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Dating als Christ (3/3)

KENNENLERNEN & das Wichtigste in Kürze
12.08.2022

Einführung in das Thema Kennenlernen und Dating

Und du hast mich damals wirklich ganz schön zappeln lassen. Er hat mich die Frage tatsächlich zu Ende stellen lassen, obwohl er schon wusste, worauf ich hinauswollte, ohne mir zu helfen. Ich hatte keine Ahnung, wovon du redest.

Stattdessen habe ich mich neben eine deiner Freundinnen gesetzt, bis du irgendwann zu mir gekommen bist und gesagt hast: „Hör auf, dich neben Rebecca zu setzen, die Leute fängt noch irgendwas.“

Wir haben den Eindruck, dass über diese Phase des Kennenlernens und Datings fast nie sinnvoll gesprochen wird. So ein Männerding: Dein Mann denkt häufig, es ist ein Date, die Frau weiß davon gar nichts.

Und dafür müssen wir sagen: Das Thema Beziehung und deine zukünftige Ehe ist einfach zu wichtig, um hier um den heißen Brei herumzureden. Wie wollt ihr eure Kinder erziehen? Wollt ihr Helikoptereltern sein?

Es geht darum, die Ruhe zu bewahren und nichts zu tun, was du bereuen wirst, wenn es nicht funktioniert. Nur weil du mit jemandem mal eine Pizza gegessen hast, musst du nicht die nächsten fünfzig Jahre mit dem Typen verbringen und seine Enkelkinder großziehen. Das ist nicht so, und das ist auch kein biblisches Konzept.

Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen zu beantworten.

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Zielsetzung und Aufbau des Beitrags

Heute sind wir zu zweit. Meine liebe Frau und ich gestalten gemeinsam diesen Beitrag. Vielen, vielen Dank, meine Liebe, dass du dir heute Zeit dafür nimmst.

Das hat einen ganz konkreten Grund: Wir möchten auf einige Fragen eingehen, die viele von euch in den letzten Monaten per E-Mail, in Leserbriefen und in einigen Kommentaren gestellt haben. Es geht um das Thema Kennenlernen, Dating, Beziehung und Verlobung als Christen.

Dieses Thema ist sehr sensibel, denn bei vielen Menschen liegen Verletzungen vor. Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht, waren in schwierigen Beziehungen oder auch in glücklichen Beziehungen, in denen sie dennoch verletzt wurden. Zudem haben viele den Einfluss von außen gespürt – oft von der eigenen Gemeinde und manchmal in Form von Gesetzlichkeit.

Wir möchten euch bewusst zwei Perspektiven geben: Zum einen meine als Frau, die sicher etwas gefühlsbetonter ist, und zum anderen Markus’ Perspektive. Gemeinsam wollen wir zusammenfassen, was wir beide gerne vorher gewusst hätten. Außerdem möchten wir aufzeigen, was viele aus der Community hier sagen: Was hätten wir alle gerne vorab über Kennenlernen, Dating, Beziehung und Verlobung als Christen gewusst?

Wir wollen auch darauf eingehen, was in der christlichen Blase vielleicht manchmal zu einfach dargestellt wird, welche unangenehmen Wahrheiten es gibt und worüber wir vielleicht mehr sprechen sollten.

Wichtige Vorbemerkungen zum Beitrag

Fünf kurze wichtige Punkte vorab:

Erstens: Das Thema Gesetzlichkeit ist hier völlig fehl am Platz. Nach dem Motto: „Ja, du bist nur dann Christ, solange du XY machst, sonst bist du kein Christ“ – das ist völlig unbiblisch. Was wir auch nicht wollen, ist anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr Privatleben zu gestalten haben. Ganz bestimmt nicht.

Wir möchten aber auf einige Leserbriefe und Kommentare eingehen und auch unsere eigenen Erfahrungen selbstkritisch beleuchten. Dabei wollen wir zeigen, wo und wie du vielleicht vermeidbaren Schmerz vermeiden kannst oder wie wir es zumindest hätten tun können. Es geht nicht darum, dass wir die Weisheit mit Löffeln gegessen hätten. Wenn man es nicht genau so macht, wie wir es denken, heißt das nicht, dass man sündigt, in die Hölle kommt oder dass die Ehe zum Scheitern verurteilt ist.

Zum Thema Ehe wollen wir auch nicht über unsere eigenen Erfahrungen sprechen. Wir sind ja selbst noch im ersten Ehejahr, und es wäre albern und unseriös, anderen Leuten jetzt schon Eheratschläge zu geben. Das wollen und können wir auch gar nicht.

Was wir sagen wollen, ist, was in der Bibel dazu steht, was wir denken, wie Gott sich das gedacht hat und vor allem warum.

Zweitens: Der Beitrag richtet sich nicht hauptsächlich an Leute, die schon seit 40 Jahren verheiratet sind, fünf erwachsene Kinder haben und Enkelkinder. Er ist an die heutige Generation gerichtet – an Menschen in deinem und meinem Alter, in den Zwanzigern oder Dreißigern, die gerade in einer Beziehung sind oder überlegen, ob sie aus dem Single-Dasein herausgehen und eine Beziehung eingehen sollen.

Drittens: Dieser Beitrag, wie auch andere, ist geprägt von der westlichen Kultur des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Deshalb benutzen wir Begriffe wie „Dating“, die hier üblich sind. Falls du in manchen asiatischen oder afrikanischen Kulturen lebst, wie es bei einigen Zuschauern der Fall ist, könnte einiges davon nicht zutreffen.

Das ist natürlich auch je nach Konfession unterschiedlich. Je nachdem, welcher christlichen Glaubensrichtung du angehörst, kann es anders sein. Und es ist auch ein Unterschied, ob man in einer Stadt lebt, in der sich die Belegschaft und die Nachbarn dreimal im Jahr wechseln, oder auf dem Land, wo man eine Dorfgemeinschaft hat und sich schon in der fünften Generation kennt.

Das ist klar. Deshalb haben wir versucht, verschiedene Stimmen aus der Community mit einfließen zu lassen.

Viertens: Der Beitrag richtet sich offensichtlich an Christen. Falls du nicht christlich bist, denken wir zwar, dass er große Vorteile hat. Dir wird aber vermutlich vieles nicht sofort einleuchten, und einige Begründungen werden nicht unmittelbar Sinn ergeben.

Fünftens: Bei einigen Dingen haben wir Klarheit – entweder durch Gottes Wort, das uns Klarheit gibt, oder weil uns eindeutige Statistiken vorliegen. Bei anderen Sachen hingegen ist es nur unsere persönliche Meinung. Diese beiden Dinge wollen wir deutlich voneinander trennen.

Wir wollen auch sagen, dass wir uns etwas dabei gedacht haben bei unseren Schlussfolgerungen. Es läuft so ab: Wir teilen dir einfach unsere Gedanken mit, und du schaust, was du damit anfangen kannst.

Überblick über die Videoreihe und heutiges Thema

Vor vier Wochen haben wir im ersten Beitrag über Beobachtungen gesprochen, was Unterchristen über die Ehe erzählen.

Vor zwei Wochen haben wir darüber gesprochen, was ihr und wir in der ganzen Phase zwischen dem Moment, in dem man sich entscheidet, ein Paar zu sein, bis hin zur Hochzeit beobachten. Drückt gerne die Glocke, dann wird das auch angezeigt.

Heute, im finalen Teil, sprechen wir darüber, was ihr und wir über alles davor beobachtet haben – also bevor man sich entscheidet, ein Paar zu sein. Es geht um die ganz anfänglichen Schritte, wenn ein Mann und eine Frau sich kennenlernen und langsam aufeinander zugehen.

Das ist das, was man neudeutsch Dating nennt. Dazu gibt es einen Eintrag im Wiktionary, wo es heißt, dass Dating Verabredungen bei der Partnersuche sind – also alles, was passiert, bevor man sich entscheidet, ein Paar zu sein. Das ist das, was wir hier mit Dating meinen.

Und damit genug der Vorrede. Markus würde jetzt sagen: Vergiss nicht, die Glocke unter diesem Video zu drücken, und lass uns starten.

Beobachtungen zum Dating in christlichen Gemeinden

Was ist nun unsere Beobachtung? Welche Sammlungen von Beobachtungen gibt es, und was wird in einigen Gemeinden zu dieser Phase des Datings gesagt?

Zunächst muss ich sagen, dass das Konzept des Datings, also einer Phase vor dem Zusammensein, in meiner Jugendzeit kaum präsent war. Das ist vielleicht auch ein deutsches Phänomen. Ich habe das Gefühl, hier lernt man sich eher in Gruppen kennen – zum Beispiel in der Jugendgruppe, im gemeinsamen Freundeskreis, bei der Arbeit oder beim Hobby. Meist sind dabei auch noch andere Leute anwesend. Man trifft sich vielleicht mal zu zweit, was technisch gesehen ein Date ist, aber meistens nicht so genannt wird. Dann entwickelt sich diese Beziehung, die eigentlich noch keine richtige Beziehung ist, irgendwie weiter. Irgendwann entscheidet man sich dann, ob man zusammen sein möchte oder nicht.

Eine Sache, die einige Männer geschrieben haben und die ich sehr bestätigen kann, möchte ich ergänzen: Das kommt natürlich auf die Konfession an, also auf die christliche Glaubensrichtung und die jeweilige Gemeinde, in der man unterwegs ist. Grundsätzlich ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im christlichen Kontext oft deutlich aufgeladener als in vielen nichtchristlichen Kontexten. Ich bin selbst als Nichtchrist aufgewachsen und unter Nichtchristen, und das ist mir früh als sehr deutlicher Unterschied aufgefallen.

Das fängt schon bei kleinen Beispielen an. Wenn man im Gottesdienst als Mann und Frau nebeneinandersitzt, denken manche Gemeindemitglieder – je nachdem, um welche Gemeinde es sich handelt – sofort: „Seid ihr zusammen? Ist er dein Freund?“

Eine kleine Anekdote am Rande: Als ich damals versucht habe, dich zu erobern, waren wir in dieser Phase des Datings, in der wir erstmal ohne Einmischung von außen für uns herausfinden wollten, wie sich das entwickelt. Da war noch gar nicht klar, in welche Richtung das gehen würde. Wir wollten auch nicht, dass jemand etwas dazu sagt. Deshalb hast du damals gesagt, wenn wir zusammen im Gottesdienst sind, soll ich mich bitte nicht neben dich setzen, damit keine Gerüchte entstehen.

Das habe ich total verstanden. Also habe ich mich stattdessen neben eine deiner Freundinnen gesetzt. Bis du irgendwann zu mir gekommen bist und gesagt hast: „Hör auf, dich neben Rebecca zu setzen, sonst denken die Leute noch irgendwas.“ Das war natürlich nicht meine Absicht, aber es zeigt, wie sensibel das wahrgenommen wird.

Ein weiterer Punkt, der direkt zur Bewertung gehört, ist, dass Dates beziehungsweise Treffen zwischen Mann und Frau, wenn sie nicht zusammen sind, in vielen christlichen Kreisen mit einer ganz anderen Bedeutung aufgeladen sind. Das hat Vor- und Nachteile, aber dazu kommen wir gleich.

Bewertung und Empfehlungen zur Datingphase

Also jetzt mal zur Bewertung: Was denkt ihr, und was denken wir vielleicht, was eine gesunde Ergänzung wäre? Was wäre vielleicht einfach gut, jungen Menschen mitzugeben in dieser Phase des Datings?

Unsere Beobachtung ist die – und das teilen viele hier –, dass über diese Phase des Kennenlernens und Datings fast nie sinnvoll gesprochen wird. Ja, es gibt natürlich die üblichen Sachen, wie „kein Sex vor der Ehe“ und so weiter. Klar, hat man alles gehört. Aber dieses „Jetzt nicht“ ist nicht einfach ein Verbot im Sinne von „Du darfst das nicht, darfst das nicht, darfst das nicht“, am besten noch mit Gesetzlichkeit – schönen Dank auch –, sondern mal ganz konstruktiv, ganz positiv.

Es ist ja überhaupt nicht schlimm, es ist etwas Gutes, wenn Mann und Frau sich kennenlernen. Mal einfach ganz positiv gefragt: Wie kann man das denn sinnvoll anstellen? Was sind gute Richtlinien? Was ist ein guter Rahmen dafür? Wie würde sich Gott denn heute in der westlichen Welt im einundzwanzigsten Jahrhundert das Denken vorstellen, wie man unter neutestamentlichen Grundsätzen als Mann und Frau sich kennenlernen kann? Einfach, um zu gucken: Kann denn das was werden oder eben auch nicht?

Ich denke, ein Grund, dass bei uns nicht wirklich darüber gesprochen wird, ist einfach, dass es in Deutschland prinzipiell kein gesellschaftliches Skript dafür gibt, wie diese Phase vor der Beziehung funktionieren kann. Und ich würde sagen, da hat uns zum Beispiel die amerikanische Kultur einiges voraus. Obwohl man natürlich vorsichtig sein muss, was dort „Dating“ heißt, denn das ist nochmal etwas anderes als das, was wir hier auch „Dating“ nennen. Aber prinzipiell existiert dort erstmal ein Skript dafür. In Deutschland eher weniger.

Wie könnte man das Ganze denn anstellen? Wie gesagt, wir wollen definitiv niemandem vorschreiben, wie er sein Leben zu führen hat. Wir sind ja nicht bescheuert oder so. Aber wir haben uns ein paar Gedanken dazu gemacht, wie das im christlichen Kontext gut funktionieren könnte.

Eine Sache, die wir uns gedacht haben, ist, dass es sinnvoll ist, bewusst auf Dates zu gehen. Also bewusst auf Dates zu gehen heißt, sich dessen klar zu sein – und zwar nicht nur, dass einer von beiden sich klar ist, sondern dass beide wissen, dass das ein Date ist. Häufig denkt der Mann, das ist ein Date, und die Frau weiß gar nichts davon. Beide sollten aber wissen: Okay, wir sind jetzt in einem Prozess des Datings drin, wir sind auf einem Date.

Das ist die Phase, bevor ihr zusammen seid, in der ihr euch nur um die „Innenpolitik“ zwischen euch beiden kümmern könnt, um diese „Must-have“-Themen. Darauf können wir gleich noch eingehen. Das ist auch ein wichtiger Punkt: Diese Phase ist etwas Gutes. Sie ist die Phase mit dem wenigsten Druck.

Wenn ihr verlobt seid und am besten noch die Einladungen zur Hochzeit draußen sind, dann weiß ja Hinz und Kunz Bescheid. Die Marta von nebenan weiß auch Bescheid. Dann ist natürlich ein Riesendruck da, die Augen der Öffentlichkeit schauen zu usw. Wenn ihr zusammen seid, dann guckt natürlich die Gemeinde, die Familie, die Freunde – das ist klar.

Aber in dieser Datingphase ist das so eine kostbare Zeit. Da steckt ein ganz großer Wert darin, dass ihr einfach unter euch sein könnt. Dass ihr nicht in der Öffentlichkeit seid, keine Augen der Gemeinde auf euch gerichtet sind. Es ist wirklich zwischen euch beiden. Ihr könnt euch absichtlich, bewusst, intentional – also mit Intention – kennenlernen.

Das ist auch der erste ganz wichtige Schritt in dieser Kette, um zu entscheiden, ob es überhaupt weitergehen soll.

Dazu schreibt Sammy hier aus der Community: „Wenn man sich nicht vorstellen kann, mit ihr oder mit ihm verheiratet zu sein, dann datet man einfach nicht mehr – und gut ist’s.“

Ja, und dazu würden wir euch empfehlen, recht bald auf einer Metaebene zu kommunizieren. Also einfach mal auszusprechen, dass ihr jetzt datet, um euch intensiv kennenzulernen. Dabei könnt ihr gleich über eure Auffassung von Beziehung und Ehe sprechen. Das ist vielleicht auch ein guter Aufhänger.

Denn ansonsten passiert es schnell, dass ihr einfach so vor euch hinlebt und hofft, dass vielleicht mal der richtige Zeitpunkt kommt, um indirekt die wichtigen Themen anzusprechen. Um rauszufinden, was der andere denn über dieses oder jenes Thema denkt.

Dafür müssen wir sagen: Das Thema Beziehung und deine zukünftige Ehe ist einfach zu wichtig, um hier um den heißen Brei herumzureden. Da müssen wir ganz klar sein.

Wir haben zum Beispiel eine gemeinsame Freundin von uns, die das so gemacht hat. Wie gesagt, man muss es nicht so machen, aber für sie war das genau das Richtige.

Sie hatte tatsächlich buchstäblich eine Liste mit Punkten, über die sie sich vorher Gedanken gemacht hat: Was sind Sachen, bei denen sie sich gar nicht vorstellen kann, mit jemandem in einer Beziehung zu sein und diesen eines Tages zu heiraten? Und was sind Sachen, die aus ihrer Sicht erfüllt sein müssen?

Das ist eine Liste, die sich natürlich im Laufe der Jahrzehnte ändern kann. Aber in dem Moment, wo du datest, bist du ja in der Lebensphase, in der sie diese Fragen beantwortet haben wollte, weil es ihr einfach so wichtig war.

Dann hat sie diese Punkte teilweise über zwei oder drei Dates mit ihrem späteren Mann angesprochen. Das hat sehr gut geklappt. Sie haben sich darüber ausgetauscht, und das war für die beiden super wertvoll, weil sie sich auf diese Weise ganz anders neu kennenlernen konnten.

Ja, und das muss man sich einfach mal trauen.

Persönliche Erfahrungen und Umgang mit wichtigen Fragen

Also, eine kleine persönliche Anekdote am Rande:

Es war in unserer Datingphase, als ich Markus gerne fragen wollte, ob er später grundsätzlich offen dafür wäre, dass wir gemeinsame Kinder bekommen. Ich war so aufgeregt, weil ich dachte: Wie kann ich ihm so eine intime, persönliche Frage stellen, wenn wir noch nicht mal verlobt sind? Wir waren zu dem Zeitpunkt ja noch nicht einmal zusammen.

Für mich war das aber wichtig. Wenn Markus gesagt hätte, „Nee, das kann ich mir gar nicht vorstellen“, und ich aber zum Beispiel fünf Kinder wollte, dann wäre das problematisch gewesen. Das hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon wissen wollen.

Du hast mich damals wirklich ganz schön zappeln lassen. Er hat mich die Frage zu Ende bringen lassen, obwohl er schon wusste, worauf ich hinauswollte – ohne mir auszuhelfen. Ich hatte keine Ahnung, wovon du redest.

Aber Spaß beiseite: Da muss man einfach mal durch. Man muss einfach darüber sprechen, und dann ist die Peinlichkeit auch weg, wenn man das Thema einmal angesprochen hat.

Vielleicht noch, um zum Schluss einen Einwand vorwegzunehmen: Es könnte ja das Argument geben, dass das zu krass sei und man den anderen dadurch verschreckt. Ganz ehrlich: Wenn ihr nicht über die wichtigen Themen reden könnt, dann sollte es vielleicht mit dieser Person zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht sein.

Die Bedeutung der „Sprachen der Liebe“ im Kennenlernen

Ein weiterer wichtiger Punkt, den viele hier angesprochen haben und den wir genau so sehen, ist, die anderen einfach besser kennenzulernen – im Sinne davon, sie besser begreifen zu können.

Was uns dabei sehr geholfen hat, ist das Thema „Die Sprachen der Liebe“. Viele kennen das sicher schon. Falls nicht, kannst du gerne die Glocke drücken und einen Kommentar schreiben. Dann mache ich gerne einen Beitrag dazu.

Es gibt fünf verschiedene Arten und Weisen, fünf verschiedene Situationen und Interaktionen, bei denen sich jemand emotional geliebt fühlt oder eben auch nicht. Das ist natürlich besonders schön, wenn man ähnliche Sprachen der Liebe hat.

Wenn du jedoch eine Sprache der Liebe hast, die ich nicht spreche, wird es schwierig. Denn du tust die ganze Zeit Dinge in der Erwartung, dich dabei toll zu fühlen, aber bei mir löst das gar nichts oder sogar Frustration aus – oder umgekehrt.

Die fünf gängigen Sprachen der Liebe sind:

  1. Zeit verbringen – viele Menschen fühlen sich geliebt, wenn man mit ihnen Zeit verbringt, also wirklich „Quality Time“ hat.
  2. Liebe Worte
  3. Geschenke – das kann auch teuer werden
  4. Gefälligkeiten tun
  5. Berührung

Berührung in der Datingphase herauszufinden, ist natürlich schwierig. Aus unserer Sicht sollte Berührung nicht ernsthaft in die Datingphase gehören, denn wir glauben, dass Gott hier ganz bestimmte Grenzen gesetzt hat.

Jetzt fragst du dich vielleicht: „Ja, das habe ich alles schon x-mal gehört – kein Sex vor der Ehe. Aber wie weit darf man gehen? Steht das überhaupt in der Bibel?“

Doch! Absolut! Es tut mir leid, wenn dir das vorher keiner gezeigt hat, aber das steht wirklich in der Bibel.

Als Bibelwissenschaftler, der am Institut für Altertumswissenschaften studiert hat, kann ich dir sagen: Ich habe es gezählt. Über 114 Mal steht in der Bibel, dass es keinen Sex vor der Ehe geben soll. Ich weiß nicht, welche Bücher manche andere Leute lesen, aber es steht genau da.

Und mehr noch: Ich kann dir sogar genau zeigen, dass Jesus von Nazaret selbst das historisch nachweislich gesagt hat.

Wo steht das? Kein Problem, ich habe dir das zusammengefasst. Du findest es in den biblischen Prinzipien zur Sexualität. Dort sind die Antworten auf all diese Fragen genau aufgegliedert und die häufigsten Fragen dazu beantwortet.

Das haben schon Hunderte Menschen hier heruntergeladen. Es wird in Jugendstunden und im Religionsunterricht benutzt. Du kannst es dir gern kostenlos mitnehmen. Klick dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

Persönlichkeitstypen und ihre Bedeutung im Kennenlernen

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, um andere besser kennenzulernen, ist, sich ungefähr vorstellen zu können, mit welchem Persönlichkeitstyp man es zu tun hat. Natürlich kann man immer falsch liegen, das ist klar. Aber es ist hilfreich, eine ungefähre, begründete Ahnung zu haben.

Zum Beispiel: Habe ich es eher mit jemandem zu tun, der tendenziell introvertiert ist, oder mit jemandem, der eher extrovertiert ist und aus sich herauskommt? Ist die Person eher detailfokussiert oder hat sie den Blick fürs große Ganze und kennt sich in Details vielleicht nicht so gut aus? Trifft die Person Entscheidungen vor allem denkend, also mit dem Kopf, oder handelt sie eher emotionsbasiert und gefühlsmäßig? Ist die Person darauf bedacht, Dinge konsequent abzuhaken, oder kann sie sich im Prozess verlieren?

Das sind alles wichtige Aspekte, die man berücksichtigen sollte.

Für diesen Advent habe ich dir dazu einen Gastbeitrag einer christlichen systemischen Beraterin organisiert. Sie hat sich genau darauf spezialisiert, wie man sich selbst besser kennenlernen kann. Wenn du die Glocke unter diesem Video aktivierst, wird dir das noch angezeigt.

Die vier grossen Säulen für eine gesunde Beziehung

Also, lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke, es ist wichtig, dass wir in dieser Phase beginnen, über die must-have-Themen zu sprechen. Das ist das, was wir immer mit Innenpolitik meinen – must-have-Themen.

Was sind denn die must-have-Themen, also die Themen, die geklärt sein müssen? Da gibt es unterschiedliche Auffassungen, aber viele gute Soziologen haben im Grunde vier Faktoren identifiziert. Das bedeutet also, dass viele kluge Forscher festgestellt haben, dass, wenn man sich in diesen vier großen Säulen der Lebensgestaltung einig ist, das schon mal ganz gut aussieht.

Aber Uneinigkeit in diesen vier Themen – da sind sich viele Psychologen sogar einig – kann langfristig problematisch sein. Sie sagen, es ist fraglich, ob eine gute, glückliche, erfüllte und gesunde Ehe und Beziehung möglich ist. Die Frage ist immer, wie schwer man es sich machen will.

Was sind die vier Säulen? Fangen wir mal an.

Das Erste ist Einigkeit über die Weltanschauung – Einigkeit über Glaube, Einigkeit über Religion. Heißt das jetzt, dass eine Beziehung oder Ehe nicht funktionieren kann, wenn Menschen eine komplett unterschiedliche Weltanschauung haben? Natürlich nicht. Die Frage ist nur immer, welche Konsequenzen das langfristig hat und wie einfach oder schwierig das ist. Ist das vielleicht eine Hypothek, eine Belastung, die man damit mitnimmt? Das haben wir auch im letzten Video ganz ausführlich besprochen.

Das Zweite ist das Thema Geld. Da gibt es häufig Missverständnisse. Es geht gar nicht so sehr darum, wie viel oder wie wenig Geld man hat oder ob man Schulden hat. Das spielt natürlich eine Rolle, aber das Entscheidende ist die Einstellung zu Geld.

Ich gebe mal ein einfaches Beispiel: Ich habe zum Beispiel zwei Omas gehabt – das bist du vielleicht auch. Meine eine Oma hat mir manchmal, wenn sie mir Geld gegeben hat, einen Fünf- oder Zehn-Euro-Schein, gesagt: „Hier hast du einen Fünf-Euro-Schein, kauf dir was Schönes davon.“ Das ist bei mir so hängen geblieben: Aha, Geld ist zum Ausgeben da.

Dann hatte ich eine andere Oma, die mir einen Fünf-Euro-Schein gegeben hat und gesagt hat: „Spar’s dir schön.“ Das ist so hängen geblieben: Aha, Geld ist zum Sparen da.

Das sind alles kleine Sachen: Wofür ist Geld da? Was macht man mit Geld? Wie viel vom Einkommen wird gespart, wie viel wird investiert, wie viel wird ausgegeben, wie viel wird gespendet? Da kann man ganz unterschiedliche Auffassungen haben. Aber das Wichtigste ist: Ihr müsst euch einig sein. Solange ihr das seid, ist das gut.

Es hat ja auch einen Grund, dass einer der häufigsten Scheidungsgründe in der westlichen Welt Streitigkeiten darüber sind, wie man mit Geld umgeht – nicht wie viel Geld man hat, sondern wie man damit umgeht. Da müsst ihr einfach auf derselben Seite stehen.

Der dritte Punkt ist das Thema Schwiegereltern und Verwandtschaft. Nicht, ob es Schwiegereltern gibt, sondern wie man mit den Eltern des jeweils anderen umgeht, wie man mit den eigenen Eltern umgeht, wie man sich abgrenzt oder zuwendet gegenüber den Ursprungsfamilien. Was macht man mit Verwandten? Und das ist ja ein offenes Geheimnis: Was macht man mit schwierigen Verwandten?

„Unter jedem Dach ein Ach“, hat meine Oma immer gesagt. Das ist einfach so. Es gibt immer Menschen, die ein bisschen schwierig sind – wir vielleicht auch. Du bist wahrscheinlich für jemanden auch jemand, der schwer greifbar ist. Aber lang Rede, kurzer Sinn: Da muss eine Einigkeit darüber bestehen, wie man mit solchen Situationen und auch mit Konflikten umgeht, die entstehen.

Der letzte Punkt, den du ja schon angesprochen hast, ist die Einigkeit zum Thema Familienplanung. Das heißt jetzt nicht nur Verhütungsmittel – haha – sondern vor allem die Frage, ob ihr eigene Kinder haben wollt. Wenn ja, wie viele? Wann? Könnt ihr euch vorstellen zu adoptieren? Könnt ihr euch vorstellen, Pflegekinder zu haben? Das sind alles Dinge, bei denen eine gewisse Einigkeit bestehen muss.

Nochmal: Wie ihr euch entscheidet – ob ihr keine Kinder wollt, eine Großfamilie oder adoptieren wollt – das ist alles nachgelagert. Das Wichtige ist erst mal, dass ihr euch einig seid.

Und dann natürlich der entscheidende Punkt, der direkt damit zusammenhängt: Wie wollt ihr eure Kinder erziehen? Wollt ihr Helikoptereltern sein oder wollt ihr euren Kindern ein gesundes Verantwortungsbewusstsein nahebringen? Wie wollt ihr das Ganze auf die Reihe bringen? Das sind ganz verschiedene Philosophien, und wie immer ist Einigkeit entscheidend.

Wie auch Susi hier aus der Community schreibt: Auf die Frage, welchen Ratschlag sie in Bezug auf Beziehungen, Dating und Partnerschaften ihrem früheren Ich geben würde, sagt sie, dass sie sich gerne die folgenden Fragen stellen würde: Welche Werte und Lebensziele habe ich? Welche Eigenschaften sollte mein zukünftiger Partner haben? Ist er kritikfähig? Wie kommuniziert er? Welche Schwächen habe ich selbst und wie passen sie zu den Schwächen meines zukünftigen Partners? Ganz wichtige Fragen.

Du siehst, das wiederholt sich ein Stück weit, und das ist auch richtig so, weil das ein Muster ist.

Also nochmal zusammengefasst: Verlobung und Ehe – da kann man noch ganz in Ruhe die nice-to-have-Themen klären. Das sind Fragen, bei denen man auch sagen kann: Okay, wir sind jetzt unterschiedlicher Meinung, aber sei es drum, das ist nicht entscheidend.

Dating und Beziehung ist aber die Phase, um die letzten must-have-Themen auszuräumen. Also wirklich zu schauen: Sind wir bei diesen ganz großen Sachen wirklich auf einer Linie? Können wir gut miteinander umgehen? Haben wir im Idealfall eine ähnliche oder gleiche Meinung oder zumindest eine Lösung, die funktioniert?

Wenn du nach der Hochzeit herausfindest, dass dein Mann zum Beispiel Hardcore-FDP-Wähler ist und du am Herzen bei den Jusos bist, kann das zu Konflikten führen – als einfaches Beispiel.

Der Abschluss dieser ganzen Phase des Datings ist also: Wir sind uns in den großen Sachen so sicher, dass wir es wagen, mit Gottes Hilfe in eine Beziehung hineinzugehen und offen sind für Feedback von außen.

Du siehst, Dating ist für Klarheit gedacht. Sei offen dafür, dass dir jemand sagt: „Du, ich denke, das ist keine gute Idee.“ Nimm das ernst und frage auch Menschen, die dir das sagen können – Menschen, die nicht nur Ja und Amen zu allem sagen, was du fragst, sondern bei denen du weißt, dass sie dir ernsthaftes, offenes Feedback geben.

So war das auch bei uns. Ich kann mich wirklich erinnern, dass das mit riesigem Herzklopfen verbunden war, keine Frage. Ich habe Menschen bewusst gefragt, die uns beide kennen, nach dem Motto: „Hey, wie ist das?“ Da habe ich mich natürlich geoutet und gesagt: „Ich habe Interesse an dir. Ist das eine gute Idee? Sag mir mal ganz ungeschminkt dein ehrliches Feedback.“ Und das war wichtig.

Umgang mit Druck und falschen Erwartungen beim Dating

Bezüglich des Punktes, dass Dates mit einer bestimmten Bewertung aufgeladen sind – das kann auch negativ sein – habe ich den Eindruck, dass manche Christen und einige hier aus der Community geschrieben haben, sie könnten dadurch in eine Zwangshaltung geraten.

Deshalb möchte ich noch einmal ganz deutlich sagen: Nur weil du mit jemandem zusammen einmal eine Pizza gegessen hast, musst du nicht die nächsten 50 Jahre mit dieser Person verbringen und ihre Enkelkinder großziehen. So ist es nicht, und das ist auch kein biblisches Konzept.

Was ist also unser Fazit? Wozu dient die Datingphase, die Kennenlernphase?

Wenn ihr euch an das Video von vor zwei Wochen erinnert, wisst ihr, dass in der nächsten Phase die Außenpolitik dazukommt. Deshalb ist in der Datingphase viel Zeit und Raum, um euch um die Innenpolitik zu kümmern.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass ihr Zeit habt, die großen Themen zu besprechen und die Must-haves abzuklopfen.

Persönliches Plädoyer zum stressfreien Dating

Und zum Abschluss noch ein persönliches Plädoyer von uns:

Wenn ihr nach christlichen Maßstäben datet – und das bedeutet vor allem, dass ihr Grenzen einhaltet, sei es körperlich, emotional oder spirituell – dann spricht wirklich nichts dagegen, ganz stressfrei zu daten. Keiner sagt zu diesem Zeitpunkt, dass ihr heiraten müsst. Genauso ist es aber auch kein Problem, wenn ihr merkt, dass ihr hier und da einfach unterschiedlich tickt oder eure Zukunftsvorstellungen nicht zusammenpassen.

Wenn ihr euch dann entscheidet, nicht mehr zu daten, ist das völlig in Ordnung.

Ich habe den Eindruck, dass in unserer deutschen christlichen Welt an diesem Konzept noch ein Umdenken notwendig ist. Es gilt, eine gesunde Balance zu finden zwischen stressfreiem Daten auf der einen Seite und einem intentionalen, bewussten Daten auf der anderen.

Ja, das sehe ich genauso.

Nun kommen wir zum Höhepunkt dieser dreiteiligen Videoreihe. Drückt gern die Glocke, und wir gehen so lange auf einige grundsätzliche Dinge ein, die wir Christen vielleicht besser verstehen sollten, wenn es um die Thematik zwischen Männern und Frauen geht.

Fangen wir wieder an mit dem, was wir beobachtet haben, und was ihr beobachtet habt.

Gedanken zur Ehe und Single-Sein aus christlicher Perspektive

Ja, und vielleicht ganz allgemein zu Beginn: In meiner Erinnerung wurde in unserem gemeindlichen Kontext nicht gesagt, dass man unbedingt heiraten muss oder dass eine Beziehung und eine Ehe besser sind als das Single-Dasein. Aber ich habe schon immer gedacht, dass es der wünschenswertere beziehungsweise der bessere Weg ist, wenn Gott das für einen so vorgesehen hat.

Dazu muss ich ergänzen, dass das leider nicht immer so ist. Ich habe ja hier vor ein paar Wochen auch einen Beitrag dazu gemacht, nachdem wir stapelweise Leserbriefe bekommen haben. Auch hier auf YouTube gab es in den Kommentaren und in einer Umfrage, an der sich zwei- bis dreihundert Menschen anonym beteiligt haben, viele Rückmeldungen.

Es gibt Gemeinden, in denen ausdrücklich gesagt wird, man müsse heiraten. Dort wird das nicht nur implizit erwartet, sondern viele von euch haben geschrieben, dass Frauen ausdrücklich gesagt wird, sie müssten Kinder bekommen. Manche führen das unter Druck. Wie gesagt, man kann alles, aber dass man das machen muss, ist nicht biblisch. Das habe ich dir auch mit Belegen aus dem Urtext Schritt für Schritt erklärt. Drück gerne die Glocke unter diesem Video, dann wird dir auch angezeigt, warum das eben nicht biblisch ist.

Ich habe immer gedacht, dass Gott vielleicht für manche auch geplant hat, dass sie ein Leben lang Single bleiben. Unter uns Teenagern und Jugendlichen war da aber immer ein bisschen die Angst, dass das vielleicht auch auf einen selbst zutreffen könnte. Wir haben uns gegenseitig getröstet mit dem Gedanken, dass, wenn Gott das für einen vorgesehen hat, er einem auch die Kraft dafür schenken wird und es dann auch besser für einen ist.

Aber irgendwie habe ich mich zumindest nie auf den Gedanken eingelassen, dass ein Leben lang Single sein auch so toll sein kann. Ich hatte immer ein bisschen Sorge davor. Eigentlich war es anders: Ich war Single und fand das ganz toll. Jetzt werde ich nie wieder Single sein, und ich finde das noch toller.

Aber was denken wir zu diesen Punkten? Was wäre eine gesunde Ergänzung? Was wäre gut, im Hinterkopf zu behalten?

Wir denken, es wäre gut, jungen Leuten nahezubringen, dass man nicht nur seinen Gefühlen folgen sollte. Man sollte nicht seine Hormone oder anfängliche Verliebtheit einfach mit sich durchgehen lassen. Dating hat etwas mit dem Herzen zu tun, aber auch mit dem Kopf. Es geht darum, die Ruhe zu bewahren und nichts zu tun, was man bereuen wird, wenn es nicht funktioniert.

Das ist wieder der Punkt, den wir eben gesagt haben: Grenzen einhalten. Grenzen ermöglichen es dir, wirklich ohne Reue freie Entscheidungen zu treffen – sowohl, um weiterzumachen als auch, um das Dating abzubrechen.

Im Dating geht es auch nicht unbedingt darum, alles für sich zu haben und zu nehmen, also nach dem Motto: Was kann ich am meisten dabei rausschlagen oder was kann es mir geben? Dating hat auch etwas mit Respekt, Anstand und dem Anerkennen von Grenzen zu tun – von beiden Seiten gleichermaßen.

Es geht auch darum, zu akzeptieren, wenn der andere sagt: So weit bin ich noch nicht. Oder wenn er sagt: Jetzt bin ich bereit, diese und jene Grenze aufzulösen. Natürlich stehen Gottes Grenzen über allem. Es gibt auch gewisse Grenzen, die vor der Ehe einfach nicht überschritten werden dürfen.

Aber es gibt viele kleine Stufen davor. Und da ist es wichtig, sensibel zu sein, das zu respektieren und anzuerkennen. Absolut.

Selbstreflexion und persönliche Reife als Grundlage für Beziehungen

Und als Mann gesprochen, weißt du, jetzt mal ganz selbstkritisch: Männer definieren sich häufig über ihre Partnerin. Wir sagen sozusagen: Das ist das, was mich ausmacht. Wir definieren uns durch die Frau an unserer Seite. Mir geht es auch ein Stück weit so.

Wenn wir noch nicht diesen speziellen Menschen an unserer Seite hätten – wenn dieser Stuhl jetzt leer wäre –, dann haben wir oft das Gefühl, dass jemand fehlt. Auch wenn wir diesen Menschen noch gar nicht kennen, spüren wir diese Leere. Manchmal denken wir, gerade wenn wir noch jung sind, dass wir ohne Partner, ohne Freundin, ohne Frau nichts wären. Aber das stimmt nicht.

Wer so denkt, hat eigentlich ein viel größeres Problem. Denn wenn du glaubst, du bist nichts ohne eine Ehe, nichts ohne eine Beziehung, nichts ohne eine Frau an deiner Seite, dann solltest du jetzt noch nicht in eine Beziehung gehen. Dann bist du einfach noch nicht so weit – und das darf sein. Du solltest noch mehr an dir und an deiner persönlichen Reife arbeiten. Und das ist nicht in ein paar Tagen oder Wochen getan. Das ist in Ordnung.

Ich war damals Single und entschlossen, Single zu bleiben. Ich war glücklich damit. Ehrlich gesagt hätte ich kein Problem damit gehabt, den Rest meines Lebens Single zu bleiben. Das klingt vielleicht hart, aber das war vor der Zeit, bevor ich dich kannte.

Gerade aus dieser Perspektive: Mach dir in der Phase, in der du Single bist, Gedanken darüber, welche Dinge, welche Charaktereigenschaften und welche Gewohnheiten bei jemand anderem für dich ein No-Go sind. Beobachte auch Beziehungen in deinem Umfeld und reflektiere vielleicht auch dich selbst. Das solltest du tun, bevor du jemanden konkret im Sinn hast. Denn sobald du jemanden im Sinn hast, neigt man dazu, Dinge schönzureden oder sich selbst etwas vorzumachen.

Ein zweiter Punkt: Das klingt vielleicht hart, aber es kann besser sein, in bestimmten Lebensphasen nicht zu daten. Zum Beispiel, wenn du gerade in einem großen Lebensumbruch bist – wenn du gerade erst von zu Hause ausgezogen bist, wenn du zum ersten Mal mit einem Job beginnst oder den Job wechselst, wenn du gerade umgezogen bist, dich selbständig machst, einen lieben Menschen verloren hast oder einen großen Konflikt mit deiner Ursprungsfamilie hast.

All diese Dinge beeinflussen dich sehr wahrscheinlich viel tiefer, als dir gerade bewusst ist, und machen dich angreifbarer, als du denkst. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber Dating ist nicht dafür da, deine Unsicherheiten oder deine unbearbeiteten Kindheitsverletzungen loszuwerden. Jeder hat solche Verletzungen, ebenso wie vergangene Geschichten, innere Konflikte oder Probleme mit sich selbst oder der Welt. Diese Lasten bei anderen Menschen abzuladen, ist nicht der Zweck von Dating.

Wenn du das tun würdest, würdest du den anderen als deine emotionale Müllhalde missbrauchen. Andere Menschen sind nicht dafür da, dich zu heilen oder dir zu helfen, dein Leben in den Griff zu bekommen. Das ist deine Aufgabe.

Aus meiner Erfahrung als jahrelanger Berater, der viele unglückliche Beziehungen gesehen hat und wie sie gescheitert sind, muss ich es einfach aussprechen: Solange du dein eigenes Leben, vor allem innerlich, nicht aufgeräumt hast, solltest du nicht andere Menschen in dein emotionales Chaos einladen.

Dating ist der Anfang eines ernstzunehmenden Prozesses. Zwei gereifte, erwachsene und selbstverantwortliche Menschen prüfen sehr genau, ob es sinnvoll ist zu heiraten. Und falls ja, ob es von Milliarden Menschen auf diesem Planeten ausgerechnet der oder diejenige sein soll.

Probleme, die du allein hast, werden in einer Beziehung und erst recht in einer Ehe größer. Man sagt manchmal, eine Beziehung beziehungsweise eine Ehe sei ein Brennglas, ein Magnifying-Glas, das negative Eigenschaften verstärkt, aber auch die positiven. Das muss man sich bewusst machen, bevor man diesen Schritt geht.

Deshalb empfehlen wir, erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren. Bring dein Leben sowohl äußerlich als auch innerlich in Ordnung, bevor du über Dating, Beziehung oder Ehe nachdenkst.

Wir sind der Meinung, dass man vor allem spirituelles Wachstum und spirituelle Reife braucht, bevor man diesen Prozess beginnt. So kann man vor Gott und vor dem Partner als reife Persönlichkeit stehen.

Dazu schreibt Albert aus der Community: "Du willst daten? Arbeite erst mal an dir selbst." Das war für mich ein wirklich weiser Spruch. Manche sind so darauf besessen, den richtigen Partner zu finden, obwohl es viel wichtiger ist, erst an sich selbst zu arbeiten und zu dem Partner zu werden, den jemand anderes daten möchte.

Das ist weise. Lass mich dazu einfach noch ergänzen und noch eine Schippe drauflegen.

Die biblische Ehe als Beziehung reifer Persönlichkeiten

Eine biblische Ehe

Das ist das Konzept, das Gott zwischen Mann und Frau vorgesehen hat. Eine biblische Ehe besteht nicht aus zwei unsicheren, emotional bedürftigen und abhängigen Teenagern, die sich aneinanderketten und hoffen, dass der andere ihr Leben verbessert. So ist es einfach nicht.

Eine biblische Ehe und Beziehung nach den neutestamentlichen Maßstäben bedeutet, dass zwei reife Erwachsene eine bewusste Entscheidung treffen. Diese Entscheidung überblicken sie und können sie auch tragen. Genau darum geht es.

Ehe ist nicht in erster Linie etwas, aus dem man etwas für sich selbst nehmen soll, wie bereits erwähnt wurde. Im Gegenteil: Ehe und Beziehung sind kein Ort zum Nehmen, sondern ein Ort zum Geben.

Damit man geben kann – und das sage ich auch ganz selbstkritisch – muss man emotional und geistlich, also spirituell vor Gott, in der Lage sein, etwas zu geben. Das ist wie eine Schale: Wenn die eigene Schale nicht voll ist, wie bei einem Springbrunnen, kann sie auch nicht überlaufen. Das bedeutet, man kann niemandem etwas geben, wenn man selbst leer ist.

Dafür braucht man Ressourcen – geistliche Ressourcen und Stärke. Diese Stärke wird den wenigsten Menschen von Geburt an mitgegeben. Deshalb arbeiten wir aneinander.

Weißt du, dass du allein sein kannst? Dass du auch mal nur für dich sein kannst, ohne von anderen Menschen abhängig zu sein oder sie zu brauchen? Das ist ein gutes Zeichen für deine psychische Stabilität und dafür, dass du dein Leben im Griff hast.

Hinter diesem Zustand steckt einiges. Solange du nicht gelernt hast, alleine zu sein, solltest du nicht in eine Beziehung gehen.