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Johannesevangelium 3,30-36 Das Besondere an Jesus

Johannes 3,30-3621.09.2020
Serie•Teil 18 / 44Johannes-Evangelium
Jesus ist nicht nur ein guter Lehrer: Er kommt von Gott, redet Gottes Worte und trägt die Rettung der Welt. Die echte Frage ist: Hörst du auf ihn – oder an ihm vorbei?

Rückblick auf den letzten Abschnitt

Hallo, liebe Geschwister,
ich bin heute gar nicht da. Ich bin am Nachmittag in einer anderen Gemeinde am Predigen, nämlich bei Hoffnung.de. Um euch aber nicht unversorgt zurückzulassen, habe ich mir erlaubt, die Predigt schon einmal aufzuzeichnen.
Letzte Woche sind wir in Johannes 3,30 stehen geblieben. Kurz der Einstieg für alle, die letzten Sonntag nicht hier waren: Johannes der Täufer tauft. Und Jesus tauft auch. Nur wollen viel mehr Juden von Jesus getauft werden, und das missfällt den Jüngern von Johannes dem Täufer. Die sehen nämlich so ein Stück weit den Stern ihres Rabbis untergehen, und sie fangen an, sich Sorgen zu machen.
Der Einzige, der sich keine Sorgen macht, ist Johannes der Täufer. Er freut sich sogar darüber, dass der Messias endlich da ist und damit in gewisser Weise seinen eigenen Auftrag allmählich erfüllt.
Ich habe das letzte Woche schon gesagt: Wir suchen uns unsere Berufung nicht aus. Gott setzt uns in einem Jahrhundert, in einem Kulturkreis, in einer Familie, in einer Gemeinde genau dorthin, wo er uns haben will. Und unser Job besteht dann eigentlich nur darin, dass wir unsere Berufung annehmen und treu sind.
Und Johannes der Täufer ist darin, wie ich finde, ein ganz schönes Vorbild.

Die Größe Jesu in Herkunft, Wort und Auftrag

Wie drückt er sich aus? In Johannes 3,30 heißt es, und zwar spricht jetzt Johannes der Täufer über Jesus: „Er muss wachsen, ich aber abnehmen.“ Schön, oder?
Johannes der Täufer spricht über Jesus: Er muss wachsen, ich aber abnehmen. Für ihn ist klar: Jesus muss wachsen, seine Popularität, sein Einfluss, muss zunehmen. Aber sein eigener Dienst darf jetzt kleiner werden.
Quasi: Jesus fade in, Johannes der Täufer fade out.
Er muss wachsen, ich aber abnehmen. Der Grund dafür liegt einmal natürlich in der Berufung, die Johannes für sich gefunden hat. Aber sie liegt, glaube ich, auch in der Person Jesu selbst.
Es sind drei Dinge, die Jesus in den Augen von Johannes dem Täufer so besonders machen. Und das sind drei Dinge, die Jesus auch in unseren Augen ganz besonders machen müssen. Schauen wir uns die drei Sachen einfach mal an.

Herkunft von oben

 Johannes 3,31. Der von oben kommt, ist über allen, der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde her. Der vom Himmel kommt, ist über allen.
Jesus ist tatsächlich eine Kategorie für sich. Alle Menschen können wie Johannes nur von der Erde her reden. Uns fehlt diese enge Verbindung mit dem Vater im Himmel, die Jesus hat. Bei ihm ist das wirklich anders.
Er ist ganz Mensch, mag das immer wieder betonen. Gott wird Mensch, nicht Halbgott. Aber Jesus ist ein besonderer Mensch mit einer besonderen Herkunft: von oben, heißt es, vom Himmel.
Bitte nicht falsch verstehen: Oben ist hier nicht da, wo die Satelliten kreisen, okay? Oben ist hier bildlich zu verstehen, so wie wir auch sagen, dass jemand die Karriereleiter hinaufsteigt, weil er als Chef über den Angestellten steht. Und oben ist hier einfach eine Bezeichnung für da, wo Gott ist.
Und Gott wird Mensch. Deshalb kommt Jesus von oben. Er kommt von der Schaltzentrale der Schöpfung, aus dem Thronsaal Gottes. Und dieser Mensch, Jesus von Nazareth, er bleibt natürlich aufgrund seiner Herkunft etwas ganz Besonderes. Er steht tatsächlich über allen.
Jesus ist Mensch, aber mit einer ganz besonderen Vergangenheit, die ihn auch zu etwas ganz Besonderem macht. Deshalb hat er auch mehr zu sagen als jeder andere Mensch, auch als Johannes der Täufer. Und deswegen ist es auch so wichtig, dass wir Jesus zuhören, dass er uns mit hineinnehmen darf in die Dinge, die Gott uns zu sagen hat.
Jesus ist tatsächlich der grösste Prophet, den diese Welt je gehört hat.

Die Worte Gottes und die Fülle des Geistes

Nicht nur seine Herkunft von oben macht ihn so besonders, sondern auch seine Botschaft. Wir lesen einfach weiter in Johannes 3, die Verse 32-34. Da heißt es: Was er gesehen und gehört hat, das bezeugt er, und sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer sein Zeugnis angenommen hat, der hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn er gibt den Geist nicht nach Maß.
Fangen wir hinten an. Er, das ist Gott, gibt den Geist nicht nach Maß. Gemeint ist der Heilige Geist, den der Vater dem Sohn gibt, und zwar nicht nach Maß. Die jüdischen Rabbiner waren der Meinung, dass Gott seinen Geist den Propheten genau abgemessen gab, also immer genau so viel, wie sie brauchten. Bei Jesus war das anders. Auf ihm ruhte der Geist Gottes in seiner ganzen Fülle. Und mehr noch: Jesus ist der, der mit dem Heiligen Geist tauft. Er ist gewissermaßen der Verteiler des Heiligen Geistes. In der Offenbarung wird er deshalb zu Recht als einer beschrieben, der die sieben Geister Gottes in seiner Hand hält, also als einer, in dem der Heilige Geist in seiner ganzen Fülle wohnt.
Und dann heißt es: Er redet die Worte Gottes. Jesus ist also Prophet Gottes in Perfektion. Ich muss kurz erklären, was ein Prophet ist. Ein Prophet ist jemand, zu dem Gott in Träumen und Visionen redet. 4. Mose 12,6: Hört doch meine Worte! Wenn ein Prophet des Herrn unter euch ist, dem will ich mich in einer Erscheinung zu erkennen geben, im Traum will ich mit ihm reden.
Deshalb sagt Johannes der Täufer über ihn: Was er gesehen und gehört hat, das bezeugt er. Also: Jesus hatte Visionen oder Träume. Und das, was er da erlebt hat, das gibt er weiter. Das Problem ist nur: Sein Zeugnis nimmt niemand an, im Sinne von fast niemand. Wenn man über Berliner Autofahrer sagt, keiner von denen fährt fünfzig in der Stadt, dann ist das natürlich nie ganz wahr. Es gibt bestimmt ein paar, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, aber die meisten tun das eher nicht so genau. Und wenn man sagt, keiner von denen fährt fünfzig in der Stadt, meint man eigentlich: Bis auf ein paar Ausnahmen fahren alle schneller.
Und so wird auch im Johannesevangelium formuliert. Wenn es also heißt, sein Zeugnis nimmt niemand an, dann merkt man: Die meisten Zuhörer waren von Anfang an nicht interessiert an dem, was Jesus zu sagen hatte. Die, bei denen das anders war, die haben, sagt der Text, besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. Also: Weil Jesus der Prophet Gottes ist, gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen unserem Umgang mit seinen Worten und unserem Umgang mit Gott. Wenn mir nicht passt, was Jesus zu sagen hat, dann lehne ich Gott ab. Und wenn ich gern auf Jesus höre, dann bestätige ich, im Bild gesprochen, ich besiegle, dass Gott wahrhaftig ist, dass man Gott trauen kann.
Die Frage war: Was macht Jesus besonders? Warum ist Johannes der Täufer so begeistert von Jesus? Jetzt haben wir schon zwei Punkte. Punkt Nummer eins: Seine Herkunft macht ihn so besonders, er kommt von oben, er kommt von Gott. Zweiter Punkt: Seine Botschaft macht ihn so besonders, es sind Worte Gottes an die Menschen.

Der Auftrag des Sohnes und die Entscheidung des Menschen

Und dann macht ihn sein Auftrag so besonders. Johannes 3,35: Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Das bedeutet nicht weniger, als dass das Schicksal der Welt in der Hand Jesu liegt.
Der Vater liebt den Sohn, und er hat ihm die allergrößte Aufgabe anvertraut, die es im Universum überhaupt gibt. Der Sohn ist gekommen, um Menschen zu retten. Er ist gekommen, um das Böse zu vernichten und alle Dinge, die in Unordnung geraten sind, wiederherzustellen.
Wisst ihr, es fasziniert mich, darüber nachzudenken, wie das sein wird, wenn Jesus mit seiner Aufgabe völlig fertig ist. Dann gibt es nämlich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann werden Sünde, Tod und Schmerz Vergangenheit sein, und wir werden Jesus in alle Ewigkeit als den feiern, der mit seinem Blut bezahlt und ewiges Leben für uns möglich gemacht hat.
Er ist wirklich die Mitte der Geschichte, der Fixpunkt, auf den alles ankommt. Er allein macht den Unterschied. Und es ist dem Vater wichtig, dass der Sohn groß rauskommt. Der Vater liebt den Sohn. Und deswegen verknüpft der Vater unser ewiges Schicksal mit unserer Liebe zum Herrn Jesus.
Wenn wir an den Herrn Jesus glauben und seine Liebessprache sprechen, und es ist Gehorsam, dann heißt es in Johannes 14,21: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wenn wir Jesus lieben und an ihn glauben, nur dann haben wir ewiges Leben. Johannes 3,36: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Wehe denen, die nicht glauben und gehorchen. Sie werden das Leben, und gemeint ist hier das ewige Leben, nicht sehen. Für sie gibt es tatsächlich keine Zukunft. Es gibt nur den Zorn. Der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Und er kommt nicht irgendwann, sondern er ist schon da.
Es gehört zum Evangelium, und Evangelium heißt ja gute Nachricht, dass wir mit der schlechten Nachricht anfangen. Jeder Mensch steht wegen seiner Sünde unter dem Zorn Gottes. Kommt das Gericht, sind wir verloren. Deshalb müssen wir, bevor wir sterben, ewiges Leben finden. Jeder Mensch braucht deshalb den Sohn. Jeder Mensch braucht Erlösung und Vergebung, wie es sie tatsächlich nur bei Jesus gibt. Niemand kann sich selbst retten, jeder muss gerettet werden.
Für die, die bei der Freizeit mit dabei waren: Wir haben meinen Enkel gesegnet. Und vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass mir da die Tränen kamen. Mein Wunsch für meinen Enkel war der, dass er nicht verloren geht. Das ist die eine Sache, die wir richtig machen müssen in diesem Leben: Glauben und Gehorsam. An den Sohn glauben und dem Sohn gehorchen und auf diese Weise ewiges Leben haben.
Darauf kommt es allein in diesem Leben an. Der Rest – Karriere, Familie, Urlaub, Wohlstand, Gesundheit, Ansehen und was dir noch einfallen mag – der Rest ist nicht so wichtig, ist nicht wirklich relevant. Wer in diesem Leben alles hat, aber Jesus fehlt ihm, der hat eigentlich gar nichts. Und wer nichts hat, aber mit Jesus unterwegs ist, der ist über die Maßen reich.
Worum ging es heute? Es ging um drei Dinge, die Jesus in den Augen von Johannes dem Täufer besonders machen und von denen ich mir wünsche, dass diese drei Dinge ihn auch in unseren Augen besonders machen: einmal seine Herkunft. Er kommt von oben, er ist wirklich über allen. Zweitens seine Botschaft: Es sind Worte Gottes. Wenn wir ihm zuhören, dann hören wir Gott zu uns sprechen. Und drittens sein Auftrag: Er ist tatsächlich der Retter der Welt.
Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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