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Jesus ist es wert

Zeigt mein Leben, wie sehr Jesus mich geliebt hat?
Du musst nicht alles leisten. Die eigentliche Frage ist: Lebt dein Alltag aus Liebe zu Jesus – oder nur aus Druck, Erwartungen und Lärm?

Einleitung: Die laute Welt und die leise Sehnsucht

Guten Morgen zusammen! Ja, eigentlich ist es ja gut, wenn man laut gehört wird, oder? Bis ganz hinten. Aber manchmal ist es vielleicht auch zu laut. Und ich meine jetzt nicht nur, dass ich zu laut bin, durch die Mikrofonanlage verstärkt, sondern dass unsere Welt manchmal zu laut ist.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber unsere Welt ist extrem laut. In ganz vielerlei Hinsicht. Es ist so laut, also jetzt nicht nur krasser Lärm, dass es uns in den Ohren wehtut, sondern das Leben ist ja auch oft laut, im Sinne von, dass ich unruhig bin, dass es mir schwerfällt, zur Stille, zur Ruhe zu kommen.
Kannst du dich mal an eine halbe Stunde in der letzten Woche, vielleicht im letzten Monat, vielleicht im letzten Jahr erinnern, wo du einfach nichts getan hast? Einfach mal still warst, einfach mal da warst, noch nicht mal irgendwie so gefühlt fromme Pflichten, Bibel lesen, einfach da warst. Ich befürchte, dass wir auch als Gläubige manchmal keinen allzu großen Beitrag dazu leisten, zu dieser Stille und Ruhe zu kommen, und dass wir auch aneinander manchmal uns gar keine große Hilfe sind und einander gar nicht so gewaltig helfen, dabei zu dieser Stille zu kommen.
Und vielleicht ist auch manchmal sogar das, was du empfindest, wenn du hier in die Gemeinde kommst oder wenn du christliche Bücher liest oder wenn du darüber nachdenkst, wie soll ich jetzt mein Christsein leben, dann wird es genauso laut. Es fühlt sich irgendwie vielleicht frommer an, aber es ist genauso laut, weil so viele Dinge auf dich einströmen, so viele Lehrmeinungen von links und rechts, so viele Erwartungen, die Menschen an dich artikulieren, die Bücher an dich artikulieren, die du manchmal empfindest, vielleicht sogar von Gott.
Ich meine, ist doch klar: Als Gläubiger, da sollte man ja auch jeden Sonntag in den Gottesdienst, das gehört sich ja auch so. Dienstag in die Bibelstunde und im Hauskreis, Montag irgendjemand helfen, am Donnerstag im Chor, am Freitag ins Gebet und am Samstag ist Männerkreis, und am Sonntag fängt es wieder von vorne an. Aber wir sollten uns ja nicht stressen lassen, es gehört ja auch zur christlichen Pflicht, oder? Und du sollst eine gute Mama sein, ist klar, ein guter Ehemann und ein liebevoller Vater und eine opferbereite Gastgeberin. Du sollst da richtig Gas geben, aber du sollst ja immer ruhig und gelassen bleiben, oder? Das ist doch wichtig.
Ich meine, wir sollten unsere Ehepartner, die sollten wir lieben und schätzen und ehren, ganz klar, ja, aber zum Götzen sollten sie ja nicht werden. Und du sollst christliche Freunde haben, ist ganz wichtig, aber du sollst nicht in einer frommen Blase leben. Und du sollst ganz viel beten, ist ganz wichtig, aber bete auf keinen Fall nur, weil du musst. Das wäre doch auch nicht gut, oder? Und du sollst Gottes Wort studieren, die Bibel, ist klar, aber Wissen allein bringt nichts. Du sollst dich von Kommentaren und Meinungen nicht zu sehr beeinflussen lassen, aber du sollst offen sein für das, was andere dir sagen. Du sollst dich vielleicht zurückhaltend kleiden, aber nicht so, dass die Leute dich für komisch halten oder altbacken. Du sollst dem Beruf alles geben und ein Zeugnis sein, aber eigentlich vielleicht nur Teilzeit arbeiten, um für das Reich Gottes Zeit zu haben. Du sollst für deine Arbeitskollegen ein Licht sein, oder? Ist doch klar, und Zeit mit ihnen verbringen, aber ja auch genug Abstand irgendwie halten, um dich nicht von ihren negativen Eigenschaften beeinflussen zu lassen. Und dann sollst du finanziell auf eigenen Beinen stehen, aber nicht zu stolz sein, um Hilfe anzunehmen. Du sollst genügend den Armen geben.
Und merk dir, wie laut es ist. Wie laut es ist.
Und jetzt sitzt du hier in der Predigt, hast dich entschieden, heute Morgen hierher zu kommen, und es ist ja schön, und wartest vielleicht auf den nächsten Impuls, auf die nächste Aufforderung, was du alles tun sollst, was alles christlich wäre, was alles in der Bibel steht und was heilig ist und wichtig. Und dabei, ganz ehrlich, sind wir doch manchmal so abgestumpft, dass wir viele, viele Appelle auch gerade von hier vorne gar nicht mehr hören. Wir hören sie mit den Ohren, aber wir nehmen sie ja gar nicht mehr richtig wahr.
Ich meine: Natürlich, wenn von hier vorne kein Appell kommt, du sollst und man müsste und so weiter, dann fühlt sich das komisch an in der Predigt. Aber auf der anderen Seite, mal ganz ehrliche Frage: Wann hast du zum letzten Mal eine Predigt gehört und bist heimgegangen und hast eine Sache, die du als richtig erkannt hast, wo die Predigt dich darauf aufmerksam gemacht hat, wo du im Wort Gottes vielleicht auch in einer stillen Zeit gemerkt hast: Doch, das spricht mich an, und hast diese eine Sache konkret angepackt und verändert? Könnte man jetzt mal das Mikrofon rumgeben? Wann das das letzte Mal der Fall war.
Das Leben ist laut, und wir haben uns daran gewöhnt. Es gibt so viele Werbebotschaften, so viele Menschen, die was von uns wollen, die uns Vorschläge machen, Erwartungen an uns haben, dass viele von uns sich angewöhnt haben, manchmal einfach die Ohren zuzumachen und gar nichts mehr zu machen. Wenn uns alles zu viel wird, dann gehen wir online, oder? Holen wir das Handy raus und scrollen eine Weile. Und anstatt, dass wir zur Ruhe kommen in solchen Momenten, dröhnen wir uns noch mehr zu.
Es gibt Kinder, die können ohne Beschallung gar nicht mehr einschlafen, und auch bei uns Erwachsenen kann es sein, dass uns Stille unangenehm ist. Wir wissen gar nicht, wie wir damit umgehen sollen. Es kann sein, dass du sogar deine stille Zeit, dass du sie vielleicht sogar regelmäßig abmachst, wie wir als Christen das erkennen, stille Zeit, wo man sich Zeit nimmt, für Gott ganz bewusst, aber dass du diese stille Zeit sogar damit füllst, einfach Dinge abzuhaken. Bibellesenplan, abgearbeitet, fertig. Gebet gesprochen, okay, was kommt dran? Familie, Arbeitsstelle, Missionsfeld, Gemeinde, fertig, weiter geht es, Alltag, hier bin ich.
Und all die Dinge, die die letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte in unser Leben gekommen sind, um es leichter zu machen, um es angenehmer zu machen, um uns mehr Zeit zu geben, die Spülmaschinen und die Waschmaschinen und Auto und Akkuschrauber und Handy und was weiß ich was, sie haben unser Leben. Sie haben es nicht einfach einfacher gemacht, sie haben uns nicht mehr Zeit gegeben. Unterm Strich haben sie unser Leben einfach nur lauter und schneller gemacht.
Und als Gläubige, da wollen wir nicht einfach da stehenbleiben und sagen: Ja gut, dann ist es halt so. Sondern wir wollen ja, und ich denke, da sind die meisten hier drin mit mir einig, wir wollen ja lernen vom Erfinder des Lebens, wie er Leben sich ausgedacht hat. Und wir sind überzeugt, dass auch im 21. Jahrhundert in diesem Wort Dinge drinstehen, die uns helfen, so zu leben, wie er sich Leben gedacht hat. Und wir dürfen reinschauen in dieses Wort und in die Lebensberichte von unserem Herrn Jesus zuschauen, dürfen ihm beim Leben zuschauen und dürfen an ihm lernen, wie ein Mensch lebt, so wie Gott es sich vorgestellt hat.
Und auch wenn Jesus noch kein Handy und keine Waschmaschine und keine Spülmaschine hatte und nicht mit dem Auto gefahren ist, so glaube ich doch, können wir ganz, ganz viel lernen.

Ein Blick auf Jesus und seine innere Freiheit

Ich habe kürzlich eine Episode aus Markus 1 gelesen, in der es heißt, dass Jesus am Morgen, als es noch sehr dunkel war, aufstand. Er ging hinaus an einen einsamen Ort und betete dort. Und wir denken vielleicht: Na ja, das war unser Herr Jesus, klar, der hat sich Zeit genommen für Stille, der konnte das ja auch. Aber ihr Lieben: Er hatte auch Erwartungen, die an ihn gestellt wurden.
Es ging da weiter, und es folgten ihm Simon und die, welche bei ihm waren. Und als sie ihn gefunden hatten, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich! Und er spricht zu ihnen: Lasst uns in die umliegenden Orte gehen, damit ich auch dort verkündige; denn dazu bin ich gekommen.
Jeder hat ihn gesucht, jeder wollte etwas von ihm, jeder hatte Erwartungen, was Jesus erfüllen sollte. Aber wenn wir Jesus beim Leben zuschauen, dann merken wir, dass er nicht abhängig gewesen ist von den Erwartungen der Menschen. Ja, er hat sich zurückgezogen, aber nicht wie ein Mönch, abgeschlossen von allem, weltfremd im negativen Sinn, sondern um die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen und um Kraft zu tanken. Und diese Kraft hat er nicht einfach nur für sich selbst getankt, damit es ihm besser geht, sondern um danach wieder für andere da sein zu können.
Aber heute Morgen möchte ich mit euch noch einen Blick etwas ausführlicher in eine andere Episode aus dem Markus-Evangelium werfen. Und da geht es auch um einen Simon. Gerade eben kam Simon schon auf Jesus zu, das war der jüngere Simon Petrus. Aber der andere Simon, um den es jetzt geht, den kennen wir nicht ganz so gut. Und diese Begebenheit zeigt uns, worauf Jesus wirklich Wert legt.

Zwischen zwei dunklen Szenen

Und die Schilderung dieser Begebenheit wurde von dem Erzähler, der sie für uns schriftlich festgehalten hat, zwischen zwei absolut düstere Abschnitte gepackt. Der Abschnitt vor dieser Szene, vor dieser Begebenheit, berichtet, wie sich Leute zu einem Mordkomplott zusammenschließen. Und zwar nicht zu irgendeinem Mordkomplott, wie es schon viele in der Menschheitsgeschichte gab, sondern zu dem bösesten, niederträchtigsten Mordkomplott aller Zeiten. Sie wollen nämlich einen Menschen, der besser war als alle anderen Menschen, bestialisch ermorden lassen. Und sie gehen dazu bewusst arglistig und manipulativ vor. Der einzige Grund, der diese Leute, die das gerade planen, davon abhält, sofort aktiv zu werden und den Mord sofort in Auftrag zu geben oder in Gang zu setzen, was dazu gehört, ist eigentlich die Angst vor einem Aufruhr im Volk.
Ich lese euch mal die Stelle vor. Ihr dürft gerne die Bibel mit mir aufschlagen. Im Markusevangelium, Kapitel 14, finden wir das. Markus, Kapitel 14. Da heißt es in Vers 1:
Es war aber zwei Tage vor dem Passa und dem Fest der ungesäuerten Brote, und die obersten Priester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. Sie sprachen aber: Nicht während des Festes, damit kein Aufruhr unter dem Volk entsteht.
Ja, das ist die Begebenheit, die ich gerade eben geschildert habe. Also die hohen Kirchenleute, die geistlichen Führer des Volkes, ja, das ist für heute gesprochen: die Theologen, die Prediger, die wollten nur eins: Jesus totsehen. Und wir fragen uns vielleicht: Warum? Theologen, Schriftgelehrte, Pharisäer, wie können Menschen da hinkommen? Wie kann man nur so böse und bösartig sein?
Und ich befürchte, dass die Antwort auf diese Frage erschreckend sein könnte. Denn es waren nicht einfach grundsätzlich bösere Menschen. Sie waren in Sünde geboren wie alle anderen auch. Sie hatten sich angewöhnt, Dinge in ihrem Leben zu dulden und zu kultivieren, Charakterzüge und Sünden. Wenn wir ehrlich sind, finden wir die bei uns auch. Die Bibel nennt an verschiedenen Stellen, was das Problem der Pharisäer war. Sie zeigt uns und nimmt uns mit hinein, dass die Pharisäer ein Problem mit Stolz hatten, dass sie neidisch und eifersüchtig waren. So werden sie an Stellen beschrieben. Sie hatten Angst vor Machtverlust. Es hat sie wütend gemacht, weil Jesus ihre Auslegung und ihre Praxis in Frage gestellt hat. Das hat ihnen nicht gefallen. Und sie wollten Jesus weg haben, weil er sie damit konfrontiert hat, dass sie ungerecht sind, weil er sie Heuchler genannt hat. Sie wollten Geltung haben. Sie wollten ihr Ansehen wahren. Sie wollten auch als gottesfürchtig, edel und gute Menschen wahrgenommen werden, und Jesus hat all das bedroht. Er war gefährlich für sie.

Verrat, Geld und menschliche Motive

Und nach diesen zwei Versen, die ich gerade gelesen habe, kommt diese schöne Szene. Und danach, wir springen kurz ans Danach, Vers 10, kommt eine weitere, absolut düstere Szene. Hören wir mal kurz rein: Markus 14,10. Da ging Judas Ischariot, einer von den Zwölfen, hin zu den obersten Priestern, um ihn an sie zu verraten. Sie aber waren erfreut, als sie das hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte eine gute Gelegenheit, um ihn zu verraten.
Nach diesem Abschnitt dann, kommen wir gleich dazu, geht es um einen Mann. Also meines Wissens ist es der einzige Mann, von dem Jesus gesagt hat, es wäre besser, dass dieser Mensch nie geboren worden wäre. Und was trieb ihn an? Was trieb diesen Menschen an, den Judas? Das Geld, das Geld. Vielleicht hat er noch andere Beweggründe gehabt, aber Geld war ein ganz wesentlicher.
In diesen zwei Versen haben wir ja Leute, die sich freuen. Die freuen sich, die sind hoch erfreut, haben wir gelesen, in dem Abschnitt, den wir uns gleich ausführlicher anschauen. Da fließen Tränen. Hier sind Menschen hocherfreut. Warum? Nun, die Theologen sehen endlich Licht am Ende des Tunnels. Endlich gibt es eine Möglichkeit, den Störenfried loszuwerden, diesen Menschen, der sie so arg nervt, weil er sie bloßstellt, weil er ihre Gedanken kennt.
Und Judas sah die Möglichkeit, an Geld zu kommen. Judas war ein Dieb, er war einer, der gerne reich sein wollte, ein unehrlicher Mensch, der bereit war, sogar seine eigenen Leute zu bestehlen. Und vielleicht eine Randbemerkung zum Personal hier, Judas: Ich meine, wenn du in deinem Team einen Menschen hast, wo du weißt, der ist unehrlich, der nimmt es nicht so, der zweigt ab und zu was für sich ab, ich meine, dann wäre das doch der Letzte, dem du den Geldbeutel anvertrauen würdest, oder? Das wäre doch nicht der Kassier im Verein. Da würde doch jeder sagen: Ja, Moment, der kriegt nicht das Geld in die Hand.
Und was glaubst du, wer verwaltete bei den Jüngern von Jesus die Kasse? Das ist interessant, oder? Moment, würde man sagen, das ist doch unlogisch. Wusste Jesus das nicht, mit wem er es zu tun hat, bei Judas? Ist doch nicht klug. Ja, menschlich gesprochen ist es unlogisch, wie vieles, was wir bei Jesus und im Umfeld von Jesus sehen, ist menschlich gesprochen sehr unlogisch. Aber lassen Sie uns mal weitergehen.
Wir haben hier eine Schilderung von Theologen, die Jesus tot sehen wollen. Stolze Menschen, die nicht ertragen, dass hier einer ihnen den Spiegel vorhält und sie sehen, wie sie wirklich sind. Und wir sehen auf der anderen Seite einen Menschen, der von seiner Geldgier derart besessen ist, dass es ihm nicht genügt, immer wieder nur Geld aus der Kasse zu nehmen, das dann logischerweise nicht mehr für das Team, für die Truppe oder auch für die Armen zur Verfügung steht. Er ist sogar bereit, seinen Meister zu verraten für dreißig Silberlinge.
Nun, wie viel sind dreißig Silberlinge? Ich habe mal nachgeschaut, man weiß es nicht so ganz genau. Es könnten vielleicht so fünf bis zehntausend Euro gewesen sein.
Diese zwei Parteien haben wir hier: auf der einen Seite die stolzen Theologen, die Jesus weg haben wollen, auf der anderen Seite geldgierige Menschen.

Die Frau im Zentrum der Geschichte

Diese düsteren Motive, diese bösen Menschen, rahmen eine Geschichte ein, die ganz anders ist. Eine Person wird uns dazwischen vorgestellt, die so ganz anders ist als diese Theologen, diese stolzen Menschen und Judas, der aufs Geld aus ist.
Eine Person kommt in diesem Abschnitt vor, von der Jesus persönlich sagen wird: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, da wird man auch von ihr sprechen. Ist das nicht enorm? So eine wichtige Person. Wenn Jesus sagt: Überall, wo das Evangelium verkündet wird, da wird man von ihr sprechen.
Ja, heute Morgen ist es so weit. Lasst uns in diesen Zwischenabschnitt hineinschauen. Markus 14, ab Vers 3. Ich lese Markus 14, Vers 3:
Und als er, also Jesus, in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen war und zu Tisch saß, da kam eine Frau mit einem Alabasterfläschchen voll Salböl, echter, kostbarer Narde. Und sie zerbrach das Alabasterfläschchen und goss es auf sein Haupt.
Es wurden aber etliche unwillig bei sich selbst und sprachen: Wozu ist diese Verschwendung des Salböls geschehen? Man hätte dies doch um mehr als dreihundert Denare verkaufen und den Armen geben können. Und sie murrten über sie.
Jesus aber sprach: Lasst sie. Warum bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, wann immer ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt.
Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium verkündigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von dem sprechen, was diese getan hat, zu ihrem Gedenken.

Bethanien, das Haus und die überraschende Geste

Jesus war in Betanien, so haben wir es in Vers 3 gelesen. Und in Betanien – nun, die Bibelleser wissen das: Wenn man Jesus begleitet, dann kommt man öfter in Betanien vorbei. Jesus war öfter dort. Da wohnten Freunde von ihm, dort hat er öfter übernachtet und gegessen.
Und jetzt war er also in Simons Haus zu Besuch, bei Simon, was ist er? Wir haben es gelesen: ein Aussätziger. Nun, wir wissen nicht, ob er zu diesem Zeitpunkt noch aussätzig war oder ob Jesus ihn geheilt hatte und man ihn einfach immer noch Simon den Aussätzigen nannte, weil das sozusagen sein Titel geworden ist. Die Tatsache, dass einige bei ihm im Haus sind, spricht natürlich dafür, dass er vielleicht nicht mehr aussätzig war. Aber wir kennen auch Jesus: Er hatte keine Angst vor Aussätzigen, auch wenn sie noch krank waren.
Auf jeden Fall war Jesus da. In seinem Haus, im Haus von Simon dem Aussätzigen. Und Jesus war nicht alleine, es waren noch andere Leute da, und sie waren gerade beim Essen.
Dann kommt eine Frau herein. Hier im Markus-Evangelium wird ihr Name gar nicht genannt. Sie platzt in diese Szene hinein und bringt etwas mit: ein Fläschchen, eine Flasche, wie auch immer, voll Salböl. Und das zerstört sie jetzt, das macht sie kaputt, also sie bricht den Verschluss, damit man an den Inhalt herankommt. Und sie gießt dieses wertvolle Salböl auf den Kopf und auf die Füße von Jesus.
Aus dem Bericht von Johannes – also nicht nur Markus hat diese Begebenheit berichtet, sondern auch Johannes – wissen wir, dass diese Frau Maria hieß. Und Johannes berichtet auch, dass Lazarus und Martha ebenfalls mitgegessen haben. Die Namen sind für die Bibelkenner ein Begriff, und daher können wir davon ausgehen, dass wahrscheinlich eben diese Frau, um die es hier geht, Maria war, die Schwester von Lazarus und Martha. Es gibt Leute, die sehen es anders, aber es spricht doch einiges dafür.
Manchen ist bekannt, dass diese Frau zu Füßen von Jesus gesessen ist. Habt ihr die Begebenheit vor Augen? Ja? Die Martha, ihre Schwester, sie ist eifrig in der Küche, wurstelt hin und her und bedient Jesus, macht etwas zu essen. Wir lesen gar nichts davon, dass Jesus Hunger hatte, aber Martha gibt richtig Gas und ist sehr unwillig über Maria, die einfach nur da sitzt und Jesus zuhört.
Und wenn du dich gefragt hast: Ja, wo steht denn hier, dass diese Frau die Füße von Jesus gesalbt hat? Auch dieses Detail kommt aus dem Johannes-Evangelium. Und da steht auch, dass es ein Pfund Salböl war und dass Maria die Füße von Jesus mit ihren eigenen Haaren abgetrocknet hat. Und dass dann das ganze Haus erfüllt wurde vom Geruch des Salböls.
Das ist die Geschichte, in die wir mit hineingenommen werden, hier im Markus-Evangelium, und die auch die anderen eben ergänzen. Jetzt gerade habe ich aus dem Johannes-Evangelium ein paar Details genannt.

Die Schönheit einer Tat ohne Kalkül

Schauen wir uns noch einmal diese Szene an: Zuvor sind da Theologen, die Jesus tot sehen wollen, weil er ihr Ansehen bedroht. Danach ein unehrlicher Jünger, Judas, der bereit ist, für Geld sogar den Messias zu verraten. Und hier eine Frau: Zuvor Menschen, die für ihr Ansehen fast alles tun. Und hier eine Frau, der ihr Ansehen so etwas von egal ist.
Sie platzt in diese Szene hinein, und es wirkt fast schon ignorant, wie sie gefühlt die ganze Welt um sich herum ausblendet. Wir merken: Dieser Frau geht es nur um Jesus. Sie hat nur Augen für Jesus. Alle anderen, alles andere, spielt für sie irgendwie keine Rolle. Ihr scheint es komplett egal zu sein, was andere über sie denken, was sie reden, was sie für Erwartungen haben, wie man sich verhalten sollte. Irgendwie völlig egal.
Und in puncto Geld, was Judas so wichtig war: Ich habe mal nachgeschaut. In Vers 5 sagen die Leute, dass man dieses Salböl für dreihundert Denare hätte verkaufen können. Nun, da können wir jetzt wahrscheinlich sogar ein bisschen besser ausrechnen als vorhin bei den dreißig Silberlingen, was das in heutigen Euros wert wäre. Das wären etwa zwanzig bis fünfundfünfzigtausend Euro, also der Preis von einem Kleinwagen.
So interessant: Ihr Ansehen war ihr egal, irgendwie ihr Geld auch, oder? Wir wissen es nicht. Vielleicht hat sie lange gespart auf diese Flasche mit Salböl. Manche gehen davon aus, dass es ihre Altersvorsorge war. Wissen wir nicht. Es war ihr egal. Sie hat es einfach, ja, man kann es nicht anders sagen: Die Leute formulieren es auch so, sie hat es verschwendet, oder? Sie hat es verschwendet. Genauso haben es die Leute beurteilt.
Da kommt diese Frau, und sie crasht in diese schöne Gemeinschaft. Vielleicht unterbricht sie die angeregten Gespräche der Gäste mit ihrer Aktion, und die Gäste schauen sich das an. Sie sind empört: Was soll diese Verschwendung? Und als Judas dann argumentiert, das können wir eben im Johannesevangelium nachlesen, dass Judas wahrscheinlich der Erste war, der das so formuliert hat, die anderen pflichten ihm dann bei. Als Judas dann argumentiert, dass man dieses Salböl gut hätte verkaufen können und dass man mit diesem Geld die Not der Armen hätte ein schönes Stück lindern können, da stimmen ihm eben die anderen zu: Jawoll, Mensch, so eine Verschwendung! Mensch, Mensch, Maria, denk doch mal nach. Also das war jetzt echt eine kopflose Aktion von dir. Wie kann man nur so dumm sein?
Nun, Johannes erklärt in seinem Evangelium, dass es Judas nie wirklich um die Armen ging. Er war ein Dieb. Aber in dieser Situation war das sein Argument. Und ja, wenn wir dabei gewesen wären, hätten wir das vielleicht nachvollziehen können, oder? Also ich schon. Ich hätte die Hand heute nicht für mich ins Feuer gelegt, dass ich nicht bei den Nörglern gewesen wäre, hier gesagt hätte: Mensch, Maria, das ist dumm von dir. Keine gute Aktion. Die armen Armen, die hätten sich gefreut. Vielleicht hätte ich auch gedacht: Mensch Jesus, das kannst du doch auch nicht gut finden, oder? Was denkst du, hat Jesus es gut gefunden?
Und das ist so schön: Über viele Dinge müssen wir gar nicht mutmaßen, wir können einfach nur weiterlesen. In Vers 6 lesen wir den Kommentar Jesu zu dieser Aktion: Jesus aber sprach: Lasst sie. Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, wann immer ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt.
Lasst sie, sie hat ein, wie sagt er, gutes Werk getan. Das, was andere Menschen für Verschwendung empfinden, sagt Jesus, das ist ein gutes Werk. Nun, ich muss sagen, ich bin ja im Schwabenland aufgewachsen. Und im Schwabenland ist die Königsdisziplin sparen, oder? Na klar, sparen ist wichtig. Und ich muss euch ganz ehrlich sagen, ich habe immer gedacht, sparen wäre etwas sehr Christliches. Aber dann habe ich irgendwann gelernt, dass Sparen als Selbstzweck überhaupt nichts Christliches ist.
Es gibt ganz andere Dinge, die christlich sind, also wo wir in der Bibel dazu aufgefordert werden, weil sie Gott entsprechen. Dazu gehört zum Beispiel die Genügsamkeit. Das ist etwas Urchristliches. Genügsamkeit, das entspricht Christus. Zufrieden sein mit dem, was ist, dazu sind wir aufgefordert. Ja, auch Vorsorge kann in gewissem Maß auch christlich sein. Aber weißt du, was vielleicht noch wichtiger ist? Großzügigkeit. Großzügig zu geben, vielleicht sogar über das eigene Vermögen. Das wird in der Bibel gelobt.
Und wir haben hier eine Frau, die genau das zeigt: Großzügigkeit, wie es uns vorkommt, ohne nachzudenken. Ja, eigentlich sogar Verschwendung. Verschwendung aus Liebe. Und Jesus nimmt diese Frau in Schutz und fegt mit einem Kommentar all die klugen und wohlüberlegten und karitativen Argumente der Gäste vom Tisch. Lasst sie. Was macht es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk getan.
Und die Zürcher Bibel übersetzt hier, und das griechische Wort kann durchaus so übersetzt werden: Sie hat eine schöne Tat an mir vollbracht. Wenn wir uns diese Szene anschauen und uns nur ein bisschen vorstellen, überlegen, wie das damals wohl war, dann ist es eine wunderschöne Szene. Ich meine jetzt nicht in erster Linie irgendein Bild, ich meine diese Tat. Das ist eine Art von Schönheit, die für sich selbst spricht.
Und ich glaube, wenn wir darüber nachdenken, es zu uns sprechen lassen, es ernst nehmen, wie Jesus es kommentiert, diese Aktion, dann spüren wir wirklich: Was diese Geschichte ausstrahlt, ist jenseits von Argumenten und von Kopfwissen eine Schönheit, die aus dem Herzen kommt und eigentlich auch zu Herzen geht und unser Herz anspricht. Und wir spüren, wie die schlauen Argumente, die logischen Argumente, die menschliche Sichtweise der Umstehenden irgendwie nach und nach verblassen. Und diese Beziehung von dieser Frau zu Jesus erstrahlt in immer bunteren und leuchtenderen Farben und malt ein Gemälde, das stärker ist, als Farben es können.
Diese Frau, so sagt Jesus, sie hat getan, was sie konnte. Interessante Formulierung. Also sie hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten Liebe zum Ausdruck gebracht. Und das ist etwas, das finden wir in der Bibel immer und immer wieder. Menschen kommen und bringen, was sie haben. Das, was sie haben. Hier war es etwas sehr Teures, weil Maria das nun hatte. An anderen Stellen der Bibel finden wir deutlich weniger oder günstigere oder billigere Dinge, die Menschen bringen, weil sie es halt gerade haben. Ja, ein Junge bringt fünf Brote, zwei Fische. Eine Witwe bringt zwei Schärflein. Zwei Schärflein, also ich weiß nicht, wie viel das wäre, ich habe es mal nachgeschaut, das ist vielleicht ein Euro.
Und Jesus sieht das, was Menschen bringen. Und wenn wir ihm beim Leben zuschauen und ihm zuhören, wie er Dinge kommentiert, merken wir plötzlich: keine menschliche Logik. Er sagt jetzt nicht: Na ja, guck mal hier, 25.000 Euro und ein Euro, was ist mehr, was ist weniger? Es scheint für Jesus gar keine Rolle zu spielen. Menschen bringen, was sie können, und Jesus sieht es. Seine Beurteilung von dem, was Menschen bringen, ist eine völlig andere als die Beurteilung der Menschen, die das sehen und mit dabei sind, beurteilen. Und wenn ich darüber nachdenke, dann merke ich, dass auch ich oft eine ganz andere Beurteilung habe als Jesus.
Und dann sagt Jesus noch etwas, wo ich nicht weiß, ob die Leute das damals einordnen konnten. Vielleicht hat Maria das selber auch überhaupt nicht verstanden, was Jesus dann sagt, wenn er es so formuliert: Sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt. Also ich bin mir ziemlich sicher, dass das kein Gedanke war, den Maria hatte, als sie das Salböl genommen und aufgemacht hat, dass das ihr Ziel war, Jesus zum Begräbnis zu salben. Also ich weiß nicht, wie du es siehst, aber ich kann mir jetzt kaum vorstellen, dass das ihre Antriebsfeder war.
Aber Jesus selbst gibt der Aktion von Maria, dieser Aktion der Liebe, dieser Aktion der Hingabe, der Verschwendung, eine tiefe geistliche Bedeutung. Und er sagt: Sie hat mich gesalbt zum Begräbnis. Und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber Salben zum Begräbnis, das ist etwas Komisches, oder? Ich meine, Salbung allgemein ist für uns schon nicht mehr so fassbar. Aber wer die Bibel liest und sich damit ein bisschen auseinandersetzt, der bekommt mit: Aha, es wurden zum Beispiel Könige gesalbt, oder? Ja, ja, klar. Wir lesen das von Saul, von David, von Salomo, von diesen dreien zum Beispiel, dass sie gesalbt werden zum König, diesen dreien, die über das geeinte Königreich damals, bevor es auseinandergebrochen ist, König waren. Die wurden gesalbt zum König. Auch Priester wurden gesalbt für ihren Dienst.
Aber ich kenne keine biblische Geschichte, in der einer im lebenden Zustand gesalbt wurde für seine eigene Beerdigung. Jesus trägt ja den Titel Messias, und Johannes erklärt uns in seinem Evangelium, dass Messias ja auch bedeutet: der Gesalbte. Aber wenn wir von dem Gesalbten sprechen, auch im biblischen Zusammenhang, dann denken wir doch alle eher an den Messias als an einen König, der eingesetzt wird, der mit der Salbung zur Königswürde kommt und vielleicht noch als Priester eingesetzt wird, okay, weil er unser Hoher Priester ist. Aber doch nicht als einer, der gesalbt ist für seine Beerdigung, der sterben soll für seinen Tod. Das klingt doch eher nach Henkersmahlzeit.
Aber Jesus wertet diese Aktion von Maria als Salbung zum Begräbnis, und er macht damit deutlich: Hier ist eine Frau, die nicht nach menschlicher Logik handelt, sondern nach göttlicher. Kein Mensch, der König werden möchte, lässt sich zuerst umbringen. Aber Jesus wird genau das tun. Er, der allmächtige Gott, der König aller Könige, der Herr aller Herren, er lässt sich als Schwerverbrecher abstempeln. Er, der uns in der Schrift dargestellt wird als der starke Löwe aus Juda, er lässt sich auf den Altar legen wie ein Opferlamm.
Und das ist die göttliche Logik, der Maria hier folgt. Und Jesus sagt: Wisst ihr was, das ist eine schöne Tat. Das ist echte Schönheit. Das ist ein Gemälde von göttlichem Charakter. Das glatte Gegenteil vom Kalkül eines Judas, der nur an sich selbst gedacht hat, dem andere egal waren. Ganz anders als die schlauen und strategischen Überlegungen der Umstehenden, die kalkuliert haben, was den Armen jetzt alles abgeht usw. Und ganz anders als die Denke der Pharisäer und Schriftgelehrten, denen es nur um ihr eigenes Ansehen ging.

Der Blick auf die Armen und die göttliche Perspektive

Um noch einmal etwas klarzustellen: Wenn es hier um die Armen geht und Jesus sagt: „Arme habt ihr allezeit, mich nicht“, dann glaube ich nicht, dass er damit meint, es sei prinzipiell wichtiger, ihm etwas zu geben als armen Menschen. So könnte man es ja lesen. Ich glaube das aber nicht. Ganz im Gegenteil.
Und warum ich zu diesem Schluss komme, möchte ich kurz begründen: In den sogenannten Endzeitreden hat Matthäus aufgeschrieben, wie Jesus es wertet, wenn Menschen ihrem Nächsten, den Armen, den Ärmsten, den Leidenden und Schwachen Gutes tun. Hör einmal hin und achte auch auf den Kontrast zwischen quasi König und Bettler, wenn man so will. Matthäus 25,31-46. Ich lese euch kurz vor, ab Vers 31:
Wenn der Menschensohn in seine Herrlichkeit kommen wird und mit ihm alle Engel, dann wird er in königlichem Glanz auf seinem Thron Platz nehmen. Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie der Hirte die Schafe und die Ziegen voneinander trennt. Andere Übersetzungen schreiben hier von Böcken. Die Schafe wird er rechts von sich aufstellen, die Ziegen links.
Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, ihr seid von meinem Vater gesegnet. Nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch vorbereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen. Ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.
Dann werden ihn die Gerechten fragen: Herr, wann haben wir dich denn hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Oder durstig und dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden bei uns gesehen, haben dich aufgenommen? Oder wann haben wir dich gesehen, als du nichts anzuziehen hattest, und haben dir Kleidung gegeben? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und haben dich besucht?
Darauf wird der König ihnen antworten: Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt, und wäre er noch so gering geachtet gewesen, das habt ihr für mich getan.
Und deswegen glaube ich, ging es Jesus damals in Bethanien nicht darum zu sagen: Tut mir etwas Gutes, ich bin wichtiger als die Armen, denen braucht ihr nichts Gutes zu tun. Nein, Maria hat getan, was sie konnte. Jesus war da, und ihm hat sie ihre Liebe gezeigt, in einer wunderschönen, in einer verschwenderischen Art.
Aber ich glaube, wir brauchen nicht zu sagen: Na ja, okay, Maria, die konnte das ja damals. Damals war Jesus da, wir können das nicht mehr, Jesus ist halt nicht mehr da. Nein, Jesus hat gesagt: „Arme habt ihr allezeit.“ Und es stimmt ja: Die Welt ist voll von Armen. So viele Menschen sind hungrig und durstig. Sie sind Ausländer, Fremdlinge, die abgelehnt werden. Sie haben nichts anzuziehen, sind krank, sind im Gefängnis.
Und auch wenn wir in Deutschland recht gute Sozialsysteme haben, keiner von uns muss weit gehen, um Menschen zu treffen, die hungrig sind. Vielleicht nicht unbedingt, weil ihnen Essen fehlt, aber weil sie ihre Seele mit Müll füttern und sich so sehr nach echtem Leben sehnen. Hungrig sind danach, durstig nach Erfüllung und Sinn. Sie fühlen sich fremd, vielleicht sogar in der eigenen Familie abgelehnt. Sie sind krank und schwach und verzweifelt und ausgebrannt und überfordert. Sie sind gefangen in toxischen Gewohnheiten und Süchten, die sie selbst kaputt machen.

Die eigentliche Frage an das Herz

Und vielleicht ist das jetzt so der Punkt, an dem du denkst: Aha, Daniel, ich hab’s doch gewusst. Ich hab’s gewusst, jetzt sind wir wieder bei den Appellen, so sind wir es ja gewöhnt, oder? Da vorne wieder einer, der steht und sagt: Ja, guck mal, das sollst du, das musst du. Das hört sich an wie immer.
Und vielleicht denkst du: Mensch, eigentlich fühle ich mich viel eher wie der Ausgebrannte. Ich weiß nicht, in welcher Lebensphase du gerade bist. Vielleicht fühlst du dich gerade eher wie der Kraftlose, wie der Schwache, wie der Kranke, wie der Müde und der Hungrige. Das kann ja sein. Und dann darf ich dir sagen: Für Leute wie dich ist das Himmelreich, für genau solche.
Bei Jesus geht es nicht darum, dass du leistest und lieferst, um gut genug zu sein. Es geht darum, dass wir erkennen: Wir lieben, warum? Weil er uns zuerst geliebt hat. In 1. Johannes 4,10 heißt es: Darin besteht die Liebe nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.
Ich bin sehr davon überzeugt: Als Maria die Entscheidung getroffen hat, zu diesem Fläschchen zu greifen, zu diesem teuren Salböl, hat sie das nicht aus schlechtem Gewissen gemacht. Das hat sie nicht gemacht, weil sie sich gezwungen gefühlt hat, weil ihr jemand erzählt hat: Ja, weißt du, wenn du möchtest, dass Jesus deine Liebe sieht, dann wäre das jetzt dran. Das glaube ich nicht.
Sie hat es nicht verschwendet, weil sie gedacht hat: Oh, wenn ich das nicht mache, dann denkt Jesus schlecht von mir, dann halten mich die anderen für keine gute Gläubige. Also ich glaube im Gegenteil: Wenn man ihr beim Handeln zuschaut, dann kriegt man doch den Eindruck, ihr ist es egal, was andere von ihr denken, oder? Die Theologen und die Jünger, ihr Bruder Lazarus und ihre Schwester Martha, Simon der Aussätzige. Bei Martha wussten wir es, da hat sie auch in einer anderen Situation schon nicht viel darauf gegeben, was Martha sagt. Sie hat getan, was sie konnte.
Und ich glaube, sie hat es getan, weil sie eine Sache tief in ihrem Herzen empfunden hat, die sie zum Ausdruck bringen wollte. Und das war das tiefe Bewusstsein, dass Jesus es wert ist. Jesus ist es wert. Und ich glaube, das sollten wir uns merken. Nicht unbedingt die vielen Appelle, die Erwartungen von Menschen, das, was uns so viele sagen, was einen guten Christen alles anscheinend ausmacht.
Ich wünsche mir, dass wir als Jesusnachfolger einen Unterschied machen, ja, unbedingt. Dass wir in einer Welt, die voll ist von stolzen Menschen, die um ihr Ansehen bemüht ist, die glänzen wollen, die anerkannt sein wollen, die vielleicht auch als Wohltäter, vielleicht sogar als gute Christen wahrgenommen werden wollen, in einer Welt, wo so viele Menschen sind, denen das Geld wichtig ist, Wohlstand und was alles dazugehört, Gesundheit, ihr Haus, in so einer Welt sollen wir leben und deutlich machen: Leute, Jesus ist es wert. Er ist alles wert.
Es geht nicht darum, die Erwartungen von Menschen zu erfüllen, auch nicht die Erwartungen von frommen Menschen. Ich glaube, die wesentliche Frage, die wir uns stellen dürfen, ist: Zeigt mein Leben, wie sehr Jesus mich geliebt hat und liebt?
Und wenn du jetzt sagst: Oh ja, da gibt es noch viel Luft nach oben, da gibt es noch viel Luft nach oben, dann wäre es, glaube ich, gut, jetzt nicht laut zu werden. Laut im Sinne von: Boah, jetzt müssen wir Gas geben, Mensch, jetzt muss ich die Ärmel hochkrempeln, jetzt muss ich ganz, ganz viel tun.
Vielleicht wäre es in so einem Moment erst mal dran, weniger zu tun, zur Ruhe zu kommen, sich bewusst Zeit zu nehmen, in dieser lauten Welt still zu werden. Zeit zum Nachdenken über diese Liebe von Jesus. Wie Maria es uns vorgemacht hat, an einer anderen Stelle eben zu den Füßen von Jesus zu sitzen, um uns, wenn ich es mal so formulieren darf, zu sonnen in seiner Liebe. Mal eine halbe Stunde lang nichts zu tun, vielleicht nicht mal ein Kapitel in der Bibel zu lesen, sondern nachzudenken über das, was ich schon weiß aus dem Wort, über den Jesus, wie ich ihn dort kennenlerne. Mal in Ruhe einfach darüber nachzudenken, über Gottes Wesen und sein Handeln. Seine Zuneigung und seine Zuwendung genießen. Mir bewusst zu machen: Er ist der, der mich zuerst geliebt hat.
Um dann aus dieser Ruhe und Gelassenheit in die Welt hinausgehen zu können und ein Leben zu leben, das zeigt, wie gut es mir, uns als Kinder Gottes gehen darf, weil wir uns als solche geliebt wissen, als Kinder dieses allmächtigen Vaters im Himmel, der uns liebt, entgegen jeder menschlichen Logik und Berechnung, einfach weil wir seine Kinder sind. Dass wir Menschen sind, die seine göttliche Liebe genießen und weil wir es so genießen, nicht anders können, als sie unglaublich gern und von Herzen anderen weiterzugeben, weil es Jesus wert ist. Amen.

Schlussgebet und Bitte um Ruhe

Ich möchte noch beten und darf euch bitten, dazu aufzustehen.
Lieber Herr Jesus, wenn wir in dein Leben hineinschauen und die Begebenheiten, die wir in deinem Wort nachlesen können, dann staunen wir. Denn vieles erscheint uns so unlogisch, wenn wir darüber nachdenken. Klar, wir haben uns daran gewöhnt. Aber wenn wir es mit unserem Leben vergleichen, dann handeln wir oft doch noch sehr menschlich, logisch und nicht göttlich. Die Geschichte von heute hat es uns deutlich gemacht.
Herr, ich möchte dich bitten für mich. Ich möchte dich bitten für uns, dass unser Leben so predigt, wie es das Leben der Maria predigt. Bis heute predigt dieses Leben. Du hast es so gesagt, Herr Jesus. Überall, wo das Evangelium gepredigt wird, wird man von dieser Frau sprechen. Wir haben es heute Morgen getan. Und wir staunen darüber.
Und wir wollen uns wirklich eine Scheibe abschneiden, wollen dich anschauen, zu deinen Füßen sitzen, über dich staunen, uns Zeit nehmen für dich. In einer Welt, die so laut ist, und wo wir auch als Gläubige Gefahr sind, uns da mit einzureihen, in eine laute Welt. Wir wollen uns vielleicht noch irgendwie fromm anmalen, aber am Ende des Tages drehen wir uns nur noch im Kreis.
Herr, wir wollen zur Ruhe kommen. Erinnere du uns daran. Gerade heute, wenn Sonntag ist, wollen wir die Gelegenheit nutzen, wo die meisten von uns nicht arbeiten müssen, wo wir uns eigentlich Zeit nehmen könnten, uns wirklich immer wieder ganz bewusst Zeiten herauszuschneiden. Mal ohne Handy, mal ohne Erwartungsdruck, um über dich nachzudenken. In Gesprächen über dich zu reden, über dich zu staunen, über deine Liebe zu uns. Bei dir aufzutanken, um dann hinauszugehen in die Welt und Menschen zu sein, die deine Liebe widerspiegeln.
Bitte hilf uns dazu. Amen.