitzen. So sind wir nun mal veranlagt. Wir suchen für uns gerne die besten Plätze aus.
Jesus antwortet, dass nicht er, sondern der Vater bestimmen wird, wer neben ihm sitzt. Und dann erklärt er den beiden, wie sich die Regeln im Reich Gottes von denen in der Welt unterscheiden. Ihr wisst, sagt er ihnen, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. So funktioniert der Mensch und so funktionieren die Menschen, die Gott nicht ehren. So funktioniert diese Welt. Das können wir jeden Tag in den Nachrichten mitverfolgen. Mächtige, die Völker unterdrücken, Menschen, die andere unterdrücken, schon im Kleinen.
Im Reich Gottes gelten hingegen andere Regeln. Jesus sagte den beiden: Bei euch ist es nicht so. Im Gegenteil: Wer unter euch groß werden will, soll den anderen dienen. Wer unter euch der Erste sein will, soll zum Dienst an allen bereit sein. Oder eben: Er soll sich dem anderen unterordnen. Er soll nicht über ihn herrschen, sondern ihm dienen.
Das Neue Testament ist an diesem Punkt absolut eindeutig. Das gilt auch für die Kirchenleitung. Paulus schreibt dem Gemeindeverantwortlichen: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, und achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, nicht als solche, die über die Gemeinde herrschen, sondern als Vorbilder der Herde.
Selbst eine Gemeindeleitung, selbst wenn sie Verantwortung trägt, hat nicht zu herrschen, sondern zu dienen, Vorbild zu sein. Das ist das Neue Testament. Das ist christlicher Glaube. Das ist das Verständnis von christlicher Gemeinschaft.
Gegenseitige Achtung in der Gemeinde
Es gibt in der Gemeinde keine Machtpositionen, sondern jeder soll sich dem anderen unterordnen. Anders gesagt: Jeder soll dem anderen mit großem Respekt begegnen, unabhängig von seiner sozialen Stellung.
Jakobus beklagte, dass in der Gemeinde die angesehenen und reichen Leute bevorzugt behandelt wurden und man die armen Christen mit Verachtung behandelte. Wenn ein Reicher in den Gottesdienstraum kam und die Plätze besetzt waren, schickte man einen Armen weg, damit der Reiche sich hinsetzen konnte. Jakobus sagt der Gemeinde: Das ist nicht in Ordnung, so könnt ihr nicht handeln.
Hört zu, meine Lieben: Hat nicht Gott die Armen in der Welt erwählt, die im Glauben reich sind und Erben des Reiches, das er verheißen hat, denen, die ihn lieb haben? Warum behandelt ihr sie dann wie Abschaum, nur weil sie nicht so reich sind wie die anderen?
Gegenseitige Unterordnung bedeutet, dass wir einander mit größtem Respekt begegnen und einander dienen, wenn es nötig ist und wir es können. Es heißt, dass wir uns nicht einfach dienen lassen und alle Vorteile der Gemeinschaft nutzen, aber selbst nichts zur Gemeinschaft beitragen.
Paulus schrieb: Lasst im Umgang miteinander Herzlichkeit und geschwisterliche Liebe zum Ausdruck kommen. Übertrefft euch gegenseitig darin, einander Achtung zu erweisen. So bekommt jeder die Würde, wie sich Gott das wünscht.
Respekt ist übrigens ein Aspekt der Liebe. Wer liebt, bringt dem anderen Respekt entgegen; ansonsten liebt er nicht. Respektlose Liebe gibt es nicht, das ist ein Widerspruch in sich selbst.
Wenn wir einander in dieser Weise begegnen, hat unsere Gemeinschaft Ausstrahlung. Anfang des vierten Jahrhunderts spottete einer über die Christen und warf ihnen das im negativen Sinne vor. Er sagte, an geheimen Zeichen und Merkmalen kennen sie einander und lieben sich schon fast, ehe sie sich noch kennen. Das konnte er nicht begreifen, dass das möglich ist.
Was für ein tolles Zeugnis für die Christen damals! Sie lieben sich schon fast, ehe sie sich noch kennen.
Der eigentliche Grund für dieses Verhalten
Warum sollen wir uns so verhalten? Weshalb sollen wir uns einander unterordnen? Gibt es dafür einen tieferen Grund?
Jawohl, es gibt einen tieferen Grund: Tut es in Ehrfurcht vor Christus. Oder, wenn man es wörtlich übersetzt, würde es heißen: Tut es in der Furcht Christi.
Wir sollen uns gegenseitig unterordnen, weil wir mit Jesus in Beziehung stehen. Jesus erwartet offensichtlich von uns, dass wir uns so verhalten. Wir sollen uns dessen bewusst sein, dass wir gegenüber Jesus bezüglich unseres Verhaltens Rechenschaft schuldig sind. Wenn wir unseren Mitchristen Respekt erweisen, dann erweisen wir automatisch auch Jesus Respekt. Tun wir das nicht, dann verhalten wir uns auch gegenüber Jesus respektlos.
Paulus schrieb den Christen in Korinth: Wir wissen also, wie wichtig es ist, in Ehrfurcht vor dem Herrn zu leben, vor dem wir einmal Rechenschaft ablegen müssen.
Wir sollen so leben, dass Jesus Respekt erwiesen wird. Wir leben mit und für Jesus. Er soll mit unserem Verhalten zufrieden sein. Er soll zuschauen können, wenn wir leben.
Das erinnert mich immer an meine Zeit in der Rekrutenschule. Das ist schon etwas länger her. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist. Wir mussten tagelang dieselben Übungen machen, draußen natürlich, nicht drinnen. Wir sollten ja abgehärtet werden. Und wenn der beaufsichtigende Offizier nicht in der Nähe war, machte die Gruppe relativ schnell Pause. Natürlich nicht in der offiziellen, in der vorgesehenen Pause, sondern einfach so. Man hat sich hingeknallt, und einer musste dann das Gelände im Auge behalten, damit, wenn dieser Offizier wiederkam, um zu schauen, wie gut wir arbeiten, wir dann sofort reagieren konnten.
Kaum hatte einer den Offizier gesehen, standen alle wieder auf. Dann gaben wir wirklich alles, sodass man den Eindruck hätte, wir würden den ganzen Morgen arbeiten wie die Verrückten. Denn wir wollten einen guten Eindruck machen und verhindern, dass uns am Abend eventuell sogar noch der Ausgang gesperrt wird, weil der Offizier nicht zufrieden war.
Als Christen sollten wir uns nicht verstecken. Und wir sollten uns nicht so verhalten, wie wir das damals in der Rekrutenschule taten. Als Christen wollen wir doch nicht, dass Jesus wegschaut. Wir wollen doch ein Leben führen, bei dem er zuschauen kann.
Paulus meinte einmal: Alles, was ihr tut, tut von Herzen als etwas, das ihr für den Herrn tut und nicht für Menschen.
Mit anderen Worten: Wenn du deinen Mitchristen mit Respekt behandelst, dann tust du das nicht primär für ihn, sondern du tust es primär für Jesus. Und damit gibst du ein Bild ab, ein Stück weit ein Bild des Wesens von Jesus. Und das möchte er.
Jesus ist für uns ein guter und gnädiger Herr. Deshalb wollen wir unser Leben auf ihn ausrichten. Und das, was Jesus von uns erwartet, ist nicht etwas, das er selbst nicht getan hätte. Denn der Menschensohn Jesus ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben. Er hat das selbst getan.
Jesus erwartet von uns nicht etwas, das er nicht getan hätte. Er ist nicht auf die Welt gekommen und hat geherrscht und sagt uns dann, wir sollen dienen. Sondern er ist auf die Welt gekommen und hat uns gedient und sagt, wir sollen das genauso tun.
Jesus hat sich für uns demütigen lassen. Er suchte nicht seinen eigenen Vorteil, sondern er diente uns, indem er für unsere Schuld am Kreuz starb. Gott beweist seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.
Jesus erniedrigte sich selbst. Jesus selbst unterordnete sich uns, indem er sein Leben am Kreuz gab. Ein besseres Beispiel haben wir nicht. Ein besseres Beispiel konnte er nicht geben. Mehr Unterordnung konnte er nicht leben, als für uns zu sterben.
Bist du dir dessen bewusst, was Jesus für dich getan hat? Hast du ihm dafür schon gedankt, deine Schuld bekannt und ihn eingeladen, dein Herr zu sein? Ich kann dir garantieren: Einen besseren Herrn wirst du nie finden. Du wirst keine Religion finden, die einen besseren, gnädigeren, barmherzigeren und gerechteren Gott hat.
Jesus hat dir durch sein Opfer am Kreuz für Zeit und Ewigkeit die Tür zum Himmel aufgestoßen. Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.
Und wenn du dieses ewige Leben willst und Jesus noch nicht dein Herr ist, dann kannst du heute dein Leben ihm anvertrauen, und du wirst als ein neuer Mensch diese Kirche verlassen. Ein aufrichtiges Gebet, und du wirst ein Kind Gottes.
Respekt als tragende Haltung für alle Beziehungen
Dieser Begriff „Unterordnung und Furcht vor Christus“ zieht sich durch die folgenden Texte, die wir in dieser Serie genauer betrachten werden. Wir könnten die beiden Begriffe auch in einem zusammenfassen: Respekt, Respekt vor Menschen und Respekt vor Jesus.
Wenn ich Respekt habe, bleibe ich anständig und beherrscht. Ich nehme mein Gegenüber ernst, auch wenn es anderer Meinung ist. Respekt ist die Grundlage jeder Beziehung, die sich erfreulich entwickelt. Respektlosigkeit zerstört jede Beziehung.
Und jede Idee, die kaputtgeht, beginnt oft dort, wo die Respektlosigkeit des anderen Einzug hält. Respekt ist eine ganz wichtige Haltung. Wir werden das sehen, das wird sich durch diese ganze Serie hindurchziehen. Respekt ist die Grundlage jeder Beziehung.
Ein Bild aus der Natur für Zusammenhalt
Ein Pastor erzählte von einer Postkarte, die er von einem Freund bekommen hatte. Darauf zu sehen waren die kalifornischen Mammutbäume. Die mächtigsten dieser Bäume, so ist man der Meinung, sind mehr als viertausend Jahre alt, also ziemlich alt.
Fast hundert Meter ragen diese Riesen empor. Zum Beweis, wie groß der Durchmesser dieser Bäume am Fuß des Stammes ist, zeigt jene Postkarte einen Tunnel, den Zimmerleute durch das Holz gestemmt hatten, so dass sogar ein Auto durchfahren könnte.
Über diese Mammutbäume erzählen die Fachleute eine ganze Reihe erstaunlicher Tatsachen. Drei möchte ich euch sagen, die dritte ist die, die für uns wichtig ist.
Erstens stehen sie so gerade, als wären sie mit einem Senkblei ausgerichtet worden. Wäre das nämlich nicht so, würde das ungeheure Gewicht dieser Holzmasse die Bäume umreißen.
Zweitens schwitzen diese Bäume durch ihre Borke oder stoßen eine eigentümliche Säure aus, die alle Schädlinge zum schnellen Rückzug bewegt.
Und als Drittes kommen diese Mammutbäume nur in Gruppen vor. Das ist nämlich das Geheimnis ihrer erstaunlichen Standfestigkeit. Die Riesen haben keine Pfahlwurzeln, die tief in die Erde hineinwachsen. Ihre Wurzeln verbreiten sich weit unter der Oberfläche des Bodens und verflechten sich eng mit den Wurzeln der anderen Mammutbäume. Die Wurzeln bleiben jedoch so elastisch, dass sich die Mammutbäume gegenseitig halten. Wenn die gefürchteten Hurrikans in Kalifornien, was ja üblich ist, wüten, fallen sie nicht um, weil sie sich unten an den Wurzeln gegenseitig halten.
Als Christen sollten wir wie diese Mammutbäume miteinander verwurzelt sein. Denn nur so werden wir den Stürmen des Lebens standhalten können, nur so werden wir unser Ziel miteinander erreichen und Jesus treu bleiben.
Und diese Verwurzelung entsteht, wenn wir das tun, was Paulus den Ephesern schrieb: Ordnet euch einander unter, tut es aus Ehrfurcht vor Christus. Oder wie er es den Philippern schreibt, im gleichen Sinn: Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst.
Schlussgebet
Ich bete mit uns.
Ich danke dir, Vater, für dein Wort, das klar ist und für uns manchmal ein wenig unangenehm, aber immer hilfreich. Es zeigt uns, worauf wir Wert legen sollen und worauf wir achten müssen. Und es ist wunderbar, dass wir in einer Gemeinschaft leben dürfen, in der nicht Macht und Unterdrückung herrschen, sondern gegenseitige Achtung und Wertschätzung, gegenseitiges Dienen. Das zeigt, wie du dir das Leben von Menschen eigentlich vorstellst.
Und du, Herr Jesus, hast es möglich gemacht, dass wir so in der Gemeinschaft der Christen leben können, weil du uns von unserer Schuld befreit hast. Dafür wollen wir dir danken, dass du am Kreuz für unsere Schuld gestorben und auferstanden bist und dass du durch den Heiligen Geist mit uns unterwegs bist. Amen.

