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Herrschen oder dienen? – Teil 3

Jesu Leben und Lehre | Episode 654
Matthäus 20,22-2315.12.2025
SerieTeil 3 / 6Herrschen oder dienen?
Willst du mit Jesus herrschen – oder auch seinen Leidensweg mitgehen? Die Antwort auf diese Frage entlarvt, ob dein Glaube nur nach Ehre sucht oder echt tragen kann.

Einordnung der Anfrage und der ersten Antwort Jesu

Gott wird Mensch. Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 654: Herrschen oder Dienen, Teil 3
Jakobus und Johannes haben eine Bitte. Markus 10,37-38.
Sie aber sprachen zu ihm: „Gib uns, dass wir, einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken, sitzen in deiner Herrlichkeit.“
Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?“
Jesus muss die beiden Donnersöhne erst einmal zurechtstutzen. „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.“ Oder mit meinen Worten: Ihr wisst nicht, was ihr da fordert.
Wer rechts und links von dem Messias sitzt, der hat sich diese Position nicht durch Vetternwirtschaft erschlichen, sondern durch Leid erworben. Der hat so viel mitgelitten, dass er dorthin gehört.

Bilder für Gericht, Leid und das bevorstehende Schicksal

Wenn Jesus vom Kelch und von der Taufe redet, dann sind das zwei Bilder für sein bevorstehendes Leiden. Fangen wir mit dem Kelch an.
Im Alten Testament lesen wir von einem Kelch des Gerichts, den Gott für die Gottlosen bereithält. Psalm 75,8: Denn ein Becher ist in der Hand des Herrn, schäumender Wein, voll Würze. Und er schenkt daraus ein; ja, seine Häfen müssen schlürfen, müssen trinken, alle Gottlosen der Erde.
Wenn wir von diesem Kelch lesen, dann lesen wir auch davon, dass Gottes eigenes Volk von diesem Zorn nicht verschont bleibt. Jesaja 51,17: Raff dich auf, raff dich auf, erhebe dich, Jerusalem, die du aus der Hand des Herrn den Becher seines Zornes getrunken, den Kelch, den Becher des Taumels, hast du getrunken, hast ihn ausgeschlürft.
Genau genommen fängt das Gericht sogar bei Jerusalem an und greift dann auf die Völker ringsum über. Jeremia 25,15.29: Ja, so hat der Herr, der Gott Israels, zu mir gesprochen: Nimm diesen Becher Zornwein aus meiner Hand und gib ihn all den Nationen zu trinken, zu denen ich dich sende. Denn siehe, bei der Stadt, über der mein Name ausgerufen ist, beginne ich, Unheil zu wirken. Und ihr, solltet ihr etwa ungestraft bleiben? Ihr werdet nicht ungestraft bleiben, denn ein Schwert rufe ich herbei über alle Bewohner der Erde, spricht der Herr der Herrscharen.
Soweit das Alte Testament.

Der Kelch als Bild im Neuen Testament und die Bedeutung der Taufe

Aber das Bild vom Kelch ist ein Bild für Gericht und Leiden und findet sich auch im Neuen Testament. Offenbarung 14,9-10: Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Mahlzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine Hand, so wird auch er trinken vom Wein des Grimes Gottes, der unvermischt im Kelch seines Zornes bereitet ist, und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm.
Wenn Jesus also fragt: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?, dann schwingt die Idee eines Kelchs voller Zorn und Gericht mit. Dabei stehen jedoch nicht Gericht oder Zorn im Vordergrund, sondern ganz allgemein das Thema Leid. Jesus fragt: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?, und er fragt Johannes und Jakobus damit: Könnt ihr das Leid ertragen, das ich ertrage?
Und in dieselbe Richtung geht das Bild der Taufe. Könnt ihr mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde? Allerdings muss man fairerweise sagen, dass sich das Bild nicht so schön erschließt wie das Bild des Kelchs. Wir haben eigentlich nur einen klaren Hinweis darauf, dass Taufe und Leiden im Denken des Herrn Jesus zusammen gedacht werden können. Lukas 12,50: Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muss, und wie bin ich bedrängt, bis sie vollbracht ist.
Hier ist eben nicht eine Wassertaufe gemeint; die hatte Jesus ja bereits von Johannes dem Täufer empfangen. Der Kontext macht klar, dass hier eine Taufe mit Leid gemeint ist. Jesus spricht vom Kreuz. Und natürlich passt das: Taufen bedeutet wörtlich ja so viel wie unter- oder eintauchen, hier eben untergehen im Leid. Wir formulieren ganz ähnlich, wenn wir sagen, dass jemandem das Wasser bis zum Hals steht.

Die Zusage des Mitleidens und die Grenze der Jüngerschaft

Jesus fragt die Jünger, ob sie seine Leiden auf sich nehmen können, und ich würde gerne wissen, wie viel Mut und wie viel Selbstüberschätzung in ihrer Antwort mitschwingen.
 Matthäus 20,22: Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagen zu ihm: Wir können es.
Wow, wir können es. Wie gesagt: Mut oder Selbstüberschätzung?
Jesus jedenfalls nimmt sie ernst. Ja, sie werden leiden. Jakobus wird sogar einer der ersten bekannten Märtyrer in der Kirchengeschichte sein.
 Markus 10,39-40: Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden. Aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken zu vergeben steht nicht bei mir, sondern ist für die, denen es bereitet ist.
Sie werden mitleiden. Aber Jesus kann ihnen trotzdem nicht die beiden Plätze links und rechts vom Thron versprechen. Warum nicht? Weil das nicht bei ihm steht. Diese Plätze zu vergeben, ist nicht seine Aufgabe. Darum kümmert sich der Vater.
 Matthäus 20,23: Er spricht zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu vergeben steht nicht bei mir, sondern ist für die, denen es von meinem Vater bereitet ist.

Das Kreuz Christi und der Weg der Nachfolge

Wenn Jesus davon spricht, dass die beiden Brüder seinen Kelch trinken werden, dann wird deutlich, dass er nicht primär das Kreuz vor Augen hat. Was am Kreuz heilsgeschichtlich geschieht, daran hat kein Mensch Anteil. Es sei denn, ich betrachte das Kreuz ganz allgemein als Teil des Leidens, das Gott, das Wort, als Mensch auf sich nimmt, um die Menschheit mit Gott zu versöhnen, um die Strafe für unsere Sünde zu tragen und uns aus der Macht des Teufels zu befreien.
Wir können als Jesu Jünger mitleiden, und das ist uns auch verheißen. Aber wir können nicht die Rolle übernehmen, die Jesus am Kreuz hatte. Er allein ist das Schuldopfer. Sein Tod lässt im Tempel den Vorhang zerreißen, und nur er wird am Kreuz zum König der Könige gekrönt.
Für uns bleibt das Mitleiden, und das ist der Kelch, den wir trinken werden. Für uns bleibt auch, dass wir in seine Fußspuren treten. 1. Petrus 2,21: Denn hierzu seid ihr berufen worden, denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt.

Reaktion der Jünger und abschließender Aufruf zur Selbstprüfung

Soweit das Gespräch, das Johannes und Jakobus mit Jesus geführt haben. Wir können uns schon vorstellen, was die anderen Jünger dachten, als sie davon hörten.
 Markus 10,41: Und als die Zehn es hörten, fingen sie an, unwillig zu werden über Jakobus und Johannes.
Das will irgendwie keiner, dass sich da zwei vordrängeln und sich mal eben die besten Plätze sichern. Und doch ist so ein Verhalten nur allzu menschlich.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie du mit Leid umgehst. Hast du schon verstanden, dass es zum Leben für Jesus mit dazugehört?
Das war's für heute.
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Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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