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Lukas 20,1-19

Lukas 20,1-20,1916.04.2012
Serie•Teil 43 / 53Lukas-Evangelium
Jesus stellt alles auf den Kopf: Wer ist hier wirklich von Gott gesandt? Und was, wenn der abgelehnte Sohn zum Fundament wird – für dein ganzes Leben?

Der Weg nach Jerusalem und die Spannung des Textes

Ich freue mich, wieder einmal bei euch zu sein und weitermachen zu dürfen mit dem Text, den wir nun seit vier Jahren miteinander betrachten, nämlich dem Lukas-Evangelium.
Wir befinden uns schon ziemlich am Ende. Es wird weitergehen in Lukas 20. Und für alle, die das letzte Mal nicht da waren oder die vielleicht sagen: Lukas 20, das sagt mir jetzt gar nicht so viel, möchte ich einen kurzen Einstieg geben, wo wir uns befinden.
Was das Kirchenjahr angeht, sind wir eigentlich in der Woche vor letzter Woche, also in der Woche vor Ostern. In dieser Woche findet etwas statt, das man den Einzug in Jerusalem nennt. Jesus kommt als König in seine Stadt, in seinen Palast, in den Tempel. Und genau an dieser Stelle befinden wir uns jetzt.
Das heißt, wir werden heute Texte betrachten, die ausgesprochen unangenehm sind. Und es ist meine Aufgabe, am Ende dann doch noch etwas für uns herauszuziehen. Denn eigentlich reden wir heute über Leute, mit denen sich hier niemand identifizieren will. Es gibt in der Bibel solche Typen, bei denen man sagt: Wow, ja, da merkt man, die sind so gegen Jesus eingestellt, das ist schon pathologisch. Das ist schon wirklich so daneben, dass man sich nur schütteln kann.
Und wenn man so einen Abschnitt in seiner täglichen Bibellese hat, wie wir ihn heute betrachten wollen, dann ist man froh, wenn das vorbei ist. Dann sagt man sich: Ach komm, jetzt noch ein Psalm oder so hinterher, irgendetwas Nettes noch.
Das ist ein Problem. Trotzdem wollte ich nicht an dem Text vorbeigehen und mit Kapitel 20 weiterlesen. Ich möchte mit einer interessanten Frage beginnen. Lukas 20,1:
Also, wir sind in Jerusalem. Jesus ist in der letzten Woche, die er auf der Erde lebt, vor der Auferstehung. Und es geschah an einem der Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und die gute Botschaft verkündigte, da traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten herbei und sprachen.
Jesus sitzt in diesen Tagen im Tempel, und er lehrt und verkündigt, oder predigt, das Evangelium. Und ich habe das so gelesen und dachte mir: Kann ich eigentlich über so einen Text hinweggehen? Müsste nicht jeder von euch die Frage stellen, was das eigentlich heißt, wenn Jesus das Evangelium predigt?
Wenn wir Evangelium hören, ist völlig klar, was gemeint ist. Wir leben nach Pfingsten. Das Evangelium könnt ihr euch jetzt in 1. Korinther 15 vorlesen. Da sagt Paulus: Ich habe euch überliefert, was ich auch empfangen habe. Und das Evangelium besteht darin, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, so wie es im Alten Testament schon vorhergesagt wurde, dass er begraben wurde, dass er auferstanden ist, dass er gesehen wurde. Das ist das Evangelium.
Aber hat Jesus dieses Evangelium, so wie ich es eben geschildert habe, verkündigt? Wahrscheinlich eher nicht. Nur was ist dann die frohe Botschaft, die Jesus verkündigt hat?
Und wenn wir uns diese Frage beantworten, dann müssen wir uns auch die Frage stellen: Was macht das Evangelium, dieser Begriff frohe Botschaft, eigentlich aus? Euangelion heißt so viel wie eu, also gut, und Botschaft. Gute Botschaft. Was macht die frohe oder gute Botschaft eigentlich zu einer frohen Botschaft? Was macht das Evangelium eigentlich zum Evangelium?
Wenn du sagst: Was möchte ich nicht verlieren beim Evangelium? Was muss immer irgendwie dabei sein, damit ich, wenn mir jemand etwas predigt, sagen kann: Das ist Evangelium? Dann dachte ich mir bei der Antwort auf diese Frage, dass das, was irgendwie immer dabei sein muss, die Sündenvergebung ist. Dass ich mit der Schuld, die ich habe, zu Gott kommen kann und dass ich diese Schuld irgendwie loswerden kann.
Wir haben dazu schon eine Geschichte miteinander studiert, Lukas 18. Dort ist es in einem Gleichnis so, dass ein Zöllner in den Tempel kommt, sich an die Brust schlägt und sagt: Gott sei mir, dem Sünder, gnädig. Und dann endet das Gleichnis damit, dass Jesus sagt: Dieser Zöllner ging nach Hause, und er war gerechtfertigt. Er gehörte jetzt zu Gott. Er war mit Gott im Reinen. Seine Schuld war vergeben.
Also: Schuldvergebung ist etwas, was es auch zur Zeit Jesu schon gab. Schuldvergebung dadurch, dass ich an Gott glaube, dass ich ihm ganz vertraue, dass ich mich auf die Freundschaft Jesu, auf die Freundschaft Gottes einlasse.

Was gute Botschaft im Kern bedeutet

Ich weiss nicht, ob ihr das mitbekommen habt: Im Moment gibt es eine Verteilaktion, einen Koran in jedes Haus. Ich habe mich gestern mit einem Freund getroffen, um zu überlegen, ob man dazu vielleicht ein kleines Video machen sollte. Wir haben uns dabei über die unterschiedliche Gottesvorstellung im Islam und im Christentum unterhalten, und darüber, wo eigentlich der grosse Unterschied liegt.
Und der Unterschied liegt dort, wo es um die Frage geht: Wie eng kriege ich eigentlich eine Beziehung zu Gott? Ist Gott der ferne, distanzierte Gott, der irgendwo da oben ist, und ist es eigentlich völlig egal, was ich hier unten tue und lasse? Interessiert er sich auch nicht wirklich für mich, will er nur meine Unterwerfung, und gut ist es? Das wäre das, was der Koran sagt, was wir lesen können.
Ich bin übrigens jemand, der sagt: Lest den Koran zumindest mal hundert Seiten, damit ihr wisst, wie sich das anfühlt. Und lest dann mal hundert Seiten Neues Testament dagegen. Macht es einfach mal, und ihr werdet feststellen, dass da ein riesiger Unterschied ist. Und dieser riesige Unterschied stammt aus diesem Gottesbild: ein ferner Gott auf der einen Seite und dagegen die Bibel, ein Gott, der sagt: Ich will dir begegnen. Ich möchte dir nahekommen. Ich möchte die Schuld, die du in deinem Leben spürst, weil du ja nicht blöd bist und sie sehen kannst, dir abnehmen. Und ich möchte, dass du mit mir lebst. Ich möchte dir Nähe und Freundschaft schenken.
Das ist ein Riesenunterschied. Und das ist das Evangelium. Begriffe wie Busse, Bekehrung, Glauben, Nachfolge sind ein Konzept, das sich durch die gesamte Bibel hindurchzieht. Das ist das Evangelium: dass Gott uns einlädt.
Die Apostel werden das dann später etwa so ausdrücken. Da heisst es in Apostelgeschichte 2,37-38, nach der Pfingstpredigt: Da sind die Leute entsetzt. Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und zu den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Busse, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden.
In Kapitel 3,19 steht in einer anderen Predigt ein ähnlicher Gedanke: So tut nun Busse und bekehrt euch. Und in Apostelgeschichte 16, wo der Kerkermeister fragt: Was soll ich tun?, sagt der Apostel: Glaube an den Herrn Jesus.
Und diese Prinzipien, Busse tun, sich bekehren, Gott ganz vertrauen, nichts anderes ist Glauben, dieses Konzept, das ist das Evangelium, egal wo es uns in der Bibel begegnet. Und hier ist es eben bei Jesus. Sobald Jesus das tut und Menschen einlädt in die Nachfolge, Menschen einlädt, ohne dass sie sich quasi den Himmel erarbeiten müssen, Frieden mit Gott zu finden, da treten seine Kritiker auf den Plan.

Die erste Konfrontation im Tempel

Vers 2 Lukas 20, Vers 2
Jetzt kommen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten. Also, die ganzen theologischen Honoratioren treten jetzt auf. Man merkt schon gleich: Denen gefällt überhaupt nicht, was hier gepredigt wird.
Und was fragen sie ihn? Sage uns, in welcher Vollmacht tust du diese Dinge, oder wer ist es, der dir diese Vollmacht gegeben hat?
Fantastisch, ja! Es geht nicht um die Frage, ob das, was Jesus sagt, wahr ist. Es geht nur um die Frage: Wo bitte schön ist dein Hochschulabschluss? Wo ist deine Ordination? Wo ist die Erlaubnis, dass du hier sitzen und das predigen darfst?
Schön. Einfach schön.
Es ist übrigens ein Tipp, den ich euch weitergeben wollte: Wenn ihr jemals irgendetwas von hier vorne von mir hört, also wenn ich jemals etwas predige, wo du sagst: Das möchte ich überhaupt nicht hören, dann ist das die Lösung. Wenn du jemals an einer Predigt vorbeikommen willst, die ich predige, dann musst du einfach nur sagen: Was ist denn das für ein Kerl da vorne auf der Predigt? Das ist ja gar kein richtiger Pastor. Der ist ja nicht richtig ordiniert, und sein Theologiestudium, das hat er ja immer noch nicht fertig.
Das reicht, und dann brauchst du dich nicht mehr damit beschäftigen, ob das, was ich sage, richtig ist. Denn du hast ja den Kerl abgelehnt.
Und das passiert hier: Mit welcher Vollmacht tust du das? Wer bist denn du, du hergelaufener galiläischer Wanderprediger, hier im Tempel traust du dich so den Mund aufzumachen? Wir sind hier die Chefs, Mensch!
Das ist natürlich Wahnsinn, so zu argumentieren. Denn die Frage ist ja nie, wer etwas sagt, sondern ob das, was er sagt, wahr ist. Wenn im Alten Testament bei Bileam ein Esel spricht und die Wahrheit sagt, dann ist das die Wahrheit, auch wenn es ein Esel ist.
Es könnte sein, dass hier vorne ab und an ein Esel steht, der die Wahrheit sagt. Und deswegen ist es so wichtig, dass ihr tatsächlich tut, was die Bibel sagt, nämlich prüft, ob das, was von hier vorne gesagt wird, sich mit der Schrift deckt. Das ist euer Job.
Und dann nehmt ihr das Gute, haltet es fest, setzt es um, und den Rest weg damit.

Die ausweichende Antwort der Gegner

So, die Frage, die Jesus hier gestellt bekommt, darauf geht er gar nicht ein. Jesus stellt eine Gegenfrage. Er sagt in Lukas 20,3-5:
Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen; sagt mir: War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?
Johannes der Täufer war ganz am Anfang im Lukasevangelium derjenige, der so eine Reformbewegung anführt, die eigentlich auf Jesus hinführen soll. Das Markenzeichen von Johannes war: Er hat Leute getauft. Also Leute haben eingesehen: Wir sind eigentlich falsch mit Gott unterwegs. Wir sind nur dem Namen nach an Gott dran, aber so richtig im Herzen fehlt uns da etwas. Die Leute sind umgekehrt, und er hat sie getauft, ins Wasser gesteckt, so richtig in den Jordan runter und wieder raus.
Und jetzt fragt Jesus: War die Taufe des Johannes vom Himmel, also von Gott? Steht da Gott dahinter? Oder von Menschen?
Hm, das ist ein Problem. Sie aber überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir sagen: Vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm nicht geglaubt?
Wenn sie sagen: Johannes ist ein Prophet, von Gott gesandt, und das, was er getan hat, ist von oben autorisiert, dann müsste ich auch auf das hören, was Johannes gesagt hat. Und Johannes hat gesagt, im Vergleich zu Jesus bin ich so klein und er so groß. Das heißt: Wenn Sie sagen, Johannes ist vom Himmel autorisiert, der Kleine, dann müsste der Große ja erst recht von oben autorisiert sein. Dann ist die Frage schon lange beantwortet, in welcher Vollmacht tust du das?
Das wollen sie aber nicht sagen. Das ist ein Dilemma. Wenn wir sagen: Vom Himmel, so würde er sagen: Warum habt ihr ihm nicht geglaubt?
Wenn wir aber sagen: Von Menschen, also Johannes der Täufer ist einer, der hatte nie einen Auftrag von Gott. Er hat zwar immer so getan, als sei er der große Prophet, und Jesus würde an anderer Stelle über ihn sagen, er ist der größte der alttestamentlichen Propheten, aber in Wirklichkeit hat er sich das nur eingebildet. Der hat mit euch gespielt, da steckte nie wirklich Gott dahinter.
Wenn wir das sagen: Von Menschen, so wird das ganze Volk uns steinigen, denn es ist überzeugt, dass Johannes ein Prophet ist.
Hm, was mache ich, wenn ich in so einem Dilemma drinstecke? Also, es gibt ja immer mehrere Möglichkeiten, wie man sich verteidigen kann, wenn man einer unangenehmen Wahrheit begegnet. Die eine Sache ist, wie gesagt: Du greifst den an, der die Wahrheit bringt.
Der zweite Lösungsweg ist genauso gut und wird heute ganz, ganz oft von Leuten gewählt, die sich mit Gott auch nicht so intensiv beschäftigen wollen. Man nennt ihn Agnostizismus. Ein Agnostiker sagt: Ich weiß es nicht. Und das ist dann nicht so ein: Ich weiß es nicht, und jetzt möchte ich mich mal ganz intensiv damit beschäftigen, und jetzt werde ich mir mal richtig Zeit nehmen, weil das ja wirklich eine lebenswichtige Frage ist, und jetzt werde ich mich da mal reinknien, und jetzt werde ich mir mal anschauen, was es denn für Für und Wider gibt, und jetzt werde ich einfach mal ein, zwei, drei Jahre investieren, um die Frage zu klären. Nein, das ist ein: Ich weiß es nicht. Punkt. Klammer auf: Und ich will es auch nicht wissen. Klammer zu. Punkt.
So, und das passiert jetzt hier. Agnostizismus. Sie können weder das eine noch das andere sagen. Sie wollen nicht gesteinigt werden, und sie wollen auch nicht zugeben, dass der größte Prophet, der zu ihrer Zeit gelebt hat, wo alle davon überzeugt sind, dass er von Gott gesandt ist, über Jesus gesagt hat: Also, ich bin sowas wie so Best Man, ich bin so ein Hochzeitsvorbereiter, aber der Bräutigam, das ist der da. Ich taufe euch mit Wasser, aber mit Heiligem Geist, das macht der da. Ich bin die Stimme in der Wüste, aber der, der spricht, das ist der da.
Das wollen sie nicht zugeben. Und deswegen, Vers 7: Und sie antworteten, sie wüssten nicht, woher. Wissen wir nicht.
Natürlich wussten sie es. Sie wussten es so genau, dass sie zwei Alternativen abwägen konnten. Aber was sagt man dann? Nö, weiß ich nicht.
Und ich finde Jesus herrlich. Und Jesus sprach zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich das tue.
Also, wenn du nicht ehrlich bist zu Gott, dann erwarte nicht, dass Gott sich groß mit dir abgibt. Wenn du sagst, ich will Gott eigentlich nicht begegnen, und ich möchte mich nicht einlassen auf Gott, dann erwarte nicht, dass Gott ein Wunder nach dem anderen vom Himmel auf dein Leben regnen lässt. Warum sollte er? Dass Gott dir jede Frage beantwortet, warum sollte er?
Er zieht sich auch da zurück und sagt: Dann sage ich es euch auch nicht, wo wir ihm nicht ehrlich begegnen.

Das Gleichnis vom Weinberg und die Verwerfung des Sohnes

Jetzt ist das hier, so humorvoll man das predigen kann, leider, leider, leider, leider nicht das Ende vom Lied. Es bleibt nämlich nicht dabei, dass Leute solche Fragen stellen und dann merken, dass sie nicht weiterkommen. Im Herzen dieser Menschen ist etwas ganz anderes. Im Herzen ist schon lange der Entschluss da: Wir wollen Jesus loswerden.
Und deswegen, weil Jesus das sieht und weil von diesem Typen eine riesige Gefahr für das gesamte Volk ausgeht, sagt Jesus jetzt ein Gleichnis. Dieses Gleichnis geht eigentlich an das ganze Volk. Es geht an die, die sowieso schon da um ihn herumstehen und zuhören. Und ihr werdet am Ende, wenn ich es vorgelesen habe, merken: Sie hören das, sie verstehen instinktiv, worum es geht, und sie erschrecken.
Ich lese mal ab Vers 9:
Er fing aber an, zu dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg. Ich übertrage das mal immer gleich, dann ist es ein bisschen einfacher. Der Mensch ist Gott. Der Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner. Das sind hier die Israeliten. Und der Weinberg selbst ist das Reich Gottes. Und er reiste für lange Zeit außer Landes.
Und zur bestimmten Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben. Der Knecht, das sind Propheten. Es kommen gleich noch mehr Knechte. Und die Frucht, die Gott sucht, ist natürlich Anbetung, Nachfolge, Gehorsam, gute Werke.
Und zu bestimmter Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben. Die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn leer fort. Das ist die Erfahrung vieler alttestamentlicher Propheten. Sie predigen, und man will nicht hören, was sie sagen. Oft genug schlägt man sie tatsächlich. Und ich weiß gar nicht, ja, so richtig tot weiß ich jetzt gar nicht, aber es geht ihnen meist nicht so gut.
Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht. Sie aber schlugen auch den und behandelten ihn verächtlich und schickten ihn leer fort. Und er fuhr fort und sandte einen dritten. Sie aber verwundeten auch diesen und warfen ihn hinaus.
Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Also: Was soll Gott tun, wenn er sein Reich einem Volk anvertraut, in diesem Volk Leute sind, die Verantwortungsträger sind, das sind die Weingärtner, und die jetzt, wenn Gott sagt: Ich habe ein Recht auf Anbetung, ich habe ein Recht auf Gehorsam, ich habe ein Recht auf Nachfolge, ich habe ein Recht auf dein Herz, sich hinstellen und sagen: Nein, das hast du nicht, das geben wir dir nicht?
Wir hätten schon gern deinen Weinberg, also so nach außen. Volk Gottes zu sein und etwas darzustellen und zu sagen: Boah, wir haben eine Bibel, und Gott ist irgendwie auf unserer Seite, wir sind etwas Besonderes, das wollen wir schon. Aber dir wirklich geben, was du haben möchtest, das wollen wir nicht.
Was wird Gott tun, wenn er einen Propheten nach dem anderen schickt und das Volk immer wieder sagt: Nein, wollen wir nicht?
Vers 13:
Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn senden; vielleicht werden sie sich scheuen, wenn sie diesen sehen.
Als aber die Weingärtner ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe, lasst uns ihn töten, damit das Erbe unser werde. Und als sie ihn aus dem Weinberg hinausgeworfen hatten, töteten sie ihn.
Was wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun? Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben.
Als sie aber das hörten, sprachen sie: Das sei fern!
Die Leute hören das, und ich musste euch das jetzt so ein bisschen übertragen. Die Leute hatten die Übertragung nicht, aber sie verstehen sehr gut, was mit dem Weinberg gemeint ist. Denn im Alten Testament wird das Volk Israel als ein Weinberg bezeichnet, als eine Pflanzung Gottes.
Und was Jesus hier sagt, ist Folgendes: Er sagt, wenn ihr das, was ihr vorhabt als Volk, wenn das zu Ende passiert, was in den Köpfen der Weingärtner schon drin ist, was eigentlich schon beschlossene Sache ist, wenn ihr das zu Ende durchzieht, den Sohn wirklich aus dem Weinberg hinausstoßt und umbringt, wenn das Kreuz wirklich das Ende von Jesus ist, wenn er an diesem Kreuz stirbt, wenn ihr euch hinstellt als Volk und sagt: Kreuzige ihn, was wird Gott dann tun?
Dann wird er das, was ihr hattet, dieses Vorrecht, Volk Gottes zu sein, von euch nehmen, und er wird es einem anderen Volk geben. Dann wird aus Israel, einer ethnischen Größe, einem richtig greifbaren Volk, die Gemeinde. Dann wird er etwas richtig Neues anfangen. Dann werdet ihr diese Sonderstellung, die ihr hattet, wirklich verlieren. Dann wird man sagen: Ja, früher mal, da war alles gut, aber es wird wirklich früher sein.
Und die Leute hören das, und sie verstehen instinktiv: Boah, das darf überhaupt nicht sein, das darf einfach nicht sein, dass Gott uns so wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Aber das wird er tun, wenn sie den Messias, auf den sie hingelebt haben, ablehnen. Das war ihre wesentliche Funktion. Dieses Volk existiert durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch mit einer einzigen Absicht. Sie sind dazu berufen, den Messias Gottes hervorzubringen.
Und wenn sie diesen Messias ablehnen, verlieren sie in dem Moment ihre Berufung. In diesem Moment wird Gott sie ersetzen durch eine andere Größe, durch die Gemeinde. Und die Leute sagen: Nein, auf keinen Fall, das geht doch nicht, das kann Gott doch nicht machen.

Der verworfene Stein wird zum Fundament

Und Jesus fährt fort und sagt in Vers 17: Er sah sie an und sprach: Was ist denn das, was geschrieben steht? Jetzt zitiert er aus dem Alten Testament: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.
Also, wenn ihr denkt, dass Gott so nicht sein kann, dass das auf keinen Fall geht, dass Gott etwas Neues baut, wenn man sagt, es muss immer beim Alten bleiben, dann sagt Jesus: Stopp, da gibt es doch einen Vers in der Bibel. Und der Vers hat mit einem Eckstein zu tun.
Und dieser Eckstein ist was? Vielleicht muss ich das doch noch von vorn erklären. Ich erkläre euch mal, was ein Eckstein ist, okay? Ecksteine sind schwierig, das so zu erklären. Ach, es ist gut, dass wir das haben. Wer auch immer sich das ausgedacht hat, das kann ich richtig gut gebrauchen heute. Kann man das anheben? Nein, kann man nicht. Gut, also stellt euch vor, das hier wäre eine Natursteinmauer. Stellt euch das einfach mal vor, ein bisschen grösser vielleicht, ein bisschen höher, ein bisschen länger. Natursteine, nicht Beton gegossen, sondern Natursteine, also Stein auf Stein mit wenig Mörtel.
Dann bedeutet das Folgendes: Das hier ist eine Mauerscheibe, und das ist auch eine Mauerscheibe, grosse Mauerscheibe. Die sind in sich halbwegs stabil, ja, die fallen nicht gleich um. Aber sie brauchen, damit sie, wenn sie so aufeinanderstossen, richtig stabil stehenbleiben, einen Eckstein. Der ist im Allgemeinen hier unten. Das ist ein besonders grosser, gearbeiteter Stein, der quasi von beiden Seiten die Last nimmt und dafür sorgt, dass das ganze Ding ein Fundament kriegt und stabil ist. Das ist ein Eckstein.
Jetzt gibt es diese Stelle im Alten Testament: Die Bauleute wollten da so Mauern bauen, suchten so ein bisschen herum, womit fangen wir denn an, haben da so einen Stein in der Hand, schmeissen den erst mal weg, sagen: Mit dem Stein kann man ja gar nichts anfangen. Und mit einem Mal, ein bisschen später, geht jemand herum und denkt sich: Den Stein kenne ich doch. Das war doch der Stein, über den sie sich vorher alle so aufgeregt haben und so lustig gemacht haben. Mit dem kann man ja gar nichts anfangen. Und genau der Stein ist in einem anderen Gebäude ein Eckstein, der zentrale Stein hier unten geworden, auf dem die gesamte Last ruht, wo die Mauerscheiben links und rechts ihre Stabilität und ihre Ausrichtung herbekommen.
Boah, sagt Jesus, ist interessant, oder? Dass es so etwas gibt im Alten Testament, dass diese zwei Konzepte, da wird etwas verworfen und das, was verworfen wird, wird zu einer Grundlage für etwas ganz Neues, dass diese beiden Konzepte irgendwie so zusammenhängen.
Und Jesus bringt diesen Vers, weil die anderen ja gerade sagen: Das geht doch nicht, ja? Dass Gott noch einmal etwas Neues anfängt. Und Jesus sagt: Doch, in eurer Schrift, in eurer Bibel gibt es einen Vers, der bringt diese beiden Dinge zusammen. Da wird etwas oder jemand verworfen, und der wird zum Eckstein für etwas ganz Neues.
Und dann hängt Jesus eine Warnung an. Ich mag das, weil es mir zeigt, wie Jesus an dieser Stelle die Hohenpriester und die Schriftgelehrten noch nicht völlig verloren gibt. Er warnt sie und sagt: Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird zerschmettert werden. Ihr müsst euch vorstellen, dass Ecksteine so richtig fette, grosse Klunker sind. Wenn du da aus entsprechender Höhe drauffällst, keine Chance.
Und noch schlimmer: Auf wen er aber fallen wird, den wird er zermalmen. Ich stelle mir das immer so vor: Es gibt so Actionfilme, wo dann der Held immer durch irgendwelche Höhlen rennen muss, und dann fallen so von oben die Steine runter. Und wenn man so eine Gruppe von Helden hat, bleiben immer ein oder zwei bei dem Rennen auf der Strecke, das dünnt sich dann so im Verlauf des Films halt aus, und im Allgemeinen kommt immer mal so ein Klopper: bam! Und da kümmert sich dann auch keiner mehr drum um den, weil du weisst einfach, es ist vorbei.
Also wenn der Klunker gross genug ist: bam! Dann kannst du weiter rennen, du brauchst nicht noch mal probieren. Das ist das, was Jesus hier sagt. Der Eckstein selber, wenn du auf den drauf fällst oder wenn er dich erschlägt, wenn du dem falsch begegnest, du hast keine Chance. Du hast nicht den Hauch einer Chance gegen den Eckstein.

Die Warnung bleibt, die Frage bleibt offen

Vers 19 Und die Hohen Priester und die Schriftgelehrten suchten zu dieser Stunde, die Hände an ihn zu legen, und sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis auf sie geredet hatte. Traurig, traurig, traurig. Da warnt Jesus sie. Er sagt: Wenn ihr diesen Weg zu Ende geht, Freunde, dann werdet ihr alles verlieren, wofür ihr gekämpft habt.
Der Wunsch der Hohen Priester und der Schriftgelehrten ist es, ihr Volk zu retten, ihr Volk als Größe zu erhalten und diesem Volk neue Bedeutung zu geben. Aber wenn sie den Weg zu Ende gehen, dann passiert genau das Gegenteil.
Bis dahin habe ich meine Predigtvorbereitung gemacht, und dann dachte ich mir: Wie spät haben wir jetzt? Fünf nach. Das ist ja nun nicht die Botschaft, die ich euch predigen kann. Ich könnte jetzt sagen: Alle Hohen Priester und Schriftgelehrten im Saal, bitte lasst euch warnen. Dann dachte ich mir: So viele werden das wahrscheinlich gar nicht sein. Was kann ich? Was können wir mit so einem Vers machen?
Ich möchte jetzt etwas tun, was ich selten tue. Ich bin kein Freund von Sprungbrett-Predigten, die irgendwo einen Begriff nehmen und dann woanders landen, und du fragst dich, wie er da hingekommen ist. Das mache ich im Allgemeinen nicht so gerne, aber hier möchte ich das mal wagen.
Ich möchte es deshalb wagen, weil der Begriff Eckstein uns dazu einlädt. Er lädt uns deshalb dazu ein, weil wir ja alle davon überzeugt sind, die wir Christen sind, dass dieser Eckstein, von dem hier gesprochen wird, nicht wirklich ein Stein ist, sondern dass er eine Person ist.

Christus als lebendiger Eckstein

Ich lese euch dazu Apostelgeschichte 4,8-12 vor.
Petrus und Johannes sind hier ganz am Anfang der Kirchengeschichte vor dem Hohen Rat, also vor dem Gremium, das wenige Wochen vorher Jesus verurteilt hatte. Sie werden dort zur Rechenschaft gezogen für ihre Predigten.
 Apostelgeschichte 4,8: Da sprach Petrus, erfüllt mit Heiligem Geist, zu ihnen: Oberste des Volkes und Älteste! Wenn wir heute über die Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden, wodurch dieser geheilt worden ist, so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Im Namen Jesu Christi, des Nazareers, den ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten, in diesem Namen steht dieser gesund vor euch. Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verachtet, der zum Eckstein geworden ist. Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen.
Schön, oder? Vor den Menschen, zu denen Jesus gesagt hatte: Vorsicht! Wenn ihr jetzt weitergeht, wenn ihr das ausführt, was in eurem Herzen ist, dann werdet ihr erleben, was das bedeutet, dass der Eckstein, den ihr verworfen habt, ein Fundament wird für etwas ganz Neues.
Und hier kommen die Apostel und sagen: Ihr wisst, was Jesus damals gemeint hat, oder? Ihr erlebt es förmlich in eurer Zeit. Ihr habt Jesus gekreuzigt, und ihr dachtet, jetzt sind wir den Kerl los. Und dann passiert etwas: Auferstehung. Damit hättet ihr vielleicht noch leben können, aber dann passiert Pfingsten, und plötzlich sind wir alle hier. Wir wissen auch nicht genau, was jetzt hier passiert, aber getrieben von dieser neuen Kraft, von dieser neuen Begeisterung, vom Heiligen Geist, predigen wir. Und soll ich euch was sagen, ihr lieben Hohenpriester und Schriftgelehrten und so weiter: Die Leute kommen zum Glauben.
Und warum? Weil tatsächlich etwas Neues entstanden ist. Weil dieser Eckstein nicht einfach nur herumliegt, wie man so einen Stein heute bei Ruinen sieht, sondern weil Gott auf diesen Eckstein draufbaut.
 Epheser 2,20: Da schreibt Paulus an die Epheser: Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten. Das, was die Apostel gepredigt haben, wofür die Propheten standen, das ist unsere Grundlage. Aber in dieser Grundlage, da gibt es einen Eckstein. Da gibt es einen Stein, der das Ganze zusammenhält, ausrichtet, stützt. Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist.
Fantastisch! Das heißt, wenn wir darüber nachdenken, dass Jesus der Eckstein ist, dann dürfen wir an einer Stelle nicht stehenbleiben. Wir dürfen nicht dabei stehenbleiben, uns zu sagen: Aha, er ist Eckstein. Sondern wir müssen das größere Bild sehen, was Gott mit diesem Eckstein im Begriffe ist, vor uns hinzustellen.
Ein Eckstein ist immer etwas, was zu einem größeren Bau gehört. Und ich möchte euch kurz dieses Bauwerk zeigen.

Die Gemeinde als geistliches Haus

Erster Petrus 2,1-7
Der Stein, der Eckstein, Jesus, ist nämlich ein lebendiger Stein. Er ist ja wieder auferstanden, er ist ja nicht tot. Also wenn Paulus davon spricht, dass Jesus das Fundament ist, der Eckstein ist, dann ist er das nicht wie vielleicht ein Konfuzius-Eckstein für die Leute, die seiner Lehre angehören: irgendein toter Heiliger, ein toter Gelehrter, dem man jetzt noch ein bisschen folgen kann, sondern Jesus lebt. Und als ein lebendiger Stein geht er jetzt einen Schritt weiter.
 1. Petrus 2, ich lese ab Vers 1 bis Vers 7: Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden. Und seid wie neugeborene Kinder begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch sie wachst zur Rettung, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist.
Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein – ich weiß nicht, ob ihr mit schmunzeln könnt bei solchen Bildern. Vielleicht seid ihr nicht so lustig, und vielleicht seid ihr auch müde heute Morgen. Aber stellt euch vor, ihr hättet eine Mauer, und du stehst vor dem Stein, und plötzlich spricht er dich an: Hallo. Das ist ein lebendiger Stein. Also das ist natürlich in sich auch wirklich ein bisschen lustig gedacht, so zu einem lebendigen Stein.
Von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar: Lasst euch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus. Denn es ist in der Schrift enthalten: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.
So, bis dahin, noch Vers 7: Euch nun, die ihr glaubt, bedeutet er die Kostbarkeit. Für die Ungläubigen aber gilt: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.

Was Glauben am Eckstein verändert

So, jetzt: Warum dieser Vers? Das, was im Blick auf die Hohenpriester und die Schriftgelehrten gesagt wird, betrifft ungläubige Leute. Sie erleben nur, dass das, was sie nicht wollten, plötzlich ganz zentral wird.
Jetzt die Frage: Was erleben wir, wenn wir in Jesus den Eckstein erkennen? Was haben die Leute kapiert, die unter der Predigt der Apostel gelernt haben: Jesus ist der Eckstein? Genau das ist es, was Petrus hier noch einmal herauszuarbeiten versucht. Im Wesentlichen müssen wir im Blick auf den Eckstein zwei Dinge begreifen. Und ich fange mit dem Schöneren an, ja, ich fange mit dem Schöneren an, mit dem, was mich persönlich einfach begeistert.
Vers 6: Denn es ist in der Schrift enthalten: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.
Da, wo wir an Jesus als den Eckstein glauben, an das Fundament eines neuen Hauses Gottes, der Gemeinde, gehen wir nicht verloren. Und ich möchte euch gern das Original vorlesen. Petrus zitiert relativ frei aus dem Propheten Jesaja. Jesaja 28,16. Jesaja formuliert es einen kleinen Tick anders. Es ist der gleiche Inhalt, aber er formuliert es etwas freier. Und ich mag das, wie er es ausdrückt, deswegen will ich euch das nicht vorenthalten.
 Jesaja 28,16: Darum so spricht der Herr, Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, Felsen, fest gegründet. Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen.
Vielleicht habt ihr das schon einmal gelesen. Wer glaubt, wird nicht nur nicht verloren gehen, sondern er wird nicht ängstlich eilen. Ängstlichkeit, dieses Getriebensein, wenn Panik in mein Leben hineinkommt, wenn Angst in mein Leben hineinkommt, wenn ich nicht mehr weiß, ob das Fundament, auf dem ich stehe, mich noch trägt, wenn ich den Eindruck habe, hier bebt alles durch und hier könnte gleich alles zusammenstürzen. Wenn das mein Leben kennzeichnet, dann brauche ich ein Fundament, das so stabil und so stark ist.
Wir würden heute vielleicht nicht vom Eckstein sprechen, sondern wir würden vom Stützpfeiler sprechen. Wir brauchen etwas, worauf ich mein Leben setzen kann, und das ist Jesus. Er ist als Eckstein Fundament und Ausrichtung deines Lebens. Und ich möchte dir das heute Morgen so sagen: Jesus möchte dir aus deinem Leben die Angst nehmen. Das ist schwierig, weil wir in einer Welt leben, von der Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst. Ja, das ist eine Spannung.
Wir werden jeden Tag neu mit Dingen konfrontiert, die uns Angst machen. Wir schauen in eine Zukunft, in der wir nicht genau wissen, was kommen wird. Und jetzt kommt Jesus und sagt: Ich möchte in deinem Leben der Eckstein sein. Ich möchte in dem Haus, das dein Leben darstellt, der sein, der an der Ecke sitzt und ihm Stabilität und Ausrichtung gibt. Das wünsche ich mir für dich. Und das ist das Angebot, das ich für dich habe.
Es geht nicht nur darum, im Himmel anzukommen, das auch. Diese Sicherheit ist vielleicht die wichtigste, aber sie ist nicht die einzige. Heute schon geht es darum, da, wo Angst in unserem Leben ist, dieser Angst mit dem Wissen zu begegnen, dass es in unserem Leben absolute Sicherheit, Stabilität und Ausrichtung gibt. Oder anders ausgedrückt: Der lebendige Gott steht auf deiner Seite, er steht an deiner Seite und er möchte mit dir durchs Leben gehen.
Das ist der eine Aspekt, wenn wir an den Eckstein glauben.

Lebendige Steine und geistliche Opfer

Der andere Aspekt: Wenn man so will, war das eben die persönliche Ebene. Es gibt aber auch eine gemeindliche Ebene. Die lese ich noch einmal vor in Vers 5: 1. Petrus 2,5.
Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen. Jesus ist ein Stein, aber du bist in dem großen Haus Gottes auch ein Stein, ein lebendiger Stein. Ich kann jeden der ABC-Schützen hier nach vorne holen und ihn zum Quietschen bringen. Der lebt, lebendige Steine.
So, und jetzt kommt dieses: Wenn Jesus Eckstein ist, was heißt das denn? Es heißt, es gibt ein Bauwerk, es gibt Gemeinde, und Petrus sagt: Bitte, mach es doch so. Lass dich als lebendigen Stein aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlgefällig durch Jesus Christus.
Ihr merkt, wo ich gelandet bin: Jesus ist der Eckstein, der von den Bauleuten, von seinem Volk, verworfen wird, aber doch Eckstein ist. Und an diesen Eckstein gilt es zu glauben. Und wer heute hier ist und sagt: Ich habe diesen Glauben noch nicht, ich habe vielleicht noch diese Furcht im Herzen vor dem, was kommt, die Furcht auch vor dem Tod, für den ist hier ein Fundament, das tragen kann, das uns retten kann vor dieser Angst.
Und wenn du sagst, ich glaube an diesen Eckstein, dann begreif dich weiter als jemanden, der selbst ein lebendiger Stein ist. Der diesen Eckstein sieht und sagt: Wie sieht denn das Haus aus, das Gott auf der Grundlage der Apostel und Propheten mit Jesus als Eckstein hier bauen will? Wie kann ich mich als ein lebendiger Stein einbringen? Oder besser noch: Ich finde dieses Bild hier wunderbar, als ein heiliges Priestertum?
Priester: Gott hat Männer und Frauen, die glauben, zu Priestern und Priesterinnen gemacht. Und wir bringen geistliche Schlachtopfer. Im Alten Testament – manch einer hält das Alte Testament für das Bilderbuch des Neuen – da wurden so richtige Opfer gebracht, also richtige Opfer im Sinne von: Da bist du hingegangen und hattest deine Ziege dabei oder deinen Sack Weizenkörner oder, was weiß ich, deine Amphore Wein oder keine Ahnung. Das hast du da hingebracht.
Wir bringen andere Opfer, wir bringen geistliche Schlachtopfer. Und dazu zählt im Römerbrief, schreibt Paulus, dass wir unser Leben, unseren Leib, als ein Opfer bringen. Das, was wir so an Möglichkeiten in unserem Leben haben, das setzen wir ein. Im Hebräerbrief wird, wenn wir Gott loben, es als Opfer betrachtet. Wenn wir freigiebig sind, einander helfen mit dem, was wir haben, das ist ein Opfer. An anderer Stelle, zum Beispiel hier im 1. Petrusbrief, wenn wir Gottes Tugenden verkündigen, wenn wir mit anderen über Gott reden – was uns ja manchmal schwerfällt, das ist nicht immer einfach –, auch das ist ein Opfer. In der Offenbarung sind unsere Gebete Opfer.
Und ihr merkt, das sind alles geistliche Opfer. Keiner von euch muss sich jetzt in der Zoohandlung eine Ziege besorgen. Das ist nicht drin. Aber jeder von euch kann die Hände falten, kann loben, kann danken, kann spenden, sein Leben investieren, mit anderen über Gott reden. Das sind geistliche Schlachtopfer, und dazu sind wir berufen.
Und nicht nur: Ja, da gibt es in der Gemeinde so eine kleine Gruppe, die muss halt immer alles machen. Nein, wir alle hier sind Priester, und wir alle haben in dieser Baugemeinde irgendwo unseren Platz. Und ein Job, den jeder von euch hat, ist, diesen Platz zu finden. Wo passe ich mit meiner Gabe? Wo passe ich da rein? Was bin ich? Und da setzt du dich rein.
Warum? Weil du weißt, dass ganz da unten drunter ein Eckstein ist, auf dem du stehst. Du musst keine Angst haben mit dem Job, den du da machst. Hoffentlich kriege ich das. Nein, du hast den Eckstein, der trägt, der ist verantwortlich dafür, dass der Bau hält. Und du bist nur für deine kleine Stelle verantwortlich, wo du geistlich gesprochen als Priester und Priesterin dienst.
Und das ist das, was sich für mich mit diesem Begriff Eckstein verbindet.

Die entscheidende Frage am Ende

Und deswegen zum Schluss: Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten stellen eine Frage. Und die Frage, die sie stellen, lautet: Wie werden wir ihn los? Für sie ist es einfach. Ihnen ist jedes Mittel recht.
In dem Leben, in dem Jesus zum Eckstein wird, stellen wir uns eine ganz andere Frage. Da geht es nicht mehr darum: Wie werde ich ihn los? Sondern: Wie bekomme ich möglichst viel von ihm in mein Leben hinein? Wie kann ich mein Leben so einrichten, dass Jesus besonders viel Platz darin findet? Und wie entwickle ich eine möglichst belastbare, tiefe und prägende Jesusbeziehung?
Und das ist das Vorrecht, in das wir alle hineingestellt sind, die wir durch den Glauben an den einen Eckstein selbst zu lebendigen Steinen geworden sind.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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